Hauberrisser blickte verstört umher.
Endlich kam er zu sich.
Er erkannte deutlich die kahlen, schmucklosen Wände seines Zimmers, und
doch waren es zugleich die Wände eines Tempels mit Fresken ägyptischer
Göttergestalten bemalt; er stand mitten darin -- beides war Wirklichkeit;
er sah die hölzernen Dielen des Bodens und zugleich waren es steinerne
Tempelfliesen, -- zwei Welten durchdrangen einander -- in eine verschmolzen
und doch voneinander getrennt -- vor seinem Blick, als sei er wach und
träume in ein und derselben Sekunde; er fuhr mit der Hand über den Kalk der
Wand, fühlte die rauhe Fläche und hatte dennoch die untrügliche Gewißheit,
daß seine Finger eine hohe goldene Statue berührten, die er als die Göttin
Isis, auf einem Throne sitzend, zu erkennen glaubte.
Ein neues Bewußtsein war zu seinem gewohnten, menschlichen, das er bisher
besessen, dazu getreten -- hatte ihn mit der Wahrnehmung einer neuen Welt
bereichert, die die alte in sich schlang, berührte, verwandelte und dennoch
auf wunderbare Weise fortbestehen ließ.
Sinn für Sinn wachte doppelt in ihm auf -- wie Blüten, die aus Knospen
hervorbrechen.
Schuppen fielen ihm von den Augen; wie jemand, der ein ganzes Leben
hindurch alles nur in Flächen wahrgenommen hat und dann mit einem Schlage
eine räumliche Gestaltung sich daraus bilden sieht, konnte er lange nicht
fassen, was sich begeben hatte.
Allmählich begriff er, daß er das Ziel des Weges, den zu Ende zu gehen der
verborgene Daseinszweck jedes Menschen ist, erreicht hatte: ein Bürger
zweier Welten zu sein. -- -- -- --
Wieder schrie ein Kind.
* * * * *
Hatte Eva nicht gesagt, sie wolle Mutter sein, wenn sie wieder zu ihm käme?
-- Wie Schrecken durchfuhr es ihn.
Hielt die Göttin Isis nicht ein nacktes, lebendiges Kind im Arm?