Jahre 97 vor Christi Geburt zur Zeit des Consulats C. Marcius und
Sept. Julius, nach Plinius im +II.+ Buche Kap. 53, verheert und
verschüttet worden. Nach Ramazzini's Erzählung findet man hier 14
Fuß tief unter der Erde Ueberbleibsel von einer alten Stadt, Häuser,
gepflasterte Straßen u.s.w. Hierauf folgt, wie er hinzu fügt, eine
feste Erde und unter dieser eine feuchte Erde, die mit vielen
Pflanzentheilen vermischt ist. Und unter dieser befinden sich in
einer Tiefe von 26 Fuß ganze Bäume, z.B. Nußbäume mit vielen Aesten,
Blättern und Früchten, und hierauf trifft man wieder, 2 Fuß tiefer,
eine sehr zarte Kreide, die mit vielen Muschelschalen vermengt ist,
an. Nach seiner Angabe soll diese Kalklage 11 Fuß dick sein, worauf
sich aufs Neue wieder Aeste, Blätter und ganze Bäume befinden. Auf
diese Weise wechseln daselbst, bis zu einer Tiefe von 63 Fuß,
Kreideschichten und Lagen von einer feuchten, mit Pflanzentheilen
vermengten Erde mit einander ab. Hierauf folgt zuletzt eine Schicht
von Sand mit Muschelschalen und Steinen angefüllt.]
Ob nun gleich die Macht des unterirdischen Feuers sehr groß ist, wie
sowol diese Wirkungen, als auch die der Erdbeben, wodurch ganze Länder,
und fast ganze Erdtheile erschüttert worden sind[A], beweisen, so sind
solche doch nur lokal gewesen, und betreffen nur hier und da die
Erdrinde, und zwar da, wo ein Stoff dazu vorhanden war, welcher sich
mit dem Wasserstoffe verbinden konnte. Da nun in der Mitte der Erde
keine Wassermasse, nach der Wirkung der allgemeinen Schwere, bei der
Entstehungsart der Schichten, in dem Innern derselben vorhanden sein
kann, so kann auch daselbst ein solches die Erdoberfläche überall
zerstörendes Feuer nicht Statt finden. Und wenn je daselbst solches
Statt gefunden und seine Wirkungen von da nach außen hin ausgeübt hätte,
so würden wir auch Felsenstücke von dem Innern der Erde, und nicht bloß
von der Erdrinde auf ihrer Oberfläche umhergeschleudert finden. Hieraus
folgt demnach, daß nie ein Feuer in der Mitte der Erde gelodert, und die
auf der Erdoberfläche vorhandenen Verwüstungen angerichtet habe, sondern
daß solches immer nur unter der Erdrinde hier und dort gewüthet und
dieselbe da, wo es den geringsten Widerstand gefunden hat, aufgeworfen
habe; daher finden wir bald hier bald dort auf den Ebenen
trichterförmige Berge, und auf dem langen Rücken der Bergketten einzelne
Spitzen, als Vulkane, lodern, welche die ganze Macht des unterirdischen
Feuers darstellen.
[Anmerkung A: Das Erdbeben von 1601 den 1. September soll ganz
Europa und einen Theil von Asien erschüttert haben, und das von
1755 den 1. November, welches Lissabon zerstörte, hat seine
Erschütterungen von Grönland bis nach Afrika ausgebreitet.]
Da sich nun aus dieser Wirkungsart dieses Feuers 1) die Entstehungsart
ganzer Bergketten von 70 bis 1000 Meilen[A] Länge, dabei mit einer sehr
beträchtlichen Höhe, aber mit einer sehr unbedeutenden Breite, wobei
die Alpen nicht ein Mal eine Spur eines unterirdischen Feuers an sich
tragen; 2) die senkrechten und schief geneigten Lagen und Stellungen von
Felsenmassen, die eine Länge von einer Meile haben; 3) das Hinüberwerfen
solcher Massen über einander, und 4) die Spalten und Hohlungen in
denselben, welche oft mehre Meilen weit in die Länge fortgehen, auf
keine Weise erklären lassen, so nehmen andere Geologen, um den Umsturz
so vieler Schichten, und den Grund ihrer schief liegenden und senkrecht
stehenden Stellung zu erklären, ungeheuere Höhlen in dem Innern der Erde
an, welche einstens mit Wasser ausgefüllt gewesen, und in welche nachher
die Schichten hinabgesunken wären, ohne zu bedenken, daß die allgemeine
Schwere die Entstehung solcher Höhlen bei der Ausbildung der Erde nicht
verstatten konnte, indem sich, nach ihren Gesetzen, alles auf einander,
ohne eine Lücke zwischen sich zu lassen, drängen mußte.
[Anmerkung A: Die Cordilleras heben bei dem Feuerlande an und
breiten sich bis zu dem Berge St. Elios in Nordamerika aus, eine
Länge von 1700 geogr. Meilen.]
Andere Geologen, um dieser Schwierigkeit auszuweichen, nehmen ein
Austrocknen, Verwittern, Auflösen der Schichten durch das Wasser und
andere zufällige Ursachen an, wodurch die Schichten gesunken und in
solche schiefe und senkrechte Lagen sollen gebracht worden sein. Wenn
sich nun aber auch die Lage einzelner Schichten dadurch erklären läßt,
so läßt sich dadurch dennoch nicht die Lage derjenigen Schichten,
die einen Umfang von _einer_ Meile haben, und plötzlich senkrecht
hingestellt worden sind -- und auch nicht die Entstehungsart der hohen
und langen Bergketten erklären.
Was nunmehr die Erscheinung der Seethiere auf den Gipfeln der höchsten
Berge, auf welchen Don Ulloa Ammoniten und Pektiniten in einer Höhe von
14,000 Fuß, auf einem Kalkgebirge in Peru, gefunden hat, anbetrifft,
so erklären die Geologen diese Erscheinung durch das Nahekommen eines
Kometen der Erde, wodurch das Meer zu dieser Höhe hinanzufluthen
gezwungen worden sei. Wenn nun aber ein Komet auf derselben solches
bewirken soll, so muß er, wenn er von der Dichtigkeit und Größe unseres
Mondes ist, von welcher aber nur wenige erschienen sind, und das Meer
15,000 Fuß erheben soll, ihr 1016 geogr. Meilen nahe kommen. Ist er
aber von der Größe der Vesta, so muß er, wenn er das Meer 8000 Fuß zu
sich hinan erheben will, 86 Meilen, und wenn er solches 32,000 Fuß
hinanfluthen lassen will, ihr 34 Meilen nahe kommen. Kommt aber ein
Weltkörper so nahe unserm Wohnorte, so möchte er wol von ihm gezwungen
werden, sich mit ihm zu vereinigen, um seine Erdmasse dadurch zu
vergrößern.
Was nun endlich das Auffinden und Aufgraben der großen Landthiere in
unseren Gegenden anbetrifft, so muß ich darüber zuvor bemerken, daß
Cuvier und andere große Naturforscher durchaus behaupten, daß die Thiere
da, wo ihre Ueberreste gefunden werden, auch gehauset haben. Wenn aber
diese in unseren Gegenden und in denen, welche mit den unsrigen in einer
gleichen Zone liegen, sollen gelebt haben, so muß diese unsere Zone
einstens heiß gewesen sein, um der Menge dieser großen Thiere den
gehörigen Nahrungsstoff haben verschaffen zu können.
Wie ist aber diese zu einer gemäßigten geworden? Hat sich etwa die Wärme
der Erde überhaupt vermindert, wodurch unsere Gegenden kälter geworden
sind? Oder hat die Erdachse eine andere Stellung nach der Sonne hin
erhalten, wodurch unsere Zone eine gemäßigte geworden ist?
Alle diese Fragen, dergleichen ich noch mehre hinzufügen könnte, wie
auch diejenigen, welche gleich im Anfange über die Ausbildungsart der
Erde von mir aufgestellt worden sind, lassen sich durch die Aufstürze
der Weltmassen auf unsere Erde am besten und befriedigendsten auflösen.
