Was die Pflanzung selbst anbelangt, so fand ich eine ziemlic

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| Anmerkungen zur Transkription |

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| Gesperrter Text ist als _gesperrt_ dargestellt, Fettschrift |

| als ~fett~. |

| Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. |

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SAMOAFAHRTEN von Dr. O. FINSCH.

[Illustration: Dr. O. Finsch]

SAMOAFAHRTEN.

REISEN IN KAISER WILHELMS-LAND

UND

ENGLISCH-NEU-GUINEA

IN DEN JAHREN 1884 u. 1885

AN BORD DES DEUTSCHEN DAMPFERS »SAMOA«

VON

Dr. ~OTTO FINSCH~.

MIT 85 ABBILDUNGEN NACH ORIGINALSKIZZEN VON Dr. FINSCH, GEZEICHNET VON

M. HOFFMANN UND A. von ROESSLER, UND 6 KARTENSKIZZEN.

HIERZU EIN EINZELN KÄUFLICHER

»~ETHNOLOGISCHER ATLAS, TYPEN AUS DER STEINZEIT NEU-GUINEAS~«,

24 LITHOGR. TAFELN NACH ORIGINALEN GEZEICHNET VON O. UND E. FINSCH.

MIT TEXT VON Dr. O. FINSCH.

[Illustration]

LEIPZIG,

FERDINAND HIRT & SOHN.

1888.

ALLE RECHTE VORBEHALTEN.

Einleitung.

Nur wenige Jahre sind es her, daß die früher vereinzelten Bestrebungen

für Deutschlands Kolonialbesitz immer mehr Anhänger fanden und sich,

in den verschiedensten Kreisen der Nation, wie in allen Teilen des

Reichs, eine lebhafte und ernstgemeinte Bewegung dafür organisierte.

Noch war es nicht ganz zu spät! Und als, wie auf ein gegebenes Zeichen,

europäische Großmächte die letzten Reste sogenannten herrenlosen Landes

zu verteilen begannen, da ging Deutschland nicht leer aus. Dank der

hervorragenden Machtstellung durfte es seine Hand auf gewisse Gebiete

legen, in denen der deutsche Handel längst Fuß gefaßt und eine zum Teil

dominierende Stellung errungen hatte. Zu diesen Gebieten gehörte auch

die Südsee, wo die Plantagen Samoas und zahlreiche Stationen auf meist

herrenlosen Inseln beredtes Zeugnis von der Energie deutscher Kaufleute

ablegten, die an gar manchen Plätzen im friedlichen Wettstreit der

Konkurrenz Sieger geblieben waren und das Feld allein beherrschten.

Aber bei dem besten Willen konnte der, mit sich selbst schon zur

Genüge beschäftigte, Handel nicht auch zugleich für ausgedehnteren

Kolonialerwerb sorgen, sondern mußte sich darauf beschränken, solchen

mit anbahnen zu helfen. Wenn daher in dieser Richtung die Lösung der

schwierigsten Aufgabe überhaupt versucht wurde, so ist dies vor allem

einem Manne zu verdanken, der sich schon längst mit Plänen dafür

beschäftigte, dem Geheimen Kommerzienrat ~Adolph von Hansemann~

in Berlin, und einigen Gleichgesinnten, die mit für das nationale

Unternehmen eintraten.

[Illustration: Die Samoa.]

Bald nach der Heimkehr von meiner fast vierjährigen Südseereise (Ende

1882) an den Vorarbeiten mitwirkend, wurde mir 1884 der ehrenvolle

Auftrag, die inzwischen zur Reife gediehenen Pläne auszuführen, als

Leiter einer ersten Untersuchungs-Expedition. Zu dem Zwecke war per

Kabel in Sydney der britische Schraubendampfer »Sophia Ann« erworben

worden, welcher unter der neuen Flagge den Namen »Samoa«[1] erhielt.

Zur Führung desselben konnte ich einen erprobten Vertreter unserer

Handelsmarine empfehlen, den Kapitän Eduard Dallmann aus Blumenthal

bei Bremen, rühmlichst bekannt durch seine glücklichen Fahrten als

Whaler im Pacific, wie in unbekannten Gewässern des arctischen und

antarctischen Ozeans. Der vielerfahrene Schiffer bewährte auch auf

diesen Reisen seinen alten Ruf, und wenn die »Samoa« mancherlei

Fährlichkeiten, an riffreichen unbekannten Küsten, entging, so ist

dies, wie die Erfolge der Expedition überhaupt, der geschickten und

vorsichtigen Führung von Kpt. Dallmann zu danken[2]. Mit ihm langte

ich am 29. Juli (1884) in der Hauptstadt von Neu-Süd-Wales an, wo

unser erster Besuch natürlich der Samoa in Johnsons Bai galt. Da der

Dampfer bisher Passagierdienst versehen hatte, mußten mancherlei

Veränderungen vorgenommen werden, so daß wir erst am 11. September

Sydney verlassen konnten. Nachdem wir zunächst Mioko, in der

Herzog-York-Gruppe (Neu Lauenburg) erreicht und hier das schwer

beladene Schiff von Vorräten erleichtert hatten, waren wir endlich so

weit, um mit den eigentlichen Zwecken und Zielen der Expedition zu

beginnen. Sie gipfelten in den folgenden Hauptpunkten: »Untersuchung

der unbekannten oder weniger bekannten Küsten Neu Britanniens, sowie

der Nordküste Neu Guineas bis zum 141. Meridian, um Häfen ausfindig

zu machen, mit den Eingeborenen freundlichsten Verkehr anzuknüpfen

und Land im weitesten Umfange zu erwerben«. Diesen, gewiß nicht ganz

so leichten Aufgaben ist, soweit es Mittel und Umstände erlaubten,

nach besten Kräften entsprochen worden. In Zeit von neun Monaten

unternahmen wir sechs Reisen nach Neu Guinea, dampften längs des

größten Teiles der Nord- und Südküste Neu Britanniens und besuchten

Neu Irland vier mal. Von den nahezu tausend Meilen Küste, welche die

Samoa, allein in Neu Guinea befuhr, gehörten nur 260 Meilen zu den

besser bekannten. Aber eine fast ebenso lange noch unbekannte Strecke

konnte als frei für Schiffahrt, für letztere außerdem sieben Häfen

und ein schiffbarer Strom, nachgewiesen werden. Ausgedehnte Striche

fruchtbaren Landes, für Kulturen, Viehzucht, wie Ansiedelung überhaupt

geschickt, wurden aufgefunden, zum Teil gleich erworben und überall

mit den Eingeborenen friedlicher und freundlicher Verkehr eröffnet.

