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Anmerkung:
_Wort_ = gesperrt
+Wort+ = antiqua
UEBER DIE SCHRECKLICHEN WIRKUNGEN DES AUFSTURZES EINES KOMETEN
AUF DIE ERDE
und über die vor fünftausend Jahren gehabte Erscheinung dieser Art.
von
Dr. Aug. Heinr. Christ. Gelpke,
Schulrathe und Professor in Braunschweig
und Ehrenmitgliede der Großherzoglichen
mineralogischen Societät in Jena.
Leipzig, 1835.
Friedrich Fleischer.
Ehe ich die schrecklichen und furchtbaren Wirkungen, welche unser
Wohnort sowol in seinem innern Baue, als auch auf seiner Oberfläche
leiden würde, wenn irgend ein bedeutender Weltkörper, etwa von der
Größe unseres Mondes auf die Erde stürzte, anführe, muß ich zuvor eine
allgemeine Darstellung von der Entstehungsart desselben und seiner
allmäligen Ausbildung zu geben suchen, um danach die furchtbaren
Wirkungen des Kometen, der an unsern Wohnort stoßen, seinen innern Bau
zertrümmern und seine organische Schöpfung zerstören und vernichten
würde, richtig beurtheilen zu können.
Die beiden großen, mächtigen Hauptgesetze, durch welche unser Erdball
und überhaupt die großen Weltkörper, die mit ihrem funkelnden Lichte das
nächtliche Gewölbe des Himmels so prachtvoll schmücken, und Millionen
Mal größer, als unser uns schon so groß scheinender Erdkörper sind, und
wodurch das Samenkorn in dem Schoße der Erde gebildet wird und zu seiner
Entwicklung gelangt, sind die _Anziehungs-_ und _Abstoßungs_gesetze.
Alles, was wir um uns her und in den Tiefen der Erdschichten erblicken,
ist auf dem flüssigen Wege entstanden, das heißt: der erste Zustand
aller natürlichen Körper ist ein flüssiger gewesen. Wer verkennt dieses,
wenn er an die Entstehung des erhabenen Menschen aus einem kleinen,
einem Senfkorne an Größe gleichenden Eye denkt? Und wer würde es
glauben, wenn die Erfahrung solches nicht bestätigte, daß aus demselben
der große erhabene Mensch entstände, der mit der Meßruthe in der Hand
die ungeheuern Weiten der Welten, welche der Lichtstrahl, der in einer
Sekunde 41,000 Meilen macht, nicht in Jahrzehenden, sondern erst in
Jahrtausenden, und die Weite von dem, von Herschel zuletzt entdeckten
Weltengebiete in 1½ Millionen von Jahren durchläuft, auszumessen, und
die Gesetze, wodurch sie in dem großen Weltenraume schwebend erhalten
und umhergeführt werden, auszuforschen vermag? Ist aber der erste
Zustand des Menschen in diesem Eye nicht ein flüssiger?
Und wird _derselbe_ nicht dadurch in diesem kleinen Eye entwickelt, daß
von diesem, wenn es durch eine geheimnißvolle Naturkraft angeregt und
belebt worden ist, die ihm zugeführten feinen Nahrungssäfte, vermöge des
großen Anziehungsgesetzes der Natur, angezogen werden, und wenn solche
alsdann von ihm gehörig verarbeitet worden sind, nach diesem und jenem
Theile seines kleinen Wesens hingeführt oder gleichsam hingestoßen
werden?
Ist aber der erste Zustand des Samenkornes in der Hülle der noch
unausgebildeten Frucht anders? Und wird die Entwicklung desselben nicht
durch gleiche Gesetze vollzogen?
Und sind die ungeheuren Felsenwände, die mächtigen Erd- und
Steinschichten der Erde auf eine andere Weise entstanden? Sind sie nicht
alle aus einem flüssigen Zustande ins Dasein gekommen? Wer kann dieses
leugnen, wenn er die wellenförmige Bildung der Erdschichten und die
Krystallisationen in denselben, welche deutlich genug den Weg ihrer
Entstehungsart bezeichnen, mit Aufmerksamkeit betrachtet? Und muß daher
nicht unser Wohnort, der aus diesen mächtigen Felsenmassen
zusammengesetzt ist, auf eine gleiche Art entstanden sein?
Hieraus erhellet demnach, daß unser Wohnort einstens, als er dem _Chaos_
des unendlich großen Weltenraumes entschlüpfte, nichts weiter als eine
und zuerst wahrscheinlich unbedeutende Art vom Wasserballe gewesen sei,
der sich hierauf durch die Vereinigung mehrer solcher Bälle an Masse
vergrößert hat und hinangewachsen, und so vielleicht dem Kometen vom
Jahre 1744, 1795 und 1796, in Ansehung des Naturbaues, gleich gewesen
ist[A].
[Anmerkung A: Diese Weltkörper waren so durchsichtig, daß man
Fixsterne durch ihre Masse hervorfunkeln gesehen hat. Bryant machte
zuerst diese Entdeckung im Jahre 1744, darauf +Dr.+ Gerschen den 8.
und 9. November 1795 und +Dr.+ Olbers den 1. April 1796.]
Die Annahme einer solchen Entstehungsart unseres Wohnortes setzt aber
voraus, daß einstens der ungeheure Schöpfungsraum, der eben so unendlich
ist, als das Wesen, welches ihn schuf und werden hieß, mit einem feinen
Weltenstoffe angefüllt und übersättigt gewesen sein muß, in welchem sich
hier und dort durch irgend einen Wink der höhern Natur oder durch irgend
einen uns unbekannten Erzeugungsprozeß Massen getrennt und zu kleinen
mehr flüssigen als festen Weltmassen, mit allen den Stoffen, woraus die
Weltkörper bestehen, angefüllt, sich gebildet haben.
Da aber die Menge der kleinern Weltmassen, die dem Schoße des großen
Weltenraumes entschlüpft waren, im Anfange unzählig groß gewesen sein
muß, weswegen sie beinahe schwebend an einander müssen gestanden haben,
wobei auch die anfängliche Richtung ihres Laufes, welche ihnen von dem
sie bildenden Stoffe mitgetheilt worden war, noch nicht gehörig geordnet
sein konnte, so war es wol natürlich, daß sie aneinander stoßen, dadurch
auf einander fallen, und sich an Masse vergrößern mußten.
Als nun hierauf ihre Menge geringer wurde, so konnte auch das
Zusammenfließen derselben nicht mehr so häufig erfolgen, wodurch sie
daher mehr Ruhe in ihrem Innern genossen, und vermögend wurden, die
ihnen beigemischten Theile fallen zu lassen, und Kerne und Schichten
in ihrem Innern zu bilden.
Diese Bildungsart ist aber nach eben denselben Gesetzen der
allgemeinen Schwere erfolget, nach welchen Wasser in einem Glase die
hineingeschütteten und darin umhergerührten Erdtheile fallen läßt, nach
welchen die schwersten Theile zuerst, hierauf die etwas minder schweren,
und zuletzt die leichtesten von ihnen niederfallen, wodurch sich alsdann
verschiedene Schichten auf dem Boden desselben bilden und anhäufen.
Auf eben diese Weise mußten auch die kleinen Weltmassen, da sie noch
in ihrem flüssigen Zustande waren, die ihnen beigemischten Stoffe
niederfallen lassen, und zwar nach dem Punkte hin, der ihr
gemeinschaftlicher Schwerpunkt war und in ihrer Mitte lag. Um diesen
reiheten sich demnach die Stoffe, nach ihrer Schwere, kugelförmig, und
bildeten dadurch bei unserer Erde die verschiedenen Erdschichten.
Auf diese Weise kann das Innere derselben nicht hohl, auch nicht mit
Feuer oder Wasser, sondern es muß, nach der Berechnung des Engländers
Hutten, der dritte oder vierte Theil von ihr mit einer Metallmasse
ausgefüllt sein[A]. Da wir aber nicht bis zu ihrem Innern, vermöge
des Wassers, welches sich aus dem Meere, den Flüssen und den Quellen in
die Erdrinde überall hineindrängt und womit sich daher jede Vertiefung
ausfüllt, hineindringen können[B], so kennen wir von ihr auch nur ihre
Rinde, und auch diese nur bis zu einer Tiefe von 3000 Fuß, das ist bis
zum siebentausendsten Theile ihrer ganzen Dicke[C].
[Anmerkung A: Bei der Ausmessung eines Grades auf der Erde 1735-1738
bemerkte Bouguer und Condamine, daß der 20,000 Fuß hohe Chimborasso
in Peru in Südamerika, aus Granit bestehend, das Pendel um 7-8
Linien von der senkrechten Linie ab, und an sich zog, welches
ebenfalls im Jahre 1774 bei dem Berge Shelallien in Schottland
von Maskelyne, der über 300 Beobachtungen an demselben angestellt
hat, beobachtet worden ist, worauf man eine Vergleichung der
Anziehungskraft dieser Granitgebirge mit der der Erde angestellt und
daraus hergeleitet hat, daß die Anziehungskraft der Erde sich zu der
dieser Berge wie 9 zu 5 verhalte. Da nun die Dichtigkeit des Granits
2½ Mal größer als die des Wassers ist, so folgt daraus, daß die
mittlere Dichtigkeit der Erdkugel 4½ Mal größer, als die des Wassers
sein muß.]
[Anmerkung B: Wenn auch das in den Tiefen der Erde sich befindende
Wasser das Hineinsteigen zu ihrer Mitte nicht verhinderte, so würde
der Druck der Luft, der mit jeder zunehmenden Tiefe, von der über
ihr sich befindenden Luftsäule immer größer wird, solches nicht
verstatten, indem dadurch die Luft in einer Tiefe von 7 Meilen
schon so zusammengedrückt ist, daß Eisen auf ihr, in einer Tiefe von
11 Meilen Gold, und in einer Tiefe von 12 bis 13 Meilen Platina,
welches, wie bekannt, 21 Mal schwerer als das Wasser ist, schwimmt.
Wie sollte der Mensch nun durch diese dichte Luft zu dem Innern der
Erde kommen? In einer Tiefe von _einer_ Meile würde er vielleicht
schon auf ihr schwimmen.]
[Anmerkung C: Diese Tiefe hat das Bergwerk bei Kuttenberg in Böhmen.
Da der Halbmesser der Erde, welcher ihre Dicke ausmacht, gleich 860
geogr. Meilen ist, so macht diese Tiefe von ihr = (860 × 24000)/3000
Fuß = 7000 Fuß aus.]
Nach der allgemeinen Schwere müßten wir nun in dieser Erdrinde die
schwerste von allen Felsenmassen, das ist die Granitmasse, oder die
Granitschicht, oder das Granitgebirge überall als die unterste
Erdschicht liegend finden. Hierüber müßte das Kalkgebirge von der ersten
Entstehung, dann das von der zweiten oder das Flötzgebirge und hierüber
die aufgeschwemmte Dammerde ruhen.
Indessen findet man fast nirgends in dem Innern der Erde diese Ordnung
der Lage, wobei die tief liegenden Schichten nirgend vollkommen
wagerecht liegen, sondern bald mehr bald weniger geneigt, und an vielen
Oertern, wie bei dem Montblanc, sogar ganz oder doch beinahe senkrecht
hingestellt. Und überhaupt in den Schweizeralpen, im karpathischen
Gebirge, in den Pyrenäen und beinahe in allen großen Gebirgen erblickt
man die ungeheuresten Felsenmassen häufig umgestürzt und auf dem Kopfe
stehend. Hin und wieder liegen sie in einer umgebogenen krummlinigen
Richtung so, daß die hohle Seite nach Außen hingewandt gerichtet steht.
Kurz es ist bei der Lage und Stellung der Schichten keine Lage und
Gestalt denkbar, welche bei diesen Felsenmassen noch Statt finden
konnten.
Alle diese ungeheuern Felsenmassen sind in ihrem Innern durch mächtige
Spalten, Risse, Hohlungen und Klüfte auf alle mögliche Art und Weise von
einander getrennt, die bald in horizontaler, bald in schiefer Richtung
in ungeheuren Weiten durch sie dahin laufen, und bald senkrecht stehend,
wie wenn Felsenwände an Felsenwände geschoben und an einander gedrängt
worden wären, angetroffen werden, und die sich hin und wieder mit
Metallmassen, auch wol mit vegetabilischen und animalischen Produkten
ausgefüllt haben. Und von außen sind jene auf alle Art und Weise über
einander hingeworfenen und hin und wieder umgestürzten Felsenmassen
durch weite und tiefe Thäler[A] von einander getrennt, wodurch tiefe
Seen hin und wieder entstanden sind, und wobei es sehr auffallend ist,
daß man oft an dieser Seite eine ganz andere Felsenschicht, und dabei
ganz anders hingestellt als an der andern Seite erblickt.
[Anmerkung A: Das große Werk des von Saussüre, über die Alpen,
ist voll von Beweisen, daß alle Thäler, bis auf ihre kleinste
Verästelung, durch Umstürzen der Schichten gebildet worden sind.
S. Gilbert Annal. Bd. 22 S. 168.]
Außer diesen großen Naturwundern, worüber der aufmerksame Beobachter
in Verwunderung und stilles Erstaunen versetzt wird, und die er sich
auf die gewöhnliche Weise, durch die Macht des Feuers und der Fluthen,
nicht befriedigend zu erklären vermag, siehet er Felsentrümmer von
Granitmassen nicht bloß auf Ebenen, sondern auch auf Hügel und Berge,
fern von ihrem Geburtsorte, hingeworfen. So sind z.B. die Ebenen und
Hügel von Deutschland und Italien und die Bergrücken des Juragebirges
mit den Granitblöcken von den Alpen, die hier zu den Höhen von 5000 Fuß
und durch den 950 Fuß tiefen und über 3 Stunden breiten Genfersee
hinangefluthet sind, übersäet.
