Ich habe Heimweh und bin nirgends zu Hause. --

Und doch ist meine Heimat da drüben in dem Lande, das mich trotz aller

Schuld der bürgerlichen Gesellschaft wiedergegeben hat.

* * * * *

Nach zwei Jahren.

Amerika hat nicht gehalten, was Europa versprochen.

Das Befinden meines Mannes ist wieder ebenso schwankend wie vor unserer

Reise.

Er muß sich schonen, und um ihm dazu Gelegenheit zu geben, habe ich

nach und nach die Geschäfte fast ganz in meine Hände genommen. Es war

ein schweres Stück Arbeit, aber es ist mir gelungen.

Der alte Thomas, der schon seit Jahren meines Gatten rechte Hand ist,

bespricht alles mit mir. Und nur wenn etwas ganz besonders Wichtiges

vorliegt, müssen wir erst seinen Rat einholen.

Aber wir sorgen schon dafür, daß es keine aufregenden Sachen sind, die

wir mit ihm besprechen. --

Oft sagt mein Mann zu mir: »Du hast mich schon gar nicht mehr nötig,

Liebling. Du bist so entschlossen und umsichtig, wie nur je ein Mann es

sein könnte.«

Das macht mich stolz. Es erfüllt mich mit ungeahnter Befriedigung, daß

ich meine Kräfte so entfalten kann. Daß ich diesem Manne, der mich

genommen, ohne viel zu fragen, einen Teil der Schuld abtragen kann.

* * * * *

Nun muß ich die Geschäfte Thomas überlassen und mich ganz meinem Manne

widmen. Werde ich ihn mir erhalten? Er ist sehr krank.

* * * * *

Meine Lou, mein liebes, gutes Kind; sie ist mir ein rechter Trost in

diesen schweren Tagen.

Wie liebt sie ihren Vater! Sie weicht kaum von seinem Lager. Ich hätte

dem kleinen, lustigen Vogel gar nicht so viel tiefes Gefühl

zugetraut. --

* * * * *

Das Schlimmste ist vorüber.

Es waren lange, schwere Wochen, aber noch einmal haben wir gesiegt. Und

nun gehen wir wieder nach Europa; noch einmal soll Nauheim seine

Wunderkraft beweisen.

Lou freut sich wieder sehr auf die Fahrt, wenn auch die Freude etwas

gedämpft wird durch des guten Vaters Krankheit. --

* * * * *

Wieder einmal bin ich auf meiner geliebten See. Sie zeigt sich mir

diesmal nicht von der besten Seite. Wir haben Sturm und Regen, und der

Wind rast über Deck, daß es kaum möglich ist, nach oben zu gehen. --

* * * * *

Ich habe eine Begegnung gehabt, die alles, was langsam zur Ruhe gekommen

war, wieder in Aufruhr gebracht hat.

Ich müßte mich sehr irren, wenn nicht Smith, Herbert Smith, an Bord

wäre. Er trägt einen kurz verschnittenen Vollbart, und doch habe ich ihn

sofort erkannt.

Wie ein elektrischer Schlag ging es durch meinen Körper. Und auch er muß

mich erkannt haben, denn ein leichter Schreck huschte über seine Züge.

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 152 / 209 题