Denn durch das Niederstürzen einer solchen Masse, nur von der Größe
einer Vesta, mußten die Felsenmassen der Erde da, wo sie hinstürzte,
zertrümmert, umhergeworfen und über einander angehäuft werden, wodurch
daher diese Massen alle die vorhin angeführten Lagen und Stellungen
gegen einander erhalten haben und erhalten mußten, und wodurch sich
ebenfalls zwischen ihnen, da sie nicht alle dicht auf einander zu
liegen, und dicht bei einander zu stehen kommen konnten, Hohlungen
bildeten, welche nachher mit einer andern aufgelöseten Felsenmasse,
als die ihrige war, von der Fluth dahin geführt, zum Theil ausgefüllt
worden, zum Theil aber leer geblieben sind.
Und da bei der Annäherung einer solchen Weltmasse sich das Meer zu
ihr hinan erheben, über die höchsten Berge dahin fluthen, und bei dem
Niedersturze derselben wieder weggedrängt werden, und zu den Seiten
hinabfluthen mußte, so mußten auch auf den höchsten Felsenspitzen, wo
das Meer hingefluthet war, die Bewohner desselben hier und dort haften
bleiben, wo man auch solche gefunden hat; und das Meer selbst mußte,
so bald es nur etwas Ruhe genoß, seine ihm beigemischten Theile fallen
lassen, und dadurch die Ueberzüge von dem Kalkgebirge der zweiten
Entstehung bilden, weswegen alle die bloß gestandenen Ecken und Seiten
der zertrümmerten Felsenmassen mit dem angeführten Kalksteingebirge
überzogen sind.
Wenn aber eine solche Masse, wie nur die Vesta ist, wodurch ein Gebirge,
wie das der Andes, welches 1700 Meilen lang ist, wol hätte gebildet
werden können, auf die Erdoberfläche gestürzt wäre, so mußte der
Schwerpunkt der Erde verändert, und Länder, die heiß waren, wie die
unsrigen, in gemäßigte umgeschaffen werden, wobei aber die Richtung der
Erdachse gegen den Sonnenkörper unverändert bleiben mußte, weil der
Umschwung der Erde um dieselbe, der von Abend nach Morgen in einer
Richtung von 23 Grad aus der Ebene ihrer Bahn stets fortgeht, nicht von
der Größe ihrer Masse, sondern von dem ersten Anstoße oder Umschwunge,
welchen sie bei ihrem Entstehen erhalten hat, abhängt. Daher ist
höchst wahrscheinlich die Richtung der Erdachse bei allen den großen
Veränderungen unverändert geblieben, nur ist der Nordpol bei denselben
nicht über dem Erdpunkte, über welchem er vor jeder solchen großen
Veränderung lag, liegen geblieben, sondern hat, bei jedem großen
Aufsturze, einen neuen Erdpunkt erhalten.
Was man dieser Hypothese, welche alle jene aufgestellten Fragen
befriedigend beantwortet, und den Untergang von Wäldern, Bergen und
Städten durch den Einsturz der tiefen Höhlen, auf welchen sie einstens
gestanden haben, so schön erklärt, vorzüglich entgegensetzt, ist die
abgeplattete Gestalt der Erde an ihren Polen, welche sie bei ihrem
Entstehen, da ihre Theile noch weich waren, durch den Umschwung um
ihre Achse erhalten hat, und die sie auch jetzt noch hat.
Wenn nun aber die Erde durch den Aufsturz eines solchen Weltkörpers in
etwas umgedreht, so daß die damalige heiße Gegend, also die unsrige,
nach dem Nordpole derselben hingerückt worden wäre, wie ist es alsdann
möglich, daß die Lage der Gestalt der Erde so geblieben ist, wie sie im
Anfange war und noch ist? Bedenkt man aber, daß der Umschwung der Erde
um ihre Achse die Theile derselben in der Mitte, wo der Aequator liegt,
erhoben, und solche von den Seiten, das ist von den Polen her, weswegen
sie hier abgeplattet ist, dahin gezogen habe, so wie eine weiche
Thonkugel, die auf einen Stock gesteckt und umhergeschleudert wird, sich
in der Mitte erhebt und an den Seiten abplattet, so mußte sich auch das
Meer, nachdem der Aufsturz der Weltmasse auf die Erde geschehen war,
unter dem neuen Aequator erheben, die nicht zu schweren und zu großen
Felsenmassen mit sich dahinführen und seine ihm beigemischten Theile
hier in größerer Menge, als an den Polen fallen lassen, wodurch sich
daher neue und höhere Schichten unter demselben, als an den Polen,
gebildet haben, und wobei dasselbe nicht eher in Ruhe kommen konnte,
bis das gehörige Gleichgewicht der Theile unter dem Aequator mit dem
an den Polen da war.