Aber nicht allein auf den Hügeln, Ebenen und Bergen dieser beiden
Länder, sondern fast auf allen Ebenen, Hügeln und Bergen von ganz
Europa bis zu den nördlichen Gebirgen dieses Erdtheils hin, liegen
die Granitblöcke hin und wieder in bedeutender Menge und Größe[A]
ausgestreuet. Und auch in Südamerika in der Gegend von Potosi findet man
Granitfelsenstücke, ohne errathen zu können, wie und woher sie hierher
gekommen sind. Und so wie die Erdrinde auf ihrer Oberfläche mit
Granitblöcken und andern Felsenstücken übersäet ist, so ist auch ihr
Inneres damit angefüllt, und sie liegen darin eben so zerstreut und
ausgebreitet, wie auf ihrer Fläche.
[Anmerkung A: So hat der 30-40,000 Kubikfuß enthaltende Granitblock,
woraus das Fußgestell zu der Bildsäule Peters des Großen gemacht
worden ist, im finnischen Meerbusen auf einem Kalkgebirge gelegen.
Und bei der Insel Usedom erheben sich mehre Granitspitzen auf dem
Baltischen Meere empor, und die schwedische Provinz Schonen, wie
auch die Halbinsel Jütland, sind mit diesen Granittrümmern so
reichlich angefüllt, daß davon Mauern, Kirchen u.s.w. gebaut worden
sind.]
Aus diesem hier nur kleinen und schwach dargestellten Gemälde von
dem Innern der Erde, worüber man Mehres und Ausführlicheres in de la
Metherie's Theorie der Erde im 2. Theile, Bergmann's physikalischer
Beschreibung der Erdkugel im 1. Theile, Saussure's Alpenreisen und
in den Untersuchungen über den Ursprung und die Ausbildung der
gegenwärtigen Anordnung des Weltgebäudes von den Marschällen von
Bieberstein finden kann, folgt demnach, daß unser Wohnort durch mächtige
Revolutionen in seinem Innern zerstört und zertrümmert worden sei. Da
nun diese Zerstörungen 1) nicht durch die Macht des unterirdischen
Feuers, welches wol einzelne Gegenden der Erdoberfläche verwüsten,
Felsenmassen emporheben und sie zertrümmern kann, aber nicht ungeheuere
Felsenmassen über Felsenmassen zu schleudern, sie umzustürzen und wie
Wände an Wände zu reihen und dadurch Bergketten, von 70 Meilen, wie die
Pyrenäen, und von 1700 Meilen, wie die Cordilleras in Amerika, zu bilden
vermag -- und 2) auch nicht durch die Macht der Fluthen, indem sich
dadurch jene vorhin angeführten Erscheinungen gar nicht erklären lassen,
hervorgebracht werden konnten, so muß eine andere, weit mächtigere
Ursache diese große Revolution in dem Innern der Erde hervorgebracht
haben. Und diese ist keine andere und kann keine andere sein, als ein
öfteres Aufstürzen fremder festen Weltmassen auf unsere Erde, wodurch
die Rinde derselben zerstört, ihre Felsenmassen umhergeworfen und mit
fremden Felsenmassen vermischt worden sind.
Von der Behauptung dieser Wahrheit wird man sich durch folgende
Punkte, wie ich glaube, hinlänglich überzeugen: 1) durch den vorhin
dargestellten zertrümmerten Bau der Erdrinde, besonders in ihren großen
Gebirgen, 2) durch den vorhin angeführten Lauf der kleinen Weltmassen,
der bei allen noch nicht gehörig angeordnet worden ist, wie ich
vorhin angeführt habe. Und 3) durch die Erscheinung so vieler noch
unausgebildeter Weltmassen, die noch stets dem Schoße des großen
Weltenraumes entschlüpfen, wenn sie sich durch den darin stets
ausgebreiteten Weltenstoff zu Weltmassen und Weltkörpern gebildet
haben, von welchen die kleinen Massen, unter den Namen Feuerkugeln,
Sternschnuppen und Meteorsteine, so lange in dem Schöpfungsraume
umherlaufen, bis ihre Schwungkraft durch das Nahekommen an irgend einen
größern Weltkörper geschwächt oder wol ganz vernichtet wird, wo alsdann
eine Vereinigung ihrer Masse mit der des größern erfolgt.
Hiervon überzeugen uns folgende Beispiele: Im Jahre 1676 den 21. März
erschien eine solche Kugel, die etwa ¼ deutsche Meile im Durchmesser
besaß, und mit einer Geschwindigkeit von 160 geogr. Meilen in einer
Minute über Dalmatien, das Adriatische Meer und Italien dahin eilte,
südwärts von Livorno zersprang, und zertrümmert ins Meer fiel.
Im Jahre 1719 wurde eine solche Kugel in England beobachtet,
die in einer Minute 300 geogr. Meilen zurücklegte, also weit die
Geschwindigkeit der Erde in ihrem Laufe, welche in einer Minute nur
240 Meilen macht, übertraf, 3560 Fuß im Durchmesser besaß, und in einer
Höhe von 64 deutschen Meilen erblickt wurde.
Im Jahre 1758 wurde hier ebenfalls eine solche Kugel erblickt, welche
in einer Sekunde 6 deutsche Meilen zurücklegte, 4340 Fuß im Durchmesser
groß war, und zuerst in einer Höhe von 20 und nachher von 5-7 deutschen
Meilen gesehen wurde.
Und die letzte Erscheinung in dieser Art ist die Feuerkugel vom Jahre
1783 gewesen, welche in einer Höhe von 12 bis 13 deutschen Meilen über
England und Frankreich dahin geeilt ist und auch in Rom und Hamburg soll
beobachtet worden sein. Mehres hierüber findet man vom +D.+ Chladni,
»Ueber den Ursprung der von Pallas gefundenen und anderer ihr ähnlichen
Eisenmassen. Leipzig, 1794«, gesammelt.
Zu diesen merkwürdigen Erscheinungen, welche nicht in unserer
Atmosphäre, indem diese nur 9 bis 10 Meilen hoch ist, erzeugt, und die
auch nicht von ihr getragen und umhergeführt werden können, weil diese
nicht ein Mal einen Wassertropfen umherzuführen vermag, gehören auch
die Meteorsteine, welche man, ihres Ursprungs wegen, jetzt Cosmolithen
nennt, und die theils in einer festen dichten Masse, theils in
einer porösen Gestalt, und theils als Staub- und Wasserregen zu uns
herabgekommen sind, und wovon die größern festen Massen das Gewicht von
_einem_ Pfunde bis zu dem von _hunderttausend Pfunden_ und dabei hin und
wieder die Größe eines Hauses gehabt haben.
