Wir sollten zu Bett, damit wir abends wieder frisch wären. --

Ja, ja, das Geschäft! Das ist die Hauptsache. Ob dabei sonst etwas

zugrunde geht, das kümmert sie wenig. --

Heut' tut mir die arme Mary leid, sie hat sicher den Verdienst von

einigen Wochen geopfert und niemand genützt. -- --

* * * * *

Ich glaube, ich liebe Werner. Ich sehne mich so nach ihm, daß ich es

bald nicht mehr aushalte. Oder ist es die Sehnsucht nach Freiheit? Ich

weiß es wirklich nicht. Meine Gedanken gehen zuweilen ganz

absonderliche Wege.

Wenn er mich liebte! Wenn er mich doch heiratete! Ich selbst mag ihn

gern leiden -- sollte es Liebe sein? Es wäre ein großes Glück für mich.

Aus aller Not und allem Schlamm wäre ich heraus. Und niemand kennt mich

dort, wo er mich hinführt, niemand weiß, woher ich komme. --

Aber nein, das darf nicht sein. Ich darf seine Güte nicht mißbrauchen.

Es wäre schlechter Lohn für ihn -- und vielleicht auch für mich, wollte

ich den lockenden Stimmen meines Innern nachgeben. --

Das Bewußtsein, wo ich gewesen -- von welchem Ort er mich geholt, würde

in jede Stunde, auf jede harmlose Freude einen Schatten werfen.

Meine Träume aber kann mir niemand rauben. Sie sind so tröstend, aber

ach so unwirklich, wenn ich meinen jetzigen Aufenthalt bedenke.

Die Nächte sind so heiß -- so wollüstig -- so voll prickelnder Unruhe.

Ist es Sünde, wenn ich an den fernen Freund denke, wenn mein Blut

aufgepeitscht wird durch aufreizende Getränke und die Berührung heißer,

sinnenzuckender Körper?

Ist es Sünde, wenn ich ihn vor mein geistiges Auge zaubere, um damit die

erzwungene Umarmung erträglicher zu machen? --

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 76 / 209 题