Ferner, wenn die Erde ihre erste Gestalt behalten hätte, so müßte
sie, nach den Gesetzen der allgemeinen Schwere, ein regelmäßiger Körper
sein, und die südliche Halbkugel müßte, in Ansehung der Schwere, der
nördlichen vollkommen gleichen. Da aber dieß nicht der Fall ist, wie man
aus den Pendelversuchen weiß, so muß irgend eine wichtige Ursache da
sein, welche sie verändert hat; und diese ist und kann keine andere, als
ein Aufsturz einer Weltmasse auf ihre nördliche Hälfte sein, wodurch nur
allein eine größere Schwere dieser Halbkugel hervorgebracht werden
konnte.
Da nach einer von dem verstorbenen Hofrath _Klügel_ mühsam angestellten
genauen Berechnung über die wahre Gestalt der Erde, nach den
verschiedenen auf ihr geschehenen Gradmessungen, sich dieselbe, nach der
jetzigen Lage der Pole, auf keine Weise zu einem regelmäßigen Körper
eignen wollte, so nahm er andere Punkte auf ihr zur Lage ihrer Pole
an, und fand, daß, wenn man die Gegend unter dem Vorgebirge der guten
Hoffnung nach dem Südpole hindrehen oder denselben hierher verlegen, und
den Nordpol in das stille Meer, etwa 40 Grad von dem jetzigen Nordpole
entfernt, versetzen würde, die Erde alsdann ein vollkommnes Ellipsoid
sei. Daher ist höchst wahrscheinlich diese Lage der Erdpole die erste
bei der Bildung ihrer ersten Gestalt gewesen, wobei demnach die ganze
nördliche gemäßigte Zone und auch unsere Gegenden ihre Lage unter dem
heißen Himmelsstriche gehabt haben, wodurch daher diese einstens heiß
gewesen sind, und welche Lage sie erst durch den Aufsturz einer
Weltmasse auf die Erde verloren haben.
Siehe: Ausdehnungen der Erde; in den astronomischen Sammlungen +III.+
164-169 und _Malte Brun's_ Abriß der mathematischen und physischen
Geographie 1. Abtheilung von v. Zimmermann, mit Erläuterungen
herausgegeben, Seite 92.
Auf diese Weise läßt sich demnach, wie ich glaube, nicht allein die
jetzige Gestalt der Erde erläutern, sondern auch alle übrigen vorhin
angeführten Naturerscheinungen in und auf der Erde sind dadurch gehörig
erläutert worden.
Von allen diesen großen Veränderungen, welche die Erdoberfläche erlitten
hat, scheint aber das jetzige Menschengeschlecht keine erlebt zu haben,
weil wir bei der großen Menge der Ueberreste der Landthiere, die theils
unter dem nachgelassenen Schlamme der Fluthen, theils unter Felsenmassen
begraben liegen, keine Ueberreste von Knochen der Menschen und auch
keine Versteinerungen von denselben, welche bei dem letzten großen
Aufsturze, wodurch die Mammuthsthiere, Rhinozerosse und andere große
Thiere, deren Arten zum Theil gar nicht mehr in unserer jetzt lebenden
organischen Schöpfung vorgefunden werden, zum Theil in wärmeren
Erdtheilen leben, vernichtet worden sind, mit vernichtet worden wären,
finden. Denn das Beispiel von dem versteinerten Menschenskelette von
Guadeloupe ist, nach der genauen Untersuchung des Herrn Hofrath
Blumenbach in Göttingen, ein Produkt, welches von keinem Präadamiten,
sondern höchst wahrscheinlich von einem Caraiben herrührt[A]. Auffallend
ist hierbei noch, daß von den vielen Menschen, welche sowol durch die
großen Fluthen des Orients, wie auch durch die des Occidents umgekommen
sind[B], keine Ueberreste gefunden werden, wovon höchst wahrscheinlich
die leichtere Auflösung der Kalkerde ihrer Knochen durch das Wasser die
Ursache ist.