Als daher deutsche Kriegsschiffe Anfang November 1884 im Archipel von

Neu Britannien im Namen Seiner Majestät des deutschen Kaisers die

Reichsflagge hißten, konnten sie diesen feierlichen Akt auch gleich

in Neu Guinea vollziehen. Die weitere Entwickelung ist bekannt. Wie

zu erwarten, einigten sich Deutschland und Großbritannien über die

Grenzen, und »Kaiser Wilhelms-Land« und der »Bismarck-Archipel« gingen

laut Kaiserlichen Schutzbrief vom 17. Mai 1885 in die Verwaltung

und den Besitz der »Neu Guinea Kompagnie« in Berlin über. Diese

neuen Schutzgebiete, die später noch durch einige der westlichen

Salomons-Inseln Zuwachs erhielten, umfassen (ohne die letzteren) ein

Areal von 231,427 qkm (= 4203,13 d. g. ☐M.), repräsentieren daher ein

respektables Besitztum, wenig kleiner als die alten Provinzen des

Königreichs Preußen (ohne Schlesien).

[Illustration: ÜBERSICHTSKARTE VON OST-NEU-GUINEA & dem

BISMARCK-ARCHIPEL.

Geograph. Anstalt von Wagner & Debes, Leipzig.

]

Die Erlebnisse der »Samoafahrten«, ihre Ergebnisse und Entdeckungen

in zusammenhängender Form in Wort und Bild zu schildern ist der

Zweck dieses Buches. Es wird, nach den unmittelbaren Eindrücken

und Beobachtungen, wie ich sie an Ort und Stelle niederschrieb,

ausgearbeitet zum erstenmale[3], über Land und Leute längs wenig

bekannter, zum Teil neu erschlossener Küsten eingehendere Kunde

bringen, und so manches Stück ernsten und heiteren Südseelebens

kennen lehren. Die reiche illustrative Ausstattung, durchaus auf

Grundlage eigener Aufnahmen beruhend, ist der besonderen Fürsorge

des Herrn Verlegers zu danken, und wird gewiß willkommen sein. Wenn

die Rekognoszierungsfahrten der Samoa somit wesentliche Lücken der

Kenntnis Neu Guineas ausfüllen helfen und schon dadurch allgemeines

Interesse bieten, so im besonderen für Deutschland, das bisher über die

drittgrößte Insel der Welt und ihr dortiges Besitztum kein Originalwerk

besaß.

Als ein weiterer Beitrag und zur Ergänzung des erzählenden Teiles ist

ein ethnologischer Atlas beigegeben, welcher uns »Typen der Steinzeit«

vorführt, jener hochinteressanten Periode, die auch in Neu-Guinea

unaufhaltsam ihrem Ende entgegengeht. Denn überall, wo sich der Weiße

dauernd festigt, verschwindet die Originalität der Eingeborenen.

Durch eigene Erfahrung von dieser Thatsache überzeugt, bemühte ich

mich, überall wo es anging, Belegstücke für die Wissenschaft zu

sichern. Die »Samoafahrten« sind daher auch für die Völkerkunde

ersprießlich geworden und führten u. A. dem Kön. Museum in Berlin[4]

über 2000 Stücke zu. Die ausgewählten Typen des Atlas veranschaulichen

Erzeugnisse, die für die Intelligenz, den Kunstfleiß und den

Schönheitssinn der Papuas beredtes Zeugnis ablegen, und, in Anbetracht

der geringen Hilfsmittel der Steinperiode, ganz besonderes Interesse,

nicht selten Bewunderung verdienen.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

Einleitung 5

~Erstes Kapitel.~

Von Sydney nach Mioko 17

~Zweites Kapitel.~

Astrolabe-Bai 28

~Drittes Kapitel.~

Friedrich-Wilhelms-Hafen 70

~Viertes Kapitel.~

Längs der Maclayküste 112

~Fünftes Kapitel.~

Vom Mitrafels bis Finschhafen 136

~Sechstes Kapitel.~

Englisches Gebiet 194

I. Trobriand 205

II. D'Entrecasteaux-Inseln 210

III. Ostkap bis Mitrafels 230

IV. Milne-Bai bis Teste-Insel 262

~Siebentes Kapitel.~

Kaiser Wilhelmsland 288

I. Längs der unbekannten Nordküste 288

II. Humboldt-Bai und heimwärts 347

Register 380

Verzeichnis der Illustrationen.

