gierig waren, wie die vor uns, so versprach das einen leichten Fang.
Von einer Wasserbockkeule ließ ich das Fleisch abschneiden, band dann
den Knochen an einen Strick, diesen an eine Baumwurzel und schnitzte
mir dann einen Stiel zu meiner Hechtgabel, die ich noch aus meiner
Jugendzeit besitze.
So, nun noch einen Nagel durchgetrieben, daß die Öse fest am Stock
sitzt, und die Sache kann losgehen. Schon von weitem sehe ich, daß der
Köder gut angenommen war. Der Strick wurde hin und her gezerrt, und
einzelne Rücken schoben sich aus dem plätschernden Wasser. Vorsichtig
ging ich näher. Es waren mächtige Kerle dabei, deren Bart über
Bleistiftstärke Dicke hatte. Ich suchte mir einen mittleren von 1 Meter
Länge aus und hatte ihn an der Gabel, die ich aber fest an den Grund
drücken mußte, damit er sich nicht losriß. Ich schickte einen Mann ins
Wasser, der untergreifen mußte, und mit gleichzeitigem Schwunge lag der
Wels hilflos im losen Sande. Die anderen Welse nahmen keine Notiz von
uns, sie mußten im Tümpel wohl nicht mehr allzuviel finden und waren
deshalb so gierig, daß sie auf nichts mehr acht gaben. Die Gabel kam
nun noch ein paarmal zur Anwendung, dann nahmen der mir helfende Mann
und dazugekommene andere Träger einfach die Hände und warfen Fisch auf
Fisch in den Sand, bis ich sagte: »Jetzt sind's genug!« Bald waren
alle Fische kopflos und wegen ihrer Dicke der Länge nach halbiert; auf
Stäbe gespießt und ums Feuer gesteckt, begannen sie ihren Räucher- oder
vielmehr Dörrprozeß, für meine Nase allerdings kein idealer Genuß.
Ist man aber erst über ein Jahrzehnt in Afrika, d. h. wirklich darin
und nicht nur an der Küste und in Orten der Bahnlinie, dann ist die
Nase auch an mancherlei Düfte gewöhnt, ohne ihrem Träger Übelkeit und
Brechreiz zu verursachen, wie so oft im Anfang. Am nächsten Morgen
waren so viele getrocknete Fische vorhanden, daß, nachdem sich jeder
Träger die Menge auf seine Last geschnürt hatte, die er noch gerade
zu tragen vermochte, neben dem Rest des Wasserbockfleisches noch zwei
Traglasten übrig blieben, die die in Kidoti mitgenommenen Mehlträger
auf ihrem Rückwege mit nach Hause nehmen wollten; sie verschnürten sie
deshalb sorgsam in Borassusblätter und hingen sie zum Schutze gegen
Hyänen drei Meter über der Erde an einem Baum auf.
Frisch und fröhlich marschierte die Karawane dann an dem noch kühlen
Morgen weiter. Viel Gelände gewannen wir nicht auf unserem Wege, denn
Gestrüpp und hohes Gras zwangen uns, nur Elefantenwechsel zu benutzen,
die außerdem nicht gerade in der gewünschten Richtung führen. Man
muß daher oft Leute nach rechts gehen lassen, um festzustellen, ob
wir uns auch parallel am Fluß halten. Diese Wechsel sind zwar, wenn
weniger benutzt, am Boden in achtzig Zentimeter- bis Meterbreite gut
glattgetreten, aber von der Seite ragen Dornenzweige herein, und von
oben hängen armdicke Schlingpflanzen herunter, um die sich der Elefant
zwar wenig kümmert, da er sie einfach beiseite drückt oder zerreißt,
die aber den Trägern mit der Last auf dem Kopfe äußerst hinderlich
sind, namentlich wenn die Last sperrig ist, wie das beim Zelttisch,
dem Feldbett und den Zeltlasten der Fall ist. Mühsam müssen die
Vordermänner dann mit dem Buschmesser Luft schaffen, was die Leute
recht ermüdet. Damit ich zu allererst die Natur immer frisch vorgesetzt
bekomme, gehe ich mit meinem Boy Saleh und einem alten Jagdbegleiter
-- Mohamadi Kungulio -- der früher berufsmäßiger Elefantenjäger war,
fünfhundert Meter voraus.
Wir warten nun und wollen die Karawane aufmarschieren lassen und dann
den Leuten etwas Rast gönnen. Wir warten, warten, warten -- nichts
kommt. Endlich wird mir's zu bunt, und ich lasse Saleh laut rufen.
Nach dem zweiten »Huiiiii« zupft mich Mohamadi Kungulio am Ärmel --
+tembo kule, na kule, na kule+ -- Elefanten dort und dort und
dort, die Richtung mit dem zur Schnute geformten Mund angebend. Da
höre ich auch schon meine Leute hinter mir aufschreien und für eine
halbe Minute kracht's und prasselt's im Wald und Gebüsch, als ob ein
Zyklon hindurchbrauste. Ich selbst sah für kurze Augenblicke vier
Elefanten, die mit den Ohren schlugen und im Laufen den Rüssel nach
allen Richtungen in die Luft warfen, um zu winden. Zwei kamen auf uns
zu, zwanzig Meter in der Breite getrennt; wir blieben ruhig stehen,
ohne uns zu rühren, und sie schlürften weiter auf die Karawane zu,
ohne Notiz von uns zu nehmen. Wir steckten rasch das trockene Gras in
Brand, um sie durch den Brandgeruch weiterzuvertreiben, und gingen
dann zurück zu den Trägern. Hier lagen meine Lasten am Boden, von den
Leuten keine Spur; erst nach mehrmaligem Rufen kommen einige zaghaft
hinter Stämmen hervor oder von Bäumen herunter. Zu Schaden ist keiner
gekommen, nur meine Lasten werden durchs Hinwerfen etwas beschädigt
sein. Nun lachen die Leute sich gegenseitig aus wegen der überstandenen
Angst. Die vordersten hatten drei Elefanten schlafend stehen sehen;
nach der Beschreibung der Leute mußten wir auf sechs Meter an ihnen
vorbeigegangen sein, hatten aber nichts gemerkt. In Angst hatten sich
die Leute nicht weiter vorgewagt, sondern waren mit der Last auf dem
Kopfe stehen geblieben und hatten erst nach dem »Huiiiii« die Lasten
weggeworfen und waren ausgerückt, als einer der aus der Ruhe gestörten
Elefanten die Richtung auf sie zu nahm. Es mögen insgesamt etwa dreißig
Elefanten gewesen sein, die sich lang auseinandergezogen zur Ruhe
untergestellt hatten.
Daß wir vorbeigingen, ohne die drei Elefanten zu bemerken, ist nichts
Verwunderliches. Im dichten Blätter- und Astgewirr, aus dem nur Teile
der Tiere sichtbar sind, läuft man sehr leicht vorbei; die Säulen
(Beine) dieser großen Dickhäuter sehen Baumstämmen täuschend ähnlich,
und oft hat die vorzügliche Mimikry (Anpassung an die Umgebung) meine
nicht gerade schlechten Jägeraugen getäuscht, wenn ich auf frischer
Elefantenfährte pirschte, und nicht, wie heute, Routen aufnehmend und
nur beobachtend meines Weges zog.
Erzählte doch ein Spaßvogel, er habe einen Büffel vor sich gehabt, und
zum sicheren Schuß an einem Stamme angestrichen[5]; nach dem Schuß wäre
der Büffel davongelaufen, sein Stamm aber auch, und erst jetzt habe er
gemerkt, daß er eine Elefantensäule für einen Stamm angesprochen habe.
Ist dies auch etwas toll geflunkert, so habe ich, wie viele
Elefantenjäger, doch oft über eine Viertelstunde neben einem Elefanten
gestanden, auf den ich achtlos gelaufen war, weil ich einen anderen,
entfernteren schießen wollte, der nicht günstig stand. Solange der
Elefant nicht Wind bekommt, reagiert er nur schwach durchs Gesicht und
achtet auf Geräusche, die durch Gehen oder Brechen im Busch verursacht
werden, recht wenig.
