XLI

Abb. 153. Jouarre. Krypten.

(Phot. Jubraux, Jouarre.)]

[Illustration: Abb. 155. S. Christophe zu Suèvres. Westfront.]

Es scheint demnach, wenn auch das edle fremdländische Material so

vieler Säulen an den Gebäuden jener Kunst den Import dieser Teile aus

dem Osten oder Süden zu bezeugen scheint, wenigstens bei der Bestellung

solcher Stücke ein bestimmter Geschmack und ein gewisses System

gewaltet zu haben, die es ermöglichten, daß die merowingischen Bauwerke

dieser Art und Zeit einen auffallend übereinstimmenden Charakter auch

in diesen Teilen tragen.

Das Einzelne der nicht mehr dieser Bauweise angehörigen Nachbarkrypta

St. Ebregesil ist dagegen, wie bemerkt, von großer Ungeschicklichkeit

und in gewöhnlichem Steine, so gut und so schlecht als es eben

ging, den Arbeiten des älteren Teiles nachgearbeitet. Eine klarere

Gruppierung im Grundriß läßt sich aber da anerkennen: im Osten

eine Art Apsis mit eckiger Altarnische, die mit Säulen eingefaßt

ist, die Öffnung dazu von drei Säulen getragen, davor ein kleines

säulengetragenes Schiff mit Kreuzgewölben; in diesem sind mehrere

romanische Kapitelle und zum Teil auch Säulen später eingefügt.

Noch einige wirkliche Krypten sind zu erwähnen als aus so früher Zeit

stammend; doch sind dies gleich von Anfang an gewölbte kleine Räume mit

Konfession und Wandelgang ohne besondere Charakteristik; so St. Aignan

in Orléans, St. Brice in Chartres, zwei sogar in der ersten alten

Merowingerhauptstadt Soissons, und die an St. Germain in Auxerre, die

im allgemeinen sich von den originalen Krypten der übrigen Welt formal

nicht nennenswert unterscheiden.

[Sidenote: Metz, St. Peter]

Wenn wir dagegen eine wirkliche Merowingerkirche noch halbwegs

aufrechtstehend sehen wollen, so müssen wir wieder über Deutschlands

Grenze gehen. In Metz, der einstigen Hauptstadt von Austrasien, ist

sonst fast alles den späteren Kriegsbauten zum Opfer gefallen, von den

Residenzen der Könige und der Kaiser bis zu ihren Begräbnisstätten

(noch Ludwig der Fromme war dort im Arnulfkloster bestattet). Aber ein

Bauwerk, die St. Peterskirche (heute militärische Brieftaubenstation)

