Von Dagny kamen noch zwei Briefe.
Der eine lautete:
»Lieber Jean! Bis heute habe ich es ausgehalten, Dir nicht zu schreiben.
Ich dachte auch, Du würdest kommen. Ich bin von einer Unruhe, die mich fast
tötet. Meine Schwester ist im Irrenhaus. Ich habe gespielt in einem Film
und mach nur noch nächste Woche eine Aufnahme im Freien mit, dann komme ich
nach M . . . . ., obwohl ich hier meine eigene kleine Wohnung habe. Ich bin
sehr verzweifelt und denke an Dich, habe immer an Dich gedacht. Ach, ich
bin verrückt! Mein Herz ist voll und ich kann nicht sprechen. Leb wohl, ich
wollte so viel schreiben. Wenn ich in mein Bett gehe, treibt mich etwas zu
Dir, und ich habe mich gewehrt, aber es geht nicht. Vielleicht komme ich an
und falle tot zu Deinen Füßen. Deine Dagny.«
Der andere:
»Lieber Jean! Es ist eine falsche Ansicht von Dir, mir Geld zu senden. Ich
bin es gar nicht wert, weil ich huren und stehlen will. Alles Gute. Dagny.«
. . . Jean Bousset kam gegen Morgen heim.
Vogelchöre heulten, daß sich Jean Bousset die Ohren zuhielt. Ein scharfer
Eiswind warf sich ihm entgegen, eine ganze Welt brannte dahinter. Alles
hatte sich gegen ihn verschworen.
Als er in sein Zimmer trat, war es von einem hellen blendenden Glanz
erfüllt. Jean Bousset dachte zuerst, er befinde sich bei seinen Eltern zu
Haus, in seinem Kinderzimmer, und wäre wieder ganz jung. Daß es nicht so
war, erkannte er sofort.
Er fiel über einen Stuhl, er blieb über der Lehne hängen, das Gesicht nach
unten.
Später gelang es ihm, sich aufs Bett zu schleppen.
Er deckte mit den Händen die Augen zu.
Die Große Stunde war gekommen.
Der Mond stieg aus einer grünen Nacht, schaukelnd, unter sprühendem
Feuerwerk.
Eine andere Nacht nahm ihn, warm und lind, duftig um ihn wehend . . .
_(. . . wie süß du bist, Liebling, wie schön es ist, bei dir zu liegen
. . . es wird uns leicht, wir schweben . . .)_
. . . eine dritte Nacht, feurig und voll fliegender Brände . . .
_(. . . Bestie! . . . Saukerl . . . He?! . . .)_
. . . eine weitere Nacht, heiß und tiefblau . . . (und er war Staunens
voll, daß es soviel Nächte gäbe! . . .)
. . . eine weitere Nacht, kühl und erschauernd . . .
_(. . . laß mich . . . he?! . . . etwa dein Schnellschreiber, bei dem du
. . . Äh . . . keen Geld . . . eene in die Fresse . . . he?!)_
. . . und endlich eine letzte, (. . . da bildeten seine Lippen wohl den
Namen Dagny . . .) eine letzte Nacht (eng wie ein Bett) hölzern, rechteckig
und feucht . . .
_(. . . fahr hinab, Liebling . . . äh . . . du?! . . . so schlottrig,
schmutzig, zerbrechlich und dünn . . . kleene blonde Klapperschlange mit
großen, abgesprungenen Raubtierzähnen . . . äh . . . Schscheiße . . .)_