245 „Its [piracy] essence consists in the pursuit of private, as
contrasted with public, ends.“
246 Die Begründung ist auffällig, da _Hall_ im allgemeinen die Richtung
gegen alle Nationen der Piraterie nicht wesentlich hält.
247 Ob eine „politisch organisierte Gemeinschaft“ vorliegt, ist „a
question of fact“, S. 260.
248 So auch _Kenny_, S. 315; _Walker_, Manual, S. 56, N. 1. Abweichend
_Perels_, S. 175 („Autorisation eines Prätendenten“); _v. Liszt_,
S. 211 (er äußert sich nur über Kaperschiffe); _Phillimore_ I,
S. 506 f. (Kaper Jakobs II.). _G. F. v. Martens_, Kaper, § 11, ist
unentschieden.
249 Deutsche „Bestimmungen für den Dienst an Bord“, § 21, Nr. 16; Queens
Regulations von 1899, Art. 450; Regulation for the Government of the
navy of the United States von 1900, Art. 306.
250 Präzedenzfälle bei _Perels_, S. 110 f., _Rougier_, § 65 und
besonders _Pradier-Fodéré_, § 2510 f.
251 Von dem Grundsatze der Nichtintervention gehen die Mächte auch bei
Aufforderung der durch die Revolution bedrohten Regierung nicht ab;
der Aufforderung Spaniens in dem Bürgerkriege von 1873 (Dekret vom
20. Juli; ferner Note an Großbritannien, Staatsarchiv 1874, Nr.
5218), die Rebellenflotte als Piraten zu behandeln, kamen sie nicht
nach, s. Staatsarchiv 1874, Nr. 5219 (Großbritannien), 5226
(Frankreich), 5227 (Deutschland). Ähnlich brasil. Erklärungen
gegenüber Aufforderungen Argentinas 1873 (Fall der Porteña,
_Pradier-Fodéré_, § 2511) und Spaniens 1877 (Montezuma,
_Pradier-Fodéré_ a. a. O.). Das egoistische Interesse schwacher
Regierungen ist kein Interesse der Völkerrechtsgemeinschaft.
252 England: der Huascar, 1877 (Bericht bei _Pradier-Fodéré_, § 2512,
_Halleck_ I, S. 388 f.), ein peruanisches Kriegsschiff in den Händen
von Aufständischen, hatte englische Handelsschiffe angehalten und
von einem derselben Kohlen weggenommen; er wurde von englischen
Kriegsschiffen in den peruanischen Gewässern angegriffen, entkam
aber; in Südamerika entstand eine große politische Erregung gegen
England (die Darstellungen _Pradier-Fodéré’s_ und _Calvo’s_ sind
durch sie beeinflußt); die englische Regierung erklärte im
Unterhause nicht ohne Widerspruch (_W. Harcourt’s_, s. _Geffcken_
bei _Holtzendorff_ IV, S. 570) den Huascar für einen Piraten. In
demselben Sinne in dem spanischen Bürgerkriege von 1873 das
auswärtige Amt an die Admiralität, 24. Juli 1873, Staatsarchiv 1874,
Nr. 5219 (vgl. S. 94, N. 3).
Deutschland: am 6. Sept. 1902 bohrte der „Panther“ das in den Händen
Aufständischer befindliche haitanische Kanonenboot Crête à Pierrot,
das am 2. Sept. in den haitanischen Gewässern von dem deutschen
Dampfer Markomannia der haitanischen Regierung gehörige Waffen
weggenommen hatte, im Hafen von Gonaives in den Grund; Bericht
Marinerundschau 1902, S. 1189 f., ferner Besprechung in der Rev.
gén. 1903, S. 315 f. Die Berechtigung des Vorgehens ist ohne
Zweifel; es war eine repressive Intervention mangels Funktionierens
der staatlichen Strafrechtspflege; die — politisch gehässige —
Besprechung in der Revue générale, die Deutschland des
Völkerrechtsbruches beschuldigt, geht davon aus, daß die Wegnahme
der Waffen rechtmäßig gewesen sei, da die Markomannia sich durch den
Transport derselben einer Verletzung des Prinzips der
Nichtintervention in Bürgerkriegen schuldig gemacht habe und die
Waffen demzufolge _Kontrebande_ im Sinne des Völkerrechtes gewesen
seien; die Auffassung ist seltsam verworren („Les devoirs imposés
aux Etats par la non-intervention sont sensiblement les mêmes que
ceux de la neutralité, mais ils affectent le caractère d’une
obligation morale plutôt que d’une obligation juridique“); ein
Minimum juristischer Bildung genügt, ihre Unhaltbarkeit zu erkennen.
Die deutsche Regierung bezeichnete die Crête à Pierrot als Seeräuber
(Marinerundschau, S. 1189). Die amerikanische Regierung soll dem
nicht beigestimmt haben, weil die Beschlagnahme der Waffen innerhalb
der Dreimeilenzone stattgefunden hatte (piracy, ein Akt upon the
high seas, Rev. Stat. s. 5368), ohne die Berechtigung des deutschen
Eingreifens zu bestreiten (Köln. Zeitung 1902, Nr. 707).
253 Wäre der „Huascar“ aus dem Rechtsgrunde der Piraterie angegriffen
worden, so würde in der Tat „une flagrante violation de l’immunité
territoriale“ (peruanische Regierung, _Pradier-Fodéré_, § 2512)
vorgelegen haben. Nicht anders in dem Falle der Crête à Pierrot, s.
auch vorige Note a. E.
254 Erklärung des Attorney-General im Unterhause, _Halleck_ I, S. 390:
„In strictness the crew of the ‚Huascar‘ were pirates, and might
have been treated as such; but it was one thing to say that,
according to the strict letter of the law, people have been guilty
of acts of piracy, and another to advise that they should be tried
for their lives and hanged at Newgate;“ die Queens Regulations (Art.
450 der Fassung von 1899, gegen damals nicht verändert) schreiben
aber sehr deutlich vor, daß wahre Piraten dem nächsten zuständigen
Gerichte zuzuführen sind, „that they may be dealt with according to
law“. Auch das deutsche Vorgehen gegen die Crête à Pierrot war von
strafprozessualen Gesichtspunkten frei, der Besatzung wurde freier
Abzug gewährt.
255 Die Repression der Piraterie ist eine völkerrechtliche, die
Intervention eine staatsrechtliche Pflicht (Schutzpflicht).
Deutschland, s. die Angaben in N. 2. Frankreich, ebenda und décret
sur le service à bord vom 20. Mai 1885, Art 138. England, Queens
Reg. von 1899, Art. 450, zweiter Teil in Verbindung mit Art. 447,
ferner sehr deutlich Auswärtiges Amt an die Admiralität 24. Juli
1873 (Staatsarchiv 1874, Nr. 5219): „If such vessels commit any acts
of piracy affecting British subjects or British interests, they
should be treated as pirates ... but if they do no such act they
should not be interfered with,“ im Gegensatz zu der die wahre
Piraterie betreffenden Anweisung der Queens Regulations, Art. 450,
erster Teil, die ausdrücklich auch „piratical acts against the
vessels and goods of the subjects of any Foreign Power in amity with
Her Majesty“ als Grund zum Einschreiten nennt. Vereinigte Staaten,
Regulation for the Government of the navy von 1900, Art 306.
Brasilien, Anweisung des Ministers des Auswärtigen in der Affaire
der Porteña (s. o. S. 94, N. 3), bei _Pradier-Fodéré_, § 2511: „Nos
escadres ne traitent pas comme pirates les navires soupçonnés
d’appartenir aux insurgés d’une nation, si ce n’est dans le cas où
ces navires porteraient atteinte au pavillon brésilien, aux
personnes ou aux propriétés brésiliennes.“
256 Deutschland, 9. Aug. 1873, deutscher Botschafter an den englischen
Minister des Auswärtigen, Staatsarchiv 1874, Nr. 5227 (Übersetzung):
„In this question my Government takes as basis: 1. In principle,
non-intervention ... 2. Limiting military action exclusively to the
protection of German life and property;“ ferner Bestimmungen für den
Dienst an Bord, § 21, Nr. 16, Abs. 2: „Ein Einschreiten ist in
solchen ... Fällen [gegen „Schiffe, welche im Besitz von
Aufständischen sind“] nur so weit zulässig, als dies zum Schutz des
Lebens, der Freiheit oder des Eigentums deutscher Reichsangehöriger
erforderlich ist und die Gefahr auf andere Weise nicht abgewendet
werden kann.“ Frankreich, Instruktion an die Schiffskommandanten vom
4. Aug. 1873, Staatsarchiv 1874, Nr. 5226, kein Einschreiten gegen
die Schiffe der Aufständischen außer dem Falle „que vous auriez à
faire usage du droit de protection qui vous incombe en vertu de vos
fonctions“. Vereinigte Staaten, Forderung der intention of general
hostility (s. o. S. 57, N. 1), so auch Botschaft des Präsidenten
_Cleveland_ vom 8. Dez. 1885 (_Perels_, S. 112, N. 1): „... neither
could the vessels of insurgents against the legitimate sovereignty
be deemed hostes humani generis within the precepts of international
law“ (anders die Proklamation _Lincolns_ vom 19. April 1861
betreffend die Flotte der Südstaaten). — Auf dem richtigen Wege auch
Dr. _Lushington_ in The Magellan Pirates bei _Phillimore_ I,
S. 498 f., Handlungen Aufständischer gegen den eigenen Staat sind
nicht Piraterie, „it does not follow that rebels and insurgents may
not commit piratical acts against the subjects of other States,
_especially if such acts were in no degree connected with the
insurrection or rebellion_“.
257 Die hauptsächlichste Gewähr gegen ihr Wiederaufleben liegt in der
modernen Einrichtung der „freiwilligen Flotte“, „Hilfsflotte“; vgl.
auch spanisches Dekret vom 24. April 1898 (Rev. gén. 1898, S. 761),
Art 4: „Le gouvernement espagnol, maintenant son droit de concéder
des patentes de course ... organisera, pour le moment, avec des
navires de la marine marchande, des croiseurs auxiliaires de la
marine militaire.“
258 So französ. Arrêté du gouvernement vom 22. Mai 1803; span. Ordonnanz
vom 20. Juni 1801.
259 Versuch über Kaper, 1795. Die zahlreichen, meist tendenziösen,
modernen Schriften über das Thema erreichen _Martens’_ Abhandlung
weder an Vollständigkeit noch an Durchdringung des Materials.
_ 260 G. F. v. Martens_, § 5 u. 6 („sofern man also den Unterschied
zwischen unseren Kapern und den Seeräubern darin setzt, daß erstere
mit besonderer Erlaubnis einer kriegführenden Macht versehen sind
...“); s. auch oben S. 38, N. 6.
_ 261 Wheaton_ II, S. 18; _Kenny_, S. 316 („Even though their action be
spontaneous and without any commission at all from the Power whose
interests they serve“); _Piédelièvre_ I, S. 585. Abw. v. _Liszt_,
S. 335.
262 Vgl. auch § 12, II, 2. Es ist geschehen im ital. Cod. p. l. mar.
merc., Art. 322 („senza essere provveduta di lettere di marco“, eine
Voraussetzung, die die einer Autorisation als das kleinere
einschließt) und im brasil. St.G.B., Art 105, § 1, während z. B. das
französ. Gesetz von 1825 eine dahingehende Bestimmung nicht enthält
(Art 2, Nr. 2: „un navire ... étranger, lequel, _hors l’état de
guerre_ ... commettrait lesdits actes envers des navires français
...“).
263 Denn sie widerspricht den Kriegsgesetzen. Preuß. Allgem. Landrecht
I, 9, § 206 (noch in Geltung): „Wer ohne diese [Kaperbriefe] auf
Kaperei ausgeht, wird als ein Seeräuber angesehen;“ so auch holländ.
Gesetz von 1597 (_Baud_, S. 79 f.) und darauf gestützt
_Bynkershoek_, Quaest. Jur. Publ. L. I, C. XVII.
Im allgemeinen betrachtet der Heimatstaat das Schiff nicht als
Piraten, vgl. französ. Gesetz von 1825, Art. 2, Nr. 1 (Gewaltakte
französischer Schiffe Piraterie nur, wenn gerichtet „envers des
navires français ou des navires d’une puissance avec laquelle la
France ne serait pas en état de guerre“) und brasil. St.G.B., Art.