Seite

1. Dr. Otto Finsch (Titelbild) --

2. Die Samoa (Separatbild) 6

3. Ausguck 17

4. Frauen von Bongu (Astrolabe Bai) 40

5. Häuser mit Barla in Bongu 46

6. Telum Mul in Bongu 49

7. Papuaschweine 52

8. Papuahund 53

9. Aufbruch zum Feste (Astrolabe-Bai) 55

10. Aimaka, am Dschelum auf Bilibili 73

11. Dschelum, Tabuhaus auf Bilibili (Separatbild) 74

12. Krieger von Bilibili 76

13. Töpferin auf Bilibili 82

14. Handels-Kanu, von Bilibili 84

15. Stutzer von Grager, Friedrich Wilhelms-Hafen 87

16. Hansemann-Berge, aus Nordost 100

17. Haus auf Tiar, Prinz Heinrich-Hafen 101

18. Tabuplatz auf Tiar, Prinz Heinrich-Hafen 103

19. Junges Mädchen, Friedrich Wilhelms-Hafen 108

20. Terrassenland mit Basiliskschlucht, Maclayküste 122

21. Kanzel und Bienenkorb, Maclayküste 126

22. Festungshuk, Maclayküste 128

23. Aufhissen der Reichsflagge in Mioko (Separatbild) 140

24. Herkulesfluß, Herkules-Bai 146

25. Mitrafels aus Nordwest 151

26. Adolphshafen mit Ottilienberg 153

27. Mann von Parsihuk, Huon-Golf 155

28. Häuptlings-Haar, Huon-Golf 157

29. Finschhafen aus Süd 161

30. Moru in Finschhafen (Separatbild) 162

31. Haus mit Grab (Vorderseite), Finschhafen 173

32. Haus (Rückseite), Finschhafen 174

33. Gabiang (Vorderseite), Holzfigur in Ssuam 175

34. Gabiang (Rückseite), Holzfigur in Ssuam 176

35. Im Dorf Ssuam, Finschhafen (Separatbild) 176

36. Scheinangriff, Finschhafen 178

37. Häuptling von Finschhafen 179

38. Kanu von Weihnachtsbucht, Normanby 214

39. Häuser in Weihnachtsbucht, Normanby 217

40. Kanuhaus auf Goulvain, Dawsonstraße 224

41. Häuser auf Fergusson-Insel 227

42. Ostkap aus Nordwest 231

43. Catamarans (Ostkap) 232

44. Junger Mann von Bentley-Bai 235

45. Haus in Bentley-Bai 237

46. Fingerspitze, Chads-Bai 241

47. Drachenfels in Bartle-Bai 244

48. Pyramidenhügel in Goodenough-Bai 245

49. Kap Vogel aus Süd 248

50. Trafalgar-Berg (bei Kap Nelson) 249

51. Familienhaus in Hihiaura, (bei Ostkap) (Separatbild) 250

52. Station Blumenthal, (bei Ostkap) 256

53. Missionsstation Aroani, Killerton-Inseln (Separatbild) 262

54. Vor der Kirche Aroani (Separatbild) 266

55. Kirärauchen, Dinner-Insel (Samarai) 268

56. Baumhaus in Milne-Bai 272

57. Tätowierte Frau von Rogia (Heath-Insel) 278

58. Glockenfels 279

59. Häuser und Grab auf Teste-Insel 280

60. Junges Mädchen von Teste-Insel 283

61. Junger Mann von Teste-Insel 283

62. Aufgezeichnete Tätowierung, Teste-Insel 284

63. Mann im Kanu, Venushuk 292

64. Bewohner der Hansemannküste (Hammacherfluß) 299

65. Häuptling vom Caprivifluß 302

66. Kopfbedeckung in Dallmannhafen 306

67. Haus in Gaußbucht 308

68. Tabuhaus in Rabun, Gaußbucht 310

69. Mann von Guap-Insel 317

70. Auf Palmblättern in See (Tagai) 323

71. Haartracht eines Häuptlings von Tagai 325

72. Gefesseltes Schwein 327

73. Langenburg-Spitze, Torricelli-Gebirge 329

74. Eingeborener von Massilia, Finschküste 333

75. Ziernarben 334

76. Kap Concordia und Berg Bougainville 335

77. Krieger von Angriffshafen 337

78. Auf Baumwurzeln am Sechstroh 344

79. Einfahrt in Humboldt-Bai, aus Ost 349

80. Pfahldorf Tobadi, Humboldt-Bai (Separatbild) 352

81. Damen von Humboldt-Bai 354

82. Tabuhaus in Tobadi (Separatbild) 358

83. Tätowierte Frau, Humboldt-Bai 362

84. Insel Blosseville aus West 365

85. Hansa-Vulkan aus West (Separatbild) 366

Karten.

1. Übersichtskarte von Neu-Guinea und dem Bismarck-Archipel 8

2. Astrolabe-Bai und Maclayküste 30

3. Friedrich Wilhelm- und Prinz Heinrich-Hafen 93

4. Kartenskizze vom Huon-Golf 143

5. Finschhafen 163

6. Nordküste von Kaiser Wilhelms-Land 290

Abbildungen des Ethnologischen Atlas:

»Typen aus der Steinzeit Neu-Guineas«.

Tafel Fig.

I 1-8. ~Steingerät~ (Äxte und Axtklingen).

II 1-3. ~Häuser~ (Grundrisse).

III 1-4. ~Hausgerät~ (Kopfstütze, Haken, Schüsseln).

IV 1-10. ~Töpferei~ (Töpfe, Töpfebrennen, Werkzeuge).

V 1-8. ~Verschiedenes Gerät~ (Kalkkalebasse, Spatel, Schaber).

VI 1-8. ~Kanus~ (Konstruktion, Ruder).

VII 1-9. " (Schnitzerei, Verzierungen).

VIII 1-10. " (Segel, Mastverzierungen).

IX 1-9. ~Fischereigerät~ (Falle, Haken, Schwimmer).

X 1-4. ~Strickereien~ (Tragbeutel und Muster).

XI 1-7. ~Waffen~ (Speerspitzen, Wurfstock, Keulen, Dolch).

XII 1-2. " (Schilde).

XIII 1-5. ~Musikinstrumente~ (Trommeln, Flöte).

XIV 1-4. ~Masken~ (und Amuletmasken).

XV 1-8. ~Tabu~ (geschnitzte Figuren, sogenannte »Götzen«).

XVI 1-9. ~Bekleidung~ (Tapabinden von Männern, Grasröcke für

Frauen).

XVII 1-8. ~Schmuck~ (Kämme, Haarbinden, Ohrringe).

XVIII 1-5. " (Haarkörbchen, Kniebinde, Armbänder).

XIX 1-4. " (Gravierungen von Schildpatt- und

Muschelarmbändern).

XX 1-8. " (für die Nase).

XXI 1-5. " (für Hals und Brust).

XXII 1-6. " (Brust-Kampfschmuck).

XXIII 1-2. " ( " " ).

XXIV 1-8. " (Leibschnüre).

☛ Dieser Atlas ist gebunden in Halbfranz zum

Preise von 16 M. einzeln käuflich. ☚

Erstes Kapitel.

Von Sydney nach Mioko.

Abreise von Sydney. -- Schlechter Willkomm in See. -- Tierleben.

-- Schwalbensturmvogel. -- Der ausdauerndste Flieger. --

Temperaturveränderungen. -- Mioko. -- Ralum-Plantation. -- Handel

im Bismarck-Archipel. -- Traderstationen. -- »Labourtrade«.

-- Massacres. -- Kopra. -- Handelsflotte. -- Rückschritte der

Eingeborenen.

[Illustration: Ausguck.]

Es war fast dunkel geworden, als wir aus dem gewaltigen und imposanten

Felsenthor des Sydney-Hafens, den »Heads«, in den »Stillen Ozean«

eintraten, der sich indes gar nicht still zeigte. Mächtige Wogenberge,

deren weiße Schaumköpfe, auch im Zwielicht erkennbar, unheimlich

leuchteten, empfingen den kleinen Wagehals Samoa recht unwirsch, als

wollten sie ihm den Garaus machen. Welle über Welle ergoß sich über das

ohnehin fast zu schwer beladene Schiff, dessen Deck schon bei ruhiger

See den Wasserspiegel kaum sechs Fuß überragte und fast fortwährend

überschwemmt wurde. Oft schien das Schiff mehr unter als über Wasser

zu gehen. Unsere Schafe mußten in der kleinen Kajüte untergebracht

werden, um sie vor dem Schicksal der Insassen des Hühnerkastens, dem

Ertrinken, und für die Tafel zu retten. In der Kajüte selbst ging

es drüber und drunter: überall Bewegung und Geklapper! Waffen und

andere an den Wänden aufgehängte, aber noch nicht seeklar befestigte

Gegenstände pendelten hin und her, Schubladen öffneten und entleerten

ihren Inhalt von selbst, ja schwere Kisten tanzten lustig von einer

Seite zur anderen, kurzum es war eine heillose Wirtschaft.

Da hatte ich denn alle Hände voll zu thun, um wenigstens den Inhalt

der Pantry, Porzellan und Glas, vor völligem Untergange zu sichern,

denn unser Steward lag hilflos an der Seekrankheit danieder, und die

übrige Mannschaft hatte andere, wichtigere Dinge zu thun. Es stellte

sich nämlich heraus, daß die Luke zur Maschine nicht dicht hielt und

jede Welle diesem Raum Wasser zuführte, das selbst durch angestrengtes

Pumpen sich nicht verminderte, weil die letzteren verstopft, ihren

Dienst versagten. Da mußten denn Eimer zu Hilfe genommen werden, bis es

nach achtzehnstündiger harter Arbeit gelang, des Wassers im Raume Herr

zu werden.

Im übrigen verlief die Reise ohne besondere Zufälle in gewohnter

Einförmigkeit des Seelebens und der See selbst, die wie ich schon

aus Erfahrung wußte, in diesen Breiten wenig bietet und je näher dem

Äquator immer ärmer wird. Vergebens späht man nach Waltieren und ist

schon zufrieden, wenn gelegentlich Scharen lustiger Delphine das Schiff

eine Zeitlang umspielen, oder fliegende Fische ihr Element verlassen,

um nach kurzer Luftreise wieder in dasselbe einzutauchen.

Am häufigsten zeigte sich noch die Vogelwelt; aber auch von ihr ließ

sich oft einen ganzen Tag lang kaum ein Vertreter sehen. Albatrosse,

die charakteristischen Erscheinungen des südlichen Halbrunds, welche in

drei Arten (Diomedea melanophrys, culminata und exulans) noch außerhalb

Sydney-Hafens das Meer belebten, waren immer seltener geworden

und verließen uns mit etwa dem 25. Breitengrade Süd ganz. Dunkle

Meerschwalben (Sterna fuliginosa) und Noddies (Anous stolidus), von

welchen einzelne der letzteren zuweilen nächtlich auf den Schiffsmasten

einen Ruheplatz suchten, waren im ganzen nicht häufig, wie Tropikvögel,

jene charakteristischen Vogelgestalten der Meere zwischen den

Wendekreisen. Wir hatten den des Steinbocks längst passiert ohne einen

Tropikvogel gesehen zu haben, und erst unterm 12. Breitengrade wurde

ein einzelner (Phaëton aethereus) beobachtet, der wie fast immer

durch seine eigentümlichen kreischenden Stimmlaute die Aufmerksamkeit

erregte. Aus der artenreichen Familie der Sturmvögel (Procellariidae)

ließ sich nur selten ein Puffinus oder Tauchersturmvogel blicken, der,

meist in weiter Ferne einsam über die Wogen streifte, bald in einem

Wogenthale verschwindend, bald über dem Scheitel der Welle schwebend,

dieselben gleichsam mähend, wie dies der englische Name »shearwater«

so treffend bezeichnet. Nur einer der kleinsten Vertreter der Familie,

ein Schwalbensturm- oder Petersvögelchen (engl. Petrel) blieb der fast

stete Begleiter des Schiffes, und wenigstens einige Pärchen desselben

konnte man immer im Kielwasser beobachten. Es war dies die weit über

die Südsee verbreitete Thalassidroma grallaria, ein kaum stargroßes,

dunkelgefärbtes Vögelchen, eine gar liebliche Erscheinung jener ozeanen

Breiten. Mit ausgebreiteten Flügeln, fast ohne dieselben zu bewegen,

schweben diese Vögel so nahe über der Woge, daß sie auf derselben

scheinbar hüpfen und man sie jeden Augenblick erfaßt glaubt. Aber

nur zuweilen berühren die Zehenspitzen der ausgestreckten Ständer

das Wasser, während die Flügel demselben stets mit bewundernswerter

Geschicklichkeit auszuweichen wissen. Ja, diese Sturmvögelchen

tragen die Beziehung zum Namen »Schwalbe« mit Recht. Denn ähneln sie

den letzteren auch nur scheinbar in der Form ihrer Flugwerkzeuge,

so übertreffen sie dieselben doch noch bedeutend in Flugkraft und

Ausdauer. Nie, so oft ich auch früher und später Gelegenheit hatte,

diese Vöglein zu beobachten, nie sah ich sie ausruhen, stets waren

sie lebendig und je mehr die See unruhig, um so lebhafter, ja soweit

die einbrechende Dunkelheit dem Auge zu sehen erlaubte, immer noch

erschaute es die lieblichen Gestalten über die Wogen hüpfend. Ich wüßte

in der That keinen Vogel, der sich in Ausdauer des Flugvermögens

mit diesem zu messen vermöchte, denn selbst der gewaltige Albatross

scheint ihm gegenüber ein Stümper. Und von was nähren sich diese

kleinen Ozeanbewohner? Zwar versammeln sie sich an über Bord geworfenen

Küchenresten, aber nie sah ich sie wirklich mit dem Schnäbelchen etwas

aufpicken, und Exemplare selbst erhielt ich nicht. Wer wollte auch

diesen trauten Begleitern über das unendliche Wogenmeer des Ozeans ein

Leid anthun? Sind sie es doch, die in die Meeresöde wenigstens einiges

Leben bringen und deren bewundernswerten Spielen man nicht müde wird

zuzuschauen.

Die angenehme bekömmliche Temperatur des australischen Winters hatte

sich allmählich geändert und die Tropen fingen an, sich bemerkbar zu

machen. Unterm 25. Grade (südlicher Breite) zeigte das Thermometer

in der Kabine noch 15° Reaum.; drei Tage später war es schon um 4

Grad gestiegen und nach weiteren fünf Tagen um 6 Grad mehr, so daß es

in der kleinen Kajüte recht ungemütlich warm wurde. Wir kamen eben

immer tiefer in die Tropen hinein, und bald zeigten sich die mir

wohlbekannten Landmarken unseres Reisezieles: zuerst die hohen in

Wolken gehüllten Berge der Südspitze Neu-Irlands, später Neu-Britannien

mit dem Berg Beautemps-Beaupré, der Südtochter und Mutter. Wir waren

somit im St. Georgs-Kanal, der breiten Meeresstraße, welche die beiden

Hauptinseln des Bismarck-Archipel, Neu-Britannien und Neu-Irland, oder

wie sie jetzt heißen: Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg, trennt, und

näherten uns dem ersten Haltepunkte, der Insel Mioko. Am fünfzehnten

Tage ihrer Abreise von Sydney ging die Samoa hier glücklich zu Anker

und hatte mit dieser ersten Reise von ca. 2000 Meilen[5] zwar ihre

Seetüchtigkeit bewiesen, zugleich aber auch, daß sie kein solcher

Schnelldampfer war, wie sie nach dem Certifikat sein sollte und wie

es für ein Expeditionsschiff zu wünschen gewesen wäre. Statt der

angeblichen 11 Meilen in der Stunde waren im günstigsten Falle mit

Dampf und Segeln zusammen kaum acht erzielt worden, aber immerhin

kamen wir, auch bei ungünstigen Verhältnissen, vorwärts, wenn auch

langsam. Solche ungünstige Verhältnisse bietet gerade der St.

