Er hob den Blick zu ihr und sah sie lächeln. --

Sie bewegte sich.

Immer schärfer, farbiger und klarer wurden die Fresken, -- heilige Geräte

standen umher. So deutlich war alles, daß Hauberrisser den Anblick des

Zimmers darüber vergaß und nur mehr den Tempel und die rot und goldene

Malerei ringsum erkannte.

Geistesabwesend starrte er in das Antlitz der Göttin und langsam, langsam

kam es wie eine dumpfe Erinnerung über ihn: Eva! -- Das war doch Eva und

nicht die Statue der ägyptischen Göttin, der Mutter der Welt!

Er preßte die Hände an die Schläfen -- konnte es nicht fassen.

»Eva! Eva!« schrie er laut auf.

Wieder traten die kahlen Mauern der Stube durch die Tempelwände hindurch,

die Göttin thronte noch immer lächelnd darin, aber dicht vor ihm, seinem

Schauen leibhaftig und wirklich, stand als irdisches Ebenbild die

Erscheinung eines jungen, blühenden Weibes. -- --

»Eva! Eva!« -- mit einem jauchzenden Schrei grenzenlosen Entzückens riß er

sie an sich und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen -- »Eva!« -- -- -- --

Dann standen sie lang, eng umschlungen vor dem Fenster und sahen zu der

toten Stadt hinüber.

»Helft, wie ich, den kommenden Geschlechtern ein neues Reich aus den

Trümmern des alten wieder aufzubauen,« fühlte er einen Gedanken, als sei es

die Stimme Chidhers, sagen, »damit die Zeit anbricht, in der auch ich

lächeln darf.«

Das Zimmer und der Tempel waren gleich deutlich geworden.

Wie ein Januskopf konnte Hauberrisser in die jenseitige Welt und zugleich

in die irdische Welt hineinblicken und ihre Einzelheiten und Dinge klar

unterscheiden:

er war hüben und drüben

ein lebendiger Mensch.

Das grüne Gesicht: Ein Roman · 第 37 / 38 题