+einer Sache+ anmaßen (gewöhnlich: sich +eine Sache+ anmaßen), +sich
jemandes annehmen+, +sich einer Sache bedienen+, +sich einer Sache
befleißigen+, +begeben+, +bemächtigen+, +bemeistern+, +bescheiden+,
sich einer Sache +entäußern+, +enthalten+, +entschlagen+, +entsinnen+,
+erbarmen+ (gewöhnlich: sich +über etwas+ erbarmen), sich einer +Sache
erdreisten+, +erfrechen+, +erfreuen+ (oder: sich +an etwas+ erfreuen),
+erinnern+, +erkühnen+, +erledigen+, +erwehren+, +freuen+, +getrösten+,
+rühmen+, +schämen+, +unterfangen+, +vergewissern+, +vermessen+,
+versehen+, +versichern+, +weigern+, +verwundern+ (gewöhnlich: sich
+über etwas+ wundern). Einige Reflexiva werden nur noch in formelhaften
Wendungen mit dem Genitiv verbunden, z. B.: sich +eines Besseren+
besinnen, sich +Rats+ erholen, sich +seiner Haut+ wehren u. a.
~e~) Statt des Genitivs gebraucht man gewöhnlich +Präpositionen+ bei
folgenden Verben:
+An+ mit dem +Dativ+ bei: mangeln, sich erfreuen, z. B.: Du ließest
es +an+ +gutem Rat+ nicht mangeln. Ich erfreue mich +an dem Grün+ der
Wiesen.
+An+ mit dem +Akkusativ+ bei: denken, gedenken, sich erinnern,
gemahnen, mahnen, z. B.: Denke +an die vergangene Zeit+! Erinnere dich
+an dein Versprechen+. Das gemahnt mich +an die alte Freundschaft+.
+Auf+ mit dem +Akkusativ+ bei: achten, harren, warten, sich besinnen.
Ich achte +auf diese Erscheinung+, harre, warte +auf dich+ usw.
+Nach+ bei: verlangen, es gelüstet mich. Auch +begehren+, das meist mit
dem Akkusativ verbunden wird (vgl. S. 78), regiert in der Bedeutung:
„sehnend verlangen“ ein präpositionales Objekt, das durch +nach+
angeknüpft wird.
+Über+ mit dem +Akkusativ+ bei: walten, lachen, spotten, belehren, sich
erbarmen, sich freuen, sich wundern.
+Von+ bei: entbinden, entblößen, entledigen, entsetzen, entwöhnen, sich
enthalten. +Überzeugen+, das früher auch mit dem Genitiv verbunden
wurde, wird jetzt nur noch mit einem präpositionalen Objekte verbunden:
einen +von etwas+ überzeugen.
Bei anderen Verben bedient man sich in der prosaischen Rede statt des
+Genitivs+ einer Umschreibung durch den +Infinitiv mit zu+, z. B.: Er
erdreistet, erfrecht, erkühnt sich +zu kommen+. Er vermißt sich, das
Werk +zu vollbringen+; er unterfängt, unterwindet sich, mit ihm +zu
reden+; er weigert sich +zu gehen+ usw. Die Verben +sich entblöden+[30]
und +sich unterstehen+, die früher auch mit dem Genitiv verbunden
wurden, lassen gegenwärtig nur noch die angegebene Konstruktion zu,
z. B.: Du solltest +dich entblöden+ (d. i. dich scheuen, schämen), aus
diesem Ton +zu reden+. +Wieland.+ Ich werd’ mich unterstehen, euch +das
zu wehren+. +Schiller.+ In der Frage: „+Was+ unterstehst du dich?“
ist der Akkusativ an die Stelle des älteren Genitivs getreten: „+Wes+
unterstehst +du dich+?“ Ebenso in: +Das+ (früher: des) unterstehst du
dich!
~f~) Über den +prädikativen Genitiv+, der mit dem +Objektsgenitiv+
nicht verwechselt werden darf, vgl. I, 183 Anm. 1.
