wir allein dir treu sein, unser Leben für dich lassen, denn das
ist unsere Reiterpflicht, daß wir umkommen lieber, als dich sinken
lassen. +Schiller.+ -- 2. Jede öffentliche Entscheidung Egmonts war
ein Triumphzug; jedes Auge, das auf ihn geheftet war, erzählte sein
Leben; in der Ruhmredigkeit seiner Kriegsgefährten lebten seine Taten;
ihren Kindern hatten ihn die Mütter bei ritterlichen Spielen gezeigt.
+Schiller.+ -- 3. Zwar sichert uns die Macht vor der Verfolgung, und
wenn der Gegner nicht auch Flügel hat, so fürcht’ ich keinen Überfall,
dennoch bedarf’s der Vorsicht, denn wir haben es mit einem kecken
Feind und sind geschlagen. +Schiller.+ -- 4. Ihr kanntet ihn, wie er
mit Riesenschritte den Kreis des Wollens, des Vollbringens maß, durch
Zeit und Land der Völker Sinn und Sitte, das dunkle Buch mit heiterm
Blicke las; doch wie er atemlos in unsrer Mitte in Leiden bangte,
kümmerlich genas, das haben wir in traurig schönen Jahren, denn er
war unser, leidend miterfahren. +Goethe.+ -- 5. Unsere Wünsche sind
Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen,
was wir zu leisten imstande sein werden. Was wir können und möchten,
stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der Zukunft dar,
wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im stillen besitzen.
+Goethe.+ -- 6. Liegt nun eine solche Richtung entschieden in unserer
Natur, so wird mit jedem Schritt unserer Entwickelung ein Teil des
ersten Wunsches erfüllt, bei günstigen Umständen auf dem geraden Wege,
bei ungünstigen auf einem Umwege, von dem wir immer wieder nach jenem
einlenken. +Goethe.+ -- 7. Nun gesellen sich aber zur menschlichen
Beschränktheit noch so viele zufällige Hindernisse, daß hier ein
Begonnenes liegen bleibt, dort ein Ergriffenes aus der Hand fällt und
ein Wunsch nach dem anderen sich verzettelt. +Goethe.+ -- 8. Waren aber
diese Wünsche aus einem reinen Herzen entsprungen, dem Bedürfnis der
Zeit gemäß, so darf man ruhig rechts und links liegen und fallen lassen
und kann versichert sein, daß nicht allein dieses wieder aufgefunden
und aufgehoben werden muß, sondern daß auch noch gar manches Verwandte,
das man nie berührt, ja woran man nie gedacht hat, zum Vorschein kommen
werde. +Goethe.+ -- 9. Sehen wir nun während unseres Lebensganges
dasjenige von anderen geleistet, wozu wir selbst früher einen Beruf
fühlten, ihn aber mit manchem anderen aufgeben mußten, dann tritt das
schöne Gefühl ein, daß die Menschheit zusammen erst der wahre Mensch
ist und daß der einzelne nur froh und glücklich sein kann, wenn er den
Mut hat, sich im Ganzen zu fühlen. +Goethe.+ -- 10. Lieblich winket der
Wein, wenn er Empfindungen, bess’re, sanftere Luft, wenn er Gedanken
winkt, im sokratischen Becher, von der tauenden Ros’ umkränzt; wenn er
dringt bis ins Herz und zu Entschließungen, die der Säufer verkennt,
