Wozu? Wozu? -- Es kommt ja doch alles von selbst --

Nein! Nein! -- schrie Severin -- das ist nicht wahr!

In diesem Schrei war eine Anklage ohnegleichen, eine überhitzte Sehnsucht,

wie sie mancher hier kannte, und die sich wie ein Echo an den verqualmten

Wänden des Ateliers zerstieß. Es wurde still und die Gespräche verstummten.

Alle sahen nach Severin hin, Ruschena legte die Mandoline beiseite und hing

mit den Augen an seinem leidenschaftlichen Gesicht. Karla strich mit

nervösen Fingern den schwarzen Samt ihres Kleides zurecht und beugte sich

zu ihm. Die glühende Schönheit früherer Tage wachte mühsam in ihrer rauhen

und zerrissenen Stimme auf und es klang darin wie der Ton in einem

gesprungenen Glas. Sie sprach zu ihm von dem Glanz ihres Lebens, als sie

noch den Hut mit der roten Straußenfeder trug. Von dem Jüngling, den

Severin damals auf der Straße gesehen und der sie geliebt hatte. Sie sprach

von den Untiefen und Niederungen des Glücks. Sie flüsterte und stockte, und

mit einem Male war wieder das liebliche Magdalenenlächeln auf ihren Lippen,

auf das er den ganzen Abend vergebens gewartet.

Da kam eine fieberische Lustigkeit über Severin. Er nahm sein Glas, stieß

mit Karla an und trank. Immer wieder goß er den kalten Schaumwein durch die

Kehle, bis ihm das Atelier zu einem Durcheinander von Gestalten und

Gesichtern verschwamm, bis Ruschena mit der falschen Lockenfrisur auf dem

Teppich in der Mitte mit fliegenden Röcken einen Cancan zu tanzen begann.

Severins Gang in die Finsternis: Ein Prager Gespensterroman · 第 10 / 54 题