4. Verben mit schwankender Rektion.
+angehen+ (in der Bedeutung: +betreffen+) ist mit dem +Akkusativ+,
nicht mit dem Dativ zu verbinden. Das geht +dich+ (nicht: +dir+)
nichts an. Unrichtig sagt also +Fichte+: Das geht +dem Weibe+ nichts
an.
+ankommen+ (in der Bedeutung: +befallen+) regiert den +Akkusativ+,
z. B.: Es wird +dich+ Angst ankommen. +Luther.+ Da kam +mich+
Furcht und Zittern an. +Luther.+ Doch kommt +mich+ bald die Lust
zu schreiben wieder an. +Opitz.+ Doch hat sich neben dem Akkusativ
allmählich auch der +Dativ+ eingebürgert; dieser findet sich bei
+Goethe+, +Schiller+, +Herder+, +Bürger+ u. a. Man kann daher auch
sagen: +Mir+ kommt ein Grauen an.
+ankommen+ (in der Bedeutung: +werden+, verbunden mit Adverbien)
regiert den +Dativ+, z. B.: es kommt +mir+ sauer an (d. i.: es +wird+
mir sauer), es kommt mir +leicht+, +schwer+, +hart+ an.
+anwandeln+ regiert den +Akkusativ+: Was wandelte +den Ritter+ an?
+Schiller.+ -- Es schien +ihn+ gleich nur anzuwandeln, mit dieser
Dirne geradehin zu handeln. +Goethe.+ Mich wandelt Furcht, Angst,
eine Schwäche usw. an. -- Neben dem Akkusativ findet sich wie bei
+ankommen+ auch der Dativ, z. B.: Wenn +ihr+ nur nicht ein unzeitiger
Appetit anwandelt. +Weiße.+ -- Es wandelte +ihr+ plötzlich eine
kleine Schwachheit an. +Lessing.+ -- Namentlich in den Formen, die
mit +sein+ gebildet werden, wird der +Dativ+ gebraucht: Ich weiß
nicht, was +ihm+ angewandelt ist. Doch kann man auch hier sagen: Ich
weiß nicht, was +ihn+ angewandelt ist.[31]
+anfechten+ ist nur mit dem Akkusativ zu verbinden. Was ficht +dich
an+?
+sich anmaßen+ wird mit dem +Dativ der Person+ und +Akkusativ der
Sache+ verbunden, z. B.: Ich maße +mir ein Vorrecht+ an. -- Doch
findet sich in dichterischer Sprache auch der +Akkusativ der Person+
und der +Genitiv der Sache+, z. B.: Nicht unwürdig hab’ ich +mich des
Bundes angemaßt+ mit deiner Tochter. +Schiller.+ Der Konstruktion mit
dem +Dativ+ ist der Vorzug zu geben.
+anliegen+ ist nur mit dem +Dativ+ zu verbinden, z. B.: Lag sie +mir+
an mit unabläss’gem Flehn. +Schiller.+ Der Akkusativ, der sich bei
Lessing, Klopstock, Jean Paul, Putlitz u. a. findet, ist +unrichtig+
und nicht zu gestatten.
+begegnen+ regiert nur den +Dativ+ und wird mit +sein+ konjugiert,
z. B.: Ich +bin dir+ begegnet. Andere Konstruktionen, die bei
+Lessing+, +Schiller+ u. a. sich finden, sind nicht gut zu heißen.
+belieben+ wird gewöhnlich unpersönlich konstruiert, z. B.: +es
beliebte dir+, nicht zu kommen. Doch ist auch die persönliche
Konstruktion nicht ungebräuchlich: +Du beliebtest+ nicht zu kommen.
Beide Konstruktionen sind statthaft.
+bedeuten+ (in dem Sinne von: belehren, unterweisen) wird mit dem
+Akkusativ+ verbunden, z. B.: Therese bedeutete +den Verwalter+ in
allem; sie konnte ihm von jeder Kleinigkeit Rechenschaft geben.
+Goethe.+ -- In dem Sinne: „zu verstehen geben“ regiert +bedeuten+
den +Dativ+, z. B.: er ließ +mir+ bedeuten, daß ich schweigen sollte.
+beneiden+ regiert den Akkusativ: einen beneiden, einen um etwas
beneiden. +Um dies Vergnügen+ muß +mich+ ein Prinz beneiden.