jeden Gedanken weckt, wenn er lehret verachten, was nicht würdig des
Weisen ist. +Klopstock.+ -- 11. Mag es sein, sprach der Schlaf, daß
ich den Unglücklichen erwünscht bin, denen ich die Last ihrer Sorgen
entnehme und sie mit milder Vergessenheit tränke, mag es sein, daß
ich dem Müden gefällig komme, den ich doch auch nur zu mühseliger
neuer Arbeit stärke: aber was bin ich denen, die nie ermüden, die von
keiner Sorge des Lebens wissen, denen ich immer nur den Kreis ihrer
Freuden störe? +Herder.+ -- 12. Nicht Opfer, nicht Gefahren will ich
scheu’n, den letzten Schritt, den äußersten zu meiden; doch eh’ ich
sinke in die Nichtigkeit, so klein aufhöre, der so groß begonnen, eh’
mich die Welt mit jenen Elenden verwechselt, die der Tag erschafft und
stürzt, eh’ spreche Welt und Nachwelt meinen Namen mit Abscheu aus,
und Friedland sei die Losung für jede fluchenswerte Tat! +Schiller.+
-- 13. Es begegnet mir von Zeit zu Zeit ein Jüngling, an dem ich
nichts verändert noch gebessert wünschte; nur macht mir bange, daß ich
manchen vollkommen geeignet sehe, im Zeitstrome mit fortzuschwimmen,
und hier ist’s, wo ich immerfort aufmerksam machen möchte: daß dem
Menschen in seinem zerbrechlichen Kahn eben deshalb das Ruder in die
Hand gegeben ist, damit er nicht der Willkür der Wellen, sondern dem
Willen seiner Einsicht Folge leiste. +Goethe.+ -- 14. Für das größte
Unheil unserer Zeit, die nichts reif werden läßt, muß ich halten, daß
man im nächsten Augenblick den vorhergehenden verspeist, den Tag im
Tage vertut und so immer aus der Hand in den Mund lebt, ohne irgend
etwas vor sich zu bringen. +Goethe.+ -- 15. Die gegenwärtige Welt
ist nicht wert, daß wir etwas für sie tun; denn die bestehende kann
in dem Augenblick abscheiden. Für die vergangene und künftige müssen
wir arbeiten; für jene, daß wir ihr Verdienst anerkennen, für diese,
daß wir ihren Wert zu erhöhen suchen. +Goethe.+ -- 16. Nicht die
Sprache an und für sich ist richtig, tüchtig, zierlich, sondern der
Geist ist es, der sich darin verkörpert, und so kommt es nicht auf
einen jeden an, ob er seinen Reden und Gedichten die wünschenswerten
Eigenschaften verleihen will: es ist die Frage, ob ihm die Natur
hierzu die geistigen und sittlichen Eigenschaften verliehen hat; die
geistigen: das Vermögen der An- und Durchschauung; die sittlichen: daß
er die bösen Dämonen ablehne, die ihn hindern könnten, dem Wahren die
Ehre zu geben. +Goethe.+ -- 17. Wenn ich das Aufklären und Erweitern
der Naturwissenschaften in der neuesten Zeit betrachte, so komme ich
mir vor wie ein Wanderer, der in der Morgendämmerung gegen Osten ging,
die heranwachsende Helle mit Freuden, aber ungeduldig anschaute und
die Zukunft des entscheidenden Lichtes mit Sehnsucht erwartete, aber
doch bei dem Hervortreten desselben die Augen wegwenden mußte, welche
den so sehr gewünschten und gehofften Glanz nicht ertragen konnten.
