»Wie ist mir denn,« murmelte Werner vor sich hin, »den muß ich doch
kennen!« Dann wandte er sich und schritt dem andern nach zur Toilette.
Ich wollte ihn zurückhalten, doch meine Hand fiel kraftlos in den Schoß.
Was hätte es auch genützt. Ich hatte geahnt, daß es so kommen mußte.
Die Welt ist so groß, so unendlich groß, und doch zu klein für ein
wundgeschossenes Geschöpf, um sich verkriechen zu können. -- --
Als Werner kam, stand ich sofort auf; schweigend half er mir in den
Mantel; schweigend verließen wir das Lokal.
Als wir einige Schritte gegangen waren, nahm er meinen Arm und zog ihn
unter den seinen; ich wagte kaum, ihm in die Augen zu sehen. --
»Es war ein Schiffsarzt,« sagte er nach einigen Minuten, »ich habe ihn
zur Rede gestellt wegen seiner Ungebührlichkeit; er kennt dich --
leider; er ist einmal drüben gewesen bei der Rottmann. Na, weine nur
nicht, diesem edlen Herrn können wir ja aus dem Wege gehen. Aber meine
Meinung habe ich ihm wenigstens gesagt!«
Ich antwortete nicht. Ich schluchzte krampfhaft in mein Taschentuch. Die
Vorübergehenden sahen uns nach, sie hielten uns wohl für ein Liebespaar,
das sich verzankt hatte. --
Als wir zu Hause ankamen, warf ich mich angekleidet aufs Bett und
schluchzte jammervoll; Werner hatte Mühe, mich zu beruhigen.
»Was ist denn weiter geschehen, Liebling? Rege dich doch nicht so
furchtbar auf. Was liegt an diesem Laffen? Wir beide sind zufrieden, das
ist die Hauptsache.«
Du Armer! Zufrieden, ich und zufrieden! Ja, wenn die Schatten der
Vergangenheit nicht so unbarmherzig auf das bißchen Licht fielen, das
mich jetzt umleuchtet.
Nun mache ich auch ihn noch unglücklich! Diesen Einzigen, der mir den
Glauben an die Menschheit wiedergeben konnte.
Es ist zum Wahnsinnigwerden!
Immer und immer wieder möchte ich rufen: Warum mir das alles? Warum dies
übervolle Maß für mich?