3. Unterschiedliche Büchslein mit ganz verdächtigen Kräutern.

4. Eine nicht geringe Menge von Gläsern und Fläschlein, gefüllt mit

Wassern und Fett, so vermutlich von gebratenen Kindern herrührt.

5. Ist sonderlich auch als ein gar schrecklich Zeichen sicheren

Bündnisses mit dem Satan zu bemerken, daß im ganzen Zimmer nicht Kreuz

noch Weihbronnen zu finden.«

Der Schreiber spritzte die Feder aus, und der Vogt wischte sich den

Schweiß von der Stirne. Als er die Alte ansah, bemerkte er, daß ihr

Blick fest nach einem Winkel des Zimmers gerichtet war. Und als er

dort eine mächtig große Spinne erschaute, die langsam mit ihren

dünnen Beinen an der grauen Wand hinankrabbelte, da drückte er seinen

Hut fester auf den Kopf und eilte mit den Worten: »Das ist der

Teufel selbst!« aus der Stube. Ihm nach folgten die Schergen mit den

beiden Gefangenen und zuletzt Herr Petrus Hänflein, große Kreuze mit

zitternder Hand schlagend.

Unten auf der Straße wogte viel Volk auf und ab und flüsterte sich in

die Ohren. Tiefe Stille herrschte, als der Vogt und die anderen mit

ihm ins Freie traten. Wie sie die Köpfe zusammensteckten, die Vettern

und Basen, und wie sie die Hälse reckten, die Ehrentapfern, und sich

anstießen: -- »'s ist 'ne Hexe, hab's schon längst gesagt.«

Der Zug setzte sich in Bewegung. Voraus ein Scherge, dann die alte

Bernin, am Halsstricke geführt von einem Knechte. Hinter ihr der

Student, die Hände über dem Rücken gebunden, das schöne Antlitz von

Zorn und Schmerz und Beschämung verzerrt. Rings Schergen und zuletzt

stolz aufgerichtet wie ein siegreicher Feldherr der Vogt und ihm zur

Seite schleichend, zitternd der Schreiber mit dem Protokolle.

Die Menge folgte schiebend und drängend und wandte ihre Aufmerksamkeit

immer mehr dem Studenten zu, dem infolge der bis aufs äußerste

gesteigerten Aufregung die hellen Tränen über die zuckenden Wangen

rollten.

»Was es nur mit dem sein mag?« flüsterten sie und bückten sich, um ihm

recht unters Gesicht schauen zu können. »Sieht doch mehr einem frischen

Jungen als einem Hexenmeister und Zauberer gleich!«

»Mein Gott,« schalt ein anderer mit lauter Stimme und schielte dabei

nach dem Vogte, »heutzutage ist alles verhext und verteufelt, am Ende

auch noch die Herren am Gerichte. 's ist ein häßlich Leben in unserer

Zeit!« -- --

Gegenüber dem Grafeneckersturm an der Ecke des Platzes mit dem großen

Brunnen steht ein stolzes Haus. Aus seinen geöffneten Erkerfenstern

schaut hinter lieblichen Rosen ein herrliches Mädchenangesicht auf

die vorüberwogende Menge nieder. Das dunkelblaue Sammetgewand, von

goldgesticktem Gürtel umschlossen, blickt wie nächtiger Himmel hinter

dem blühenden Blumengesträuche hervor, während das engelmilde Antlitz

mit den großen Vergißmeinnichtaugen und mit der goldenen Lockenpracht

dem Monde gleich in sanftem Glanze widerstrahlt.

Der Zug ist vorüber; ein tiefschmerzlicher Blick aus schönen Augen hat

ihn mit einer Träne gegrüßt. Nun schließen sich die Fenster, und es

ist, als sei der Mond untergegangen.

Edeltraut war auf ihre Kniebank vor dem Bilde des Gekreuzigten

niedergesunken. Die zarten Hände bedeckten das glühende Antlitz, die

Seele suchte nach Gebet und fand es nicht und rang sich fruchtlos müde.

»Tochter,« unterbrach der Greis das Schweigen, »Edeltraut, du weinst!«

Das Mädchen erhob sich langsam, strich die Locken aus der Stirne und

küßte den Alten.

»Ja, Vater, ich habe geweint,« sprach sie, mit dem weißen Tuche sich

die Augen trocknend.

»Und warum, Kind? Bist du nicht glücklich? Bist du nicht die schönste

Maid im Frankenlande, hast du nicht einen Vater, der dich innig liebt?

Bist du nicht reich und angesehen, und, was dein höchster Schatz

und Schmuck ist, bist du nicht gut und rein und schuldlos wie ein

Morgensonnenstrahl? Und dennoch Tränen?«

»Ich will's Euch klagen, Vater. Als ich dort am Fenster stand

und auf meine Rosen glücklich niederschaute, und sie mir duftige

Frühlingsmärchen erzählten, drang dumpfes Wogen von der Straße

herauf zu mir. Sie brachten wieder ein armes Opfer des schrecklichen

Hexenwahnes an unserem Hause vorüber. Die alte Bernin war's, du kennst

sie ja! Und hinter ihr ging -- zwischen Schergen -- gebunden -- ach!«

»Um Himmels willen, Tochter, golden Kind!«

Das Mädchen war wie zur Leiche geworden und vor des Vaters Füßen

zusammengebrochen.

Der Greis zog mit stürmischer Hand die Glocke, und bald hatten helfende

Hände die Bewußtlose auf ein Ruhebett gebracht. Das Leben kehrte

allmählich in den schönen Leib zurück, schwach zitterte der Atem aus

der Brust herauf und durch die blassen Lippen, und dann drang zwischen

den Lidern eine große, volle Träne hervor und erstarrte wie ein Demant

auf den blassen Wangen. Und nun schlug sie langsam die schönen Augen

auf, Vergißmeinnichte ohne anderen Glanz als den des Schmerzes.

Die Hexenrichter von Würzburg: Historische Novelle · 第 8 / 38 题