Da ich auch gerne mit den Dayakern Bekanntschaft gemacht hätte,

war Kapitän Brooke so gefällig, mir einen Ausflug nach einer ihrer

Behausungen vorzuschlagen; nur, meinte er, müsse ich das Bergklettern

gut gewohnt sein. Die Dayaker lieben nämlich die Ebene nicht,

sondern bauen ihre Hütten auf die Spitzen der Berge, je höher und

unzugänglicher desto lieber. In früheren Zeiten thaten sie das der

Sicherheit wegen, jetzt unter der ruhigen Regierung Rajah Brooke’s thun

sie es aus alter Gewohnheit.

Unser Ausflug galt dem Berge +Serambo+, von 1500 Fuß Höhe, auf welchem

ungefähr 80 Familien unter einem Häuptlinge leben.

Am +20. Dezember+ um elf Uhr Nachts, traten wir unsere kleine Reise auf

dem Flusse Sarawak an. Die Nacht war finster und regnerisch; doch uns

hatte weder Regen noch Finsterniß etwas an. Das Prauh war gut gedeckt,

hell erleuchtet und durch Vorhänge in Gemächer getheilt, in deren

einem ich ein weiches Lager unter einem Muskito-Netze fand. Die Fluth

half unserer Fahrt, und als ich des Morgens erwachte, landeten wir

gerade in +Siniawan+, einem chinesischen Kampon, aus zwei Reihen Hütten

bestehend, die eine kleine Straße bilden. Ich sah hier, daß der Chinese

den Schmutz nicht minder liebt als der Malaie; der Unterschied zwischen

beiden ist, daß der Malaie, der sein Haus auf Pfähle setzt, über dem

Schmutze lebt, während der Chinese ihn vor seiner Thüre hat.

Kapitän Brooke hatte Küche, Diener und Lebensmittel vorausgesandt, und

bald saßen wir um ein leckeres Mahl. Außer Herrn Brooke und mir waren

noch zwei Europäer von der Gesellschaft.

Nach dem Frühstücke ging es an die Fußparthie. Ein munterer Trupp

Dayaker, welchen unsere Ankunft schon Tages zuvor bekannt gemacht

worden war, umringte uns; jeder wollte etwas zu tragen haben, um ein

wenig Tabak zu verdienen. Wir hatten über zwanzig im Gefolge, von

welchen manche bloß eine kleine Kochpfanne trugen; nichts desto weniger

ließ Kapitän Brooke reiche Spenden von Tabak und Kupfermünzen unter sie

vertheilen.

Der Weg führte bis an den Fuß des Berges durch ausgebreitete, gut

kultivirte Reispflanzungen. Der Berg selbst stieg steil und schroff aus

der Ebene empor.

Ich hatte schon viel von den schlechten Wegen auf Borneo gehört,

dennoch war meine Verwunderung groß, als ich den wahrhaft

lebensgefährlichen Pfad sah der auf die Spitze des Berges führte. Ueber

Pfützen, Sumpfstellen, Bäche oder Abgründe lagen zwei Bambusstämmchen

oder ein dünnes, rundes Bäumchen, -- an schroffen Felskegeln, die man

erklimmen mußte lehnten ebenfalls nur einzelne, schmale Baumstämmchen,

hie und da ein wenig eingekerbt, um dem Fuße einen Halt zu geben.

An den gefährlichsten Stellen war wohl eine Art Geländer angebracht,

aber von so zarter Beschaffenheit, daß man unvermeidlich gefallen

wäre, hätte man sich im Ernste darauf gestützt. Ich mußte meine Augen

beständig auf den Pfad gerichtet haben, und konnte den mich umgebenden

Naturschönheiten nicht die geringste Aufmerksamkeit schenken. Nur

auf den Haltpunkten, die von Zeit zu Zeit gemacht wurden, fand ich

Muße, die üppigen Wälder, durch welche unser Weg führte, die schönen

Schlingpflanzen und Orchideen zu betrachten. Die Palmen sind auf Borneo

umfangsreicher als irgendwo, besonders die Sago-Palmen. Blumen und

Vögel fand ich aber in geringerer Anzahl als auf Singapore. Es war

wohl, wie man mir sagte, nicht die Blüthenzeit; doch hielt ich mich

sechs Monate auf Borneo auf und sah diese Blüthenzeit nicht kommen.

Auf einer Höhe von 1200 Fuß fanden wir den ersten Wohnplatz der

Dayaker, eine große Hütte von 50 Fuß Länge und Breite, deren ganze

Einrichtung aus einer Menge von Schlafstellen bestand, die ringsum

an den Wänden angebracht waren. Es ist nämlich unter einigen der

Dayakischen Stämme Sitte, daß die Jünglinge einige hundert Schritte

von dem elterlichen Dorfe entfernt, in einer gemeinschaftlichen Hütte

unter der Aufsicht des Häuptlings schlafen. Diese Hütte dient zugleich

zum Tummel- und Festplatze, und zur Aufbewahrung der Kriegstrophäen,

die in den abgeschnittenen Köpfen der Feinde bestehen. Mit wahrem

Grausen sah ich hier 36 Schädel aneinander gereiht und gleich einer

Guirlande aufgehangen. Die Augenhöhlen waren mit weißen, länglichen

Muscheln ausgefüllt. Unter Rajah Brooke’s Regierung hat zwar das

Kopf-Abschneiden in dem Bezirke von Sarawak sein Ende gefunden; aber

die Eingebornen verehren noch immer diese Schädel -- Denkmale einer

blutigen Vergangenheit, die ihren Augen wahrscheinlich ruhmvoll

erscheint.

Wir setzten unsere Wanderung fort zu dem nahen Wohnplatze der Familien.

Hier standen zwei große Hütten auf Pfähle gebaut, jede über 150 Fuß

lang, einander gegenüber. Als Aufgänge dienten schmale, eingekerbte

Baumstämme, die Nachts gewöhnlich weggenommen werden. Jede Hütte

hatte einen geräumigen, gedeckten Vorplatz, von welchem Thüren zu den

Kammern der Familien führten. Die meisten Familien haben eine, manche

zwei Kämmerchen; diese enthalten Schlaf- und Feuerstellen und einiges

Kochgeschirr. Das eigentliche Leben ist auf dem Vorplatze; hier wird

gearbeitet, hier tummeln sich die Kinder umher, hier ruhen die alten

Leute. Alles scheint eine Familie auszumachen. Die Weiber flechten

Matten und Körbe, die Männer schnitzen zierliche Büchschen für Tabak,

Kalk und Gambir, so wie auch sehr schöne Hefte zu ihren Parangs. Auf

den Vorplätzen gibt es ebenfalls Feuerstellen, die aber weniger zum

Kochen, als zur Beleuchtung dienen. Ueber diesen Feuerstellen wurden

vor noch wenig Jahren die frischen Menschenköpfe aufgehangen und so

lange gelassen, bis sie vollkommen eingetrocknet und geräuchert waren,

worauf man sie unter großen Zeremonien nach dem Ehrenplatze, der Hütte

des Häuptlings trug.

Die Dayaker wohnen gleich den Malaien, über einer Pfütze in der sich

Schweine[15], Hunde und Hühner umhertreiben. Wenn man diesen Unrath

sieht, begreift man kaum, daß die Leute nicht alle stets fieberkrank

sind. Außer Hautausschlägen und Geschwüren bemerkte ich jedoch keine

Krankheiten unter ihnen. An letztgenannten Uebeln leidet das männliche

Geschlecht ungleich häufiger als das weibliche.

Die Dayaker sind eben so wenig mit Schönheit begabt wie die Malaien.

Sie haben das Nasenbein flach, die Nasenflügel sehr breit, den Mund

groß, die Lippen blaß und aufgedunsen und die Zahnkiefer hervorstehend.

Die Zähne feilen sie gleich den Malaien ab und färben sie schwarz. Der

Ausdruck ihrer Gesichter ist im Allgemeinen gelassen und gutmüthig,

mitunter etwas dumm, was zum Theile von der Gewohnheit herrühren mag,

den Mund beständig offen zu haben. Ihre Hautfarbe ist lichtbraun, Haare

und Augen sind schwarz. Die Männer tragen das Haar kurz, die Weiber

lang, straff, hinabhängend und ungeflochten. Der Gang und die Haltung

der Weiber ist sehr unzierlich; sie setzen die Füße weit auseinander

und strecken den Unterleib sehr hervor. Diese Unzierlichkeit der

Haltung ist zum Theile auch dem Malaischen weiblichen Geschlechte eigen.

Die Bekleidung der Dayaker ist die allereinfachste. Die ganze Garderobe

der Männer besteht in einem handbreiten Streifen von Bast, den sie um

die Mitte des Leibes geschlagen haben. Gewöhnlich gehen sie auch ohne

Kopfbedeckung, selten daß einer ein Stück Bast um den Kopf bindet.

Sie haben ein großes Wohlgefallen an Glasperlen und Messingringen,

und behängen sich damit Hals und Arme. Die Männer schmücken sich weit

mehr als die Weiber, ja die Glasperlen scheinen ihr Vorrecht zu sein.

Ich bemerkte deren höchst selten an den Weibern. Die Dayaker tragen

stets an einer Seite ein langes, breites Messer, wie bei den Malaien

„Parang“ genannt, an der andern ein zierliches Körbchen, welches die

Bestandteile des Siri enthält.

Die Weiber kleiden sich mit einem knapp anliegenden Röckchen von Zeug

(Bidang), welches von den Lenden bis an die Schenkel reicht; um den

Leib tragen sie einen Gürtel (Raway) von vielen Messingreifen oder

schwarz geputzten Bambusringen, der bei manchen zwei, bei andern sechs

bis acht Zoll breit ist, je nach der Wohlhabenheit der Besitzerin. Die

Mädchen legen ihn an, wenn sie aus den Kinderjahren treten, was hier

schon gewöhnlich im zehnten Jahre der Fall ist. Dieser oft fünfzehn

Pfund schwere eng anschließende Gürtel wird nur für die Zeit abgelegt,

als das Weib nahe daran ist Mutter zu werden. Geschmeide sah ich bei

den Weibern dieses Stammes wenig. Einige trugen am linken Arme, von dem

Handgelenke bis zum Ellbogen viele Messingringe. Die Ohrläppchen hatten

sie so stark durchlöchert, daß man ein zolldickes Stück Holz hätte

durchziehen können. Sie tätowiren sich nicht, färben aber zuweilen

Füße, Nägel und Fingerspitzen rothbraun.

Wir brachten bei diesem Völkchen den Rest des Tages und die Nacht zu.

Abends bewirthete Kapitän Brooke die Leute mit Branntwein, den sie sehr

lieben, und forderte sie auf, uns dagegen mit Tänzen zu unterhalten.

Sie schienen nicht sehr geneigt, unserem Wunsche zu willfahren, und es

kostete Mühe, sie dazu zu bewegen. Ihr Tanz ist ruhig und gelassen und

gibt, gleich jenen Hindostans, weniger den Füßen, als den Händen und

Armen zu thun. Er wird entweder von einem Manne allein, oder von einem

Manne und einem Weibe aufgeführt. Das Weib macht dieselben Bewegungen

wie der Mann, schlägt aber dabei die Augen so tief zu Boden, daß man

glauben möchte, sie seien geschlossen. Ein Mann oder ein Paar tanzt nie

lange und wird dann von andern abgelöst. Die Musik bestand aus zwei

Trommeln und einem Gong. Die übrigen Dayaker saßen still, ja beinahe

bewegungslos da. Ernst und Ruhe scheint in ihrem Charakter zu liegen.

