EDUARD: (schreitet fremd und einsam aus dem Zimmer wie _über einen Berg
herüber_. Frau Sonntag sieht ihm melancholisch nach; nimmt das Couvert
zerstreut vom Tisch und tritt ans Fenster, vor das die Verlobten treten;
Marta blickt erstaunt den Zaun des Gartens entlang.)
MARTA: Denk mal, Mama -- (Frau S. hört kaum hin) eben ging Berta aus dem
Haus am Zaun vorbei in _meinem_ Jackett und Hut und _ihre_ Sachen hängen
an meinem Haken am Ständer.
v. SIMON: Darf ich der verehrten Mama die Hand küssen? (Berührt die ihm
zaudernd dargereichte Hand.)
Fr. SONNTAG: (verlegen) Ich kann mich noch garnicht an den Gedanken
gewöhnen.
AUGUSTE: (wartet am äußeren Ende des Zimmers. Die Situation ist ihr
unbegreiflich. Sie geht heraus.)
MARTA: (schmollt. Sie nimmt eine Kamille aus ihrem Gürtel und befestigt
sie über dem Herzen v. Simons.)
v. SIMON: Du wirst mich ausputzen wie einen Geck, Kätzchen.
Fr. SONNTAG: (öffnet apathisch das Couvert, sie nimmt Martas nackte
Photographie hervor -- erschrickt heftig -- begreift nicht, betrachtet
sie von allen Seiten. Sie ruft Marta ans Fenster zu sich und hält ihr
die Kehrseite des Bildes vor Augen.)
Fr. SONNTAG: Marta, kennst Du die Handschrift?
MARTA: (übermütig) Das ist Pius seine dicke Tatze.
AUGUSTE: (kommt geheimnisvoll ins Zimmer) Herr Eduard sitzt in seine
Stub und beguckt sich im Spiegel.
MARTA: Den hat er doch beklebt, daß er nicht eitel werde. (Frau Sonntag
schließt das Bild in ihren Sekretär ein.)
v. SIMON: (leise zu Marta) Für Dich wird es auch die höchste Zeit, hier
herauszukommen, Kätzchen.
Fr. SONNTAG: (apathisch, dann aufleuchtend zu sich redend, aber den Kopf
zu den Beiden zum Fenster hin gewandt) Ich werde ihm eine Herzensfreude
machen.
MARTA: (etwas schnippisch) Du willst wohl mit ihm ins Kloster gehen,
Mama? (Auguste geht mit der Gebärde, die ausdrückt um Himmelswillen
nicht, fürsorglich hinter Frau Sonntag aus der Türe. Die Verlobten
verschwinden im Garten.)