Im Mai 1909 reiste ich von Kilossa über Iringa nach Langenbu

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Anmerkungen zur Transkription.

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Schreibweise und Interpunktion des

Originaltextes wurde übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler

sind stillschweigend korrigiert worden.

Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter erstellt.

Worte in Antiqua sind so +gekennzeichnet+; ~gesperrt~ so und

_kursiv_ so.

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RAUBWILD U. DICKHÄUTER

IN DEUTSCH-OSTAFRIKA

_VON_ HANS BESSER

[Illustration]

Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde

Franckh'sche Verlagshandlung·Stuttgart

Raubwild u. Dickhäuter

in Deutsch-Ostafrika.

[Illustration]

Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart

Die Gesellschaft Kosmos bezweckt die Kenntnis der Naturwissenschaften

und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer

Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten.

-- Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter

naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen durch den

=Kosmos, Handweiser für Naturfreunde=

Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80;

ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten

Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es

erscheinen im Vereinsjahr 1916 (Änderungen vorbehalten):

=Wilh. Bölsche, Der Stammbaum der Insekten.=

Reich illustriert. Geheftet M 1.--

=Dr. Kurt Floericke, Reisen in Bulgarien.=

Reich illustriert. Geheftet M 1.--

=Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen.=

Reich illustriert. Geheftet M 1.--

=Hans Besser, Affen, Antilopen und Schlangen

Deutsch-Ostafrikas.= Reich illustriert. Geh. M 1.--

=Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache.=

Reich illustriert. Geh. M 1.--

Diese Veröffentlichungen sind durch ~alle Buchhandlungen~ zu

beziehen; daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur

M 4.80) zum =Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde= (auch

nachträglich noch für die Jahre 1904/15 unter den gleichen günstigen

Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der

erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) Der Kosmos

kann während des Krieges auch 1/2jährlich zum Preise von M 2.40 mit

Buchbeilagen bezogen werden.

Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.

Raubwild und Dickhäuter

in Deutsch-Ostafrika

Von

Hans Besser

Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen

des Verfassers, nach Zeichnungen von

Prof. Wagner und R. Oeffinger, einem Kärtchen und

einem farbigen Umschlagbild, gez. von M. Zimmer.

[Illustration]

Stuttgart

Kosmos: Gesellschaft der Naturfreunde

Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung

1915

Alle Rechte, besonders das Uebersetzungsrecht, vorbehalten.

+Copyright 1915 by

Franckh'sche Verlagshandlung

Stuttgart+

+STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI

HOLZINGER & Co., STUTTGART+

Inhaltsverzeichnis.

Seite

Vorwort 7

Raubwild 8-46

Löwen 8-23

Leoparden 23-31

Gefleckte Hyänen 32-35

Schabrackenschakale 35-39

Wilde Hunde (Hyänenhunde) 39-46

Dickhäuter 47-82

Durch ein Dickhäuter-Eldorado 48-66

Flußpferde 66-82

+a+) Die Jagd der Eingeborenen auf Flußpferde auf

dem Njassasee 68-73

+b+) Flußpferde im Rikwasee 73-78

+c+) Der alte Gomerobulle 78-82

Auf Elefantenfährte 82-92

Vorwort.

Auf Wanderungen durch unsere zoologischen Gärten sieht man das Wild

stets auf engem Raum eingepfercht, man kann sich daher auch keinen

rechten Begriff davon machen, wie es sich in der Natur verhält.

Bahnbrechend hat Hagenbeck in Stellingen sich bemüht, einzelne

Wildarten durch getreue Nachbildung der Natur in ihrer eigentlichen

Umgebung zu zeigen, und viele Tiergärten folgen seitdem seinem Beispiel

in dankenswertester Weise.

Ist dadurch auch ein großer Schritt vorwärts getan, dem Beschauer die

Wirklichkeit nahezuführen, so verhalten sich naturgemäß die Tiere,

die an den Umgang mit Menschen gewöhnt wurden, wesentlich anders als

in ihrer Heimat, wo sie, sei es auf dem Weidegang oder der Jagd nach

Beute, ihrem Instinkt folgend, Eigenschaften entwickeln, die in der

Gefangenschaft nutzlos sind und darum verkümmern oder nicht ausgebildet

werden.

Durch vierzehnjährigen Aufenthalt in Deutsch-Ostafrika war es mir

vergönnt, das Wild in seiner natürlichen Lebensweise zu beobachten.

Kamera und Büchse begleiteten mich auf allen meinen Wanderungen. Aus

der Fülle des Geschauten und Erlebten sollen nun hier eine Reihe Bilder

vorgeführt werden, die zum Verständnis unserer schönen Kolonie auch auf

diesem Gebiet beitragen möchten.

Wenn ich in meinen Ausführungen auf das Verhalten der einzelnen

Wildarten näher einging, so bitte ich diese Skizzierung nicht als

absolute Regel zu betrachten, sondern lediglich als Erfahrung, die ich

mit der betreffenden Wildart machte.

Leider sind mir eine große Anzahl Platten, die zur größeren

Verständlichmachung hätten dienen können, im Laufe der Zeit verdorben.

Bis auf die mir freundlichst zur Verfügung gestellten Bilder, die durch

namentliche Bekanntgabe der Hersteller gekennzeichnet sind, sind alle

übrigen von mir gefertigte Originalaufnahmen.

~Radebeul~, im Herbst 1915. =Hans Besser.=

[Illustration]

Raubwild.

=Löwen= (+Felis leo somaliensis Noak+).

Als »König der Tiere« wird uns der Löwe in der Fabel dargestellt, und

dieser Begriff ist uns derart in Fleisch und Blut übergegangen, daß

man die gewaltige Katze im Tiergarten oder in der Menagerie stets

mit besonderer Andacht bestaunt. Einen ganz anderen Eindruck bekommt

man aber, wenn man diesem großen Räuber in der Natur begegnet. Seine

außerordentliche Muskelkraft wendet er nur an, um harmlose Opfer aus

dem Hinterhalt zu überfallen. Durch Wucht des vorgeschnellten Körpers

und das gewaltige Gebiß, unterstützt durch den Schreck des plötzlichen

Ansprungs, macht er seine Beute wehrlos. Wird er aber vorher bemerkt,

so schleicht er feige davon. So zahlreich die Löwen auch in unserer

Kolonie noch sind, ist es doch vielen eingewanderten Weißen nicht

vergönnt, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen. Es gibt Europäer, die

jahrzehntelang im Lande sind und von Löwen weiter nichts zu spüren

bekommen, als das nächtliche Gebrüll und die Nachrichten, daß da und

dort Menschen geraubt und Vieh den Löwen zum Opfer gefallen sei.

Auch mir ging es anfangs nicht besser. Drei Jahre war ich bereits in

Deutsch-Ostafrika, als ich meinen ersten Löwen sah. Es war auf einer

Pflanzung in Lindi (s. Abb. 1), wo ich als Gast weilte. Gegen zwölf Uhr

mittags wurde ich durch die Pflanzung geführt. Um von einer Stelle

einen guten Überblick über die Pflanzung zu haben, erstiegen wir einen

kleinen Hügel. Noch waren wir nicht ganz oben, da wurde uns doch etwas

beklommen zumute, als von der entgegengesetzten Seite her ein alter

Mähnenlöwe auf der Bildfläche erschien und auf dreißig Meter uns

gegenüberstand.

