in Ordnung brachte und auch ein sächsischer Landsmann von mir war, ließ
ich einen Selbstschuß herstellen.
Nach dem Rezept meines Freundes L., eines Schweden, der schon mit
Livingstone Afrika durchquert hatte und damals als Zivilkommissionär
in Rhodesia amtierte, baute ich eine Schußfalle, die fast nie versagt
und in die das Raubwild -- und wäre es noch so schlau -- leicht
hineintappt. L.s System bestand in einem auf zwei eingegrabenen
Astgabeln wagrecht gebundenen Gewehr in Blatthöhe über der Erde. Ein
dünner, aber fester Bindfaden wird am Abzug befestigt, durch die untere
Gewehrriemenöse gezogen, am Gewehr entlang geführt und dann quer über
den Weg gespannt, den das Raubwild mutmaßlich durchquert. Man darf den
Faden nicht zu fest spannen, da der nächtliche Tau ein Nachspannen
besorgt. Mit der Hand drückt man dann den Faden in der Richtung des
mutmaßlich vorbeikommenden Tieres. Wird das Gewehr ausgelöst, wenn
man den Faden etwa 40 Zentimeter aus seiner Ruhe drückt, so ist die
Aufstellung richtig, und man kann die Patrone einschieben.
Über den Weg führen wollte ich den Selbstschuß nicht. Ich benützte für
solche Fälle immer ein ausrangiertes Gewehr Mod. 71, und ein solches
Geschoß können des Weges kommende Negerbeine nicht gut vertragen. Ein
eingeschlagener Pfahl, an den ich ein zwei Monate altes Kalb band, war
das Zentrum eines dreiviertel geschlossenen Kreises aus Dornenästen.
Quer über die Öffnung war dann das Gewehr gerichtet und der Fadenabzug
gespannt. Um das Kalb noch besser zu schützen, ließ ich noch eine
Reihe Pfähle mit handbreitem Abstand quer durch den Dornenkreis
rammen, so daß der Löwe das Kalb bequem vom Eingang her sehen konnte.
Damit er gezwungen war, den Eingang gehend und nicht springend zu
durchschreiten, hing ich einige kleine Dornenäste an einer Stange in
1,20 Meter Höhe über den Eingang.
Der Löwe mußte dann den eigentlich nie beachteten Faden mit der Brust
abziehen; nahm er ihn doch wahr und versuchte, darunter wegzukriechen,
so spannte der daruntergezwängte Rücken den Faden bis zur Lösung des
Schusses. Die Hauptsache war, daß das Gewehr richtig eingestellt wurde;
dann mußte der Löwe mit Blattschuß liegen. Es geschah nie, daß Löwe
oder Leopard bei dieser Art Selbstschuß weiter als zehn Schritt von
der Falle verendet lagen. Nur zweimal gerieten mir Servale hinein, die
infolge geringerer Körpergröße den Schuß auslösten, ohne getroffen zu
werden. Die Hauptsache ist, daß man bei längerem Aufstellen täglich
ein anderes Kalb nimmt, das die ganze Nacht infolge der ungewohnten
Umgebung nach der Mutter blökt und dadurch die Aufmerksamkeit des
Raubwildes auf sich lenkt. Ein zum zweiten Male benütztes Kalb ist die
Sache gewöhnt und rührt sich nicht. Vorteilhaft ist es auch, die Falle
in Hörweite des Dorfes aufzustellen, in dem die Kuh im Stall steht. Es
entwickelt sich dann zwischen Kalb und Kuh ein fortwährendes Blöken,
das das Raubwild leicht anlockt.
Nach Einbruch der Dunkelheit erwarteten wir ständig den Selbstschuß
zu hören, denn die Löwen brüllten ganz in der Nähe. Wir hatten uns
verrechnet, auch die Nacht hindurch fiel der Schuß nicht. In solchem
Falle hätten wir gleich hingemußt, da sonst ein zweiter Löwe an das
Kalb gekonnt hätte. Am nächsten Morgen, als ich gerade fortgehen
wollte, das Gewehr zu entladen, und nur noch auf den Eigentümer des
Kalbes wartete, damit es losgebunden wurde und wieder zur Mutter kam,
fiel der Schuß. Ein wildes Aufrohren sagte mir, daß ein Löwe getroffen
war.
B., ich und zwei Neger machten uns auf den Weg. Als wir unterwegs
waren, bemerkte ich, daß sich meine beste und schönste Hündin Lady
mitsamt der Kette losgemacht hatte und mir folgte. Ich drohte ihr,
sie solle zurückkehren, sie legte sich aber nur und kroch dann mit
schlechtem Gewissen hinter mir her. Nun tat sie mir leid, und die
Erziehungsgrundsätze vergessend, winkte ich ihr und nahm ihr die Kette
ab.
Mit schußbereitem Gewehr näherten wir uns nun der Falle. Doch nichts
Gelbes war zu sehen. Sollte der Löwe entkommen sein? Nun näherte ich
mich dem Eingang des Dornenkreises. Da lag statt des erwarteten Löwen
ein recht starker Leopard zwischen Abzug und den das Kalb sichernden
Pfählen. Der Schweiß tropfte noch aus dem Ausschuß am Hals, tot war
er noch nicht. Als er mich sah, zog er die Lefzen hoch und ließ die
Zähne sehen. Vier Meter stand ich von ihm entfernt. Ich legte an, um
ihm den Fangschuß zu geben -- Versager! noch einer und noch einer.
Jetzt zog der Leopard die Muskeln zum Sprung an. Mit meinen noch vom
Rheuma gelähmten Hüften konnte ich nicht zurückspringen, da landete er
auch schon direkt vor mir, volle Kraft hatte er nicht mehr zum Sprunge
gehabt.
B., der zehn Meter davon entfernt stand, rief ich zu, doch zu schießen,
er tat es nicht. Im Augenblick des Landens sprang meine Hündin Lady vor
und packte unglücklicherweise den Leoparden am Oberkiefer. Beide Tiere
bissen zu, es krachte und knirschte. Diesmal ging zum Glück der Schuß
aus meinem Gewehr, und der Leopard verendete. Mit einem Standhauer
hebelte ich dem Leoparden den Fang auf, um meine Hündin loszubekommen.
Anfangs glaubte ich, nur der eine Fangzahn hätte Zunge und Weichteile
des Unterkiefers durchbohrt, leider mußte ich mich aber bald
überzeugen, daß der Unterkiefer in der Naht gebrochen war. B. stand
bleich wie eine Wand und zitternd dabei, so daß ich ihm auf den Kopf
zusagte, er hätte noch keinen Löwen geschossen; er gestand dann, er
wäre nur mit dabei gewesen, wie ein französischer Offizier der Legion
Löwen geschossen hätte. Ich hoffte, Lady durchzubringen, und band die
Kieferhälften fest. Alles heilte auch sehr schön. Nach vier Wochen ging
ich aber nach Europa und gab sie bei einem befreundeten Missionar in
Pension. Trotz meiner Anweisung, ihr nur breiige Nahrung zu geben und
sie nicht von der Kette zu lassen, damit sie keine Knochen aufnehmen
könnte, scheint dagegen gefehlt worden zu sein. Kaum in Deutschland
angekommen, erhielt ich einen Brief, der mir meldete, Ladys Kiefer wäre
wieder gebrochen, hätte dann geeitert, und sie wäre zu ihren Vätern
versammelt. Selten habe ich so um einen Hund getrauert, als wie um
dieses treue, schöne Tier.
=Gefleckte Hyänen= (+Hyaena crocuta Erxl+).
Widerliche Gesellen! Diese Empfindung hat jeder unwillkürlich, wenn
er mit Hyänen in Berührung kommt. Der dicke Kopf und Nacken mit
daranschließendem, stark abfallendem Rücken machen das Tier unschön.
Der wiegende Gang nimmt von dieser Vorstellung nichts. Hört man nun gar
nachts das Heulen und Lachen der Hyänen, so ist die dauernde Abneigung
besiegelt (Abb. 6).
Ahnungslos liegt der Neuling im Lande in seinem Zelt und ist bestürzt,
wenn am nächsten Morgen der Sattel oder die Schuhe fehlen. Froh muß
er sein, wenn er sie in stark beschädigtem Zustande wiederfindet.
Nicht nur Leder, sondern auch Stoffe, die durch Körperausdünstung
menschlichen Geruch angenommen haben, sind vor Hyänen nicht sicher.
So wurden mehrfach Boten der Relaispost, die im Innern Afrikas, wo es
an anderen Verbindungen fehlt, die Briefpost befördern, nachts die
Postsäcke verschleppt und häufig nicht wieder gefunden. Der Geruch, der
den Säcken durch das Tragen auf dem schwitzenden Negerkopf anhaftet,
genügt, um sie Hyänen begehrenswert erscheinen zu lassen.
Hyänen zeigen eine unglaubliche Dreistigkeit. So saß ich eines Abends,
ehe die Dunkelheit völlig hereingebrochen war, mit einem anderen
Europäer vor dem Zelt im langen Stuhl. Die Unterhaltung war ins
Stocken geraten, und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Mit
einem leichten Aufschrei fährt mein Gegenüber hoch, und ich sehe eine
gefleckte Hyäne sich im Trabe entfernen. Sie hatte den Betreffenden
in die schlaff herabhängende Hand gebissen. Obwohl die Wunden nur in
einigen Hautabschürfungen bestanden, eiterten sie doch längere Zeit.
In Unyika bezog ich ein neuerbautes Lehmhaus, ehe noch die Türen
fertiggestellt waren. Eines Morgens machte mich der weckende Boy darauf
aufmerksam, daß Hyänen nachts im Hause gewesen wären. Auf dem noch
nicht gestampften und zurzeit staubigen Fußboden zeigten sich deutlich
die Fährten von einer oder mehreren Hyänen, die mich auch längere
Zeit im Schlafe beobachtet haben mußten, denn die Spuren um die zwei
freistehenden Seiten meines Feldbettes waren besonders zahlreich.
Gestreifte Hyänen sind verhältnismäßig selten, dagegen ist die
gefleckte Hyäne, die größer und stärker ist, bis auf die Hochgebirge,
überall vertreten. Hyänen sind keineswegs nur Aasvertilger. Lämmer und
Kälber holen sie sich ziemlich häufig zum Schmaus. Vor erwachsenen
Menschen ergreifen Hyänen regelmäßig die Flucht, hingegen sind
Kinder vor ihnen nicht sicher. Als ich im Januar 1902 durch den Ort
Lindi kam, erzählten mir die dort wirkenden Benediktiner-Mönche,
daß gefleckte Hyänen in wiederholten Fällen fünf- bis siebenjährige
Eingeborenenkinder von den Veranden ihrer Hütten geholt und verspeist
hätten.
[Illustration: Abb. 6. Gefleckte Hyänen.]
Zum Schuß auf Hyänen gelangte ich verhältnismäßig selten. Nur in ganz
menschenleeren Steppen läuft die Hyäne in den Tagesstunden, wo die
Sonne nicht heiß scheint. In bewohnten Gegenden ist sie ausschließlich
Nachttier. Ihr Witterungsvermögen ist außerordentlich stark. Stets,
wenn ich geschossenes Wildbret im Lager hatte, war schon gegen 6 Uhr
abends das sich nähernde Geheul zu vernehmen.
Im Dezember 1903 lagerte ich mehrere Tage beim Sultan Mkoma in
Unyamanga. Zu dieser Zeit besaß ich an Hunden nur drei Foxterriers. In
der zweiten Nacht erschienen die Hyänen so aufdringlich, daß ich kaum
schlafen konnte. Die Terriers kläfften ununterbrochen, und wenn ich
einen Blick aus dem Zelt in die mondhelle Nacht hinauswarf, sah ich,
wie entweder die Terriers hinter Hyänen, oder diese hinter den Terriers
herjagten. Die Hyänen schienen dieses Jagen als Gesellschaftsspiel
zu betrachten, denn ernstlich gingen sie den kleinen Hunden nicht zu
Leibe, sonst wären diese rasch geliefert gewesen. Die Jagd ging ums
Zelt, über die schlafenden Träger hinweg und um die verglimmenden
Lagerfeuer herum. Nachdem ich eine Hyäne geschossen hatte, trieben sie
ihr Spiel zwar bis zum Morgen weiter, verschwanden jedoch sofort im
hohen Gras, sobald sie mich wahrnahmen.
Aus Ärger über die gestörte Nachtruhe beschloß ich, Rache zu nehmen.
Da ich mir sagte, daß die Hyänen den Tod durch eine ehrliche Kugel
nicht wert seien, ließ ich meine Doppelfeder »Löwenfalle« in Tätigkeit
treten. Diese führte eigentlich ihren Namen zu Unrecht. Anfangs, als
es mir nicht gelingen wollte, Löwen in freier Wildbahn zu sichten,
stellte ich eifrig meine Löwenfalle auf, sobald sich Löwen irgendwo
bemerkbar gemacht hatten. Obwohl ich in meiner Jugend auf Iltis, Marder
und Fuchs ein guter Fallensteller war, ging mir niemals ein Löwe in die
gut verblendete Falle. Nach einjährigem Gebrauch fing ich damit statt
des Löwen einen Hasen, dann noch einen, dem drei Bügeldornen durch die
Löffel gegangen waren. Sonst blieb dieses in Afrika nicht sehr häufige
Wild, das etwa die Größe eines wilden Karnickels hat, unversehrt am
Leben.
Mehrfach hatte ich gelesen, daß Hyänen infolge ihrer feinen Witterung
nur sehr schwer in die Falle gehen. Deshalb versuchte ich ein neues
Verfahren.
Von einem Ast ließ ich 1-1/2 Meter über dem Boden eine in Zersetzung
übergegangene Ziegenkeule herunterhängen und stellte das Eisen ganz
frei darunter, ohne es irgendwie zu bedecken oder einzugraben.
Dabei rechnete ich, daß sich nähernde Hyänen nach Umkreisung des
weitduftenden Schlegels mit erhobener Nase nähern und danach springen
würden. Beim Landen müßten sie dann mit den Läufen die Falle zum Abzug
bringen.
Meine Mutmaßung erwies sich als richtig. Eine Stunde nach dem ersten
Aufstellen war eine Hyäne im Eisen. Mit einer Kugel machte ich ihr
ein Ende. Dann unterwies ich einen intelligenten Neger, wie er den
Schraubenschlüssel zur Federspannung handhaben müßte, und legte mich
schlafen. Meine Terriers hatte ich am Bett angekettet, damit sie
mir nicht ins Eisen gingen, und das nächtliche Gekläff unterblieb.
Am Morgen waren im ganzen sieben Hyänen zur Strecke gebracht, sechs
Stück hatte der Fallenstellende mit Speer und Knüppel erledigt. Bei
sämtlichen Hyänen war das Gebiß stark beschädigt, fast alle Zähne
waren durch heftiges Beißen ins Eisen ausgebrochen. Die Falle selbst
war von einer Hyäne verschleppt. Da der Anker der Falle eine starke
Schleifspur hinterließ, fanden wir sie nach zehn Minuten -- ohne Hyäne.
Der Anker war an einer Wurzel haften geblieben, und die Hyäne hatte
so stark mit ihr herumgearbeitet, daß der eine Bügel mit der Niete
ausgesprungen war. Andere Jäger bestätigten mir, daß weder Löwe noch
Leopard die Fallen so beschädigten wie Hyänen. Das Ausbeißen sämtlicher
Zähne soll bei Hyänen typisch sein, während es bei Löwen oder Leoparden
als seltene Ausnahme gilt. Ich selbst konnte keine Vergleiche darüber
anstellen, da ich mit meiner Falle keine Löwen oder Leoparden fing.
Offen gestanden behagt mir auch die Art, mit der Falle zu fangen, nicht
recht. Selbstverständlich lasse ich Fälle gelten, wo es sich darum
handelt, gefährliche oder schädliche Tiere, die man beseitigen muß und
deren man sonst nur schwer habhaft werden kann, zu vernichten. Sonst
kommt mir die Fallenjagd nicht recht weidmännisch vor. Wenn es durchaus
sein muß, so ziehe ich eher den Selbstschuß vor, den ich bei den
Leoparden näher beschrieben habe. Aber auch da empfinde ich immer ein
etwas fades Gefühl, im Gegensatz zu der stolzen Befriedigung, die man
beim Erfolg seiner geschickt gehandhabten Büchse am erlegten Wild hat.
=Schabrackenschakale= (+Canis [Lupulella] mesomelas Schreb+).
Wenn ich im Livingstone-Gebirge (Deutsch-Ostafrika) gegen vier Uhr
nachmittags unweit meiner Wohnung einen Spaziergang machte, traf ich
stets mehrere Schakale (Abb. 7) an, die auf der Mäusejagd waren. Nur
die Farbe unterscheidet sie von ihrem deutschen Vetter, dem Fuchs.
Zierlich und graziös sind ihre Bewegungen, und klug ist der Ausdruck,
wenn sie einen Menschen eräugend verhoffen. Ihre ganze Lebensweise ist
die des Fuchses. Nur bleibt die Zahl ihrer Welpen (Jungen) etwas hinter
diesen zurück. Mehr als vier Stück habe ich nie im Bau gefunden.
Reizende Bilder sah ich am Schluß der Regenzeit, wenn in den
Abendstunden die geflügelten Termiten aus der Erde aufstiegen und
Schakale sie in tollen Sprüngen aus der Luft fingen.
Äußerst schlau sucht die Fehe (Füchsin) den Bau mit Jungen zu
verbergen. Überrascht man sie, wenn sie gerade mit einem Huhn
im Fang heimkehren will, so zeigt sie sich recht auffallend und
absichtlich, um dann, wenn sie über die nächste Anhöhe wechselte, in
das Tal hinabzuschnüren und unter dem höheren Gras der Talsohle in
entgegengesetzter Richtung davonzulaufen.
Dreist treiben sich die Schakale in der Nähe der Wohnungen herum. Viele
schoß ich auf meiner zu ebener Erde gelegenen Veranda, und häufig
retteten sich Schakale vor meinen Hunden ins Zimmer.
Hatten sie es einmal zu stark auf meine Hühnerbestände abgesehen, so
fing ich einige in einem Tellereisen weg. Ich benutzte dazu die Tage,
wo ich ein Rind geschlachtet hatte, da dieser Duft für Schakalnasen die
ganze Gegend durchzieht.
Um den Geruchskreis zu erweitern, setzte ich mich aufs Pferd und ritt
mit einigen Därmen eine Schleife, die ich bis auf ein Loch in meinem
Zaun ausdehnte. Hier zog ich die Därme hindurch und ließ sie dann im
Hofe liegen. In das Loch im Zaun stellte ich dann ohne Verblendung und
ohne auf Witterung Rücksicht zu nehmen, ein Tellereisen. Sechs bis acht
Schakale fing ich dann bis zwölf Uhr nachts, ohne daß sie das eine
verwendete Eisen, in dem ihre Vorgänger verendet waren, mieden.
Trotz solcher Unvorsichtigkeit spielt der Schakal in den Erzählungen
der Eingeborenen die gleiche schlaue Rolle, wie der Fuchs in unserer
Fabel.
In der Aufstandszeit 1905 hielt ich zwei zahme Schakale, die sich immer
frei herumtrieben und auf einen Pfiff mit meinen Hunden zugleich im
Eiltempo erschienen. Auch auf Reisen und Spaziergängen begleiteten sie
mich. Da sie aber immer abseits vom Wege herumstrolchten und mir nicht
wie wohlerzogene Hunde auf der Ferse folgten, sondern plötzlich bei
mir auftauchten und sich, Liebkosungen heischend, vor mir auf der Erde
kollerten, brachten sie mich bei den Eingeborenen in den Ruf eines
Zauberers. Ich hatte die Leute öfter verblüfft, wenn ich pfiff und
meine beiden grauen Kerlchen angeschossen kamen. Nun stand es fest.
Ich hatte Menschen in Schakale verwandelt, die mir alle Nachrichten
zutrugen. Da es meinem Ansehen nur nützte, ließ ich die Eingeborenen
ruhig bei ihrem Glauben.
[Illustration: Abb. 7. Schabrackenschakal.]
Auf meinen Zügen gegen die Rebellen konnte ich sie jedoch nicht
mitnehmen und gab sie deshalb in Pension. Sie hatten sich da angewöhnt,
den Glucken die Kücken wegzufangen, und waren auch, wenn man sie
angriff, so bissig geworden, daß ich sie erschießen mußte.
Später, im Jahre 1909, kaufte ich von Eingeborenen einen etwa vierzehn
Tage alten Schakal. Dieses liebe kleine Ding schlief stets in einem
Hausschuh meiner Frau und blieb auch als erwachsenes Tier zu uns
äußerst zärtlich und vertrug sich gut mit meinen Hunden und Hundsaffen.
Meine Boys, wie Neger überhaupt, konnte er dagegen nicht ausstehen,
vielleicht war er von ihnen heimlich geschlagen worden. »Peterle«,
so hieß das Kerlchen, biß die Boys, selbst wenn sie ihm das Futter
brachten, von mir hingegen ließ er sich die schönsten Knochen weit
hinten aus dem Fang holen. In seiner »Lausbubenzeit« hat er mir
allerdings auch einige junge Hühner und Tauben weggefangen, jedenfalls
aber nicht mehr, als dies meine jungen Schäferhunde taten, solange sie
noch nicht erzogen und unbeobachtet waren.
»Peterle« ließ sich leicht erziehen und wurde bei strafenden Klapsen
nicht bösartig, sondern bemühte sich, durch schmeichelndes Herumrollen
auf dem Rücken die Sache wieder gutzumachen. Leider fand Peterle ein
tragisches Ende. Da er frei herumlief, hielt ihn ein Europäer für einen
wilden Schakal und schoß ihn tot.
Merkwürdig ist, daß zahme Schakale nicht wieder mit ihren wilden
Genossen Fühlung nehmen. Mehrmals habe ich beobachtet, wie die meinigen
wütend auf solche losfuhren und sie in die Flucht schlugen.
Vielfach wird von Europäern die Behauptung aufgestellt, daß die
Schakale die getreuen Begleiter des Löwen wären. Es kommt wohl vor, daß
Schakale ab und zu an den in Verwesung übergehenden Resten der Beute
eines Löwen fressen, es ist dies aber keine Regel. Jedenfalls kann
man, wie das vielfach von Eingeborenen erzählt wird, niemals darauf
schließen, daß Löwen in der Nähe wären, wenn Schakale heulen. Ich
bestreite nach eigener sorgfältiger Beobachtung, daß beide Tierarten in
Gemeinschaft leben.
Der Ursprung solcher Mitteilungen ist mir aber sehr erklärlich. Der
Neger hat einen großen Fabelschatz, weit größer, als wir ihn in
»Reineke Fuchs« haben, und darin spielt der Schakal die Rolle unseres
Reineke.
Der nur einige Monate im Lande lebende Europäer kann bei den
Negererzählungen nicht unterscheiden, ob er Wahrheit oder Märchen
erzählt bekommt, zumal ihm die Erzählungen meist durch seinen Boy
verdolmetscht werden, weil er sich nur mit diesem radebrechend
unterhalten kann und die Buschneger nicht zum Sprechen zu bringen
versteht. Bei Fragen an Neger muß man äußerst geschickt zu Werke gehen
und immer versuchen, die Leute selbst zum Erzählen zu bringen. Der
Neger merkt sofort, was der Europäer gern hören möchte, und antwortet
ihm dementsprechend, wobei dem Europäer dann die haarsträubendsten
Sachen aufgebunden werden.
So wurden einem guten, harmlosen Europäer, der für die Neger nach ihrer
eigenen Aussage die »melkende Kuh« ist und nur den Fehler hat, daß
er über viel Geld verfügt, ohne imstande zu sein, selbst solches zu
erwerben, die tollsten Sachen aufgetischt. Dieser gute Mann hat die
kleine Eitelkeit, wissenschaftliche Studien zu machen. Dabei war er
auch bei ethnographischen Forschungen angelangt. Mit Hilfe seines Boys
hatte er herausgefunden, daß einige Stämme Maskentänze veranstalten,
ähnlich denen der Totemsverbände in Neuguinea. Sein Ziel war eine
solche Maske. Endlich wurde sein Wunsch erfüllt. Für 30 Rupien (40
Mk.) brachte ihm sein Boy eine solche Maske, »uralt, noch aus der Zeit
der Portugiesenherrschaft« (also mehr als 200 Jahre) herstammend. Die
Maske war eine halbe Kokosschale, ähnlich wie sie in Deutschland als
Schaufensterausstattung aus dem Kokosbast geschnitten werden. Als Augen
waren Glassplitter einer zerbrochenen Bierflasche eingesetzt, auf dem
einen davon war noch ein Buchstabe des Brauereiaufdruckes zu erkennen.
Andere Eingeborene erzählten mir, daß der bewußte Europäer seinem
Boy versprochen hätte, ihm alle Schulden zu erlassen, wenn er ihm
Leute brächte, die die alten Maskentänze ausführen könnten. Der Boy
stellte dies seinem Herrn als äußerst schwierig hin, da die Tänze
geheim und verboten seien (warum, ist nicht einzusehen). Der Boy
ist aber findig, sein Schuldenregister mag auch groß sein, da er
viel Umgang mit schwarzen Weltdamen hat. In einer abgelegenen Gegend
läßt er seinem Herrn unbekannte Leute in einer sonst nicht üblichen
Tanzart unterrichten. Ob diese wirklich zur Vorführung gelangten, weiß
ich nicht; dieser Maskenscherz beruht jedenfalls auf feststehender
Wahrheit, und es soll mich nicht wundern, wenn diese neuen
»Forschungen« eines Tages veröffentlicht werden.
=Wilde Hunde= (+Lycaon pictus Temm+) [auch Hyänenhunde genannt].
In der Ussangu-Steppe, östlich Njam-Njam (Ruaha-Senke in
Deutsch-Ostafrika) hatte ich gelagert. Trostlos war die Gegend. Die
Wasserstelle, der Mkodje-Fluß, der jetzt im Oktober nur hin und wieder
trübe Tümpel bildete, an denen sich riesige Wildscharen zur Tränke
einfanden, war fünf Stunden entfernt. Bei meinem Einzug in das Dorf,
das aus fünf jämmerlichen Hütten bestand, erhielten meine Leute und
ich statt Wasser große grüne Wassermelonen; Wasser käme erst am Abend,
wenn das Rindvieh zurückkäme, das heute wie jeden dritten Tag zur
Tränke geführt worden sei.
Während meine Leute das Zelt aufschlugen, schnitt ich aus einer Melone
einen Deckel heraus und zerhackte mit dem Jagdmesser das Fruchtfleisch,
um das sich darin reichlich ansammelnde Wasser zu trinken. Kaum hatte
ich die ersten Schlucke getan und hackte von neuem ins Fruchtfleisch,
damit weiteres Wasser zuströmen konnte, so hätte ich vor Schreck
beinahe meine Melone fallen lassen.
Tauben, Hühner und Ziegen kamen in einer aufgewirbelten Staubwolke
auf mich zugeflattert und zugerast. Im ersten Augenblick glaubte ich,
irgendein Raubtier habe sie gestört, merkte aber gleich, daß ich,
oder vielmehr meine geöffnete Melone den brennenden Anziehungspunkt
bildete. Schnell erhob ich mich, um meine Frucht vor den sich und mich
stoßenden Ziegen zu retten. Die Tauben und Hühner jedoch hatten sich
mir auf Kopf, Schultern und Armen dauernd niedergelassen und suchten
sich balgend unter lebhaftem Flügelschlag der Melone zu nähern. Das
Abschütteln und Herunterwerfen war zwecklos, sie waren sofort wieder
oben, beim Auffliegen mich in neue Staubwolken einhüllend. Arg mußte
sie der Durst quälen. Mit Mühe rettete ich mich in eine Hütte, nachdem
ich etwas Fruchtfleisch geopfert hatte. Wie mir die Leute sagten, gaben
sie den Tieren kein Wasser. Nur die Ziegen kämen jeden sechsten Tag mit
den Kühen zur Tränke.