~d~) +ausschließend+ (nach Verneinungen). Nach verneinenden Wörtern

steht +als+, nicht +wie+. Daher sagt man richtig: +Niemand als+ du

kann das getan haben, er redet +anders+, +als+ er denkt (nicht: +wie+

er denkt), ich wünsche +nichts als+ Ruhe usw. Nicht zu verwechseln ist

hiermit die Konstruktion: Niemand hat gekämpft +wie+ du u. ähnl. Hier

gehört die Konjunktion nicht zu +niemand+, sondern zum Verbum. +Niemand

als du hat gekämpft+, d. h. du allein hast gekämpft; +niemand hat

gekämpft wie du+ dagegen heißt: es kämpften noch viele außer dir, aber

keiner +so tapfer+ (oder so ausharrend u. ähnl.) +wie+ du.

~e~) +Das Zusammenstoßen zweier+ =als= +ist zu meiden+. Man gebraucht

dann besser das alte vergleichende +denn+, z. B.: Lieber betteln,

+denn als+ Gaukler (nicht: als als Gaukler) sein Brot verdienen. Er

erschien mehr als Freund, +denn+ als Feind.

27. Wortstellung.

Die Wortstellung hat für die schriftliche Darstellung dieselbe

Bedeutung wie der Redeton für den mündlichen Vortrag. Eine falsche

Wortstellung verletzt genau so wie eine falsche Betonung.

~a~) Man vermeide alles +Gezwungene+ und +Unnatürliche+ in der

Wortstellung. Nicht gut ist die Wortstellung z. B. in folgenden

Sätzen: „Er bequemte sich, für gute Zahlung +mit Blumen und Früchten+

manche Abteilung zu verzieren“ (statt: manche Abteilung mit Blumen

und Früchten zu verzieren). -- „Diesmal ward +um+ Mitternacht

+eine außerordentliche Sitzung+ auf den anderen Morgen durch den

Gerichtsboten angesagt“ (statt: durch den Gerichtsboten eine

außerordentliche Sitzung angesagt). -- „Christen, die aus eigener

Erkenntnis es sind“ (statt: die es aus eigener Erkenntnis sind).

~b~) Man vermeide +nachklappende+ Satzteile. Unschön sind in schlichter

Prosa Sätze wie: „Dieser neue Kummer hat tief gebeugt +das greise

Haupt+“ (statt: das greise Haupt tief gebeugt). -- „Er war dein Gast

und hatte sich gesetzt +an deinen Herd+.“ Nur bei großem Schwung der

Rede oder in poetisch gefärbter Prosa ist ein solches Nachsetzen der

näheren Bestimmung gestattet; man vgl. z. B. Fichtes Reden. -- Durchaus

verwerflich ist jedoch eine Wortstellung wie die folgende: „Ich nahm

von meinen Freunden dankbar alles, was mir angeboten, gegeben, nein

aufgedrängt wurde, +an+.“

~c~) Man ordne namentlich die +Adverbialbestimmungen+ an rechter

Stelle ein, um so Zweideutigkeiten zu vermeiden. Falsch ist z. B. die

Wortstellung in den Sätzen: „Ich bitte mein Ausbleiben +höflichst+

entschuldigen zu wollen“ (statt: Ich bitte höflichst, mein Ausbleiben

entschuldigen zu wollen). -- „Der Präsident zeigt das Ableben des

Abgeordneten des dritten Wahlbezirks +nach dreitägiger Krankheit+ an“

(statt: das nach dreitägiger Krankheit erfolgte Ableben) usw.

~d~) +Negationen+ und hervorhebende +Partikeln+ stehen in der Regel

unmittelbar vor oder nach dem Worte, das verneint oder hervorgehoben

werden soll, z. B.: +Nicht+ euer Mut macht mich staunen, sondern eure

Keckheit. -- +Auch+ ich war in Arkadien geboren. -- Man unterscheide:

+Ich wenigstens+ hoffe noch darauf. Ich +hoffe wenigstens+ noch darauf.

+Wenigstens darauf+ hoffe ich noch. -- +Ich selbst+ habe es dir gesagt.

Ich habe es +dir selbst+ gesagt. -- +Ich allein+ habe dich verteidigt

(kein anderer). Ich habe +dich allein+ verteidigt (deine Genossen nicht

mit).