+Gellert.+ -- Früher wurde +beneiden+ zuweilen auch mit dem Dativ der
Person und dem Akkusativ der Sache verbunden, z. B.: Die ganze Welt
wird +dir dein Glück+ beneiden. Ich beneide +ihm diese Lobsprüche+
nicht. +Lessing.+ Diese Konstruktion ist veraltet.
+betten+ (d. i. ein Bett machen, eine Schlafstätte bereiten)
regierte ursprünglich den +Dativ+. Stehe auf und bette +dir+ selber.
Apostelgesch. 9, 34. -- Seit Goethe hat sich dagegen der +Akkusativ+
eingebürgert, so daß +betten+ so viel heißt wie: +zu Bett legen+,
z. B.: Du bettest +dich+ auf Stroh, man hat +ihn+ schlecht gebettet
usw. Beide Kasus sind statthaft.
+bezahlen+ wird entweder bloß mit dem +Akkusativ der Person+
verbunden, z. B.: ich bezahle +dich+ noch heute, oder mit dem +Dativ
der Person+ und dem +Akkusativ der Sache+, z. B.: ich bezahle +meine
Schuld+, ich +bezahle dir meine Schuld+.
+dünken+ (deuchte, gedeucht, vgl. I, 167) regiert den Akkusativ:
+Mich+ dünkt. Der Dativ ist zu verwerfen.
+ekeln.+ Man sagt entweder unpersönlich: +Mir+ (besser als: +mich+)
ekelt vor einer Sache; oder reflexiv: +Ich ekle mich+ vor einer
Sache; zuweilen kommt auch die Konstruktion vor: Die Sache +ekelt+
mich (gewöhnlich: Die Sache +ekelt+ mich +an+).
+gelten+ (in der Bedeutung: betreffen, auf etwas gerichtet sein,
etwas zum Ziele haben) wird mit dem Dativ verbunden, z. B.: Der
Anschlag galt +deinem Leben+, die Kugel galt +dir+ usw. Wird dagegen
+gelten+ unpersönlich gebraucht in der Bedeutung: es kommt an auf
--, oder: es steht auf dem Spiele, so tritt die +Sache+, auf die es
ankommt oder die auf dem Spiele steht, in den Akkusativ, z. B.: es
gilt dein Leben, dein Vermögen, einen festen Entschluß, einen harten
Kampf, eine rasche Entscheidung usw.
+getrauen.+ Man sagt besser: „Ich getraue oder traue +mich+, etwas zu
tun“, als: ich getraue +mir+, etwas zu tun.
+helfen+ wird mit dem +Dativ+ verbunden. Dein Glaube hat +dir+
geholfen. +Luther.+ -- Früher wurde es mit dem +Dativ+ nur in der
Bedeutung: „beistehen, Hilfe leisten“ verbunden, dagegen in der
Bedeutung: „fördern, weiter bringen“ mit dem +Akkusativ+. Was hilft
+dich’s+, daß du in Ägypten zeuchst? +Luther.+ All mein Wirken und
Schonen hilft +mich+ nichts. +Goethe.+ Doch ist auch in dieser
zweiten Bedeutung jetzt nur der +Dativ+ üblich, z. B.: Das hilft
+dir+ alles nichts.
+kleiden+ regiert nur den +Akkusativ+, auch in der Bedeutung: passen,
stehen. Also: Dieser Hut kleidet +dich+ (nicht: dir) gut.
+kosten+ (in der Bedeutung: zu stehen kommen) kann sowohl mit dem
+Dativ+, als auch mit dem +Akkusativ+ verbunden werden: Dieses Werk
hat +mir+ oder +mich+ viel Anstrengung gekostet, das Fest kostet
+ihm+ oder +ihn+ viel Geld. Es kostet +mich+ viel Zeit. +Lessing.+ Es
kostet +dir+ ein einzig Wort. +Schiller.+ Diese Tat kostet +ihm+ oder
+ihn+ das Leben. -- Ebenso wird: +zu stehen kommen+ mit dem +Dativ+
oder +Akkusativ+ verbunden, z. B.: Diese Erkenntnis kommt +ihm+ oder
+ihn+ teuer zu stehen.