104, § 1. Ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 322, Abs. 2 und span.
St.G.B. von 1870, Art. 155, Abs. 2 bezeichnen zwar die Handlungen
als piratische, stellen aber einen wesentlich milderen Strafrahmen
für sie auf; das spanische St.G.B. von 1848 ließ sie noch straflos.
Über das englische Recht s. folgende Note.
264 Strafbarkeit ausgeschlossen im französischen (s. S. 98, N. 3),
italienischen (Cod. p. l. mar. merc., Art. 321, Gewalthandlungen
fremder Schiffe nur, wenn „fuori dello stato di guerra“ begangen,
als Piraterie bezeichnet und strafbar) und brasilischen (St.G.B.,
Art. 105, § 1) Rechte. Dementgegengesetzt scheinen die Queens Reg.,
Art. 450 (und ähnlich schon die Naval Reg. von 1787 und 1826, bei
_Halleck_ II, S. 12, N. 1): „Should any armed vessel, not having a
Commission of War ... from a Foreign de facto Government, commit
piratical acts and outrages against the vessels and goods of Her
Majesty’s subjects, or of the subjects of any other Foreign Power in
amity with Her Majesty ... such vessel is to be seized ...;“ wenn
aber, wie daraus ersichtlich, das englische Recht den Angriff
fremder Schiffe auf Feinde Englands nicht als Piraterie betrachtet,
so kann es sich nicht wohl berufen fühlen, ihre Hostilitäten gegen
Feinde ihrer eigenen Nation als solche zu reprimieren.
265 So die durchaus herrschende Meinung. _G. F. v. Martens_, Kaper, §
14; _Nau_, Grundsätze des Völkerseerechts, 1802, S. 395; _Perels_,
S. 174; _Ortolan_ I, S. 246; _Wheaton_ I, S. 142; _Phillimore_ I,
S. 503; _Hall_, S. 262; _Woolsey_, Introduction, S. 234; u. a. m.
Abweichend _Pradier-Fodéré_, § 2506; _Gareis_ bei _Holtzendorff_ II,
S. 581. Der Fall ist besonders genannt im niederl. St.G.B., Art.
381, Abs. 2.
266 Die Autorisation ist rechtsförmig, Außerachtlassung der Form eine
Völkerrechtsverletzung. Wie der Text _G. F. v. Martens_, Précis, §
288: „Celui qui, sans lettres de marque, commettrait des hostilités
sur mer, peut être puni comme pirate, tant par l’ennemi que par son
souverain;“ so auch Kaper, § 10. Das englische (s. S. 99, N. 5),
italienische (S. 98, N. 3) und brasilische (S. 98, N. 3) Recht
erklären den Kriegsgegner ohne Kaperbrief für einen Piraten; nach
deutschem Rechte würden die Bestimmungen des St.G.B. über Mord, Raub
usw. Anwendung finden.
267 Piraterie soll vorliegen nach _Saripolos_, Griechisches Strafrecht,
1870, § 561 γ und _Senly_, La piraterie, 1902 (s. o. S. 64, N. 5),
S. 79. Dagegen betrachten _v. Liszt_, S. 336 und _Piédelièvre_ I,
S. 585, den Kaper selbst als überhaupt nicht verantwortlich. Richtig
Revue générale IV, 1897, S. 695: „L’abolition de la course aurait eu
pour effet de permettre à chacun d’eux [Griechenland und der Türkei]
de considérer les corsaires de l’autre comme pirates.“
268 Vgl. _G. F. v. Martens_, Kaper, § 18 (bei Wegnahme von Schiffen in
den Flüssen des Feindes wird der Kaper nicht „als rechtmäßiger Feind
angesehen, sondern als Seeräuber gestraft“) und dort Note o
Nachweisungen über das Landesrecht; _Baud_, S. 95 f. (niederl.
Placaat vom 24. Februar 1696 und mehrere spätere setzen Todesstrafe
auf das bloße Eindringen feindlicher Kaper in die niederländischen
Flüsse); _Wheaton_ II, S. 87.