~e~) Man vermeide die Umstellung des Subjekts nach +und+. Häßlich

klingen Sätze wie: Der Dichter war an diesem Orte geboren, und +fanden

seine Werke+ dort die ersten begeisterten Verehrer (statt: und +seine

Werke fanden+). Nur im Volkstone, z. B. in Märchen, Sagen, ist diese

Umstellung gestattet (vgl. z. B. Grimms Märchen); sie ist altes

deutsches Sprachgut, wie etwa die doppelte Verneinung, und unterliegt

daher der nämlichen Beurteilung.

~D.~ Stilistik des zusammengesetzten Satzes.

28. Der Bau der Sätze im allgemeinen.

Jeder Satz soll +übersichtlich+ und +wohllautend+ sein. Man beachte

bei allen Sätzen: ~a~) ihre +Form+, ~b~) die Art ihrer +Verknüpfung+,

~c~) ihre +Stellung+, ~d~) ihren +Rhythmus+. Nur wenn nach allen diesen

Seiten hin der Satz keinen Anstoß erregt, kann er als stilistisch

tadellos bezeichnet werden.

29. Form der Sätze.

~a~) Hauptgedanken erhalten die Form von +Hauptsätzen+, Nebengedanken

die Form von +Nebensätzen+. Gegen diese Regel wird häufig dadurch

gefehlt, daß ein Hauptgedanke in Form eines +Relativsatzes+ einem

anderen Satze angefügt wird, und daß umgekehrt einem Nebensatze ein

+Hauptsatz+ (statt eines Nebensatzes) beigeordnet wird. Zu tadeln sind

demnach Sätze wie die folgenden: „Gestern brach in dem Hauptgebäude

des Schlosses Wilhelmshöhe, das jetzt vom Kaiser bewohnt wird, Feuer

aus, +das aber durch schleunige Hilfe wieder gelöscht wurde+“ (statt:

wurde aber durch schleunige Hilfe wieder gelöscht). -- „Der König,

der uns diese Verfassung gegeben hat, und +er hat sich derselben auch

untergeordnet+“ (statt: gegeben und sich derselben auch untergeordnet

hat). -- „Hier ragten zwei Felsen empor, von denen der eine kahl war;

+der andere war mit Gestrüpp bewachsen+“ (statt: von denen der eine

kahl, der andere mit Gestrüpp bewachsen war). -- Doch kann man einem

Nebengedanken, +wenn er hervorgehoben werden soll+, die Form eines

+Hauptsatzes+ geben. So kann ich dem Satze: „Wir verehren diesen Mann,

weil er unserem Vaterlande eine Achtung gebietende Stellung gegeben

hat“, auch folgende Form geben: „Wir verehren diesen Mann, +denn er hat

unserem Vaterlande eine Achtung gebietende Stellung gegeben+.“ Durch

diese Umänderung erhält der Nebengedanke besonderes Gewicht.

~b~) Man strebe nach +Ebenmaß+ in der Form der Sätze. Die wichtigste

Regel ist hier folgende: Einander entsprechende Satzglieder (z. B.:

Subjekt und Prädikat mit ihren Bestimmungen) oder Sätze (z. B.:

beigeordnete oder parallele Haupt- und Nebensätze) müssen annähernd

+gleichen Umfang+ und möglichst +gleiche grammatische+ Form haben. Da

das Prädikat in der Regel den Hauptton trägt, so muß es mit seinen

Bestimmungen meist größeren Umfang als das Subjekt haben, z. B.: „+Ich

höre staunend die Gewalt des Mundes, der mir von je so unheilbringend

war.+“ Das Tonverhältnis würde daher unschön sein, wenn das Prädikat

+geringeren+ Umfang hätte als das Subjekt, z. B.: „Der liebliche, von

Blume zu Blume flatternde Schmetterling, ein Meisterwerk der Natur,

ein kleines Wunder der Schöpfung, dessen kurze Lebenstage munterem

Tändeln gewidmet sind, +erfreut uns+.“ Ebenso darf das Prädikat, wenn

es oft auch größeren Umfang als das Subjekt haben muß, doch nicht

+unverhältnismäßig+ erweitert sein, wie in folgendem Satze: „Die

Gemsenjagd ist +ein gefährliches, schwindelfreien Kopf, kühnen Mut,

gute Lungen und ausdauernde Muskelkraft erforderndes, gerade darum aber

von gesunden, kräftigen Menschen begehrtes Vergnügen+“ (statt: Die

Gemsenjagd ist ein gefährliches Vergnügen; es erfordert schwindelfreien

Kopf usw. Gerade darum aber wird es von gesunden, kräftigen Menschen

gern aufgesucht). -- Gleichmäßige grammatische Form haben die Sätze in

folgender Periode: „So übt der Mensch in der Jugend seine Kräfte, damit

er im Kampfe des Lebens nicht unterliege; so zieht er schwere Arbeit

dem leichten Spiele vor, damit er des Lebens Preis erjage.“ Zu tadeln

wäre es, wenn hier im zweiten Teile des Satzbildes +auf diese Weise+

statt so, oder +auf daß+ statt +damit+ gesetzt würde. Durch schönes

Gleichmaß der Form zeichnen sich folgende Sätze aus: „Das Buch war das

beste, das ihnen die angenehme Ruhe ließ, im Lesen wenig zu denken, das

ihnen das Vergnügen schaffte, hier und da ein Blümchen zu finden, ohne

sich bücken zu dürfen, das sie in den süßen Traum einwiegte, das hier

zu lesen, was sie selbst schon gedacht zu haben glaubten.“ +Herder.+

-- „Ihr Blick und alles, was Sie umgibt, zeigt mir, daß Sie sich Ihres

vergangenen Lebens freuen können, daß Sie auf einem reinen schönen Wege

in einer sicheren Folge gegangen sind, daß Sie keine Zeit verloren,

daß Sie sich nichts vorzuwerfen haben.“ +Goethe.+ -- Ganz besonders

fehlerhaft ist es, wenn von zwei beigeordneten Satzgliedern das eine

als bloßes Satzglied, das andere als Nebensatz dargestellt wird, z. B.:

„Er gönnte sich Tag und Nacht keine Ruhe +aus Ehrgeiz+ und +weil er

nach Reichtum+ strebte.“ Ebensowenig darf man einen vollständigen

Nebensatz einem verkürzten oder einer Apposition beiordnen, z. B.: „Der

Dichter hat uns hier mit einem Werke beschenkt, +so eigenartig, so

ganz dem Geiste unserer Sprache und unseres Volkes entsprechend+, +und

in welchem+ sich kühner Schwung der Rede mit hohem Fluge des Geistes

paart.“

~c~) Dagegen muß +jeder untergeordnete+ Satz +anders+ gebaut sein,

als der ihm zunächst +übergeordnete+. +Verschiedenheit+ der Form

ist hier ebenso unbedingtes Erfordernis wie bei parallelen oder

beigeordneten Sätzen +Gleichartigkeit+ der Form. So ist es zu tadeln,

wenn zwei konjunktionale Objektsätze, von denen der eine dem anderen

untergeordnet ist, gleichmäßig mit daß eingeleitet oder durch den

+bloßen Konjunktiv+ angeknüpft sind, z. B.: „Ich habe mich bemüht zu

zeigen, +daß+ der Charakter der vollkommen gebildeten Sprachen dadurch

bestimmt wird, +daß+ die Natur ihres Baues beweist, +daß+ es dem Geist

nicht bloß auf den Inhalt, sondern vorzüglich auf die Form der Gedanken

ankommt.“ -- „Mein Freund ließ mir sagen, er habe soeben gehört, mein

Heimatsort sei durch eine Feuersbrunst eingeäschert worden“ (statt: er

habe gehört, +daß+ mein Heimatsort eingeäschert worden sei). Tadellos

ist dagegen der Satz: „Man hoffte, er würde erkennen, daß seine

Stellung unhaltbar geworden sei.“ -- Überhaupt strebe man bei der

Unterordnung nach möglichster Abwechselung nicht nur in der +Form+,

sondern auch in der +Art+ der Nebensätze. So ist der folgende Satz

anstößig, weil die aufeinander folgenden untergeordneten Sätze immer

wieder Attributsätze sind: „Die versammelten Zuschauer erhoben ein

Gebrüll der getäuschten Rachsucht, +welches+ demjenigen zu vergleichen

ist, +das+ der Tiger ausstößt, +dem+ sein Wächter die Speise fortreißt,

+welche+ er eben verschlingen wollte.“

~d~) Man setze überhaupt die +Unterordnung+ nicht durch eine zu

+lange Reihe von Gliedern fort+, auch dann nicht, wenn die Nebensätze

verschiedener Art sind. Schlecht gebaut ist z. B. der folgende Satz:

„Die Leichtigkeit, mit welcher schnell eine nicht geringe Zahl

bedeutender Kunstwerke auf +einen+ Platz versammelt worden, zeigt

zur Genüge, +wieviel+ Vortreffliches Berlin in sich faßt, +das+,

bei Privatpersonen zerstreut, nur diesen und den in jene Familien

eingeführten Personen bekannt, dennoch dazu geeignet wäre, die Mehrzahl

des kunstliebenden Publikums zu erfreuen, +welches+, um sich an der

Vereinigung der königlichen Kunstschätze zu ergötzen, den vollendeten

Bau des Museums erwarten muß; +daher+ es gewiß sehr zu wünschen wäre,

+daß+ ein ähnliches festbestehendes Lokal zuvörderst sich hier befände,

+wo+ Besitzer schätzbarer Gemälde und Kunsthändler das Beste aus ihren

Sammlungen zur Kenntnis des Publikums bringen, besonders aber auch die

Künstler Berlins ihre zuletzt vollendeten Arbeiten aufstellen lassen

möchten, +um+ dadurch sowohl Raum für die neu angefangenen in ihren

Ateliers, als mehr noch eine kostbare Zeit zu gewinnen, +welche+ durch

die Verpflichtung verloren geht, täglich diejenigen +zu empfangen,

welche+ neugierig zu einem oder dem anderen bekannt gewordenen Werke

ihres Pinsels wallfahrten.“ +A. v. Helwig.+

~e~) +Gleichförmiger+ Bau mehrerer Sätze, die +aufeinander folgen+, ist

zu vermeiden. Anstößig ist es namentlich, wenn die Sätze immer wieder

mit demselben Subjekt beginnen, z. B.: „Der +Tiger+ ist ein prächtiges

Tier, anmutig in seinen Bewegungen, aber von niedriger, grausamer

Gemütsart. Er hat einen auf kurzen Beinen ruhenden Körper, wildrollende

Augen und eine feuerrote Zunge, die er stets weit aus dem Rachen

hervorstreckt. Er hat keinen anderen Instinkt als eine beständige Wut,

einen blinden Grimm. Er wartet im Rohrdickicht, am Ufer der Seen und

Flüsse auf die zur Tränke kommenden Tiere. Er sucht sich seine Beute

aus oder vervielfältigt vielmehr seine Morde.“ (Besser: Der Tiger ist

ein prächtiges Tier usw. +Sein Körper+ ruht auf kurzen Beinen; die

wildrollenden Augen und die feuerrote Zunge, die dieser Tyrann der

indischen Wälder stets weit aus dem Rachen hervorstreckt, bekunden

seine unersättliche Blutgier. Er hat keinen anderen Instinkt, als eine

beständige Wut usw. Im +Rohrdickicht+, am Ufer der Seen und Flüsse

wartet er usw. +Dort+ sucht er sich seine Beute aus usw.)

30. Art der Verknüpfung.

~a~) Für die +Zusammenziehung+ zweier Sätze gilt folgende Regel: Zwei

Sätze dürfen nur dann zusammengezogen werden, wenn die Begriffe,

die bei der Zusammenziehung nur +einmal+ gesetzt werden, sowohl dem

+Inhalte+ als auch der +grammatischen+ Form nach in beiden Sätzen

völlig dieselben sind. So sind folgende Zusammenziehungen falsch,

weil der +Inhalt+ verschieden ist: „Der Knabe wird sechs Jahre alt,

jetzt in die Schule geschickt und zunächst lesen lernen“ (das Verbum

+werden+ muß wiederholt werden; denn es ist das erstemal selbständiges

Verbum, das zweitemal [wird geschickt] Hilfsverbum zur Bildung des

Passivs, das drittemal [wird lernen] Hilfsverbum zur Bildung des

Futurums). -- „Der Kaufmann +hatte+ sein ganzes Vermögen verloren

und nur noch ein Haus in seiner Heimat“ (+hatte+ ist das erstemal

Hilfsverbum, das zweitemal selbständiges Verbum in der Bedeutung

+besitzen+). -- In folgenden Sätzen ist die +grammatische Form+ nicht

dieselbe: „Das erst ist die vollkommene Freiheit, +einen Herrn+ weder

zu haben noch zu sein“ (statt: weder einen Herrn zu haben, noch ein

Herr zu sein). -- „Der Brief, +der+ heute früh angekommen ist und ich

sofort gelesen habe.“ -- Vgl. S. 40. -- Ferner gilt als Regel, daß

die zusammengezogenen Begriffe nicht +ungleichartig+ seien, wie etwa

in dem Satze: „Alle Georgier sind Christen, von Adel oder Bauern und

geneigt zur Trunkliebe, gute Jäger und dem Erdbeben ausgesetzt.“ Auf

solcher Zusammenstellung von Ungleichartigem beruhen vielfach die Witze

Heinrich Heines.

~b~) +Beigeordnete+ Nebensätze müssen durch +dasselbe Pronomen oder

dieselbe+ Konjunktion mit dem Hauptsatze verbunden werden. Zwei

einander beigeordnete Relativsätze müssen z. B. beide mit +der+ oder

beide mit +welcher+ eingeleitet werden. „Schon mancher Reisende ist

ein Opfer der grausigen Schneewirbel geworden, +die+ der Sturm in

den Hochpässen umhertreibt und +die+ (nicht +welche+) den Wandrer

namentlich im Winter überraschen.“ Nicht gut ist der Satz: „Man suchte

zu erforschen, +wie+ der Schnee entstünde, +auf welche Art+ (besser:

+wie+) seine Kristalle sich zusammenfügten“ usw. Vgl. S. 46.

~c~) Nebensätze, von denen der eine dem anderen untergeordnet ist, sind

so viel als möglich durch +verschiedene+ Konjunktionen einzuleiten.

Von zwei Bedingungssätzen, die im Verhältnis der Unterordnung

zueinander stehen, würde z. B. am besten der eine mit +wenn+, der

andere mit +falls+ zu beginnen sein, z. B.: „Es ist immer rührend,

+wenn+ auch der schwache Nestor sich dem ausfordernden Hektor stellen

will, +falls+ kein jüngerer und stärkerer Grieche mit ihm anzubinden

sich getraut.“ +Lessing.+ -- Stehen zwei Relativsätze im Verhältnis

der Unterordnung zueinander, so wendet man abwechselnd +der+ und

+welcher+ zur Verknüpfung an, z. B.: „Er (Ignatius Loyola) hatte die

unbeschränkte Leitung einer Gesellschaft in Händen, auf +welche+ ein

großer Teil seiner Intuitionen überging, +welche+ ihre geistlichen

Überzeugungen mit Studium auf dem Wege bildete, auf +dem+ er sie durch

Zufall und Genius erworben hatte; +welche+ zwar seinen jerusalemischen

Plan nicht ausführte, +bei dem+ sich nichts erreichen ließ, aber

übrigens zu den entferntesten, erfolgreichsten Missionen schritt und

hauptsächlich jene Seelsorge, +die+ er immer empfohlen, in einer

Ausdehnung übernahm, +wie+ er sie niemals hatte ahnen können; +welche+

ihm endlich einen zugleich soldatischen und geistlichen Gehorsam

leistete.“ +Leopold von Ranke.+ Zu tadeln sind demnach Sätze wie die

folgenden: „Der Fremde, +welcher+ das Haus, in +welchem+ (statt:

+in dem+) er seine Kindheit verlebt hatte, wieder betrat.“ -- „Ein

Bedienter, +der+ lange Zeit treu und redlich einem Herrn gedient, +der+

aber nun gestorben ist (statt: +welcher+ nun gestorben ist), sucht ein

anderweitiges Unterkommen.“

31. Stellung der Sätze.

~a~) Die +Objektsätze+ und +Adverbialsätze folgen+ in der Regel dem

Hauptsatze +nach+; nur wenn sie +hervorgehoben+ werden sollen, erhalten

sie ihre Stellung +vor+ dem Hauptsatze. Regelmäßig: „Ich sehe, daß ihr

meiner nicht bedürft.“ „Wie wurde mir, als ich ins Innere der Kirche

trat.“ Inversion: „Daß er betrogen ist, kann er nicht sehen; daß sie

Betrüger sind, kann ich nicht zeigen.“ „Wohin er tritt, glaubt er von

Feinden sich umgeben.“ „Und wie er sitzt und wie er lauscht, teilt sich

die Flut empor.“

~b~) +Attributsätze+ stehen in der Regel unmittelbar nach dem Worte,

das durch sie näher bestimmt wird, z. B.: „Die Hoffnung, daß sie

endlich doch den Sieg über ihre Bedrücker erringen würden, erhielt

unsere Vorfahren in schwerer Lage aufrecht.“ Andere Beispiele s. S. 40.