[Anmerkung A: Gilbert's Annalen der Physik Bd. 22. Seite 177.]
[Anmerkung B: Siehe meine »Allgemeine Darstellung der Oberfläche der
Weltkörper und ihres Sonnengebietes«, S. 45.]
Auf diese Weise ist demnach unser Wohnort durch Aufstürze von Welten
gebildet, wodurch in seinem Innern Höhlen entstanden sind, die sich
nach und nach immer mehr mit Wasser angefüllt, dadurch ihren Raum immer
mehr vergrößert, die Erdschichten dünner gemacht, und sie zuletzt zum
Einstürzen gebracht haben[A], wodurch daher manche Gegend von der
Erdoberfläche verschwunden, und mit einem dafür hervortretenden See
bezeichnet worden ist. Nach diesen Aufstürzen von Welten haben darauf
Ueberschwemmungen und Feuerschlünde die letzte Hand der Erde zu ihrer
Ausbildung dargereicht, haben einzelne Gegenden verschüttet, sie tiefer
hinabgesenkt, hin und wieder Städte von den Ufern des Meeres durch
angespülte Erdmassen getrennt, und niedrig gelegene Wälder mit
Erdschutte bedeckt.
[Anmerkung A: So wurde z.B. im Jahre 1618 den 25. August die Stadt
Plurs in der Landschaft Cleven in Graubünden mit 2000 Menschen von
einem losgewordenen Bergstücke zu Grunde gerichtet, und ließ einen
großen See zu ihrer Bezeichnung nach sich. Im Jahre 1702 den
5. Febr. sank ein Edelhof bei Friedrichshall in Norwegen, Berge
genannt, 600 Fuß in die Erde hinab, wobei 14 Menschen und 200 Stück
Vieh ihr Leben verloren, und ließ einen Sumpf von 3 bis 400 Ellen
lang und halb so breit, nach sich zurück. Die Insel Pontiio bei
Negroponte im Aegäischen Meere sank, mit vielen andern in ihrer
Nachbarschaft liegenden, im Jahre 1758, ohne Merkmale des geringsten
Erdbebens, unter die Fluth des Wassers hinab. Und im Jahre 1763 den
1. Sept. ist ein Stück Land von der Insel Banda Neira 5 Meilen im
Umfange, mit Menschen und Vieh in die Tiefe der Erde hinabgesunken.
Eben so sind auch Berge hinabgestürzt und haben mit sich Städte und
Dörfer verschüttet. So stürzte im Jahre 1714 den 14. Sept. ein Theil
des Berges Diableret in Unter-Wallis plötzlich ein, wodurch 55
Bauerhäuser verschüttet, 15 Menschen und mehr als 100 Ochsen und
Kühe unter dem Schutt begraben wurden. Die Trümmer dieses Berges
haben ungefähr einen Raum von einer französischen Quadratmeile
eingenommen, und der durch diesen Sturz verursachte Staub bewirkte
bei heiterm Himmel eine solche Dunkelheit, daß man fast gar nichts
sehen konnte. Und durch die dadurch umhergeschleuderten Felsenmassen
sind Flüsse in ihrem Laufe gehemmt und neue Seen zum Entstehen
gebracht worden. In Italien bei Norica spaltete sich ein Theil von
einem Berge und versank so tief in die Erde hinab, daß eine Schnur
von 294 Faden den Grund nicht erreichte. Und den 24. Junius 1765
sank der Berg Montepiano in Neapolis, der 1/10 Quadratmeile groß
war, so tief in die Erde hinein, daß man jetzt kaum die Stelle noch
sieht. Und unter den neuern Naturscenen dieser Art ist die letzte,
welche sich am 2. Sept. 1806 in der Schweiz ereignete, eine der
merkwürdigsten, wo in einem Zeitraum von wenigen Minuten ein Thal,
welches zwischen dem Zuger- und Lowerzer-See, von der Nordseite
aber von dem 3500 Fuß hohen Roßberge und von der Südseite von dem
4400 Fuß hohen Rigiberge eingeschlossen lag, von gewaltigen, mit
mächtigem Krachen verbunden, losgerissenen Felsenmassen des
Rigiberges zerstört wurde, wobei das Dorf Röthen, welches in diesem
Thale lag, mit einem Theile des Fußes des Berges in die Tiefe der
Erde hinabsank, und die andern drei Dörfer Glogau, Busingen und
ein Theil von Lowerz, die sich außer jenem noch hier befanden,
verschüttet wurden, wobei 87 Bauergüter ganz und 60 nur zum Theil
untergegangen, und 484 Menschen, 170 Stück Ochsen und 103 Stück
Ziegen u.s.w. unter den Trümmern jener Felsenmasse begraben worden
sind. Siehe Bergmann's Physikalische Beschreibung der Erdkugel,
Delametherie's Theorie der Erde 2. Thl. und Zach's Monatl.
