Er war der Besten einer. -- --

Ich nehme sein Kopfkissen, so wie ich es bekommen, und lege mein müdes

Haupt darauf. Ich will darauf schlafen heute nacht. Vielleicht kommt er

zu mir und hält geheime Zwiesprache mit mir.

Ich werde inbrünstig flehen, daß er zu mir kommt.

Ich grabe meinen Kopf in das Kissen, auf welchem er geruht, und denke an

ihn und seine große Liebe, und er wird kommen und wird mir raten, wohin

ich mein Lebensschifflein steuern soll. -- Zur Großmutter gehe ich

nicht; weiß ich doch nicht einmal, ob sie noch lebt. -- --

* * * * *

Er ist nicht gekommen. All mein Bitten, all mein Flehen war umsonst.

Niemand kommt wieder, der in jene geheimnisvollen Fernen ging. --

Ich bin allein mit meinem Gram und meiner Liebe.

Er ist tot, und ich habe ihn verloren.

Ich habe oft darüber gelächelt, wenn ich hörte, daß es Leute gibt, die

vermeinen, sich mit ihren toten Lieben in Verbindung setzen zu können,

jetzt verstehe ich sie. Auch dieser Wahn ist ein Trost. -- Nur zu mir

kommt niemand, weder die Mutter noch er.

Und doch wird er unvergessen sein. Er soll leben in meiner Erinnerung

und in meinem Herzen.

-- Der Tote ist tot und nur der Lebende hat Rechte, sagt man ja wohl.

Bei mir soll auch der Tote sein Recht behalten. -- --

* * * * *

Ich bin so fremd hier geblieben, und das rächt sich jetzt. Kein Mensch

kommt zu mir, niemand sagt mir ein liebes, tröstendes Wort.

In solchen Zeiten merkt man doch, daß es gut ist, wenn der Mensch zum

Menschen geht.

Nur vom Kontor kommt ab und zu ein Herr zu mir. Er hat mir auch Werners

noch ausstehendes Gehalt gebracht und zudem eine kleine Summe, die jede

Witwe beim Tode ihres Mannes von der Gesellschaft erhält.

Ich bin also nicht ganz mittellos, für einige Monate hätte ich zu leben.

Aber was dann?

Die Frage wird immer dringender. Das Leben ist brutal in seinen

Forderungen.

In meinen Schmerz und in meine Trauer drängt sich gewaltsam die Sorge

ums tägliche Brot. --

* * * * *

Als ich heute Herrn Rehm meinen Wunsch andeutete, daß ich so gern nach

drüben an das Grab meines Gatten möchte, macht er mir einen Vorschlag,

der mir zuerst ganz ungeheuerlich, bei längerem Nachdenken aber gar

nicht so übel erscheint.

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 109 / 209 题