Viertes Kapitel

Als Lieschen vor dem kleinen Pavillon stand, legte sie den Finger an den

Mund und öffnete die Tür, aus der das Licht in langen Streifen auf den

Gartenweg, das Beet und den Rasen fiel, um in den Berberizensträuchern zu

verschwinden. Die Prinzessin sass in schmachtender Stellung auf dem Sofa

und liess träge die Finger über die Saiten einer Laute an grünem Bande

gleiten. Wenn das kurze Ritornell schloss, fing sie es von vorne an, ohne

mit dem Gesang einzusetzen. Ich war eingetreten und blieb an der Tür

stehen; Die Prinzessin tat, als errate sie an den im Zugwinde flackernden

Kerzen, dass jemand hereingekommen sei und flüsterte:

»Bist du es, Lieschen?«

»Prinzessin,« sagte ich leise.

»Ambrosius!« rief Amalia aus, mir schnell ihr, im Kerzenschimmer noch mehr,

als sonst, glänzendes rundes Gesicht zukehrend, wobei sie die Laute aus den

Händen gleiten liess, dass sie dumpf auf den dicken Teppich unter dem

Tische aufschlug.

»Prinzessin . . .« sagte ich noch leiser.

»Ambrosius!« rief Amalia schmachtend und liess sich wieder aufs Sofa

gleiten.

»Prinzessin,« flüsterte ich fast, liess mich vor ihr aufs Knie sinken und

bedeckte ihre Hand mit Küssen.

»Ambrosius,« seufzte Amalia zwischen meinen Küssen. Beim Aufstehen stiess

ich mit dem Fuss an die Laute, die einen schwachen Ton von sich gab. Durch

das Fenster sah man grosse Sterne. Die Prinzessin sass verwirrt, mit

gerötetem Gesicht in Erwartung meiner Rückkehr da. Plötzlich wurde laut an

die Tür geklopft. Ich ordnete meine Perücke und öffnete dem erregten

Lieschen die Tür.

»Der Herzog . . . verlangt . . . die Herzogin ist von einem Sohne entbunden

worden,« murmelte das Mädchen.

»Von einem Sohne?« fragte ich zerstreut.

»Ambrosius!« rief mir die Prinzessin zu, die sich mit süssem Lächeln etwas

vom Sofa erhoben hatte.

»Prinzessin,« antwortete ich und winkte der zurückbleibenden Dame einen

Abschiedsgruss zu.

Die Sterne flimmerten grell über den Sträuchern beim Boskett. Ein im

allgemeinen Trubel vergessener Springbrunnen plätscherte leise. Im Korridor

traf ich den Bruder des Herzogs, der mich beim Mantel ergriff und mich

abgebrochen und erregt ansprach:

»Meister, Meister, sehet, Eure Voraussagung ist eingetroffen, Euer Stern

steigt, Euer Weg ist hell und strahlend: wie ich Euch liebe!«

Im Gehen ihn mit einem Arm umfassend, sagte ich:

»Ja, mein Freund, mit der Geburt dieses Kindes beginnt etwas Neues.«

Von der Treppe oben kam ein Diener mit einer Kerze geeilt:

»Meister, der Herzog bittet Euch unverzüglich ins Eckzimmer.«

Ich betrat einen dunklen Gang, aus dessen Tiefe, hinter verschlossenen

Türen hervor, Kindergeschrei ertönte.

Geschichten(#41305) · 第 39 / 73 题