[Illustration: Abb. 1. Reliefkarte von Deutsch-Ostafrika.]

Erst sah der Löwe recht stattlich und achtunggebietend aus, wie er

steifbeinig mit erhobenem Haupt langsam auf uns zuschritt. Sobald er

uns aber wahrgenommen hatte, kroch er in sich zusammen, legte sich

nieder und ließ nur seine Schwanzquaste kreisen. Immer den Blick auf

uns gerichtet, kroch er rückwärts, ganz mit dem Gebaren einer beim

Wildern ertappten Hauskatze. Als er mit halbem Körper auf abschüssigem

Gelände angelangt war, warf er sich mit gewaltigem Satz herum und

ging in langen Fluchten[1] ab, bis er im hohen Grase für unser Auge

verschwunden war. Gewehre hatten wir nicht zur Hand, und mein Begleiter

versicherte mir, es wäre aussichtslos, die Waffen holen zu lassen und

nachzupirschen.

Diese Art, sich zu drücken, habe ich noch häufig bei Löwen angetroffen,

wenn ich unbewaffnet auf sie stieß. Auch Eingeborene versicherten mir

häufig, solange Löwen keine »Menschenfresser« wären, gingen sie den

Menschen aus dem Wege.

Nach einiger Zeit glückte es mir auch, meinen ersten Löwen zu schießen.

Eine Rotte Warzenschweine (+Phacochoerus africanus Lm.+), an

die ich mich anpirschte, wühlte harmlos nach Wurzeln. Unweit davon

weideten Zebras (+Equus quagga boehmi Mtsch.+). Plötzlich fingen

die Zebras an zu wiehern und marschierten in einer Richtung auf. Ich

glaubte mich schon gesehen, merkte aber, daß alle seitwärts an mir

vorbeisahen. Lange konnte ich nichts entdecken, bis ich einen Löwen

etwa 60 Meter neben mir sah, der offenbar die Warzenschweine beschlich.

Gutes Schußfeld hatte ich nicht, da mich niedriges Gestrüpp nur Teile

des Löwen sehen ließ. Der Eingeborene, der mich begleitete, riet mir,

nicht zu schießen, erst wenn der Löwe ein Warzenschwein geschlagen

hätte, wäre der richtige Augenblick dazu. Warzenschwein und Zebra wären

diejenigen Leckerbissen, die der Löwe nicht im Stiche ließe. Bald

hatte der Löwe den Rand der Lichtung erreicht. Die Zebras schnaubten,

und einige stampften einen Schritt näher kommend mit dem Hufe. Zehn

Meter vom Löwen auf die Richtung der Schweine zu lag ein entwurzelter

Baumstamm, dessen Äste bis auf das starke Stammstück beim letzten

Grasbrand verbrannt waren und sich nur durch weiße Aschestreifen

abhoben. Durch leichtes Traben überwand der Löwe, den ich jetzt als

Löwin erkannte, die Stelle bis zum Wurzelstock des liegenden Baumes, an

den er sich anpreßte und zu Boden duckte. Ich war jetzt neugierig, was

weiter geschehen würde.

Am Boden liegend, schob sich nun der Löwe dicht am Stamm entlang. Ich

sah durchs Glas, wie sich die einzelnen Muskelpartien spannten und

wieder in Ruhe übergingen. Als er in der Mitte des Stammes ankommt,

löst sich plötzlich mit vernehmbarem Geräusch ein großes Rindenstück

des Stammes. Alle Sauen werfen die Köpfe hoch, und ein alter Keiler und

eine Sau machten einige Schritte auf das Geräusch zu. Unbeweglich lag

die Löwin. Die Sauen fingen wieder an zu wühlen, nur der Keiler trug

noch den Kopf aufrecht und suchte durch Schnüffeln in der Luft Wind zu

nehmen. Verstohlen nahm ich eine Prise Staub auf und prüfte den Wind.

Die Löwin hatte alle Vorteile für sich. Beruhigt fing nun auch der

Keiler wieder an, seine Aufmerksamkeit der Äsung zu widmen, und schob

sich dabei zwischen den Sauen durch.

Die Löwin war jetzt am Ende des Stammes, und ich erwartete jeden

Augenblick den Sprung. Dreißig Meter war sie noch von ihren Opfern

getrennt. Jetzt zog sich die Vorderpartie auf die hintere krampfhaft

zurück, und pfeilschnell schoß der Löwe in drei bis vier Sätzen dicht

über der Erde auf die Schweine. Als er zwischen diesen war, sah das

Arbeiten der Vorderpranken genau so aus, als ob eine Katze einen Hund

ohrfeigt. Quiekend und grunzend stoben die Warzenschweine auseinander

und preschten auf mich zu. Zu gleicher Zeit polterten die Zebras davon.

Die Löwin glotzte ihnen dumm nach, sie war erfolglos gewesen. Spitz zu

mir stehend, ließ ich nun auf den Stich (die Vertiefung vorn an der

Brust zwischen den Schulterblättern) der Löwin fliegen. Ohne einen Laut

auszustoßen, brach sie zusammen. Die Schweine, die merkwürdigerweise

mit dem Wind liefen, standen nur 20 Meter seitlich von mir. Erst als

ich mich aufrichtete, trollten sie weiter. Auf einmal schienen sie Wind

von mir oder der Löwin zu haben, und in voller Flucht rasten sie davon,

ohne noch einmal zu verhoffen.[2]

Von der königlichen Seite haben sich mir aber die Löwen, wie schon

eingangs erwähnt, bis jetzt noch nicht gezeigt, obgleich ich im

Laufe von 14 Jahren bereits 16 Stück auf freier Wildbahn zur Strecke

gebracht und sehr viele gesehen habe. Wie leicht sie zu vertreiben

sind, ist aus folgender Begebenheit ersichtlich. Ich hielt mir

seit längerem eine Meute deutscher Doggen. Da ich der Erste im

Langenburger Bezirk war, der diese große Hunderasse einführte,

erregten meine Hunde bei den Eingeborenen naturgemäß großes Staunen,

das sich auch auf ihre Pariahunde ausdehnte, die, sobald meine Hunde

auftauchten, mit eingeklemmter Rute und krummem Buckel heulend oder

lautlos davonschlichen. Nun mögen wohl in der Übertreibung der Neger

meine Hunde noch gewachsen sein (mein größter hatte 86 +cm+

Schulterstandmaß), wenn sie anderen Dorfgenossen davon erzählten.

Eines Tages teilte mir ein durchaus glaubwürdiger Europäer mit, in

Mapunga sei eine alte Frau mehrmals von einem Löwen aus ihrer Hütte,

die offen stand, gezerrt worden. In der Annahme, es wäre einer meiner

sagenhaften Hunde, habe sie dem Löwen mit der Faust ins Gesicht

geschlagen, und dieser habe sie darauf losgelassen. Eben in der Hütte

angekommen, hätte der Löwe sie zum zweiten Male gepackt und nach

einigen Faustschlägen sie wieder losgelassen. Als der Löwe sie zum

dritten Male habe packen wollen, wäre auf ihre vorherigen Hilferufe ihr

Mann erschienen, habe einen Mörserstempel ergriffen und dem Löwen einen

Schlag versetzt. Dieser sei sofort flüchtig geworden und wäre nicht

wieder gekommen. Ich suchte nach einigen Wochen die alten Neger auf.

Die Frau hatte am linken Oberarm und der Schulter vernarbte Bißwunden,

und ihr Arm war skelettartig dünn geworden.

Derselbe Europäer erzählte mir auch, er habe am Tage gesehen, wie drei

alte, magere Kühe einen Löwen in die Flucht geschlagen hätten und mit

steil hochgerichtetem Wedel hinter dem Löwen hergaloppiert wären.

Ein Australier, der aus Südafrika kam und dem ich den Fall erzählte,

behauptete, einer seiner Freunde am Zambesi ließe sich immer, wenn

er einen Löwen angeschweißt, d. h. angeschossen hätte und die Folge

im hohen Grase für ihn zu gewagt sei, eine Herde Rinder kommen. Die

Rinder, auf der Schweißfährte entlang getrieben, verfolgten den Löwen

sofort und drückten ihn aus dem Grase heraus, ohne daß er daran dächte,

sich zur Wehr zu setzen.

Um es praktisch auszuprobieren, hatte ich keine Gelegenheit. Im

allgemeinen fällt der Löwe auf guten Schuß leichter als verschiedene

Antilopenarten, und in den wenigen Fällen, wo ich angeschweißte Löwen

wegen hohem, dichtem Gestrüpp nicht angehen konnte, waren weder

europäische noch eingeborene Viehbesitzer in erreichbarer Nähe, die mir

etwa ihre Rinder geliehen hätten.

Im August 1904 kam ich erstmals nach Irongo in Ussangu, der Residenz

des Sultans Kahemere. Die Hütten sind hier in sog. Tembenform gebaut,

d. h. Hütte ist von Hütte nur durch eine Zwischenwand getrennt. Die

Bedachung ist flach. Die Dachbalkenlage wird mit Schilf, Gras und einer

dicken Lehmauflage überdeckt und bietet vortrefflichen Schutz gegen

Sonne und Hitze. Starker Regen kann jedoch hindurchdringen, namentlich,

wenn der Regen nach einigen trockenen Tagen einsetzt, und der Lehmbelag

sich noch nicht voll Wasser gesogen hat.

Die ganze Dorfanlage weist die Form eines Vierecks auf, mit etwa

sechshundert Meter langen Seitenwänden. Durch zerfallene Hütten sind

überall Zwischenräume vorhanden. Sonst sind in der Anlage nur zwei

Eingänge vorgesehen, die abends mit Dornen verbarrikadiert werden. In

der Mitte des großen Platzes wohnt in einer besonderen Umzäunung der

Sultan mit einem Teil seines Harems. Kahemere besaß einige dreißig

Frauen. Morgens und abends hält sich das Vieh, vorwiegend Rinder, im

Tembenhofe auf, ehe es auf die Weide geht oder bevor es abends in die

Stallungen, die zugleich als Wohnraum dienen, gebracht wird.

Unter einem schattigen Baume dieses Hofes schlug ich mein Zelt auf. Ich

saß etwas sehr auf dem Präsentierteller, und jede meiner Hantierungen

wurde von zahlreichen Zuschauern männlichen und weiblichen Geschlechts

bekrittelt. Um meine Zelttüre ganz zu schließen, war es zu heiß.

Fortwährend mußte ich auf den Gruß von Ankommenden »adje, senga« mit

»adje« antworten. Da ich die Kissangusprache nicht verstand, fragte

ich später einen Missionar, was »adje, senga« eigentlich bedeute.

Er antwortete mir kurz »guten Tag, Rindvieh«. Allerdings spielt das

Rindvieh dort eine so große, fast geheiligte Rolle, daß das Prädikat

»Rindvieh« beim Gruß eine Ehrung bedeutete, auf die nur der Sultan und

seine Familienmitglieder Anwartschaft hatten.

Infolge des engen Zusammenwohnens in den Temben, wo jeder seinem

Nachbar in die Töpfe gucken konnte und eine etwas laute Unterhaltung,

nur für engsten Familienkreis bestimmt, bis in die dritte Hütte hörbar

war, stand die Moral dieser Neger nicht auf einer hohen Stufe.

Die Hitze ließ auch in der Nacht nicht nach, und als ich eine Weile

bei geschlossenen Zeltwänden gelegen hatte und in Schweiß gebadet

war, ließ ich die Wände öffnen, damit die Luft durchziehen konnte. In

der zweiten Nacht wurde ich geweckt durch fortwährendes Kläffen und

Herumjagen meiner Hunde ums Zelt, wobei dieses fortgesetzt erbebte,

da die Jagd über die Spannleinen ging, über die die Hunde stolperten.

Da die Hunde sonst guten Appell (Gehorsam) hatten und diesmal auf

Pfeifen nicht folgten, stand ich auf und machte Licht. Aus dem

Zelt heraustretend, sah ich noch einige Schatten in der Dunkelheit

verschwinden, hinter denen meine Hunde herjagten. Ich dachte mir,

es werden gefleckte Hyänen sein, und legte mich beruhigt nieder. An

das Herumjagen der Hyänen mit den Hunden war ich gewöhnt, den Hunden

geschah dabei nichts, denn es war mehr Spielerei von beiden Seiten.

Sättel, Stiefel und sonstiges Lederzeug, das Hyänen gern verschleppen,

war durch die Anwesenheit der Hunde gesichert, und ruhig schlief ich

bis zum Morgen. Als mir mein Boy den Kakao brachte, sagte er, es sind

heute nacht Löwen dagewesen. Richtig! um mein Zelt, das Küchenzelt,

und quer über den Tembenhof führten Löwenspuren. Deutlich waren solche

von alten und jungen Tieren zu unterscheiden. Brüllen hatte ich ja

Löwen an beiden Tagen gehört, aber es ist so etwas Alltägliches, daß

man keine Notiz davon nimmt. Ich sprach dann mit dem Sultan Kahemere

über die nächtliche Löwenanwesenheit. Mit Gleichmut erzählte er mir: Im

Dorfe Mapunga sind in den letzten zwei Monaten 13 Personen von Löwen

geholt worden. Die Leute sind dann auf die andere Seite des Flusses

verzogen und ließen ihr altes Dorf im Stich, weil es von einem bösen

Geist verzaubert wäre, der die Löwen gerufen hätte. Jetzt wären auch

hier allnächtliche Löweneinbrüche an der Tagesordnung. Eben habe er

Nachricht bekommen, daß heute nacht die Löwen, ehe sie in seine Tembe

kamen, unweit eine Kuh aus einer Hütte geholt hätten.

Sofort wollte ich mich bei den Überresten der Kuh ansetzen. Kahemere

meinte aber: es waren mehrere Löwen, von der Kuh ist nichts mehr da,

vielleicht haben auch Hyänen die Knochenreste verschleppt. Aussicht,

die Löwen zu beschießen, wäre aber auf dem Wege nach Utengule, wo sie

morgens immer vorbeikämen. Einer seiner Leute, der dort sein Gehöft

hätte, sähe sie immer.

Ich fragte den Sultan, ob es nicht möglich wäre, daß mir die Leute

nachts Nachricht gäben, wenn die Löwen einbrächen. Er versprach mir,

seinen Leuten zu befehlen, daß sie -- wegen der Löwengefahr -- zu dritt

bei einem Einbruch kämen und mich wecken sollten. Kahemere betonte

aber nochmals, daß ich am bequemsten auf dem Wege nach Utengule zum

Schuß käme, und bezeichnete mir die Stelle, die ich vom Zelt aus wählen

sollte.

In der folgenden Nacht schlief ich mit offenen Ohren. Gegen fünf Uhr

früh hörte ich Schreien von Eingeborenen. Ich warf mich in die Kleider

und war gerade fertig, als Kahemere, mit seinem Gewehr in der Hand,

selbst zu mir kommt und mich aufklärt, daß das Schreien der Leute, das

ich gehört hätte, die zweite Abwehr eines Einbruchsversuches der Löwen

gewesen wäre. Vorher hätten die Leute weiter hinten den Löwen durch

Schreien verjagt.

Schnell gingen wir an den Utenguleweg. Es war noch reichlich dunkel und

kaum möglich, Ziel zu nehmen. Kaum hockten wir hinter einem kleinen

Dornbusch, so kamen die Löwen an. Vornweg eine alte Löwin, dann

ein Mähnenlöwe, die anderen konnte ich in der Eile nicht erkennen.

Eingedenk der von Europäern und Eingeborenen erhaltenen Warnung, daß

stets die Löwin angriffe, wenn der Löwe beschossen würde, der Löwe

selbst aber feige sei, gab ich zwei Schüsse auf die vorderste Löwin

ab. Sie lag im Feuer (Abb. 2) und hätte wohl am ersten Schusse genug

gehabt, aber da ich auf nur dreißig Meter geschossen hatte, schien mir

ein Doppelschuß sicherer. Rasch drückte ich zwei Patronen ins Magazin,

um dieses wieder voll zu haben. Die Löwen verhofften einen Augenblick,

und gerade, als ich das Gewehr wieder anschlug, sprangen alle seitlich

ins hohe Gras und waren verschwunden, ehe ich schießen konnte. Neben

dem Mähnenlöwen sah ich noch eine alte Löwin und zwei junge, fast

ausgewachsene Löwen.

Obwohl ich nicht daran glaubte, daß die Löwen noch einmal wiederkommen

könnten, ließ ich mir am Tage Dornenäste bereitlegen und begab mich

um drei Uhr morgens wieder an den Utenguleweg, wo ich mich mit zwei

Boys in den Dornen einbauen ließ. Wenn es hell wurde, sollten meine

Leute wiederkommen und den Dornenkral öffnen. Wir warteten vergeblich

auf die Löwen. Es wurde hell, und schon hörten wir die Leute, die uns

aus unserer Umzäunung holen sollten, am Ausgange der Tembe sprechen.

Plötzlich verstummte das Gespräch. Ein Boy zupfte mich am Rocke, und

ich sehe die Löwin etwa fünfzehn Meter vor mir stehen. Die beiden

jungen Löwen liefen nach, und nach einer Lücke von hundert Metern

folgte der Mähnenlöwe. Die Löwin aufs Ziel nehmend, ließ ich aufs Blatt

fliegen; sie brach sofort zusammen. Rasch schlug ich nun auf den Löwen

an, er kam in langen Fluchten (Sprüngen) auf mich zu. Gut vorhaltend,

gab ich meinen Schuß ab. Der Löwe wirbelte im Kreise herum und biß sich

in die Keule, ein Zeichen, daß ihn die Kugel leider dort getroffen

hatte. Dadurch, daß ich mein Gewehr an einer anderen Seite durch die

Dornenwand schieben mußte, verlor ich einige Augenblicke, und der Löwe

war inzwischen seitlich im hohen Grase verschwunden. Eine ganze Zeit

mußte ich noch warten, ehe meine Leute kamen. Durch das Schießen war

ihnen angst geworden vor den vielleicht nur verletzten Löwen, und wir

mußten alle drei rufen und pfeifen, bis sie uns aus unserem Dornenkäfig

befreiten.

[Illustration: Abb. 2. Die Löwin lag im Feuer.

Besser phot.]

Zunächst besah ich mir die Löwin. Der aufs Blatt abgegebene Schuß war

ziemlich hoch in den Hals eingedrungen und hatte die Wirbelsäule

zertrümmert. Bei einem Haar wäre sie überschossen gewesen. Mein Schuß

war also ein glücklicher Zufall insofern, als er etwas links ging.

Nun dem Löwen nach. Ich ließ mir erst meine Hunde, die ich nachts

angekettet hatte, holen. Es war ein mühsames Suchen, um die Fährte

halten zu können. Fußabdrücke waren in dem harten Boden nicht zu sehen,

und das Gras war von weidenden Kühen in allen Richtungen mit Gängen

versehen, so daß wir uns nur nach den spärlichen Schweißspritzern

richten konnten. Gegen acht Uhr mußten wir die Folge aufgeben. Auch die

Hunde konnten die Fährte nicht halten.

Im Mai 1909 reiste ich von Kilossa über Iringa nach Langenburg. Am

großen Ruaha angekommen, machte ich nach Iringa den ersten Rasttag.

Gern hätte ich ein großes Kudu (+Strepsiceros strepsiceros Pall.+)

und ein kleines (+St. imberbis Blyth+) zur Strecke gebracht. Von

dieser Wildart hatte ich im Oktober 1908 mein erstes und einziges

erlegt und große Kudus bisher immer vergeblich gepirscht. Um den

Rasttag der Träger gut auszunützen -- auch Fleisch war uns sehr

vonnöten --, brach ich am Morgen vor Tagesanbruch auf. Nicht ein Stück

Wild kam mir zu Gesicht, nachdem es heller geworden war. Da sehe ich

plötzlich in hundertfünfzig Meter Entfernung eine Löwin mit Jungem

auf mich zulaufen. Sie eräugt mich und ändert ihre Richtung. Schnell

springe ich etwa fünfzig Meter nach links vor, und sie geht an mir

auf hundert Meter vorüber. Einen Augenblick den Atem anhaltend, da

meine Lungen ausgepumpt waren und sich die Bewegungen dem Oberkörper

mitteilten, ließ ich fliegen. Auf dem Rücken liegend, schlug die

Löwin etwas mit den Pranken und miaute ganz leise. Das junge Tier

verkroch sich im Gras. Gleich nach meinem Schuß nahm ich schleunigst

Rückendeckung, denn mindestens sechs bis acht Löwen und auch einige

Leoparden antworteten auf meinen Schuß durch tiefes Rohren und Gebrüll

in nächster Nähe. Meine farbigen Begleiter waren alle auf Bäume

geklettert. Es kam aber nichts weiter zum Vorschein. Ein Fangschuß

ins Rückgrat der nun auf der Seite liegenden Löwin ließ diese sich

strecken. Diesmal setzte das Gebrüll nur vereinzelt und entfernt

ein. Nach dem Zelte schickend, um Leute zur Abholung der Löwin zu

bekommen, setzte ich dann meine Pirsch fort, traf aber kein Stück Wild,

geschweige denn Kudus an. Anscheinend hatten die zahlreichen Löwen das

Wild für heute vergrämt (verscheucht), und ich mich gerade in der

Richtung bewegt, in der die Löwen nachts gejagt hatten. Die Einwohner

des kleinen Dörfchens Njukwa empfingen mich bei meiner Rückkehr mit

Freudengeheul, da sie unter den Löwen viel zu leiden hatten. Es waren

in letzter Zeit Menschen und auch Vieh von den Löwen geholt worden.

