Die armen Dinger! Ich bin überzeugt, es sind ein paar arme Dienstmädchen
vom Lande oder so was Ähnliches. Sie waren so schüchtern und linkisch,
und an ihren Händen und Armen konnte man noch sehen, daß sie bis jetzt
wenig gepflegt worden waren.
Mein eigenes Unglück steht mir mit erneuter Klarheit und Stärke wieder
vor Augen. Könnte ich doch mit ihnen sprechen, sie fragen, ob sie sich
in ihr Schicksal ergeben, oder ob sie auch versuchen wollen, hier wieder
fortzukommen.
Aber ich darf noch nicht einmal gleich zu ihnen hingehen, sonst erwecke
ich das Mißtrauen der Rottmann, und ich muß jetzt doppelt auf der Hut
sein. --
Die Viola sagte kürzlich zu mir, ich sei noch gut behandelt worden, wenn
ich bloß hätte hungern müssen. Sie selbst sei noch viel schlimmer
hereingefallen. --
Vor fünf Jahren hatte sie eine Stelle als Erzieherin nach New Orleans
angenommen.
Alles sei sehr schön abgemacht gewesen, freie Überfahrt auf einem
französischen Dampfer. Drüben sei sie von einem Diener in Livree
abgeholt worden, kurz und gut, alles habe sich aufs feinste angelassen.
Auch beim Betreten des Hauses sei ihr noch kein Zweifel gekommen.
Aber dann! Schon am ersten Abend wollte man sie einkleiden, und da waren
ihr plötzlich die Augen geöffnet worden.
Sie hatte dann sofort gewußt, wo sie war, da sie schon öfter derartige
Sachen gelesen hatte.
Sie hat geweint, gebeten, gedroht und Gott weiß was versucht, es hat
alles nichts genützt. Und als sie sich geweigert hat, »Dienst« zu tun,
da hat sie ein Kerl -- jedenfalls der extra dafür angestellte Bändiger
-- gebunden und geknebelt und derart mit einem Gummischlauch geschlagen,
daß sie tagelang nicht hat liegen können ohne die fürchterlichsten
Schmerzen.
Als sie nach sechs Tagen wieder aufstehen konnte, hat die Madame gesagt:
»Na, mein Kind, hast du dich besonnen?« Da hat sie schaudernd zu allem
ja gesagt.
Sie sagt, nie in ihrem Leben würde sie diese Züchtigung vergessen; sie
habe das Gefühl gehabt, als hinge ihr das Fleisch in Streifen vom
Körper. --