+Goethe.+ -- 18. Der Mensch ist so geneigt, sich mit dem Gemeinsten
abzugeben, Geist und Sinn stumpfen sich so leicht gegen Eindrücke des
Vollkommenen ab, daß man die Fähigkeit, es zu empfinden, bei sich auf
alle Weise erhalten sollte; denn einen solchen Genuß kann niemand
entbehren, und nur die Ungewißheit, etwas Gutes zu genießen, ist
Ursache, daß viele Menschen schon am Albernen und Abgeschmackten, wenn
es nur neu ist, Vergnügen finden. Man sollte alle Tage wenigstens ein
kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde
sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte
sprechen. +Goethe.+ -- 19. So viel Überwindung es dem Prinzen von
Oranien und seinen Freunden bei ihrer Denkungsart schon kosten mußte,
in diesem Streite nicht Partei zu nehmen, so sehr schon ihr natürlicher
Freiheitssinn, ihre Vaterlandsliebe und ihre Begriffe von Duldung unter
dem Zwange litten, den ihr Posten ihnen auferlegte: so sehr mußte das
Mißtrauen Philipps gegen sie, die wenige Achtung, mit der ihr Gutachten
seit langer Zeit pflegte aufgenommen zu werden, und das zurücksetzende
Betragen, das ihnen von der Herzogin widerfuhr, ihren Diensteifer
erkälten und ihnen die Fortsetzung einer Rolle erschweren, die sie
mit so vielem Widerwillen und so wenigem Danke spielten. +Schiller.+
-- 20. Am allertiefsten erniedrigt es uns vor dem Auslande, wenn wir
uns darauf legen, demselben zu schmeicheln. Es fehlt uns nämlich in
dieser Verrichtung an aller dem Ausländer eigenen Feinheit; um doch
ja nicht überhört zu werden, werden wir plump und übertreibend und
heben mit Vergötterungen und Versetzungen unter die Gestirne gleich
an. Dazu kommt, daß es bei uns das Ansehen hat, als ob es vorzüglich
der Schrecken und die Furcht sei, die unsere Lobeserhebungen uns
auspressen, aber es ist kein Gegenstand lächerlicher, denn ein
Furchtsamer, der die Schönheit und Anmut desjenigen lobpreist, was er
in der Tat für ein Ungeheuer hält, das er durch diese Schmeichelei nur
bestechen will, ihn nicht zu verschlingen. +Fichte.+
II. Rektionslehre.
~A.~ Rektion der Verben.
1. Verben, die den Akkusativ regieren.
~a~) Den Akkusativ regieren alle +transitiven Verben+ (vgl. Teil I, S.
162). Besonders hervorzuheben sind hier: 1. Die mit den Präpositionen
+durch+, +über+, +hinter+, +unter+, +um+ und mit +voll untrennbar+
zusammengesetzten Verben, sowie die Verben mit der Vorsilbe +be+,
z. B.: ein Buch durchblättern, einen Schrank durchsuchen, eine Schrift
übersetzen, einen Brief überbringen, den Freund hintergehen, einen
Vertrag unterschreiben, einen Schüler unterweisen, einen umringen,
eine Arbeit vollenden, eine Tat vollbringen, einen Befehl vollziehen,
einen bewundern, beweinen, berühren usw.[26] 2. Die +Verba causativa+
(vgl. Teil I, S. 171 flg.), z. B.: einen Baum fällen, Holz flößen,
einen Wagen fahren (d. i. führen), die Pferde tränken, den Hut
schwenken, Geld verschwenden usw. -- 3. Eine große Zahl formelhafter
Redewendungen, in denen der Begriff des Verbums erst durch den
Akkusativ eines Substantivs vollständig gemacht wird. Gewöhnlich sind
diese Wendungen Umschreibungen eines einfachen Verbums, z. B.: Abbitte
tun (d. i. abbitten), Abbruch, Schaden, einen Hieb, einen Fall, einen
Schlaf, einen Gefallen tun; eine Rede, Ruhe, Maß halten; Frieden,
Unruhe stiften; den Mut, das Herz, die Freundlichkeit, die Gnade haben;
Abschied, Urlaub, Schaden, die Freiheit, ein Ende nehmen; den Anfang,
sein Glück, Spaß machen usw. -- Sogar zu intransitiven Verben kann
auf diese Weise ein Akkusativ treten, z. B.: +Er schläft den+ ewigen
+Schlaf+. +Schiller.+ -- +Einen+ guten +Kampf+ hab’ ich +gekämpfet+.
+Luther.+ -- Ich muß +fliegen+ den kühnen +Flug+. +Klopstock.+ Man
nennt solche Akkusative +innere Objekte+ (vgl. I, S. 163 Anm.).
Außer dem Akkusativobjekte haben viele transitive Verben auch noch
ein Dativ- oder Genitivobjekt bei sich. Zu dem +Akkusativ der Sache+
tritt gewöhnlich ein +Dativ der Person+, und zu dem +Akkusativ der
Person+ tritt ein +Genitiv der Sache+, z. B. +Körper und Stimme+ leiht
die Schrift +dem stummen Gedanken+. +Schiller.+ -- +Drei Tage+ will
ich +dir+ schenken. +Schiller.+ -- Ihr zwangt mit frechem Possenspiel
die Richter, +den Schuldigen des Mordes+ loszusprechen. +Schiller.+ --
Nichts kann +ihn seines Schwurs+ entbinden. +Wieland.+ -- Mein Freund
versicherte +mir seinen Beistand+. Mein Freund versicherte +mich seines
Beistandes+.
