Der Doktor war hier. Er ist doch treu. --

Aber klug ist er, das muß ich sagen; na, er muß es ja am besten wissen,

er kennt die Verhältnisse hier im Lande und wird schon alles gut

einrichten.

Zuerst kümmerte er sich scheinbar gar nicht um mich, trank mit der Mary

ein Flasche Wein und kam dann erst zu mir.

Er hatte einen Brief für mich -- von Werner -- nur einige Zeilen.

Ich bin so glücklich, obgleich es nun noch etwas länger dauert.

Werner schreibt mir, daß sein Schiff zehn Tage überliegt, aber dann holt

er mich bestimmt, ich soll ihm vertrauen.

Der Doktor war sehr vorsichtig, er gab mir den Brief erst, nachdem er

mit mir im Zimmer war, und als ich ihn gelesen, mußte ich ihn

zerreißen, und er steckte die Stückchen in die Tasche. --

Er selbst hat Werner geraten, nicht an mich direkt zu schreiben, denn es

hätte auffallen müssen, wenn ich einen Brief von Europa bekommen hätte.

Er hat recht, daran habe ich gar nicht gedacht. Überhaupt habe ich mir

noch gar nicht überlegt, daß ja niemand meinen Familiennamen weiß. Man

vergißt ihn hier beinahe. Man ist wie im Zuchthaus -- nur eine Nummer.

Ich hatte überhaupt meinen guten Tag heute, nur anständigen Besuch. Von

einem habe ich sogar ein wunderschönes Geschenk bekommen, eine reizende,

brillantenbesetzte Uhr.

Ich war ganz sprachlos.

Ich habe sie später Bronja gezeigt, die hat aber meine Freude mächtig

gedämpft.

»Der hat sie sicher erst gestohlen,« sagte sie trocken. »Denn sonst

verschenken sie nicht so leicht so kostbare Dinger.«

Meinetwegen, ich freue mich trotzdem.

Aber recht könnte Bronja schon haben, etwas sonderbar ist es. Kennt mich

nicht weiter und schenkt mir gleich eine Uhr?

Na einerlei!

* * * * *

Es gibt auch kleine Lichtblicke im Dunkel unserer Existenzen. Wenigstens

muß ich es so nennen, wenn ich jemand sagen höre, daß er gern hier ist.

Die Lilly wenigstens sagt, ihr gefiele das Leben ganz gut und sie

wünsche sich auch nie etwas anderes. --

Geschmacksache ist es natürlich, aber ihr bekommt es ja auch

anscheinend, denn sie wird dick und fett dabei. --

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 78 / 209 题