+liebkosen+ regiert ursprünglich den +Dativ+: Der Vater liebkost
+dem Knaben+, ebenso in passivischer Form: +Dem+ Knaben wird von
dem Vater geliebkost. Der Gebrauch hat aber das Verbum in ein
+transitives+ verwandelt und gibt dem +Akkusativ+ den Vorzug: Der
Vater liebkost +den Knaben+ und: +Der Knabe+ wird von dem Vater
geliebkost. Da sich der Akkusativ einmal eingebürgert hat, sind beide
Kasus zu gestatten.
+lohnen+ regiert den +Dativ der Person+ und den +Akkusativ der
Sache+, z. B.: Er +hat mir meine Dienste+ übel gelohnt. -- Es wird
jedoch auch bloß mit dem +Dativ der Person+ oder +der Sache+ (die
dann personifiziert erscheint) verbunden, z. B.: +Ihm+ lohnt der Ton,
der aus der Kehle dringt. +Chamisso.+ Gott lohnt +dem Fleiße+. --
Ferner kann +lohnen+ auch bloß den +Akkusativ der Sache+ oder +der
Person+ regieren, z. B.: Der Erfolg lohnt +die Mühe+, +den Fleiß+
nicht. Wer hohen Muts sich rühmen kann, +den+ lohnt nicht Gold, +den+
lohnt Gesang. +Bürger.+ -- Das unpersönliche: +es lohnt+ oder +es
lohnt sich+ dagegen wird mit dem +Genitiv+ verbunden, z. B.: es lohnt
+der Mühe+, es lohnt (oder +verlohnt+) sich nicht der Mühe.
+nachahmen+ regiert den +Dativ der Person+ und den +Akkusativ
der Sache+: ich ahme +dir etwas+ nach. -- Es kann nun auch der
bloße Dativ der Person stehen: er ahmt +dem Horaz+ nach, oder der
bloße Akkusativ der Sache: er ahmt +die Oden+ des Horaz nach. --
Doch kann auch die Person in den Akkusativ treten, und hier gilt
folgende Regel: Bedeutet +nachahmen+ so viel wie: „einem Vorbilde
nachstreben“, so wird es mit dem +Dativ+ verbunden, z. B.: das Kind
+ahmt dem Vater+ nach, er ahmt +den+ größten +Dichtern+ nach usw.;
heißt es aber so viel wie: „nachbilden, kopieren“, so regiert es den
+Akkusativ+, z. B.: der Schauspieler ahmt auf der Bühne täuschend
+einen Kranken+, +einen Dichter+, +einen Franzosen+ usw. nach. „Er
ahme +ihnen+ (den Menschen), aber nicht wie jener amerikanische
Vogel, der die +Stimme+ anderer Vögel nachahmt, unverständig und
knechtisch nach.“ +Herder.+
+nachsuchen ist intransitiv.+ Man sagt: ich suche +um etwas+ nach.
Doch findet sich +nachsuchen+ auch transitiv gebraucht: ich suche
+etwas+ nach. Dem +intransitiven+ Gebrauche ist aber der Vorzug zu
geben.
+rufen+ kann mit dem +Dativ+ oder +Akkusativ+ der Person verbunden
werden. Mit dem +Dativ+ heißt es: +einem zurufen+, d. h. einem durch
laute Stimme ein Zeichen geben, daß er aufmerke, z. B.: Der Herr rief
+dem Samuel+, +dem Moses+. Wer ruft +dem Heer+ der Sterne? +Gellert.+
-- Mit dem +Akkusativ+ dagegen heißt es: +einen herbeirufen+, d. h.
einem durch laute Stimme zu verstehen geben, daß er sich uns nähere,
z. B.: Der Vater hat +dich+ gerufen, d. h. du sollst zu ihm kommen.
Der König rief +den Sänger+ zu sich. Die Glocke ruft +dich+ zur
Kirche. Die Trompete ruft +die Krieger+ zur Schlacht.
+überwiegen+ regiert den +Akkusativ+. Der Tadel überwog +das Lob+.