In der Nacht hatten wir noch ein kleines Nachspiel. Um Mitternacht

wurden wir durch angstvolles Geschrei unserer Träger geweckt. Es

ist keine Kleinigkeit, wenn fünfundachtzig Menschen in Todesangst

losheulen; wir fuhren erschreckt aus den Betten hoch. Unser Zelt

wurde halb eingerissen, Lasten, unser Tisch mit Eßgeräten und der

Lampe polterten zu Boden, und dazwischen brüllten Löwen. Ich hörte

lautes Atmen im Zelt und glaubte für einen Augenblick, der Löwe

stünde zwischen unseren Betten. Mit der Hand nach dem Gewehr tastend,

erwischte ich die nackte Kehrseite eines Menschen, und ein angstvolles

»Ich, Herr« belehrte mich über meinen Irrtum. Einige Träger waren

splitternackt unterm Zelte durchkriechend eingedrungen. Als ich mit

einigen energischen Worten die Ruhe hergestellt hatte, klärte sich

die Lage dahin auf, daß wohl ein Träger wach geworden war und einen

Löwen gesehen hatte. Als er seinen Kameraden weckte, verstand dieser

die Sache falsch und glaubte, der Löwe habe ihn schon. In seiner Angst

fing er an zu brüllen. Alle anderen fuhren aus dem Schlafe hoch und

brüllten mit, um dann nach den Zelten zu stürzen und beim Europäer

Schutz zu suchen. Die Leute waren vom Stamme der Wanjamwesi, deren

hervortretende Eigenschaft nicht der Mut ist. Ich lagerte sie im

hellen Mondschein um große Feuer und verbot ihnen, falls der Löwe

wirklich käme, durcheinander zu laufen und zu schreien. Einmal sah

ich einen Löwen durchs Gebüsch schleichen; da sie aber zu mehreren

waren und ich immer nur Teile des Körpers sah, schoß ich nicht. Mein

Reittiersoldat meldete mir immer: Jetzt kommen zwei Löwen den Weg aufs

Lager zu, jetzt schwimmt einer durch den Ruaha usf. Immer kam ich zu

spät, um schießen zu können, geschlafen haben wir aber bis zum Morgen

nicht mehr. Ununterbrochen brüllten Löwen in nächster Nähe, so daß ich

mindestens sechs bis acht Löwen vermutete. Der Nervendruck, der sich

unser bemächtigte, löste sich erst bei Anbruch des Tages, wo auch die

Löwen verstummten.

Auf dem Weg vom Lager ins Dorf fand ich reichlich Löwenfährten, und als

unsere Karawane etwas im Marsch war, kamen wir an ein paar einsamen

Hütten vorüber, an deren einer ein mächtiges, noch blutendes Kudugehörn

lehnte. Die Bewohner der Hütte erzählten, sechs Löwen hätten in Sicht

der Hütte heute nacht das Kudu verzehrt.

Im Dezember 1910 reiste ich wieder einmal am Rikwasee entlang. Ich

befand mich auf dem Heimwege nach Langenburg und hatte vier geangelte

Marabus (+Leptoptilus crumeniferus Less.+, siehe Abb. 3), junge

Wildkatzen (+Felis ocreata Gm.+), eine Python-Riesenschlange und

noch verschiedene andere Tiere zur Bereicherung meines Tierparkes bei

mir. Die Tierkarawane bildete die Spitze, da die Käfige mit Inhalt

leichter waren als die übrigen Lasten.

[Illustration: Abb. 3. Marabu.]

Meine Träger mußten etwa eine Stunde zurück sein, und wir beschlossen,

auf die Karawane zu warten. Der Weg war scheußlich. Infolge der

Regenzeit war der See ausgetreten, und das Wasser lief bei jedem

Schritt von oben in die Stiefel. Ab und zu trat man auch bis an die

Hüften ein, wenn ein unsichtbarer Graben den Weg kreuzte. Auf einer

vom Wasser nicht bespülten Stelle machten wir Halt. Nachdem ich die

Marabus gefüttert und jungen Servals (+Felis serval Schreb.+, s.

Abb. 4) Milch gegeben hatte, frühstückte ich. In der Ferne standen

drei Leier-Antilopen (+Damaliscus jimela Mtsch.+, +Bubalus

jacksoni Thos.+) [Jacksons Hartebeest]. Meine Leute meinten, die

Karawane hätte nur noch wenig Fleisch, ich möchte doch eins schießen.

Da ich gar keine Lust hatte, durchs Wasser und den Schlamm mich an

die Leier-Antilopen in offener Steppe anzupirschen, fragte ich meinen

Fährtensucher Fardjallah, ob er nicht Lust hätte. Einen Jagdschein

hatte er, und das Pulver versprach ich ihm zu ersetzen. Es dauerte

dann eine Viertelstunde, bis ich den Dampf aus seinem Vorderlader und

zugleich die Antilopen unverletzt flüchten sah.

[Illustration: Abb. 4. Serval.]

Um ein Bedürfnis zu verrichten, ging ich dann etwa hundert Schritt

abseits von meinen Leuten, da dort einige Grasbüschel zur Deckung

standen. Mit einem Schlage verstummte das lebhafte Schwatzen meiner

Leute. Als ich aufsehe, kommen zwei Löwen im Trabe direkt auf mich

zu. In Eile befestigte ich meine Kleider, und mein Boy Amri springt

mir mit dem Gewehr entgegen. Zwanzig Meter von mir entfernt stutzen

die Löwen. Es sind ein alter Mähnenlöwe und eine Löwin, beide im

allerbesten Futterzustande. Die Mähne des Löwen war fast schwarz,

und ebenso befanden sich an den Gelenken der Vorderpranken dichte,

lange, tiefdunkle Haarbüschel. Die Löwen hatten wohl den auf mich

zueilenden Boy gesehen und schlugen nun einen Haken, um in gewaltigen

Fluchten davonzusetzen. Als ich das Gewehr bekam, waren sie schon

im hohen Grase. Ich sah nur noch bei jedem Sprung den Rücken und

dann Wassergarben über das Gras spritzen, wenn sie den Boden wieder

erreichten. Erst nach etwa vierhundert Metern durchquerten sie ein

Gelände mit niedrigem Gras und verhofften einen Augenblick. Es war

mir zu weit zum Schuß. In Trab fallend, erreichten die Löwen den Wald

und entzogen sich meinen Blicken. Merkwürdig war noch, daß die Löwen

an einer Zebraherde vorbeikamen und diese gar keine Notiz von ihnen

nahm, als sie zwischen ihnen hindurchgingen. Die Zebras scheinen

besondere Anzeichen dafür zu haben, ob ein Löwe auf dem Raubzug ist

oder sattgefressen seines Weges zieht. Als nach einer halben Stunde

Fardjallah zurückkam, hatte er von den Löwen nichts gesehen. Meine

Leute behaupteten, nach Fardjallahs Schuß seien die Löwen aus einem

Grasgebüsch, das Fardjallah schon durchschritten hatte, aufgesprungen.

