[1] Ein Beispiel einer solchen völligen Vermischung ist +Schießls

System der Stilistik+. Straubing 1884. Vergleiche meine Besprechung in

Zarnckes Literarischem Zentralblatt 1885.

[2] Eine große Zahl guter Verdeutschungen enthält das treffliche

„+Wörterbuch von Verdeutschungen entbehrlicher Fremdwörter+“ von +Herm.

Dunger+ (Leipzig 1882), das nicht dringend genug empfohlen werden kann,

sowie das +Verdeutschungswörterbuch+ von +Otto Sarrazin+ (3. Aufl.

Berlin 1906). Erklärung und Verdeutschung der Fremdwörter zugleich

bietet +Heyses+ Fremdwörterbuch, neu bearbeitet von O. Lyon (18. Aufl.

Hannover, Hahn, 1903).

[3] Wer sich weiter über diesen Gegenstand unterrichten will, sei

hier namentlich auf +Brandstäters+ Buch über die Gallizismen in

der deutschen Sprache verwiesen, das jedoch häufig über das Ziel

hinausschießt.

[4] So sagt Adelung: „+Düster+ wird nur in den gemeinen Mundarten,

besonders Ober- und Niedersachsens, für +dunkel+, +finster+ gebraucht.

Es ist der +edlern+ und +höhern Schreibart unwürdig+.“ Adelungs

Wb. I, 1622. Von +dröhnen+ urteilt er ähnlich; +dreist+ läßt er

nur mit gewissen Einschränkungen zu. Über +staunen+ sagt er: „Nach

dem Beispiele Hallers und einiger anderer neuerer schweizerischer

Schriftsteller ist es auch von den Hochdeutschen in der höheren

Schreibart wieder eingeführt worden“, a. a. O. IV, 313. Von den

beiden Wörtern +Schrank+ und +Schrein+ läßt er nur +Schrank+ für die

Schriftsprache gelten und bezeichnet +Schrein+ als ein im Hochdeutschen

ungewöhnliches, nur noch in einigen Provinzen übliches Wort. a. a. O.

III, 1641 u. 1654 usw.

[5] Wörterbuch IV, 355.

[6] a. a. O. II, 552 unter +Gemeinort+.

[7] Namentlich auch die stilistische Seite der Synonymik ist

berücksichtigt in „+Eberhards synonymischem Handwörterbuche der

deutschen Sprache+“, neu bearbeitet von O. Lyon. 16. Aufl. Leipzig 1904.

[8] Einige Stilistiker, z. B. Wackernagel, Becker, scheiden +Wohllaut+

und +Wohlklang+; wir fassen beides unter der Bezeichnung +Wohllaut+

zusammen.

[9] Ich entnehme diesen Ausdruck Wackernagel, der zuerst die Metonymie

mit größerer Klarheit dargestellt hat, als es gewöhnlich geschieht.

[10] Eine gute Nachbildung des griechischen Originals, in dem der

Begriff τήκειν, schmelzen, in den Formen τήκειο, κατατήκετο, κατέτηξεν,

τηκόμενος, τήκετο wiederkehrt.

[11] Es sei hier auf +Rudolf Hildebrands+ ausgezeichnete Schrift: „+Vom

deutschen Sprachunterricht in der Schule und von deutscher Erziehung

und Bildung überhaupt+“, 7. Aufl., S. 103 flgg., 122 verwiesen, die

zahlreiche Beispiele dieser Art behandelt.

[12] Bei Luther findet sich neben +sieh+ die Form +siehe+, und nach ihm

haben auch +Goethe+ u. a. beide Formen angewendet. Man kann die Form

+siehe+ daher als Ausnahme gelten lassen.

[13] Den Apostroph zur Bezeichnung der Apokope hat Konrad Geßner in

Deutschland eingeführt, er nahm das Zeichen aus dem Griechischen

herüber.

[14] Jakob Grimm hat in seiner Grammatik nachgewiesen, daß die passive

Bedeutung des ersten Partizips sich in allen germanischen Sprachen

findet.

[15] Die Regel, daß das Partizipium +nur auf das Subjekt+ bezogen

werden dürfe, ist unrichtig und widerspricht geradezu dem Geiste der

deutschen Sprache.

[16] Vgl. über die absolute Partizipialkonstruktion namentlich

Andresen, Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit, S. 120 flg.

[17] Beispiele dieser Art finden sich bei unseren besten Dichtern und

Schriftstellern. Was wir diesen verzeihen, ist darum aber noch nicht

nachzuahmen.

[18] Wenn Nominativ und Akkusativ gleichlauten, duldet der

Sprachgebrauch in einigen Fällen die Zusammenziehung, z. B.: +Was+ ich

bin und habe. Die alten Grammatiker betrachteten die von der strengen

Korrektheit abweichende Zusammenziehung als eine besondere Redefigur,

die sie +Zeugma+ (d. i. Zusammenjochung) nannten.

[19] Doch finden sich manche Abweichungen von dieser Regel, die sich

als +Fügungen nach dem Sinne+ wohl rechtfertigen lassen, z. B.: „Ein

streitendes +Gestaltenheer+, die seinen Sinn in Sklavenbanden hielten.“

(Schiller.) „Es gibt im +Menschenleben+ Augenblicke, wo er dem

Weltgeist näher ist als sonst.“ +Derselbe.+ Vgl. hierüber Fr. Grüter,

Zwei Schulprogramme über die Synesis, Münster 1855 und 1867.

