Er kommt noch einmal wieder. -- --

Wenn er dann doch allein ins Zimmer käme. Ich würde ihn bitten, mir

herauszuhelfen. Aber er wird's auch nicht wollen. Die Menschen machen

sich nicht gern Unannehmlichkeiten mit Leuten, die sie nichts

angehen. --

Wenn ich so allein hier liege, mache ich mir allerlei Gedanken.

Dumm bin ich doch gewesen, sehr dumm.

Wie kann man als junges Mädchen mit einem wildfremden Menschen in die

Welt hineingehen! Wenn ich auch erst sechzehn Jahre alt bin, so viel

hätte ich doch bedenken müssen. Freilich, besser wäre es gewesen, ich

hätte schon früher etwas von solchen Sachen gelesen, dann wäre mir

vielleicht doch der Gedanke gekommen, könnten das womöglich auch solche

Menschen sein? -- --

Aber soviel weiß ich, komme ich je hier aus diesem Hause -- und ich habe

den festen Glauben daran -- dann soll das, was ich hier erlebt, nicht

umsonst gewesen sein. -- --

Ich freue mich jetzt so, daß ich mein Tagebuch habe; da kann ich doch so

recht mein Herz ausschütten. Etwas muß der Mensch haben. Briefe kann ich

nicht schreiben, und ich glaube auch kaum, daß ein Brief von mir aus dem

Hause gelassen würde.

An wen sollte ich auch schreiben?

Für die Großeltern bin ich tot, und hier im Lande habe ich keine Seele,

die sich um mich sorgt.

Was mögen wohl die lieben, alten Leute für Kummer gehabt haben, als sie

erfahren haben, daß ich nicht bei den Verwandten angekommen bin?

Vielleicht haben sie gedacht, ich bin kurz vorher über Bord gefallen.

Denn ich bin doch spurlos verschwunden. Nur Frau Fröhlich und ihr

sauberer Neffe könnten Auskunft geben, und die werden sich hüten.

* * * * *

Ich möchte nur wissen, wo mein Koffer ist. Die Rottmann sagte doch

damals, sie hätte ihn holen lassen.

Mich wundert nur, daß die beiden ihn nicht behalten haben, jedenfalls

ist ihnen der Inhalt zu gewöhnlich gewesen. --

Wie froh wäre ich, könnte ich meine Wäsche anziehen, die darin war. Wie

gern würfe ich den ganzen Plunder von mir.

Damit will ich nicht sagen, daß ich die feinen Sachen nicht mag, ganz

gewiß nicht! Schön ist es, so zarte Stoffe zu tragen -- aber unter

diesen Umständen! Ja, wenn ich reich wäre -- recht reich --, dann würde

ich auch feine seidene Hemden tragen und mich an meiner Schönheit freuen

-- aber so!

Ich sei schön, sagen sie -- und wenn ich mich zuweilen im Spiegel

betrachte, komme ich mir so unrein vor, so fleckig, so -- pfui Teufel,

habe ich dann einen merkwürdigen Geschmack auf der Zunge. --

Dann hätte ich auch Lust, mir dicken Puder an Gesicht und Hals zu

schmieren, wie sie's alle hier machen. -- -- --

* * * * *

Ich hab's gewagt!

Also, der Doktor war wieder da. Die Madame stand dabei, und trotzdem

habe ich sie angeführt. --

Ach, ich bin so froh, so glücklich, vielleicht hilft es was.

Weil ich mir denken konnte, daß die Alte wieder dabeistehen würde, hatte

ich schon vorher ein kleines Stückchen Papier ganz eng beschrieben.

Alles hatte ich darauf geschrieben, was wichtig war. --

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 63 / 209 题