Und müde bin ich, so müde. --

Mein Mann ist von einer Aufmerksamkeit, die geradezu rührend ist. Ob er

etwas ahnt? Noch habe ich ihm nichts gesagt, die Enttäuschung wäre sonst

zu groß. Später. -- --

* * * * *

Weihnachten!

Ich bin beschenkt worden wie eine Fürstin, und doch sagt mein Mann, ich

habe ihm noch viel mehr gegeben.

Er ist außer sich vor Glück. Aber ich glaube, er wünscht sehr, daß es

ein Junge ist. Ich nicht, ich möchte viel lieber ein Mädchen. Jungens

gehören der Mutter nie so lange wie ein Mädchen. --

Und doch sollte ich andererseits gar nicht den Wunsch haben, der Welt

ein solches Wesen zu schenken. Wie leicht kann ihm einmal mein eigenes

Schicksal zustoßen. --

Aber nein! Das sind Hirngespinste.

Ich werde dafür sorgen, daß meine Tochter einst gewappnet ins Leben

tritt. Meine Tochter! Meine Tochter! Welch süßer Klang in meinem Ohr!

* * * * *

Heute bin ich zum ersten Male wieder vollständig außer Bett, und da

sollst du, mein geduldiger Freund, auch sogleich mein neues Glück

erfahren.

Ich bin Mutter!

Weißt du, was dieses Wort bedeutet? Was es für mich bedeutet?

Und auch mein innigster Wunsch ist erfüllt. Es ist ein Mädchen, ein

kleines, süßes Mädchen.

Ob mein Mann enttäuscht war? Ich weiß es nicht, gefühlt habe ich es

nicht. Seine Liebe und Fürsorge gehen ins Ungemessene. --

Und ich? Muß ich dir sagen, _wie_ glücklich ich bin? Das süße, kleine

Geschöpf, dem ich jetzt alles bin!

Mein Mann wollte eine Amme, um mich zu schonen, aber ich gebe mein Kind

keiner fremden Person; das höchste Glück, das kleine Wesen an der Brust

zu haben, gönne ich niemand. --

Drollig ist es, Pit zu beobachten. Er ist richtig eifersüchtig. Wenn ich

das Kind auf dem Schoß habe, weint und jammert er, kratzt an meinem

Kleid und geberdet sich ganz unsinnig. Lege ich das Kind in sein

Bettchen, so springt er mit einem Seufzer der Erleichterung auf meinen

Schoß und kuschelt sich umständlich zurecht, dabei fortwährend

entrüstete Blicke nach dem kleinen Eindringling werfend.

* * * * *

Mein Mann findet, daß mich die Pflege des Kindes zu sehr anstrengt. Ich

soll es nicht mehr stillen oder soll an einen schönen Platz aufs Land,

wo ich gute, frische Milch und reine Luft habe.

Ich gehe also lieber aufs Land, damit ich meinen kleinen Liebling noch

länger ganz für mich allein habe.

Das Kind entwickelt sich prächtig, und mein Mann ist ganz vernarrt.

Seine Enttäuschung über den ausgebliebenen Thronfolger hat er

verschmerzt. Oder hofft er noch? --

Nein, ich möchte keinen Jungen haben. Ein Junge, der mir aus den Händen

wächst und vielleicht auch einmal Wege geht, auf denen die Weiblichkeit

durch den Schlamm gezogen wird. -- --

* * * * *

Mowbray, Rocky Mountains, den 6. Juni.

Ich habe heute eine Begegnung gehabt, die mich bis ins Innerste

erschüttert hat. Alles, die ganze Vergangenheit ist mit einem Schlage

wieder lebendig geworden. --

Ich habe den Doktor getroffen, meinen Doktor!

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 144 / 209 题