Ich suche etwas und weiß nicht was. --

Gleich am ersten Abend bin ich ein Stündchen auf Deck gewesen.

Wie wunderbar ist die reine, salzige Luft! Welch wunderbare Farben

verglimmen am Horizont und wecken tausend Erinnerungen, süße und

schmerzliche, in meiner Brust!

Sonnenuntergang! Der ganze Horizont ist von einem satten, tiefen Rot.

Der Himmel scheint wie ein einziger großer ausgehöhlter Rubin über uns

zu hängen.

Das Wasser ist so ruhig wie ein See, nur hie und da tanzen rotgoldene

Lichter; gibt es Schöneres?

Doch alles Schöne ist vergänglich. Kaum eine halbe Stunde, und grau und

fahl, gespensterhaft liegt die unabsehbare Fläche vor mir. --

Mich friert trotz des warmen Wetters.

Es macht traurig, immer an die Vergänglichkeit alles wahrhaft Schönen

erinnert zu werden. -- --

* * * * *

Bad Nauheim.

Deutschland bekommt mir nicht. Mein Mann erholt sich von Tag zu Tag, und

ich verzehre mich selbst vor Unruhe.

Die Luft hier ist erfüllt von Erinnerungen.

Diese ganzen Jahre hatte ich alles vergessen, die Heimat, die Großeltern

und -- die Schuld!

Nun wacht alles wieder auf, und ich stehe schwindelnd am Wege und weiß

nicht, wohin er mich führen wird.

Ich sehe ein, daß eine Schuld wie ein Schmutzfleck auf der Vergangenheit

liegt, der sich nie wieder auslöschen läßt.

Mag man zuweilen glauben, daß er verblaßt, mag man sein Vorhandensein

für einige Zeit vergessen, er kommt wieder. --

* * * * *

Ich kann es nicht mehr aushalten, ich muß hin!

Ich muß wenigstens versuchen, die alten Leute von weitem zu sehen.

Ob sie noch leben? Aber warum nicht? Vierzehn Jahre sind es her, seit

ich von ihnen ging, und die Leute in meiner Heimat werden alt. --

Ob ich es wage und unter dem Deckmantel einer Fremden das Jagdschloß

besehe?

Werde ich mich beherrschen können?

* * * * *

Ich war da!

Unter dem Vorwand, etwas in Frankfurt besorgen zu wollen, bin ich

hingefahren.

Ich habe meinen Mann belogen; diesen besten, gütigsten aller Männer habe

ich belogen! So gebiert noch nach Jahren die alte Schuld neue Konflikte

und Verwicklungen.

Ich bin froh, daß ich es getan. Ich werde Ruhe finden, nun ich die alten

lieben Großeltern gesehen. --

Und doch hätte ich aufschreien können, als ich die gebückte Gestalt des

Großvaters an mir vorübergehen sah.

Ob sie sich gewundert haben über die fremde Frau, die so gern das alte

Jagdschloß sehen wollte, und die gar so dicht verschleiert war?......

Wie glücklich würde es mich machen, wenn ich ihnen meine Lou bringen

könnte, mein prächtiges, liebes Mädchen!

Und wie würden sie sich freuen!

Aber das ist alles für mich unmöglich, es ist ein verlorenes Paradies,

in das ich mit brennenden, sehnsüchtigen Augen starre.

Und warum? War es nur _meine_ Schuld, daß ich diesen Weg der Lüge und

der Verstellung wandern muß?

* * * * *

Morgen fahren wir nach E., um von da aus die Heimat meines Mannes zu

besuchen.

Lou freut sich königlich. Sie denkt sich wohl das Häuschen, in dem ihr

Vater geboren, als eine niedliche, kleine Villa. --

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 149 / 209 题