Wird neben dem Ganzen, auf welches sich die Tätigkeit eines transitiven
Verbums richtet, noch ein besonderer Teil des Ganzen genannt, der
zunächst von der Tätigkeit getroffen wird, so tritt entweder das Ganze
in den +Dativ+ und der Teil in den +Akkusativ+, z. B.: Er schnitt +mir
das Haar+, ich wasche +mir die Hände+; oder der Teil wird durch eine
+Präposition+ angeknüpft und das Ganze tritt, je nachdem die Beziehung
eine engere oder weniger enge ist, in den +Akkusativ+ oder in den
+Dativ+, z. B.: Er schlug +mich+ oder +mir+ auf den Rücken, er trat
+mich+ oder +mir+ auf den Fuß, er traf mich ins Gesicht, er sah mir ins
Gesicht, er nahm mich bei der Hand, er sah mir auf die Hände usw.
~b~) Einige +unpersönliche+ oder +unpersönlich gebrauchte Verben+ haben
einen +Akkusativ+ der Person (zuweilen auch einen Akkusativ der Sache)
bei sich, z. B.: es hungert +mich+, oder +mich+ hungert, dürstet,
friert, verlangt, gelüstet u. a. Hierher gehören Wendungen wie: es gibt
einen schweren Kampf, es gilt schnellen Rat, es hagelt todbringende
Geschosse, es regnet Steine u. a. -- Verwandt sind Konstruktionen, in
denen irgendeine Sache, die auch durch die Pronomina +das+ oder +es+
ausgedrückt sein kann, Subjekt ist, während die Person in den Akkusativ
tritt, z. B.: Diese Angelegenheit verdrießt mich, oder: das verdrießt
mich, es wundert, ärgert, freut, betrübt, jammert mich usw. Wie jammert
+mich das edle Herz+! +Goethe.+
~c~) Das Reflexivpronomen steht bei den meisten reflexiven Verben im
Akkusativ, z. B.: ich wundere mich, schäme mich, erinnere mich, sehne
mich, erbarme mich, fürchte mich usw.
~d~) Einige Verben werden mit einem +doppelten Akkusativ+ verbunden,
und zwar 1. mit zwei +Objektsakkusativen+:
+lehren+[27], z. B.: Wer lehrte +dich diese gewaltigen Worte+?
+Lessing.+ -- Und lehr’ du mich mit Fleiß und Acht, wie man
die guten Schwerter macht. +Uhland.+ -- Lehre +mich tun+ nach
deinem Wohlgefallen. +Luther.+ -- Du willst +Wahres mich+ lehren.
+Schiller.+ -- Statt der passiven Form von +lehren+ gebraucht man
in den Fällen, in welchen die Person mit genannt wird, die in einer
Sache unterwiesen wird, am besten andere entsprechende Wendungen,
wie: „Ich werde in einer Sache unterrichtet, unterwiesen, ich lerne
eine Sache.“ Will man aber doch die passive Form von +lehren+
anwenden, so ist der Ausdrucksweise: „Ich werde etwas gelehrt“[28]
der Vorzug zu geben vor der Wendung: „+Mir+ wird etwas gelehrt.“
Das Schlimmste, was uns widerfährt, +das+ werden +wir+ vom Tag
gelehrt. +Goethe.+ -- Zu tadeln ist die Konstruktion: „+Mich wird+
etwas gelehrt“ (statt: Ich werde etwas gelehrt), die sich auch bei
einzelnen Schriftstellern findet.
+fragen+: Der doppelte Akkusativ steht nur dann, wenn die Sache,
nach der jemand fragt, durch ein Pronomen oder unbestimmtes Zahlwort
ausgedrückt wird, sonst wird das sachliche Objekt durch die
Präposition +nach+ angeknüpft, z. B.: er fragte mich +etwas+, +das+
fragst +du mich+? er fragte +mich vieles+, +eins+ frage ich +dich+.