Der +Dativ+, der auch bei einigen Schriftstellern vorkommt, ist nicht
zu empfehlen.
+sich unterstehen+ regiert den +Akkusativ+ der Person. Man darf also
nur sagen: Was unterstehst +du dich+? nicht: Was unterstehst du +dir+?
+sich unterziehen+ regiert vorwiegend den +Dativ+, z. B.: er
unterzieht sich +dem Auftrage+, besser als: +des Auftrages+.
+versichern+ regiert entweder den +Akkusativ der Person+ und den
+Genitiv der Sache+: ich versichere +dich meines Schutzes+; oder den
+Dativ der Person+ und den +Akkusativ der Sache+: ich versichere +dir
meinen Schutz+. Man darf also sagen: „Das versichere ich +Ihnen+“
oder: „+Dessen+ versichere ich +Sie+“, falsch aber ist es zu sagen:
+Das versichere ich Sie!+ -- Wird die Sache durch einen Nebensatz
ausgedrückt, so kann die Person sowohl in den +Dativ+ als auch
in den +Akkusativ+ treten. Ich kann also sagen: „+Ich versichere
Ihnen+, daß ich die Wahrheit sage“ und: „+Ich versichere Sie+, daß
ich die Wahrheit sage.“ Im ersten Falle vertritt der Nebensatz ein
+Akkusativ-+, im zweiten Falle ein +Genitivobjekt+. -- In der Form:
„+Ich bin versichert+“ nimmt das Wort den +Genitiv+ zu sich: Ich bin
+deines Schutzes+ versichert, sei +meines Beistandes+ versichert. Der
Genitiv kann hier jedoch auch durch die Präposition +von+ umschrieben
werden: Du kannst +von der Wahrheit+ meiner Aussage versichert sein.
+sich zeigen.+ Der prädikative Zusatz mit +als+, der zu diesem Verbum
zu treten pflegt, kann sowohl im +Nominativ+, als auch im +Akkusativ+
stehen; doch ergibt sich dabei ein Unterschied der Bedeutung: +sich
zeigen+ mit dem +Nominativ+ heißt: „in die Erscheinung treten“, und
zwar wird dadurch das +Unabsichtliche+ hervorgehoben; +sich zeigen+
mit dem +Akkusativ+ dagegen heißt: „in die Erscheinung treten
lassen“, und zwar wird dabei das +Absichtliche+ betont. Demnach
unterscheide man: er zeigte sich +als Held+ (der er war), und er
zeigte sich +als Helden+ (für den man ihn bis dahin nicht gehalten
hatte, oder: als den er sich erweisen wollte). In derselben Weise
wechseln in der Konstruktion die Verben: +sich erweisen+, +sich
ankündigen+, +sich darstellen+, +sich empfehlen+, +sich beweisen+
u. a. Er erweist sich +als mein Freund+, er erweist sich +als meinen
Freund+ usw.
~B.~ Rektion der Verbalsubstantive.
Die Verbalsubstantive, die von einem +transitiven+ Verbum gebildet
werden, regieren den +Genitiv+. Der Akkusativ, mit dem die transitiven
Verben verbunden werden, verwandelt sich also in den +Genitiv+, z. B.:
+eine Stadt+ erbauen: die Erbauung +der Stadt+; +eine Burg+
erobern: die Eroberung +der Burg+; +ein Denkmal+ errichten: die
Errichtung +eines Denkmals+. Man nennt diesen Genitiv den +~Genitivus
objectivus~+, zum Unterschiede von dem +~Genitivus subjectivus~+;
der letztere bezeichnet die Person oder Sache, der etwas gehört,
an der sich etwas befindet, oder von der etwas ausgeht, z. B.: das
Haus +meines Freundes+, die Früchte +des Baumes+, die Heldentaten
+Siegfrieds+.
