Drei Eigenschaften zeichnen den Erfinder vor allem aus, scharfe

Beobachtungsgabe, rasches Denken und ein gesundes, kräftiges Urteil. Der

Erfinder muß den Gegenstand und das Gebiet, das er bearbeitet, genau

kennen, ohne durch unnötige Kenntnisse belastet und zersplittert zu werden.

Denn eine solche Zersplitterung wirkt stets schwächend. Der Gedankenhimmel

des Erfinders muß scharf begrenzt und klar, er darf nicht verschwommen und

bewölkt sein. Eine gewisse Kindlichkeit und Unbefangenheit muß vorhanden

sein, ohne jene gefährliche Stumpfheit, die durch allzuvieles Lernen

hervorgerufen wird. Wie das Kind naiv fragt, woher das Licht kommt, und

wohin es geht, so muß auch der Erfinder naiv-staunend nach Dingen fragen,

an denen die meisten ohne Aufmerksamkeit vorübergehen. Er muß also in

gewissem Sinne ein großes Kind sein. »Ich kenne nichts Schrecklicheres, als

die armen Menschen, die zu viel gelernt haben. Statt des gesunden,

kräftigen Urteils, das sich vielleicht eingestellt hätte, wenn sie _nichts_

gelernt hätten, schleichen ihre Gedanken ängstlich und hypnotisch einigen

Worten, Sätzen, Formeln nach, immer auf _denselben_ Wegen. Was sie

besitzen, ist ein _Spinngewebe_ von Gedanken, zu schwach, um sich darauf zu

stützen, aber kompliziert genug, um zu verwirren.«

Neue Verfahren und Verbesserungen werden entweder absichtlich gesucht oder

zufällig gefunden. Damit aber die Erfindung zur Tat werde, muß sich dem

absichtlichen Suchen der glückliche Zufall beigesellen, muß der Zufall von

einem scharf beobachtenden Kopfe, der ihn für seine Zwecke ausnützen kann,

bemerkt werden. Ohne glücklichen Zufall, wie er z. B. Röntgen zuteil wurde,

als er das erstemal »seine« Strahlen leuchten sah, verläuft auch das

fleißigste absichtliche Suchen oft erfolglos, weil die Möglichkeiten,

Erscheinungen und Zustände so mannigfaltig sind, daß man sie nicht alle

durchprobieren kann. Anderseits wird ohne scharfe Beobachtungsgabe auch der

günstigste Zufall oft übersehen.

Das Erfinden ist eine künstlerische, schöpferische, herrliche Tätigkeit.

Der wahre, große Erfinder schafft aus Instinkt, aus Trieb. Der wahre

Erfinder ist durch die Erfindung genugsam belohnt, wie dem Vogel, der in

den Zweigen wohnt, das Lied, das aus der Kehle dringt, reichlicher Lohn

ist. Aber überdies wird dem Erfinder oft irdischer Lohn, Reichtum und

Wohlstand zuteil. Es sei hier nur an den Namen Alfred Nobel erinnert (siehe

Hennig: Alfred Nobel).

Seit 1863 war Alfred Nobel unablässig bestrebt, das flüssige Sprengöl,

Nitroglyzerin, in einen festen Körper umzuwandeln. Lange war alles Suchen

vergeblich, bis schließlich ein seltsamer Zufall das gewünschte Ergebnis

herbeiführte und Alfred Nobel, der den Zufall bemerkte, würdigte und

benutzte, im Jahre 1866 seine berühmte Erfindung, das Dynamit, machen ließ.

Es war ein blinder Zufall, der zur Entdeckung des Dynamits verhalf, ein

Zufall aber, der ohne jedes Ergebnis geblieben wäre, wenn er sich nicht

eben gerade Alfred Nobels stets wachem Erfindergeist geboten hätte. Es war

im Jahre 1866, als eines Tages in Nobels Laboratorium Nitroglyzerin aus

einem undicht gewordenen Gefäße auslief. Derartige Vorkommnisse waren an

sich nicht ungewöhnlich. Sie erhöhten sogar die Gefährlichkeit der

Aufbewahrung des Sprengöles in beträchtlichem Maße. In diesem Falle aber

tränkte die auslaufende Flüssigkeit die poröse Erdmasse, die zur Verpackung

der Nitroglyzeringefäße diente, und Nobel, der den Vorfall bemerkte und

untersuchte, stellte mit Erstaunen fest, daß die mit Nitroglyzerin

getränkte Erde stark explosive Eigenschaften bekommen hatte, die im

geeigneten Augenblick zur Entfaltung gebracht werden konnten. Damit war das

seit Jahren bestehende Problem, die explosiven Eigenschaften des

Nitroglyzerins an einen festen Körper zu binden, gelöst, und, um diese

Entdeckung technisch verwerten zu können, bedurfte es nur noch eines

porösen Körpers, der möglichst billig und leicht zu beschaffen war. Als für

diese Zwecke am geeignetsten wählte Nobel nach zahlreichen Untersuchungen

schließlich die Kieselgur, ein weißes, pulverartiges, damals so gut wie

wertloses Gestein, das aus den Schalen winziger, einzelliger Diatomeen

besteht und an vielen Orten, vornehmlich aber in der Gegend von Hannover,

aus Urtagen der Erde sich in großen Mengen aufgehäuft findet. Diese

Kieselgur war für Nobels Zwecke wie geschaffen. Es zeigte sich, daß sie

ganz gewaltige Mengen, nämlich das Dreifache ihres Gewichtes, an Sprengöl

aufzusaugen vermochte. Die Mischung der Kieselgur mit dem Nitroglyzerin

bildet dann eine mörtelähnliche Masse, deren Sprengkraft so groß ist, wie

die des flüssigen Sprengöls.

Damit war jener fürchterliche Sprengstoff gefunden, der unter dem glücklich

gewählten Namen Dynamit Weltberühmtheit erlangt und seinen Erfinder zu

einem modernen Midas gemacht hat, der sich durch seine testamentarischen

Verfügungen als einer der größten bürgerlichen Mäzene aller Zeiten

offenbart hat, als Förderer der Wissenschaften, der Künste und des

Weltfriedens.

In vielen Fällen aber wird dem Erfinder nicht der verdiente Lohn, ja in den

meisten Fällen nur Undank und Elend zuteil. Ein Beispiel dafür ist die

Geschichte _Leblancs_, der der Welt das erste brauchbare Verfahren zur

Herstellung von künstlicher Soda schenkte und dadurch den Grundstein für

die moderne chemische Industrie legte.

Nicolas Leblanc, -- sein Name ist unsterblich in der Geschichte der

Erfindungen, -- wurde am 6. Dezember 1742 zu Ivoy-le-Pré im heutigen

Departement Cher geboren. Er stammte aus einer wenig begüterten Familie und

hat wohl keine hervorragende Erziehung genießen können. 1759 kam er nach

Paris, um Chirurgie, Medizin und Chemie zu studieren. 1776 verheiratet, und

unter sehr bescheidenen Verhältnissen den Beruf eines Arztes ausübend, war

er doch dabei wissenschaftlich noch auf anderen Gebieten tätig. Aus Anlaß

einer von der Akademie gestellten Preisfrage beschäftigte er sich mit dem

Problem der Darstellung von künstlicher Soda und kam hierbei 1787 auf den

richtigen Weg. Im Jahre 1789 schlug er dem Herzog von Orléans vor, das neue

Verfahren fabrikmäßig auszubeuten. Am 12. Januar 1790 kam vor dem Notar

James Lutherland in London ein auf 20 Jahre abgeschlossener Vertrag

zustande, an dem Leblanc, der Chemiker Dizé und der Herzog von Orléans

beteiligt waren. Leblanc verpflichtete sich, sein Sodaverfahren, und Dizé,

sein Bleiweißverfahren schriftlich und versiegelt bei dem Notar Brichard zu

hinterlegen.

Am 25. September 1791 erhielt Leblanc ein Patent auf sein Verfahren für 15

Jahre. Die Beschreibung des Verfahrens, die er darin gibt, verdient hier

wörtlich wiedergegeben zu werden, da sie in der Tat im wesentlichen dem bis

vor kurzem geübten entspricht:

»Zwischen eisernen Walzen pulvert und mischt man folgende Substanzen:

100 Pfund wasserfreies Glaubersalz,

100 Pfund reine Kalkerde, Kreide von Meudon,

50 Pfund Kohle.

Die Mischung wird in einem Flammenofen ausgebreitet, die Arbeitslöcher

(Ofentüren) verschlossen und geheizt; die Substanz gelangt in breiförmigen

Fluß, schäumt auf und verwandelt sich in Soda, die sich von der Soda des

Handels nur durch einen weit höheren Gehalt unterscheidet. Die Masse muß

während der Schmelzung häufig gerührt werden, wozu man sich eiserner

Krücken, Spatel usw. bedient. Aus der Oberfläche der schmelzenden Massen

brechen eine Menge Flämmchen hervor, die der Flamme einer Kerze ähnlich

sind. Sobald diese Erscheinung zu verschwinden anfängt, ist die Soda

fertig. Die Schmelze wird dann mit eisernen Krücken aus dem Ofen gezogen

und kann in beliebigen Formen aufgefangen werden, um ihr die Form der im

Handel vorkommenden Sodablöcke zu geben« (Abb. 26).

Die von Leblanc und Dizé zu St. Denis unter dem Namen »+La Franciade+«

angelegte Fabrik scheint sehr gut gediehen zu sein: Täglich wurden 250 bis

300 +kg+ Soda, nebst Bleiweiß und Ammoniaksalz dargestellt, und infolge des

Krieges mit Spanien war der Preis der Pflanzensoda auf 110 Francs

gestiegen, so daß das Leblancsche Verfahren großen Nutzen abwerfen mußte.

Aber die Herrlichkeit sollte nur kurzen Bestand haben. Der Herzog von

Orléans, nunmehr »Bürger +Egalité+«, wurde im April 1793 vom

Wohlfahrtsausschuß verhaftet und am 6. November desselben Jahres

hingerichtet. Seine Güter, also auch die Fabrik +La Franciade+, wurden vom

Staate eingezogen und öffentlich verkauft. Am 8. Pluviose des Jahres II

(Februar 1794) wurde die Fabrik, deren Betrieb schon vorher zwangsweise

eingestellt war, von der Behörde inventarisiert; vier Tage später erschien

ein staatlicher Erlaß, der das immer noch sehr wertvolle Patent Leblancs

vernichtete. Der Wohlfahrtsausschuß hatte nämlich beschlossen, alle

Sodafabrikanten sollten die ihnen bekannten Mittel und Wege der

Sodaerzeugung binnen 20 Tagen einer besonderen Kommission zum besten des

Staates und mit Hintansetzung aller eigenen Vorteile bekanntgeben, um es

dadurch Frankreich zu ermöglichen, seinen Handel von fremden Völkern

unabhängig zu machen und neue Verteidigungsmittel zu gewinnen. Leblanc und

Dizé gaben ihr Verfahren sofort preis, wozu sie selbstverständlich bei

Gefahr ihres Lebens gezwungen waren. Damit war für Leblanc alles verloren;

man hatte ihm sein Patent und seine Fabrik genommen.

[Illustration: Abb. 26. Sodafabrikation nach Leblanc.

(Deutsches Museum.)]

Leblanc befand sich in bitterer Armut und mußte zusehen, wie an anderen

Orten Fabriken entstanden, die sein als öffentliches Eigentum erklärtes

Verfahren ausnutzten. Er richtete an die Regierung unaufhörlich Gesuch auf

Gesuch wegen des ihm für seine Fabrik und sein Verfahren zugesagten

Schadenersatzes, aber sieben Jahre lang ohne Erfolg. Endlich am

17. Floréal VIII. (1801), wurde die Fabrik in völlig verwahrlostem

Zustande an Leblanc und Dizé zurückgegeben, mit dem Versprechen späterer

Entschädigung. Nach abermals vier Jahren, am 5. November 1805, wurde der

Anspruch auf Entschädigung schiedsrichterlich festgestellt. Hiernach hätte

Leblanc die verhältnismäßig geringe Summe von 52 473 Francs erhalten

müssen, aber nicht einmal dieser Betrag ist Leblanc oder seinen Nachkommen

je ausgezahlt worden. Die endgültige gerichtliche Entscheidung fiel dahin

aus, daß Leblancs und Dizés Ansprüche durch die »unentgeltliche«

Überlassung der (in ihrem damaligen Zustande ganz wertlosen) Fabrik +La

Franciade+ als ausgeglichen zu betrachten seien.

Für Leblanc, der die ihm gebührende Summe auf eine Million berechnet hatte,

war dies wie ein Todesurteil. Er hatte nach Überlassung der Fabrik seine

sämtlichen Mittel und alles, was er zu schweren Zinsen dazu borgen konnte,

auf die nötigsten Ausbesserungen verwendet, behielt aber nichts für den

Betrieb übrig. Den Preis der Akademie von 12 000 Francs von 1789 hatte er

nie erhalten. Im Jahre 1799 war ihm die Summe von 3000 Francs als

»Nationalbelohnung« für seine Erfindung, deren Wichtigkeit allgemein

anerkannt wurde, bewilligt worden; aber auch von dieser elenden Summe

wurden ihm nur 600 Francs ausgezahlt. _Ein Darlehen von 2000 Francs_, das

ihm im Jahre 1803 die +Société d'encouragement+ bewilligt hatte und ein vom

Minister Chaptal erhaltenes _Almosen von 300 Francs ist alles, was die

französische Nation weiter für Leblanc getan hat_, trotz seiner

unaufhörlichen Bitten und Gesuche. Die für ihn tatsächlich vernichtende

Entscheidung vom 5. November 1805 raubte ihm jede Hoffnung, aus der Armut,

in der er sich mit seiner Familie befand, jemals herauszukommen. Gebrochen

an Leib und Seele, kehrte er zu seiner kranken Frau, zu seiner darbenden

Familie, in seine in der ruinierten Fabrik befindliche Wohnung zurück. Dort

machte er am 16. Januar 1806 seiner verzweifelten Lage durch einen

Pistolenschuß ein Ende. So endete diese erschütternde Erfindertragödie, und

niemand weiß, wo das Grab eines der größten Erfinder Frankreichs sich

befindet.

Der Trieb zum Erfinden und Erforschen ist dem intelligenten Menschen in

hohem Maße eigen, ebenso wie die Neugierde den höheren Tieren. Und dieser

Forschungstrieb richtet sich nach allen Seiten; nicht nur das Nützliche,

sondern alles, was er sieht, ja auch das, was er nicht sieht, will er

ergründen. So haben denn auch die chemischen Forscher alles Sichtbare und

Unsichtbare zu ergründen gesucht, vor allem auf dem Weltkörper, an den wir

Menschen gebannt sind, auf dieser Erde.

Unsere Kenntnis der irdischen Stoffe erstreckt sich nur ein kleines Stück

unter die Erdoberfläche; was darüber hinausliegt, können wir nur vermuten,

nicht wissen. So ist also die Atmosphäre, der Ozean und eine dünne feste

Schicht alles, was wir unmittelbar untersuchen können, und dementsprechend

ist unser Wissen, soweit die Atmosphäre und der Ozean in Betracht kommen,

ziemlich ausreichend, gründlich und vollständig, während wir bei der

Betrachtung der festen Erdkruste eine willkürliche Grenze nach unten

annehmen müssen. Ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Stärke der

irdischen Steinrinde (Lithosphäre) scheint es sehr wahrscheinlich, daß das

felsige Material bis zu einer Tiefe von ungefähr 16 Kilometern den

vulkanischen Massen, die wir an der Erdoberfläche vorfinden, sehr ähnlich

ist. Wir können also als Grundlage unserer Betrachtung eine Felsstärke von

16 Kilometern annehmen.

Der Rauminhalt der 16 Kilometer starken Kruste, mit Einschluß der

durchschnittlichen Erhebungen der Festländer über die See, beträgt

6 500 000 000 Kubikkilometer, mit dem spezifischen Gewicht 2,5 bis 2,7. Der

Rauminhalt der Ozeane beträgt 1 286 000 000 Kubikkilometer mit dem

spezifischen Gewicht 1.03. Die Masse der Atmosphäre ist ungefähr

5 000 000 Kubikkilometern Wasser gleichwertig. Wenn wir nun diese Angaben

zusammenfassen, so erhalten wir folgende Zahlen in bezug auf die

Zusammensetzung der Erde:

_Spezifisches Gewicht der Kruste_ 2.6,

Atmosphäre 0.03%,

Ozean 6.97%,

Feste Rinde 93.00%.

Was die Zusammensetzung der drei Schichten anlangt, so besteht die

Atmosphäre aus Sauerstoff, Stickstoff und Argon, dem Gewichte nach:

Sauerstoff 23.024%,

Stickstoff 75.539%,

Argon 1.437%;

im Raumverhältnisse ausgedrückt, enthält die Luft ungefähr 4/5 Stickstoff

und 1/5 Sauerstoff.

Das ozeanische Wasser enthält 37,39 Gramm Seesalz im Kilogramm Wasser

aufgelöst. Das Seesalz besitzt das spezifische Gewicht 2,25 und besteht

vornehmlich aus Kochsalz, Chlormagnesium, Magnesiumsulfat und Gips. Es

dürfte sich lohnen, an dieser Stelle einen Augenblick zu verweilen, um die

große Masse der ozeanischen Salze zu würdigen. Aus den oben angeführten

Zahlen läßt sich berechnen, daß der Rauminhalt der Salzmasse des Ozeans

19 200 000 Kubikkilometer beträgt, also hinreichend ist, um ein Gebiet von

der Größe der Vereinigten Staaten von Nordamerika mit einer 2,5 Kilometer

starken Salzschicht zu bedecken. Verglichen mit dieser ungeheuren Masse,

erscheinen die Salzablagerungen von Staßfurt, die in der Nähe betrachtet,

so mächtig erscheinen, winzig klein.

Die Felskruste besteht zu 75% aus kieselsaurer Tonerde (Ton); daneben

enthält sie 6% Sauerstoffverbindungen des Eisens, 4,5% Magnesia, 5% Kalk,

3,5% Natron, 2,7% Kali und überdies Spuren der übrigen Elemente.

Nun wollen wir uns den chemischen Elementen unserer Erde zuwenden. Obwohl

jedes Element seine Eigenheiten, seinen eigenen, ausgesprochenen Charakter

hat, gibt es dennoch Beziehungen und Verwandtschaften unter den Elementen,

so daß sie in eine Anzahl von Gruppen geteilt werden können. Die Elemente

einer Gruppe gehen nicht nur ähnliche Verbindungen ein, sondern zeigen auch

eine stufenweise Änderung der Eigenschaften. Diese »Verwandtschaft« hat

eine sehr wichtige Verallgemeinerung ermöglicht -- das sogenannte

periodische Gesetz oder vielmehr die periodische Gruppierung der Elemente.

Im Lichte dieser Gruppierung angeschaut, wird die Beziehung der Elemente

untereinander in interessanter Weise offenbar.

Wenn man nämlich die Elemente nach ihrem »Atomgewichte« ordnet, so wird

sofort eine bedeutsame Gesetzmäßigkeit klar, wie die nebenstehende Tabelle

zeigt.

Diese Tabelle ist entstanden, indem man die chemischen Elemente, vom

leichtesten beginnend und beim schwersten endend, in eine Reihe schrieb,

dann, sobald ein ähnliches, verwandtes Element erreicht war, abteilte und

die so erhaltenen Abteilungen vertikal untereinander verzeichnete. Und da

wurde es offenbar, daß die Glieder einer und derselben vertikalen Reihe

nahe miteinander verwandt sind, indem sie sich in den meisten Beziehungen

ganz ähnlich verhalten, ganz ähnliche Verbindungen eingehen, und auch, was

Löslichkeit und Unlöslichkeit anlangt, keine großen Unterschiede zeigen.

Hingegen nimmt man, wenn man in einer horizontalen Reihe vorwärts

schreitet, eine stufenweise Änderung in den wesentlichen Eigenschaften

wahr. Daraus folgt zunächst, daß die Eigenschaften der Elemente von ihren

Atomgewichten abhängig sind.

Periodisches System der Elemente.

(Die Zahlen hinter den Namen bedeuten die Atomgewichte.)

==============================================================================

Reihen | Gruppe 0 | Gruppe 1 | Gruppe 2 | Gruppe 3 | Gruppe 4

==============================================================================

| | | | | |

1 | -- | Wasserstoff | -- | -- | -- |

| | 1 | | | |

| | | | | |

2 | Helium 4 | Lithium 7 | Gluzinium | Bor 11 | Kohlenstoff |

| | | 9.1 | | 12 |

| | | | | |

3 | Neon 20 | Natrium 23 | Magnesium | Aluminium | Silizium |

| | | 24.4 | 27.1 | 28.4 |

| | | | | |

| | | | | |

4 | Argon 39.9 | Kalium 39.1 | Kalzium | Skandium | Titan 48.1 |

| | | 40.1 | 44.1 | |

| | | | | |

5 | -- | Kupfer 63.6 | Zink 65.4 | Gallium 70 | Germanium |

| | | | | 72.5 |

| | | | | |

| | | | | |

6 | Krypton | Rubidium | Strontium | Ytterbium | Zirkon 90.6 |

| 81.8 | 88.5 | 87.6 | 89 | |

| | | | | |

7 | -- | Silber | Kadmium | Indium 115 | Zinn 119 |

| | 107.93 | 112.4 | | |

| | | | | |

8 | Xenon 128 | Zäsium | Baryum | Lanthan | Zer 140.25 |

| | 132.9 | 137.4 | 138.9 | |

| | | | | |

9 | -- | -- | -- | -- | -- |

| | | | | |

| | | | | |

10 | -- | -- | -- | -- | -- |

| | | | | |

| | | | | |

11 | -- | Gold 197 | Quecksilber | Thallium | Blei 206.9 |

| | | 200 | 204.1 | |

| | | | | |

12 | -- | -- | Radium 225 | -- | Thorium |

| | | | | 235.5 |

~=======================================================================

| Gruppe 5 | Gruppe 6 | Gruppe 7 | Gruppe 8 | Reihen

~=======================================================================

| | | | |

| -- | -- | -- | -- | 1

| | | | |

| | | | |

| Stickstoff | Sauerstoff | Fluor 19 | -- | 2

| 14 | 16 | | |

| | | | |

| Phosphor 31 | Schwefel 32 | Chlor 35.45 | -- | 3

| | | | |

| | | | |

| | | | { Eisen 55.9 |

| Vanadium | Chrom 52.1 | Mangan 55 | { Nickel 58.7 | 4

| 51.2 | | | { Kobalt 59 |

| | | | |

| Arsen 75 | Selen 79.2 | Brom 79.95 | -- | 5

| | | | |

| | | | |

| | | | { Ruthenium 101.7 |

| Kolumbium | Molybdän 96 | -- | { Rhodium 103 | 6

| 94 | | | { Palladium 106.5 |

| | | | |

| Antimon | Tellurium | Jod 126.97 | -- | 7

| 120.23 | 127.6 | | |

| | | | |

| -- | -- | -- | -- | 8

| | | | |

| | | | |

| -- | -- | -- | -- | 9

| | | | |

| | | | { Osmium 191 |

| Tantal 181 | Wolfram 184 | -- | { Iridium 193 | 10

| | | | { Platin 194.8 |

| | | | |

| Wismuth 208 | -- | -- | -- | 11

| | | | |

| | | | |

| Uran 238.5 | -- | -- | -- | 12

| | | | |

Hier und da bemerken wir auf der Tafel leere Stellen, die offenbar bisher

unbekannten Elementen angehören. Als _Mendelejeff_ dieses periodische

Gesetz entdeckte, prophezeite er genau die Eigenschaften dreier fehlender

Elemente, die auch tatsächlich späterhin entdeckt wurden und deren

Eigenschaften vollkommen der Vorhersage Mendelejeffs entsprachen; es waren

Skandium, Gallium und Germanium. Mendelejeff sagte nicht nur das

Atomgewicht und spezifische Gewicht dieser Elemente voraus, sondern auch

die Art ihrer Verbindungen. Ein solches Vorhersagenkönnen ist ein

trefflicher Prüfstein für den Wert einer neuen Theorie und hat sich in

diesem Falle gut bewährt. -- Auch Radium, das jüngste der Elemente, finden

wir richtig unter dem ihm verwandten Baryum eingereiht.

Wenn wir die Tafel vom Standpunkt des geologischen Chemikers, des

Geochemikers, ansehen, so bemerken wir, daß die Elemente einer und

derselben senkrechten Reihe gewöhnlich miteinander in der Natur vorkommen.

Wohl deshalb, weil sie ähnliche Verbindungen bilden, also sich unter

ähnlichen Umständen ablagern. So findet man z. B. Rubidium, Rhodium,

Palladium, Osmium, Iridium und Platin gewöhnlich beisammen. Schwefel ist in

der Regel mit Selen verunreinigt. Zinkerze enthalten fast immer etwas

Cadmium. Chlor, Brom und Jod sind mehr oder weniger miteinander vermischt

anzutreffen.