Sie hätten wahrscheinlich dort geschlafen und seien durch den Schuß

geweckt worden.

Sehr viele Löwen sah und hörte ich auch im Kissakidistrikt, wo ich

mich von 1912 bis 1914 aufhielt. Hier gab es jedoch kein Vieh, dem die

Löwen gefährlich werden konnten, und Menschenfresser hatten sich nicht

gezeigt. Es ist eine ganz besondere Art von Löwen, die wir in Afrika

als »Menschenfresser« bezeichnen. Vorwiegend sind es alte Löwen, die

kein Wild mehr erjagen können und dann bei irgend einer Gelegenheit an

den Menschen geraten sind. Es gibt aber auch jüngere Tiere darunter.

Haben Löwen einmal gesehen, welch leichte Mühe sie mit den Menschen

haben, so halten sie sich an diese Nahrung und werden dann zur

Landplage. Ich erinnere mich, daß in »Kambi uleya«, dem ersten Lager

hinter Kilossa auf Iringa zu, fortgesetzt Leute geholt wurden. Viermal

kam ich durch diesen Ort, und jedesmal waren wieder Träger gefressen

worden. Die Karawanenträger, die zwischen Iringa und Kilossa liefen,

schlafen meist auf den Veranden der Dorfbewohner, so daß die Löwen

leichte Mühe haben. Trotzdem hatte ich jedesmal Not mit meinen Leuten,

wenn ich ihnen befahl, sich ein Dornenverhau herzustellen. Es rechnete

jeder damit, daß er nicht der Gefressene sein würde, und sie hätten

sich lieber der Möglichkeit eines Löwenangriffs ausgesetzt, als daß sie

freiwillig zehn Minuten arbeiteten, um jeder drei bis vier Dornenäste

abzuhauen, heranzuschleifen und zur gemeinsamen Sicherheit um das Lager

zu legen.

Ich sagte vorher, daß in Kissaki die Löwen keine üblen Neigungen

zeigten. Aus diesem Grunde empfahl ich den Eingeborenen, die Löwen

zu schonen, und ging selbst mit gutem Beispiel voran, indem ich trotz

guter sich bietender Gelegenheiten die Löwen unbeschossen ließ. Es

gab nämlich ungeheuer viel Wildschweine, die die Kulturflächen schwer

schädigten. Durch die zahlreichen Löwen wurden sie einigermaßen in

Schach gehalten und von den Feldern verjagt. Die Löwen gaben sich der

Schweinejagd so ohne Störung hin, daß sie durch die Dörfer liefen und

häufig Leuten, die zur Arbeit gingen oder von der Arbeit zurückkehrten,

begegneten, ohne daß übermäßige Scheu auf beiden Seiten hervorgerufen

worden wäre.

Eine Angewohnheit der Löwen muß ich noch hervorheben. Sie schleppen

häufig ihre Beute fort, ohne sie vorher zu töten. Sobald sich die

Beute nicht zur Wehr setzt, fängt der Löwe an einem sicheren Platze

an zu fressen. Mir war schon ein Fall von Tanganjika bekannt, wo ein

Pater vom Orden der »Weißen Väter« von Löwen geholt wurde und eine

Viertelstunde lang um Hilfe schrie, während der Löwe schon an ihm fraß.

Ich entrüstete mich damals, als ich hörte, daß ihn keiner der anderen

Brüder befreit hatte, kam aber später selbst in eine Lage, wo das

Hilfebringen unmöglich war. -- Ein Eingeborener war in einem Dorfe in

Ussangu, in dem ich gerade lagerte, im Beisein seiner Angehörigen durch

einen Löwen vom Feuer weggeholt worden. Sein Schreien klang schauerlich

durch die Nacht. Meine Kerzenlaterne gab solch jämmerliches Licht, daß

man nur im nächsten Umkreis sah. Schleunigst ließ ich die Dorfbewohner

mit brennenden Holzscheiten und Grasfackeln antreten. Deutlich zeigte

die Schleifspur im hohen, regennassen Gras den Weg des Löwen. Der

fortgeschleppte Mann schrie unaufhörlich. Ich ging vornweg, dann folgte

mein Boy, damals noch ein halbes Kind, mit der Laterne, und dann kamen

die Leute mit den Feuerbränden.

Als ich schon den Mann, der fortgetragen worden war, in schwachen

Umrissen liegen sah, brach der Löwe fauchend auf uns los. Sofort liefen

die Leute mit den Grasbränden davon, und ich las mir meine Laterne vom

Boden auf, gerade noch, ehe sie verlöschte. Rückwärts schreitend zog

ich mich aus dem Gras zurück, denn helfen konnte ich allein nicht, da

es stockfinster war und ich nicht weiter als zwei Meter mit meiner

schlechten Laterne sehen konnte. Ich holte die Leute wieder heran

und machte ihnen klar, daß, wenn alle mitkämen, der Löwe sich sicher

zurückziehen würde. Außerdem könnte ich schießen, wenn ich über den

Rücken her Licht bekäme. Der geschlagene Mann wimmerte und stieß ab

und zu laute Schreie aus. Kaum war ich wieder in seiner Nähe, rohrte

der Löwe auf, und ich stand wieder allein. Als auch der dritte Versuch

scheiterte, mußte ich's aufgeben, den Mann zu retten, auch gab der Mann

keinen Laut mehr von sich. Am nächsten Morgen fanden wir den Leichnam

unversehrt bis auf abgerissenes Fleisch an Waden und Oberschenkel.

Keine einzige Verletzung war am übrigen Körper zu entdecken, so daß der

Löwe ihn lebend angefressen hatte.

Es ist dies eigentümlich für den Löwen im Gegensatz zu dem Leoparden,

der, wenn er in einen Stall eingedrungen ist, so lange herumbeißt und

Prankenschläge austeilt, bis sich nichts mehr rührt.

=Leoparden= (+Felis pardus nimr H. E.+).

Viel seltener als den Löwen bekommt man den Leoparden (Abb. 5) in

freier Wildbahn zu Gesicht. Mir war es sehr selten vergönnt, einem zu

begegnen, und wenn es geschah, so war die Begegnung so flüchtig, daß

ich meist nicht zum Schuß kam. Im Hochgebirge traf ich am Tage einige

Male auf Leoparden. Sie waren aber so rasch im Gebüsch verschwunden,

daß ich kaum die Gestalt ordentlich mit dem Auge erfassen konnte.

