* * * * *
Heute waren wir zusammen im Wald. Lou suchte Blumen, und wir beide waren
allein unter dem grünen Gewölbe.
Die Luft schien geschwängert mit Wohlgerüchen, und die Ruhe, die uns
umgab, hob uns über den Alltag hinaus.
»Gibt es etwas Schöneres als unseren deutschen Wald?« sagte mein Mann
sinnend, nachdem er eine Weile regungslos den Blick nach oben gewandt
hatte.
Mir traten die Tränen in die Augen. Wer wußte es besser als ich, wie
schön er war. Mit einem Schlage stand alles vor mir. Das Forsthaus, die
Großeltern, die dunkeln Tannen, alles, alles!
»Ich möchte im deutschen Walde ruhen, wenn ich einmal nicht mehr bin,
Lottchen. Versprich mir, daß du mir hier oder in der Heimat ein schönes
Plätzchen unter den rauschenden Tannen aussuchen willst,« fuhr er fort.
»Sprich nicht immer vom Sterben, Liebster,« sagte ich schluchzend.
»Weine nicht, Lotti. Ich will nicht mehr davon sprechen, wenn es dich
aufregt. Nur versprich mir, daß du mir meinen Wunsch erfüllen willst.
Willst du, Liebling?«
»Ich verspreche es dir. Du sollst unter den schönsten Tannen schlafen,
die unser deutscher Hochwald hat,« sagte ich feierlich.
Wie eine Vision stieg der Platz vor mir auf. Ich kannte ihn! Oh, ich
kannte ihn!
* * * * *
Ich sehe den Herzog fast täglich. Ich möchte vor ihn hintreten und ihm
sagen, wer ich bin.
Doch wem würde es nützen! Mir? Ich brauche ihn nicht.
Meiner Lou? Auch in Deutschland duckt man sich vor amerikanischen
Millionen genau so sehr wie vor Herzogskronen, das habe ich kennen
gelernt.
Und wenn mein Sinn nach einer Krone stände, so könnte ich einst eine
kaufen für meinen Liebling; tun es doch so viele. --
Kronen drücken schwer, das sehe ich jetzt wieder an dem Fürsten und
seiner Gattin. Sie sehen beide nicht eben glücklich aus.
Und mein Kind soll glücklich sein.
* * * * *
Das Verhängnis kommt zusehends näher. Mein Mann hat seine Anfälle immer
häufiger. Es ist mir entsetzlich, ihn so leiden zu sehen und nicht
helfen zu können. Aber hier muß auch die Kunst der Ärzte Halt machen.
Nur erleichtern läßt sich sein Leiden.
Rührend ist seine Mühe, mit der er mir seine Schmerzen zu verbergen
sucht. --
Er fürchtet, mir wehe zu tun.