Zum Beweise hiervon mögen folgende Beispiele dienen:
Zuerst der Stein, dessen Herabfallen durch gerichtlich abgehörte Zeugen
und mit Dokumenten gehörig bestätigt ist, der am 26. Mai 1751 in der
Gespannschaft Agram im obern Sclavonien herabfiel. An diesem Tage
nämlich bemerkte man des Abends um 6 Uhr gegen Osten am Himmelsgewölbe
eine Art von feuriger Kugel, welche, nachdem sie in zwei Theile mit sehr
großem, einen Kanonenschuß übertreffenden Knalle zersprungen war, in
Gestalt zweier in einander verwickelten Ketten mit solchem Geräusche,
als wenn eine große Menge Wagen durch die Luft gewälzt worden wäre,
auf die Erde gefallen, und von welchen das eine Stück, 71 Pfund schwer,
in einen acht Tage zuvor gepflügten Acker, drei Klafter tief, in den
Boden hineingedrungen ist; das andere Stück, 16 Pfund schwer, ist auf
eine Wiese, 2000 Schritt von jenem entfernt, niedergefallen, und hat
ebenfalls eine Spalte von 2 Ellen weit zurückgelassen. Von diesen
beiden Stücken ist das größere, nebst der Urkunde darüber, von dem
bischöflichen Consistorium zu Agram an das Kaiserliche Naturalienkabinet
in Wien geschickt worden, wo es aufbewahrt liegt. Ein anderer Stein von
dieser Art ist der, welcher 190 Pfund schwer, und seit Jahrhunderten auf
dem Rathhause zu Ellbogen in Böhmen, unter dem Namen der verwünschte
Burggraf, gelegen hat, jetzt auf dem Kaiserlichen Naturalienkabinet in
Wien ebenfalls aufbewahrt wird. Ein anderer Stein von 270 Pfund ist bei
Ensisheim in Ober-Elsaß im Jahre 1492 den 7. November niedergefallen. Im
Jahre 1622 den 10. Januar ist in Devonshire in England eine Steinmasse
von 3½ Fuß Länge, 2½ Fuß Breite und 2½ Fuß Dicke, eine Elle tief in die
Erde geschlagen. Im Jahre 1668 den 19. oder 21. Junius fielen große
Steine im Veronesischen nieder, von welchen der eine 200 Pfund wog.
Zu diesen Steinen gehört noch vorzüglich derjenige, welcher von einer
porösen Masse und den Pallas im Jahre 1772 in Sibirien gefunden hat,
der 1600 Pfund schwer war, und von dem die Einwohner ihm erzählt haben,
daß er vom Himmel gefallen sei, weswegen sie ihn wie ein Heiligthum
verehrten. Und zu den größten Steinen dieser Art gehört 1) derjenige,
welcher im Winter 1740 oder 1741 in Grönland, von der Größe eines
Hauses, mit einem furchtbaren Donner, wodurch die Menschen aufgeweckt
worden sind, niedergefallen ist. Und auch in Thüringen soll ein Stein
von eben dieser Größe im Jahre 1135 oder 1136 niedergefallen sein.
2) Der Stein, von welchem Herr von Humbold in seinem »+Essai politique
etc. sur la nouvelle Espagne chap. 8. p. 293+« erwähnt, daß er 300 bis
400 Zentner schwer sei und in der Gegend von Dorango in Mexiko liegen
soll. Und endlich 3) derjenige, welchen Bougainville am Platoflusse, der
100,000 Pfund zu seinem Gewichte haben soll, gesehen hat. Auch gehört
höchst wahrscheinlich hierher der Eisenfelsen am rechten Ufer des
Senegals, von dessen Masse die Neger ihre Werkzeuge schmieden, indem
dieser Felsen ganz isolirt an jenem Orte zu liegen scheint[A].
[Anmerkung A: Das in den Geographien stets angeführte Eisen von
Senegambien scheint dieses zu sein.]
Außer diesen festen Massen, welche zu uns herabgekommen sind, sind
auch solche in Staub und Regen, wie ich schon angeführt habe, zu uns
herabgefallen. Zu den merkwürdigsten Staubregen dieser Art gehört
erstlich derjenige, welcher am 14. März 1813 in Calabrien gefallen ist,
wo eine Menge von rothem Staube, vom Meere herkommend, unter Regen,
Blitz, Donner und einem besondern Getöse, und hin und wieder mit Steinen
vermischt, zur Erde fiel, wobei die Luft Stunden lang verfinstert und
die ganze Gegend mit Furcht und Schrecken angefüllt gewesen ist. Und zu
gleicher Zeit soll ein rother Schnee in Friaul gefallen sein. Zweitens
gehört hierher der starke Staubregen, welcher sich am Ende des
Septembers im Jahre 1815 auf dem Ostindischen Meere ereignet hat, wo
dasselbe noch am zweiten Tage, in einer Breite von 50 deutschen Meilen,
mit hohem rothen Staube bedeckt war[A].
[Anmerkung A: Mehres hierüber findet man in dem Verzeichnisse der
herabgefallenen Stein- und Eisenmassen von Chladni, und in den
fortgesetzten Verzeichnissen dieser Massen in dem 22. und 23. Bande
von Gilbert's Annalen, und in der ersten Zeitschrift vom Jahre
1818.]
Alle diese Massen, die sich am Tage am Himmelsgewölbe als vielfarbige,
sonderbar gestaltete Wölkchen, und des Nachts in der Gestalt von
brennenden, mit leuchtenden Dämpfen umgebenen und mit einem Schweife
versehenen Kugeln gezeigt haben, und die alle in Ansehung ihrer
Bestandtheile von einerlei Beschaffenheit sind, können nun keine
Erdprodukte sein. Denn sollten sie diese sein, so müßten sie aus
feuerspeienden Bergen ausgeworfen und von ihnen umhergeschleudert worden
sein, und man müßte sie alsdann in der Gegend dieser Berge am häufigsten
antreffen, wo man aber fast gar keine findet. Und sollten sie aus
Bergen, die am Nord- und Südpole, von welchen wir aber nichts wissen,
vorhanden sein sollen, ausgeworfen werden, so würden sie stets aus
einer und ebenderselben Gegend, und nicht aus allen Weltgegenden zu
uns kommen. Ferner sind auch die Berge nicht vermögend, solche Massen
von 100 bis 100,000 Pfunden zu einer Höhe von 60 bis 100 Meilen zu
schleudern und ihnen eine Wurfkraft, durch welche sie über Länder
geführt worden sind, mitzutheilen. Auch der mächtige Blitzstrahl vermag
solche Massen nicht von den Felsenspitzen zu reißen, und sie in eine
solche Höhe zu schleudern; daher können diese Meteormassen keine
Erdprodukte sein. 2) Können diese Massen, wie einige geglaubt haben,
auch nicht vom Monde zu uns gekommen sein, und noch von demselben zu uns
kommen, weil +a)+ ihre Anzahl, welche Chladni auf 300 angibt, viel zu