Im _allgemeinen_ kann man sagen, daß die Elemente mit niedrigem Atomgewicht

am weitesten verbreitet sind. Was z. B. Gruppe 1, 4 und 7 anlangt, so

bemerken wir, daß die Häufigkeit des Vorkommens vom ersten zum zweiten

Element wächst, und dann bis zum Ende der Reihe abnimmt. So ist Lithium in

ganz kleinen Mengen weit verbreitet, Natrium in reichlichen Mengen

vorhanden, während Kalium dem Natrium und Rubidium dem Kalium an Menge

bedeutend nachsteht. Ganz ebenso verhalten sich die Gruppen 4 und 7. In

Gruppe 6 ist Sauerstoff, das erste Element, das häufigste, während nach

abwärts eine stetige Abnahme der vorkommenden Menge festzustellen ist. Doch

fehlt es auch nicht an Ausnahmen: so ist in Gruppe 2 Strontium weniger

häufig als Baryum, ein Widerspruch, der wohl mit unserem zunehmenden Wissen

seine Aufklärung finden wird.

Bei der Besprechung der chemischen Verhältnisse der Erde sind wohl auch

einige Worte über den Ursprung unserer Atmosphäre gerechtfertigt,

wiewohl man hierin zu einem endgültig abschließenden Urteil noch nicht

gekommen ist, sondern sich ihm erst allmählich nähert. Einige Geologen

schließen aus dem Vorhandensein unserer gegenwärtigen Kohlenlagerstätten

und der großen Mengen von Kalkstein -- der als kohlensaurer Kalk 12%

Kohlenstoff enthält -- in der Erdrinde, daß in früheren geologischen

Weltaltern die Atmosphäre reicher an Kohlensäure war als heute, und daß

-- da eine kohlensäurereichere Atmosphäre mehr Sonnenwärme aufnimmt und

Kohlensäure das atmosphärische Nahrungsmittel der Pflanzen ist -- dies

der Grund sei für die gewaltige Flora früherer Zeiträume. Dagegen ist

aber einzuwenden, daß luftatmende Tiere in einer kohlensäurereichen

Atmosphäre nicht leben können. -- Wohl ist es gewiß, daß der Kohlenstoff

des Kalksteins einst zum größten Teile in der Atmosphäre enthalten war,

aber war dies jemals zu einer und derselben Zeit der Fall?

Dies ist sehr unwahrscheinlich, da der Kohlenstoff der Erdrinde, in

Kohlensäure umgewandelt, 25 mal so schwer wäre als unsere gegenwärtige

Atmosphäre und der dadurch entstehende Druck fast groß genug wäre, um einen

Teil der Kohlensäure zu verflüssigen.

Einige bedeutende Gelehrte, darunter auch Lord Kelvin, sind zu der

interessanten Theorie gelangt, daß die Uratmosphäre der Erde hauptsächlich

aus Wasserstoff, Stickstoff, Chloriden und Kohlenstoffverbindungen

bestanden habe, und daß der Sauerstoff, der heute in freiem Zustande zu

unserem Leben unerläßlich ist, damals mit Kohlenstoff und Eisen verbunden

war. Nach dieser Theorie begann der Sauerstoff erst frei zu werden, als

sich das erste, niedrigste Pflanzenleben auf der Erde entwickelte; der

Sauerstoffvorrat erreichte in der Steinkohlenzeit seinen Höhepunkt und

nimmt seither ab. Hiernach wäre der Gehalt der Atmosphäre an freiem

Sauerstoff durch die Arbeit der Pflanzenwelt entstanden.

Immerhin ist es schwer, dieser Lehre beizustimmen, wenn man Anhänger der

Nebelflecktheorie ist und die Erde für einen Nebelfleckabkömmling hält.

Denn für den Nebelflecktheoretiker ist die Atmosphäre nichts als der

gasförmige Rückstand, der bei dem Festwerden der Erde zurückblieb. Dies ist

auch die vorherrschende Ansicht.

Nach einer neueren Theorie (Chamberlains Meteoriten-Theorie), nach der die

Erde das Ergebnis der Vereinigung zahlloser kleiner Weltkörper ist, hat

jeder Meteorit seine eigene kleine Atmosphäre mit auf die Erde gebracht.

Diese Atmosphären, im Inneren unter hohem Druck eingeschlossen, gaben

schließlich zu so starker Temperaturerhöhung Anlaß, daß die Gase infolge

des vergrößerten Druckes und Volumens ausgetrieben wurden. Nach dieser

merkwürdigen Annahme ist also die Atmosphäre von innen heraus, aus kleinen

Anfängen, entstanden, während nach der Nebelflecktheorie die _Ur_atmosphäre

am größten war, da sie ja das Ganze der Erde in sich begriff.

Die Romantik der Chemie · 第 5 / 7 段