XXXI

Abb. 113. Baños. S. Juan Bautista. Portalbogen.

(Phot. J. Laurent y Cie., Madrid.)]

[Illustration: Abb. 116. Baños. Ostfenster.]

Es ist eine kleine dreischiffige Basilika mit offenem Dachstuhle

(Abb. 111), deren Ostseite mit drei rechteckigen mit Tonnengewölben

bedeckten Chören abschließt. -- Acht Säulen tragen die Hufeisenbögen

der Mittelschiffmauer; ihre Kapitelle (Abb. 112; vgl. Abb. 47) sind

korinthischen frei nachgebildet, derb, doch charakteristisch in

gleicher Art, wie die in Cordoba und Toledo erwähnten. Vor die Kirche

legt sich eine stattliche Vorhalle (Abb. 113, Taf. XXI), sich mit

breitem Hufeisenbogen öffnend, über ihm ein Kreuz. Alle Bögen sind

hufeisenförmig, auch das Tonnengewölbe des Chors; die Kämpfer in reinem

Kerbschnitt geschmückt mit Reihen von Vierblättern im Kreise; ebenso

die Archivolte des Eingangsbogens (Abb. 114).

Die schlanken Fenster des Obergadens und die Ostfenster schließen innen

ebenfalls im Hufeisen und haben als Ausfüllung reich durchbrochene

Steinplatten. Über dem mittleren Chorbogen aber zeigt sich eine kräftig

vortretende Inschrifttafel von vier sparrenkopfartigen Blöcken an den

Ecken gefaßt, die besagt:

Heil! Vorläufer des Herrn, Blutzeuge, Du Täufer Johannes,

Sollst ihn besitzen, den Sitz Dir geweiht in ewiger Schenkung,

Welchen in Demut ich, Dein treuer Verehrer, der König

Reccesvinthus Dir aus eigenem Gute gestiftet,

Unseres Reiches im zehnten und drei, der berufene Landgraf,

Sechsmalhundert rechnet die Ära und neunzig und neune[43].

[Illustration: Abb. 112. Baños. S. Juan Bautista. Schiffsäule.]

Hier haben wir also wohl die älteste germanische Bauinschrift mit Datum

und Namen vor uns, ein Dokument von einziger Bedeutung. Die Jahreszahl

699 der (julianischen) Ära ist 661 der christlichen Zeitrechnung.

Kerbschnittfriese aus den bezeichneten Vierblättern gebildet, ziehen

als Gesims um den Obergaden, bilden die Kämpfer (Abb. 114), umziehen

auch das Äußere des Mittelschiffes als Kämpfer der Fenster. Ganz

ähnliche Technik zeigt die Chorbogen-Archivolte (Abb. 115).

Das ganze kleine Gebäude ist gediegen in Quadern und Bruchsteinen doch

ohne besondere Schulmäßigkeit flott durchgeführt und hat zwölf und ein

halbes Jahrhundert ohne nennenswerten Schaden überdauert. Es lag wohl

nicht am Wege, in einem winzigen Dörflein, und ist vom ersten Strom der

ja übrigens toleranten Araber vielleicht übersehen worden. Heute noch

verirren sich nur Wenige dahin.

[Illustration: Abb. 114. Baños. Bogenkämpfer.]

Aber der künstlerische Eindruck ist ein bedeutender und bleibender.

Die Würde des einfachen kleinen und doch ernsten und kraftvollen

Baus mit seinem offenen Dache ist groß; die Materialien sind edel --

Cipollinschäfte und weiße Marmorkapitelle der Säulen --, ihr Schmuck

einfach und doch wirksam.

Reste von Bemalung sind am Tonnengewölbe des Chors sichtbar:

kassettenartige Einteilung mit Rosetten, ob nur in Querbögen oder über

das ganze Gewölbe ist nicht mehr zu entscheiden. -- Das Ostfenster mit

seinem durchbrochenen Steingitter ist von hohem Reize (Abbildung 116,

Tafel XXXI).

[Illustration: Abb. 115. Baños. Archivolte des Chorbogens.]

[Illustration: Abb. 117. Baños. S. Juan Bautista.]

Was uns hier in einem einzigen so bescheidenen Beispiele blieb von der

originalen Baukunst des westgotisch-spanischen Reiches, spricht uns

doch von vielen verschwundenen großen Werken, von mehr, als man wohl

denken mochte. Würde, Ernst und klare Durchbildung im einzelnen ist

nicht zu verkennen. Wenn im Grundriß und Gesamterscheinung uns ein

Werk entgegentritt, das sich dem im Orient wie in Italien Üblichen

jener Zeit ungefähr anzuschließen scheint, wenn sogar die Frage

offen bleiben muß, ob der an germanischen Bauwerken so verbreitete

Hufeisenbogen wirklich allein aus dem Holzbau abgeleitet werden darf,

da diese Bogenform im gleichen oder (vielleicht) schon früheren

Jahrhundert im nächsten Orient (Anatolien) ebenfalls verbreitet war,

so ist, wenn man selbst den Anspruch auf völlig originale Entstehung

dieser Gestaltung aufgeben will, des künstlerischen Verdienstes noch

genug, die Eigenart hinreichend hervortretend, daß man solche Werke als

in dem großen Gemälde der altchristlichen Baukunst durchaus vollwertig

dastehend bezeichnen darf.

Das gedrungene Äußere des Bauwerks (Abb. 117) baut sich in ruhiger

Gruppe auf; die sich in weitem Hufeisenbogen öffnende Vorhalle wirkt

mit zur malerischen Gestaltung. Das Kreuz darüber ist dasselbe wie wir

es bei den Langobarden verbreitet fanden.

[Illustration: Abb. 118. S. Miguel de Escalada.]

Daneben liegt die uralte Heilquelle in den Boden versenkt und mit einem

aus der Erde hervorragenden Tonnengewölbe überdeckt; eine Treppe führt

an der Langseite in die Tiefe zu dem Hufeisenbogen des Einganges,

der wie das übrige beweist, daß König Reccesvinth auch dem heilenden

Gewässer das schützende und kühlende Gewölbe schuf.

[Sidenote: Suso]

Die ganz kleine Dorfkirche von S. Millan de la Cogulla zu Suso bei

Logroño am oberen Ebro war in ihrer Art ganz ähnlich, ist aber jetzt

stark entstellt und eingewölbt, so daß man nur noch die Basilikenform

auf scheinbar kapitelllosen Säulen mit Hufeisenbögen erkennt.

Jedenfalls aber bezeugt ihre ganze Erscheinung eine weitere

Verbreitung der Grundform, wie sie in Baños gegeben ist.

[Illustration:

Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen · 第 83 / 114 题