Nirgends ward ich weniger von Neugierde belästigt als hier.

Den folgenden Morgen ging es an die Rückreise. War das Aufsteigen schon

schwierig, so war es das Hinuntersteigen noch mehr, namentlich da ein

stark anhaltender Regen in der Nacht die Pfade glatt und schlüpfrig

gemacht hatte. Es blieb mir nichts anders übrig als die Schuhe

auszuziehen und mit bloßen Füßen über Stock und Stein, durch Disteln

und Dornen meine Wanderung bis in das Thal zu machen.

Zu Siniawan wurde wieder gefrühstückt, dann fuhren wir fünf Meilen den

Fluß Sarawak stromaufwärts, gingen weiter drei Meilen in einem engen

Thale zu Fuße und befanden uns mitten im Antimonium-Erze.

Das Erz liegt hier so reich auf der Oberfläche der Erde, daß man gar

keine Minen zu graben braucht. Es wird ganz einfach mit Brecheisen und

Hämmern in Stücke geschlagen, in Körbe geladen und durch Menschen bis

an den Fluß getragen. Ein Chinese trägt mittelst einer Stange, an deren

jedem Ende ein Korb hängt, zwei Pikul und läuft mit dieser Last noch

dazu ziemlich rasch fort. Das Erz soll 90 Procent liefern.

Von diesen Minen, oder besser gesagt diesem Lager, begaben wir uns

nach einem Sommerhause Rajah Brooke’s, mit welchem eine kleine Meierei

verbunden ist. Herr Brooke hält hier einige Dutzend Kühe und läßt

täglich Butter machen, die nebst der Milch an seine Küche geliefert

wird.

Kühe und Pferde findet man auf Borneo nur bei den Europäern; erstere

arten sehr bald aus, geben wenig und schlechte Milch, die Kälber

sterben häufig; die Pferde werden nicht so alt, wie in ihrem Vaterlande

und pflanzen sich gar nicht fort. Dagegen sah ich beim Rajah Brooke

einen herrlichen Nasen-Affen, zwei große Orangutangs und einen

Honigbären, Thiere die bloß auf Borneo vorkommen.

Am +24. Dezember+ kamen wir wieder nach Sarawak zurück.

[9] Für Segelschiffe rechnet man 8000 Seemeilen, da man der Winde

halber einen ungeheuern Bogen nach Westen beschreiben muß und

Brasiliens Küste ziemlich nahe kommt, für Dampfschiffe 5000

Meilen. -- Wenn ich wo immer zu Wasser reise, rechne ich nach

Seemeilen, deren vier auf eine deutsche Meile gehen.

[10] Man nennt „über dem Winde“ die Seite von welcher der Wind kommt

-- „unter dem Winde“ wohin er geht.

[11] Lootsen heißt, mittelst des Senkbleies die Tiefe der See messen.

[12] Prauh ist ein Malaisches Boot von 20 bis 80 Fuß Länge und 6 bis

8 Fuß Breite, welches nicht tief geht. Die Piraten bedienen sich

dieser Fahrzeuge vorzugsweise, weil sie damit in jeden Fluß

lenken und sich so der Verfolgung leicht entziehen können.

[13] Der Gong ist ein musikalisches Instrument, aus einer

Messing-Platte bestehend, auf welche mit einem Klöppel

geschlagen wird. -- Parang ein anderthalb Fuß langes Messer.

[14] Eine Rupie ist ungefähr zwei Schillinge Englisch (1 fl.

Oesterreichisches Geld) werth.

[15] Da die Dayaker nicht Mohamedanischen Glaubens sind, können sie

Schweine halten.

Drittes Kapitel.

Abreise von Sarawak. -- Gezwungene Rückkehr. -- Ankunft in Sacaran. --

Die unabhängigen Dayaker. -- Der Schwert-Tanz. -- Die eroberten

Menschenköpfe. -- Fahrt auf dem Luppar. -- Angstvolle Nacht. --

Begegnung eines kriegführenden Stammes. -- Uebergang des Gebirges

Sekamil. -- Feierlicher Empfang bei dem Sultan von Sintang.

Da ich in Sarawak nichts mehr zu besehen hatte, wünschte ich meine

Reise fortzusetzen. Mein Plan war, zur See nach dem Flusse Sacaran zu

fahren, diesen landeinwärts zu verfolgen bis an das Gebirge Sekamil,

welches die ost-westliche Wasserscheide macht, das Gebirge selbst zu

übersteigen, auf den westlichen Gewässern mich wieder einzuschiffen,

und auf diese Art in einem großen Bogen nach +Pontianak+ zu gelangen,

einer holländischen Besitzung, die an der nord-westlichen Küste Borneos

liegt. Kapitän Brooke suchte mir dieses Unternehmen mit aller Macht

auszureden; er versicherte mir, daß das Innere des Landes voll wilder,

größtenteils unabhängiger Dayakerstämme sei, und daß er selbst als

Mann diese Reise nicht wagen würde. Doch alle Gegenvorstellungen waren

umsonst, -- ich beharrte bei meinem Entschlusse.

Herr Brooke war so gefällig sein Kanonenboot „Jolie“ unter Befehl des

Kapitäns +Grimble+ in Bereitschaft setzen zu lassen, um mich zur See

bis an die Mündung des Flusses Sacaran (80 Meilen) zu bringen; ein

Prauh sollte mich von dort stromaufwärts nach dem Forte Sacaran führen.

Die Bereitung des Bootes, mehr aber das schlechte Wetter hielten mich

noch zehn Tage in Sarawak fest.

Den Silvesterabend brachten wir sehr angenehm zu. Kapitän Brooke hatte

alle Europäer zu einem Festessen geraden, bei welchem es natürlich

nicht an Toasten fehlte. Der erste galt der Königin, der zweite

dem Rajah Brooke, der dritte mir, und den vierten brachte ich den

versammelten Herren aus. Froh und heiter traf uns das neue Jahr (1852)

vereint. Am 1. Januar klärte sich das Wetter auf, und die Sonne schien

freundlich auf uns nieder. Kapitän Brooke ließ alle die Kleinen von

dem Missionshause kommen und bewirthete sie mit einem guten Mahle.

Die Kinder sprangen und tummelten sich im Garten umher, während die

Eingebornen sich mit Wettfahrten auf dem Strome erlustigten und Kapitän

Brooke die Sieger mit Geschenken beglückte.

Den +5. Januar+ (1852) trat ich in Begleitung eines Missionärs, der

sich in Sacaran festsetzen sollte, meine Weiterreise an. Wir kamen

glücklich zur See, fanden sie aber so stürmisch und aufgeregt,

daß jeder Versuch vorzudringen, vergeblich war. Eine Sturzwelle

zertrümmerte das Bugspriet, eine zweite wusch die Kabüse (Küche) sammt

dem bereiteten Mahle über Bord. Wir mußten zurück, und am 6. Januar

lagen wir wieder in Sarawak vor Anker.

Kapitän Brooke meinte, ich sollte diese Hindernisse als Warnung ansehen

und der Reise entsagen. Ich erwiederte ihm, daß ich, obwohl Frau und

alt, mich vor Vorurtheilen und Aberglauben zu bewahren gewußt habe.

Sturm und Regen wechselten Tag für Tag; seit lange konnte man sich

eines so unausgesetzt schlechten Wetters nicht erinnern. Die Malaien

schrieben es einer Mondesfinsterniß zu, die am 8. Januar statt hatte.

An das Kanonenboot war unter solchen Umständen nicht zu denken. Wollte

ich fort, so mußte ich es in einem Prauh wagen, mit dem man nahe an der

Küste fahren und in jeden Fluß einlenken kann. Ich entschloß mich dazu

und schiffte mich am

+17. Januar+ unter heftigem Regen zum zweiten Male ein, und zwar

diesmal allein mit einem Malaischen Führer, den mir Kapitän Brooke

mitgab. Der Missionär fürchtete sich vor der Seekrankheit! -- Kapitän

Grimble wollte mich durchaus begleiten; allein ich gab es nicht zu.

Auch diesmal fanden wir die See sehr böser Laune: sie sandte Wogen

auf Wogen über uns, so daß wir bald halb im Wasser saßen und uns

nach einigen Stunden beschwerlichen Kampfes in ein nahes Flüßchen

zurückziehen mußten. Den folgenden Tag ging es wenig besser, und erst

den dritten gelangten wir in die Mündung des Flusses Sacaran. Hier

begünstigten uns Wind und Fluth, und wir legten die 69 Meilen nach dem

Fort in neun Stunden zurück.

Kommandant +Lee+ empfing mich sehr zuvorkommend in dem hölzernen Fort,

welches Rajah Brooke erst vor kurzem hier an der Grenze seines Landes

bauen ließ. Das Fort ist von niedrigen Erdwällen umgeben und hat eine

Besatzung von 30 eingebornen Soldaten. Herr Lee und ein Beamter sind

die einzigen Europäer.

Der Fluß Sacaran ist etwas bedeutender als der Sarawak, theilt sich

jedoch schon 30 Meilen von der Mündung in zwei Arme, an dessen

kleinerem, +Luppar+ genannt, das Fort liegt.

Die Ufer sind abwechselnd mit Nipa-Palmen, Laubwäldern, Jungle-Gras

und Reispflanzungen bedeckt. Auch hier wie bei dem Sarawak, tritt das

Wasser an vielen Stellen tief in das Land, eine Eigenthümlichkeit

der meisten Flüsse auf Borneo; ihre Ufer sind so niedrig, daß alles

meilenweit unter Wasser steht und sich Sümpfe und Moräste bilden.

Herr Lee war von meiner Ankunft unterrichtet, und hatte diese Nachricht

den Eingebornen mitgetheilt, die von allen Seiten herbeiströmten um

mich zu sehen, da eine weiße Frau noch nie hierher gedrungen war.

Vom Morgen bis Abend mußte ich so gefällig sein, mich betrachten zu

lassen. Die Besucher, Malaien und Dayaker, benahmen sich aber sehr

bescheiden; ihre Neugierde war nicht belästigend; sie reichten mir die

Hand, setzten sich nieder und begafften mich stillschweigend. Einige

der Dayakerinnen hatten kurze Oberleibchen an, die sie jedoch bei dem

Eintritte in das Zimmer ganz ungenirt ablegten.

Den folgenden Tag erwiederte ich einige Besuche. Ich fand bei den

Malaien alles so wie zu Sarawak und hielt mich daher nicht lange

bei ihnen auf. Ich zog es vor, einen unabhängigen Dayaker-Stamm[16]

in der Nähe von Sacaran zu besuchen. Hier fand ich eine große Hütte

von wenigstens 200 Fuß Länge. In der Veranda war so vielerlei Kram

ausgelegt, daß ich diese Dayaker für Kaufleute gehalten hätte, wenn es

solche unter ihnen gäbe. Da lagen Stoffe von Zeug oder Bast, herrliche

Matten, schön geflochtene Körbe von allen Größen und Formen und von

ausnehmend geschickter Arbeit; dort standen einige jener kostbaren

Vasen, deren Werth ich noch immer nicht begreifen konnte, -- hier

hingen Parangs, Trommeln, Gongs; alle ihre Reichthümer waren zur Schau

gestellt, der großen Vorräthe an bereiteten Bambus und Nipa, so wie

der aufgestapelten Säcke von Reis und anderen Lebensmitteln nicht zu

vergessen.

Auch sah ich bei diesen Dayakern ungleich mehr Schmuck als bei jenen

auf dem Berge Serambo. Manche der Männer waren überladen damit. Sie

hatten den Hals bis an die Brust mit Glasperlen, Zähnen des Honigbären

und Muscheln behängt, die Arme bis an die Ellbogen, die Füße bis

an die Hälfte der Waden mit Messingreifen umgeben. An einem der

Oberarme trugen sie häufig ein aus einer weißen Muschel geschnittenes

Armband, welches unter ihnen für sehr werthvoll gilt. Allein das

allerwerthvollste für sie ist ein Hals- und Armband von Menschenzähnen.

Die Ohren waren durchstochen und mit Messingringen geschmückt. Ich

zählte an einem derselben 15 Ringe, von welchen jeder an Umfang zunahm;

der größte hing bis an die Schulter hinab und hatte gewiß drei Zoll

im Durchmesser. An diesen letzten war noch ein Blatt, eine Blume, ein

Messing-Kettchen oder sonst irgend ein Gegenstand befestigt. Auf

dem Kopfe trugen manche ein Käppchen von rothem Stoffe, mit Perlen,

Muscheln und Messingblättchen verziert und mit einer hohen Feder des

schönen Argusvogels. Andere hatten ein Stück Bastzeug kranzartig

um den Kopf geschlungen, dessen Enden breit ausgefranst waren und

aufgestülpten Federn glichen. Ein so geschmückter Mann sah etwas

komisch aus, oben voll Putz, unten nackt.

Die Weiber trugen ungleich weniger Schmuck: sie hatten keine

Ohrgehänge, keine Bärenzähne und nur selten Glasperlen. Dagegen war

ihr Raway, hier Sabit genannt, acht bis neun Zoll breit, und war mit

einer Unzahl Messing- oder Bleiringe besetzt. Ich hob eines dieser

Prachtstücke auf und glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sein Gewicht

auf zwanzig Pfund schätze.

Herr Lee ersuchte den Häuptling, den Schwert-Tanz aufführen zu lassen.

Zwei Parangs wurden zu diesem Zwecke kreuzweise auf den Boden gelegt.

Die Tänzer waren zwei festlich geschmückte Jünglinge. Sie hatten rothe,

schmale Tücher mit Goldbörtchen besetzt, um den Kopf geschlagen und ein

langes Stück buntes Zeug, gleich einem Shawl über die Achsel geworfen.

Der Tanz war äußerst zierlich und anständig. Hier hatten nicht nur

die Hände und Arme, sondern auch die Füße zu thun. Die beiden Tänzer

machten hübsche Stellungen und vollführten kunstvolle Bewegungen.

Erst tanzten sie einige Minuten um die Schwerter, dann schienen sie

sie erheben zu wollen, sprangen aber jedesmal, wie von Ersetzen

erfaßt, zurück, bis sie dieselben endlich wirklich erhoben und in der

geübtesten Weise kreuzten, gleich den best geschulten Fechtern. --

Unstreitig war dies der schönste Tanz, den ich bisher von Wilden hatte

aufführen gesehen. Die Musik bestand aus zwei Trommeln und einem Gong.

Denselben Tag besuchte ich noch einen zweiten Stamm, weiter aufwärts an

dem Strome. Ich fand alles eben so wie bei dem ersteren; nur sah ich

hier zwei erst kürzlich abgeschnittene Menschenköpfe. Es hatte zwar bei

dem andern Stamme an diesen gewöhnlichen Trophäen auch nicht gefehlt;

sie waren aber schon alt und in vollkommene Todtenschädel verwandelt;

diese im Gegentheil erst vor wenig Tagen erobert, sahen fürchterlich

aus. Der Rauch hatte sie kohlschwarz gefärbt, das Fleisch war halb

eingetrocknet, die Haut unversehrt. Lippen und Ohren waren ganz

zusammengeschrumpft; erstere standen weit von einander, so daß sich

das Gebiß in seiner ganzen Häßlichkeit zeigte. Von den noch reich mit

Haaren bedeckten Köpfen hatte einer die Augen offen, die ebenfalls halb

eingetrocknet, weit in ihre Höhlen zurückgetreten waren. Die Dayaker

nahmen die Köpfe aus dem Geflechte, in welchem sie hingen, um sie mir

genau zu zeigen -- ein fürchterlicher Anblick, den ich nicht leicht

vergessen werde.

Sie hauen die Köpfe so knapp am Rumpfe ab, daß man nur auf eine äußerst

geübte Hand schließen kann. Das Gehirn wird am Hintertheil des Kopfes

herausgenommen.

Als sie die Köpfe in die Hand nahmen, spieen sie ihnen in’s Gesicht,

die Knaben gaben ihnen Püffe und spieen auf die Erde. Die sonst ruhigen

und friedlichen Gesichter nahmen bei dieser Gelegenheit einen starken

Ausdruck von Wildheit an.

Ich schauderte, -- konnte aber doch nicht umhin zu bedenken, daß wir

Europäer nicht besser, ja im Gegentheile schlechter sind als diese

verachteten Wilden. Ist nicht jedes Blatt unserer Geschichte voll

Schandthaten, Morde und Verräthereien jeder Art? -- Was läßt sich

vergleichen mit den Religionskriegen in Deutschland und Frankreich, mit

der Eroberung Amerikas, mit dem Faustrechte, mit der Inquisition? Und

selbst in neueren Zeiten, nachdem wir vielleicht feiner und gebildeter

in der äußeren Form, sind wir deshalb weniger grausam? -- Nicht eine

kleine, elende Hütte, gleich den rohen, unwissenden Dayakern, sondern

geräumte Hallen, die größten Paläste, könnten manche berühmte Männer

Europas mit den Köpfen schmücken, die ihren herrschsüchtigen und

ehrgeizigen Plänen zum Opfer gefallen sind! Hat Napoleon in seinen

Eroberungszügen nicht Millionen geschlachtet? Werden die meisten Kriege

aus anderen Ursachen, als aus Habsucht und Raubgier eines Einzelnen

unternommen? Wahrlich ich wundere mich, wie wir Europäer es wagen

können, Zeter und Wehe über arme Wilde zu schreien, die zwar ihre

Feinde umbringen gleich uns, die aber die Entschuldigung für sich

haben, daß sie weder Religion noch Bildung besitzen, welche ihnen

Sanftmuth, Milde und Abscheu vor Blutvergießen predigen.

In vielen Reisebeschreibungen liest man, daß die Dayaker ihrer

Auserwählten die Liebe dadurch beweisen, daß sie ihr einen Menschenkopf

zu Füßen legen. Der Reisende, Herr +Temmingk+, sagt jedoch, dieß sei

nicht wahr. Derselben Meinung möchte ich auch beistimmen. Wo sollten

alle die Köpfe hergenommen werden, wenn jeder Jüngling seiner Braut

ein derartiges Geschenk machte? Die traurige Sitte des Köpfens scheint

vielmehr aus Aberglauben entstanden zu sein. Erkrankt z. B. ein Rajah

oder unternimmt er eine Reise zu einem anderen Stamme, so gelobt er

und sein Stamm einen Kopf im Falle der Genesung oder der glücklichen

Wiederkehr. Stirbt er, so werden auch ein oder zwei Köpfe geopfert. Bei

Friedensschlüssen wird ebenfalls von manchen Stämmen von jeder Seite

ein Mann geliefert, um geköpft zu werden; bei den meisten jedoch werden

Schweine statt der Menschen geopfert.

Ist ein Kopf gelobt, so muß er um jeden Preis herbeigeschafft werden.

Gewöhnlich legen sich dann einige Dayaker in einen Hinterhalt. Sie

verbergen sich in dem drei bis sechs Fuß hohen Jungle-Grase, oder

zwischen Bäumen oder abgehauenen Zweigen, unter dürrem Laube, und

harren Tagelang ihres Opfers. Nähert sich ein menschliches Wesen, Mann,

Weib oder selbst ein Kind dem Verstecke, so schießen sie erst einen

vergifteten Pfeil ab, dann springen sie gleich Tigern auf ihre Beute

los. Mit einem einzigen Hiebe trennen sie den Kopf vom Rumpfe. Der

Körper wird sorgfältig verborgen, der Kopf aber in ein Körbchen gelegt,

welches besonders zu diesem Zwecke bestimmt und mit Menschenhaaren

verziert ist.

Derlei Morde sind natürlich stets Veranlassungen zu Kriegen. Der Stamm,

aus welchem ein Mitglied getödtet wurde, zieht zu Felde und ruht

nicht eher, als bis er zum Ersatze einen, auch zwei Köpfe hat. Diese

werden dann im Triumphe, unter Tanz und Gesang nach Hause gebracht und

feierlich aufgehangen. Die darauf folgenden Festlichkeiten dauern einen

ganzen Monat.

Die Dayaker lieben die Köpfe so sehr, daß wenn sie mit den Malaien

vereint einen Piratenzug oder eine Fehde unternehmen, sie sich blos

die Köpfe ausbedingen und alle übrige Beute den habgierigen Malaien

überlassen.

Sie verschieben ihre Züge stets bis nach der Reisernte, die für sie zu

wichtig ist, um unterbrochen zu werden, und nehmen Weiber und Kinder

mit sich.

Ich bedauerte sehr, nicht acht Tage früher gekommen zu sein. Ich

hätte der Feier eines Friedenschlusses beiwohnen können, der, Dank

dem eifrigen Bestreben Rajah Brooke’s, zwischen zwei unabhängigen

Dayaker-Stämmen geschlossen worden war. Herr Lee erzählte mir, daß

die beiden feindlichen Häuptlinge (Rajah’s) von 20 oder 30 ihrer

Leute begleitet, vor sein Haus kamen. Jeder brachte ein Schwein mit.

Nach langen Reden zwischen den Häuptlingen und dem Volke, wurden die

Schweine geköpft, aber nicht durch Dayaker, sondern durch Malaien.

Fällt der Kopf auf einen Streich, so bedeutet es Glück. Die Schweine

wurden nicht verzehrt, sondern in den Fluß geworfen. Sie schließen ihr

Bündniß nicht auf Jahre (diese Rechnung ist ihnen unbekannt), sondern

auf Reisernten.

Herr Lee hatte ebenfalls versucht, mir mein Vorhaben, in das Innere

des Landes zu dringen, auszureden. Den Nachrichten zu Folge, die er

erst kürzlich von jenen Gegenden erhalten hatte, war ein Häuptling

getödtet worden und alles in Krieg verwickelt. Mein Entschluß, so weit

vorzudringen als man mich ließe, stand jedoch fest, und ich schiffte

mich am

+22. Januar+ auf dem +Luppar+ ein, mit der Absicht stromaufwärts bis

an das Gebirge +Sekamil+ zu gehen. Ich nahm, außer dem Malaischen

Diener, den mir Kapitän Brooke mitgegeben hatte, und acht Malaischen

Bootsleuten, noch den Koch Herrn Lee’s als Steuermann mit, der mir

durch die Güte des Herrn Lee zur Verfügung gestellt und von großem

Nutzen wurde, weil er einige Worte Englisch sprach.

Die Reise begann sogleich in dem Gebiete der freien Dayaker, und zwar

der Stämme, die als sehr wild bekannt sind.

Zeitlich des Nachmittags landeten wir an einem ihrer Wohnplätze, um

daselbst die Nacht zuzubringen. Mein Hauptbestreben war, stets mich

ihnen vertrauungsvoll und herzlich zu nahen. Ich schüttelte Männern und

Weibern die Hände, setzte mich unter sie, sah ihren Arbeiten zu, nahm

die Kinder auf den Schooß u. s. w. Dann begab ich mich in den Wald,

um nach Insekten zu suchen. Daß mir ein ganzer Zug der Eingebornen,

besonders der Kinder folgte, versteht sich von selbst. Sie wollten

sehen wohin ich ginge, wozu mir das Schmetterlingnetz und die Schachtel

diente, die ich zur Aufbewahrung der Insekten stets mit mir trug. Sie

betrachteten mein Thun und Lassen gerade so wie ich das Ihrige. Anfangs

lachten sie mich wohl aus, wenn sie sahen mit welcher Emsigkeit ich

nach jedem Schmetterlinge, nach jeder Fliege haschte[17]; doch kaum

hatte ich ihnen begreiflich gemacht, daß ich Arzneien daraus bereite,

als aus den Lachern gewöhnlich eben so viele Sucher wurden. Es war

nothwendig, ihnen etwas derartiges, für ihr Fassungsvermögen passendes

zu sagen. Ich habe ihnen vieles von meinen Sammlungen zu verdanken.

Mit der Abend-Dämmerung heimkehrend, fand ich ein Plätzchen, mit

reinlichen Matten belegt, für mich bereit. Die Leute setzten sich zwar

in meine Nähe, berührten aber nicht das Geringste; ihre Achtung vor

meinem Eigenthume war so groß, daß wenn ich meinen Platz verließ, sie

ebenfalls hinweg gingen. Ich konnte ruhig alles offen umher liegen

lassen. Auch wenn ich aß, setzten sie sich weiter von mir weg, um mich

nicht zu stören. Man gab mir gewöhnlich Reis und Hühner-Kuri[18].

Leider war letzteres stets mit ranzigem Kokosöl zubereitet; da ich

jedoch vom frühen Morgen bis späten Abend nichts über die Lippen

brachte, that der Hunger sein Bestes; kam es manchmal gar zu arg, so

hielt ich die Nase zu und suchte mein Mahl so schnell als möglich zu

verschlucken.

Lange des Abends blieben die Dayaker wach. Erst nach elf Uhr erlosch

ein Feuer nach dem andere und dicke Finsterniß umgab mich. Dennoch

war mir in einer solchen Nacht nicht bange zu Muthe, obwohl ich mich,

von jeder Hilfe abgeschnitten, ganz allein unter so begeisterten

Kopfliebhabern befand. Ich wußte, daß Rajah Brooke’s Namen bis hierher

gedrungen sei und daß ich unter dem Schutze der Achtung die man ihm

zollt, sicher ruhen konnte.

+23. Januar.+ Während des Tages fiel nichts vor; wir fuhren an mehreren

Dayakerplätzen ungestört vorüber. Nachmittags kehrten wir wieder bei

einem Stamme ein. Hier sah es aber nicht sehr gemüthlich aus, denn

die Leute waren erst vor zwei Tagen von einem Kampfe heimgekehrt und

hatten einen Kopf mitgebracht, der nebst andern schon beinah ganz

ausgetrockneten, über der Feuerstelle hing, an der mein Lager bereitet

wurde. Es ist dies nämlich der Ehrenplatz, der dem Gaste geboten wird,

-- eine höchst widerliche Auszeichnung, die man doch nicht ausschlagen

darf. Die dürren Schädel, die in dem starken Zugwinde gegen einander

klapperten, der unbeschreibliche, erstickende Gestank, der von dem

frischen Kopfe ausging, und den mir der Luftzug zeitweise in’s Gesicht

trieb, der Anblick der Leute, die noch sehr aufgeregt schienen und

beständig um mein Lager kreisten, als schon alle Feuer erloschen waren,

brachte mich um Schlaf und Ruhe. Ich gestehe aufrichtig, meine Angst

war so groß, daß ich in eine Art Fieber verfiel. Länger konnte ich

nicht liegen bleiben und wagte doch nicht aufzustehen. Ich setzte mich

aufrecht und meinte jeden Augenblick das Messer schon an meinem Nacken

zu fühlen. Erst gegen Morgen sank ich ermüdet und erschöpft auf mein

Lager zurück.

+24. Januar.+ Das Reisen auf Borneo geht unendlich langsam von statten.

Es ist unmöglich, die Bootsleute in den schönen frühen Morgenstunden

zum Aufbruche zu bringen. Sie müssen erst ihren erbärmlichen Reis

kochen, und dazu benöthigen sie so viel Zeit, wie bei uns ein Koch mit

dem größten Mittagsmahle. Während der Fahrt halten sie ebenfalls jeden

Augenblick mit dem Rudern inne, der Eine um sein Siri zu bereiten,

der Andere um Strohcigarren zu wickeln oder zu rauchen, so daß im

Durchschnitte kaum die Hälfte der Leute arbeitet. Noch nie ward meine

Geduld so auf die Probe gesetzt, wie auf dieser Reise.

Der Malaie, den mir Kapitän Brooke mitgegeben hatte, und von dem er

versichert zu sein glaubte, daß er mir gute Dienste leisten würde[19],

war der unausstehlichste von allen. Er sollte mich bedienen und zu

gleicher Zeit die Leute zur Arbeit, zum frühen Aufbruche anhalten. Von

alle dem that er nicht das Geringste; seinetwegen konnten die Leute um

Mittag aufbrechen. Er blieb ruhig liegen, oder rauchte und plauderte,

und statt mich zu bedienen, ließ er sich bedienen. Befahl ich ihm

etwas, so gab er mir keine Antwort, oder kehrte mir den Rücken zu, so

daß ich alle Dienste, deren ich benöthigte, von den Bootsleuten fordern

mußte.