Zu den +Verbalsubstantiven+, die von +intransitiven+ Verben gebildet
werden, tritt das +Genitiv- oder Dativobjekt+ des Verbums in der
Regel +nicht im Genitiv oder Dativ+ hinzu, sondern es wird durch eine
+Präposition+ angeknüpft, z. B.: er erinnerte sich vergangener Stunden:
die Erinnerung +an vergangene Stunden+; er gehorchte +dem Gesetze+:
der Gehorsam +gegen das Gesetz+; er stimmte +meinem Vorschlage zu+:
+die Zustimmung zu meinem Vorschlage+; er zürnte +dem Freunde+: der
+Zorn gegen den Freund+ usw. -- Diejenigen Verbalsubstantive natürlich,
die von Verben stammen, die auch transitiv gebraucht werden (wie
hauptsächlich die Verben, die außer dem +Genitiv+ auch den +Akkusativ+
regieren, vgl. S. 78), können das Objekt auch im +Genitiv+ zu sich
nehmen, z. B.: das Bedürfnis +der Ruhe+, die Erwähnung +dieses
Vorfalls+, der Genuß +geistiger Getränke+, die Wahrnehmung +dieser
Zustände+, die Entbehrung +des Notwendigsten+ usw. Nach Maßgabe
dieser Bildungen hat man auch das Wort +Erinnerung+ mit dem +Genitiv+
verbunden, z. B.: die Erinnerung vergangener Zeiten, die Erinnerung
jener Stunden usw.[32] -- Im übrigen aber ist die Regel festzuhalten,
daß ein +objektiver Genitiv+ nur zu solchen Verbalsubstantiven treten
kann, die von +transitiven+ Verben gebildet sind.
+Anmerkung.+ Wenn zu Verbalsubstantiven, die von intransitiven Verben
stammen, ein +Genitiv+ tritt, so ist dies ein +subjektiver+, nicht
aber ein +objektiver Genitiv+, z. B.: der Zorn +des Freundes+, d. i.
der Zorn, den der Freund empfindet (nicht: der Zorn +gegen+ den
Freund), der Gehorsam +des Soldaten+ (d. i. der Gehorsam, den der
Soldat zeigt) usw.
~C.~ Rektion der Adjektive.
1. Adjektive, die den Dativ regieren.
Mit dem Dativ werden verbunden die Adjektive: einem +ähnlich+ sein,
einem +abtrünnig+ werden, einem angeboren sein, angehörig, angelegen,
angemessen, angenehm, anstößig, bedenklich, begreiflich, behaglich,
behilflich, bekannt, bequem, beschieden, beschwerlich, bewußt, böse,
dankbar, dienstbar, dienlich, deutlich, eigen, eigentümlich, ergeben,
entbehrlich, erfreulich, erinnerlich, erklärlich, ersprießlich,
feil, feind, fremd, furchtbar, fürchterlich, gefährlich, gehorsam,
geläufig, gemäß, gemeinsam, genehm, gesund, getreu, geneigt, gewogen,
gewachsen, gleich, gleichgültig, gnädig, gram, günstig, heilsam,
hold, abhold, hinderlich, kund, lästig, leicht, leid, lieb, möglich,
nachteilig, nahe, nötig (not), nützlich (nütze), peinlich, recht,
schädlich, schmerzlich, schrecklich, schuldig, teuer, treu, tröstlich,
überlegen, verantwortlich, verbunden, verderblich, verhaßt, verwandt,
wichtig, widrig, widerwärtig, willkommen, zugänglich, zugehörig u. a.
Namentlich auch viele Adjektive, die mit der Vorsilbe +un+- gebildet
werden, gehören hierher, z. B.: unangenehm, unähnlich, unbegreiflich,
unbehaglich, unvergeßlich usw.
Oft wird das +Dativobjekt+ durch eine Präposition umschrieben, z. B.:
er ist böse +auf mich+ (statt: er ist +mir+ böse); es ist gefährlich,
schrecklich, schmerzlich, verderblich, notwendig usw. +für mich+.
+Anmerkung.+ Wenn ich die Wörtchen +zu+, +allzu+, +genug+ zu
einem Adjektivum setze, so kann ich mit jedem Adjektivum den
Dativ verbinden, z. B.: Das ist +mir zu hoch+, +zu schwer+,
+allzugewöhnlich+; das ist +ihm+ nicht gut +genug+ usw.
