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Ich werde aufatmen, wenn die Auflegezeit vorüber ist. Ich bin nicht
geschaffen für ein stilles, ruhiges Leben ohne Zweck und Ziel. --
Als Werner noch lebte, drehte sich alles um ihn. Was ich tat, tat ich
für ihn und freute mich immer, wenn alles recht schön bei seiner
Heimkehr war.
Jetzt hab' ich niemand, für den ich sorge, nur meinen kleinen, süßen
Pit, und der braucht so wenig.
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Wieder auf der Fahrt. Ich bin froh, daß die einsamen Tage vorüber sind.
Es geht auf das Frühjahr zu, und wie alle an Bord sagen, gibt es nun
bald viel zu tun. Schon mit dieser Reise beginnt der Passagierandrang
von drüben.
Mir ist es recht. Denn erstens habe ich dann keine Zeit zum Grübeln, und
die Unruhe in mir wird durch die Arbeit zum Schweigen gebracht, und
zweitens verdiene ich hoffentlich bald recht viel Geld und komme meinem
Ziele immer näher. -- --
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Seit Tagen fühle ich mich nicht recht wohl. Es ist eine Hitze im Schiff
zum Ersticken, an Schlaf ist kaum zu denken.
Dazu diese Unruhe in mir! Ich fühle mich so unsicher, eine unbestimmte
Sehnsucht quält mich, wonach? -- -- --
Ich will meinen Schlafrock überwerfen, um noch ein Stündchen auf Deck zu
gehen. -- --
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Das hilft immer. Es ist etwas Großes um diese unendliche Einsamkeit. Nur
das Stampfen der mächtigen Riesen im Innern des Schiffes stört. Wie
schön muß es auf einem Segler sein!
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Ich bin in einer schrecklichen Stimmung in diesen Tagen.
Unzufriedenheit, Mitleid mit mir selbst und ein unbestimmtes Sehnen
liegen mir wie eine Krankheit in den Gliedern.
Und habe ich nicht recht, Mitleid mit mir zu haben? Ist es nicht
wirklich etwas Bedauernswertes, so ein einsames, verlassenes, junges
Geschöpf, wie ich es bin?!
Ein wenig Liebe, ein wenig Güte und Selbstlosigkeit würden mir gut tun,
aber wo sie finden?
Man sagt: die Jugend ist nur glücklich in der Erwartung all des Großen
und Schönen, was das Leben bringen soll, und das Alter ist glücklich,
daß alles vorüber ist. --
Ich habe nicht bemerkt, daß ich jung war, soll ich mir wünschen, alt zu
sein? -- --
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Ich habe eine neue Bekanntschaft gemacht.
Ein Deutschamerikaner, der zu Besuch nach der alten Heimat geht. Vom
ersten Tage an habe ich bemerkt, daß er nach mir sah, wenn ich über Deck
oder durch den Salon ging.
Schon zu verschiedenen Malen hat er versucht, mit mir zu sprechen. Seine
Augen hängen voll unverhohlener Bewunderung an meinem Gesicht. Wenn er
jetzt wieder mit mir anfängt, werde ich ihn fragen, warum er ohne seine
Frau reist.
Ich muß auf der Hut sein, nicht noch einmal darf ich das Recht zu
Selbstvorwürfen haben. --
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Mr. Siegel ist nicht verheiratet. Ich habe ihn gefragt, als er heute mit
mir zu sprechen anfing.
Ich glaube, er hatte mich abgefangen, als ich von der alten Frau
Fletcher kam. Sie ist so krank, daß sie gar nicht aus dem Bett kann, ich
muß sie nun immer für die Nacht fertig machen und tue das meist so gegen
neun Uhr. --
Als ich nun vorhin von der alten Dame kam, stand Mr. Siegel vor dem
Salon und wartete.
Er fragte sofort, warum ich ihm aus dem Wege gehe.
Er scheint ziemlich gerade auf sein Ziel los zu steuern.
Ich sagte ihm, daß ich mich nicht entsinnen könne, ihm aus dem Wege
gegangen zu sein, ich wüßte aber auch nicht, daß es zu meinen Pflichten
gehöre, mich mit den Herren zu beschäftigen. -- --
»Sie wissen ganz genau, was ich von Ihnen will. Sie wissen, daß ich Sie
suche vom ersten Tage an. Sie müßten kein Weib sein, wenn Sie das nicht
bemerkt hätten.«
»Und wenn ich es bemerkt hätte? Was dann?«
»Dann müssen Sie einen Grund haben, mir auszuweichen. Bin ich Ihnen
unsympathisch?«
»Das weiß ich nicht! Darüber nachzudenken hatte ich keine Gelegenheit.
Im übrigen kann es Ihnen ja auch gleichgültig sein, ob ich Sie gern oder
weniger gern mag. In einigen Tagen sind wir in Europa, dann gehen Sie
fort und denken nicht mehr an uns hier. Und für uns kommen andere
Passagiere, so daß auch wir nicht mehr lange über die Fortgegangenen
nachdenken können.«
»Ich werde aber an Sie denken! Und damit auch Sie mich nicht so rasch
vergessen, gebe ich Ihnen hier ein kleines Andenken. In zwei Monaten
komme ich zurück, ich hatte eigentlich schon einen Platz auf dem
»Moltke« belegt, aber das mache ich sofort rückgängig. Ich fahre wieder
mit diesem Dampfer.«
»Das wird wahrscheinlich nichts werden; wir sind ausverkauft bis zum
Herbst hinein.«
»Das ist mir einerlei, und wenn ich im Rauchzimmer auf dem Sofa schlafen
soll, ich komme schon mit.«
Es kamen Passagiere, und ich lief durch den Salon, unwillkürlich das
lange, flache Kästchen, das Mr. Siegel mir in die Hand gedrückt hatte,
unter der Schürze verbergend.
Ich lief in mein Zimmer; ich war neugierig, was es war.
Eine wunderhübsche kleine Tasche aus rötlichem Leder mit altsilbernen
Beschlägen -- so wie sie die Damen in Amerika statt des Portemonnaies
tragen, war in dem Kasten. Wunderhübsch! Ja, aber -- warum habe ich es
angenommen? Ich darf das Ding doch nicht behalten, auf keinen Fall! Und
wie kommt dieser Mensch dazu, mir ein solches Geschenk zu machen? Ob er
die Tasche an Bord gekauft hat? Oder drüben?
Einerlei, was geht es mich an. Sofort morgen früh werde ich mich
erkundigen, wo er wohnt, und werde ihm die Tasche durch seinen
Zimmersteward wieder zurückgeben lassen.