Müde schlief ich endlich wieder ein. -- --

Das Geräusch einer schließenden Tür weckte mich. Als ich die Augen

aufschlug, war es Tag, und die Frau von gestern stand vor meinem Bett.

»Nun, ausgeschlafen?« fragte sie.

Ich sah sie verständnislos an.

»Wo ist Herbert?« fragte ich, nachdem ich meine Gedanken einigermaßen

gesammelt hatte.

»Sie meinen Herrn Smith? Der hat noch gestern wieder abreisen müssen,

liebes Kind. Aber er kommt wieder, sobald er nur irgend kann. Seien Sie

nur zufrieden, Sie sind bei Freunden. Sie werden es gut bei uns haben,

wenn Sie schön artig und vernünftig sind.«

»Aber wo bin ich denn! Bei wem?« fragte ich dringend. »Ich muß doch zu

meiner Tante!«

»Es ist leider niemand gekommen, der Sie hat abholen wollen. Wir haben

gestern sofort nachfragen lassen. Sie müssen deshalb schon bei uns

bleiben. Nun ruhen Sie sich nur noch recht schön aus, ich schicke Ihnen

gleich etwas Frühstück herauf. Später kommen Sie dann auch mal herunter

in den Salon. Vorläufig ruhen Sie noch.« -- --

Sie ging, und ich war wieder allein. Doch nicht lange.

Ein Mädchen kam und brachte mir Kaffee und Gebäck.

Aber wie sah die Person denn aus! Schrecklich! Wie konnte man denn so

ein Geschöpf um sich haben? Ganz entzündete Augen und auch sonst so

ekelhaft.

Sie sah mir den Widerwillen wohl an und lachte häßlich.

»Wenn du Glück hast, mein Engel, so siehst du eines Tages auch so hübsch

aus,« sagte sie frech.

»Wie meinen Sie das?« fragte ich.

Sie antwortete nicht, drehte sich um und ging hinaus.

Ich mochte nichts anrühren von dem, was dieses Geschöpf in den Händen

gehabt hatte. Der Kaffee wurde kalt.

Doch in meinen Eingeweiden wühlte der Hunger; ich war jung und gesund

und hatte seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen. Nach und nach

trank ich den kalten Kaffee und aß auch das Gebäck. Ich wollte endlich

aufstehen und mich nach meinen Wirten umsehen. -- Ich suchte nach

meinen Kleidern, sie waren nicht da. Ich sah mich um, nichts war zu

sehen, auch keine Klingel, um jemand herbeizurufen.

Mein Gott, was bedeutete das alles?! Wo war ich nur? Ich tat das

einzige, was mir übrig blieb, ich kroch wieder ins Bett.

Wie lange ich gelegen -- ich weiß es nicht, ich mußte wohl wieder

eingeschlafen sein. --

Ein Geräusch schreckte mich auf, meine Wirtin stand wieder vor mir. Ich

sprang rasch aus dem Bett und fragte nach meinen Kleidern.

»Ihre Kleider sind ganz verdorben, liebes Kind. Sie sind ein wenig krank

gewesen gestern. Aber ich habe Ihnen hier ein schönes neues Kleid

mitgebracht, das ziehen Sie an.«

Mit diesen Worten legte sie ein wunderbares Gebilde von Spitzen und

durchsichtigem Mull auf das Bett.

In meiner grenzenlosen Dummheit freute ich mich über das schöne Zeug.

»Oh, von Herbert!« rief ich erfreut.

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 46 / 209 题