[20] Gewöhnlich wird die falsche Regel aufgestellt: +als+ sei

vergleichend dem +Grade+ und +Maße+ nach, daher müsse man sagen:

„ebenso groß +als+ ich“ und nicht: „ebenso groß +wie+ ich.“ Die

Geschichte unserer Sprache erweist diese Regel als unhaltbar. Vgl.

meine Erörterung des Verhältnisses zwischen +als+ und +wie+ in +Beckers

Deutschem Stil+ S. 211-217.

[21] Wir schließen uns hier in den Hauptpunkten der Einteilung an, die

+Becker+ gegeben hat, nur mit dem Unterschiede, daß wir bei dieser

Einteilung prosaischen und poetischen Stil zusammenfassen, während

Becker diese beiden Stilgattungen scheidet und wieder in Unterarten

zerlegt. +Wackernagel+ teilt den Stil in folgende Arten: ~a~) Stil des

Verstandes (lehrhafte Prosa); ~b~) Stil der Einbildung (Epos, Drama);

~c~) Stil des Gefühls (oratorische Prosa, Lyrik).

[22] Vgl. meine Darstellung der Entwickelung des historischen Stiles in

Beckers deutschem Stil, S. 457 flg.

[23] Bei einer Predigt besteht die ~narratio facti~ in der Verlesung

des Bibeltextes.

[24] Eingehend handelt über die Disposition: +Deinhardt+, in seinen

+Beiträgen zur Dispositionslehre+, die allen empfohlen seien, die sich

weiter über den Gegenstand unterrichten wollen. Wir folgen hier im

allgemeinen den nämlichen Grundsätzen, wie sie schon von Quintilian und

Cicero dargelegt worden sind.

[25] Mösers sämtl. Werke, neu geordnet und aus dem Nachlasse gemehrt

durch +B. R. Abeken+. 2. Ausg. 1858, IV. S. 5.

[26] Ausnahmen sind die intransitiven Verben: hinterbleiben,

unterbleiben, beharren, beruhen, bestehen, begegnen, behagen, bekommen,

es beliebt, unterliegen.

[27] +Lehren+ (got. ~laisjan~, Kausativum zu got. ~lais~, d. i. +weiß+)

heißt eigentlich „wissen machen“. Einige Schriftsteller verbinden

+lehren+ mit dem +Dativ+ der Person, z. B.: Da hat +er den Franzosen+

das Schwimmen gelehrt. +Arndt.+ -- Lehr’ unser deutsches Recht +dem

Franzmann+ im Gefecht. +Rückert.+ Dieser Gebrauch ist nicht gut zu

heißen. Vgl. +Heyse-Lyon+, S. 303 flg.

[28] Vgl. mhd.: ~ich bin den site gelêret~.

[29] Grimm nennt nur die Verben +reflexive+, die das Reflexivpronomen

im +Akkusativ+ bei sich haben. Man könne daher die, die es im Dativ bei

sich haben, genauer +unechte Reflexiva+ nennen.

[30] +Sich entblöden+ bedeutet eigentlich „in den Zustand des

Blödeseins eintreten“; die Vorsilbe +ent+ ist hier nicht privativ,

sondern inchoativ, d. h. sie drückt das Eintreten in einen Zustand aus,

wie in: entblühen, entblößen, entschlafen usw. -- Gegenwärtig ist von

+sich entblöden+ hauptsächlich die Verneinung „sich nicht entblöden“

in Gebrauch, und zwar in der Bedeutung: „sich nicht scheuen, sich

erdreisten.“ +Frisch+ in seinem +Deutsch-lateinischen Wörterbuche+

I, 111 c und +Grimm+ (Wörterbuch III, 499) erklären sich gegen

diesen Sprachgebrauch; sie fassen die Vorsilbe +ent-+ in +entblöden+

als das privative +ent-+ (im Sinne von +weg+, +los+) auf und legen

infolgedessen dem Worte +entblöden+ die gerade entgegengesetzte

Bedeutung: „die Blödigkeit benehmen, beherzt machen“ bei. Zwar wird

+sich entblöden+ von einigen Schriftstellern in dieser letzteren

Bedeutung gebraucht, z. B. von Wieland, Gleim u. a.; doch dieselben

Schriftsteller wenden +sich entblöden+ auch in der oben angeführten

Bedeutung von „sich scheuen“ an, und der heutige Sprachgebrauch kennt

nur noch diese Bedeutung, die zugleich die ursprüngliche ist. Vgl.

hierzu meine Bearbeitung des Artikels „+Entblöden+“ in Eberhards

synonymischem Handwörterbuche, 16. Aufl. S. 375 flg.

[31] Noch +Adelung+ (Wörterbuch, 2. Aufl. I, S. 400) ließ bei

+anwandeln+ nur den Dativ gelten, während +Heyse+, +Becker+ u. a. nur

den Akkusativ zulassen. Es sind jedoch beide Kasus zu gestatten, obwohl

dem +Akkusativ+ der Vorzug zu geben ist.

[32] Viele Beispiele dieser Art führt +Andresen+ (Sprachgebrauch und

Sprachrichtigkeit, 7. Aufl. S. 182) aus Goethes Werken an.

[33] +Deinetwegen+ weist wie +meinetwegen+, +seinetwegen+ usw. auf die

ursprüngliche Form der Präposition +wegen+ zurück, vgl. I, 252. Das

Wort enthält den Plural des Possessivpronomens und heißt eigentlich:

~von dînen wegen~.

End of Project Gutenberg's Kurzgefaßte Deutsche Stilistik, by Otto Lyon

Kurzgefaßte Deutsche Stilistik · 第 10 / 10 段