Abb. 153. Jouarre. Krypten.
(Phot. Jubraux, Jouarre.)]
[Illustration: Abb. 155. S. Christophe zu Suèvres. Westfront.]
Es scheint demnach, wenn auch das edle fremdländische Material so
vieler Säulen an den Gebäuden jener Kunst den Import dieser Teile aus
dem Osten oder Süden zu bezeugen scheint, wenigstens bei der Bestellung
solcher Stücke ein bestimmter Geschmack und ein gewisses System
gewaltet zu haben, die es ermöglichten, daß die merowingischen Bauwerke
dieser Art und Zeit einen auffallend übereinstimmenden Charakter auch
in diesen Teilen tragen.
Das Einzelne der nicht mehr dieser Bauweise angehörigen Nachbarkrypta
St. Ebregesil ist dagegen, wie bemerkt, von großer Ungeschicklichkeit
und in gewöhnlichem Steine, so gut und so schlecht als es eben
ging, den Arbeiten des älteren Teiles nachgearbeitet. Eine klarere
Gruppierung im Grundriß läßt sich aber da anerkennen: im Osten
eine Art Apsis mit eckiger Altarnische, die mit Säulen eingefaßt
ist, die Öffnung dazu von drei Säulen getragen, davor ein kleines
säulengetragenes Schiff mit Kreuzgewölben; in diesem sind mehrere
romanische Kapitelle und zum Teil auch Säulen später eingefügt.
Noch einige wirkliche Krypten sind zu erwähnen als aus so früher Zeit
stammend; doch sind dies gleich von Anfang an gewölbte kleine Räume mit
Konfession und Wandelgang ohne besondere Charakteristik; so St. Aignan
in Orléans, St. Brice in Chartres, zwei sogar in der ersten alten
Merowingerhauptstadt Soissons, und die an St. Germain in Auxerre, die
im allgemeinen sich von den originalen Krypten der übrigen Welt formal
nicht nennenswert unterscheiden.
[Sidenote: Metz, St. Peter]
Wenn wir dagegen eine wirkliche Merowingerkirche noch halbwegs
aufrechtstehend sehen wollen, so müssen wir wieder über Deutschlands
Grenze gehen. In Metz, der einstigen Hauptstadt von Austrasien, ist
sonst fast alles den späteren Kriegsbauten zum Opfer gefallen, von den
Residenzen der Könige und der Kaiser bis zu ihren Begräbnisstätten
(noch Ludwig der Fromme war dort im Arnulfkloster bestattet). Aber ein
Bauwerk, die St. Peterskirche (heute militärische Brieftaubenstation)
auf der Zitadelle, ist noch übriggeblieben; wenn auch nur in den
äußeren Schiffswänden. Eine dreischiffige Basilika, deren Schiffarkaden
freilich in späterer Zeit ganz erneuert sind, die zuletzt in gotischer
Zeit im Innern völlig geändert ist. Aber es läßt sich immer noch
ersehen, daß der Bau den spanischen des 8. Jahrhunderts in der Anlage
ähnlich war, am meisten dem Kirchlein zu Val de Dios. Westlich eine
Vorhalle mit Empore, dann das Schiff, von dem man leider nicht einmal
mehr sicher weiß, ob die obere Wand des Mittelschiffes von Säulen oder
Pfeilern getragen war; ersteres ist das wahrscheinlichere, da sich der
Rest eines marmornen Säulenschaftes vorfand; im Osten eine vermutlich
rechtwinklige Apsis. Das kleinsteinige Mauerwerk ist, wie die Umfassung
der nördlichen Tür und die Bögen der Westwand, mit Backsteinschichten
durchschossen; über der Westempore eine Bogenstellung auf drei
Säulen ohne Kapitell. Von wichtigen Architekturteilen scheint sonst
so gut als nichts mehr erhalten, außer dem Reste eines Türsturzes,
der ein halbrundes Tympanon gebildet haben muß, doch nur aus zwei
Balken übereinander gebildet, ohne wirkliche Bogensteine: dieser
Rest (Abb. 56), dessen rechteckige Türöffnung darunter etwa 1,05ᵐ
licht gehabt haben muß, ist im Halbrund ringsum mit runden kleinen
Rosetten eingefaßt, inmitten waren drei größere Rosetten, die Zwickel
sind mit allerlei Blatt- und Schmuckwerk in Linien und Kerbschnitt,
der viereckige Türrahmen mit einer Reihe von eckigen eigentümlichen
Knöpfen gefüllt. Dieser Türsturz gehört als besondere Seltenheit zu den
wertvollsten Überbleibseln seiner Art.