Ihr habt +mich nichts+ zu fragen, Thekla? +Schiller.+ Dagegen:
Er fragte +mich nach meinem Berufe+, er fragte +ihn nach seiner
Herkunft+. -- Bei der passiven Form gebraucht man die Konstruktion:
Er wurde +etwas+ oder +nach etwas+ gefragt. Er wurde nach seiner
Herkunft gefragt. Das bin ich nicht gefragt worden. -- Auch bei
+bitten+ kann ein +doppelter Akkusativ+ stehen, wenn die Sache,
um die man bittet, durch ein Pronomen oder unbestimmtes Zahlwort
ausgedrückt ist, z. B.: +Das+ bitte ich dich, +eins+ bitte ich dich
u. ähnl. Sonst aber bedient man sich bei +bitten+ der Präposition
+um+, z. B.: Die Feinde baten ihn +um Frieden+.
2. mit einem +Objektsakkusativ+ und einem +prädikativen Akkusativ+:
+nennen+, +heißen+, +schelten+, +schimpfen+, +taufen+, z. B.: Man
nannte, hieß +ihn den Wohltäter+ des Volkes; man schimpfte, schalt
+ihn einen Verräter+; man taufte +den Knaben Karl+. Man nennt +mich+
hier Don Philipps +Sohn+. +Schiller.+ -- Bei der Umwandlung in die
passive Form treten beide Akkusative in den +Nominativ+, z. B.: Er
+wurde der Wohltäter+ des Volkes genannt usw.
+Anmerkung 1.+ Bei den Verben +lehren+, +nennen+, +heißen+ steht
an Stelle des zweiten objektiven oder prädikativen Akkusativs oft
auch ein +Infinitiv+, z. B.: Heiß +mich nicht reden+, heiß +mich
schweigen+. +Goethe. Das+ nennst du Wort halten. Er lehrt +mich
schreiben+. -- Ebenso werden die Verben +machen+, +hören+, +sehen+,
+finden+, +fühlen+ oft mit einem +Akkusativ+ oder einem +Infinitiv+
verbunden, z. B.: Der Kasus macht +mich lachen+. +Goethe.+ Noch
+keinen+ sah ich fröhlich +enden+. +Schiller.+ Ich hörte +ihn
kommen+, ich fand +ihn+ vor der Tür +sitzen+, er fühlte +die Gefahr
herannahen+ usw. Bei den letztgenannten fünf Verben steht der
Infinitiv an Stelle des ersten Partizips, das daher zuweilen mit
dem Infinitiv wechselt, z. B.: Ich fand +ihn schlafend+ u. ähnl. --
Die Stelle des zweiten (prädikativen) Akkusativs nimmt oft auch ein
+Adjektiv+ ein, z. B.: Man schalt +ihn töricht+, man nannte +ihn
weise+, wir preisen +dich glücklich+ u. a. -- Häufig wird auch der
prädikative Akkusativ durch eine Konstruktion mit +als+ ersetzt,
z. B.: Sie priesen ihn +als ihren Befreier+. Man bezeichnete ihn +als
den Wohltäter+ des Volkes. Ich achte ihn +als treuen Ratgeber+ usw.
+Anmerkung 2.+ Über +lassen+, +heißen+, +sehen+, +hören+ usw. in
Verbindung mit transitiven Verben s. Teil I, S. 186 Anm. 1. -- Wenn
der Akkusativ von dem Infinitiv regiert wird, erhält dieser passive
Bedeutung. Der Satz: „Er ließ mich tragen“ kann einen doppelten Sinn
haben, entweder bedeutet er: „Er befahl, daß ich etwas trage“ oder:
„Er befahl, daß ich getragen werde.“ Im letzten Falle hängt der
Akkusativ +mich+ von dem Infinitiv +tragen+ ab, und der Infinitiv
hat daher passive Bedeutung. Er ließ ein Glas Wasser holen, d. i. er
befahl, daß ein Glas Wasser geholt werde; ich hörte +dich preisen+,
d. i. ich hörte, daß du gepriesen wurdest usw.