Georgs-Kanal sehr häufig in Windstillen und Strom, welche Segelschiffe

hier zuweilen über Gebühr zurückhalten. So brauchte z. B. das deutsche

Schiff »Sophie« von Sydney bis zum Kap St. George, der Südspitze

Neu-Irlands, nur 18 Tage, von hier bis Mioko, eine Strecke, die nur 45

Meilen beträgt und die wir mit der Samoa schlimmsten Falls in 8 Stunden

zurücklegten, 21, schreibe einundzwanzig Tage! Anderen Schiffen erging

es noch schlechter! Die Bark »Etienne«[6] kreuzte Ende 1877 30 Tage im

Kanal und ein Schuner mußte schließlich wieder nach Mioko zurückkehren,

weil der Proviant zu Ende ging.

Mioko ist eine der kleineren Inseln von den dreizehn, welche die Herzog

York-Gruppe, neuerdings »Neu-Lauenburg« umgetauft, bilden und kaum

mehr als einen Quadratkilometer groß, aber wegen seines trefflichen

Hafens wichtig. Es hatte sich seit meinem letzten Hiersein, kaum zwei

und ein halbes Jahr her, gar manches verändert. Ich vermißte zunächst

die frühere Godeffroysche Station an der gewohnten Stelle; kaum daß

sich noch erkennen ließ, wo die Häuser gestanden. Die letzteren waren

mit der früheren Station des Engländers Thomas Farrell vereint von der

»Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Inseln zu

Hamburg« übernommen worden, welche das Farrellsche Besitztum gekauft

und es diesem ermöglicht hatte, 1883 in Blanche-Bai, auf dem Festlande

Neu-Britanniens, die »Ralum-Plantation« zu gründen, das erste derartige

Unternehmen im Bismarck-Archipel überhaupt. Ich besuchte die sehr gut

gehaltene, freundliche Anlage, die mancherlei Reminiscenzen an das

abenteuerliche Kolonialunternehmen des Marquis de Rays (1879 bis 1883)

aufzuweisen hat. Das stattliche aus Wellblech errichtete Koprahaus

stand früher in der „Baie Française‟, das Büffet im Wohnhause war der

einstige Altar der Kirche in Port Breton, zu welcher fromme Gemüter

in Frankreich die Mittel hergaben. Dieser Altar hatte indes nie seinem

heiligen Zwecke gedient, denn die Kirche war nicht gebaut worden und

figurierte nur auf dem Papier. Statt Meßgefäßen zeigte der Altar jetzt

in äußerst profaner Weise Gin- und Whiskyflaschen, eine Bestimmung

welche die gläubigen Stifterinnen gewiß niemals für möglich gehalten

haben würden.

Was die Pflanzung selbst anbelangt, so fand ich eine ziemliche

Fläche mit bereits tragender Baumwolle bestellt, sowie den Versuch

einer Kaffeeplantage in ein paar Beeten mit wenigen Zoll hohen

Kaffeepflänzchen. In dem etwas früher von Farrell ausgegebenen

Prospekt der: »Western Pacific Plantation and Trading Co.«, welche in

Australien mit einem Grundkapital von 40000 £ in shares von 500 £,

auf seinem Besitztum gegründet werden sollte, wurden 100 Acres mit

»Sea-Island-Cotton« und als neu gepflanzt 5 Acres Kaffee und 2 Acres

Aloë angegeben. Späteren Nachrichten zufolge hat die Ralum-Plantage

jetzt »200 bis 250 preußische Morgen unter Baumwollenkultur und 8

Morgen mit Kaffeepflanzungen besetzt«, über Erträge verlautet aber

noch nichts. Der unermüdliche Farrell war übrigens abwesend und in San

Francisco, um diesmal in Amerika Interesse für seine Unternehmungen

zu gewinnen. Er kehrte von dort im folgenden Jahre nicht allein mit

einem Dampfer (120 Tons) und zahlreichen Tradern (Kleinhändlern)

zurück, sondern war überdies »amerikanischer Bürger« geworden, um den

Plackereien der englischen Gesetze bezüglich der Arbeiteranwerbungen

zu entgehen. Die anglo-amerikanische Firma machte also den deutschen

bedeutend Konkurrenz, wenigstens damals, aber inzwischen mögen sich

die Verhältnisse wohl geändert haben, wie dies namentlich in der

Südsee so häufig der Fall ist. Mit Ausnahme der eben genannten Firma

ist der Handel im Bismarck-Archipel, wie dem westlichen Pacific

überhaupt, lediglich in deutschen Händen und zwar der beiden Hamburger

Häuser: »Robertson u. Hernsheim« und der schon erwähnten »Handels-

und Plantagen-Gesellschaft«, sowie Friedrich Schulle in Neu-Irland.

Dem seiner Zeit so mächtigen Hause Johann Cesar Godeffroy u. Sohn in

Hamburg gebührt übrigens das Verdienst, 1874 zuerst Stationen in

diesem Gebiete gegründet zu haben. Wie überall in der Südsee machte nur

allein der Reichtum an Kokosnüssen, welche geschnitten und getrocknet

den jetzt bekannten Exportartikel Kopra liefern, die Gründung solcher

Stationen überhaupt möglich, und dieses Naturprodukt ist immer noch

das einzige von Bedeutung geblieben. Wie Mioko für die Handels- und

Plantagen-Gesellschaft, so ist Matupi, auf der kleinen Henderson-Insel

in Blanche-Bai, die Centralstation für das Konkurrenzhaus.

Zweigstationen sind an der Küste errichtet, aber gegenüber dem Ganzen

hat der Handel übrigens nur in engbegrenzten Gebieten Fuß gefaßt.

