»Herr Questenberg. Sind andere kriegerischer als wir Soldaten. Ich werde
einen Krieg um den Frieden zu führen haben.«
Questenberg milde: »Graf Schlick hat gezeigt, woran uns liegt und was uns
herführt. Wir wollen erfahren, was Euer Durchlaucht im Sinn haben,
verkennen gewiß nicht die Schwierigkeit der Lage.« »Das weiß ich. Fragt
aber einmal den Herrn Bruder hier, was die Väter der Jesugesellschaft
begehren.« Schlick hochgestemmt, brüllend: »Ich bin im Auftrag der
Kaiserlichen Majestät da. Wir haben kaiserliche Aufträge abzulegen.«
»Und ich sitze hier, Herr Bruder, im Auftrag derselben Kaiserlichen
Majestät. Habe schon lange ein kaiserliches Heer geführt und Siege
errungen. Zeige mir der Herr Bruder seine Vollmacht.« »Was soll das
heißen.« »Daß ich weiß, daß nicht Ferdinand der Andere sie unterzeichnet
hat, sondern -- vielleicht der Herr Bruder selber, oder mein alter Freund
Eggenberg oder Trautmannsdorf.« -- »Meine Vollmacht wird der Herr Bruder
sehen. Die Kaiserliche Majestät hat sie gezeichnet.« »Werde mir mein Urteil
über Euren Auftrag zu bilden wissen. Setze sich der Herr Bruder. Es tut mir
leid ihn zu kränken.« Als sie eine geraume Zeit geschwiegen hatten, brachte
wieder stumpf und ruhig der graue Schlick, der die Augen nicht von den
Steinfliesen hob, hervor, daß sie sich bereithalten würden die nächsten
Tage, die Antwort des Herzogs auf das noch schriftlich anzubringende
Ersuchen entgegenzunehmen. Die Herren verabschiedeten sich feierlich.
Wo Friedland gesessen hatte, fanden Trzka und Neumann, die die beiden
Herren auf die Diele begleitet hatten, als sie zögernd zur Türe
hereintraten, einen bekleideten Körper auf der Bank vor dem Bett, rückwärts
gelehnt, den Kopf, das ausgehöhlte Gesicht zurückgebogen. Er brüllte vor
Gelächter. In grenzenlosem Schwall. Der Raum tönte, der Herzog erfüllte ihn
wie ein Tier mit seinem Geräusch und saß mitten in dem Lärm, den er
erzeugte. Fremdartig, monologisch war das Gelächter, daß sie erschreckt und
in peinlicher Beschämtheit zur Türe zurückgriffen. Der Kammerdiener brachte
den Herzog zu Bett.
Sie setzten sich, wieder eingelassen, um den grünverdeckten Tisch. Aus dem
Bett rollte es: »Habt Ihr verstanden, was vorgeht. Sie greifen an die
Wiederkehr von Regensburg. Und weil es nicht so leicht geht mit dem
Absetzen, ein anderes Plänchen: die Armee ruinieren. Was ist er, der
Friedland, wenn er keine Armee hat.« Trzka, sich quer auf die Bank vor dem
Bett setzend: »Der Plan soll ihnen vergehen. Es ist der Bayer, der dahinter
steckt.« »Recht, Trzka, die Jesuiten und der Bayer, der Hundsfott. Er will
wieder hochkommen. Beißen will er mich, weil ich ihm nicht pariert habe. In
Zirndorf. Soll ihm der Schwede das Land verwüsten. Nicht Hahn noch Henne
soll er drin lassen.« Neumann flehentlich: »Wird Euer Durchlaucht wieder
nachgeben?« Er hatte Tränen in den Augen; der Anblick seines Herrn griff
ihn an. »Was wieder?« »Vermeine wie zu Regensburg.« Der Herzog böse
lachend: »War nicht nachgegeben zu Regensburg. War aufgeschoben bis zum
nächsten Male. Bis ich sie haben würde. Der Bayer hatte den Kaiser
untergekriegt. Und jetzt ist er eben dabei. Ich -- -- gebe nicht nach, und
wenn mich darüber der Satan mit Zangen in die Hölle holt.« Neumann leise:
»Die Armee bleibt, wo sie ist«; sein Gesicht leuchtete. »Ja, eher schmeiße
ich sie mit dem Schweden zusammen und wir überziehen gemeinsam den
Uranfänger des Krieges, den schlimmen Bayern; es wäre meine Lust.«
Da hatte Trzka einen gesiegelten Bogen an der Tür aufgehoben, der ihm
vorher in der Eile aus dem Arm gerutscht war, brachte ihn pfeifend an: »Ah
sieh da. Lest vor, Neumann. Questenberg gab es mir vorhin, er hätte es
versäumt bei der Unterhaltung.« Es war die schriftliche Fixierung des
kaiserlichen Ansuchens an den Herzog. Klagen über den schlimmen Verlauf des
Sommerfeldzuges, über das traurige Schicksal Bayerns, dann Hoffnungen auf
baldige Befreiung Regensburgs, die Verlegung der Winterquartiere.
Schließlich ein Nachtrag betreffend den Mailänder Gouverneur Feria und die
spanischen Truppen: der Herzog zu Feria rücke nach den Niederlanden, wo die
Infantin Isabella Hoheit auf den Tod daniederliege und tägliches Ableben zu
erwarten sei. Des Herzogs zu Friedland Durchlaucht wurde ersucht, dem
heraufziehenden Mailänder und seinen spanischen Truppen nichts in den Weg
zu legen und ihn in jeder Weise zu befördern, wenn er auf dem
Kriegsschauplatze erscheine. Der Spanier würde einem Wunsch des Königs
Philipp zufolge sich dem bedrohten Kurfürst von Bayern attachieren; man
wünsche, Aldringen mit den kaiserlichen Truppen möge nunmehr völlig dem
Bayern unterstellt werden.
Wallenstein aufgesetzt, den Kopf eingezogen, der Ausdruck wechselnd
zwischen Hohn und Freude. »Wir haben sie bei den Ohren, die tapferen
Kriegshelden. Sie haben nicht gewagt, es abzugeben. Es hätte mich zu arg
gebissen meinen sie. Bei den Ohren. Mein alter Questenberg, sieh da.«