2. Adjektive, die den Genitiv regieren.
Mit dem +Genitiv+ werden verbunden die Adjektive: ansichtig, bar
(aller Freuden bar), bedürftig, benötigt, bewußt, eingedenk, fähig,
froh, gedenk, geständig, gewahr, gewärtig, gewiß, gewohnt, habhaft,
kundig, ledig, leer, los, mächtig, müde, quitt, satt, schuldig, sicher,
teilhaftig, überdrüssig, verdächtig, verlustig, voll, wert, würdig,
und die mit +un-+ gebildeten Verneinungen dieser Adjektive, soweit sie
sich bilden lassen, z. B.: unbewußt, uneingedenk, unkundig u. a. --
Manche werden nur noch in bestimmten formelhaften Wendungen mit dem
Genitiv verbunden, z. B.: +Handels einig+, Handels +eins+, eitler Ehre
+geizig+. -- Statt des +Genitivs+ gebraucht man auch Präpositionen,
z. B.: +froh über etwas+ (statt: einer Sache froh), voll, leer, ledig,
+los von etwas+ usw.
Wenn man sagt: ich bin es müde, satt, gewiß, wert, geständig, bedürftig
usw., so ist dieses es nicht der Akkusativ, wie ältere Grammatiker
angenommen haben, sondern der +Genitiv+. Ursprünglich heißt nämlich
der Genitiv Sing. des Pronomens der dritten Person (für das männliche
und sächliche Geschlecht) ~ës~ (got. ~is~). An die Stelle des alten
ursprünglichen Genitivs trat später der Genitiv des reflexiven
Pronomens ~sîn~ (d. i. sein, seiner). Der alte Genitiv +es+ wurde
dadurch verdrängt, erhielt sich aber noch in einzelnen Wendungen. Zu
diesen gehören die oben angeführten, sowie die Ausdrücke: er hat +es+
sich unterstanden; du wirst mir +es+ dank wissen; er will +es+ nicht
Wort haben; ehe er +es+ sich versah; wir haben ~es~ nicht Ursache; wir
sind +es+ nicht gewohnt usw.
+Anmerkung.+ In Wendungen wie: +keinen Pfennig+ wert, +einen Taler+
wert, +einen Groschen+ schuldig u. ähnl. ist der +Akkusativ+ nicht
ein von den Adjektiven +wert+, +schuldig+ usw. regiertes Objekt,
sondern ein +adverbialer Akkusativ des Wertes+, vgl. I, 189.
~D.~ Rektion der Präpositionen.
Über den Kasus, den die einzelnen Präpositionen regieren, vgl. I,
S. 120-132. Hier sei nur auf einige Schwankungen im Gebrauche der
Präpositionen hingewiesen:
+Unweit+, +unfern+. Diese Präpositionen werden am besten immer mit
dem +Genitiv+ verbunden. Der Dativ, der sich auch findet (z. B. bei
Schiller, Grimm u. a.), ist nicht zu empfehlen.
+Während+, +ungeachtet+, +wegen+ sind nur mit dem +Genitiv+, nicht
mit dem +Dativ+ zu verbinden. Fehlerhaft ist es also, zu sagen:
+demungeachtet+ (statt des richtigen: +dessen+ ungeachtet), während
+dem+ (statt des richtigen: während +dessen+), wegen +dir+ (statt:
+deinetwegen+)[33] u. ähnl. -- Es kommt zuweilen vor, daß der Genitiv
äußerlich nicht erkennbar ist, z. B.: während +acht Tage+, während
+zehn Jahre+, wegen +Scheltworte+; ebenso bei einigen anderen
Präpositionen, z. B.: er hat +statt Bösen+ Gutes empfangen, innerhalb
+drei Jahre+ usw. In solchen Fällen pflegt gewöhnlich der +Dativ+ als
Ersatz des Genitivs verwendet zu werden, und man sagt: während +acht
Tagen+, während +zehn Jahren+, wegen +Scheltworten+, er hat +statt
Bösem+ Gutes empfangen, innerhalb +drei Jahren+ usw. Empfehlenswert
ist es, in solchen Fällen ein Wort, an dem der Genitiv deutlich zutage
tritt, einzuschieben und etwa zu sagen: während +eines Zeitraumes+ von
acht Tagen, wegen +heftiger Scheltworte+, er hat statt des +Bösen+
Gutes empfangen, innerhalb +einer Zeit+ von drei Jahren usw.
