Drittes Kapitel

Die Herzogin Elisabeth Beatrix sass, im Hinblick auf ihre sich dem Ende

nähernde Schwangerschaft, in weitem Gewande, in einen tiefen Sessel

zurückgelehnt, da und blickte mit verschämtem Stolz auf ihren hinter den

Armen des Sessels hervorragenden dicken Leib. Herzog Philipp Ludwig, der

Rat und ich standen vor ihr und lauschten auf ihre leise, absichtlich noch

leidender verstellte Stimme:

»Teurer Meister Ambrosius, Ihr handelt vielleicht nicht ganz überlegt, wenn

Ihr Euch in unserem betrüblichen, freilich bloss leichten Familienzwist so

offen gegen mich, gegen unseren ehrenwerten Freund, den verdienstvollen

Rat, auf die Seite der Prinzessin Amalia stellet. Die krankhafte

Einbildungskraft der armen Prinzessin und Eure Vertrauensseligkeit tragen

allein die Schuld an alledem, teuerer Meister.«

»Ich bin überzeugt, dass der Meister sich, wie immer, nur von den edelsten

Gefühlen hat leiten lassen,« mischte sich Philipp Ludwig mit

Leidenschaftlichkeit ein, indem er einen Schritt vortrat. Elisabeth Beatrix

schlug ihre Augen zu dem Sprecher auf und senkte sie dann wieder auf ihre

mageren Hände, die sie über dem Magen gefaltet hatte, worauf sie bemerkte:

»Ich habe auch gar nichts anderes gedacht, lieber Schwager!«

»Ew. Liebden, ich bin weit davon entfernt den Kreis meiner Befugnisse zu

überschreiten und ich kann überhaupt nur ganz bescheiden zu handeln

beginnen, wenn der gnädige Herzog sich selbst an mich um meinen

ohnmächtigen Rat wenden sollte . . .«

Der Rat lächelte und bemerkte:

»Und deshalb, ehrenwerter Scalzarocca, wäre es uns erwünscht Euch mehr vom

Wohle der Untertanen und der Förderung des Ansehens unseres guten Herzogs,

als von den krankhaften Illusionen der unglücklichen Prinzessin geleitet zu

sehen.«

»Ich bin überzeugt, dass der Meister immer von Gefühlen der Menschlichkeit

und Gerechtigkeit geleitet wird,« erhob der junge Herzog wieder seine

Stimme.

»Ich habe die gleiche Überzeugung, aber häufig überwiegt die Empfindsamkeit

des Augenblickes die Erwägungen des klaren Verstandes zum Schaden der

Gerechtigkeit,« bemerkte Hohenschwitz.

»Aber der Meister wird jetzt auch unserer unbedeutenden Persönlichkeiten

bei den Beratungen gedenken, nicht wahr?« fragte die Herzogin, die den

Versuch machte ihr eingefallenes Gesicht zu einem freundlichen Lächeln zu

verziehen.

Ich hielt die Audienz für beendet, verneigte mich schweigend und ging in

die Antichambre hinaus, wo ein Livreediener vor einer träufelnden Kerze

schlummerte. Es schlug dumpf elf Uhr, als ich eine Tür zufallen und die

hohen Stiefelabsätze des herzoglichen Bruders klopfen hörte, der mir mit

jugendlichem Schritte nachlief. Ich blieb, den Griff der Ausgangstür in der

Hand, stehen.

Geschichten(#41305) · 第 38 / 73 题