Korrespondenz. 15. Bd.]
So ist also alles in der großen Gotteswelt einer beständigen Veränderung
unterworfen, der Same keimt empor, hebt sich zum Baume hinan, und geht,
wenn er seine Bestimmung vollbracht hat, zur Erde über, um durch seine
aufgelösten Theile die Natur zu ergänzen und zu verjüngen -- und so
vergehen auch Welten zur Verjüngung und Verherrlichung der großen
Schöpfung!!!
_Zusatz._
Eine solche grausenvolle Erdrevolution, wie vorhin angeführt ist, hat
das jetzige Menschengeschlecht, wenn wir dessen Existenz auf 2 bis 3000
Jahre vor Christus Geburt hinaufsetzen, mit welchem Zeitpunkte unsere
gewöhnliche Geschichte anhebt, nicht erlebt; aber ein älteres Volk, das
_Zend-_ oder _Urvolk_ der Erde hat die Folgen von derselben empfunden,
wie in ihrem heiligen Buche der _Zend-Avesta_ angeführt ist[A]. Dieß
Volk hat über 3000 Jahre auf den Hochebenen von Asien, dem jetzigen
Tibet gelebt, und sich nach denselben von da nach verschiedenen Gegenden
unseres Wohnortes ausgebreitet, und sich besonders astronomische
Kenntnisse zu erwerben gesucht, wie aus den Ueberresten derselben,
welche bei den Nachkommen von ihnen gefunden werden, auf das Deutlichste
erhellet, wohin z.B. die Länge des Sonnenjahres von 365 Tagen[B] --
die Berechnung der Mond- und Sonnenfinsternisse bei den Brahminen der
Indier[C] -- die Aufzeichnung der Konjunktion von 4 Planeten im Jahre
2449 vor Chr. Geburt bei den Chinesen -- die Kenntniß der alten Schweden
von der Länge des Sonnenjahres von 365¼ Tagen schon vor 2300 v. Chr. &c.
gehören. Denn nach der großen Revolution, wodurch der neunmonatliche
Sommer in einen neunmonatlichen Winter verwandelt wurde, breitete sich
dieß Urvolk nach allen Gegenden der Erde aus. Ein Theil ging nach Osten
und stiftete das chinesische Reich, ein anderer nach Westen, von welchem
Abraham, der seinen Gott im Feuer verehrte, abstammte, ein Theil nach
Südwesten, von welchem die Aegypter ihren Ursprung genommen haben, und
ein Theil nach Süden, von welchem die Perser abstammen.
[Anmerkung A: Dieses heilige Wort der Parser oder die Zend-Avesta,
welche in der Zend- oder Ursprache der Völker der Erde geschrieben
ist, bestehet aus 21 Theilen, von welchen der Vendidad noch ganz
vorhanden ist, und in welchem die Vorschriften zu allen öffentlichen
und Privathandlungen des Gottesdienstes, der Opfer und der häufigen
Reinigungen aufgezeichnet stehen. Von den übrigen 20 Theilen sind
nur noch Bruchstücke da, welche lauter feierliche Gebete und Hymnen,
wie sie täglich vor dem heiligen Feuer aller Wesen der Verehrung
verrichtet werden sollen, enthalten. Hierher gehören auch die
Jeschts oder die abgerissenen Bruchstücke aus größern Zendschriften,
welche voll von feierlichen Anrufungen sind, und unsern Perikopen,
die aus dem neuen Testamente genommen sind, gleichen.
