10 Vgl. namentlich _v. Martitz_ Rechtshilfe I, S. 136.

11 Als übereinstimmend ist nur eine recht krause Ausführung _Geffckens_

anzuführen, bei _Heffter_, § 104, N. 2: „Ein Seeräuber, der auf

hoher See gegen fremde Personen oder fremdes Eigentum Gewalt übt,

ohne dazu von einer bestimmten Staatsgewalt ermächtigt zu sein, hat

keine Nationalität, da keine Regierung ein solches Verbrechen

erlauben wird, kann also nur betrügerischer Weise Schiffspapiere

erhalten haben und eine Flagge nur durch Usurpation führen.“

_ 12 Perels_, int. öff. Seer., S. 109, 112; _Hartmann_, Institutionen d.

prakt. Völkerr., 2. Aufl. 1878, S. 204; _Heilborn_, System d.

Völkerr. 1896, S. 220; _Samios_, S. 47; _Pradier-Fodéré_, § 2491 a.

E.; _Bonfils_, § 594; _Piédelièvre_ I, S. 578, 581; _Despagnet_,

S. 523; _Calvo_, § 495; u. a. m. (s. auch u. Anm. 4). Die Engländer

heben in ihren Darstellungen regelmäßig nur die ihnen besonders

wichtige Denationalisierung der _Personen_ hervor, ohne deshalb die

Denationalisation des Schiffes zu übersehen, vgl. z. B. _Wheaton_ I,

S. 142, 143; _Wharton_ Crim. L., § 1864; _Halleck_ II, S. 276;

_Walker_ Science, S. 131.

13 Bestimmungen f. d. Dienst an Bord von 1903, § 23, Nr. 22: „Jeder

Kommandant hat das Recht, ein seeräuberisches Schiff, _unabhängig

von der Flagge, die es führt_, aufzubringen.“ Ebensowenig setzen die

_Queens_ Reg. von 1899, Nr. 450 und die amerik. Rev. Stat. von 1874,

s. 4294 und 4298, Flaggenlosigkeit voraus. Sehr deutlich auch die

deutsche Instruktion von 1877, Nr. IV.

_ 14 Ausdrückliche_ Hinweisungen auf Piraterie _nationaler_ Schiffe

finden sich im franz. Gesetz von 1825, Art. 2; ital. Codice p. l.

mar. merc., Art. 320 („Se una nave _con_ bandiera nazionale, o

_senza_ carte di bordo etc.“); wie Italien mexik. St.G.B., Art. 1127

I. Selbstverständlich kann es sich nur um Bestimmungen handeln, die

die Piraterie im Sinne des Völkerrechts treffen wollen. Auch der

Quintuplevertrag ist anzuziehen; er proklamiert den Sklavenhandel

für Seeraub, obwohl er sich vornehmlich auf _nationale_ Schiffe

bezieht.

_ 15 Den Beer Poortugael_, S. 180, 181: „Het schip moet varen zonder of

met eene geüsurpeerde vlag;“ aber: „Omgekeerd hebben een zeeroover

en zijn schip geen nationaliteit. _Die zij hadden_, gingen door de

daad van zeeroof verloren.“ _Ortolan_, S. 234, 235: „S’ils en

[nationalité] avaient une originairement, ils l’ont perdue par leur

crime et se trouvent ainsi dénationalisés.“ So auch _Nys_, Le droit

international II 1905, S. 146. _Bluntschli_, § 350, hat eine mit dem

oben im Texte zitierten Satze _v. Liszts_ betreffend Gewalttaten

eines deutschen Schiffes auf hoher See fast wörtlich

übereinstimmende Ausführung. Er begründet sie aber — sehr zutreffend

— mit dem Mangel der _faktischen_ Denationalisierung (§ 350 Note).

16 Es gibt auch abgesehen von der Piraterie zahlreiche Fälle, im

Frieden und im Kriege, in denen ein Staat gegenüber fremden Schiffen

Hoheitsrechte ausüben darf. Während aber hier immer der Umfang des

Zulässigen aufs genaueste abgegrenzt ist, in allem übrigen die

Unterwerfung des Schiffes lediglich unter die heimatliche

Staatsgewalt bestehen bleibt, befinden sich dem denationalisierten

Piratenschiffe gegenüber die Mächte in völliger Freiheit, auch

solche Hoheitsakte vorzunehmen, die mit der Repression der Piraterie

keinen Zusammenhang haben. Das liegt schon in dem Ausdruck

„Denationalisierung“, vgl. _Pradier-Fodéré_, § 2504: „On ne conçoit

pas qu’il soit possible d’être dénationalisé partiellement.“

17 Siehe auch unten § 12. Die juristische Konstruktion des Vorganges

ist einfach: eine Pertinenz verliert ihren Pertinenzcharakter. Sie

ist freilich sehr viel schwieriger, wenn man das Schiff als

schwimmenden Gebietsteil des Heimatstaates fingiert. Das spricht

aber nicht gegen die Richtigkeit des im Texte Ausgeführten, sondern

ist ein — wenig beachteter — Grund gegen die Brauchbarkeit der

Fiktion. Die ganze Kontroverse, ob Gebiet oder nicht, ist natürlich

nur eine Frage der Konstruktion (_Hall_, S. 248: „A difference of

opinion exists as to the _theoretical ground_ upon which the

jurisdiction of the state [über das nationale Schiff] ought to be

placed“).

18 Sie ist schon bei _Grotius_ anerkannt, de iure belli ac pacis II,

XVII, 20 („ex neglectu tenentur reges ac magistratus, qui ad

inhibenda latrocinia et piraticam non adhibent ea quae possunt ac

debent remedia“); ferner bei _Pufendorf_ L. VIII, C. VI, § 12;

_Loccenius_, S. 970, präzisiert die Maßregeln, die _unter den

damaligen Verhältnissen_ ergriffen werden müssen („Ex neglectu ergo

tenentur magistratus, si ... suas naves praesidiarias, et

excursorias ad explorandum maris securitatem, ad purgandum illud a

piratis, in mari non habeant“). Ferner bei _v. Martitz_ Rechtshilfe

I, S. 66; _Bluntschli_, § 343, N. 1; _Pradier-Fodéré_, § 2491 a. E.;

_Piédelièvre_ I, S. 580; _Fiore_ II, § 733 f.; _Woolsey_ Right of

search, S. 16; _Perels_ int. öff. Seer., S. 114; u. a. m.

19 Wie z. B. _Perels_ int. öff. Seer., S. 114, _Pradier-Fodéré_, §

2495, _Woolsey_ Right of search, S. 19, meinen.

Der Tatbestand der Piraterie nach geltendem Völkerrecht · 第 15 / 38 题