In Neu-Britannien sind es die Küsten von Blanche-Bai etwas südlich

über Kap Gazelle hinaus, die äußerste Nordostküste westlich bis

Weberhafen, in Neu-Irland die äußerste Nordwestecke von der Insel

Nusa bis Langunebange, ein Strich von ca. 25 Meilen, welche eine

beschränkte Anzahl solcher kleinen Handelsplätze, Traderstationen

genannt, aufweisen. Im Jahre 1885 besaßen die beiden deutschen

Firmen in Neu-Britannien je 6 bis 7 Traderstationen, Farrell vier,

in Neu-Irland gab es drei, gegenüber 10 im Jahre 1881. Das letztere

Gebiet war fast ausschließend in Händen von Friedrich Schulle auf Nusa,

der früher als Geschäftsführer von Hernsheim zuerst mit Stationen in

Neu-Irland gründete. Gerade in diesem Gebiete wechseln die Stationen,

wie ihre Leiter, die Kleinhändler oder Trader, welche den Einkauf von

Kopra besorgen, am meisten, und eine kurze Spanne Zeit bringt oft

große Veränderungen. Hier muß eine Station aufgegeben werden, weil

der Trader am Klimafieber starb, erschlagen oder verjagt wurde, dort

wird eine andere von den Eingeborenen angezündet, als Repressalie

gegen »gekochte«, d. h. seitens Weißer niedergebrannter Hütten, oder

sie wird freiwillig verlassen, weil sie sich nicht bezahlt macht. Das

klingt freilich ziemlich entmutigend, ist aber in Wahrheit nicht so

schlimm, denn eine Traderstation ist leicht errichtet und man muß sich

von einer solchen keine großen Vorstellungen machen. Mit Proviant im

Werte von 300 Mark zu Sydney-Preisen und ebensoviel für Tauschwaren

ist sie meist ausgerüstet, und zum Aufbau läßt sich einheimisches

Material trefflich verwenden. Handelt es sich doch im wesentlichen

um ein kleineres, höchst bescheidenes Wohn- und größeres Koprahaus,

einen Zaun und ein paar eiserne Wasserbehälter (tanks), da alle diese

Stationen, die Hauptstationen in Matupi und Mioko nicht ausgeschlossen,

für ihren Bedarf an Trinkwasser, sowie zum Schiffsgebrauch, nur auf

Regen angewiesen sind. Als Trader eignen sich am besten Seeleute,

die an Salzfleisch gewöhnt, keine großen Ansprüche machen und mit

einem Segelboot umzugehen verstehen, da sich nur mit solchen die

Küste erfolgreich bearbeiten läßt. Der Handel ist selbstredend nur

Tauschhandel, und amerikanischer Stangentabak (Nigger-head), Beile,

Messer, Angelhaken, Glasperlen und einige andere Kleinigkeiten sind die

Hauptartikel zum Ankauf von Kokosnüssen oder Kopra, da jetzt Gewehre

und Schießbedarf, welche früher am meisten begehrt waren, verboten

sind. Dieses Verbot erstreckt sich glücklicherweise auch auf das

Anwerben von Eingeborenen als Arbeiter, die sogenannte „Labourtrade‟,

welche in diesen Gebieten wie überall, soviel Unheil anrichtete und

wesentlich mit zu den blutigen Zwisten mit den Eingeborenen beitrug,

an denen keineswegs immer die letzteren schuld waren. Während meines

früheren achtmonatlichen Aufenthaltes[7] in Neu-Britannien wurden in

meiner Nachbarschaft allein fünf Weiße erschlagen, die wie später

Theodor Kleinschmidt auf Mioko ihr Schicksal provoziert hatten.

Nachweislich ist übrigens bis jetzt im Bismarck-Archipel kein Weißer

verzehrt worden, wenn auch die Eingeborenen noch heut Kannibalen sind,

wie ich noch 1881 mit eigenen Augen sah[8]. Seitdem der erste Trader

den Boden Neu-Britanniens betrat und den ersten Eingeborenen erschoß,

um damit die hier geltenden Rechte der Blutrache einzusetzen, ist gar

viel Blut im Bismarck-Archipel geflossen und Mord von beiden Seiten

verübt worden. Der im Jahre 1878 unter der Ägide der Wesleyanischen

Mission, oder vielmehr des Rev. George Brown, unternommene

Vergeltungskrieg forderte allein zahlreiche Opfer unter den

Eingeborenen, die nicht vergessen wurden. Wer die Verhältnisse draußen

kennt, weiß wie schwer es ist zu strafen, und zwar so, daß wirklich die

Schuldigen getroffen werden. Man kann sich daher nur freuen, daß die

neue deutsche Ära auch hierin Wandel schaffen und dem willkürlichen

Eingreifen einzelner gegen Leben und Eigentum von beiden Seiten

strenge Schranken setzen wird. Denn erst dadurch kann die neue Kolonie

zu gedeihlicher Entwickelung, namentlich der Plantagenwirtschaft,

gelangen. Wie bereits erwähnt, ist in letzterer Richtung bis jetzt nur

ein Versuch zu verzeichnen und der Handel, der Koprahandel,[9] der

einzige Vermittler zwischen Weißen und Eingeborenen. Der Gesamtertrag

an Kopra im Bismarck-Archipel bewegt sich, um dies noch zu erwähnen,

zwischen 1000 bis 1500 Tonnen (à 200 Pfd. engl. pro Jahr) und ist

nicht minder Schwankungen unterworfen als die Koprapreise selbst,

welche in Europa je nach der Konjunktur zwischen 280 und 370 Mark

variieren. Die im Bismarck-Archipel beschäftigte Handelsflotte weist

unter deutscher Flagge zwei Schuner (von zusammen 180 Tons) und einen

Kutter (30 Tons) von Hernsheim und einen Schuner (60 Tons) der Handels-

und Plantagen-Gesellschaft, unter amerikanischer Flagge der Firma

Farell einen Schuner (70 Tons) und einen Dampfer auf. Bis zum Jahre

1882 unterhielten die beiden deutschen Häuser auch je einen kleinen

Dampfer, gaben dieselben aber auf, da sich trotz der geringen Größe

(ca. 70 Tons) die Unkosten zu hoch stellten. Seitdem haben sich die

Verhältnisse jedenfalls schon dadurch bedeutend verändert, daß die

Neu-Guinea-Compagnie ihre drei Dampfer nach dem Bismarck-Archipel

schickt.

