Entschuldigt, teure Tante, dass ich Euch so lange nicht geschrieben habe,
aber über diesem Umzuge haben wir alle den Kopf verloren; jetzt kommt alles
nach und nach in Ordnung, und gestern wurde schon das Schild aufgehängt;
Papa macht alles selbst, ärgert sich und schilt uns und gestern kam es mit
ihm so weit, dass er sein Gilet mit dem Hinterteil nach vorne angezogen
hatte. Mama lässt Euch vielmals grüssen; ich habe ein eigenes Zimmer, aber
neben dem ihrigen und die Tür lasse ich zur Nacht offen stehen, weil ich
immer noch derselbe Hasenfuss geblieben bin. Papa hat, ausser Jean und
Pierre, nur noch einen Lehrling und dann noch Jacques Mobert, der unlängst
zu uns in Dienst getreten und, wie ich glaube, von hier gebürtig ist. So
ein sonderbarer Kauz! Er kam, sich zu verdingen, in später Nacht, als wir
uns schon schlafen legen wollten; Papa hätte ihn beinahe, ohne weiter zu
reden, davongejagt, aber schliesslich ging alles gut aus. Arbeit gibt es,
gottlob! viel, so dass Papa sich ordentlich müde arbeitet; aber was ist
dabei zu machen, man muss doch auf irgendeine Art leben. Was soll ich Euch
über Lachaise-Dieu sagen? Es ist das ein ganz kleines Städtchen mit einem
alten Kloster, das wie eine Festung aussieht, in der Ferne kann man Berge
sehen. Ich weiss nicht, ob wir es hier nicht sehr langweilig haben werden,
obgleich wir schon einige Bekanntschaften gemacht haben. Einstweilen kommt
man noch, wegen der Einrichtung, zu nichts. Lebet wohl, liebe Tante,
entschuldigt, dass ich wenig schreibe -- ich habe furchtbar wenig Zeit und
dann ist es auch so heiss, dass mein Hals ganz nass ist. Ich küsse Euch
usw.
Eure Euch liebende Nichte
Claire Valmont.
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