Einmal, als ich nur mit dem Stock in der Hand meiner Karawane

vorauslief -- es war in Unyika am Mloboflusse -- sah ich erst ein Paar

Wildenten im Wasser und dann auf einem überhängenden Stamme am anderen

Ufer einen Leoparden liegen, der die Wildenten scharf beobachtete. Es

war gegen ein Uhr nachmittags. Wahrgenommen hatte mich der Leopard,

denn ich bemerkte deutlich, wie die Spitze seines Schwanzes zitterte,

sonst lag er bewegungslos. Ganz langsam drehte ich mich halb zurück,

den Leoparden nicht aus dem Auge lassend, um meinen Boy, wenn er

sichtbar werden sollte, gleich zuwinken zu können, daß er mir das

Gewehr vorsichtig bringe. Einige Zeit hatte ich so gestanden. Gegen die

Enten war ich gedeckt, und der Leopard blieb auf seinem Platze. Da sehe

ich meinen Boy stehen. Er hat mich bemerkt und beobachtet, daß irgend

etwas los war. Vorsichtig kommt er näher. Als er fast bei mir ist,

macht der Leopard einen gewaltigen Satz über den Fluß weg an das Ufer,

wo ich stand, landete im hohen Grase und war verschwunden.

Ab und zu traf ich Leoparden im Gras, wenn ich auf anderes Wild

pirschte. Ein scharfes Krallen an der Rinde eines Baumes ließ mich

aufsehen, und der Leopard hockte am Stamm etwa wie eine Hauskatze, die

im ersten Sprung vor Hunden flüchtet. Schneller als es sich beschreiben

läßt, war der Leopard wieder im Gras verschwunden. Manchmal fand ich

dann unter solchem Baum ein gerissenes Schwein, oft war der Leopard

wohl noch selbst auf der Jagd und wollte nur Ausblick haben.

Einen wunderschönen Anblick hatte ich in der Nähe der Ortschaft Mbuiga

(Mgunda) zwischen Kissaki und Kidoti. Ich pirschte in einer dicht

mit Schilf bewachsenen Niederung auf Büffel. Als ich die Niederung

umschreite, um am Rande zu lesen, ob Büffel in das Schilf eingewechselt

wären, höre ich plötzlich links von mir einen lauten Ton. Es konnte

ein wilder Hund, ein Buschbock gewesen sein, möglicherweise auch

ein Elefant, genau ließ sich der Ton nicht einer bestimmten Tierart

zuschreiben. Mein Begleiter und ich stehen still. Einen Mann lasse

ich auf einen Baum klettern, um zu sehen, ob etwa Elefanten im Schilf

wären, da ich auf diese am ehesten schloß. Nichts konnte der Mann

sehen. Plötzlich sagt einer meiner Begleiter: »Ein Leopard!« Ich sah

mich um und brachte die Sache gar nicht mit dem vorher gehörten Ton

in Zusammenhang. Da zeigen alle Leute auf einen etwa dreißig Meter

über das Schilf herausragenden Baum, der zurzeit blattlos war, und nun

entdeckte ich auch den Leoparden auf der äußersten Spitze eines Astes,

in den dürrsten Zweigen zur Kugel geballt, liegen. Er war von mir etwa

hundert Meter entfernt. Schießen wollte ich auf keinen Fall, da Büffel

das begehrte Ziel waren. Trotz der nicht sehr großen Entfernung und

trotzdem der Leopard so ganz frei sichtbar auf dem kahlen Baum saß,

hätte ihm wohl kaum einer von uns Beachtung geschenkt. Er sah so der

Umgebung angepaßt aus, daß man bei oberflächlichem Sehen weit mehr auf

einen Raubvogelhorst im dünnen Gezweig geschlossen hätte.

Rasch hatte ich mein Glas zur Hand. Der Leopard mußte unsere

Beobachtung bemerkt haben. Er richtete sich auf, lief vorsichtig

über das schwankende Gezweig, dann schnürte[3] er auf einem dickeren

Ast bis zur ersten Gabelung des Baumes, machte noch einige schnelle

Schritte den Stamm hinunter und war dann mit mächtigem Satze im Schilf

verschwunden.

[Illustration: Abb. 5. Leopard.]

Wenn man sich in einer Gegend befindet, wo es Hundsaffen, Meerkatzen

und braunrückige Paviane gibt, und diese sind in Deutsch-Ostafrika fast

überall, wo Wald und Wasser zu finden ist, so wird der Leopard fast

immer von den Affen gemeldet. Er ist ihr schlimmster Feind, und sie

folgen seinem Weg auf dem Boden oben im Gezweig unter fortwährendem

lautem Geschrei. Durch Affen aufmerksam gemacht, schoß ich meinen

ersten Leoparden. Der ganze Wald hallte von dem Geschrei der Affen

-- es waren Hundsaffen (+Cynocephalus (Papio) langheldi Mtsch. (?)

oder Papio cynocephalus L. (?) C. ibeanus Thos.+) --, die in einer

Richtung weiterzogen. Ich schritt zu den Affen parallel vorwärts,

bis ich an eine Stelle kam, wo es kein Unterholz und infolge dichten

Blätterdachs nur spärlichen Graswuchs gab. Eine ganze Zeit stand ich

hier unter einem Baum in Deckung, ohne etwas zu sehen. Plötzlich stand

der Leopard mitten auf der kahlen Stelle. Er äugte zu mir herüber, nahm

mich aber nicht wahr. Als er seinen Kopf in entgegengesetzter Richtung

bewegte, strich ich am Stamme an und kam aufs Blatt ab. Ein fauchendes

Miauen, dann ein plötzliches Wenden, und er war dort verschwunden,

wo er hergekommen war. Hunde hatte ich nicht bei mir. Ich nahm zwar

an, daß ich gut getroffen hatte, wollte aber lieber noch einige Zeit

warten, ehe ich ihm nachging. Meine farbigen Begleiter wollten mich

ganz davon abhalten, weil ein kranker Leopard »furchtbar böse« sei.

Die Affen tobten inzwischen auf derselben Stelle weiter, der Leopard

mußte also noch dort stehen, wo er eingewechselt war. Um ihm Zeit zu

geben, drehte ich mir eine Zigarette, die ich bis zu Ende rauchte. Nun

ging ich Schritt für Schritt, die Umgebung abspähend, weiter, zunächst

zum Anschuß. Ich fand vereinzelte Schnitthaare und dann große Spritzer

Schweiß. Zwei Meter davon entfernt fand ich einen ganzen Klumpen

Haare, an dem noch Haut festsaß, also der Ausschuß. Nun war mir nicht

mehr bange. Zwei Schritt brauchte ich nur ins Gebüsch einzutreten, da

schimmerte es mir schwarz-weiß entgegen. Der Leopard lag auf dem Rücken

und war schon verendet, wie die verglasten Lichter (Augen) zeigten.

Obwohl ich gern den ganzen Leoparden mitgenommen hätte, um ihn zu

photographieren, war es doch im Hinblick auf meine beiden nicht sehr

kräftigen Begleiter besser, ich schlug ihn an Ort und Stelle aus der

Decke und nahm nur diese und den Schädel mit. Es war ein prächtiger

alter Kater und der Fang (das Gebiß des Raubzeugs und der Hunde) ganz

vollständig. Groß war meine Freude, und mit Sorgfalt weichte ich zu

Hause die Decke persönlich in gesättigte Salz- und Alaunlösung ein,

knetete sie eine halbe Stunde lang durch und hing sie zum Trocknen auf.