Noch ein kleines Kapitell (Kragstein) ist da (s. Abb. 75), vorne
eine Art Büste in Relief eingetieft enthaltend, scheinbar römisch,
vielleicht wirklich ein solcher umgearbeiteter Rest, doch an den
Seiten Blattwerk entschiedenster germanischer Art, mit den bekannten
vertieften Rippen und Einschlitzungen, wie im Langobardischen und
Westgotischen.
Beim Durchsuchen der romanischen Pfeiler des Mittelschiffes fand man
außerdem prächtige Reste von Schranken in Kalkstein. Also offenbar
war eine innere Abgrenzung wie bei den langobardischen und spanischen
Kirchen vor dem priesterlichen Teile des Schiffes oder dem Chor einst
vorhanden; ob auch mit Säulen und Querwand oder Balken darüber ist
nicht mehr zu bestimmen. Doch wahrscheinlich ohne solche, da keinerlei
Rest davon zeugt.
Die Felder und Pfosten dieser Schranken sind von hohem Reiz und gut
altgermanisch (Abb. 156, 157, Tafel XLII); erinnern teilweise stark an
langobardische Arbeiten, sind jedoch weit mehr nordisch im Charakter,
schon insofern, als richtige Verschlingungen von Schlangen, Drachen
und dergleichen statt Flechtwerk allein vorkommen; die Felder sind
öfters, wie es scheint, zur Ausfüllung mit andersfarbigem Steinwerk
schachbrettartig und ähnlich vertieft, echt merowingisch bunt. Diese
Art von Zierung hat sich ja bekanntlich lange erhalten und weiter
gepflanzt, so im Puy (St. Michel de l’aiguille) an N. D. du Port zu
Clermont und vielen ähnlichen Bauwerken.
Dabei ist noch ein Pfosten von besonderer Form vorhanden, eine flache
Nische mit einer Figur darin (wie es scheint Christus) auf der
Vorderseite enthaltend. Die gewundenen Säulchen, die diese Nische
einfassen, der Spitzgiebel mit Krabben besetzt, die Behandlung, als
flachstes Relief auf Grund gesetzt, entspricht völlig der wohlbekannten
langobardischen Weise, doch ist alles ein wenig rundlicher, nicht
so scharfkantig eingeritzt. Es mag dies vielleicht der Rest eines
Eckpfostens der Schranken sein.
[Sidenote: Köln, Römerturm]
Der wohl ältere doch auch dieser Richtung angehörige „Römerturm“
zu Köln ist schon erwähnt worden; er mag ins 6. bis 7. Jahrhundert
gehören. Merowingerkönige, so Sigibert, wohnten ja oft und lange in der
rheinischen Stadt.
Die Fläche des runden Turmes ist völlig bedeckt mit den heitersten
Mustern der Flächendekoration in Stein und in Ton in verschiedener
Farbe. Fischgrätenfriese, Bänder, Räder, Pyramiden, Giebel, Dreiecke,
übereck stehende Quadrate, sogar tannenbaumartige Gebilde (wohl
Palmen) bedecken in heiterster Fülle reihenweise über- und
nebeneinander die ganze Fläche des Mauerzylinders (Abb. 158).
[Illustration: