Jakob II.
=Inhalt.=
Seite
Tod Karl's II. 5
Verdacht der Vergiftung 13
Rede Jakob's II. an den Geheimen Rath 14
Ausrufung Jakob's 15
Stand des Ministeriums 16
Neue Anordnungen 17
Sir Georg Jeffreys 18
Erhebung der Kroneinnahmen ohne Parlamentsacte 22
Einberufung eines Parlaments 23
Verhandlungen zwischen Jakob und dem König von Frankreich 23
Churchill als Gesandter nach Frankreich geschickt 25
Seine Geschichte 25
Stimmung der Regierungen des Continents in Bezug auf England 27
Innerer Kampf Jakob's II. 31
Schwankungen seiner Politik 31
Öffentliche Ausübung des katholischen Ritus in Jakob's Palast 33
Jakob's Krönung 34
Enthusiastische Adresse der Tories 36
Die Wahlen 37
Prozeß gegen Oates 41
Prozeß gegen Dangerfield 44
Prozeß gegen Baxter 45
Zusammentritt des schottischen Parlaments 48
Gesinnungen Jakob's gegen die Puritaner 49
Grausame Behandlung der schottischen Covenanters 50
Stimmung Jakob's gegen die Quäker 53
Wilhelm Penn 55
Besondere Bevorzugung der Katholiken und Quäker 57
Zusammenkunft des englischen Parlaments 59
Trevor zum Sprecher gewählt 59
Seymour's Character 59
Rede des Königs an das Parlament 60
Debatte bei den Gemeinen. -- Rede Seymour's 61
Bewilligung des Einkommens 62
Verhandlungen der Gemeinen hinsichtlich der Religion 62
Bewilligung nachträglicher Steuern 63
Sir Dudley North 63
Verhandlungen der Lords 64
Bill zur Aufhebung der Verurtheilung Stafford's 65
[_Tod Karl's II._] Der Tod Karl's II. war der Nation überraschend. Er
besaß eine kräftige Constitution und schien nicht durch Ausschweifungen
gelitten zu haben. Bei seinen Vergnügungen ließ er nie die Rücksicht auf
die Gesundheit aus den Augen, und seine Gewohnheiten berechtigten zur
Erwartung eines langen Lebens und rüstigen Greisenalters. Wie träge er
auch immer da erschien, wo Anstrengung des Geistes nöthig war, in
körperlichen Übungen war er lebhaft und ausdauernd. Er war in seiner
Jugend ein rühmlich bekannter Ballspieler gewesen,[1] und noch im
höheren Lebensalter ein unermüdlicher Fußgänger von so außergewöhnlichem
Schritt, daß Diejenigen, denen die Ehre seines Umgangs zu Theil wurde,
Mühe hatten, mit ihm fortzukommen. Er verließ sehr zeitig das Bett und
bewegte sich regelmäßig drei bis vier Stunden in der freien Luft. Ehe
noch der Thau von dem Grase des St. James-Parks verschwunden war, sah
man ihn schon unter den Bäumen lustwandeln und mit seinen Wachtelhunden
spielen, oder den Enten Korn vorwerfen, und diese Beschäftigungen
machten ihn beim gemeinen Volke sehr beliebt, welches immer die
Mächtigen gern bei ihren zwanglosen Erholungen beobachtet.[2]
Endlich -- es war gegen den Schluß des Jahres 1684 -- traf ihn ein
leichter Anfall, wie man glaubte, von Gicht, wodurch es ihm unmöglich
wurde, seine gewöhnlichen Ausflüge vorzunehmen und er die Morgenstunden
in seinem Laboratorium zubrachte, beschäftigt mit Experimenten über die
Natur des Quecksilbers. Auf seine Gemüthsstimmung schien dieses
Abgeschlossensein eine ungünstige Wirkung zu äußern. Es bestand keine
gerechtfertigte Ursache zur Unruhe, das Königreich war beruhigt, es
drückte ihn kein Geldmangel, seine Macht war bedeutender als jemals,
die Partei, welche ihm so oft im Wege stand, war vernichtet, aber die
Fröhlichkeit, welche ihn auch bei dem traurigsten Geschick nicht
gänzlich verlassen, war in dieser Zeit des Glücks von ihm gewichen. Ein
unbedeutendes Ereigniß vermochte jetzt die elastischen Lebensgeister
niederzuhalten, welche gegen Niederlage, Verbannung und Dürftigkeit
angestrebt hatten. Seine Reizbarkeit verrieth sich oft durch Mienen und
Äußerungen, wie man sie von einem durch heitere Laune und seine Bildung
bekannten Manne kaum erwarten konnte, man hatte jedoch keine Ahnung, daß
seine Gesundheit ernstlich angegriffen sei.[3]
Selten hatte sein Palast einen lustigeren oder auch unanständigeren
Anblick geboten, als am Sonntag Abend den 1. Februar 1685.[4] Einige
würdige Personen, welche nach der Sitte jener Zeit nach Hofe gingen, um
dem Souverain ihre Ehrfurcht zu beweisen, und an diesem Tage daselbst
ein anständiges Aussehen erwarteten, wurden von Erstaunen und Abscheu
erfüllt. Die große Halle von Whitehall, ein herrlicher Überrest der
Pracht der Tudors, war gedrängt voller Schwelger und Spieler. Darunter
saß der König, plaudernd und scherzend mit drei Frauen, deren Reize der
Stolz und deren Verdorbenheit die Schande dreier Nationen waren. Es war
dabei Barbara Palmer, Herzogin von Cleveland, zwar nicht mehr jung, aber
noch jetzt mit Spuren jener wunderbaren, üppigen Reize begabt, welche
vor zwanzig Jahren ihr die Herzen aller Männer gewannen; dann die
Herzogin von Portsmouth, deren sanfte, feine Züge von französischer
Lebhaftigkeit überflogen waren. Hortensia Manzini, Herzogin von Mazarin
und Nichte des berühmten Cardinals schloß die Gruppe. Man hatte sie in
früher Jugend aus ihrem Geburtslande Italien nach dem Hofe gebracht, wo
ihr Oheim herrschte. Die Macht desselben und ihre Reize hatte eine Menge
vornehmer Freier um sie gesammelt, und Karl selbst hatte während seines
Exils ohne Erfolg um ihre Hand geworben. Keine Gabe der Natur und des
Glücks schien ihr versagt zu sein. Ihr Antlitz zeigte die vollendete
Schönheit des Südens, ihr Verstand war lebhaft, ihr Benehmen
liebenswürdig, ihr Stand hocherhaben und ihre Besitzungen von ungeheurer
Größe; aber ihre wilden Leidenschaften hatten all diesen Segen in Fluch
verwandelt. Sie hatte die Beschwerden einer unglücklichen Ehe
unerträglich gefunden, war dem Gemahl entflohen, hatte ihre Reichthümer
im Stiche gelassen, und nachdem sie Rom und Piemont durch ihre Abenteuer
in Verwunderung gesetzt, ihren Aufenthalt in England genommen. Ihr Haus
war der Lieblingsaufenthalt von witzigen und lebenslustigen Männern,
welche um ihres Lächelns und ihrer Tafel willen oftmalige Ausbrüche von
Übermuth und Launenhaftigkeit sich gefallen ließen. Rochester und
Godolphin erholten sich oft in ihrer Gesellschaft von den Sorgen der
Regierung, Barillon und St. Evremond trösteten sich durch den Umgang mit
ihr über die lange Verbannung von Paris; Vossius' Gelehrsamkeit und
Waller's Geistesreichthum waren eifrig bemüht ihr zu schmeicheln und
Unterhaltung zu verschaffen; aber ihr krankes Gemüth verlangte
kräftigere Aufregungsmittel. Sie suchte dieselben in Liebschaften,
Basset und irländischem Gewürzbranntwein.[5] Während Karl mit seinen
drei Sultaninnen scherzte, trällerte Hortensia's französischer Page, ein
hübscher Knabe, dessen Gesangsleistungen ganz Whitehall bezauberten und
durch häufige Geschenke von schönen Kleidern, kleinen Pferden und
Guineen belohnt wurden, verliebte Lieder.[6] Um eine große Tafel saßen
eine Anzahl von zwanzig Hofherren vor mächtigen Goldhaufen und spielten
Karten.[7] Schon damals beklagte sich der König über ein leichtes
Unwohlsein, er hatte keinen Appetit zum Abendessen und eine ruhelose
Nacht, stand aber am nächsten Morgen nach seiner Gewohnheit frühzeitig
auf.
Auf diesen Morgen hatten die streitenden Factionen des Geheimen Rathes
seit mehreren Tagen mit ängstlicher Erwartung hingeblickt. Der Kampf
zwischen Halifax und Rochester schien sich einem entscheidenden
Wendepunkte zu nähern. Halifax, nicht zufrieden, seinen Nebenbuhler
bereits vom Schatzamte verdrängt zu haben, war entschlossen, den Beweis
zu führen, daß derselbe sich einer solchen Unredlichkeit oder
Nachlässigkeit in der Finanzverwaltung schuldig gemacht, welche
nothwendig mit Entfernung aus dem Staatsdienste geahndet werden müsse.
Man flüsterte sich sogar zu, der Lord Präsident würde vermuthlich in den
Tower gebracht werden. Der König hatte eine Untersuchung dieser Sache
versprochen, und der zweite Februar war dazu bestimmt; mehrere
Finanzbeamte sollten sich mit ihren Büchern an diesem Tage einfinden[8]
-- aber das Schicksal hatte es anders beschlossen. --
Kaum hatte Karl sein Lager verlassen, als die aufwartenden Personen
bemerkten, daß seine Aussprache undeutlich und seine Gedanken verwirrt
und unstät zu sein schienen. Mehrere hochgestellte Männer hatten sich,
wie es üblich war, eingefunden, um ihren Herrn rasiren und ankleiden zu
sehen. Er machte eine Anstrengung, mit ihnen in seiner gewöhnlichen
heiteren Manier sich zu unterhalten, aber sein verstörtes Aussehen
bestürzte und ängstigte sie. Bald darauf wurde sein Antlitz schwarz, er
verdrehte die Augen, schrie laut auf, taumelte und sank in die Arme des
Thomas Lord Bruce, Sohnes des Earls von Ailesbury. Zufällig war der Arzt
in der Nähe, dem die Sorge für des Königs Schmelztiegel und Retorten
oblag, dieser öffnete in Ermangelung einer Lanzette mit dem Federmesser
eine Ader, das Blut floß ungehindert, aber der König war noch immer ohne
Bewußtsein.
Man brachte ihn auf sein Bett, wo sich die Herzogin von Portsmouth eine
Zeit lang mit der Vertraulichkeit einer Gattin über ihn hinneigte. Aber
schon war Lärm geworden. Die Königin und die Herzogin von York eilten
herbei und nöthigten die begünstigte Favorite, sich in ihre Zimmer
zurückzuziehen. Diese Gemächer waren von ihrem Geliebten zu Befriedigung
ihrer Launen dreimal niedergerissen und dreimal wieder aufgebaut worden.
Selbst das Geräth des Kamins war aus massivem Silber gearbeitet.
Verschiedene prachtvolle Gemälde, eigentlich der Königin gehörig, waren
in die Zimmer der Maitresse gebracht worden. Die Seitentische waren mit
dem kostbarsten Silbergeräth bedeckt. In den Nischen standen Kästchen,
welche Meisterwerke japanischer Geschicklichkeit waren. Auf den
Vorhängen, welche eben von den Pariser Webstühlen kamen, befanden sich
in Farben, welche keine englische Kunst nachzuahmen verstand, Vögel mit
dem prachtvollsten Gefieder, Landschaften, Jagdbilder, die wunderschöne
Terrasse von Saint-Germain, die Statuen und Fontainen von Versailles
dargestellt.[9] Und mitten in dieser durch Schuld und Schmach erworbenen
Pracht gab das unglückliche Weib sich dem tiefsten Kummer hin, welcher,
um gerecht zu sein, nicht ganz selbstsüchtig war.
Jetzt wurden die Pforten von Whitehall, welche in der Regel allen
Kommenden offen standen, geschlossen. Nur bekannten Personen wurde der
Eintritt bewilligt. Die Vorzimmer und Gallerien waren bald darauf
überfüllt, und selbst im Krankenzimmer drängten sich Pairs, Geheime
Räthe und fremde Gesandte. Alle Ärzte von Ruf in London wurden
herbeigeholt. Man kann sich einen Begriff von der politischen
Erbitterung machen, wenn man erfährt, daß die Anwesenheit einiger
whiggistisch gesinnter Ärzte als ein höchst auffallender Umstand
betrachtet wurde.[10] Ein damals durch seine Geschicklichkeit sehr
berühmter katholischer Arzt, Doctor Thomas Short, war zugegen.
Verschiedene von den verordneten Recepten sind auf unsere Zeit gekommen,
eines davon ist von vierzehn Ärzten unterzeichnet. Man ließ dem
Patienten reichlich zur Ader, brachte glühendes Eisen an seinen Kopf und
füllte ihm ein ekelhaftes, flüchtiges Salz ein, welches aus
Menschenschädeln präparirt war. Die Besinnung kehrte zurück, aber der
Zustand des Kranken war offenbar ein äußerst gefährlicher.
Eine Zeit lang pflegte ihn die Königin unverdrossen, und der Herzog von
York wich kaum einen Augenblick vom Bette seines Bruders. Der Primas und
vier andere Bischöfe, welche damals in London waren, blieben den ganzen
Tag in Whitehall und wachten abwechselnd während der Nacht in dem Zimmer
des Königs. Die Kunde von seiner Krankheit erregte in der Hauptstadt
Angst und Sorge, denn sein freundliches Gemüth und leutseliges Wesen
hatten ihn bei der Mehrzahl des Volkes beliebt gemacht, und Diejenigen,
welche nicht eben günstig für ihn gesinnt waren, zogen doch seinen
charakterlosen Leichtsinn der strengen und finstren Bigotterie seines
Bruders vor.
Am Morgen des Donnerstag, den 5. Februar, machte die Londoner Gazette
bekannt, daß das Befinden Sr. Majestät sich zusehends bessere und die
Ärzte die Gefahr für beseitigt hielten. Fröhliches Glockengeläute
ertönte von den Thürmen und in den Straßen wurden Vorbereitungen zu
einer Erleuchtung getroffen; jedoch am Abend verbreitete sich die
Nachricht, daß ein Rückfall stattgefunden habe und von den Ärzten alle
Hoffnung aufgegeben worden sei. Alles war in heftiger Aufregung, doch
zeigte sich nirgends Neigung zu Aufruhr. Der Herzog von York, welcher es
schon übernommen hatte, Befehle zu ertheilen, erkannte durch eigene
Anschauung, daß die Stadt vollkommen ruhig sei und daß er ohne Mühe zum
König ausgerufen werden könne, sobald sein Bruder die Augen schloß.
Der König fühlte große Schmerzen und klagte darüber, daß er die
Empfindung habe, als ob Feuer in seinem Innern brenne, ertrug jedoch
seine Leiden mit einer Ergebung, welche seiner weichlichen, üppigen
Gemüthsart nicht angemessen schien. Die Königin war vom Anblick seines
trostlosen Zustandes so tief erschüttert, daß sie ohnmächtig wurde und
man sie besinnungslos nach ihren Zimmern bringen mußte. Die anwesenden
Prälaten hatten schon anfangs ihn ermahnt, an den Tod zu denken, jetzt
hielten sie es für ihre Pflicht, ihn noch dringlicher daran zu mahnen.
Der Erzbischof von Canterbury, Wilhelm Sancroft, ein redlicher, frommer,
wenn auch etwas beschränkter Mann, sprach ohne alle Rücksichten. »Es ist
jetzt Zeit, offenherzig zu sein,« sagte er, »denn Sie sind im Begriff,
Sire, vor einen Richter zu treten, bei dem kein Ansehen der Person
gilt.« Der König erwiderte kein Wort.
Jetzt begann Thomas Ken, Bischof von Bath und Wells, seine
Überredungskunst zu versuchen. Er war ein talentvoller, gelehrter Mann,
von feinem Tact und begründeter Tugend. Seine größeren Werke sind längst
vergessen, aber seine Morgen- und Abendhymnen werden noch täglich in
Tausenden von Wohnungen wiederholt. Obgleich er wie fast alle seine
Standesgenossen, vollkommen monarchisch gesinnt war, hatte er sich doch
nie als Schmeichler gezeigt, und bevor er Bischof wurde, seine
geistliche Würde dadurch gewahrt, daß er bei Anwesenheit des Hofes zu
Winchester sich weigerte, Eleonore Gwynn in dem Hause, welches er damals
als Priester innehatte, Wohnung zu geben.[11] Der König war vernünftig
genug, einen so kräftigen Geist zu achten, unter allen Prälaten war er
Ken am meisten zugethan, trotzdem aber blieb die eifrige Beredtsamkeit
des guten Bischofs ohne den gewünschten Erfolg. Seine feierliche und
ergreifende Rede rief unter den Umstehenden eine so hohe Ehrfurcht und
Zerknirschung hervor, daß einige derselben glaubten, derselbe Geist sei
über ihn gekommen, welcher durch den Mund des Nathan und Elias sündige
Fürsten zur Buße ermahnte. Karl jedoch blieb ungerührt. Er duldete zwar,
daß ihm das Gebet von der Heimsuchung der Kranken vorgelesen wurde, und
erwiderte auf die dringenden Fragen der Geistlichen, daß er seine Sünden
bereue, gestattete auch, daß die Absolution nach dem Ritus der
englischen Kirche über ihn gesprochen wurde; als man ihn aber
aufforderte, laut zu erklären, daß er im Schooße dieser Kirche sterben
wolle, schien er diese Worte nicht zu verstehen, und nichts konnte ihn
dahin bringen, das Abendmahl aus der Hand der Bischöfe zu empfangen. Man
brachte einen Tisch mit Brod und Wein an sein Lager; es war aber Alles
vergeblich. Einmal sagte er, es habe keine Eile, und dann, er sei zu
schwach.
Viele hielten diese Gleichgültigkeit für eine Verachtung göttlicher
Dinge, Andere für Stumpfsinn, welcher bisweilen dem Tode vorausgeht. Es
befanden sich jedoch im Palaste einige Personen, welche den Grund besser
kannten. Karl war niemals ein aufrichtiger Bekenner der Staatskirche
gewesen, er hatte lange zwischen Hobbismus und Papismus geschwankt.
Bei gesundem Körper und frohem Lebensmuthe war er Spötter, und in den
wenigen ernsten Augenblicken seines Lebens Katholik. Der Herzog von York
wußte das, er war jedoch mit der Sorge für seine eigenen Angelegenheiten
zu sehr beschäftigt. Er hatte befohlen, die Häfen zu schließen und
Detachements der Garden auf verschiedenen Punkten der Stadt
aufzustellen. Ebenso war es ihm gelungen, die mit zitternder Hand
geführte Unterschrift des sterbenden Königs unter ein Dokument zu
erhalten, wodurch einige, nur bis zum Thronwechsel bewilligte Zölle auf
fernere drei Jahre verpachtet wurden. Diese Angelegenheiten
beschäftigten Jakob so ausschließlich, daß er, der sonst keine
Gelegenheit vorüberließ, durch unzeitigen und rücksichtslosen Eifer
seiner Kirche Proselyten zu gewinnen, jetzt nicht daran dachte, daß sein
Bruder Gefahr laufe, ohne die letzten Sakramente aus der Welt zu
scheiden. Diese Saumseligkeit war um so unbegreiflicher, da die Herzogin
von York auf die Bitte der Königin an dem Morgen, wo der König
erkrankte, darauf aufmerksam gemacht hatte, wie nothwendig es sein
möchte, für geistliche Beihülfe Sorge zu tragen. Diesen Beistand empfing
Karl durch eine ganz andre Vermittelung, als die seiner frommen Gemahlin
und Schwägerin. Ein lasterhaftes und frivoles Leben hatte in der
Herzogin von Portsmouth noch nicht alles religiöse Gefühl und alle jene
Güte erstickt, welche der Ruhm des weiblichen Geschlechts ist. Der
französische Gesandte, Barillon, welcher nach dem Palaste gekommen war,
um sich nach dem Zustande des Königs zu erkundigen, stattete ihr einen
Besuch ab und fand sie in Kummer und Verzweiflung. Sie bat ihn, ihr in
ein geheimes Zimmer zu folgen, und sprach sich ohne Rückhalt aus. »Ich
muß Ihnen -- sagte sie -- eine Sache von großer Wichtigkeit mittheilen,
würde sie bekannt, so könnte mein Leben in Gefahr kommen. Der König ist
ganz gewiß katholisch, aber er wird sterben, ohne mit der Kirche Frieden
geschlossen zu haben. Des Königs Zimmer ist mit protestantischen
Geistlichen angefüllt, ich darf nicht hineingehen ohne Anstoß zu geben
und der Herzog denkt nur an sich. Sprechen Sie mit ihm, erinnern Sie
ihn, daß es eine Seele gilt, er ist jetzt der Gebieter, auf seinen
Befehl wird man das Zimmer räumen. Gehen Sie diesen Augenblick, oder es
wird zu spät sein!« Barillon ging nach dem Krankenzimmer, trat mit dem
Herzog bei Seite und entdeckte ihm die Mittheilung der Favorite. Da
erwachte Jakob's Gewissen, er fuhr, wie aus dem Schlafe geweckt, heftig
empor und versicherte, daß er ohne jede Rücksicht die heilige Pflicht
erfüllen werde, welche schon zu lange verabsäumt worden sei. Mehre Pläne
wurden hin und her überlegt, zuletzt befahl der Herzog den Umstehenden,
auf die Seite zu treten, ging an das Bette, neigte sich herab und
flüsterte einige Worte, welche Niemand im Zimmer hören konnte, die man
aber für eine Frage in Bezug auf Staatsangelegenheiten hielt. Karl
entgegnete mit munterer Stimme: »Ja, ja, von ganzem Herzen!« Keiner der
Anwesenden, mit Ausnahme des französischen Gesandten, hatte eine Ahnung,
daß der König mit diesen Worten den Entschluß aussprach, sich in die
Arme der katholischen Kirche zu werfen.
»Soll ich einen Priester bringen?« fragte der Herzog. »Thue es, mein
Bruder,« entgegnete der kranke Mann, »um Gottes Willen thue es und
verliere keine Zeit. Aber nein, es wird dir viele Mühe machen.«
»Und sollte es mein Leben kosten,« rief der Herzog, »ich schaffe einen
Priester!«
Es war aber keine leichte Aufgabe, in diesem Augenblicke einen Priester
zu solchem Zweck aufzufinden, denn nach damaligem Gesetz war Derjenige,
welcher einen Proselyten in die katholische Kirche aufnahm, ein schwerer
Verbrecher. Graf Castel Melhor, ein portugiesischer Edelmann, der aus
politischen Gründen seine Heimath verlassen mußte und am englischen Hofe
ein Asyl gefunden hatte, unternahm es, einen Beichtvater aufzusuchen.