~c~) +Subjektsätze+ stehen in der Regel vor dem Hauptsatze, z. B.:

„Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.“ Nachgestellt wird der

Subjektsatz, 1. wenn er einen weit +größeren Umfang+ hat als der

Hauptsatz, z. B.: „Daß er das Gute will, ist außer Zweifel; aber leider

ist es ebenso gewiß, +daß+ geistige Beschränktheit ihn verkehrte

Mittel zu guten Zwecken ergreifen und Schwäche des Willens ihn auch

ergriffene rechte Mittel nicht durchführen läßt“; 2. wenn der Hauptsatz

+hervorgehoben+ werden soll, z. B.: „Es ist +so schwer+, im Freunde

sich verdammen.“ „Ganz +unleidlich+ ist’s, was wir erdulden“; 3. wenn

der Hauptsatz ein +Fragesatz+ ist, z. B.: „Ist’s denn so nötig, daß er

sich entfernt?“

~d~) +Zwischensätze+ dürfen nicht zu +lang+ sein. Nicht gut ist z. B.

der Satz: „Der Brocken, welcher die höchste Erhebung des Harzes

bildet und schon während des ganzen Mittelalters wohl bekannt war

und namentlich in der Sage eine große Rolle spielte, aber noch nicht

von fröhlichen Wanderern, sondern höchstens von unheimlichen Hexen

bestiegen wurde, gewährt selten eine gute Fernsicht.“ Der Zusammenhang

des übergeordneten Satzes wird hier durch den Zwischensatz fast

aufgelöst. Sind lange Zwischensätze nicht zu vermeiden, so muß nach

Beendigung des Zwischensatzes der übergeordnete Satz von neuem begonnen

werden, z. B.: „Daß die Vorsteher jener helvetischen Republiken weder

den Herrn Linguet noch seine Annalen für wichtig genug gehalten, sich

um ihretwillen auch nur der geringsten Unannehmlichkeit auszusetzen,

die daraus hätte erfolgen können, +wenn Blätter+, worin nicht nur so

viele öffentliche Korps und Gesellschaften in Frankreich aufs heftigste

angegriffen werden, sondern selbst über Nationen, Könige, Fürsten

und öffentliche Welthändel mit zynischer Freiheit ins Gelag hinein

räsoniert wird, +wenn, sage ich, Blätter+ dieses Schlages öffentlich

aus einer helvetischen Druckerei hervorgegangen wären.“ +Wieland.+

~e~) Wenn ein +Nebensatz in einen anderen eingeschoben+ wird, so darf

+er nicht gleich nach der Konjunktion+ des übergeordneten Satzes

eingeschaltet werden, sondern es muß mindestens +ein den Inhalt+

andeutendes Satzglied (Subjekt, Objekt usw.) voraufgegangen sein. Nicht

gut ist daher der Satz: „Es genügt, +wenn+, da der Geist immer unbewußt

danach verfährt, er für jeden einzelnen Teil einen solchen Ausdruck

findet, der ihn wieder einen anderen mit richtiger Bestimmtheit

auffassen läßt.“ Richtig ist dagegen der Satz: „Wie glücklich war ich,

daß tausend kleine Vorgänge zusammen, +so gewiß als+ das Atemholen

Zeichen meines Lebens ist, mir bewiesen, daß ich nicht ohne Gott auf

der Welt sei.“ +Goethe.+ Ist ein Nebensatz in einen +Relativsatz+

eingeschoben, so kann er unmittelbar auf das Relativpronomen folgen, da

das Relativpronomen nicht bloß zur Verknüpfung dient, sondern zugleich

ein wichtiges Satzglied im Relativsatze bildet. Tadellos ist daher der

Satz: „Jeder hat etwas in seiner Natur, +das, wenn+ er es öffentlich

ausspräche, Mißfallen erregen müßte.“ +Goethe.+

~f~) Adverbialsätze dürfen +nicht+, wie im Lateinischen, +unmittelbar

nach dem Subjekte+ des Hauptsatzes stehen. Fehlerhaft sind daher die

Sätze: „Orgetorix, +nachdem+ er sich des Adels versichert, kam in die

Gemeinde der Eidgenossen.“ „Der Major, +als+ er in sein Zimmer trat,

fühlte sich wirklich in einer Art von Taumel“ usw.