auf der Zitadelle, ist noch übriggeblieben; wenn auch nur in den

äußeren Schiffswänden. Eine dreischiffige Basilika, deren Schiffarkaden

freilich in späterer Zeit ganz erneuert sind, die zuletzt in gotischer

Zeit im Innern völlig geändert ist. Aber es läßt sich immer noch

ersehen, daß der Bau den spanischen des 8. Jahrhunderts in der Anlage

ähnlich war, am meisten dem Kirchlein zu Val de Dios. Westlich eine

Vorhalle mit Empore, dann das Schiff, von dem man leider nicht einmal

mehr sicher weiß, ob die obere Wand des Mittelschiffes von Säulen oder

Pfeilern getragen war; ersteres ist das wahrscheinlichere, da sich der

Rest eines marmornen Säulenschaftes vorfand; im Osten eine vermutlich

rechtwinklige Apsis. Das kleinsteinige Mauerwerk ist, wie die Umfassung

der nördlichen Tür und die Bögen der Westwand, mit Backsteinschichten

durchschossen; über der Westempore eine Bogenstellung auf drei

Säulen ohne Kapitell. Von wichtigen Architekturteilen scheint sonst

so gut als nichts mehr erhalten, außer dem Reste eines Türsturzes,

der ein halbrundes Tympanon gebildet haben muß, doch nur aus zwei

Balken übereinander gebildet, ohne wirkliche Bogensteine: dieser

Rest (Abb. 56), dessen rechteckige Türöffnung darunter etwa 1,05ᵐ

licht gehabt haben muß, ist im Halbrund ringsum mit runden kleinen

Rosetten eingefaßt, inmitten waren drei größere Rosetten, die Zwickel

sind mit allerlei Blatt- und Schmuckwerk in Linien und Kerbschnitt,

der viereckige Türrahmen mit einer Reihe von eckigen eigentümlichen

Knöpfen gefüllt. Dieser Türsturz gehört als besondere Seltenheit zu den

wertvollsten Überbleibseln seiner Art.

Noch ein kleines Kapitell (Kragstein) ist da (s. Abb. 75), vorne

eine Art Büste in Relief eingetieft enthaltend, scheinbar römisch,

vielleicht wirklich ein solcher umgearbeiteter Rest, doch an den

Seiten Blattwerk entschiedenster germanischer Art, mit den bekannten

vertieften Rippen und Einschlitzungen, wie im Langobardischen und

Westgotischen.

Beim Durchsuchen der romanischen Pfeiler des Mittelschiffes fand man

außerdem prächtige Reste von Schranken in Kalkstein. Also offenbar

war eine innere Abgrenzung wie bei den langobardischen und spanischen

Kirchen vor dem priesterlichen Teile des Schiffes oder dem Chor einst

vorhanden; ob auch mit Säulen und Querwand oder Balken darüber ist

nicht mehr zu bestimmen. Doch wahrscheinlich ohne solche, da keinerlei

Rest davon zeugt.

Die Felder und Pfosten dieser Schranken sind von hohem Reiz und gut

altgermanisch (Abb. 156, 157, Tafel XLII); erinnern teilweise stark an

langobardische Arbeiten, sind jedoch weit mehr nordisch im Charakter,

schon insofern, als richtige Verschlingungen von Schlangen, Drachen

und dergleichen statt Flechtwerk allein vorkommen; die Felder sind

öfters, wie es scheint, zur Ausfüllung mit andersfarbigem Steinwerk

schachbrettartig und ähnlich vertieft, echt merowingisch bunt. Diese

Art von Zierung hat sich ja bekanntlich lange erhalten und weiter

gepflanzt, so im Puy (St. Michel de l’aiguille) an N. D. du Port zu

Clermont und vielen ähnlichen Bauwerken.

Dabei ist noch ein Pfosten von besonderer Form vorhanden, eine flache

Nische mit einer Figur darin (wie es scheint Christus) auf der

Vorderseite enthaltend. Die gewundenen Säulchen, die diese Nische

einfassen, der Spitzgiebel mit Krabben besetzt, die Behandlung, als

flachstes Relief auf Grund gesetzt, entspricht völlig der wohlbekannten

langobardischen Weise, doch ist alles ein wenig rundlicher, nicht

so scharfkantig eingeritzt. Es mag dies vielleicht der Rest eines

Eckpfostens der Schranken sein.

[Sidenote: Köln, Römerturm]

Der wohl ältere doch auch dieser Richtung angehörige „Römerturm“

zu Köln ist schon erwähnt worden; er mag ins 6. bis 7. Jahrhundert

gehören. Merowingerkönige, so Sigibert, wohnten ja oft und lange in der

rheinischen Stadt.

Die Fläche des runden Turmes ist völlig bedeckt mit den heitersten

Mustern der Flächendekoration in Stein und in Ton in verschiedener

Farbe. Fischgrätenfriese, Bänder, Räder, Pyramiden, Giebel, Dreiecke,

übereck stehende Quadrate, sogar tannenbaumartige Gebilde (wohl

Palmen) bedecken in heiterster Fülle reihenweise über- und

nebeneinander die ganze Fläche des Mauerzylinders (Abb. 158).

[Illustration:

Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen · 第 95 / 114 题