Diese Zend-Avesta oder das heilige Wort, das in der Zendsprache
geschrieben ist, von welcher die Pohlrische und Parsische Sprache
abstammen, und die bis auf den heutigen Tag von den Priestern jener
Völker noch erlernt und studirt werden muß, um in solcher die Hymnen
und Loblieder auf das höchste Wesen aus jenem Buche absingen zu
können, ist von Anquetil du Perron in das Französische und von
Kleuker ins Deutsche übersetzt worden.
Als im Jahre 1723 einige Theile dieses Buches nach England kamen,
so war kein Gelehrter daselbst zu finden, der nur eine Sylbe oder
Ziffer aus denselben hätte enträthseln können. Dieß bewog den
feurigen und nach neuen Kenntnissen schmachtenden Jüngling Anquetil
du Perron zu dem kühnen mit vielen Gefahren und Schwierigkeiten
verbundenen Entschlusse, zu den Ländern hinzueilen, und die Oerter
aufzusuchen, wo er die Zend-Avesta oder das heilige, lebendige Wort
des Zoroasters aus den Urquellen selbst kennen lernen könnte. In
dieser Absicht suchte er seinen Körper auf das äußerste abzuhärten,
gab ihm nur Käse, Milch und Wasser zur Nahrung, und schlief
des Nachts auf einer Matratze ohne Federbetten. Und da ihm die
versprochene Unterstützung zu seiner Reise zu lange ausblieb, so
ließ er sich als gemeiner Soldat der Kompagnie in die Liste der
Rekruten einschreiben und ging im November 1754 nach dem Orient
ab. Noch ehe er sich einschiffte, erhielt er vom Könige eine Pension
von 500 Livres; die Kompagnie gab ihm die Reise frei, und als er
zu Pondichery ankam, bestimmte ihm diese eine ansehnliche
Unterstützung. Mit dem lebhaftesten Enthusiasmus verfolgte er
nunmehr seine Absicht, durchreisete zu Fuß und in verschiedenen
Richtungen einen großen Theil der Halbinsel, erwarb sich viele
wichtige Sprachkenntnisse, und machte zu Surate Bekanntschaft
mit zwei indianischen Gesetzgelehrten, nahm Unterricht in beiden
heiligen Sprachen Zend und Pohlri, und brachte es theils durch List,
theils mit Gewalt dahin, daß er ihnen ihre Geheimnisse und selbst
Zoroaster's heilige Bücher ablockte. Mit diesen und vielen andern
Handschriften in fast allen Sprachen Indiens kam er 1761 nach
Europa, reisete zuerst nach Oxford, um seine Manuscripte mit denen
auf der dortigen Universität zu vergleichen, und von da in sein
Vaterland, wo er einen Theil seiner literärischen Schätze der
königl. Bibliothek schenkte. Er lebte nunmehr in Paris als
französischer Dolmetscher für die orientalischen Sprachen, ward
Mitglied der Akademie der Inschriften und in seinen letzten Jahren
auch des Nationalinstituts, welches er aber wenige Monate vor seinem
Tode, aus Mißvergnügen mit der damaligen Lage der politischen
Angelegenheiten, verließ. Er starb im Jahre 1805 in dem 74. Jahre
seines Alters.]
[Anmerkung B: Noah blieb gerade 365 Tage in seiner Arche, um diese
Länge des Jahres seinen Nachkommen, wie es scheint, wichtig zu
machen, welche er als ein Heiligthum, von seinen Vorfahren erhalten,
verehrte.]
[Anmerkung C: Die Brahminen wissen nicht ein Mal, wie diese
Erscheinungen entstehen, glauben dabei die Sonne sei uns näher, als
der Mond. Die Formeln zu den Berechnungen sind in Verse eingehüllt,
welche sie dabei hersagen und die sie höchst wahrscheinlich nicht
erfunden, sondern von ihren Vorfahren erhalten haben. S. mein
kleines Werk »Ueber das Urvolk der Erde«.]