+Anmerkung 3.+ Seit dem vorigen Jahrhundert findet sich in unserer
Sprache das Verbum +heißen+ nicht selten mit dem +Dativ+ und
+Infinitiv+ (in +aktiver+ Bedeutung) verbunden. Diese Konstruktion
ist als fehlerhaft zu vermeiden, man muß also sagen: „Wer hat
+dich+ das +tun+ heißen?“ nicht: „Wer hat +dir+ das tun heißen?“
-- Der Dativ ist nur gestattet, wenn er von dem Infinitiv abhängig
ist, und der Infinitiv hat dann immer +passive+ Bedeutung, z. B.:
Er hieß +mir+ ein Glas Wasser bringen, d. h.: Er befahl, daß mir
ein Glas Wasser +gebracht werde+. Dagegen: Er hieß +mich+ ein Glas
Wasser bringen = Er befahl, daß ich ein Glas Wasser +bringe+. -- In
derselben Weise unterscheidet man bei +lassen+: „Er ließ mir ein Glas
Wasser bringen“, und: „Er ließ mich ein Glas Wasser bringen.“ Oder:
„+Laß ihn+ nichts +merken+!“ heißt: „Bewirke, daß er nichts +merkt+.“
„+Laß dir+ nichts merken!“ dagegen heißt: Bewirke, daß dir nichts
+angemerkt+ wird.
2. Verben, die den Dativ regieren.
~a~) Den Dativ regieren die +intransitiven+ Verben: einem ähneln,
danken, dienen, drohen, fehlen, fluchen, folgen, frönen, frommen,
gleichen, glücken, helfen, huldigen, mangeln, nahen, nützen,
passen, schaden, scheinen, schmecken, schmeicheln, steuern, trauen,
trotzen, wehren, weichen, winken, ziemen, zürnen u. a. Auch viele
zusammengesetzte Intransitiva werden mit dem Dativ verbunden: einem
abgehen, abhelfen, abraten, anhängen, anliegen, auffallen, auflauern,
aufpassen, aufwarten, aushelfen, ausweichen, beifallen, beikommen,
beipflichten, beispringen, beistehen, beistimmen, einfallen,
einleuchten, entgegengehen, nachdenken, nacheifern, nachfolgen,
nachgeben, nachgehen, nachsehen, nachstehen, nachstellen, vorarbeiten,
vorbeugen, vorgehen, vorkommen, vorstehen, widerfahren, widersprechen,
widerstehen, zufallen, zufließen, zugehören, zuhören, zukommen,
zusehen, zustehen, zutrinken, zuwinken usw. Ferner: gebühren,
gebrechen, gefallen, gehören, gehorchen, gelingen, gereichen,
mißfallen, mißglücken, mißlingen, mißtrauen, begegnen, behagen,
bekommen, erliegen, erscheinen, verfallen, entfahren, entfallen,
entfliehen, entgehen, entkommen, entlaufen, entrinnen, entsagen,
entsprechen, entspringen, entwachsen, entweichen, entwischen u. a.
~b~) Viele +transitive+ Verben können neben dem Akkusativ der Sache
einen +Dativ der Person+ bei sich haben, z. B.: einem etwas borgen,
bringen, geben, glauben, gönnen, klagen, weigern, weihen, widmen,
zeigen u. a. (Vgl. S. 73.)
~c~) Einige +unpersönliche+ und +unpersönlich gebrauchte+ Verben nehmen
den +Dativ+ zu sich, z. B.: es graut mir, es +fehlt+, +gebricht+ oder
+mangelt+ mir an etwas, +mir+ ist daran gelegen oder liegt daran, es
schaudert mir, es ahnt, scheint, beliebt, bangt, bekommt mir usw.
Hierher gehören auch die Redewendungen wie: +Mir+ geht es gut, +mir+
ist übel zumute, +mir+ wird bange, wohl, weh usw.
~d~) Einige +zusammengesetzte Ausdrücke+, welche an Stelle eines
einfachen Verbums stehen, regieren den +Dativ+, z. B.: einem zu Hilfe
kommen, einem Hohn sprechen, einem zuteil werden, einem kund tun, einem
Schaden tun usw.
~e~) Einige +reflexive+ Verben haben das Reflexivpronomen im
+Dativ+[29] bei sich, z. B.: ich bilde +mir+ ein, ich maße +mir+ an,
ich nehme +mir+ vor, ich verbitte +mir+, ich bitte +mir+ aus, ich
getraue +mir+, ich stelle +mir+ vor, wage +mir+, gebe +mir+ Mühe usw.
