Abb. 113. Baños. S. Juan Bautista. Portalbogen.
(Phot. J. Laurent y Cie., Madrid.)]
[Illustration: Abb. 116. Baños. Ostfenster.]
Es ist eine kleine dreischiffige Basilika mit offenem Dachstuhle
(Abb. 111), deren Ostseite mit drei rechteckigen mit Tonnengewölben
bedeckten Chören abschließt. -- Acht Säulen tragen die Hufeisenbögen
der Mittelschiffmauer; ihre Kapitelle (Abb. 112; vgl. Abb. 47) sind
korinthischen frei nachgebildet, derb, doch charakteristisch in
gleicher Art, wie die in Cordoba und Toledo erwähnten. Vor die Kirche
legt sich eine stattliche Vorhalle (Abb. 113, Taf. XXI), sich mit
breitem Hufeisenbogen öffnend, über ihm ein Kreuz. Alle Bögen sind
hufeisenförmig, auch das Tonnengewölbe des Chors; die Kämpfer in reinem
Kerbschnitt geschmückt mit Reihen von Vierblättern im Kreise; ebenso
die Archivolte des Eingangsbogens (Abb. 114).
Die schlanken Fenster des Obergadens und die Ostfenster schließen innen
ebenfalls im Hufeisen und haben als Ausfüllung reich durchbrochene
Steinplatten. Über dem mittleren Chorbogen aber zeigt sich eine kräftig
vortretende Inschrifttafel von vier sparrenkopfartigen Blöcken an den
Ecken gefaßt, die besagt:
Heil! Vorläufer des Herrn, Blutzeuge, Du Täufer Johannes,
Sollst ihn besitzen, den Sitz Dir geweiht in ewiger Schenkung,
Welchen in Demut ich, Dein treuer Verehrer, der König
Reccesvinthus Dir aus eigenem Gute gestiftet,
Unseres Reiches im zehnten und drei, der berufene Landgraf,
Sechsmalhundert rechnet die Ära und neunzig und neune[43].
[Illustration: Abb. 112. Baños. S. Juan Bautista. Schiffsäule.]
Hier haben wir also wohl die älteste germanische Bauinschrift mit Datum
und Namen vor uns, ein Dokument von einziger Bedeutung. Die Jahreszahl
699 der (julianischen) Ära ist 661 der christlichen Zeitrechnung.
Kerbschnittfriese aus den bezeichneten Vierblättern gebildet, ziehen
als Gesims um den Obergaden, bilden die Kämpfer (Abb. 114), umziehen
auch das Äußere des Mittelschiffes als Kämpfer der Fenster. Ganz
ähnliche Technik zeigt die Chorbogen-Archivolte (Abb. 115).
Das ganze kleine Gebäude ist gediegen in Quadern und Bruchsteinen doch
ohne besondere Schulmäßigkeit flott durchgeführt und hat zwölf und ein
halbes Jahrhundert ohne nennenswerten Schaden überdauert. Es lag wohl
nicht am Wege, in einem winzigen Dörflein, und ist vom ersten Strom der
ja übrigens toleranten Araber vielleicht übersehen worden. Heute noch
verirren sich nur Wenige dahin.
[Illustration: Abb. 114. Baños. Bogenkämpfer.]
Aber der künstlerische Eindruck ist ein bedeutender und bleibender.
Die Würde des einfachen kleinen und doch ernsten und kraftvollen
Baus mit seinem offenen Dache ist groß; die Materialien sind edel --
Cipollinschäfte und weiße Marmorkapitelle der Säulen --, ihr Schmuck
einfach und doch wirksam.
Reste von Bemalung sind am Tonnengewölbe des Chors sichtbar:
kassettenartige Einteilung mit Rosetten, ob nur in Querbögen oder über
das ganze Gewölbe ist nicht mehr zu entscheiden. -- Das Ostfenster mit
seinem durchbrochenen Steingitter ist von hohem Reize (Abbildung 116,
Tafel XXXI).
[Illustration: Abb. 115. Baños. Archivolte des Chorbogens.]
[Illustration: Abb. 117. Baños. S. Juan Bautista.]
Was uns hier in einem einzigen so bescheidenen Beispiele blieb von der
originalen Baukunst des westgotisch-spanischen Reiches, spricht uns
doch von vielen verschwundenen großen Werken, von mehr, als man wohl
denken mochte. Würde, Ernst und klare Durchbildung im einzelnen ist
nicht zu verkennen. Wenn im Grundriß und Gesamterscheinung uns ein
Werk entgegentritt, das sich dem im Orient wie in Italien Üblichen
jener Zeit ungefähr anzuschließen scheint, wenn sogar die Frage
offen bleiben muß, ob der an germanischen Bauwerken so verbreitete
Hufeisenbogen wirklich allein aus dem Holzbau abgeleitet werden darf,
da diese Bogenform im gleichen oder (vielleicht) schon früheren
Jahrhundert im nächsten Orient (Anatolien) ebenfalls verbreitet war,
so ist, wenn man selbst den Anspruch auf völlig originale Entstehung
dieser Gestaltung aufgeben will, des künstlerischen Verdienstes noch
genug, die Eigenart hinreichend hervortretend, daß man solche Werke als
in dem großen Gemälde der altchristlichen Baukunst durchaus vollwertig
dastehend bezeichnen darf.
Das gedrungene Äußere des Bauwerks (Abb. 117) baut sich in ruhiger
Gruppe auf; die sich in weitem Hufeisenbogen öffnende Vorhalle wirkt
mit zur malerischen Gestaltung. Das Kreuz darüber ist dasselbe wie wir
es bei den Langobarden verbreitet fanden.
[Illustration: Abb. 118. S. Miguel de Escalada.]
Daneben liegt die uralte Heilquelle in den Boden versenkt und mit einem
aus der Erde hervorragenden Tonnengewölbe überdeckt; eine Treppe führt
an der Langseite in die Tiefe zu dem Hufeisenbogen des Einganges,
der wie das übrige beweist, daß König Reccesvinth auch dem heilenden
Gewässer das schützende und kühlende Gewölbe schuf.
[Sidenote: Suso]
Die ganz kleine Dorfkirche von S. Millan de la Cogulla zu Suso bei
Logroño am oberen Ebro war in ihrer Art ganz ähnlich, ist aber jetzt
stark entstellt und eingewölbt, so daß man nur noch die Basilikenform
auf scheinbar kapitelllosen Säulen mit Hufeisenbögen erkennt.
Jedenfalls aber bezeugt ihre ganze Erscheinung eine weitere
Verbreitung der Grundform, wie sie in Baños gegeben ist.
[Illustration: