15. September 172*.

Ich danke Euch, liebes Tantchen, für das Wintermäntelchen, das Ihr mir

gesandt habt. Wirklich, Ihr seid zu vorsorglich, da Ihr mir Euer liebes

Geschenk jetzt geschickt habet, wo wir noch in Kleidern auf die Strasse

gehen. Ich erkenne das liebe Tantchen Rosalie sowohl in dieser

Aufmerksamkeit, als auch in der Wahl des Zeuges! Wo habt Ihr bloss einen

solch prächtigen Stoff gefunden? Hauptsächlich einen mit solchem Dessin?

Diese so grellen Rosen mit den grünen Blättern auf goldig-gelbem Grunde

sind der Gegenstand der Bewunderung aller unserer Bekannten, die uns

besonders besuchen, um Euer Geschenk zu sehen, und ich warte mit Ungeduld

auf die Kälte, um diese Pracht einzuweihen. Wir sind alle gesund, wenn wir

auch bescheiden leben und uns nirgendwo zeigen. Zu Hause macht uns Jacques

viel Spass; das ist ein sehr lustiger, lieber junger Mann, talentvoll und

arbeitsam, so dass Papa nicht genug Lob finden kann. Mütterchen gefällt es

nicht, dass er nicht zur Kirche geht und nicht fromme Gespräche liebt.

Natürlich ist das nicht gut, aber man kann diesen Fehler mit seiner Jugend

entschuldigen, um so mehr, als Jacques ein sehr bescheidener Jüngling ist:

er treibt sich nicht herum, spielt nicht und trinkt nicht. Noch einmal

danke ich Euch, liebe Tante, für den Wintermantel und bleibe

Eure Euch liebende Nichte

Claire Valmont.

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Geschichten(#41305) · 第 47 / 73 题