Er wandte sich an seine Landsleute, welche dem Hofstaate der Königin
angehörten, aber es zeigte sich, daß keiner ihrer Kapläne der englischen
oder französischen Sprache mächtig genug war, um das Amt eines
Beichtigers beim Könige zu versehen. Der Herzog und Barillon waren schon
im Begriff, den venetianischen Gesandten um seinen Geistlichen zu
bitten, als sie erfuhren, daß ein Benediktinermönch, mit Namen John
Huddleston, zufällig in Whitehall anwesend sei. Derselbe hatte mit
großer Lebensgefahr dem König nach der Schlacht bei Worcester das Leben
gerettet und war aus diesem Grunde seit der Restauration stets eine
bevorzugte Person gewesen. In den strengsten Verordnungen gegen
katholische Priester, und als falsche Zeugen das Volk zur Wuth
entflammten, war Huddleston stets namentlich ausgenommen worden.[12] Er
war gern erbötig, sein Leben ein zweites Mal für seinen König
preiszugeben, aber es war noch immer eine große Klippe im Wege. Der gute
Mönch war nämlich so unwissend, daß er keinen Begriff davon hatte, was
er bei einer so wichtigen Veranlassung sagen müsse. Durch Vermittelung
Castel Melhor's empfing er von einem portugiesischen Priester
verschiedene Andeutungen und wurde, so instruirt, von Chiffinch eine
geheime Treppe hinaufgeführt. Dieser war ein vertrauter Diener, welcher,
nach den Satiren jener Zeit zu urtheilen, oft Besuche ganz andrer Art
auf diesem Wege eingeführt hatte. Der Herzog gebot jetzt im Namen des
Königs allen Anwesenden, mit Ausnahme von Ludwig Duras, Earl von
Feversham, und Johann Granville, Earl von Bath, sich aus dem Gemache zu
entfernen. Beide Lords waren zwar Protestanten, aber Jakob wußte, daß er
auf ihre Ergebenheit sich verlassen konnte. Feversham, ein Franzose von
hoher Geburt und Neffe des großen Turenne, bekleidete einen hohen Posten
in der englischen Armee und war dabei Kammerherr der Königin; Bath
versah das Amt eines Garderobeinspectors.
Dem Befehle des Herzogs wurde Folge geleistet, und selbst die Ärzte
zogen sich zurück, worauf Pater Huddleston durch die Hinterthür eintrat.
Über sein Priesterornat hatte er einen Mantel geworfen, und über der
Tonsur trug er eine lockige Perrücke. »Sire«, sagte der Herzog, »dieser
brave Mann rettete einst Ihr Leben, er kommt jetzt, Ihre Seele zu
retten«. »Er ist willkommen«, entgegnete Karl mit leiser Stimme.
Huddleston erfüllte seine Aufgabe über alte Erwartung. Er warf sich
neben dem Bett auf die Knie, nahm die Beichte ab, gab die Absolution und
ertheilte die letzte Ölung. Er fragte, ob der König das heilige
Abendmahl zu empfangen wünsche? »Das will ich«, entgegnete Karl, »wenn
ich dessen nicht unwürdig bin!« Man brachte die Hostie, und der König
machte eine mühsame Anstrengung, sich vor ihr zu erheben und
niederzuknieen, der Priester aber gebot ihm, ruhig liegen zu bleiben,
indem Gott die Demüthigung des Geistes, nicht aber des Körpers verlange.
Es kostete dem König so große Mühe, die Hostie zu verschlucken, daß man
die Thür öffnen und ein Glas Wasser herbeischaffen lassen mußte. Nach
Beendigung dieser Feierlichkeit erhob der Mönch vor dem Bußfertigen das
heilige Kreuz, ermahnte ihn, seine letzten Gedanken auf die Leiden des
Heilands zu richten, und verließ das Sterbezimmer. Der ganze Act hatte
etwa dreiviertel Stunden gedauert, und während dieser Zeit hatten die in
den Vorzimmern befindlichen Höflinge durch Flüstern und bezeichnende
Winke einander ihren Verdacht mitgetheilt. Endlich wurde die Thür
geöffnet, und die Menge trat wiederum in das Zimmer des Sterbenden.
Es war jetzt spät am Abend und der König schien durch das eben
Geschehene sehr erleichtert zu sein. Man führte seine natürlichen Kinder
an das Bett: die Herzöge von Grafton, Southampton und Northumberland,
Söhne der Herzogin von Cleveland, den Herzog von St. Albans Sohn der
Eleonore Gwynn, und den Herzog von Richmond, Sohn der Herzogin von
Portsmouth. Karl gab Allen seinen Segen, behandelte aber mit besonderer
Zärtlichkeit den Herzog von Richmond. Aber ein Gesicht fehlte, das
hierher gehörte, das älteste und geliebteste Kind war in der Verbannung
und streifte heimathlos umher. Sein Name kam nicht ein einziges Mal über
des Vaters Lippen!
Während der Nacht empfahl Karl die Herzogin von Portsmouth und ihren
Sohn der Fürsorge Jakob's; »und laß auch das arme Lorchen keine Noth
leiden«, fügte er gutmüthig hinzu. Die Königin ließ sich durch Halifax
wegen ihrer Abwesenheit entschuldigen, indem sie vorgab, so tief
ergriffen zu sein, daß sie sich außer Stande fühle, ihre Stelle am
Sterbelager wieder einzunehmen. Sie ließ um Verzeihung bitten für alles
Unrecht, das sie ihm unwissentlich angethan haben könnte. »Sie bittet um
meine Verzeihung, das arme Weib!« sagte Karl; »ich bitte um die ihrige
mit aufrichtigem Herzen!«
Die Morgensonne fiel durch die Fenster von Whitehall herein und Karl bat
die Diener, die Vorhänge zurückzuschlagen, damit er noch einmal den Tag
sehen könne. Er machte darauf aufmerksam, daß es an der Zeit sei, eine
Uhr aufzuziehen, welche nicht weit von seinem Bett sich befand. Diese
unerheblichen Umstände blieben lange im Gedächtniß, weil sie den klaren
Beweis lieferten, daß zur Zeit, wo er sich für den Katholicismus
erklärte, der König im völligen Besitz seiner Geisteskräfte gewesen war.
Er bat alle Diejenigen, welche sein Lager umstanden, während der Nacht
um Verzeihung, daß er ihnen so viele Unruhe mache. Er liege eine ganz
unverantwortlich lange Zeit im Sterben, sagte er, aber er hoffe,
sie würden das entschuldigen. Dies war das letzte Aufblitzen jener
unverwüstlichen Heiterkeit, durch deren Macht er so oft den gerechten
Zorn seines entrüsteten Volkes hinwegzuzaubern vermocht hatte. Bald nach
der Morgendämmerung verlor der Sterbende die Sprache, und noch vor der
zehnten Stunde das Bewußtsein. Das Volk hatte sich in Massen zur Stunde
des Frühgottesdienstes in die Kirchen begeben, und als das Gebet für den
König verlesen wurde, verriethen schwere Seufzer und lautes Schluchzen
die allgemeinste innige Theilnahme. In der Mittagstunde, am Freitag den
6. Februar, verschied er ruhig und ohne Kampf.[13]
[Anmerkung 1: +Pepys's Diary, Dec. 28. 1663, Sept. 2. 1667.+]
[Anmerkung 2: +Burnet, I. 606+; +Spectator, No. 462+; +Lords'
Journals, Oct. 28. 1678+; +Cibber's Apology.+]
[Anmerkung 3: +Burnet, I. 605, 606+; +Welwood 138. North's Life of
Guildford, 251.+]
[Anmerkung 4: Ich bemerke hierbei, daß da, wo ich nur ein Datum
anführe, ich dem alten Style folge, welcher im siebzehnten
Jahrhundert in England gebräuchlich war, aber ich rechne das Jahr
vom 1. Januar an.]
[Anmerkung 5: +Saint Evremont, passim+; +St. Real, Memoires de la
Duchesse de Mazarin+; +Rochester Farewell+; +Evelyn's Diary, Sept.
6. 1676, June 11, 1699.+]
[Anmerkung 6: +Evelyn's Diary, Jan. 28. 1684/85+; +Saint
Evremont's Letter to Déry.+]
[Anmerkung 7: +Evelyn's Diary, Feb. 4. 1684/85.+]
[Anmerkung 8: +Roger North's Life of Sir Dudley North, 170+; +The
True Patriot vindicated, or a Justification of his Excellency the
E-- of R--+; +Burnet, I. 605.+ Die Bücher des Schatzamts beweisen,
daß Burnet gut unterrichtet war.]
[Anmerkung 9: +Evelyn's Diary, Jan. 24. 1681/82, Oct. 4. 1683.+]
[Anmerkung 10: +Dugdale's Correspondence.+]
[Anmerkung 11: +Hawkins's Life of Ken, 1713.+]
[Anmerkung 12: Siehe die London Gazette vom 21. Nov. 1678.
Barillon und Burnet versichern, daß Huddleston von allen
Parlamentsacten, welche gegen Priester erschienen, ausgenommen
gewesen sei, doch ist das ein Irrthum.]
[Anmerkung 13: +Clarke's Life of James the Second, I. 746. Orig.
Mem.+; +Barillon's Despatch of Febr. 8.(18.) 1685+; +Citters's
Despatches of Febr. 3.(13.) and Febr. 6.(16.)+; +Huddleston's
Narrative+; +Letters of Philip, second Earl of Chesterfield, 277+;
+Sir H. Ellis's Original Letters, First Series, III. 333+; +Second
Series IV. 74+; +Chaillot M.S.+; +Burnet, I, 606+; +Evelyn's Diary
Feb. 4. 1684(5)+; +Welwood's Memoirs, 140+; +North's Life of
Guildford, 252+; +Examen, 648+; +Hawkins's Life of Ken+; +Dryden's
Threnodia Augustalis+; +Sir H. Halford's Essay on Deaths of
Eminent Persons+. Man sehe auch das Bruchstück eines Briefes,
welchen Lord Bruce geraume Zeit nach seiner Ernennung zum Earl von
Ailesbury schrieb und welcher im +European Magazine+ vom April
1795 abgedruckt ist. Ailesbury nennt Burnet einen Betrüger, allein
seine eigene Darstellung und die Burnet's werden einem
unbefangenen und umsichtigen Leser keinen Widerspruch erkennen
lassen. Im Britischen Museum, sowie in der Bibliothek des
königlichen Instituts ist mir ein merkwürdiger Foliobogen zu
Gesicht gekommen, auf welchem sich ein Bericht über den Tod Karl's
befindet. Der Verfasser desselben war offenbar ein Katholik, und
es müssen ihm vorzügliche Quellen zu Gebote gestanden haben. Ich
vermuthe, daß er zu Jacob selbst in mittelbaren oder unmittelbaren
Beziehungen gestanden haben mag. Kein Name ist ausgeschrieben,
aber die Anfangsbuchstaben sind völlig verständlich, bis auf eine
Stelle, Es heißt hier: Der D. von Y. sei an die Pflicht, welche er
seinem Bruder schuldig, durch P. M. A. C. F. gemahnt worden. Ich
muß gestehen, daß ich diese fünf letzten Buchstaben nicht zu
entziffern vermag.
Man sollte meinen, es könnten uns keine Vorgänge in der Geschichte
klarer sein, als diejenigen, welche sich am Sterbelager Karl's
ereigneten. Es existiren verschiedene Berichte, von Personen
niedergeschrieben, welche in der That an seinem Krankenbett
standen, und ebenso Berichte von Anderen, die zwar nicht
Augenzeugen waren, aber vorzügliche Gelegenheit hatten, von
solchen Kunde zu erhalten. Wer aber auch immer versuchen wollte,
diese große Menge von Stoff zu einer Erzählung zu bearbeiten,
würde bald einsehen, daß er sich eine mühsame Aufgabe gestellt
hat. Selbst Jakob und dessen Gemahlin, als sie die Geschichte den
Nonnen von Chaillot erzählten, konnten über einige Punkte nicht
ins Klare kommen. Die Königin versicherte, nachdem Karl die
letzten Sakramente empfangen, hätten die protestantischen Bischöfe
ihre Ermahnungen von Neuem begonnen; der König hingegen erwiderte,
es sei nicht der Fall gewesen. »Gewiß«, rief die Königin, »Sie
selbst haben es mir ja erzählt!« -- »Es ist nicht möglich, daß ich
es Ihnen gesagt haben sollte«, entgegnete der König, »denn es ist
etwas Derartiges gar nicht vorgekommen.«
Es ist zu bedauern, daß Sir Heinrich Halford sich so wenig Mühe
gegeben, über die Thatsachen etwas Bestimmtes zu erfahren, die er
seinem Urtheile unterwarf. Er scheint von der Existenz der
Erzählungen von Jakob, Barillon und Huddleston gar nichts gewußt
zu haben.
Da diese Gelegenheit die erste ist, wo ich den Briefwechsel der
holländischen Gesandten am englischen Hofe erwähne, so kann ich
hier nicht unbemerkt lassen, daß eine Anzahl ihrer Depeschen von
der Thronbesteigung Jakob's II. an bis zu seiner Flucht einen sehr
werthvollen Theil der Macintosh-Sammlung bilden. Die darauf
folgenden Depeschen bis zur Festsetzung der Regierung im Februar
1689 verschaffte ich mir vom Haag. Man hat die holländischen
Archive noch nicht genug durchsucht. Sie enthalten eine Menge von
Nachrichten, welche für jeden Engländer vom höchsten Interesse
sind. Dabei sind sie vortrefflich geordnet und werden von Männern
verwahrt, deren Höflichkeit, Liberalität und Eifer für die
Interessen der Literatur nicht genug gerühmt werden können.
Ich spreche in der aufrichtigsten Weise meine dankbaren
Verpflichtungen gegen die Herren de Jonge und Van Zwanne aus.]
[_Verdacht der Vergiftung._] In jener Zeit pflegte das gemeine Volk in
ganz Europa, namentlich aber in England, den Tod fürstlicher Personen,
zumal wenn der Verstorbene beim Volke beliebt war und der Tod rasch
eintrat, dem abscheulichsten und schändlichsten Meuchelmorde Schuld zu
geben. Man hatte Jakob I. in Verdacht, den Prinzen Heinrich vergiftet zu
haben, und ebenso, behauptete man, hätte Karl I. Jakob I. ums Leben
gebracht. Als während der Republik die Prinzessin Elisabeth zu
Carisbrook starb, wurde laut versichert, Cromwell wäre feig und ruchlos
genug gewesen, schädliche Stoffe unter die Speisen eines jungen Mädchens
zu mischen, der etwas Böses zuzufügen kein einziger vernünftiger Grund
vorhanden war.[14] Nach wenigen Jahren wurde die rasche Verwesung von
Cromwell's eigenem Körper von Vielen einem tödtlichen Mittel
schuldgegeben, welches ihm in der Arznei beigebracht worden wäre. Es ist
nur zu natürlich, daß auch bei dem Tode Karl's II. ähnliche Gerüchte
umgingen. Das Publikum hatte schon verschiedene Male Geschichten von
papistischen Anschlägen auf des Königs Leben gehört, so daß viele
Gemüther bereits von Vorurtheilen eingenommen waren, und einige
unglückliche Zufälligkeiten schienen diese befangenen Gemüther darauf
hinzuweisen, daß in der That ein Verbrechen verübt worden sei. Die
vierzehn Ärzte, welche über den Krankheitsfall des Königs disputirten,
widersprachen einander, so wie sich selbst. Einige von ihnen erklärten
den Anfall für epileptischer Natur, dem man seinen ungestörten Verlauf
lassen müsse; die Mehrzahl aber erklärte ihn für apoplectisch und
peinigte den Kranken mehrere Stunden lang wie einen Indianer am
Marterpfahl. Hierauf einigte man sich, die Krankheit ein Fieber zu
nennen und ihm Quantitäten von Chinarinde einzugeben. Ein Arzt
protestirte aber gegen diese Behandlung und versicherte der Königin, daß
bei solchem Verfahren der König unter den Händen seiner Kollegen sterben
werde. Von einer so großen Anzahl von Rathgebern ließ sich natürlich
nichts Andres als Zwist und Unentschlossenheit erwarten, aber viele
Leute glaubten natürlicher Weise, bei der außerordentlichen Verlegenheit
dieser großen Heilkünstler, daß die Krankheit ganz ungewöhnlicher Art
sein müsse. Es ist Ursache da, zu glauben, daß Short, der trotz seiner
ärztlichen Geschicklichkeit doch ein reizbarer, grilliger Mann gewesen
zu sein scheint und der sich vermuthlich durch die Besorgniß vor
gehässigen Beschuldigungen, denen er als Katholik besonders ausgesetzt
war, in nicht ganz ungestörtem Genusse seiner Urtheilskraft befand, von
einem furchtbaren Verdachte ergriffen worden sei. Es kann daher nicht
überraschen, wenn von dem gemeinen Volke eine Menge toller Geschichten
nacherzählt und geglaubt wurden. Die Zunge Sr. Majestät war bis zur
Größe einer Rindszunge angeschwollen, in seinem Gehirn hatte man eine
verhärtete Masse von giftigem Pulver gefunden, auch auf seiner Brust
blaue Flecken und auf seiner Schulter schwarze Flecken wahrgenommen. Es
war ihm irgend Etwas in die Schnupftabaksdose gethan worden, oder auch
in seine Suppe; vielleicht hatte man ihm auch in seinem
Lieblingsgericht, Eier mit grauem Ambra, etwas beigebracht. Die Herzogin
von Portsmouth hatte ihn mit einer Tasse Chokolade, die Königin mit
einer Schale gebackener Birnen vergiftet. Solche Erzählungen verdienen
aufbewahrt zu werden, denn sie geben uns einen Begriff von der Einsicht
und Moralität einer Generation, welche sie begierig in sich aufnahm. Daß
in unserer Zeit dergleichen Gerüchte keinen Boden mehr finden, selbst
wenn Menschenleben, von denen wichtige Interessen abhängen, durch
raschentwickelte Krankheitsanfälle beendigt wurden, ist eines Theils dem
Fortschritte der medizinischen und chemischen Wissenschaft, so wie
andren Theils, wie wir annehmen dürfen, den Fortschritten zu danken,
welche das Volk in Bezug auf vernünftiges Urtheil, Gerechtigkeit und
Menschlichkeit gemacht hat.[15]
[Anmerkung 14: Clarendon spricht von dieser Verleumdung mit
geziemender Verachtung. Nach der freundlichen Gesinnung jener Zeit
gegen Cromwell suchten viele die Ursache dieses Todesfalls in
einer Vergiftung, wofür jedoch eben so wenig ein äußeres Anzeichen
sprach, als jemals später ein Beweis dafür aufzufinden gewesen
ist.]
[Anmerkung 15: +Welwood. 139+; +Burnet I. 609+; +Sheffield's
Character of Charles the Second+; +North's Life of Guildford,
252+; +Examen, 648+; +Revolution Politics+; +Higgons on Burnet.+
Was North von der Rathlosigkeit und dem Schwanken der Ärzte sagt,
bestätigen die Depeschen Citters'. Ich war sehr im Unklaren über
die auffallende Geschichte hinsichtlich des Short'schen Verdachts.
Einmal war ich entschlossen, die Erklärung North's anzunehmen,
aber obgleich ich auf die Autorität Welwood's und Burnet's in
solchem Falle wenig Gewicht lege, kann ich doch das Zeugniß eines
so wohl unterrichteten und unparteiischen Mannes wie Sheffield
nicht verwerfen.]
[_Rede Jakob's II. an den Geheimen Rath._] Als Alles vorüber war, zog
sich Jakob von dem Sterbelager nach seinem Zimmer zurück, wo er eine
Viertelstunde allein blieb. Indessen versammelten sich die im Palaste
anwesenden Geheimen Räthe, der neue König erschien und nahm seinen Sitz
am oberen Theile der Sessionstafel ein. Dem Herkommen gemäß eröffnete er
seine Regierung mit einer Rede an den Geheimen Rath. Er sprach sein
Bedauern aus, rücksichtlich des Verlustes, der ihn so eben betroffen,
und versicherte, die hohe Milde nachahmen zu wollen, welche eine der
vorzüglichsten Eigenschaften der letzten Regierung gewesen sei. Es sei
ihm nicht unbekannt, sagte er, daß man ihn einer Vorliebe für
Willkürherrschaft beschuldige, es sei das aber nicht die einzige Lüge,
die sich über ihn im Umlaufe befinde. Er habe die Absicht, die
bestehende Verfassung in Kirche und Staat aufrecht zu erhalten. Die
Kirche von England sei ausgezeichnet loyal, daher werde er aufs
Angelegentlichste bemüht sein, sie zu unterstützen und zu vertheidigen.
Es sei ihm bekannt, daß Englands Gesetze genügten, ihn zu einem so
großen Könige zu erheben, als er nur wünschen könne. Seine eigenen
Rechte werde er streng aufrecht erhalten, aber auch die Rechte Anderer
achten. Er habe vordem sein Leben bei der Vertheidigung des Vaterlandes
preisgegeben und werde auch jetzt beim Schutz der gerechten Freiheiten
so weit gehen wie irgend Einer. Diese Rede war nicht, wie es bei
ähnlichen Gelegenheiten geschieht, von den Räthen des Souverains
vorbereitet, sondern sie enthielt den augenblicklichen Ausdruck der
Empfindungen des neuen Königs in einem Momente hoher Aufregung. Die
Rathsmitglieder ergossen sich in lauten Äußerungen des Entzückens und
der Dankbarkeit. Der Lord Präsident Rochester sprach im Namen des
Kollegiums den Wunsch aus, daß Sr. Majestät glückverheißende Erklärung
zur Öffentlichkeit gelangen möchte. Der Generalprokurator Heneage Finch,
erbot sich, den Sekretär abzugeben. Er war ein eifriger Anhänger der
Staatskirche, und als solcher wünschte er natürlich, daß die gnädige
Zusage, welche so eben ausgesprochen worden, in einer unvergänglichen
Urkunde wiedergegeben würde. Diese Versprechungen, rief er aus, haben
einen so tiefen Eindruck auf mich gemacht, daß ich sie wörtlich
wiederholen kann. Bald darauf legte er seinen Bericht vor, den Jakob
durchlas, genehmigte, und darauf befahl, ihn zur öffentlichen Kenntniß
zu bringen. In späterer Zeit behauptete er diesen Schritt ohne die
nöthige Überlegung gethan zu haben, seine vorher nicht überdachten
Ausdrücke rücksichtlich der englischen Kirche seien zu stark gewesen,
und Finch habe mit einer Gewandtheit, welche damals von ihm unbeachtet
gelassen worden, sie noch stärker gemacht.[16]
[Anmerkung 16: +London Gazette, Feb. 9. 1684/5+; +Clarke's Life of
James the second II. 3.+; +Barillon, Feb. 9.(19.)+; +Evelyn's
Diary, Feb. 6.+]
[_Ausrufung Jakob's._] Der König fühlte sich durch langes Wachen und
rasch auf einander folgende Gemüthsbewegungen erschöpft, und begab sich
zur Ruhe. Nachdem ihn die Geheimen Räthe voll Ehrerbietung nach dem
Schlafzimmer begleitet hatten, kehrten sie in den Sitzungssaal zurück,
und erließen Verordnungen in Betreff der feierlichen Ausrufung. Die
Garden standen unter den Waffen, die Herolde erschienen in ihren
prachtvollen Wappenröcken und die Feierlichkeit ging ohne jede Störung
vor sich. In den Straßen waren Weinfässer aufgestellt und die
Vorübergehenden wurden aufgefordert, auf die Gesundheit des neuen
Herrschers zu trinken. Obgleich aber hier und da ein Jubelruf ertönte,
befand sich das Volk dennoch in keiner frohen Stimmung. Viele weinten,
und man konnte wahrnehmen, daß in London kaum eine Magd war, die sich
nicht mit einem Stückchen Trauerflor zu Ehren König Karl's geschmückt
hätte.[17]
Das Leichenbegängniß erfuhr vielfachen Tadel. Es wäre auch wirklich
eines reichen, adeligen Unterthanen kaum würdig gewesen. Die Tories
tadelten mit Schonung die Sparsamkeit des neuen Königs, die Whigs
raisonnirten über den Mangel an verwandtschaftlicher Zuneigung, und die
heftigen schottischen Covenanters verkündigten frohlockend, daß der seit
Alters her über ruchlose Fürsten verhängte Fluch offenbar in Erfüllung
gegangen, und der dahingegangene Tyrann wie ein Esel zu Grabe gebracht
worden sei.[18] Doch trat Jakob seine Regierung bei einem ziemlichen
Maße des öffentlichen Vertrauens an. Seine Rede an den Geheimen Rath
erschien im Druck und der durch sie hervorgebrachte Eindruck war ein
höchst günstiger. Das war also der Fürst, den eine Partei in das Exil
getrieben und seines Geburtsrechts zu berauben gesucht hatte, aus der
Ursache, weil man ihn für einen heftigen Widersacher der Religion und
der Landesgesetze hielt. Er hatte gesiegt, er saß auf dem Throne, und
seine erste That war die Versicherung, daß er die Kirche schützen und
die Rechte seines Volkes streng in Ehren halten wolle. Die Ansicht,
welche jede Partei über seinen Character sich gebildet hatte, veranlaßte
eine Überschätzung jedes Wortes, das von ihm kam. Die Whigs erklärten
ihn für hochmüthig, unversöhnlich, starrköpfig, rücksichtslos gegen die
öffentliche Meinung; die Tories rühmten seine fürstlichen Tugenden,
beklagten aber dabei, daß er die Künste vernachlässige, durch welche er
sich die Liebe des Volkes erwerben könne. Selbst die Satire hatte ihn
nie als einen Mann hingestellt, der die Absicht habe, die Gunst des
Publikums dadurch zu gewinnen, daß er etwas vorgebe, was er nicht
empfinde, und etwas verspreche, was er nicht zu erfüllen beabsichtige.
An dem Sonntage, welcher dem Regierungsantritt folgte, wurde seine Rede
auf vielen Kanzeln erwähnt. »Wir haben jetzt für unsre Kirche« -- rief
ein loyaler Prediger -- »das Wort eines Königs, und zwar eines Königs,
welcher niemals schlechter war als sein Wort!« Diese geistreiche
Äußerung machte bald die Runde durch Stadt und Land und wurde das
Losungswort der Torypartei.[19]
[Anmerkung 17: Man sehe die in der vorhergehenden Note angeführten
Citate, außerdem +Examen 647+; +Burnet I. 620+; +Higgons on
Burnet.+]
[Anmerkung 18: +London Gazette, Feb. 14. 1684/5+; +Evelyn's Diary+
von demselben Datum; +Burnet I. 610+; +the Hind let loose.+]
[Anmerkung 19: +Burnet I. 628+; +Lestrange, Observator, Feb. 11.
1684/5.+]
[_Stand des Ministeriums._] Durch die Erledigung des Thrones waren
sämmtliche hohe Staatsämter freigeworden, und es wurde nöthig, daß Jakob
ihre Wiederbesetzung vornahm. Wenige von den Mitgliedern des vorigen
Kabinets hatten Ursache, auf seine Gunst zu rechnen. Sunderland, der
Staatssekretär, und Godolphin, der erste Lord des Schatzes, hatten für
die Ausschließungsbill gestimmt; und Halifax, der Geheimsiegelbewahrer,
hatte sich zwar mit der Kraft der Beweisführung und Beredtsamkeit
derselben widersetzt, aber er war ein Todfeind von Despotismus und
Papstthum. Mit tiefer Besorgniß sah er den Fortschritt der französischen
Waffen auf dem Festlande und die Wirkung des französischen Goldes auf
die Rathschlüsse Englands. Hätte man seinen Rath befolgt, so wären die
Gesetze streng beobachtet, die besiegten Whigs mit Güte behandelt, das
Parlament zusammenberufen und ein Versuch gemacht worden, die inneren
Parteien zu versöhnen; die Prinzipien der Triplealliance würden alsdann
unsre auswärtige Politik wieder geleitet haben. Dadurch hatte er sich
Jakob's bittere Feindschaft zugezogen. Von dem Lord Siegelbewahrer
Guildford ließ sich kaum behaupten, daß er einer der Parteien angehöre,
in welche der Hof zerfiel. Er war keineswegs ein Freund der Freiheit und
besaß doch eine so hohe Achtung vor dem Buchstaben des Gesetzes, daß er
als Werkzeug willkürlicher Herrschaft nicht zu verwenden war. Die
heftigen Tories bezeichneten ihn daher als Trimmer und Jakob empfand
gegen ihn einen stark mit Verachtung gemischten Widerwillen. Ormond,
Lord Oberhofmeister und Vicekönig von Irland, befand sich damals in
Dublin. Derselbe hatte gerechtere Anwartschaft auf die Dankbarkeit des
Königs, als jeder andre Unterthan. Er hatte für Karl I. tapfer die
Waffen geführt, war Karl II. in die Verbannung gefolgt und seiner
Loyalität trotz mancher Versuchungen treugeblieben. Obgleich zur Zeit
des Übergewichts der Cabale in Ungnade gefallen, hatte er doch niemals
einer factiösen Opposition sich angeschlossen und in den Tagen des
papistischen Complots und der Ausschließungsbill sich unter den ersten
Vertheidigern des Thrones befunden. Jetzt war er alt, und kürzlich hatte
ihn das Schicksal schwer betroffen, indem er einen Sohn zu Grabe
geleitet, der nach dem gewöhnlichen Gange der Dinge seinem Sarge hätte
folgen müssen: den tapferen Ossory. Die anerkennungswerthen Verdienste,
das hohe Alter und das häusliche Mißgeschick Ormond's erregten für ihn
die allgemeine Theilnahme des Volkes. Die Kavaliere sahen in ihm ihr
Haupt nach dem Rechte des Alters wie des Verdienstes, und den Whigs war
wohlbekannt, daß er zwar stets treulich auf Seite der Monarchie
gestanden, dabei aber niemals weder dem Despotismus noch dem
Katholicismus zugethan gewesen war. Obgleich er aber die allgemeine
Achtung genoß, auf die Gunst seines neuen Gebieters durfte er wenig
Hoffnung setzen. Jakob hatte, als er selbst noch Unterthan war, seinen
Bruder aufgefordert, mit der irischen Verwaltung eine Umänderung
vorzunehmen. Karl war darauf eingegangen, und man hatte bestimmt, daß
nach einigen Monaten Rochester zum Lord Statthalter ernannt werden
solle.[20]
[Anmerkung 20: Die Briefe, welche Rochester und Ormond in dieser
Angelegenheit gewechselt, befinden sich in der Correspondenz
Clarendon's.]
[_Neue Anordnungen._] Rochester war das einzige Mitglied des Kabinets,
welches sich der hohen Gunst des Königs erfreute. Man glaubte allgemein,
daß er unverzüglich mit der Leitung der Geschäfte beauftragt und daß mit
allen übrigen hohen Staatsbeamten ein Wechsel vorgenommen werden würde,
aber diese Annahme bewies sich nur zum Theil als begründet. Rochester
wurde zum Lord Schatzmeister ernannt und war als solcher erster
Minister; jedoch unterblieb die Wahl eines Lord Großadmirals, sowie
eines Admiralitätsraths. Der neue König, welcher für die Einzelnheiten
der Marineverwaltung eingenommen war und einen vortrefflichen Beamten
auf den Werften von Chatham abgegeben haben würde, entschloß sich, sein
eigner Marineminister zu werden. Unter ihm wurde die Leitung dieses
wichtigen Verwaltungszweiges dem Samuel Pepys übergeben, dessen
Bibliothek und Tagebuch seinen Namen bis auf unsre Zeit gebracht haben.
Keinen der Räthe des verstorbenen Souverains traf öffentliche Ungnade.
Sunderland entwickelte eine solche Schlauheit und Gewandtheit, wußte so
viel Gönner in Thätigkeit zu setzen und war in so viele Geheimnisse
eingeweiht, daß man ihn im Besitze seiner Siegel ließ. Godolphin's
Gefügigkeit, Fleiß, Erfahrung und Verschwiegenheit ließen sich nicht
wohl entbehren, und da er beim Schatzamte überflüssig geworden war, so
wurde er zum Kammerherrn der Königin erwählt. Diese drei Lords fragte
der König bei allen wichtigen Angelegenheiten um Rath; was aber Ormond,
Halifax und Guildford betraf, so nahm er sich vor, sie noch nicht zu
entlassen, sondern nur zu demüthigen und zu peinigen.
Dem Halifax wurde befohlen, das Geheimsiegel abzugeben und das Präsidium
im Geheimen Rathe zu übernehmen. Er gehorchte mit größtem Widerwillen.
Denn obgleich der Vorsitzende des Geheimen Rathes immer im Range über
dem Lord Geheimsiegelbewahrer stand, so war doch die Stellung eines
Geheimsiegelbewahrers zu damaliger Zeit eine viel wichtigere, als die
eines Lord-Präsidenten. Rochester hatte den Witz, der vor einigen
Monaten bei seinem Abgange vom Schatzamte gemacht worden, noch nicht
vergessen, und genoß nun seines Theils das Vergnügen, seinen Nebenbuhler
die Treppe hinaufzuwerfen. Das Geheimsiegel empfing Rochester's älterer
Bruder, Heinrich Earl von Clarendon. Vor Barillon machte Jakob kein Hehl
aus seinem heftigen Widerwillen gegen Halifax. »Ich kenne ihn wohl,
es ist ihm nicht zu trauen, er soll bei den Staatsgeschäften nicht
verwendet werden! Was die Stellung betrifft, die ich ihm angewiesen
habe, so wird dieselbe dazu dienen, um zu zeigen, wie unbedeutend sein
Einfluß ist.« Halifax gegenüber hielt man es freilich für gerathener, in
ganz andrer Weise zu sprechen. »Alles Geschehene ist vergessen, sagte
der König, mit Ausnahme des Dienstes, welchen Sie mir bei der Debatte
über die Ausschließungsbill erzeigt haben.« Diese Bemerkung ist oft als
Beweis angeführt worden, daß Jakob nicht so rachsüchtig gewesen sei,
als seine Feinde behaupteten; sie scheint jedoch eher darzuthun, daß er
durchaus des Lobes nicht würdig ist, welches seine Freunde seiner
Offenherzigkeit ertheilten.[21]
Ormond wurde höflich in Kenntniß gesetzt, daß man seine Dienste in
Irland nicht länger beanspruche, und aufgefordert, nach Whitehall zu
gehen und das Amt eines Lord Oberhofmeisters zu übernehmen. Er fügte
sich pflichtgemäß, machte aber kein Hehl daraus, daß die neue Anordnung
seine Gefühle tief verletze. Am Abend vor seiner Abreise gab er den
Offizieren der Dubliner Besatzung in dem damals eben beendigten
Kilmainhamhospital ein glänzendes Mahl. Zu Ende der Tafel stand er auf,
füllte einen Pokal bis zum Rande mit Wein und frug, ihn emporhaltend,
ob er einen Tropfen verschüttet habe. »Nein, meine Herren, was auch die
Hofleute reden mögen, noch bin ich nicht kindisch geworden, noch versagt
mir meine Hand nicht den Dienst und meine Hand ist nicht fester als mein
Herz. Auf das Wohl König Jakob's!« Es war Ormond's letztes Lebewohl an
Irland. Er überließ die Verwaltung den Oberrichtern und ging nach
London, wo man ihn mit den auffallendsten Zeichen öffentlicher
Hochachtung empfing. Viele Personen von hohem Range kamen ihm entgegen.
Eine lange Reihe von Wogen folgte ihm nach dem St. Jamesplatz, wo sein
Haus stand, und der Platz war mit einer zahlreichen Volksmenge bedeckt,
die ihn mit lautem Jubel empfing.[22]
[Anmerkung 21: Die Veränderungen im Ministerium sind angezeigt in
der London Gazette vom +19. Febr. 1684/5. Burnet, I., 621+;
+Barillon, Feb. 9.(19.) 16.(26.) & Feb. 19. (March 1.)+]
[Anmerkung 22: +Carte's Life of Ormond+; +Secret Consults of the
Romish Party in Ireland, 1690+; +Memoirs of Ireland, 1716.+]
[_Sir Georg Jeffreys._] Das große Siegel blieb in Guildford's
Verwahrung, aber eine harte Demüthigung ward ihm zu gleicher Zeit zu
Theil. Es wurde der Entschluß gefaßt, einen energischen und tüchtigen
Juristen der Verwaltung beizugeben, und hierzu wählte man Sir Georg
Jeffreys, Oberrichter des Gerichtshofes der Kings-Bench. Die
Verworfenheit dieses Mannes ist zum Sprichwort geworden. Die beiden
großen Parteien Englands haben sein Andenken mit wetteifernder
Heftigkeit angegriffen, denn die Whigs erblickten in ihm einen grausamen
Feind, und die Tories fanden es für angemessen, die Schuld an allen den
Verbrechen, durch welche sie ihren Sieg entehrten, auf ihn zu wälzen.
Eine genaue und auf Wahrheit beruhende Untersuchung wird darthun, daß
einige entsetzliche Geschichten, welche man von ihm erzählt, unrichtig
oder übertrieben sind, doch selbst der besonnene Geschichtsschreiber
kann von der beispiellosen Menge von Schändlichkeiten, welche das
Andenken dieses verworfenen Richters entehren, nur wenige beseitigen.
Er war ein Mann von regsamem, kräftigem Geiste, aber von Natur zur
Frechheit und wilden Leidenschaften geneigt. Kaum dem Kindesalter
entwachsen, hatte er seine Praxis an den Schranken der Old Bailey
begonnen, wo die Rechtsgelehrten immer eine Freiheit der Sprache
ausgeübt haben, wie sie in Westminsterhall völlig unbekannt war. Hier
war viele Jahre lang seine Hauptbeschäftigung, die Verhöre der
verstocktesten Bösewichter der Hauptstadt abzuhalten, und seine tägliche
Berührung mit lockeren Dirnen und Dieben weckte und vervollkommnete sein
Talent dergestalt, daß er der ausgebildetste Rabulist wurde, den jemals
sein Beruf erzeugte. Jede schonende Rücksicht für die Gefühle Anderer,
jede Selbstachtung, jeder Sinn für Anstand waren ihm fremd. Er gewann
eine unbeschreibliche Fertigkeit in der Ausdrucksweise, in welcher der
Pöbel Haß und Verachtung ausspricht. Der Reichthum von Verwünschungen
und Schmähreden, aus denen sein Wörterbuch bestand, ließ kaum auf dem
Fischmarkt oder im Bärengarten etwas Ähnliches auffinden. Sein
Gesichtsausdruck und seine Stimme müssen immer unliebenswürdig gewesen
sein, aber diese natürlichen Vorzüge -- denn als solche scheint er sie
betrachtet zu haben -- waren von ihm zu einer solchen Vollkommenheit
ausgebildet worden, daß es nicht Viele gab, die ihn in seinen
Wuthausbrüchen sehen und hören konnten, ohne heftig erregt zu werden.
Frechheit und Wildheit thronten auf seiner Stirne. Der Blick seines
Auges übte einen Zauber aus auf das unselige Schlachtopfer, auf das es
sich richtete; doch behauptete man, seine Stirn und seine Augen hätten
weniger Entsetzliches gehabt, als die verzerrten Züge seines Mundes.
Sein Wuthgebrüll klang, wie Jemand sagte, der ihn oft gehört, wie der
Donner des Weltgerichts. Diese Eigenschaften brachte er von der Barre
mit auf den Richterstuhl. Er wurde sehr bald Gemeindesachwalter und
später Syndikus von London. Als Richter bei den Sitzungen der City
entwickelte er dieselben Neigungen, die ihm nach der Zeit in einer
höheren Stellung einen nicht eben beneidenswerthen Nachruhm verschafft
haben. Schon konnte man an ihm das abscheulichste Laster, dessen die
menschliche Natur fähig ist, Vergnügen am Elend, lediglich als solchem,
wahrnehmen. Es lag eine hämische Wollust in der Art und Weise, wie er
den Verbrechern das Urtheil verkündigte. Ihr Jammern und Flehen schien
ihm einen angenehmen Kitzel zu verursachen, und es amüsirte ihn, sie bis
zu Krämpfen zu peinigen, indem er ihnen mit der weitläufigsten
Ausführlichkeit die Einzelheiten der Qualen schilderte, welche sie zu
erdulden hätten. Wenn er Gelegenheit fand, eine unglückliche
Frauensperson zum Staupbesen zu verurtheilen, so rief er: »Henker!
ich verlange, daß Ihr dieser Dame besondere Aufmerksamkeit schenkt.
Peitschet derb drauf los, Mann! Haut sie, bis das Blut herunterläuft!
Es ist Weihnachten, eine kühle Zeit für Madame, um sich zu entkleiden,
bemüht Euch, daß ihr die Schultern warm werden.«[23] Er war kaum weniger
scherzhaft, als er den armen Ludwig Muggleton verurtheilte, den
trunkenen Schneider, der sich für einen Propheten ausgab. »Frecher
Schurke, brüllte Jeffreys, Du sollst eine leichte, eine ungemein leichte
Strafe erhalten.« Ein Theil dieser leichten Strafe war der Schandpfahl,
an welchem der arme Fanatiker durch Steinwürfe beinahe getödtet
wurde.[24]
Zu dieser Zeit war Jeffreys' Gemüth bis zu einem Grade verhärtet, wie es
bei den schlimmsten Werkzeugen der Tyrannei erforderlich ist. Bisher
hatte er in Betreff seiner Beförderung im Amte nur auf die Corporation
von London gerechnet. Aus diesem Grunde hatte er sich zum Rundkopf
bekannt, und immer eine freudigere Aufregung gezeigt, wenn er
katholischen Priestern ankündigte, daß sie lebendig aufgeschnitten
werden und mit eigenen Augen ansehen sollten, wie ihre Eingeweide ins
Feuer geworfen würden, als wenn er ein gewöhnliches Todesurtheil
aussprach. Sobald er von der City alles erlangt hatte, was von ihr zu
erwarten war, ließ er es sich angelegen sein, seine eiserne Stirn und
giftgeschwollene Zunge dem Hofe zu verkaufen. Chiffinch, dem es nichts
Neues war, bei ehrlosen Geschäften aller Art den Unterhändler abzugeben,
war ihm dabei behülflich. Derselbe hatte manche galante und politische
Intrigue geleitet, nie aber seinem Herrn einen schändlicheren Dienst
erwiesen, als durch die Einführung Jeffreys' in Whitehall. Der
Überläufer erfreute sich bald der Gönnerschaft des hartherzigen und
rachsüchtigen Jakob, während Karl, dessen Fehler, so bedeutend sie
auch immer waren, doch in keiner Verbindung mit Unverschämtheit und
Grausamkeit standen, Verachtung und Abneigung gegen ihn empfand.
»Dieser Mensch«, sagte der König, »hat weder Kenntnisse, noch
Verstand und Lebensart, und mehr Frechheit als zehn ausgepeitschte
Bordellschwestern.«[25] Aber es gab Beschäftigungen, die Niemand
übernehmen mochte, der Achtung vor dem Gesetz oder Gefühl für Schande
hatte, und so wurde Jeffreys in einem Lebensalter, wo ein Sachwalter
sich glücklich schätzt, wenn man ihm einen bedeutenden Prozeß
anvertraut, zum Oberrichter an der Kings Bench erhoben.
Selbst seine Feinde konnten übrigens nicht in Abrede stellen, daß er
manche Eigenschaften eines großen Richters besaß. Seine Rechtskunde
beschränkte sich allerdings nur auf Kenntnisse, wie sie eine Praxis von
nicht besonderer Wichtigkeit verleihen konnte, doch besaß er einen
vortheilhaft organisirten Verstand, der ihn durch Irrwege von
Sophistereien und Massen unerheblicher Thatsachen gerade auf das
gesuchte Ziel hinführte. Übrigens war er selten im vollen Besitz seiner
Geisteskräfte, und selbst in civilen Rechtsfallen verwirrte sein
boshafter und despotischer Character sehr häufig sein gesundes Urtheil.
Vor seinen Gerichtshof treten war wie der Eintritt in die Höhle eines
reißenden Thieres, das unzähmbar ist und durch Liebkosungen wie durch
Angriffe in gleiche Wuth versetzt wird. Er überhäufte bisweilen Kläger
und Beklagte, Anwälte und Advokaten, Zeugen und Geschworne mit einer
Fluth unsinniger Schimpfworte, vermischt mit Fluchreden und Schwüren.
Sein Blick und Ton hatten Furcht erregt, als er noch ein junger Advokat
war, der sich Praxis zu verschaffen suchte, jetzt, wo er Präsident des
furchtbarsten Gerichtshofs des Reiches war, gab es in Wahrheit nur
Wenige, die nicht vor ihm gezittert hätten. Selbst in nüchternem
Zustande war seine Leidenschaftlichkeit entsetzlich genug, gewöhnlich
aber befand sich sein Verstand unter dem Einflusse des Rausches und
seine gehässigen Leidenschaften erlangten dadurch eine höhere
Gereiztheit. Seine Abende verbrachte er insgemein bei Trinkgelagen, und
wer ihn blos bei der Weinflasche sah, mußte ihn für einen zwar groben,
plumpen, rohen und sinnlichen Menschen, zugleich aber auch für einen
gemüthlichen und geselligen Mann halten. In seiner Gesellschaft befanden
sich bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich Possenreißer, welche in der
Mehrzahl aus den erbärmlichsten Zungendreschern, welche vor ihm
praktizirten, gewählt waren, und sich zu seinem Amüsement schimpften und
aufzogen. Er riß mit ihnen Zoten, stimmte in ihre Rundgesänge ein, und
wenn sein Kopf erhitzt wurde, so herzte und küßte er sie in seliger
Weinlaune. Wenn aber auch anfänglich der Wein auf sein Herz einen
besänftigenden Einfluß auszuüben schien, so machte sich doch nach
einigen Stunden eine ganz andre Wirkung bemerkbar. Oft, wenn der
Gerichtshof ihn längere Zeit erwartet und sein Rausch erst halb
verflogen war, betrat er seinen Gerichtssitz mit glühenden Wangen und
Augen, starrend wie die eines Verrückten. Befand er sich in solchem
Zustande, so thaten seine Zechgenossen von voriger Nacht wohl, wenn sie
ihm fern blieben, denn die Erinnerung an die ihnen gestattete
Vertraulichkeit erregte seinen Zorn und er benutzte zuverlässig jeden
Anlaß, um sie mit Schimpf und Schande zu überschütten. Unter seinen
vielen abscheulichen Sonderbarkeiten bestand eine in dem Vergnügen,
Diejenigen, welchen er bei seinen Anfällen von trunkener Zärtlichkeit
seine Gunst zugesagt hatte, nachher öffentlich anzufahren und sie zu
beleidigen.
Die Dienste, welche die Regierung von ihm erwartete, leistete er nicht
nur ohne Zögern, sondern eifrig und triumphirend. Der Justizmord
Algernon Sidney's war seine erste That, und was darauf folgte, stand mit
derselben in völligem Einklange. Ehrenwerthe Tories beklagten die
Schande, welche die Unmenschlichkeit und das unanständige Betragen eines
so hochgestellten Beamten auf die Verwaltung der Rechtspflege brachte,
aber die Frevelthaten, welche bei diesen Männern Entsetzen erregten
gaben Anspruch auf die Hochschätzung Jakob's, und deshalb erhielt
Jeffreys nach Karl's Tode einen Sitz im Kabinet und die Pairswürde.
Letztere Auszeichnung war ein besonderes Zeichen der königlichen Gnade,
denn seit der Umgestaltung der Gerichtsverfassung des Reichs -- im
dreizehnten Jahrhundert -- war kein Oberrichter Lord des Parlaments
gewesen.[26]
Guildford sah sich nun von seiner politischen Thätigkeit entfernt und
auf sein Amt als Billigkeitsrichter beschränkt. Im Rathe wurde er von
Jeffreys mit bemerkbarer Unhöflichkeit behandelt. Die Besetzung aller
Justizämter befand sich in den Händen des Oberrichters, und die
Rechtsgelehrten wußten wohl, daß es das beste Mittel sei, den
Oberrichter zu beruhigen, wenn man den Lord Siegelbewahrer verächtlich
behandelte.
[Anmerkung 23: Protokolle der Weihnachtssession von 1678.]
[Anmerkung 24: +The Acts of the Witnesses of the Spirit, part V.
chapter V.+ In diesem Werke rächt sich Ludwig nach seiner Weise an
dem brüllenden Teufel, wie er Jeffreys nennt, durch eine Masse von
Flüchen, um welche ihn Ernulphus beneidet haben würde. Der Prozeß
fand im Jahre 1677 statt.]
[Anmerkung 25: Dieser Ausspruch ist in vielen gleichzeitigen
Flugschriften zu finden. Titus Oates wurde nicht müde, denselben
anzuführen. Man sehe sein #Eikôn basilikê#.]
[Anmerkung 26: Die besten Auskunftsquellen über Jeffreys sind die
Staatsprozesse und +North's Life of Lord Guildford.+ Einige
weniger wichtige Züge verdanke ich gleichzeitigen Flugschriften in
Versen und Prosa. Dergleichen sind the +Bloody Assizes, the Life
and Death of George Lord Jeffreys, the Panegyric on the late
Jeffreys, the Letter to the Lord Chancellor, Jeffreys's Elegy.+
Man sehe auch +Evelyn's Diary, Dec. 5. 1683, Oct. 31. 1685.+ Es
ist unnöthig, dem Leser zu empfehlen, Lord Campbell's
vortreffliches Buch zu Rathe zu ziehen.]
[_Erhebung der Kroneinnahmen ohne Parlamentsacte._] Nur wenige Stunden
erst war Jakob König, als schon zwischen den beiden Häuptern der Justiz
Streitigkeiten ausbrachen. Die Zölle waren Karl nur auf die Dauer seines
Lebens überlassen worden, und der neue Souverain konnte sie aus diesem
Grunde gesetzlich nicht erheben. Ehe ein Haus der Gemeinen gewählt
wurde, mußten einige Wochen vergehen, und wenn während dieser Zeit die
Erhebung der Zölle sistirt wurde, so erlitt das Staatseinkommen
Verluste, der regelmäßige Handelsverkehr kam ins Stocken, die
Consumenten hatten keinen Gewinn davon, und die Einzigen, welche
Vortheil daraus zogen, waren die glücklichen Spekulanten, deren
Waarenladungen zufällig in der Zeit zwischen dem Thronwechsel und der
Versammlung des Parlaments anlangten. Das Schatzamt wurde von Kaufleuten
umlagert, deren Magazine mit verzollten Gütern angefüllt waren, und
welche in großer Sorge schwebten, durch niedrigere Preise zu Grunde
gerichtet zu werden. Unparteiische Männer mußten zugestehen, daß dies
ein Fall war, wo die Abweichung einer Regierung von dem streng
verfassungsmäßigen Verfahren zu rechtfertigen ist; gebietet ihr aber die
Nothwendigkeit, den strengverfassungsmäßigen Weg zu verlassen, so darf
sie nicht weiter von demselben sich entfernen, als die Umstände es
erfordern. Guildford sah das ein, und machte einen Vorschlag, der ihm
zur Ehre gereichte. Er gab den Rath, daß man die Zölle einfordere, die
eingegangenen Gelder aber, getrennt von anderen Summen, im Schatzamte so
lange verwahre, bis das Parlament zusammengetreten sei. Auf diese Art
würde der König den Beweis liefern, daß wenn er auch den Buchstaben des
Gesetzes verletze, er doch im Geiste desselben zu handeln wünsche.
Jeffreys war andrer Meinung. Er rieth Jakob, ein Edict zu erlassen,
worin gesagt würde, es sei Sr. Majestät Wunsch und Wille, daß die Zölle
fortgezahlt würden. Dieser Rath war vollkommen nach des Königs Sinne.
Der vernünftige Vorschlag des Lord Siegelbewahrers wurde als nur eines
Whigs, -- oder was viel schlimmer -- eines Trimmers würdig, verworfen,
und es erschien eine öffentliche Bekanntmachung nach der Angabe des
Oberrichters. Viele glaubten, daß der allgemeine Unwille dadurch in
hohem Grade erregt werden würde, es war aber nicht der Fall. Der Geist
der Opposition war noch nicht wieder zu Leben gekommen, und der Hof
konnte ohne alle Gefahr sich Handlungen erlauben, welche fünf Jahre
früher eine Revolution hervorgerufen haben würden. In der vor kurzer
Zeit noch so unruhigen Hauptstadt ließ sich kaum ein Murren hören.[27]
[Anmerkung 27: +London Gazette, Feb. 12. 1684--85. North's Life of
Guildford, 254.+]
[_Einberufung eines Parlaments._] Die Proklamation, welche die
Forterhebung der Zölle ankündigte, zeigte zugleich an, daß baldigst ein
Parlament zusammenkommen würde. Nicht ohne großes Bedenken hatte Jakob
den Entschluß gefaßt, die Stände des Reiches zu versammeln. Allerdings
war der Zeitpunkt zu einer allgemeinen Wahl ein höchst günstiger, denn
seit der Thronbesteigung des Hauses Stuart waren die Wahlkörper noch nie
dem Hofe so wohlgesinnt gewesen, wie jetzt; aber der Geist des neuen
Herrschers war von einer Besorgniß umfangen, die selbst nach so langer
Zeit noch Scham und Ärger erzeugen muß, wenn man ihrer gedenkt. Er
fürchtete, daß die Versammlung des englischen Parlaments den Unwillen
des Königs von Frankreich erregen könnte.
[_Verhandlungen zwischen Jakob und dem König von Frankreich._] Dem König
von Frankreich war es höchst gleichgültig, welche der zwei englischen
Parteien bei den Wahlen den Sieg davon trug, denn sämmtliche Parlamente,
welche seit der Restauration zusammengekommen waren, in welcher Stimmung
sie auch rücksichtlich der inneren Staatsverwaltung sich befunden,
hatten die emporstrebende Macht des Hauses Bourbon mit eifersüchtigem
Auge betrachtet. In dieser Beziehung bestand kein großer Unterschied
zwischen den Whigs und den trotzigen Landedelleuten, welche die
Hauptmacht der Torypartei bildeten. Ludwig hatte deshalb weder
Bestechungen noch Drohungen unterlassen, um Karl von der
Zusammenberufung der Häuser abzuhalten, und Jakob, von jeher in das
Geheimniß der auswärtigen Politik seines Bruders eingeweiht, war nun,
nachdem er König von England geworden, gleichfalls ein Miethling und
Vasall Frankreichs.
Rochester, Godolphin und Sunderland, aus welchen das innere Kabinet
bestand, war es kein Geheimniß, daß ihr voriger Herrscher von dem
Versailler Hofe Geld empfing. Jakob zog sie zu Rathe, ob es angemessen
sei, den gesetzgebenden Körper zu versammeln. Sie gestanden zu, daß es
von großer Bedeutung sei, Ludwig bei guter Laune zu erhalten, aber es
schien ihnen, daß die Einberufung eines Parlaments durchaus keine Sache
einer freien Wahl sein könne. Wie nachgiebig die Nation sich auch
zeigte, ihre Geduld hatte Grenzen. Der Grundsatz, daß der König nicht
berechtigt sei, das Geld seiner Unterthanen ohne Beistimmung der
Gemeinen zu erheben, hatte in der öffentlichen Meinung feste Wurzel
gefaßt, und wenn auch in einem außerordentlichen Falle selbst Whigs
bereit waren, einige Wochen hindurch Zölle zu entrichten, deren Erhebung
nicht gesetzlich gerechtfertigt war, so ließ sich doch nicht bezweifeln,
daß selbst Tories widerspenstig werden mußten, wenn solche unbillige
Besteuerung länger währen sollte, als die besonderen Verhältnisse,
welche sie veranlaßt hatten. Die Häuser mußten daher unbedingt
zusammentreten, und je früher sie einberufen wurden, um so besser war
es. Selbst der kurze Aufschub, welcher, aus einer Mittheilung nach
Versailles entstehen mußte, konnte ein Unglück herbeiführen, das nicht
wieder zu beseitigen war. Unzufriedenheit und Verdacht würden sich
schnell im Publikum verbreiten, und Halifax sich beschweren, daß man die
Grundgesetze der Verfassung angegriffen habe. Der Lord Siegelbewahrer,
als furchtsamer, pedantischer Kleinigkeitskrämer, würde ihn
unterstützen. Was man mit freiem Willen hätte thun können, würde man
später gezwungen thun. Gerade diejenigen Minister, denen der König die
öffentliche Achtung zu entziehen wünschte, würden sich auf seine Kosten
beliebt machen. Die schlechte Volksstimmung konnte auf die Wahlresultate
einen wichtigen Einfluß haben. Diese Gründe ließen sich nicht
widerlegen, und der König that dem Lande seinen Willen, kund, ein
Parlament zusammen zu berufen. Dabei aber war er ängstlich bemüht, sich
von dem Verdachte freizuhalten, als habe er vertragswidrig und
unehrerbietig gegen Frankreich gehandelt. Er geleitete Barillon in ein
geheimes Zimmer und bat um Verzeihung, daß er einen so bedeutungsvollen
Schritt ohne vorherige Erlaubniß Ludwig's gethan habe. »Geben Sie Ihrem
Herrn die Versicherung meiner Dankbarkeit und Ergebenheit, ich weiß,
daß ich ohne seinen Schutz machtlos bin. Es ist mir bekannt, welche
Unannehmlichkeiten meinem Bruder dadurch entstanden sind, daß er nicht
treulich zu Frankreich hielt. Ich werde Sorge tragen, daß die Häuser
sich nicht in auswärtige Angelegenheiten mischen können; bemerke ich bei
ihnen die Absicht, Unheil anzustiften, so werde ich sie unverzüglich
heimschicken. Sagen Sie das meinem geliebten Bruder, ich hoffe, er wird
es mir nicht übel deuten, daß ich ohne seinen Rath gehandelt habe, er
hat ein Recht darauf, von mir um Rath gefragt zu werden, und es ist mein
Wunsch, über Alles seinen Rath zu hören; bei dieser Gelegenheit aber
hätte ein Aufschub von einer einzigen Woche ernste Folgen nach sich
ziehen können.« Diese schmachvollen Entschuldigungen wurden am nächsten
Morgen von Rochester wiederholt, und Barillon nahm sie artig auf.
Rochester, dadurch ermuthigt, bat nun um Geld. »Es wird gut angelegt
werden«, bemerkte er, »Ihr Gebieter kann seine Einnahmen nicht
einträglicher verwenden. Machen Sie ihn angelegentlichst darauf
aufmerksam, von welcher Bedeutung es ist, daß der König nicht von seinem
Volke, sondern von der Freundschaft Frankreichs abhängig sei.«[28]
Barillon säumte nicht, Ludwig mit den Wünschen der englischen Regierung
bekannt zu machen, aber Ludwig war ihnen bereits zuvorgekommen. Kaum
hatte er den Tod Karl's erfahren, so beeilte er sich, Wechsel auf
England, im Werthe von fünfhunderttausend Livres, anzuschaffen, eine
Summe, die etwa siebenunddreißigtausendfünfhundert Pfund Sterling
gleichkam. Solche Wechsel waren zu jener Zeit in Paris nicht leicht im
Laufe eines Tages aufzubringen, nach wenigen Stunden aber war das
Geschäft schon besorgt, und ein Courier ging nach London ab.[29] Sobald
Barillon die Rimessen erhielt, eilte er mit seinen angenehmen
Neuigkeiten nach Whitehall. Jakob schämte sich nicht, Thränen der Freude
und Dankbarkeit zu vergießen, oder zu thun, als vergösse er solche.
