Aber er hat doch einen Plan. Sie wollen mich entführen. --

Wenn Herr Werner jetzt wieder kommt, will er all sein Geld mitbringen,

das er auf der Sparkasse hat. Aber es soll nicht für die Rottmann,

sondern zu andern Zwecken verwendet werden.

Geld müßten wir in Händen haben, sonst sei nichts zu machen.

Der Doktor will alles besorgen in der Zeit, da Werner fort ist, und er

will währenddem auch noch einige Male wiederkommen.

Ich hätte laut aufjubeln mögen, dabei mußte ich ein gleichgültiges

Gesicht machen. -- --

Werner ging mit mir nach oben, und der Doktor wartete unten, bis wir

wiederkamen.

Ich habe Werner fast erdrückt vor Zärtlichkeit, und gern gab ich mich

ihm an diesem Abend. --

Ich hab' ihm soviel gelobt, heiraten darf er mich nicht -- obgleich er

eine Andeutung machte -- dazu bin ich zu schlecht. Aber dienen will ich

ihm, dienen wie eine Magd, damit ich die Schuld abtrage. --

Ich hätte so gern einmal aufgejubelt, nur einmal -- aber ich mußte still

sein. -- --

Als wir nach unten kamen, saß der Doktor noch da. Er ist dann zum Schein

mit mir nach oben gegangen. Er hat sein Geld aber umsonst bezahlt, wir

haben nur noch ein wenig geplaudert. --

Die beiden Herren sind dann zusammen fortgegangen, sie wollten nach

Lüchow, um noch ein Glas Pilsener zu trinken und alles Nötige zu

besprechen. -- --

Die »Augusta Viktoria« fährt morgen, und mein Freund kommt nicht wieder.

Aber nächste Reise! Ob ich es wohl aushalte?

Und dabei muß ich so gleichgültig tun, damit nichts auffällt, sonst bin

ich womöglich fort, wenn das Schiff wiederkommt. --

Aber wenn ich allein im Zimmer bin und an die Zukunft denke, dann

krieche ich oft unter die Bettdecke, balle das Taschentuch vor dem Munde

zusammen und schreie laut auf; und wenn es auch nur ein undeutliches

Grunzen wird, ich habe mich doch erleichtert. -- --

* * * * *

Den 20. August.

Schrecklich ist es doch, was das Leben aus all diesen Mädchen gemacht

hat. Sie betrachten ihr Handwerk als etwas ganz Selbstverständliches.

Alle wollen Geld verdienen, und die Wenigsten haben etwas. --

Bronja sagt auch, daß es nur sehr Wenige gibt, die sich hier wieder

herausarbeiten. Die weitaus Meisten enden an der Ostseite, am Fluß

unten, in den Verbrecherkellern.

Wenn sie zu nichts sonst mehr taugen, dann verdienen sie immer noch

einige Cents für ihre Zuhälter, bis sie eines Tages abgefangen werden

oder bei einer Schlägerei umkommen. --

Mir ist das unbegreiflich. Es muß herauszukommen sein, wenn der feste

Wille da ist.

Ich glaube nur, die meisten der Mädchen wollen auch nicht ernstlich. Das

faule Leben, das Saufen -- denn trinken kann man es wirklich nicht mehr

nennen -- gefällt ihnen. Des Nachts wird gefeiert dann bis in den

Nachmittag hinein geschlafen und dann geht's von neuem los. -- Viele

sind auch schon nach kurzer Zeit derart verdorben, daß sie für ein

anständiges bürgerliches Leben gar nicht mehr zu gebrauchen sind. Auch

die Mädchen untereinander sind oft widerlich. Das ist ein Küssen und

Umarmen, als ob sie noch nicht genug an dem aufgezwungenen Verkehr

hätten. --

Ich bin nicht genug in die Geheimnisse des Geschlechtslebens eingeweiht,

aber so viel merke ich doch, daß da etwas vorgeht, was _nicht_ sein

darf. Etwas Unerlaubtes, Anormales.

Die Rottmann paßt aber auf, und ich habe schon verschiedene Male gehört,

wie sie die eine aus dem Zimmer der anderen holte. Ich glaube sogar, sie

schlägt sie, schimpfen tut sie wenigstens genug.

Mir ist die ganze Sache überaus widerlich!

Überhaupt mag ich das ewige Küssen untereinander nicht. Die Ulli ist

darin schrecklich. --

Kürzlich fragte sie mich sogar, ob ich nicht ihre Freundin sein wolle.

Ich habe mich bestens bedankt.

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 68 / 209 题