groß ist, und +b)+ weil der Lauf beider Weltkörper, der Erde und des
Mondes, ihre Ankunft vom Monde her nur in einer elliptischen Bahn
verstatten könnte, weswegen daher nur selten solche Meteormassen zu uns
herabfallen könnten. Der große Geometer _La Place_, der die Mechanik des
Weltenbaues entdeckt und uns enthüllt hat, wurde durch den Anblick der
vielen Krater auf dem Monde, die von den heftigsten Revolutionen, welche
auf demselben müssen statt gefunden haben, zeugen, auch auf den Gedanken
gebracht, daß die Meteormassen wol vom Monde zu uns hergeschleudert
werden könnten. Als er aber zu berechnen anfing, und fand, daß eine
solche Masse in einer Sekunde 7773 Fuß machen mußte[A], um aus dem
Gebiete der Anziehungskraft des Mondes in das der Erde zu kommen, so gab
er seine Meinung auf. Auch +Dr.+ Olbers war anfangs ebenfalls dieser
Meinung ergeben, wenn der Mond in seiner Erdnähe von 48,000 Meilen sich
befände, und beide Weltkörper, Erde und Mond, in einem Ruhestande sich
befinden. Da aber dieses nicht der Fall ist, so muß jedem Körper auf dem
Monde die Bewegung der Schnelligkeit und Richtung so mitgetheilt werden,
wie er dieselbe hat. Hierdurch würde der Stein in den Lauf eines
parabolischen Bogens versetzt werden, aber nicht zur Erde kommen. Und
3) können diese Massen nicht in der Atmosphäre erzeugt werden, weil
+a)+ diese nur 9 bis 10 Meilen hoch ist, und jene Massen in einer
Höhe von 60 bis 100 Meilen, wie die darüber angestellten Berechnungen
beweisen[B], erblickt worden sind. +b)+ Ist die Atmosphäre in einer
Höhe von 20 Meilen so dünn, daß _eine_ Kubikmeile Luft nicht mehr als
_ein_ Pfund wiegt. Wie ist nunmehr denkbar, daß in dieser Höhe und noch
weniger in der von 60 bis 100 Meilen sich Eisenmassen von 1000 bis
100,000 Pfund haben bilden können? Denn wo ist der Stoff dazu in
dieser Höhe vorhanden? Und +c)+ wodurch sollten diese Meteormassen die
Schwungkraft erhalten haben, durch welche sie über ganze Länder, mit
einer Geschwindigkeit, welche bei einigen die der Erde übertroffen
hat, dahin geführt worden sind, und mit welcher sie sich, in einem
parabolischen Bogen sanft zur Erde niederlassend, erhalten haben, wenn
sie beides nicht bei ihrem Entstehen im Weltenraume erhalten hätten,
indem die Luft nicht einmal einen Wassertropfen, der nach seiner Bildung
sogleich zur Erde fällt, fortzuführen vermag.
[Anmerkung A: Eine Geschwindigkeit welche 7 Mal die des Schalls, der
in einer Sekunde 1040 Fuß macht, übertrifft.]
[Anmerkung B: Die Feuerkugel oder Meteormasse, welche im Jahre 1783
den 10. August über England und Frankreich &c. fortlief, ist in
Hamburg gesehen worden. Da nun Hamburg von London 90 Meilen entfernt
ist, so muß diese Masse, wenn sie in einem Winkel von 50° von
Hamburg aus gesehen worden ist, über 107 Meilen hoch geschwebt
haben. Ist sie in einem Winkel von 40° gesehen, so ist ihre Höhe 75,
ist sie 30° hoch gesehen, so ist ihre Höhe 50 Meilen, und ist sie
10° hoch gesehen worden, so ist ihre Höhe 15 Meilen gewesen.]
Aus allen diesen folgt demnach, daß die Meteormassen Produkte des großen
Weltenraumes oder kleine Weltmassen sind.
Wenn sich nun solche Vereinigungen fremder Körpermassen mit der unseres
Wohnortes in neueren Zeiten zugetragen haben, ist es dann wol nicht sehr
wahrscheinlich, daß in noch frühern Zeiten, besonders zu der, wo die
Menge der kleinen Weltmassen weit größer war, als jetzt, und viele von
ihnen, wo nicht alle, in einem noch unangeordneten Laufe dahin eilten,
weit mehre solcher Zusammenstürze erfolgen mußten -- und daß auch Massen
von bedeutender Größe auf unsern Wohnort müssen gestürzt sein, welche
nicht allein seinen innern Bau erschüttert und zerstört, sondern auch
Felsenmassen, als Berge, auf ihn müssen hingesetzt haben?
Vielleicht ist auf diese Art einstens Amerika, welches weit höher als
die übrigen Erdtheile über der Meeresfläche erhaben liegt, aufgesetzt
worden, wozu nur ein Weltkörper, wie die Vesta[A] groß ist, gehörte, der
hierauf das Wasser daselbst weggedrängt und zu großen Wasserbergen auf
den Seiten der Erdoberfläche angehäuft hat, und wodurch vielleicht die
Zend- oder die Noahische oder eine andere Fluth des grauen Alterthums
hervorgebracht worden ist.
[Anmerkung A: Diese ist 14,800 Mal kleiner als unser Wohnort.]
Daß aber unser Wohnort mehre solcher Zusammenstürze von bedeutenden
Weltmassen wirklich erlitten habe, zeigt deutlich, nicht allein, wie
schon angeführt ist, sein innerer Bau, sondern auch die große Menge
von organischen Wesen, welche tief unter den Felsenmassen verschüttet
liegen, und die ihr Grab nicht durch Fluthen, sondern nur durch
gewaltsame Verschüttungen und Zusammenstürzungen von Felsenmassen auf
Felsenmassen, da, wo sie liegen, können gefunden haben[A]. Denn, wenn
die ganze Menge von Ueberresten der Thiere durch Fluthen hierher geführt
worden wäre, so würde man die Knochen derselben nicht so gut erhalten,
sondern vom Wasser zerstört und in Steinmassen umgeschaffen, wie man
viele von den Muscheln antrifft, oder in Abdrücken dargestellt, und auch
nicht tief unter Felsen, wo nie Fluthen hingedrungen sind, antreffen und
angetroffen haben. Und selbst der große Naturforscher Cuvier, welcher
nunmehr schon 78 Arten von Säuge- und eyerlegenden Thieren aus dem
Schoße der Erde, worunter 49 in der jetzt lebenden Schöpfung gänzlich
unbekannte Arten sind, hervorgefunden hat, behauptet, daß die großen
Landthiere da, wo sie in der Erde liegend gefunden werden, auch gelebt
haben. Hieraus erhellet demnach, daß ein großer Theil von jenen Thieren,
wo nicht alle, durch einen Aufsturz eines fremden Weltkörpers[B] auf
unsere Erde verschüttet worden sei.
[Anmerkung A: Zu den Thieren, die höchst wahrscheinlich da, wo ihre
Ueberreste gefunden werden, einstens gelebt haben, gehört vorzüglich
der Elephant, von welchem man fast in allen Ländern Europa's
Ueberreste ausgegraben hat und noch ausgräbt. So gräbt man z.B.
in den Baumanns- und Scherzfeldischen Höhlen zuweilen eine Menge
Zähne aus, die oft noch ihren natürlichen Glanz haben und in den
Kinnbacken festsitzen. So hat man auch bei Erfurt in Thüringen
im Jahre 1698 in einer Tiefe von 24 Fuß ein Gerippe ausgegraben,
welches noch die Hirnschale mit 4 Backenzähnen, 2 Eckzähnen,
Schulterknochen, Rückenwirbel, einige Rippen und verschiedene
Halsknochen besaß. Eben so hat man nicht weit von Langensalza im
Thüringschen bei Tonne im Jahre 1695 ein solches Gerippe mit 2 acht
Fuß langen Eckzähnen oder Fangzähnen gefunden. Auch zwischen Brüssel
und Rupelle sind 2 Gerippe mit Kinnbacken und Fangzähnen -- auch in
Siebenbürgen und Ungarn, an der Donau und am Rhein und fast in allen
Ländern Europens sind sowol Knochen als Zähne von diesem Thiere
ausgegraben worden. Ja, man hat sogar einen solchen in Kiesel
verwandelten Backenzahn auf Island gefunden. Weit häufiger aber
findet man dergleichen Zähne in Sibirien an den Flüssen Obi,
Jenesei, Lena u.s.w. wo sie von einer Länge von 9½ Fuß, 6 Zoll im
Durchmesser und 400 Pfund schwer gefunden werden. Auch an andern
Oertern Asiens, Afrika's und Amerika's und zwar an solchen, von
welchen man weiß, daß daselbst nie Elephanten gehauset haben, hat
man Ueberreste davon gefunden. Mehres hierüber findet man in meiner
»Allgemeinen Darstellung der Oberflächen der Weltkörper unseres
Sonnengebietes. Seite 10, 11 u.s.w.«]
[Anmerkung B: Von den bei dem Dorfe Thiede, unweit Braunschweig,
aufgefundenen Knochen vom Mammuth, Nashorn, Dammhirsch &c. scheinen
diese hier gelebt und durch jene herbei strömende Fluth in einen
Winkel zusammen getrieben zu sein, in welchem sie Schutz zu finden
glaubten, wo sie darauf unter dem Niederschlage der Wasserfluth
begraben worden sind.]
Aber wie furchtbar, wie grausenvoll müssen solche große mächtige
Naturscenen, welche nicht allein das Innere der Erde erschüttern, hier
und da die Felsenmassen zertrümmern und die Ebenen verwüsten, sondern
auch die lebende Schöpfung in einem Nu in ein Nichts verwandeln, sein!
Denn schon, wenn ein Weltkörper von einer Größe, wie unser Mond, der
das Meerwasser unter der Linie zu einer Höhe von 2 bis 3 Fuß, in einer
Breite von 30 bis 50 Grad[A] aber zu einer Höhe von 20 bis 48, bisweilen
sogar auf 80 Fuß, wie es bei der Insel St. Malo der Fall ist, erhebt,
sich unserm Wohnorte nähern, und näher, als jener uns ist, kommen würde,
würde nicht allein das Meer aus seinen Ufern treten, und die ebenen, von
Menschenhänden jüngst bearbeiteten, lachenden Fluren der schönen Natur
überschwemmen, sondern bei seinem immer Näherkommen, würde das Wasser
sich immer mehr zu Wasserbergen anhäufen, hier und dort seinen Boden
gänzlich verlassen, und endlich mit allen seinen Bewohnern über
Felsenmassen hinüberfluthen[B] und die schöne grünende Natur in ein
todtes Chaos und die lebende Schöpfung in ein Nichts verwandeln. Und
wenn endlich jene Weltmasse auf unsern Weltkörper stürzen würde, so
würde nicht allein das Wasser unter ihr weggedrängt und zu den Seiten
mit Gewalt über Berge und Thäler, über Fluren und Wälder zu strömen
gezwungen werden, wodurch das, was jüngst noch Land war, zum Meere,
und was jüngst noch Meer war, zum festen Lande würde umgeschaffen
werden, sondern es würde auch der Mittelpunkt der Erde, nebst ihrem
Schwerpunkte, und die Umwälzung derselben um ihre Achse, sowol in
Ansehung ihrer Geschwindigkeit, wie auch ihrer Richtung nach verändert
werden, wodurch das, was jüngst auf ihr Nord- und Südpol war, vielleicht
zum Aequator gemacht werden würde. -- Auch würde dieselbe in der Gestalt
und Lage ihrer Bahn, wie auch in ihrem Abstande vom Sonnenkörper, und
in ihrem Umlaufe um denselben eine große Veränderung zu leiden haben.
Solche große und mächtige Veränderungen möchten sich also wol mit unserm
Erdkörper zutragen, wenn ein Weltkörper von Bedeutung auf ihn stürzen
würde. -- Und daß derselbe schon solche große Veränderungen mehr als ein
Mal erlitten habe, leuchtet aus dem bereits vorhin Angeführten, wie auch
daraus hervor, daß man Bewohner des tiefen Meeres auf den Gipfeln der
höchsten Felsenmassen[C], wohin sie nur eine mächtige grausenvolle Fluth
geführt haben kann, begraben liegend gefunden hat. -- Aber auch daraus,
daß man in unsern Gegenden und in denen, welche mit denselben in
gleichem Abstande vom Aequator liegen, Ueberreste von Thieren, die
nur in heißen Gegenden hausen können, in Menge unter der Erdmasse
verschüttet angetroffen hat, welches daher voraussetzt, daß diese
Gegenden einstens warm müssen gewesen sein. Und eben so findet man in
unsern Gegenden unter der Erde Spuren von Meerbewohnern, und darüber
Ueberreste von Landthieren liegend, welches hinlänglich den Beweis für
mehre Revolutionen, die unsere Gegenden einstens müssen erlitten haben,
darreicht. Jetzt fragt es sich, wird unser Weltkörper eine solche
Revolution ein Mal wieder zu befürchten haben? Und wenn er solche zu
befürchten hat, wann wird alsdann dieselbe eintreten?
[Anmerkung A: Unter der Linie oder dem Aequator beträgt die
Anziehungskraft der Sonne auf das Meer, nach La Lande's Berechnung,
23 Zoll und die des Mondes 3 × 23 = 69 Zoll, folglich von beiden
Weltkörpern zugleich an 8 Fuß. Da aber der Widerstand des Grundes
des Meeres die Erhebung zu dieser Höhe verhindert, so kann es sich
nur unter dem Aequator 2 bis 3 Fuß hoch erheben. Aber jenseit des
Aequators erhebt es sich bedeutender, so daß dessen Höhe bei den
kanarischen Inseln, unter dem etwa 30. Grade nördl. Breite 7 bis 8
Fuß beträgt; an den Küsten von Marocko und denen von Spanien bis
etwa auf den 37. Grad nördl. Breite auf 10 Fuß; an den Küsten von
Portugal und Spanien bis etwa auf den 43. Grad nördl. Breite auf 12
Fuß, vom Vorgebirge +Finis terrae+ bis zum Ausflusse der Garonne,
also bis zum 46. Grad nördl. Breite 15 Fuß &c. sich erhebt. Hierauf
nimmt diese Höhe nach dem 48. Grade nördl. Breite wieder ab, und die
Fluthen werden bis nach dem Nordpole zu immer niedriger, wo sie
endlich ganz aufhören.]
