27. Juli 172*.

Entschuldigt, teure Tante, dass ich Euch so lange nicht geschrieben habe,

aber über diesem Umzuge haben wir alle den Kopf verloren; jetzt kommt alles

nach und nach in Ordnung, und gestern wurde schon das Schild aufgehängt;

Papa macht alles selbst, ärgert sich und schilt uns und gestern kam es mit

ihm so weit, dass er sein Gilet mit dem Hinterteil nach vorne angezogen

hatte. Mama lässt Euch vielmals grüssen; ich habe ein eigenes Zimmer, aber

neben dem ihrigen und die Tür lasse ich zur Nacht offen stehen, weil ich

immer noch derselbe Hasenfuss geblieben bin. Papa hat, ausser Jean und

Pierre, nur noch einen Lehrling und dann noch Jacques Mobert, der unlängst

zu uns in Dienst getreten und, wie ich glaube, von hier gebürtig ist. So

ein sonderbarer Kauz! Er kam, sich zu verdingen, in später Nacht, als wir

uns schon schlafen legen wollten; Papa hätte ihn beinahe, ohne weiter zu

reden, davongejagt, aber schliesslich ging alles gut aus. Arbeit gibt es,

gottlob! viel, so dass Papa sich ordentlich müde arbeitet; aber was ist

dabei zu machen, man muss doch auf irgendeine Art leben. Was soll ich Euch

über Lachaise-Dieu sagen? Es ist das ein ganz kleines Städtchen mit einem

alten Kloster, das wie eine Festung aussieht, in der Ferne kann man Berge

sehen. Ich weiss nicht, ob wir es hier nicht sehr langweilig haben werden,

obgleich wir schon einige Bekanntschaften gemacht haben. Einstweilen kommt

man noch, wegen der Einrichtung, zu nichts. Lebet wohl, liebe Tante,

entschuldigt, dass ich wenig schreibe -- ich habe furchtbar wenig Zeit und

dann ist es auch so heiss, dass mein Hals ganz nass ist. Ich küsse Euch

usw.

Eure Euch liebende Nichte

Claire Valmont.

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Geschichten(#41305) · 第 46 / 73 题