Ein glückliches Lächeln hinter affektierter Wichtigkeit verbergend,
unterhielt sich Herzog Ernst Johann mit mir über Regierungsgeschäfte,
während der Rat dastand und über unsere Vertraulichkeit lächelte, die
seinen Einfluss zu verringern drohte. Die Paare gingen im Schritte der
Polonaise an der seit kurzem wiederhergestellten Herzogin vorüber, die in
einem Lehnstuhl unter einem hohen an der Marmorsäule angebrachten
Kandelaber sass; sie war magerer und etwas hübscher geworden, und zum Takte
der lauten Musik, die von den Galerien erschallte, machten die Tanzenden
ihre Verbeugungen vor ihr. Diener reichten Früchte umher und Philipp Ludwig
stand in roter Uniform, hohen Kanonenstiefeln und weissen hirschledernen
Hosen, einem Porträt Moritz' von Sachsen etwas ähnlich, an der
gegenüberliegenden Tür und sah, die Arme über der Brust gekreuzt, mit
leuchtenden Augen zu uns herüber. Trompetenstösse kündeten im Garten den
Beginn des Feuerwerkes an. Die erste Rakete war schon aufgestiegen und
zerstäubte in buntfarbigem Regen, als wir mit Philipp Ludwig, nachdem ich
das Gespräch mit dem Herzog beendet hatte, den glänzend illuminierten Park
betraten. Als wir die Grotte mit dem »Raube der Sabinerinnen« erreicht
hatten, liessen wir uns auf einer Steinbank nieder. Das grüne Licht der
Laternen, die man auf die Terrassen des künstlichen Wasserfalles gestellt
hatte, beleuchtete uns phantastisch. Eine Zeitlang sassen wir schweigend da
und sahen einander bedeutungsvoll an.
»Nun,« unterbrach Philipp Ludwig das Schweigen, »wir können zufrieden sein,
mein teurer Lehrer: wir stehen am Tore zu Grösse, Reichtum, Einfluss!«
In der Stimme des jungen Mannes schienen mir feindselige Noten
mitzuklingen, weshalb ich mich beeilte ihn so zu unterbrechen:
»Mein lieber und teurer Freund, Ihr täuschet Euch, wenn Ihr glaubet, dass
Einfluss, Reichtum und Ansehen mich so unwiderstehlich anziehen. Nur die
Möglichkeit mehr Gutes zu tun freut mich bei der Erhöhung meiner Stellung.
Und glaubet mir, ich lege mehr Wert auf Eure Zuneigung zu mir als auf das
Aufsteigen meiner Ehrenämter.«
Wie man beim Schein der Laternen hinter dem Wasser sehen konnte, war das
Gesicht Philipp Ludwigs traurig. Ich wollte ihn trösten, denn der arme
Jüngling tat mir wirklich leid, obgleich ich den Grund seiner Trauer bloss
vermutete, ohne ihn genau zu kennen, deshalb begann ich von seinen
bevorstehenden wissenschaftlichen Beschäftigungen zu sprechen, aber das
Gesicht des herzoglichen Bruders klärte sich kaum auf und nur ein fast
nicht bemerkbares Lächeln spielte um seine Lippen. Nachdem er meine Worte
angehört hatte, sagte er unerwartet:
»Meister, Ihr seid ein reiner Mensch, Ihr kennet die Liebe nicht, das Weib
ist Euch fremd, deshalb liegt die Zukunft offen vor Eurem Blick und Ihr
fürchtet Euch nicht Geheimnissen auf den Grund zu sehen. Und darum liebe
ich Euch!
Und bevor ich noch Zeit gefunden mich zu besinnen, hatte er sich gebeugt
und schnell meine Hand geküsst. Verlegen rief ich aus: »Was ist Euch,
Prinz?!« Und ich küsste seine Stirn.
»Nichts, ich bitte Euch, achtet nicht darauf,« erwiderte tonlos Philipp
Ludwig.
»Und dann könnet Ihr Euch in bezug auf meine Person irren; und wenn Ihr
mich dann so erblicken werdet, wie ich wirklich bin, so wird Eure
Unzufriedenheit mit mir wegen der Euch bereiteten Enttäuschung eine nur um
so grössere sein.«
»Nein, Meister, nein, mein Teurer, redet nicht schlecht von Euch, ich kenne
Euch besser, als Ihr selbst,« sagte der Prinz zärtlich und lehnte, wie in
Sehnsucht, seinen Kopf an meine Schulter.