~f~) Der +Dativ+ vertritt oft die Stelle eines +Possessivpronomens+
oder eines +possessiven Genitivs+, z. B.: Er lag ihm zu Füßen (statt:
zu seinen Füßen). Er warf sich +mir in die Arme+ (statt: in meine
Arme). Das Wasser netzt +ihm+ den (statt: seinen) nackten Fuß.
+Goethe.+ +Dem Freunde+ zittert die Hand = Die Hand +des Freundes+
zittert. (Vgl. S. 73.)
~g~) Zuweilen kann das Dativobjekt auch durch eine präpositionale
Wendung umschrieben werden, z. B.: ich schreibe +dir+ oder +an dich+,
ich gebe +dieser Familie+ oder +an diese Familie+ Geld, ich zahle,
schenke, gebe +dieser Gesellschaft+ oder +an diese Gesellschaft+ eine
Summe, ich habe +ihm+ oder +an ihn+ Geld geliehen usw. Der Dativ
hebt immer die unmittelbare persönliche Beziehung hervor, während
die präpositionale Umschreibung nur ein Richtungsverhältnis angibt
und eine entferntere, bloß mittelbare Beziehung andeutet. Zuweilen
jedoch werden dadurch noch weiter gehende Unterschiede der Bedeutung
bezeichnet, z. B.: ich verrate +dir+ etwas oder: ich verrate +an dich+
etwas. Die zweite Wendung schließt immer die bewußte Absicht des
Auslieferns oder Überlieferns mit ein, während die erste Wendung auch
dann gebraucht werden kann, wenn das Verraten unabsichtlich geschieht.
Er hat mich +an meine Feinde+ verraten. Durch seine Unbedachtsamkeit
hat er +meinen Feinden+ alles verraten.
+Anmerkung 1.+ Um die persönliche Teilnahme an einem Ereignis mit
besonderer Lebendigkeit hervorzuheben, fügt man oft den Dativ eines
persönlichen Fürwortes in einen Satz ein, z. B.: Das war +dir+
eine Pracht. -- Das waren +mir+ selige Tage! -- Es sind +Euch+ gar
trotzige Kameraden. +Schiller+, u. ähnl. Man nennt diesen Dativ
den +ethischen Dativ+. -- Der +Dativ+ steht ferner oft statt der
Präposition +für mit dem Akkusativ+, z. B.: Wie herrlich leuchtet
+mir+ die Natur (d. i. für mich). +Goethe.+ Die Uhr schlägt +keinem
Glücklichen+. Was Thukydides +für Hellas+, Tacitus +für Rom+, das war
er (Joh. v. Müller) +seinem Vaterlande+. +König Ludwig von Bayern.+
Dieser Dativ heißt der ~Dativus commodi~.
+Anmerkung 2.+ In dichterischer Sprache steht der Dativ oft da, wo
in Prosa eine präpositionale Wendung gebraucht wird, z. B.: Nie hab’
ich +dem Tod+ gezittert (statt: vor dem Tod). +Grillparzer.+ Ich will
lachen +seinem Wüten+ (statt: über sein Wüten). +Derselbe.+
3. Verben, die den Genitiv regieren.
~a~) Den +Genitiv+ regieren die +intransitiven+ oder +intransitiv
gebrauchten Verben+: einer Sache achten, bedürfen, begehren, brauchen,
gedenken, entbehren, entgelten, entarten, ermangeln, erwähnen, fehlen
(d. i. nicht treffen), genießen, gewahren, harren, hüten, lachen,
mangeln, pflegen, schonen, sparen, spotten, vergessen, wahren,
wahrnehmen, walten, warten u. a. +Beispiele+: +Die dieser+ Welt
brauchen, daß sie +derselben+ nicht mißbrauchen. +Luther.+ -- Niemand
weiß, wie lange er +des Ackers+ entbehrt, und +des Gartens+, der ihn
ernährt. +Goethe.+ -- Du sollst +meines Volkes Israel+ hüten. +Luther.+
-- Wie ich +eines Felsenriffs+ gewahre, schrie ich den Knechten,
handlich zuzugehen. +Schiller.+ -- Und +Euer+ wahrlich! hätt’ ich nicht
gefehlt. +Schiller.+ -- Jetzt +pflegt+ sie einen Augenblick der Ruhe.
+Schiller.+ -- Gott hat die Menschen so gebildet, daß sie +der Gaben+
seiner Gnade mit Ergötzung genießen können. +Gellert.+ -- O nimm +der
Stunde+ wahr, eh’ sie entschlüpft. +Schiller.+ -- Zu ihr bring’ ich
dich jetzt, sie wartet +deiner+. +Schiller.+ -- Einige Intransitiva
haben nur in gewissen formelhaften Wendungen einen Genitiv bei sich,
z. B.: des guten Glaubens, der Hoffnung +leben+, Hungers +sterben+, des
Todes sterben u. ähnl.
Die meisten der genannten Verben werden gegenwärtig jedoch nur in
dichterischer Sprache noch mit dem Genitiv verbunden, in prosaischer
Sprache werden sie zum größten Teile transitiv gebraucht und regieren
den Akkusativ, oder sie bleiben auch da intransitiv und nehmen ein
präpositionales Objekt zu sich. So sagt man gewöhnlich: auf etwas
achten, eine Sache begehren, brauchen, an etwas gedenken, eine Sache
entbehren, erwähnen, fehlen, genießen, gewahren, auf etwas harren, eine
Sache hüten, über etwas lachen, es mangelt mir an etwas, über etwas
spotten, eine Sache schonen, sparen, vergessen, wahren, wahrnehmen,
über etwas walten, auf etwas warten, einen Kranken +warten+ (d. i.
pflegen). +Pflegen+ wird nur in den Wendungen: +des Rates, des Umgangs,
der Ruhe pflegen+ mit dem Genitiv verbunden, sonst mit dem Akkusativ,
z. B. einen Kranken pflegen (vgl. I, 169). -- Auch +bedürfen+ kann mit
dem Akkusativ verbunden werden.
~b~) Viele +transitive Verben+ haben neben dem +Akkusativ der Person+
einen +Genitiv der Sache+ bei sich (vgl. S. 73), z. B.: ich +klage dich
eines Verbrechens an+, ich +beraube dich einer Sache+, ich +belehre
dich eines Besseren+ (sonst gewöhnlich: einen +über etwas+ belehren),
er +beschuldigt+ ihn +eines Verbrechens+, er +entbindet+ mich +meines
Versprechens+ (oder: von meinem Versprechen), er +entblößte ihn aller
seiner Habe+, er +enthob+ mich +aller Sorgen+, man +entkleidete+ ihn
+seiner Würde+, man +entließ+ ihn +seines Amtes+ (oder: aus seinem
Amte), man +entledigte+ ihn +seines Gepäcks+, man +entsetzte+ ihn
+des Amtes+, man +entwöhnte+ ihn +aller Furcht+, das +gemahnt+ mich
+vergangener Zeiten+ (oder: an vergangene Zeiten), man +sprach+ ihn
+des Mordes los+ (gewöhnlich von dem Morde), er +mahnt+ mich +meines
Versprechens+ (oder: an mein Versprechen), man +überführte+ ihn +des
Verbrechens+, er +überhob+ mich +aller Sorge+, er +überwies+ mich
+eines Fehlers+, er +versicherte+ mich +seiner Dankbarkeit+, er
+würdigte+ mich +keines Wortes+, er +zeiht+ mich +einer Sünde+.
~c~) Einige +unpersönlich gebrauchte+ Verben regieren neben dem
+Akkusativ der Person einen Genitiv der Sache+, z. B.: Mich +erbarmt
dieses Unglücklichen+, mich +reut dieses+ schlimmen +Handels+, ihn
+jammerte des Volkes+, es +verdrießt mich der Mühe nicht+, es +lohnt+
sich +der Mühe+. Gewöhnlich konstruiert man jedoch die Ausdrücke
persönlich (mit Ausnahme von +sich lohnen+, das am besten immer mit
dem Genitiv verbunden wird) und setzt also statt des Genitivs den
+Nominativ+, z. B.: +Dieser+ traurige +Zustand+ erbarmt mich, +das
Volk+ jammert mich, +der Weg+ verdrießt mich, +dieser+ unüberlegte
+Schritt+ reut mich. Neben: „Mich gelüstet +einer Sache+“ sagt man
gewöhnlich: „Mich gelüstet +nach+ einer Sache.“