Nicht zu leugnen --: seit jener geheimnisvollen Flucht Dagnys von M . . .
(bei der, wie sich immer mehr und mehr herausstellte, Georg Forstner die
Hauptrolle spielte, Georg Forstner, der einzige unter den jungen Leuten,
diesen Romains und Adolphes, der den Mut hatte, sich als Deutschen zu
bekennen . . . denn auch Jean Bousset hieß ursprünglich Hans Witting) seit
jener geheimnisvollen Flucht Dagnys von M . . . war Jean Bousset
vollständig zusammengebrochen.
Ja, Dagny war der geeignete Angriffspunkt, eine uneinnehmbare Stellung, wie
sich bald herausstellte, ein sturmsicheres Objekt, auf das Jean Bousset
unermüdlich und verachtungsvollst seine von vornherein nutzlosen Attacken
konzentrierte, an Dagny zerhetzte er seine Kräfte. Wie herrlich war es,
sich zu vernichten, wie reizvoll dieser Rückzug, diese Auflösung einer
glänzenden Armee!
_Nun tauten aus Schwäche und Ohnmacht, Gefühlsruinen und Zusammenstürzen
klingende Himmelfahrten und jubelnde Aufbrüche!_
Die Abreise Dagnys von M . . . lag vier Wochen zurück.
Dagny, das kleine blonde Tier, hatte ein Todesurteil gesprochen.
Jean Boussets Blut, gepeischt und berauscht, revolutionierte.
»Fetzen«, zischelte er, erfüllt von maßloser Empörung, aber er ergab sich,
blaß, demütig und fromm (. . . beseligend: sich so wegwerfen zu müssen
. . . tiefer, immer tiefer, wenn ich bitten darf . . . haben Sie vielleicht
nicht noch eine etwas unfreundlichere Kammer, Madame, ein Kellerloch, das
genügte, sehr feucht, rechteckig und hölzern? . . .)
Jean Bousset zog sich auf sein Zimmer zurück, früh am Abend, legte sich zu
Bett und begann, die Hände wie zum Gebet gefaltet (. . . derweil seine
Augen Distanzen durchstachen, tief einmündend in jenes morbide
Hyazinthenwunder . . .):
»Erhöre mich, ich flehe zu dir, großer, allmächtiger, ewiger Gott! Ich bin
niedrig und voller Qual, widerlich und unausstehlich, ein elendes, vor dir
winselndes Vieh, das -- o wolltest du! -- bald Frieden finde,
zusammengekauert, zu deinen heiligen Füßen liegend, in einem kleinen
einsamen und stillen Winkel.«
»Meine Herrlichkeiten, die die Menschen nennen, heißen im Grunde Betrug und
Verrat und sind ohne Bestand, und ich danke Dir, Dir Linderer meiner
Schmerzen, daß Du mir Deinen Trost schicktest, Dein süßes Gift, das ich, so
er sich wild aufstürzt und empört, dem armen Leib eingebe.«
»Ich danke Dir für den Tag, ich sage Dir Dank für die Nacht. Ich preise
Dich ob der Wunder und der durchströmenden Wärme des Sonnenlichtes, für die
Wohltat des Schlafes benedeie ich Dich dreifach.«
»Ich lobe Dich, der Du mich schlägst mit Marter, der mich wirft in
Gefängnis und Krankenhaus, mich züchtigt mit Jammer und Trübsal, ich lobe
Dich, Dich Peiniger, der Du die Tritte der Menschen ob meinem Haupte
sammelst.«
»Siehe, ich bin Dein ekles Tier, eine vernutzte Sache, ein verbrauchter und
abgegriffener Gegenstand, ein abgelegter Rock, den man zum Trödler schenkt,
ein Spülicht, ein Kehricht, ein Abfall . . .«