+Statt+ ist als Präposition immer mit dem Genitiv zu verbinden. Doch
kann das Wort, wie +außer+ (vgl. hierüber I, 128 flg.), auch als
+Konjunktion+ stehen und regiert dann gar keinen Kasus; der +Dativ+
oder +Akkusativ+, der dann gewöhnlich auf +statt+ folgt, ist von
dem Verbum und nicht von +statt+ abhängig, z. B.: „Er hat +mir+
geschrieben, statt +dir+; er hat das Schreiben +an mich+ geschickt,
statt +an dich+; er hat +mich+ angesprochen, statt +dich+ usw.“
Über +längs+, +zufolge+, +trotz+, sowie über +entlang+ s. I, 122, 123
u. 125, desgl. über +bei+ S. 124 Anm.
+Ohne+ ist immer mit dem +Akkusativ+ zu verbinden. Lessing, Herder
und Goethe haben, dem Beispiele Luthers folgend, zwar zuweilen die
Präposition +ohne+ mit dem Dativ verbunden, doch ist dieser Gebrauch
veraltet und daher heute zu vermeiden.
+Bis+ wird in der Regel noch mit einer anderen Präposition verbunden,
z. B. Es war ein König in Thule gar treu +bis an+ das Grab. +Goethe.+
-- So konnte die ganze Ebene mit flachen Schiffen +bis+ fast +unter+
die Mauer von Antwerpen befahren werden. +Schiller.+ -- +Bis auf+
wenige Reste hat das Feuer alles verzehrt. Er kletterte +bis zum+
Gipfel des Baumes empor. Blücher drang +bis über+ den Rhein vor und
folgte dem Feinde +bis nach+ Paris. Der Feind wurde +bis hinter+
die Verschanzungswälle zurückgetrieben. Er wurde von der schlimmen
Nachricht +bis ins+ Innerste getroffen.
Nur vor Adverbien und Ortsnamen ohne Artikel, sowie zwischen
Zahlwörtern steht +bis+ für sich allein, z. B.: +Bis hierher+ und nicht
weiter! -- +Bis heute+, bis morgen, bis dahin, bis dorthin; +zwölf bis
vierzehn+, in acht bis vierzehn Tagen, zwei- bis dreimal usw. Ich fuhr
+bis Leipzig+, bis Rußland, bis Frankreich usw.
Bei +zu+ und +um+ ist zu merken, daß sie +nur+ mit +einem+ Kasus
stehen, nämlich +zu+ immer mit dem Dativ, mag es nun den +Ort+ (wo),
z. B. zu Worms, zu Aachen, zu Haus, zu Wasser und zu Lande, zur
Rechten, zur Linken, zu beiden Seiten usw.; die +Richtung+ (wohin),
z. B. von Ort zu Ort, von Haus zu Haus, zur Kirche, zur Schmiede, zur
Schule gehen, zur Hölle fahren, zur Ruhe kommen usw.; +die Verbindung
von Dingen+, z. B. er goß Wasser zum Wein, er aß Fleisch zum Gemüse,
Butter zum Brote usw., oder ein +Größenverhältnis+ bezeichnen, z. B.
zum Teil, zur Hälfte, zu dritt, wir waren zu vier, zu fünf, zu
hunderten, zu tausenden; ich habe Fleisch, das Pfund zu einer Mark,
gekauft usw. +Um+ dagegen steht immer +nur mit dem Akkusativ+, mag es
den Ort (wo), z. B. der Feind lagerte +um die Stadt+, die Soldaten
lagen +um das Feuer+, wir saßen +um den Tisch+, oder +die Richtung+
(wohin) bezeichnen, z. B. wir gingen um die Stadt, um das Haus, die
Feinde stellten sich um das Gebäude usw. Fehler gegen diese einfachen
Regeln kommen nicht selten vor, es ist daher notwendig, besonders
darauf aufmerksam zu machen.
FOOTNOTES: