XLII

Abb. 156 u. 157. Metz. S. Peter. Von den Schranken.

(Nach Knitterscheid in: Jahrb. des Lotr. Gesch.-Vereins.)]

[Sidenote: Aachen, Königshalle]

Von Profanwerken der früheren fränkischen Zeit scheint leider alles

verschwunden; nur der alte merowingische Königssaal zu Aachen ist in

seinen Substruktionen noch im Unterbau des alten Rathauses erhalten.

So wenig dies auch ist, so interessant ist doch die Vergleichung des

Grundrisses mit dem des Königssaales S. Maria de Naranco in Spanien.

In beiden Fällen ein langer Bau, mit der Hauptfront nach Süden

gerichtet; an den Enden hier Rundungen, vielleicht ebenfalls

Ausblicksterrassen. Wo der Eingang war, ob an den Enden oder mitten,

ist nicht sicher; wahrscheinlich das erstere. Das Untergeschoß der

Länge nach in fünf (oder sieben?) Räume durch Wände quer geteilt,

welche der Einteilung des Saales darüber durch Säulen entsprachen.

Diese Säulen bildeten bei größerer Breite hier eine mittlere

Säulenreihe, genau wie solche noch in Goslar vorhanden ist, dessen

Kaiserhaus auch im übrigen in überraschender Weise mit der Aachener

Anlage übereinstimmt, ganz offenbar eine großartige Nachbildung des

merowingischen Saales im Westen.

[Illustration: Abb. 158. Römerturm zu Köln. Nach Holtzinger.]

Es ist hier der Ort, um nochmals auf die geradezu erstaunliche

Übereinstimmung des Grundrißtypus aller Königshallen aufmerksam zu

machen. Sie scheinen ausnahmslos in der Längsrichtung in 5 oder 6 Joche

geteilt gewesen zu sein, im Untergeschoß 3-7 Räume enthaltend; die

Zugänge mitten oder an den Enden. Ein allerletztes Beispiel dieser Art

ist die Haakonshalle in Bergen, schon frühgotisch (1261), dort wieder

mit 7 Fenstern in der (hier westlichen) Front und Treppenzugang am

Ende; mit 3 untergeordneten Räumen im Untergeschoß; darunter noch ein

Keller; oben der Saal, an dessen östlicher Längswand sich mitten der

Hochsitz, an beiden Enden je ein Kamin befand.

So haben wir also vier merkwürdig übereinstimmende Beispiele:

Naranco, Aachen, Goslar und Bergen, sozusagen genau nach demselben

Grundrißschema erbaut. Man möchte fast glauben, daß der Teilung des

Grundrisses eine symbolische oder ähnliche Bedeutung zugrunde gelegen

hätte; vermutlich sind diese vier steinernen getreu nach den sicher

einst sehr zahlreichen Hallen in Holzbau gestaltet gewesen.

[Sidenote: Trier, Frankenturm]

Ferner ist in Trier noch ein höchst merkwürdiges Profanwerk wohl

spätester fränkischer Zeit vorhanden: der Frankenturm in der

Dietrichsgasse (Abb. 159, Tafel XLIII). Von solchen Bauwerken,

propugnacula genannt, kannte man vor zweihundert Jahren dort noch fünf;

heute steht noch dies einzige; wohl ein Wohnturm, gleichzeitig zur

Verteidigung geeignet. Es ist ein länglicher Bau von etwa 16½ m Länge

auf 9½ m Breite, jetzt noch zwei Stockwerke nebst einem Dachstock über

einem 7½ m hohen tonnengewölbten Keller enthaltend; ursprünglich sicher

4-5 Stockwerke hoch. Das Einfahrtstor ist von neuerer Entstehung;

die beiden niedrigen Untergeschosse (heute zu einem vereinigt) haben

ganz kleine Fenster, das Hauptgeschoß dagegen nach der Straße zu zwei

doppelte Bogenfenster mit je einer Mittelsäule, das Prunkstück des

Gebäudes. Dieses ist im Äußeren durchaus höchst altertümlich, das

Mauerwerk im Sockel aus Quadern, darüber petit appareil (aus römischen

Quaderchen) mit doppelten Ziegelschichten durchschossen und Eckquadern.

Sichtbarlich waren die unteren Geschosse zu wirtschaftlichen Zwecken

bestimmt, der große Raum im zweiten Obergeschoß aber der Hauptsaal,

in dem folgenden Stockwerk wohl die Schlafräume. Eine Treppe ist

nicht festzustellen; sie mag, in Holz hergestellt, inwendig in die

Höhe geführt haben. Vom Kamin ist im Saal ein Rest, später erneuert.

-- Das sehr interessante Fensterpaar ist durch einen quadratischen

Mittelpfeiler getrennt, Gesimse überall nach karolingischer Art

antikisierend, die zwei Teilsäulchen (Abb. 52) aber ohne Kapitell

nur einen Kämpferstein tragend, der Schnecken am Ende zeigt. Die

Basis attisch. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Bau aus dem 9.

Jahrhundert, wenn nicht älter, und dürfte der wertvollste Profanbau

unserer ältesten Zeit in Deutschland sein. Das Äußere von prachtvoller

Derbheit, im 19. Jahrhundert mit einem Pultdach abgedeckt.

[Sidenote: Winkel, Graues Haus]

Ein in romanischer Zeit erweitertes kleines Haus der fränkischen Zeit

finden wir außerdem in Winkel im Rheingau im „grauen Hause“ erhalten;

vielleicht wirklich einst das Wohnhaus des fuldischen Kirchenlichtes

Rhabanus Maurus um 850. Wie Eichholz in überzeugender Weise nachwies,

ist der ursprüngliche Kern des Hauses noch völlig wohlerhalten, er

besteht aus einem etwa 7 m breiten und 14 m langen zweistöckigen

Gebäude, an den sich im Oberstock westlich eine kleine Kapelle mit

eingetieftem Kreuz im Türsturz anlegt; unter ihr wird sich die Küche

befunden haben; das obere Stockwerk war vermutlich durch eine äußere

Freitreppe an dieser Stelle zugänglich, bestand also, wie in Trier der

Frankenturm, aus einem Raume, in dem sich ebenso die Spur des Kamins an

der Südseite noch vorfindet. Von großem Interesse sind an diesem Bau

die wenigen erhaltenen Architekturteile: ein Doppelfenster nach Osten

mit schwerem Sturz, in dem zwei blinde Bögen angearbeitet sind; im

Mittelpfosten sind echte Kerbschnittverzierungen eingetieft, auch ein

ebensolches Kreuz zwischen den Bögen. Die zwei dreifach geschlitzten

Ostfenster des Erdgeschosses haben einen Sturz mit einer dachförmigen

eingegrabenen Linie mit runden Akroterienandeutungen; ein ähnlicher

Sturz findet sich über dem später verschobenen Eingang zur Küche.

[Illustration:

Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen · 第 96 / 114 题