Mutter PIUS: (nimmt ihr Körbchen am Arm und reicht Auguste die Hand.)

AUGUSTE: Hab'n Se denn unsere Frau schon gesprochen?

Mutter PIUS: Das sehen Se doch an die schmierige Spitzen. (Aufs Körbchen

weisend.)

AUGUSTE: (glotzäugig, gläubig) Was Se nich alles verstehn!

Mutter PIUS: Alles muß man verstehen, das feinste und das gröbste.

AUGUSTE: (schüttelt bewundernd den Kopf. Mutter Pius wendet sich

geringschätzend und diabolisch lachend, noch einmal zu Auguste herum.)

Mutter PIUS: Hab'n Se molz en flotten Kerl gefunden, trotz de Karten?

AUGUSTE: Nä, leider nich, Eure Karten sind reine Teufels, Mutter Pius.

Mutter PIUS: Kommen Se de doch ens wieder bei mich, vielleicht kriegen

wir Gewalt über den Zauber, Auguste.

AUGUSTE: Wenn ich mich erlauben darf. (Man hört Husten aus dem Pavillon;

sie horchen beide erschreckt nach der Richtung.)

AUGUSTE: Das is Herr Eduard nich, das is de Marta, die guckt zu lang in

de Nacht aus' en Fenster.

Mutter PIUS: (lauernd) Euer Fräulein soll ens lieber schlafen.

AUGUSTE: Sie möcht auch von Euch de Karten gelegt haben.

Mutter PIUS: (freudig) Eine Gräfin war bei mich.

AUGUSTE: (sie anstaunend) Wenn Se's nich wieder sagen, zeig ich Euch ne

neumodsche Photographie von de Marte -- splitternackt, wie's erste Weib

unterm Baum. (Frau Sonntag und Heinrich treten unbemerkt aus dem Haus.)

Mutter PIUS: Du hältst de Mutter Pius wohl für dumm?

AUGUSTE: Ihre Freundin, das Fräulein Oberbürgermeister, hat se so

abgenommen. --

Mutter PIUS: Lauf wacker! (Auguste eilt fort durch die Seitentür, Mutter

Pius ruft ihr nach) Ich leg Dich auch fein die Karten, Auguste ...

(Mutter Pius bemerkt die Kommenden, Heinrich nähert sich dem

Zaun, und nimmt von einer Frau die Abendzeitung entgegen, drückt

ihr flüchtig ein Geldstück in die Hand, indessen Frau Sonntag

zum Zelt schreitet.)

Mutter PIUS: (gewandt) Verzeihen Se, Ma'm Sonntag, daß ich noch hier

stehn tu, ich wollt mein Enkelsohn Addjüß sagen. (Frau Sonntag nickt

freundlich herablassend und geht rechts, die Rosen betrachtend, weiter.

Mutter Pius kommt auf Heinrich zu, klopft ihm vertraulich auf die

Schulter.)

HEINRICH: Schockschwerenot, Frau Pius, wie geht es Euch bei den

schlechten Zeiten?

Mutter PIUS: Davon wissen Sie doch nicks, Herr Heinrich.

HEINRICH: Un immer jünger werden Se. (Berta tritt aus dem Haus, den

Tisch zu decken.)

Mutter PIUS: Sie Schmeichler.

HEINRICH: (zynisch, gutmütig) Frau Pius, was meinen Se zu uns zwei?

Die Wupper: Schauspiel in 5 Aufzügen · 第 16 / 73 题