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Abb. 107. Merida. Westgotische Pfeiler im Conventual.

(Phot. J. Laurent y Cie., Madrid.)]

[Illustration: Abb. 109. Toledo. S. Cristo de la Luz.

(Phot. J. Laurent y Cie., Madrid.)]

Schon im 6. Jahrhundert errichtete Erzbischof Fidel an Stelle seiner

eingestürzten Residenz eine neue prächtige, die wundervoll ausgestattet

als bischöfliches Atrium mit seinen drei reichen Säulenhallen

besonders gepriesen wird (Paul Diaconus), ausgestattet mit Marmor,

Mosaik und sonst kostbaren Materialien. Ein zweites herzogliches Atrium

wird ebenfalls erwähnt.

[Sidenote: Sevilla]

+Sevilla+, einst so bedeutsam als westgotische Hauptstadt in

Andalusien, zeigt uns aus germanischen Tagen ebenfalls nur noch Trümmer

in reicher Vielgestalt in seinem Museum; keinen sonstigen Rest von

Gebäuden mehr aufrecht.

[Sidenote: Toledo]

Kaum anders ist es in Toledo, wo man von den einstigen großen Bauwerken

der westgotischen Residenz fast nichts mehr hat, als die zahlreichen

aus Befestigungen und späteren Mauern, insbesondere arabischen, wieder

zutage beförderten Architekturteile, von denen eine nicht unbedeutende

Zahl inzwischen nach Madrid ins Museo arqueologico gewandert ist.

Von der einst nach Norden am Fuße der hoch emporragenden Stadt

liegenden Basilika der hl. Leokadia ist nichts übrig, als eine Reihe

von Säulenkapitellen in den Höfen des Sta. Cruz-Hospitals (Abb.

47). An der Stelle der Kirche, die so viele westgotische Konzilien

-- unglückseligen Angedenkens -- in ihren Mauern tagen sah, steht

ein kleines nichtswürdiges bäurisches Gotteshaus; ein paar marmorne

Säulenschäfte stecken als Wegepfosten an den Wegen im Boden. Der zweite

Hallenhof des genannten berühmten Hospitals des „großen Kardinals“

(Mendoza) steht auf den nach oben transportierten Säulen, deren

Kapitelle merkwürdige Umbildung korinthischer Grundform zeigen. Überall

bricht neue Gestaltung hindurch: die Parallelität der Linien, der

Blattrippen, wellenförmige Rippungen und dergleichen treten an Stelle

antiker Formenbildung; sonderbare Hakenblätter von ganz fremder Gestalt

umgürten den Kelch.

Von der Kirche der hl. Agnes (Ginés) sind (in Madrid) allerlei

Bruchstücke vorhanden; so vor allem ein Doppelfenster mit

Zwischensäule; der Doppelhufeisenbogen ist aus einem einzigen

Marmorblock gehauen; das Kapitell mit Kämpfer eben angedeutet, die

Basis rein als vertiefte Ringelung gebildet; kurz alles völlig

zimmermannsmäßig.

Zahlreiche Kämpfer, Türstürze, Friese und dergleichen zeigen uns

ausnahmslos mehr und als irgendwo sonst reine Kerbschnittarbeit oder

Zimmermannsart auf den Stein übertragen und völlig zu einem eigenen

Stile ausgebildet, auch in netzförmigen Mustern, Rosetten in Reihen

angeordnet, kurz in mannigfachster Durchbildung.

Insbesondere spielt hier das aus verschlungenen Kreislinien

hergestellte Vierblatt und Sechsblatt im Kreise eine große Rolle (wie

auch bei den merowingischen Franken, nicht minder aber in der späteren

Holzkunst und Zimmermannsarbeit des Nordens). Selbst in die Keramik

übertragen (so auf Ziegelsteine als Zierat). Kurz, die Ornamentik der

Westgoten ist fast ausschließlich nur aus der reinen Holzschnitzerei

und Kerberei zu verstehen, weil aus ihr entstanden (Abb. 108).

[Illustration: Abb. 108. Westgotische und fränkische Steinornamente.]

Ein paar bauliche Reste haben sich in späteren Moscheen erhalten. Da

sei vor allem die bekannte kleine, jetzt S. Cristo de la Luz, genannt,

deren Schiff (Abb. 109, Tafel XXX) rein quadratisch, mit Außenmauern

aus großen Quadern und Zwischenlagen von Backsteinschichten, durch

Hufeisenbögen auf vier mittleren Säulen in neun kleine Quadrate

geteilt, wohl die alte kleine Kirche gebildet haben kann; also eine

Zentralanlage (die Apsis oder Apsiden durch eine spätere Erweiterung

verdrängt). Die kurzen Säulen mit ihren derben gekerbten und recht

rohen Kapitellen von ganz ungleicher Bildung, der Westgotenzeit

angehörend, dürften in der Tat noch an ihrem ursprünglichen Platze

stehen. Jetzt sind darüber maurische (sehr frühe) Gewölbe mit

Mittelkuppel.

[Sidenote: Portugal]

Auch in anderen wichtigen Städten sind der Steinüberreste noch genug

in den Museen vorhanden, so in Murcia, Valencia, Tarragona, Barcelona,

Zaragoza, Leon; Toulouse, Carcassonne, Narbonne, Arles, Nimes, Aix,

Marseille; ebenso in Lissabon, wo der Stil nach Merida hinüber weist;

einige Sonderarbeiten ebenfalls gekerbter Art, die anders aussehen,

auch Tiere darstellen, könnten den Sueben des Nordwestens zuzurechnen

sein. In Guimarães und in der Gegend von Braga allerlei ähnliche Reste,

da Athanagild in jener Gegend viel gebaut haben soll, dessen Zeit 560

zugeschrieben. Ein Dorf trägt sogar dieses Königs Namen. In Guimarães

(Museum) ein merkwürdiges Überbleibsel in Quadern, wohl ein Stück der

Apsis einer Kirche, Flechtbänder als Gesimse und um das Fenster, das

noch mit einem ganz flach gekerbten mäanderartigen Bande eingefaßt ist;

ein Dokument selbständig ausgebildeter Architektur aus jener Zeit.

(Merkwürdigerweise dort den alten Iberiern zugeschrieben.)

[Sidenote: Baños]

Von allen Bauwerken aus der Zeit vor dem Einbruche der Araber scheint

in Spanien nur ein einziges vollständig übrig geblieben zu sein: die

Kirche S. Juan Bautista zu Baños de Cerato (Abb. 110). Dieses mitten

in Altkastilien bei Palencia gelegene Gotteshaus ist von Reccesvinth

im Jahre 661 gebaut, da dieser König sich in der nahe dabei gelegenen

Heilquelle vom Steinleiden gesund gebadet hatte, derselbe, dessen Namen

auch die schönste der Goldkronen des Schatzes von Guarrazar trägt. Die

kleine Basilika darf daher als eines der für alle Germanen historisch

wichtigsten Bauwerke betrachtet werden; jetzt wieder vortrefflich

hergestellt gibt sie uns neben Cividale das einzige völlig erhaltene

Beispiel eines in einem während der Völkerwanderungszeit gegründeten

germanischen Reiche in dessen kräftigster Entwicklung erbauten

Gotteshauses. -- Und zwar eines solchen von Kunstwert und ungemein

sprechender Charakteristik.

[Illustration: Abb. 110. Baños. S. Juan Bautista.]

[Illustration: Abb. 111. Baños. S. Juan Bautista.]

[Illustration:

Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen · 第 82 / 114 题