Wer in der Südsee reist, muß vor allem Geduld besitzen! Dies

erfuhren wir gleich in Mioko, wo das Löschen und Laden viel mehr

Zeit erforderte, als wir wünschten. Denn auch in dieser Richtung

hatten sich die Verhältnisse, nur nicht zum Besseren, geändert. Die

Eingeborenen, welche früher gegen einen Tagelohn von einem Stück

Tabak im Wert von vier Pfennigen willig bei solchen Arbeiten halfen,

waren bei weitem anspruchsvoller geworden und verlangten andere und

bessere Tauschartikel. Ja, was weit schlimmer war, es hielt, trotz

der höheren Preise, überhaupt schwer Arbeiter zu erlangen, deren Zahl

sich durch die rücksichtslose Ausfuhr der Werbeschiffe[10] ohnehin

vermindert hatte. Wie in Faulheit, so waren die guten Neu-Lauenburger,

wie sie jetzt heißen sollen, auch im übrigen dieselben geblieben, und

Fortschritte in der Civilisation nicht bemerkbar, außer in gewissen

Tauschartikeln. Statt der gewöhnlichen weißen Thonpfeifen verlangte

man jetzt schwarze »Negerköpfe« (negro-heads), statt ordinärer Äxte

(Fan-tails) teure amerikanische u. s. w. Perkussions-Musketen,

früher das Ziel des höchsten Wunsches eines Kanaker, waren kaum mehr

begehrt. Dagegen Hinterladerbüchsen (Snider-Rifles) sehr gefragt,

weit mehr als z. B. Bekleidungsgegenstände. Letztere werden eben

nur von einzelnen, an den Hauptstationen beschäftigten Kanakern

zuweilen getragen. Aber die große Masse unserer neuen Landsleute in

Neu-Lauenburg, Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg läuft noch jetzt, und

zwar in beiden Geschlechtern, im adamitischen Kostüm umher und findet

dasselbe bei weitem einfacher und bequemer, wogegen sich bei einigem

Verständnis mit dem Leben und Wesen der Eingeborenen nichts einwenden

läßt. Auch die Mission (australische Wesleyan) hat in der von ihr so

sehr protegierten Bekleidungsfrage, außer bei ihren unmittelbaren

Zöglingen, die sich nach mehr als zehnjähriger Thätigkeit auf kaum 200

Bekehrte[11] belaufen, keinen Einfluß ausgeübt, ja schien überhaupt

Rückschritte gemacht zu haben. So wenigstens auf Mioko und der Insel

Utuan, der York-Gruppe, wo die beiden samoanischen Lehrer (Teachers)

nur noch wenige Eingeborene als Mitglieder der Kirche besaßen. Außer

der allgemeinen Lauheit gegenüber der christlichen Lehre, wie jeder

Lehre überhaupt, mochte hieran auch der unter der Leitung von Thomas

Farrell 1883 wirkungsvoll geführte Feldzug mit schuld sein, der die

Eingeborenen für die Ermordung von Theodor Kleinschmidt und seiner

beiden weißen Genossen strafte und einer großen Anzahl Eingeborenen,

darunter auch Kirchengängern, das Leben kostete.

Zweites Kapitel.

Astrolabe-Bai.

Abreise nach Neu-Guinea. -- French-Inseln. -- Forestier-Insel.

-- Verkehr mit den Eingeborenen. -- Fregattvögel und Tölpel. --

Spärliche Nachrichten über Astrolabe-Bai. -- Von Miklucho-Maclay.

-- Herrliche Küste. -- Gelbe Bäume. -- Der mysteriöse Deutsche.

-- Eine Südsee-Aventure. -- Berthold und der Marquis de Rays. --

»Nouvelle France.« -- Herr Canar. -- Eine wahre Robinsoniade.

-- Unter Menschenfressern. -- In Port Constantin. -- Erstes

Zusammentreffen mit Eingeborenen. -- Sa-ulo. -- Vermeintlicher

Überfall. -- Besuch in Bongu. -- Die Damenwelt. -- Haartrachten.

-- Anthropologisches über Papuas. -- Haar -- wächst nicht

büschelförmig. -- Hautfärbung. -- Individuelle Verschiedenheit. --

Bewohner von Bongu. -- Krankheiten. -- Pockennarben. -- Bekleidung

und sonstiger Ausputz. -- Gestrickte Beutel. -- Das Dorf Bongu.

-- Bauart der Häuser -- innere Einrichtung. -- Die Barla. --

Buambrambra oder Versammlungshaus. -- Barum, Signaltrommel. --

Telum-Mul, ein Kunstwerk der Steinzeit. -- Ahnen, keine Götzen.

-- Beschneidung. -- Reminiscenzen an Maclay. -- Eingeführtes

Rindvieh. -- eine Plage der Eingeborenen. -- Schweine. -- Hund

-- rätselhafte Herkunft desselben -- sowie des Haushuhnes. --

Plantagen. -- Urbarmachung. -- Kulturpflanzen der Papuas --

zugleich Zeugnis der höheren Gesittung. -- Genußmittel. -- Tabak.

-- Cigarren. -- Betel. -- Freundschaftszeichen. -- Zierpflanzen.

-- Keu, gleich Kawa. -- Eingeführte Kulturpflanzen. -- Russisch in

Port Constantin. -- Bemerkungen über Tauschhandel. -- Eisen- und

Steinbeil. -- Fischerei und Kanus. -- Einfluß des ersten Weißen.

-- Der Mann des Mondes. -- Erster Landerwerb. -- Begründung der

deutschen Schutzherrschaft. -- Geringe Bevölkerung. -- Beschränkte

Landeskunde der Eingeborenen. -- Gutes Einvernehmen mit denselben.

-- Abschieds-»Mun«.

In den ersten Tagen des Oktober war die Samoa endlich seeklar und

dampfte ihrem Ziele, Astrolabe-Bai, an der Nordostküste von Neu-Guinea,

entgegen. Wir gingen um die Nordostspitze Neu-Britanniens und näherten

uns am zweiten Tage der French- oder Französischen-Gruppe, die aus

einer Anzahl kleiner Inseln besteht und gleichsam eine nordwestliche

Fortsetzung des unbenannten Archipels bildet, in welchem Willaumez

die bedeutendste Insel ist. Wie Neu-Britannien selbst, so sind auch

diese Inseln offenbar vulkanischen Ursprungs, ihre kegelförmigen Berge

erloschene Krater, die jetzt mit üppiger Baumvegetation bedeckt, hie

und da größere kahle Flächen, Plantagen der Eingeborenen zeigen. Auf

Forestier-Insel sahen wir größere Bestände Kokospalmen, unter denen

es sich zu regen begann. Mit dem Glase erkannte man Menschen, und

bald kamen etliche Kanus ab, um leider nur zu bald in weiter Ferne

eine beobachtende Stellung einzunehmen. Die Leutchen trauten uns eben

nicht, und so gelang es uns nur mit großer Mühe, sie wenigstens so

weit heranzulocken, daß wir mittelst eines langen Bambus in allerdings

beschränkter Weise in Tauschverkehr treten konnten. Leere Flaschen

und Streifen roten Zeuges[12] fanden den meisten Beifall, weniger

Glasperlen, und Tabak wurde ganz verschmäht. An Bord wagte sich trotz

aller Verlockungen keine der vor Furcht zitternden Gestalten, im

Gegenteil, man suchte in unverkennbarer Weise klar zu machen, uns zu

entfernen und sie ungeschoren zu lassen. Die Leutchen mochten daher

wohl üble Erfahrungen mit den ersten Civilisatoren gemacht haben,

welche kurze Zeit vor uns hier vorgesprochen und »rekrutiert« hatten,

wie die sehr passende Südseebenennung dafür lautet. Denn bekanntlich

handelt es sich bei der sogenannten »Labourtrade«, wie das Anwerben von

Eingeborenen als Arbeiter kurzweg heißt, nicht immer um Freiwillige.

Die Eingeborenen selbst unterschieden sich im Rassentypus übrigens

durchaus nicht von Neu-Britanniern, gingen wie diese völlig nackt,

sprachen aber eine ganz andere Sprache. Im Ausputz war mir manches

neu, darunter ein Brustkampfschmuck und sehr elegante Armbänder mit

einem zweiblättrigen Anhängsel, Formen, die, wie ich später kennen

lernte, für die ganze Nordostküste Neu-Guineas (vergl. Atlas T.

XXII) charakteristisch sind und so die enge Zusammengehörigkeit

dieser Völkerstämme bekunden. Die an der Basis mit knochenförmiger

Schnitzerei versehenen, im übrigen glatten Wurfspeere, die einzige

Waffe, welche diese Eingeborenen mit sich führten, ähnelten ganz denen

in Blanche-Bai, aber ihre Kanus waren viel armseliger und für weitere

Reisen jedenfalls ungeeignet.

[Illustration: Astrolabe-Bai und Maclayküste.]

Nach diesem kleinen Intermezzo dampften wir in westlichem Kurs weiter,

sichteten die Nordwestspitze Neu-Britanniens mit der Insel Rook und

gingen später ganz nahe unter der Nordküste von Crown-Insel hin, ohne

irgend eine Spur von Eingeborenen zu bemerken. Alle diese Inseln,

wie Rich und Dampier, sind gebirgig, dicht bewaldet und offenbar

erloschene Vulkane, die sich in einer Reihe von Neu-Britannien bis zu

den Le Maire-Inseln erstrecken. Wie so häufig in diesen Breiten, war

die See glatt wie ein Spiegel und nur selten ließen sich schwarze

Meerschwalben, (Anous, Sterna anasthaeta), Tölpel oder Fregattvögel

(Tachypetes) blicken. Größere Flüge der letzteren pflegen nicht selten,

nach Art unserer Störche weite Kreise beschreibend, in der Luft zu

schweben, ein gar hübsches Schauspiel, während Tölpel (Sula fusca) es

hauptsächlich auf Treibholzstämme abgesehen haben. Auf solchen ruhend,

ähneln sie zuweilen einem Kanu mit Eingeborenen in weiter Ferne so

auffallend, daß wir hier, wie für die Folge, öfters getäuscht wurden.

Mächtiger Feuerschein hatte uns schon in der Nacht die Nähe des

Festlandes von Neu-Guinea angedeutet und zum Abhalten genötigt.

Der anbrechende Morgen, des vierten Tages, seitdem wir Mioko

verließen, zeigte uns die Küste sehr nahe: wir befanden uns bereits

in Astrolabe-Bai! So heißt eine an 15 Meilen breite Buchtung südlich

vom 5. Breitengrade, die im Jahre 1827 von Dumont d'Urville mit

der französischen Korvette »Astrolabe« zuerst gesichtet wurde.

Erst 44 Jahre später landete der russische Reisende Nikolaus von

Miklucho-Maclay mit dem russischen Kriegsschiff »Vitiaz« in »Port

Constantin« und brachte mit zwei Begleitern (einem weißen Matrosen

und einem Samoaner) 15 Monate hier zu, bis ihn das russische

Kriegsschiff »Izumrud« wieder abholte. Die wenigen, hauptsächlich

anthropologischen und ethnologischen Mitteilungen,[13] welche der

Reisende veröffentlichte, sind sehr schwer zugänglich, zählen aber

mit zu den besten wissenschaftlichen Arbeiten, die wir über Papuas

überhaupt besitzen. Eine eingehendere Darstellung[14] des interessanten

Gebietes fehlte bis jetzt noch.

Der Anblick der Küste von Astrolabe-Bai überraschte und befriedigte uns

alle gar sehr. Das waren nicht die langweiligen, in gleichmäßiges Grün

gekleideten Berge, wie wir sie aus dem Bismarck-Archipel gewohnt waren,

sondern die Landschaft wurde je weiter wir in die Bai hineinkamen

um so ansprechender. Sie ist rings von hübschen, dicht bewaldeten

Bergreihen umschlossen, hinter denen gegen Süden stattliche Gebirgszüge

hervorragen, von denen die höchsten an 10000 Fuß hoch sein mögen und

wohl zum System des Finisterre-Gebirges gehören. Die in den Schluchten

lagernden weißen Wolkenmassen, welche so sehr weißen Schneeflecken

ähnelten, gaben diesem schönen Gebirgsbilde einen erhöhten Reiz.

Wir passierten die kleine Insel Bilibili, deren Bewohner in großen,

kunstvoll gebauten Kanus herbeieilten und in freundlicher Weise Verkehr

anzuknüpfen suchten. Aber wir mußten diesmal ihren Versuchungen

ausweichen, galt es doch zunächst Port Constantin aufzusuchen,

wie sich später zeigte, keineswegs ein Hafen, sondern eine kleine

Buchtung, welche wenig Sicherheit gewährt. -- Vergebens spähten wir

nach Siedelungen, aber das mit dichtem Urwald bekleidete Ufer war wie

ausgestorben! Wie sich später zeigte, liegen die Dörfer im Dickicht

des Urwaldes versteckt und verraten sich dem Kenner meist durch nichts

als kleine Gruppen Kokospalmen und eine besondere Baumart, welche sich

durch die einfarbig, lebhaft gelbe Belaubung auszeichnet. Diese »gelben

Bäume«, welche sich übrigens an der ganzen Ostküste Neu-Guineas finden,

markieren sich in dem dunklen Grün des Urwaldes sehr auffallend und

erregen schon von weitem Aufmerksamkeit. So wurde von unseren Seeleuten

die besonders hohe und dichte Gruppe gelber Bäume bei dem Dorfe

Bogati oder Bogadschi, welches die Karten deshalb als »gelbes Dorf«

bezeichnen, anfänglich für ein Segel gehalten.

Samoafahrten · 第 1 / 32 段