[Anmerkung B: Wenn der Mond seinen Standort verlassen und zur
Erde herabfallen könnte, so würde er, wenn er 7740 Meilen von uns
entfernt wäre, das Meer 256 Fuß zu sich hinan erheben, und wenn er
1016 Meilen uns nahe gekommen wäre, so würde er dasselbe 15,000 Fuß
zu sich empor erheben, und daher solches zwingen, über die beinahe
höchsten Berge hinüberzufluthen.]
[Anmerkung C: Delüc hat auf den Savoyischen Alpen, in einer Höhe von
7844 Fuß über der Meeresfläche erhaben, Ammoniten angetroffen. Und
nach der Versicherung des Don Ulloa sollen auf einem Kalkgebirge in
Peru, in einer Höhe von 14,000 Fuß, und auf einem andern, in einer
Höhe von 13,200 Fuß, Pektiniten und Ammoniten gefunden worden sein.]
In der ganzen Natur finden wir, wo wir unsere Blicke nur hinwerfen,
Vergehen und Entstehen zur Verjüngung und Verschönerung derselben. Denn
wenn der Wurm und der Baum ihre Bestimmung, dieser als Baum und jener
als Wurm erreicht haben, so sterben sie dahin, lösen sich in ihre
Bestandtheile auf, und dienen dadurch der schönen Natur zur Verjüngung
und Verschönerung. So ist auch der mächtige Felsen dem Zahne der Zeit
unterworfen, wie die Spitzen der Pyrenäen durch ihr Vergehen beweisen.
So wie nun Alles auf unserem Erdballe vergehet, wodurch sich die Natur
verjüngt, so vergehen auch Welten und Weltengebiete, und neue treten
für sie zur Erneuerung und Verherrlichung der großen Schöpfung wieder
hervor; daher sind auch schon Weltkörper vergangen, und haben sich in
kleinere Massen, wie es mit der Ceres, Pallas, Juno und Vesta der Fall
gewesen zu sein scheint, aufgelöset, und so werden auch einst die
übrigen Weltkörper unseres Sonnengebietes und nach und nach des ganzen
Schöpfungsgebietes vergehen, und in neue Weltmassen umgeschaffen werden,
wenn sie dem großen Weltenplane das nicht mehr sind und leisten können,
was sie darnach sein und leisten sollen, nämlich _einer bestmöglichst
großen Menge von lebenden Wesen zum Wohn- und Wonneplatze_ zu dienen.
Daher wird auch unser Wohnort einstens das nicht bleiben, was er jetzt
ist, sondern wird sich entweder in kleinere Massen auflösen, oder durch
den Aufsturz eines andern auf ihn an Masse vergrößert werden.
Aber wann wird diese Zeit eintreten? Die Zeit, wo unser Wohnort nicht
mehr die Fülle von Nahrungsstoff seinen auf ihm lebenden Geschöpfen wird
darreichen, und wo daher nicht mehr die Menge von Geschöpfen auf ihm
sich wird freuen können, wird alsdann Statt finden, wenn die Erdachse
eine senkrechte Stellung gegen den Sonnenkörper wird erhalten haben,
wo alsdann ein beständiger Frühling in den gemäßigten und kalten Zonen
der Erde herrschen, und wo in diesen alles grünen und wol blühen, aber
nichts reifen wird, und wo daher nur die heiße Zone bewohnt sein kann.
Nimmt man nach Piazzi und den neuern Astronomen die jährliche Abnahme
der schiefen Stellung gegen den Sonnenkörper, welche im Jahre 1800
23° 27' 56" war, zu 0,443 an, so macht diese in 100 Jahren 44" aus,
wonach diese senkrechte Stellung nach 192,000 Jahren erfolgen muß.
Also welche geraumvolle Zeit ist der Erde noch zu ihrem gegenwärtigen
Zustande vergönnt! Und welche geraumvolle Zeit hat die Menschheit
noch zur Entwicklung ihrer erhabensten Seelenkräfte! Welche große
Fortschritte wird sie daher in den Künsten und Wissenschaften, besonders
in der Erd- und Himmelskunde, und in denen mit dieser verwandten, nicht
noch machen! Und welche für uns noch tiefe Geheimnisse in der Natur
werden von ihr nicht enthüllt werden, wenn sie so fortschreiten wird,
wie sie in den letzten 20 Jahren in der Ausspähung der Kräfte der Natur
fortgeschritten ist! Und auf welcher hohen Stufe der Ausbildung wird sie
dann nicht in den letzten Jahrhunderten dieser geraumvollen Zeitperiode
stehen!
Doch fragt es sich jetzt: haben wir nicht von einem andern Weltkörper
früh oder spät eine Zerstörung unsers Wohnortes und eine Vernichtung der
ganzen organischen Schöpfung zu befürchten? Und wenn solches der Fall
ist, von welcher Art von Weltkörpern haben wir dieses zu befürchten?
Wenn ein Mal eine solche Zerstörung unseres Wohnortes sich ereignen
sollte, so kann diese nur von einem Kometen bewirkt werden, indem die
11 Planeten mit ihren 18 Nebenplaneten, welche mit der Erde fast in
gleicher Ebene ihren Lauf von Abend nach Morgen um den glanzvollen
Sonnenkörper beginnen, in solcher genauen Verkettung zusammenstehen,
daß der eine von dem andern nichts zu befürchten hat. Denn bei ihnen
herrscht das genaueste Verhältnißmaß in Ansehung der Entfernung von
einander, auch stimmen ihre Massen und Größen mit ihren Entfernungen
überein, welche wiederum mit den Umlaufszeiten in einem gewissen
Verhältnisse stehen.
So ist alles hier verkettet und nach der höchsten Weisheit angeordnet,
worüber der nachdenkende Mensch, wenn er dieß Alles überblicket, in ein
tiefes Staunen und in eine stille Bewunderung über die Größe seines
Gottes versetzt wird.
Aber so ist es nicht mit den Kometen, weil diese das ganze Sonnenreich
durchkreuzen, und deswegen, bald von dieser, bald von jener Gegend des
Sonnengebietes hergeeilt kommen. Sie sind daher bald sehr nahe, bald
sehr weit von dem Alles belebenden Sonnenkörper entfernt, durchschneiden
deswegen bald hier, bald dort die Bahn eines Planeten, und kommen bald
diesem, bald jenem sehr nahe. So durchwandern allein 48 Kometen den
Raum zwischen Erde und Venus, von welchen der im J. 1680 nur 96,000
geographische Meilen, der vom J. 1684 an 185,000 geographische Meilen
und der vom J. 1770 an 300,000 Meilen von uns entfernt waren.
Da nun die Anzahl dieser Weltkörper, nach der Berechnung des
verstorbenen Staatsrath und Ritter Schubert's in Petersburg über
20 Millionen ist, die bald hier, bald dort bei ihrer Sonnennähe in
die Bahn eines Planeten kommen, so ist es schon deswegen nicht sehr
unwahrscheinlich, daß einer von diesen ein Mal der Erde sehr nahe kommen
und eine große Revolution auf ihr bewirken kann. Aber wir wissen dieses
weit gewisser aus der darüber angestellten Berechnung des Hrn. +Dr.+
Olbers in Bremen, nach welcher in einem Zeitraume von 88,000 Jahren ein
Komet der Erde so nahe kommen wird, wie der Mond uns ist.
In dem Zeitraume von 4 Millionen Jahren wird es sich ein Mal ereignen,
daß ein solcher Weltkörper uns an 7700 geographische Meilen nahe kommt,
und das Wasser, wenn er der Erde an Masse gleich ist, zu 15,000 Fuß,
und wenn er dem Monde an Größe und Masse gleich ist, zu 256 Fuß erhoben
wird. Und in 220 Millionen Jahren wird ein solcher Weltkörper mit der
Erde zusammenstoßen, und jene vorhin angeführten furchtbaren und
grauenvollen Erscheinungen auf derselben hervorbringen.
_Nachtrag._
Wenn eine Hypothese über die Ausbildungsart der Erde den denkenden Leser
befriedigen soll, so muß sie folgende Punkte gehörig erläutern, und
bestmöglichst ins reine Licht setzen: 1) Wodurch sind die Berge so hoch
aufgethürmt? 2) Wodurch sind die Erdschichten so schief und hin und
wieder senkrecht, wie ich angeführt habe, hingestellt, und wodurch
sind diese, wie die Trümmer eines Hauses hier und dort über und durch
einander hingeworfen worden? 3) Wodurch haben die großen Felsenmassen
die Spalten und Risse nach allen möglichen Richtungen erhalten? 4) Woher
kommt es, daß man die Bewohner des tiefen Meeres auf den Gipfeln der
höchsten Berge, und unter den Schichten derselben begraben findet?
5) Wodurch sind die Thiere und Pflanzen heißer Gegenden in die
gemäßigten und kalten Erdstriche gekommen? Und woher 6) sind endlich
die Ueberreste von den Thieren, welche wir gar nicht mehr in unserer
jetzigen organischen Schöpfung finden, hergekommen?
Um alle diese Fragen gehörig zu beantworten, ist keine Hypothese
günstiger, als die, in der vorhergehenden Abhandlung, von mir
aufgestellte: daß nämlich _unser Wohnort durch die Aufstürze
größerer Weltmassen, als diejenigen sind, welche man unter dem Namen
Meteorsteine, Feuerkugeln u.s.w. begreift, seine gegenwärtige Ausbildung
erhalten_ habe, indem alle andern darüber angeführten Meinungen nur
einzelne Punkte, und auch diese nicht ein Mal gehörig erläutern.
Denn diejenigen Geologen, welche jene angeführten Erscheinungen durch
die Macht eines unterirdischen Feuers, und durch die der Fluthen, welche
aber beide nur eine untergeordnete Stelle bei der Ausbildung der Erde
gespielt haben, erläutern wollen, nehmen in dem Innern der Erde ein
Feuer an, welches die Erdrinde hin und wieder aufgeworfen, die Schichten
derselben zerstückelt und die Felsentrümmer umhergeworfen habe, wodurch
Spalten und Risse in den Schichten entstanden, und die Hohlungen
zwischen denselben gebildet worden sind. Hierauf sind, nach ihrer
Meinung, die Felsenmassen durch die Wasserfluthen weich gemacht worden
und haben sich hierauf in die Hohlungen und Klüfte hinabgesenkt, wodurch
sie die vorhin angeführten Lagen und Stellungen gegen einander erhalten
haben. Ferner sollen durch die Macht der Fluthen Schichten hin und
wieder weggedrängt und Thäler gebildet, und Granit, und andere
Felsenmassen durch die tiefsten Seen meilenweit fortgeführt, und zu
hohen Gebirgen hinangewälzt worden sein. Und um die Erscheinung der
großen Landthiere, welche in unseren und anderen Gegenden der gemäßigten
Erdzone tief unter Felsenmassen begraben gefunden werden, zu erläutern,
nehmen einige Geologen Wasserfluthen an, welche sie aus den heißen
Gegenden zu uns hinübergeführt haben; andere hingegen nehmen eine
Veränderung der Erdachse an, wodurch unsere Gegenden, die vor derselben
heiß gewesen sein sollen, gemäßigt geworden sind. Und der Verfasser der
Urwelt läßt sogar einen Erdtheil, der am Südpole soll gelegen haben,
deswegen untergehen, wodurch, nach seiner Meinung, sich die Richtung
der Erdachse verändert hätte, ohne zu bedenken, daß dadurch gar keine
Veränderung in Ansehung der Erdachse, wenn solches der Fall gewesen
wäre, erfolgen konnte, indem der Schwerpunkt der Erde dadurch keine
Veränderung erlitten hätte, weil der Erdtheil nicht von ihr weggenommen
wäre, sondern nur unter die Fluthen würde versenkt worden sein.
Gegen die hier nur kurz dargestellten Sätze über die Ausbildungsart
der Erdoberfläche muß ich zuvor, ehe ich die Unzulänglichkeit derselben
darstelle, anführen, daß selbst der große Naturforscher _Cuvier_,
wie ich schon angeführt habe, behauptet[A], daß alle diese großen
Naturwirkungen in und auf der Erde, wie sie ein Saussure, de Luc und
andere Geologen bei ihren Gebirgsreisen vorgefunden haben, sie nicht
hervorbringen können.
[Anmerkung A: Gilbert's Annalen der Physik Bd. 22. S. 117.]
Was nun zuerst das unterirdische Feuer anbetrifft, so ist nicht zu
läugnen, daß die Kraft desselben sehr groß sein muß, indem dadurch in
den neuern Zeiten Berge, der neue Berg bei Neapel im Jahre 1538 zu einer
Höhe von 2000 Fuß, und der Xurollo im südlichen Amerika im Jahre 1759 zu
einer Höhe von 1500 Fuß[A], und Inseln, sowol im Aegäischen, wie auch in
andern Meeren aus der Erde emporgehoben, und wiederum Städte und ganze
Gegenden, wie bei Neapel die Städte Herkulaneum und Pompeji und die
ganze Gegend um Modena[B], mit Staub und Asche verschüttet sind.
[Anmerkung A: Dieser Berg entstand in dem angeführten Jahre den
14. September in einer Ebene, und ist mit mehren tausenden kleinen
rauchenden Hügeln umgeben, und welcher im Jahre 1804, als der Herr
von Humboldt und Bonpland in diese Gegend kamen, noch brannte. In
seiner Nähe befindet sich der Cotopaxi, dessen Flamme bei seinem
Ausbruche im Jahre 1738 über 2000 Fuß hoch empor stieg, und dessen
Getöse über 72 deutsche Meilen von ihm entfernt gehört worden ist.]
[Anmerkung B: Die Städte Herkulaneum und Pompeji und die ganze
Gegend umher wurde im Jahre 79 nach Christi Geburt durch den Auswurf
des Vesuvs so sehr verschüttet, daß man die Lage dieser Städte nicht
anzugeben gewußt hat, indem die Asche aus diesem Berge hin und
wieder über 112 Fuß hoch darüber lag.