Mein kleiner Pit freut sich immer, wenn ich komme. Es ist merkwürdig,
wie anhänglich so ein Tier ist.
Es ist für mich ein Trost, doch etwas zu haben, was mir ganz und gar
gehört; ich möchte mich nie von ihm trennen, ist es doch auch noch ein
Stück Erinnerung an mein kurzes Eheglück. --
* * * * *
Seit drei Tagen sind wir wieder auf See.
Ich habe diesesmal ein kleines, dreijähriges Mädchen in meinem Zimmer,
ein reizendes, kleines Ding.
Die Mutter ist in New York und erwartet dort ihren Liebling.
Eine ältere Dame brachte das Kind in Southampton an Bord. Ich habe sehr
viel zu tun, jede freie Minute muß ich dem Kinde widmen. Es ist nur gut,
daß wir nach drüben zu jetzt nicht so viel Passagiere haben, so bleibt
mir doch etwas mehr Zeit für die Kleine. --
* * * * *
Tagsüber setze ich die Kleine oft ein Stündchen in den Damensalon. Die
Damen beschäftigen sich dann alle gern ein wenig mit ihr, und ich kann
in dieser Zeit etwas anderes erledigen. Auch ein Herr ist zwischen den
Passagieren, der sich oft eine ganze Weile mit dem Kinde beschäftigt.
So nett und lieb spielt er mit ihm, wie ich es einem Manne gar nicht
zugetraut hätte. Heute Nachmittag habe ich ihm eine Zeitlang zugesehen,
ohne daß er mich bemerkte. --
Mir kam Werner in den Sinn. Wie schön, wenn mir dieses Glück beschieden
gewesen wäre. --
Vorbei -- für mich scheint kein ruhiges Glück im Schoße der Zeit zu
harren. --
* * * * *
Heute morgen um zehn Uhr waren wir bei Sandy Hook Feuerschiff und
sollten schon gegen zwölf Uhr am Pier in Hoboken sein.
Aber es wurde nachmittags zwei Uhr, ehe wir anlegten. Wie auf Bestellung
kam ein Nebel, dick wie ein Londoner Novembernebel.
Wir mußten warten, bis es sich wenigstens ein klein wenig aufgeklärt
hatte, um durch die hier stets massenhaft aus- und einfahrenden Schiffe
durchzukommen.
Schrecklich ist so eine Verzögerung. Die Passagiere stellen sich dann
an, als wäre der Kapitän und die ganze Schiffsbesatzung für das Wetter
verantwortlich, und sie verlören durch die kleine Verzögerung mindestens
ein halbes Vermögen.
Unangenehm ist das Warten ja, aber am unangenehmsten doch für die am
Pier stehenden Angehörigen. Diesesmal speziell für die in Angst und
Sorge wartende Mutter der kleinen Elsie.
Sie stand unten, als das Schiff anlegte. Ich hatte das Kind auf dem Arm
und lehnte mich an die Reeling. Durch ihr heftiges Winken wurde ich
aufmerksam und zeigte der Kleinen die Mutter, doch das Kind schien sie
nicht mehr zu kennen.
Der Steg war noch nicht fest, da versuchte die Mutter als erste
heraufzulaufen; man hielt sie fest. Der erste Offizier, der am Fallreep
stand, hatte Mitleid mit der Ärmsten und holte sie herauf.
Nie werde ich den Schrei vergessen, mit dem sie auf mich zustürzte. Sie
wollte mir das Kind aus dem Arm nehmen, brach aber buchstäblich vor
meinen Füßen zusammen. --
O, Mutterliebe, du rätselvolles Heiligtum, wirst du auch mir noch
aufgehen? -- --
Den Bemühungen des Arztes gelang es bald, die junge Frau zur Besinnung
zu bringen. Sie saß dann noch ein Stündchen im Damensalon, ihr kleines
Mädchen neben sich, und freute sich, es glücklich hier zu haben.
Sie wußte gar nicht, wie sie mir danken sollte, daß ich ihr ihren
Liebling gebracht.
Als sie fortging, wollte sie mir etwas geben -- Geld -- ich habe es
nicht genommen. So gern ich Geld verdiene, hier war es mir unmöglich,
etwas zu nehmen. Die Frau sah überdies nicht danach aus, als ob sie mit
Glücksgütern allzu reichlich gesegnet sei. --
Sie will mich in den nächsten Tagen noch einmal besuchen. Darauf freue
ich mich.
* * * * *
Mr. Siegel hatte ich ganz vergessen über meinem kleinen Passagier. Heute
wurde ich wieder an ihn erinnert.
Ein Korb wundervoller Rosen wurde für mich abgegeben. Alle
tiefdunkelrot. -- Der Brief, der die Bestellung enthalten hat, muß mit
uns gegangen sein.
Es ist doch wirklich zu reizend von ihm! Aber -- Vorsicht! War nicht
Herbert Smith auch sehr aufmerksam?
Wir sind in Amerika, im Lande der Freiheit!
Man hüte sich also!
* * * * *
Wir haben noch mehr Passagiere auf der Rückfahrt als wir erwartet
hatten. Alles drängt aus diesem Fegefeuer fort. Uns wird es schon die
paar Tage zu viel.
Im Pier ist aber die Hitze auch zeitweise unerträglich.
Kein Luftzug, dazu nachts diese hochbeinigen Plagegeister, die
Moskitos. --
Am Tage vor der Abfahrt war ein Kohlenzieher an Land gewesen und hatte
des Guten etwas zuviel getan; in seinem Dusel legt er sich zwischen die
Warenballen im Pier und schläft ein.
Am andern Morgen konnte er nicht aus den Augen sehen, so zerstochen war
er. Sein Gesicht sah aus wie eine riesige Melone. --
* * * * *