Nach dem überstandenen Schrecken ging es wieder weiter. Um ähnlichen
Überraschungen vorzubeugen, zündete ich immer vorn das Gras an, womit
ich gleichzeitig meinen folgenden Trägern das Zeichen gab, wie weit ich
voraus sei, da sie an der Ausbreitung des Feuers merken konnten, wie
lange es schon brannte.
Wir überschritten jetzt ständig Flußpferdpfade, die alle frisch
begangen waren. Einem Pfad, auf dem die Losung noch so frisch war,
daß sie noch Luftbläschen enthielt, folgte ich bis zum Wasser. Schon
nach hundert Metern stand ich vor dem Ruaha, der sich hier durch
eingelagerte Felsbänke seenartig erweiterte, d. h. er füllte trotz
der Trockenheit das ganze Flußbett aus. Ein wunderbares Bild hatte
ich, als ich den Wasserspiegel überblicken konnte. Mir gegenüber in
fünfzig Meter Entfernung lagerten im seichten Wasser mehrere Flußpferde
(+Hippopotamus amphibius L.+, s. Abb. 10). Einzelne stiegen auf
den Steinklippen umher, den ganzen Körper außerhalb des Wassers, und
balanzierten trotz des massigen Körpers geschickt auf den schmalen
Stützpunkten herum. Andere jagten sich im neckischen Spiel im Wasser,
und zwei junge Bullen probierten gegenseitig ihre Stoßzähne, indem
sie Lippen gegen Lippen stießen. Fast sah es so aus, als ob diese
massigen Mäuler sich zum Kusse berührten. Man hörte aber deutlich das
Aneinanderklirren der Stoßzähne, die im Maul verborgen lagen, und
konnte sich einen Begriff davon machen, wie es später im blutigen
Ernst zuginge. Ein auf einer Sandbank liegender alter Bulle ließ
deutlich erkennen, daß auch die dickste Schwarte Risse bekommen kann;
in allen Richtungen war seine Rückenpartie vom Kampfe zerhackt, teils
alt und weißlich verharscht, teils neueren Datums, an der rosigen
Farbe erkennbar. Insgesamt mochten es mehr als vierzig Flußpferde
gewesen sein, die da beisammen waren. Sie nahmen kaum Notiz von mir.
Auf mein lautes Händeklatschen antwortete nur der alte Bulle durch
tiefes Rohren, bemühte sich jedoch nicht aus seiner bequemen Lage.
Von der anderen Gesellschaft hoben nur einige die Köpfe, schüttelten
die kleinen Lauscher und pflegten dann weiter der Ruhe. Lange konnte
ich mich nicht von dem Bilde trennen, aber ich war noch nicht am Ende
meines heutigen Marschzieles. Drei Stunden wenigstens wollte ich noch
weiter gehen.
Alle Viertelstunden stießen wir jetzt am Lande auf schlafende
Flußpferde, die wir hoch machten, damit sie unter der nachfolgenden
Karawane keine Verwirrung anrichten konnten. Eilig trotteten sie
dem Flusse zu. Auf einen jungen Bullen waren wir bis auf 1 Meter
aufgelaufen, ohne ihn im Grase zu sehen. Schießen wollte ich nicht,
da ich mir nur einen alten Bullenschädel mitnehmen wollte und die
Tiere hier fern von allen Anpflanzungen keinen Schaden anrichten
können. Anfangs glaubte ich, er schliefe. Als ich aber eine kleine
Seitenwendung machte, bewegte er seine Lauscher und drehte seine
Lichter so nach mir, daß ich den blutunterlaufenen Augapfel sah. Ich
winkte meinen beiden Leuten mit den Augen und wollte mich vorsichtig
zurückziehen und ihn erst dann hoch machen. Ganz sympathisch war mir
seine große Nähe nicht. Sowie ich den linken Fuß hinten aufgesetzt
hatte und den Körper nachzog, sprang er auf, warf sich nach mir herum,
und mit knapper Not entging ich durch einen Seitensprung einem nach
mir geführten Stoß; dann raste er auf meine beiden Begleiter zu, ohne
jedoch Notiz von ihnen zu nehmen, als sie durch einen hastigen Satz
aus seiner Fahrtrichtung flüchteten. Saleh wollte mir und Mohamadi
Kungulio die Hand schütteln zur Beglückwünschung nach überstandener
Gefahr. Mohamadi als alter Elefantenjäger lachte ihn aber aus und
meinte wegwerfend: »Hm, ein Flußpferd ist kein Nashorn,« womit er ja
schließlich recht hat im zweifachen Sinne seiner Worte.
Wir kamen jetzt an einen versumpften Flußlauf, der von links auf
den Ruaha zu führte. Dicht war der Sumpf mit Nymphazeen bewachsen,
auf deren schwimmenden Blättern braune und schwarze Blätterhühnchen
(+Phyllopezus africanus Gmel.+) trippelten. Bei unserer Annäherung
fingen sie an zu gurren, und dieser gurrende Ton setzte sich über den
ganzen Sumpf fort. Zahlreiche Dickhäuter mußten hindurchgewechselt
sein, denn nach allen Richtungen konnte man die Linien der im Gehen
umgewendeten Nymphazeen sehen, deren rotbraune Unterseite sich deutlich
vom übrigen Grün abhob. Hellgrüne Flecken bildeten die Fanna-Rosetten
dazwischen. In der Mitte standen zwei Nimmersatte (+Pseudotantalus
ibis Linn.+) auf einem Ständer und putzten sich das Gefieder. Weiter
unten nach dem Fluß zu sah ich einige weiße Vögel, konnte aber auch
durchs Glas nicht bestimmen, ob ich Reiher oder Löffelgänse vor mir
hatte.
Um die Fährten am Rande des Sumpfes zu lesen, beschloß ich, ihn zu
umgehen. Ich hatte dabei die Nebenabsicht, falls die weißen Vögel
Reiher wären und Schmuckfedern trügen, einen bis zwei zu erlegen.
An Fährten stellte ich fest: drei afrikanische (Spitz-)Nashörner
(+Diceros bicornis L.+, s. Abb. 12), dann Flußpferde, Elefanten,
Wasserböcke und Zebras sowie einen starken Löwen. Es waren wirklich
Reiher (+Herodias alba Linn.+), wie ich auf hundertfünfzig Meter
ausmachen konnte. Beim Näherkommen sah ich durchs Glas, daß nur einer
gute Federn hatte, d. h. diese ragten über den Stoß als vom Wasser
zusammengeklebtes Schwänzchen. Auf einem Flußpferdwechsel, der durchs
Gebüsch führte, kam ich ungefähr auf vierzig Meter heran und holte mir
den Federträger mit einem Schuß meines kleinen 6 mm-Bayardkarabiners,
der, rauchlos beschossen, nur sehr schwach knallt. Mein Vogel schwamm
sofort auf dem Wasser, und die anderen lüfteten nur etwas die Flügel.
Mit dieser Beute war ich sehr zufrieden. Die Federn waren zwar durch
das Schleifen im Schlamm an den Spitzen braungrau gebeizt, bei den
trockenen Federn war aber nichts davon zu merken.
Ich stieß wieder zu meiner Karawane, die sich inzwischen ausgeruht
hatte, und wir setzten den Weitermarsch fort. Bei Durchquerung eines
Dickichts, das wenig Ausblick gewährte, schreckte uns plötzlich ein in
allernächster Nähe ausgestoßener fauchender Grunzton. »Mbuisi«, wilde
Hunde (Hyänenhunde), sagte Mohamadi. Ich bückte mich möglichst tief und
sah zwei Löwen von merkwürdig dunkler, ins Braune gehender Farbe, mit
dunkelbraunem Kopf, mähnenlos und nur halb so groß als ausgewachsene
Löwen, weshalb ich sie für junge Tiere hielt. Mohamadi und Saleh
hatten sechs Stück gezählt, und jener erklärte mir, daß es sich um
»Buschlöwen« handelte, die nicht größer würden und stets in Rudeln
jagten. Sie griffen Menschen niemals aus freien Stücken an, kämen
auch niemals in die Nähe der Dörfer. Sobald jedoch einer von ihnen
angeschossen wäre, gingen alle solidarisch zum Angriff über.
Vor sechs Monaten hatte mir Pater Jäckel von der Missionsstation
Tununguo, ein sehr eifriger Jäger, erzählt, daß er einen solchen
kleinen Löwen geschossen hätte, drei andere seien darauf geflüchtet.
Ich hielt damals Pater Jäckels Beute für einen jungen Löwen, da ich
mir einbildete, alles größere deutsch-ostafrikanische Wild aus eigener
Anschauung zu kennen, und sah nun, daß ich mich getäuscht hatte. Leider
habe ich auch späterhin keinen dieser kleinen, kaum bekannten und
bisher unbeschriebenen Löwenart wieder zu Gesicht oder gar zum Schuß
bekommen.
Die überall im Grase liegenden Flußpferde wurden uns bald äußerst
lästig; da sie in so großer Anzahl herumlagen, erlosch mein Interesse
für sie. Einige Male folgte ich noch ihren Pfaden bis zum Wasser und
sah dann stets Flußufer und Sandbänke von ihnen bevölkert. Ich habe
auf dieser Reise mindestens tausend Stück gesehen; da ich nur ab und
zu Ausblick auf den Fluß hatte und dort stets eine größere Anzahl --
zwanzig bis vierzig -- sichtete, muß die wirkliche Menge ganz gewaltig
sein. Kein Mensch hatte sie hier gestört, und andere Feinde gibt es
wohl kaum für sie, da sie mit ihren Mitbewohnern des Wassers, den
Krokodilen, friedlich auszukommen scheinen. Es mag höchstens ab und zu
einmal ein Löwe ein junges Flußpferd schlagen.
Auf einer Insel, die zurzeit mit der Landseite trockene Verbindung
hatte, schlug ich das Lager auf. Ich hatte von hier aus Ausblick
auf stark benutzte Tränkstellen an beiden Flußufern. Der Ruaha floß
hier in nur vierzig Meter breiter Rinne in reinem Sandbett. Außer
einigen großen Bäumen, die mir Schatten gewährten, war die Hälfte der
Insel mit dichtem, hohem Schilfrohr bestanden. In dem trockenen Teil
des Flußbetts waren zahlreiche, zum Teil tiefe Tümpel, die von sehr
mannigfacher Vogelwelt bevölkert waren. Ich sah hier die ersten jungen
Nilgänse (+Alopochen aegyptiacus Linn.+), die noch nicht flügge
waren.
Gern hätte ich mir einige davon gefangen, da sie im Geflügelhof ganz
zahm werden und auch späterhin nicht fortfliegen. Wir plagten uns aber
bis Sonnenuntergang vergeblich. Sie hielten sich immer in der Nähe
des Wassers und ließen sich durch keine List davon abschneiden. Auf
dem Wasser aber war alle Mühe aussichtslos; sie tauchten so geschickt
und kamen zwischen schwimmenden Blättern und Ästen unbemerkt wieder
an die Oberfläche, wo man sie erst nach längerem Umherstreifen wieder
entdeckte.
Als ich noch bei Tageslicht -- um die durch das Lampenlicht
herbeigelockten Insekten nicht ständig aus Suppe und Fleischtunke
herauslesen zu müssen -- meine Mahlzeit einnahm, die sich, wie stets
auf Reisen, aus vereinigtem Mittags- und Abendbrot zusammensetzte,
sah ich auf der rechten Flußseite (dem Jagdreservat) zwei Elefanten
langsam auf den Fluß zu wechseln. Sie kamen bis auf einige Meter an den
Fluß heran, knieten dort nieder und schaufelten mit den recht langen
Stoßzähnen -- an der schlanken Form der Stoßzähne erkannte ich sie als
alte Kühe -- den Sand auf. Dann erhoben sie sich wieder und halfen mit
den Vordersäulen nach, um die Vertiefung größer zu machen. Sie warteten
eine kleine Weile, sogen sich mehrmals hintereinander die Rüssel voll
und entleerten sie in ihr Maul, dann wurden einige Rüssel voll über den
Rücken und die riesenhaften, lebhaft hin und her bewegten Ohrmuscheln
gespritzt (Der deutsch-ostafrikanische Elefant (+Loxodonta africana
knochenhaueri Mtsch.+, s. Abb. 18) hat im Gegensatz zu +Elephas
maximus L. [E. indicus]+ riesenhafte Ohren. Auch seine Stoßzähne
sind erheblich größer und erreichen ein Gewicht von 300 Pfund und
eine Länge von 2,8 Metern.), bis sie in steinerner Ruhe dastanden, in
der hereinbrechenden Dunkelheit immer verschwommener und gewaltiger
erschienen und sich schließlich ihre Schatten meinem Auge ganz
auflösten. Leider erschien der Mond erst gegen vier Uhr morgens als
letztes Viertel.
Von allen Seiten hörte ich in dieser Nacht Elefanten trompeten
und beim Laubäsen in den Ästen brechen. Ab und zu gurgelte in dem
lautlos fließenden Ruaha das Wasser, wenn Flußpferde heraus oder
hinein wechselten. Dazwischen schreckten Buschböcke mit ihrem tiefen
Bellton. Einmal erwachend, hörte ich ein Flußpferd ganz dicht bei
meinem Zelt Schilf äsen. Ganz gleichmäßig wechselten das Rupfen und
die Kaugeräusche ab, so daß ich bald wieder einschlief. Es ist
eine weihevolle Stimmung, die einen beherrscht, wenn man in der von
frevelnder Menschenhand noch nicht berührten Natur das Leben dieser
Urriesen auf sich einwirken lassen kann.
Am Morgen erwacht, ging ich im Schlafanzug aus dem Zelt, und mein
erster Blick galt der Stelle, wo gestern abend die Elefanten gestanden
hatten. Sie war natürlich leer, aber ein größeres dunkles Etwas lag am
Boden, dessen Natur ich mit dem Glas nicht ausmachen konnte. Mohamadi
Kungulio, als Monfidyi (Bewohner des Rufidjideltas) an Wasser mit
Krokodilen gewöhnt, schwamm hinüber und fand -- die Nachgeburt eines
Elefanten. Hätte ich von diesem nächtlichen Vorgang eine Ahnung gehabt,
so hätte ich mich sicher hinübergepirscht, um diesen Vorgang, der wohl
selten eines Menschen Auge geboten wird, zu belauschen. Frisch gekalbte
Elefanten hatte ich früher am Njassa häufig gesehen, sie waren aber
immer einige Tage alt, da ich sie nur dadurch zu Gesicht bekommen
hatte, daß mir gemeldet wurde, der Elefant, der immer dort und dort zur
Tränke zieht oder nachts die Zuckerrohrpflanzungen abweidet, hat jetzt
ein Junges.
Der Weitermarsch bot gegen die Vortage nichts Neues. Flußpferde,
Flußpferde, Flußpferde und ab und zu einige Wasserböcke, sonst sahen
wir nichts.
Vom Lager wagte ich es, im Fluß zu schwimmen. Hundertfünfzig Meter von
mir entfernt lagen mehrere Flußpferde ruhig im Wasser. Durch unseren
Lärm aufmerksam gemacht, schwamm eins langsam auf uns zu. Es war wohl
mehr Neugierde als Angriffslust. Als es gähnend den Rachen aufriß,
sah ich prachtvolles Elfenbein schimmern (Abb. 10). Ich machte meinen
oben vom Zelt uns zuschauenden Leuten die Geste des Schießens, und
mein Boy Saleh brachte mir gleich mein schwerstes Gewehr, die 11,2
Elefantenbüchse mit 5,5 g rauchlosem Pulver. Auf etwa 30 Meter ließ ich
den Bullen herankommen, dann ließ ich, auf das rechte Auge abkommend,
fliegen. Ein gewaltiges Plätschern, das mir die Wellen bis an die Brust
spülen ließ -- ich stand bis etwas über die Hüfte nackt im Wasser --,
und der Bulle lag tot auf dem Wasser, ohne unterzusinken. Auf den Schuß
antworteten flußauf und -ab die anderen Flußpferde durch tiefes Rohren.
Um einem Abschwimmen in dem zwar langsam abfließenden Wasser
entgegenzuarbeiten, rief ich gleich nach Stricken und Leuten, und
bald bewegte sich der Koloß, von Schwimmern gezogen, aufs Ufer zu,
während einer auf den Kadaver geklettert war und Umschau hielt, ob
kein Krokodil oder Flußpferd in der Nähe sichtbar würde. Plötzlich
angstvolles Schreien aller Leute, mein Flußpferd war im Stich gelassen,
und alles strebte dem Ufer zu. Ein zweites Flußpferd erschien dicht
hinter dem erlegten und gab dem toten Tier gewaltige Stöße. Da mir
meine Munition zu kostbar war, rief ich meinem Soldaten beim Zelt zu,
einen Schreckschuß abzugeben. Er gab deren zwei ab, die wirkungslos
blieben. Na, dann meinetwegen! Ich hatte zwar an einem Schädel genug,
aber diesen einen wollte ich auch sicher haben.
[Illustration: Abb. 10 Flußpferd.]
Gerade als das Flußpferd den Kopf etwas aus dem Wasser hob und steil
nach unten senkte, trug ich ihm meinen Schuß durch die Lichter an.
Lautlos versank es, nur der dumpfe Ton der einschlagenden Kugel war
weit hörbar. Mit Mühe bekam ich meine Leute so weit, daß sie sich
wieder vorspannten. Als die Schwimmer Grund hatten, ging die Sache
rasch vor sich. Im knietiefen Wasser wollte es aber nicht weiter
gehen, trotzdem zwölf Mann an den Stricken zogen und zehn hinten
drückten. Da die Sonne schon untergegangen war, ließ ich den Kopf vom
Rumpfe trennen. Vier Mann hatten schwer daran zu tragen. Der Schädel
sollte bis zum Morgen durch Entfernen aller Fleischstücke leichter
gemacht werden, und drei Mann, die sich immer ablösen mußten, ließ
ich unter Aufsicht eines Soldaten ans Werk gehen. Schrilles Trompeten
der Elefanten, Rohren der Flußpferde und das Heulen einiger Hyänen,
die der Fleischgeruch lockte, machten unser Nachtkonzert. Am Morgen
rief ich durchs Zelt, daß zwei Mann nachsehen sollten, ob der Kadaver
des zweiten Flußpferdes, das gestern gleich gesunken war, an den
Stromschnellen, die weiter unten waren, angeschwemmt sei oder so auf
dem Wasser treibe.
Sie kamen zurück mit der Botschaft, daß nicht nur von dem zweiten
Flußpferd nichts zu sehen sei, sondern auch der kopflose Kadaver, den
wir nur mit Mühe im knietiefen Wasser fortbewegt und nicht einmal bis
ans Ufer gebracht hatten, verschwunden sei. Wir nahmen an, daß es
Krokodile gewesen waren, die den unverletzten Körper angeschnitten und
dadurch am Auftrieb verhindert und ebenso den kopflosen Kadaver erst
durch Abreißen von Stücken leichter gemacht und dann ins tiefere Wasser
gezerrt hätten. Am Rikwasee hatte ich häufig die Beobachtung gemacht,
daß auf den Grund gesunkene Flußpferde von Krokodilen angeschnitten
wurden, ehe sich die Auftriebsgase entwickeln konnten.
[Illustration: Abb. 11. Flußpferdschädel. Seitenansicht. Besser phot.]
Nun, dann hilft weiter nichts, wir mußten weiter. Zwei Mann tragen den
jetzt nur noch etwa hundert Pfund schweren Schädel an einer Stange. Das
Gebiß ist prächtig (Abb. 11). Die Stoßzähne sind handgelenkstark, und
die beiden unteren Hauer reichten mir, als ich sie später herausnehmen
konnte, um den Leib, wenn man Wurzel und Spitze zum Ring zusammenlegte.
Gegen zehn Uhr wurde hinten bei den letzten Trägern ein Nashorn
(+Diceros bicornis L.+, Abb. 12) hoch. Geräuschvoll wie eine
Dampfmaschine pustend, jagte es an der Karawane entlang, lief auf
uns bis auf vierzig Meter zu und schwenkte dann links ab, in der
Hügellandschaft im hohen Grase verschwindend. Natürlich lagen wieder
sämtliche Lasten auf der Erde. Wegen seiner Angriffslust ist es das
von den Negern am meisten gefürchtete Tier. Man sieht es dem ruhig
weidenden, plumpen Tier gar nicht an, welch behende Geschwindigkeit es
entwickeln kann.
[Illustration: Abb. 12. Ostafrikanisches Nashorn.]