»Niemand, außer Ihrem König, begeht so edle und freundliche Handlungen,«
sagte er. »Ich kann ihm niemals meine Dankbarkeit zur Genüge beweisen,
geben Sie ihm die Versicherung, daß meine Ergebenheit erst mit meinem
Tode endigen wird.« Rochester, Sunderland und Godolphin kamen, Einer
nach dem Andern, den Gesandten zu umarmen und ihm ins Ohr zu raunen,
daß er ihrem königlichen Herrn neues Leben gegeben habe.[30]
Obgleich Jakob und seinen drei Räthen die von Ludwig bewiesene
Schnelligkeit recht wohlgefiel, so erreichte doch der Betrag des
Geschenks keineswegs ihre Erwartung. Da sie durch zudringliche Bettelei
anstößig zu werden besorgten, so deuteten sie ihre Wünsche nur leise an.
Sie versicherten, es sei nicht ihre Absicht, mit einem so edelmüthigen
Wohlthäter wie der König von Frankreich zu feilschen, und sie wären
entschlossen, gänzlich seiner Freigebigkeit zu vertrauen. Zugleich
machten sie den Versuch, ihn durch ein großes Opfer der Nationalehre
sich geneigt zu machen. Es war kein Geheimniß, daß es ein Hauptzweck
seiner Politik war, die belgischen Provinzen mit seinem Gebiete zu
vereinigen. England hatte durch einen Vertrag mit Spanien, der
abgeschlossen werden war, als Danby das Schatzmeisteramt verwaltete, die
Verpflichtung übernommen, jedem Versuche Frankreichs auf jene Provinzen
sich zu widersetzen. Die drei Minister erklärten Barillon, daß ihr Herr
durch jenen Vertrag sich nicht mehr für gebunden erachte, da er durch
Karl abgeschlossen worden sei. Für diesen könne er gültig gewesen sein,
sein Bruder aber fühle sich nicht durch ihn verpflichtet. Der
allerchristlichste König möge daher ohne jede Besorgniß vor Einspruch
von Seiten Englands beliebige Schritte thun, Brabant und Hennegau seinem
Reiche einzuverleiben.[31]
[Anmerkung 28: Die Hauptquelle für Barillon's Depesche vom 9.(19.)
Febr. 1685. Sie befindet sich im Anhange zu +Fox' History.+ Man
sehe auch Preston's Brief an Jakob +d. d.+ 18.(28.) April 1685 bei
Dalrymple.]
[Anmerkung 29: Ludwig an Barillon, 16.(26.) Febr. 1685.]
[Anmerkung 30: Barillon, 16.(26.) 1685.]
[Anmerkung 31: Barillon, 18.(26.) Febr. 1685.]
[_Churchhill als Gesandter nach Frankreich geschickt._]. Zu gleicher
Zeit wurde bestimmt, daß eine außerordentliche Gesandtschaft abgeschickt
werden sollte, um Ludwig der Dankbarkeit und Ergebenheit Jakob's zu
versichern. Mit dieser Sendung beauftragte man eine Persönlichkeit,
welche noch keine besonders hohe Stellung einnahm, deren Ruf aber,
seltsam aus Schande und Ruhm hervorgegangen, zu einer späteren Periode
die ganze gebildete Welt erfüllte.
[_Seine Geschichte._] Bald nach der Restauration, in den fröhlichen,
sittenlosen Zeiten, welche durch die Feder Hamilton's so lebhaft
geschildert worden ist, fühlte sich Jakob, jung und feurig im Genuß, von
Arabella Churchhill angezogen, einer Ehrendame seiner ersten Gemahlin.
Das Fräulein war nicht schön, aber Jakob's Geschmack auch nicht
wählerisch, und so wurde sie seine erklärte Maitresse. Sie war die
Tochter eines armen Ritters, welcher nach Whitehall kam und sich durch
Herausgabe einer längst verschollenen, schwerfälligen und gezierten
Folioschrift blamirte. Die Verlegenheiten der Churchhills waren
dringender Art, ihre Loyalität glühend, und ihre einzige Empfindung bei
Arabella's Entehrung scheint ein freudiges Erstaunen gewesen zu sein,
daß ein so einfaches Mädchen so hoher Auszeichnung würdig befunden
wurde.
Ihr Einfluß war von nicht geringem Nutzen für ihre Anverwandten, keiner
von ihnen gelangte aber zu so besonderem Glück wie ihr ältester Bruder,
Johann, ein schöner junger Mann, der eine Offiziersstelle in der Garde
zu Fuß bekleidete. Er avancirte rasch, am Hofe wie im Heere, und machte
sich bald als ein Mann von Welt und Heiterkeit bemerkbar. Er besaß eine
stattliche Gestalt, ein hübsches Antlitz und ein äußerst einnehmendes
Betragen, jedoch mit solcher Würde gepaart, daß es dem naseweisesten
Gecken nicht in den Sinn kam, sich Freiheiten gegen ihn zu erlauben, und
dabei wußte er sein Temperament in den unangenehmsten und aufregendsten
Fällen vollkommen zu beherrschen. Doch hatte, er eine so mangelhafte
Erziehung genossen, daß er die gewöhnlichsten Worte seiner Muttersprache
nicht richtig zu schreiben wußte, aber sein durchdringender, kräftiger
Verstand ersetzte in hohem Grade die fehlende Büchergelehrsamkeit. Er
war nicht gesprächig, aber bei der Nothwendigkeit öffentlich zu reden,
wurde seine kunstlose Beredtsamkeit von den geübtesten Rhetoriken
bewundert. Während vieler von Sorge und Gefahr begleiteten Jahre hat er
auch in den kritischesten Augenblicken den vollkommenen Gebrauch seiner
seltenen Urtheilskraft nicht einmal verloren.
Als er dreiundzwanzig Jahre alt war, stieß er mit seinem Regimente zu
den französischen Truppen, welche damals gegen Holland operirten. Seine
fröhliche Tapferkeit zeichnete ihn unter den Tausenden wackerer Soldaten
aus, seine militairische Tüchtigkeit gewann ihm die Achtung der älteren
Offiziere. Turenne, der damals das höchste militairische Ansehen genoß,
dankte ihm einst öffentlich vor der Fronte des Heeres und gab ihm viele
Beweise von Achtung und Vertrauen.
Unglücklicherweise waren die glänzenden Eigenschaften Churchhill's mit
Fehlern der schmutzigsten Art verbunden. Einige Neigungen, welche bei
der Jugend besonders widerwärtig sind, begannen sich bei ihm sehr zeitig
zu entwickeln. Selbst bei seinen Lastern ließ er den Vortheil nicht aus
den Augen, und bezog bedeutende Stipendien von Damen, welche sich durch
die Geschenke freigebigerer Liebhaber bereicherten. Einige Zeit war er
ein Gegenstand der heftigen aber vergänglichen Liebe der Herzogin von
Cleveland. Als er einst vom König bei ihr angetroffen wurde, war er
genöthigt, aus dem Fenster zu springen, und sie belohnte ihm diese
ritterliche Galanterie mit einem Geschenk von fünftausend Pfund. Mit
diesem Gelde kaufte sich der junge kluge Held sofort eine Leibrente von
fünfhundert Pfund jährlich, welche durch Grundbesitz gesichert war.[32]
In seinen geheimen Schubfächern befanden sich bereits Haufen von
Goldstücken, welche nach funfzig Jahren, als er Herzog, Reichsfürst und
der reichste Unterthan in Europa war, noch unberührt lagen.[33]
Nach beendigtem Kriege wurde er dem Hofstaate des Herzogs von York
zugeordnet, ging mit seinem Gönner nach den Niederlanden und Edinburg
und erhielt für seine Dienste eine schottische Pairschaft und den Befehl
über das einzige Dragonerregiment, welches damals im englischen Heere
sich befand.[34] Seine Gemahlin war im Hofstaate der jüngeren Tochter
Jakob's, der Prinzessin von Dänemark, angestellt.
Lord Churchhill ging nun als außerordentlicher Gesandter nach
Versailles. Er war beauftragt, die warme Dankbarkeit der englischen
Regierung für das so freigebig gespendete Geld auszusprechen. Vorher
hatte man den Plan gehabt, Ludwig um eine viel größere Geldsumme zu
ersuchen, aber bei weiterem Nachdenken die Besorgniß gehegt, solch
unzarte Gier könnte dem Wohlthäter, dessen unerbetene Freigebigkeit sich
so glänzend gezeigt, unangenehm berühren, deshalb bekam Churchhill
Befehl, blos den Dank für das Geschehene auszudrücken und über die
Zukunft zu schweigen.[35]
Wahrend Jakob und seine Minister jeden Schein von Zudringlichkeit zu
vermeiden suchten, wußten sie doch sehr verständlich anzudeuten, welche
Wünsche und Hoffnungen sie noch hegten. Sie besaßen an dem französischen
Gesandten einen gewandten, thätigen, wohl auch nicht uneigennützigen
Unterhändler. Ludwig machte einige Schwierigkeiten, vermuthlich zu dem
Zwecke, den Werth seiner Geschenke zu erhöhen, in einigen Wochen aber
erhielt Barillon von Versailles fernere fünfzehnhunderttausend
Livres, und bekam den Auftrag, diese Summe, welche ungefähr
einhundertzwölftausend Pfund Sterling betrug, vorsichtig zu vertheilen.
Er sollte der englischen Regierung dreißigtausend Pfund zur Bestechung
von Mitgliedern des neuen Hauses der Gemeinen einhändigen, und den Rest
für irgend einen außerordentlichen Fall, wie eine Auflösung des
Parlaments oder eine Revolution, aufbewahren.[36]
Die Nichtswürdigkeit dieser Verhandlungen ist allgemein anerkannt, aber
ihre wahre Natur scheint oft Mißdeutungen unterlegen zu haben, denn
obgleich die auswärtige Politik der letzten zwei Könige der Stuart'schen
Dynastie niemals, seit die Correspondenz Barillon's zur Kenntniß des
Publikums gekommen ist, einen Vertheidiger unter uns gefunden hat, so
existirt doch noch immer eine Partei, welche es sich angelegen sein
läßt, ihre innere Politik zu beschönigen. Es besteht aber kein Zweifel,
daß zwischen ihrer inneren und auswärtigen Politik ein nothwendiger und
nicht zu trennender Zusammenhang stattfand. Hätten sie nur einige Monate
lang die Ehre des Landes nach Außen vertreten, so mußten sie sich
entschließen, das ganze System ihrer inneren Verwaltung einer Änderung
zu unterwerfen. Sie zu rühmen, weil sie sich sträubten, in
Übereinstimmung mit den Ansichten des Parlaments zu regieren, und sie
doch zu tadeln, weil sie den Befehlen Ludwig's Folge leisteten, ist ein
Widerspruch, denn sie hatten nur die Wahl, von Ludwig oder vom
Parlamente abhängig zu sein.
Um gerecht zu sein, muß man sagen, daß Jakob gern einen dritten Weg
eingeschlagen haben würde, aber es war keiner aufzufinden. Er wurde
Frankreichs Sklave, aber man würde sich irren, wollte man glauben, er
sei ein zufriedener Sklave gewesen. Er hatte Verstand genug, bisweilen
sich selbst über solche Beugung unter das französische Joch zu zürnen
und eine Befreiung davon zu wünschen, welche Absicht von den Agenten der
fremden Mächte aufs Eifrigste unterstützt wurde.
[Anmerkung 32: Dartmouth's Note in Burnet, +I. 264+;
+Chesterfield's Letters, Nov. 18. 1748.+ Chesterfield ist ein
unverwerflicher Zeuge, denn die Leibrente ruhte auf dem Gute
seines Großvaters Halifax. Ich hoffe, daß ein Zusatz zu dieser
Geschichte, der sich bei Pope findet, keine Wahrheit enthält:
Der Ritter, dem sie diese Summe gab,
Schlug später eine halbe Kron' ihr ab.