Später, als ich eine große Hundemeute hatte, wurde es mir leichter,

Leoparden zu erlegen. Mit meinen Hunden hatte ich insofern Glück

gehabt, als die Stammeltern, zwei blutsfremde deutsche Doggen, sehr

schneidige Tiere waren. Der Nachwuchs lernte es ohne mein Zutun, mit

System, d. h. mit gegenseitiger Unterstützung, zu hetzen und wehrhaftes

Raubwild zu stellen.

Wurde mir aus einem Dorfe gemeldet, daß die Leoparden dreist würden und

Hunde und Ziegen holten, so brach ich, wenn ich Zeit hatte oder es sich

sonst mit meinen Obliegenheiten vereinigen ließ, mit meinen Hunden auf

und bezog in dem Dorf Lager.

Nachts verbellten dann meine Hunde den Leoparden. Meine Träger kannten

den Rummel schon. Rasch hatte jeder ein paar ordentliche Hände voll

trocknes Gras aus den Dächern der Hütten gezogen und sie als Fackeln

angebrannt. Kamen wir zu den Hunden, so hatten diese den Leoparden zum

Aufbäumen gezwungen, und ich schoß, indem ich einen Mann mit seiner

Fackel hinter mich treten ließ. Nach dem Schuß stand ich zwar stets

im Finstern, denn die Fackelträger waren ausgerückt. Es schadete aber

nichts, denn wenn der Leopard nicht tödlich getroffen war, was bei der

nächtlichen Schießerei häufig vorkam, so beschäftigten sich sofort

die Hunde mit ihm und hatten ihn, falls er noch konnte, sofort wieder

auf einen Baum getrieben. Selten verlor ich dabei einen Hund. Größere

Wunden durch Prankenschläge nähte ich, worauf rasch Heilung eintrat.

Übler waren kleinere Wunden, wo die Krallen eingeschlagen worden waren

und nur ein kleines Stückchen Fleisch heraushing. Diese Wunden heilten

äußerlich rasch zu, innen bildete sich aber meist ein langwieriger

Eiterprozeß und Zellgewebsentzündung.

Ganz übel benehmen sich Leoparden, wenn es ihnen gelingt, in einen

Ziegenstall oder Kral einzubrechen. Solange noch eine Ziege am Leben

ist, wird gemordet. Es kommt vor, daß ein Leopard 30-50 Ziegen

tötet und keine davon frißt. Die Dreistigkeit der Leoparden ist

außerordentlich groß. Ziegen werden am Tage vor den Augen der Hirten,

Hunde vor den Türen weggefangen. Dabei läßt der Leopard seinen Raub

nicht oder nur sehr schwer im Stich, wenn er auch sofort angegriffen

wird. Als Beispiel der Dreistigkeit erwähne ich folgendes kleine

Erlebnis.

Auf dem Tanganjikaplateau hatte ich einen Europäer getroffen. Da wir

gut bekannt waren, stellten wir unsere Zelte zusammen und brachten in

dem einen die Betten unter, während uns das zweite als Eßzimmer diente.

Vor dem Abendbrot saßen wir beide auf einem Bett, und mein Bekannter

spielte Ziehharmonika. Plötzlich gab es während des Spiels lautes

Geheul von meines Bekannten Foxterrier, der unter dem Bett geschlafen

hatte. Das Bett wurde unter uns hochgehoben, und ehe wir zur Besinnung

kamen, sprang ein Leopard mit dem Terrier zum Zelt hinaus. Draußen war

es dunkel, und wir konnten nichts gegen den Leoparden tun. Der Hund war

sowieso verloren.

Am nächsten Morgen brachten Eingeborene den angefressenen Hund und

behaupteten, der Leopard säße unweit unseres Lagers in einem Gebüsch

dürren Grases, das beim letzten Steppenbrand noch zu grün gewesen wäre

und deshalb stehen geblieben sei.

Wir besahen uns die Lage. Der Grasfleck war nur etwa drei Hektar groß,

aber brennen wollte das Gras von 1,20 Meter Höhe auch heute noch

nicht. Es blieb also nur die Möglichkeit eines Durchtriebes. Was wir

an Eingeborenen auftreiben konnten, machten wir als Treiber mobil.

Zwischen je 10 Mann stellten wir einen Soldaten. Schießen wollten nur

wir Europäer, damit kein Unglück geschah. Ich stand auf jener Seite, wo

wir vermuteten, daß der Leopard herauskäme, mein Bekannter ging mit den

Treibern. Nachdem mehr als die Hälfte des Grases durchgetrieben war,

schoß mein Bekannter zum ersten Male, wie er mir zurief, »daneben«.

Gleich darauf sprang der Leopard einen Soldaten an, und zwar so, daß

er seine Hinterpranken dem Mann in die Oberschenkel schlug und mit

den Vorderpranken Lappen in die Kopfhaut riß. Der Mann fiel natürlich

hintenüber, aber ehe er lag, war der Leopard schon wieder zurück

ins Gras gesprungen. Dieses Manöver wiederholte der Leopard mehrere

Male und stets so unverhofft und blitzschnell, daß die mit Stöcken

zuspringenden anderen Treiber nicht dazukamen, einen Schlag zu führen.

Wir hatten insgesamt sieben Verwundete mit mehr oder minder schweren

Verletzungen.

Nur ein ganz schmaler Grasstreifen deckte den Leoparden noch, und

ich hoffte, daß er jeden Augenblick flüchten und mir Gelegenheit zum

Schusse geben würde. Statt dessen versuchte er immer wieder, die

Treiberlinie zu durchbrechen. Jetzt schoß Herr H. zum zweiten Male, und

das gleich darauf einsetzende Freudengeheul der Treiber verkündete mir,

daß der Schuß tödlich war. Der Leopard hatte die Kugel spitz von vorn

erhalten, und sie war durch den ganzen Körper gegangen mit dem Ausschuß

neben dem Weidloch (After).

Bei genauerer Betrachtung des toten Leoparden wurde uns auch klar,

warum er bei seinem Anspringen der Treiber niemals den Fang gebrauchte.

H.s erster Schuß hatte ihm beide Kaumuskeln und die Pfannen der

Unterkiefer durchschlagen. Lange haben übrigens unsere Verletzten an

ihren Wunden nicht laboriert, sie hatten ausnahmsweise gesundes Blut,

was man von den wenigsten Negern behaupten kann.

In eine recht mißliche Lage brachte mich ein Leopard im August 1908

in Ilongo in Ussangu. Zur Reparatur einer Baumwollspinnerei wohnte

ein ehemaliger Fremdenlegionär B. bei mir, der früher Techniker war.

Als wir nachts die Löwen brüllen hörten, erzählte er mir, er hätte im

Atlas schon Löwen geschossen, und fragte dann, ob ich ihm nicht zu

einem Löwen verhelfen könnte, er möchte gern ein Fell als Waffenschmuck

haben. Ich stand kurz vor einer Europareise, um mich von einem

Gelenkrheumatismus zu erholen, den ich mir im letzten Negeraufstand

zugezogen hatte. Vier Monate hatte ich festgelegen, und seit zwei

Monaten konnte ich wieder langsam gehen, war also mehr als klapprig, so

daß ich eine Suche auf Löwen nicht wagen konnte.

Raubwild und Dickhäuter in Deutsch-Ostafrika · 第 1 / 7 段