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Ob ich mein Kind mit mir nehme?
Nein! Ich will noch warten! Den ersten Ansturm will ich allein ertragen.
Später vielleicht -- vielleicht kann ich mein Kind in die Arme der
Großeltern legen. --
* * * * *
Unser Chauffeur hat gute Tage gehabt. Seit Wochen ist das Auto nicht aus
der Garage gekommen, heute soll es mich hinübertragen in die Heimat, in
das dunkle, heimliche Grün des Waldes.
Ob ich unvermutet vor sie hintrete?
Nein, ich würde sie zu sehr erschrecken, den Tod könnten sie davon
haben!
Den Tod! Mich friert trotz der Sonnenglut.
Wenn ich niemand mehr fände? Wenn fremde Gesichter mir entgegensähen!
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Ich bin nervös; die lange, aufreibende Pflege hat mich selbst auch krank
gemacht. Und doch darf ich nicht schwach werden. Ich muß meine Kräfte
hochhalten, bis ich dich gebettet habe, du guter, du treuer Weggenoß.
Wie ein Zwang ist es über mir, seit er den Wunsch geäußert.
Ich muß ihn unter die Tannen der Heimat betten.
Ich bin inkonsequent, ich weiß es. Nie wieder wollte ich in der Heimat
weilen als die, die ich wirklich bin.
Und doch fühle ich schon jetzt eine Freudigkeit, eine Zuversicht in mir,
wie seit langem nicht.
Es muß also doch wohl das Rechte sein, trotz der scheinbaren
Inkonsequenz. --
Umstände ändern die Sache.
* * * * *
Nun ist auch das vorüber.
Mein Wagen trägt mich rasch wieder zu meinem Kinde, das ich schon morgen
den Großeltern bringen will.
Wenn ich alles überdenke, dann weiß ich selbst nicht, wie es gekommen
ist.
Unter dem Vorwande, Grüße von einer Dame aus Amerika überbringen zu
wollen, bat ich um eine Unterredung.
Ich vermochte kaum zu sprechen vor Aufregung, als ich endlich den lieben
Alten gegenübersaß.
Wiederholt fing ich an, ohne doch ein Wort über die Lippen zu bringen.
Wohl sah ich den prüfenden Blick des Großvaters, die nervös zitternden
Hände der Großmutter.
Und als mir dann statt aller Worte Tränen aus den Augen stürzten, da war
es auch um die Zurückhaltung der Großmutter geschehen.
Mit dem schluchzenden Ruf: »Lottchen, du bist es, Lottchen, mein Kind!«
hielt sie mich umschlungen, und ich schluchzte den Jammer meiner Seele
an ihrer treuen Brust aus.
Wäre ich doch schon früher zu ihnen gegangen!
Keine Frage nach dem, was ich gefürchtet! Ihnen war es genug, daß ich da
war. --
Ach, ich bin so froh, so glücklich! Ich habe einen Platz gefunden, wo
ich meinen Schmerz ausweinen kann. -- --
Zeit zu langem Reden hatten wir nicht, dafür wird später übergenug Muße
sein. Ich mußte vor allem meine Bitte anbringen, mir ein Plätzchen zu
geben für meinen armen, toten Gatten.
Der Großvater wurde ernst.
»Das kann ich nicht, Liebling. Ich habe hier keine Rechte zu vergeben.
Hier hat nur der Herzog zu bestimmen.«
Der Herzog? Oh, mein Gott! Daß ich daran nicht gedacht!
Mein Kopf brannte, meine Augen glühten.
»Der Herzog! So gehe ich zum Herzog!« rief ich aus.
»Du wolltest?« rief der Großvater.
»Weißt du, zu wem du gehst?« fragte die Großmutter.
»Ich weiß es. Und eben deshalb hoffe ich keine Fehlbitte zu tun. Und
warum sollte ich nicht gehen? Nicht ich bin es, die sich hier zu schämen
hat.«
Der Großvater neigte das Haupt.
»Mach' was du willst, Kind. Ich bin alt, ich habe nicht mehr viel zu
verlieren.«
»Ach, Großvater! Was sollte dir denn passieren? Und wenn der hohe Herr
wirklich unzufrieden sein sollte, so kommst du mit mir.«
»Nein, nein, mein Kind! Alte Bäume verpflanzt man nicht mehr. Bring' uns
dein Kind, damit wir uns an ihm freuen können. Aber bald!«
»So komm mit und hole sie!« sagte ich rasch. »Du würdest auch mir eine
Stütze sein in diesen Tagen.« -- -- --
Er ist mitgekommen, und Lou ist ganz glücklich über den prächtigen,
alten Großvater. --
Morgen gehe ich zum Herzog. Sonderbares Gefühl! Ob sich etwas regt in
seiner Brust bei meinem Anblick?
Ob ich meiner Mutter gleiche?