~g~) +Konditionalsätze+, die die Form eines Fragesatzes haben, müssen

immer dem Hauptsatze vorangehen, z. B.: „+Ist sie begeistert und von

Gott gesandt+, wird sie den König zu entdecken wissen.“ +Schiller.+

Falsch dagegen: „Jede Form, wie köstlich auch immer ihr Inhalt sei,

+hat sie einmal ihre Zeit überlebt+, kann so wenig als der Leichnam

eines Menschen wieder erweckt werden.“

~h~) +Einschachtelung von Nebensätzen ist zu vermeiden.+ Zu tadeln

sind Sätze wie die folgenden: „Christliche Prediger, die sich durch

den Ernst, mit welchem sie sich mit den inneren Kämpfen des religiös

bewegten Lebens beschäftigten, auszeichneten, waren willkommen.“ --

„Die Gesetze der Schwere, wie sie Newton und andere große Astronomen,

welche dadurch einen Ruf, der bis in die Ewigkeit dauern wird, erlangt

haben, aufstellen, sind jetzt allgemein bekannt.“

~i~) Nebensätze, die einander +beigeordnet sind+, müssen immer

+unmittelbar nebeneinander+ stehen, sie müssen also entweder beide

Vordersätze oder beide Zwischensätze oder beide Nachsätze sein.

Fehlerhaft ist z. B. der Satz: „+Daß er der Heimat nahe sei+, ward ihm

jetzt immer deutlicher, +und daß ihm große Freude bevorstehe+.“

32. Rhythmus des Satzes.

Der Rhythmus des Satzes beruht auf dem Wechsel stärker und schwächer

betonter Satzglieder und Sätze. Je wichtiger ein Begriff oder ein

Gedanke ist, desto stärker ist seine Betonung. Der Rhythmus wird nur

dann ein wohlgefälliger sein, wenn ein lebendiger Wechsel mannigfacher

Tonverhältnisse stattfindet und wenn dieser Wechsel nicht unregelmäßig

und willkürlich, sondern mit schönem Ebenmaß der Sätze verbunden ist.

Man beobachte daher hauptsächlich folgende Regeln:

~a~) Ein +zu geringer Wechsel+ der Betonung ist zu meiden, denn der

Stil wird dadurch +eintönig+ und +schleppend+. +Eintönig+ wird der Stil

z. B., wenn lauter kurze Hauptsätze aufeinander folgen: „Peter war

groß und von edlem Anstande. Er hatte eine geistreiche Physiognomie.

Er drückte sich gut aus und redete mit Feuer, er hatte viel natürliche

Anlagen zur Beredsamkeit und hielt oft Anreden. Gegen äußere Pracht

war er sehr gleichgültig und überließ es seinem Günstling Menzikof,

sie, wo es nötig war, zu zeigen. Nie war wohl ein Mensch arbeitsamer,

unternehmender und weniger zu ermüden.“ Man nennt solche Sätze

+zerhackte Sätze+. +Schleppend+ wird der Stil, wenn die Perioden +zu

lang+ sind, wenn die +Unterordnung+ durch eine +zu lange Reihe von

Gliedern+ fortgesetzt wird, vgl. S. 47; wenn +zuviel gleichartige

Satzteile+ aneinandergereiht werden, vgl. S. 42, und wenn Nebensätze

+eingeschachtelt+ werden, vgl. S. 51.

~b~) Die Satzglieder und einzelnen Sätze einer Satzverbindung oder

eines Satzgefüges müssen nach ihrem Inhalte und Umfange in möglichstem

+Ebenmaße+ stehen. Vgl. S. 45.

~c~) Anhäufungen +schwach betonter+ oder +unbetonter+ Wörter sind zu

vermeiden. Fehlerhaft ist daher der Rhythmus in folgenden Sätzen: „Ich

kann Ihre Briefe nicht entbehren: +da Sie mir sie also nicht als ein+

Almosen wollen zukommen lassen“ usw. +Lessing.+ „Er wunderte +sich+,

+wie sie+, +die sie es doch selbst+ gesehen habe, das bezweifeln könne.“

Kurzgefaßte Deutsche Stilistik · 第 5 / 10 段