Die Fahrt wurde nun mit jedem Ruderschlage reizender. Die Ufer

erhöhten sich, üppige Reispflanzungen verdrängten die Moräste, und

weiter im Hintergrunde erschienen freundliche Hügelketten. Unter

den Bäumen gab es wahre Prachtexemplare, manche mit Stämmen von 120

bis 140 Fuß Höhe, andere mit tief herabhängenden Aesten, die sich

weit über die Wasserfläche streckten und kühle Laubdächer bildeten.

Auf hohen, schlanken Bäumen mit sehr wenig Aesten findet man häufig

große Bienenstöcke. Um sie des Honigs zu berauben, verfertigen die

Eingebornen eine Art Leiter aus Bambus, die je zu zwei und zwei Fuß an

dem Stamm befestiget ist, von welchem sie ungefähr sechs Zoll absteht,

und die oft bis zu einer Höhe von 80 Fuß führt.

Auch heute, wie gestern, kehrte ich bei Dayakern ein. Kaum hatte ich

mich auf mein Lager begeben, so hörte ich ein schnelles, taktmäßiges

Klatschen. Ich erhob mich und ging neugierig der Stelle zu, von welcher

diese Musik kam. Da lag ein Mann ausgestreckt und unbeweglich auf

der Erde, auf dessen Körper ein halbes Dutzend Jünglinge mit flachen

Händen abwechselnd losschlug. Ich hielt den Mann für todt und staunte

über diese sonderbare Zeremonie, die mit seinem Körper vorgenommen

wurde. Allein nach einer Weile sprang der vermeinte Todte unter dem

schallenden Gelächter der Jünglinge auf und -- das Spiel war zu Ende.

So viel ich verstand, hält man dergleichen Uebungen für sehr nützlich

für den Körper, da sie ihm Biegsamkeit und Kraft verleihen sollen.

+25. Januar.+ Immer schönere Ansichten bieten sich dem Blicke dar.

Die Berge vervielfältigen sich und werden höher und höher; manche der

Spitzen, die ich heute sah, mochten über 3000 Fuß hoch sein. Mich

erinnerte die Reise auf Borneo zum Theil an jene im Innern Brasiliens.

Hier wie dort undurchdringlicher Urwald mit erdrückender Vegetation,

hier wie dort wenig gelichtetes Land, wenig bewohnte Plätze. Der

einzige Unterschied ist, daß Borneo von zahllosen Flüssen und Flüßchen

durchschnitten wird, während Brasilien nur wenige, dagegen aber desto

mächtigere Ströme besitzt. Was könnte aus beiden Ländern geschaffen

werden[20], wären sie mit friedlichen, arbeitsamen Menschen bevölkert!

Leider ist dies nicht der Fall; Eingeborne sind nur wenige, und diese

denken mehr an Krieg und Zerstörung, als an Kultur und Arbeit, und die

weißen Ansiedler schließt theilweise das Klima aus.

Eine Sonderbarkeit Borneo’s ist die dunkelbraune Farbe seiner Gewässer.

Einige Reisende behaupten, sie rühre von den vielen Blättern her, die,

da die Ufer dicht mit Waldungen besetzt sind, in die Flüsse fallen und

verfaulen. Dieser Meinung möchte ich beinahe widersprechen, denn auf

der Insel +Ceram+, welche ich später bereiste, und die an Wäldern,

an Flüssen eben so reich ist wie Borneo, fand ich das Wasser überall

krystallhell.

+Alexander von Humboldt+ bemerkte diese dunkle Farbe auch an Flüssen

in Amerika, und er fügt bei, daß in derlei Gewässern weder Krokodile

noch Fische leben. Auf Borneo ist dies nicht der Fall. Hier fehlt es

nirgends an Kaimans (zum Geschlechte der Krokodile gehörig) und Fischen.

Abends saß ich wieder unter einem Schwarme Dayaker und unterhielt mich

mit ihnen mittelst eines Malaischen Dolmetschers und des Koches so

gut es ging. Ich frug sie, ob sie an einen großen Geist glaubten, und

ob sie Götzen und Priester hätten. So viel ich aber verstehen konnte,

glauben sie an nichts und haben weder Götzen noch Priester. Ersteres

mag vielleicht nicht der Fall sein, ich kann sie schlecht verstanden

haben; was aber letztere anbelangt, so habe ich deren wirklich nie bei

ihnen gesehen. Dagegen fehlt es nicht an Rajah’s; jedem Häuptlinge,

wenn sein Stamm auch nur aus einigen Dutzend Familien besteht, wird

dieser hochtrabende Titel beigelegt. Dies erinnerte mich an Ungarn und

Polen, wo sich alles, was nicht leibeigen war, „Edelmann“ nannte.

Wir waren in der besten Unterhaltung, als ein Junge eine wilde Taube

brachte, die er im Walde gefangen hatte. Ein Mann nahm sie ihm ab,

drehte dem armen Tierchen den Hals um, zog ihm einige der längsten

Flügelfedern aus und warf es in’s Feuer. Kaum waren die übrigen Federn

halb verbrannt, als er sie vom Feuer nahm, den Kopf und die äußersten

Flügelenden abriß, und einem neben ihm stehenden, begierig darauf

harrenden Kinde gab. Er legte die Taube hierauf zum zweiten Male in

das Feuer, aber nur auf einige Augenblicke, nahm sie wieder weg und

zerriß sie in sechs Stücke, die er an eben so viele Kinder vertheilte.

Er selbst kostete nicht einmal davon. Ich hatte schon bei vielen

Gelegenheiten bemerkt, daß die Dayaker sehr zärtliche Eltern sind.

Denselben Abend brach ein fürchterliches Ungewitter los, von echt

tropischen Regengüssen (bei uns Wolkenbruch genannt) und heulendem

Sturme begleitet. Ein Windstoß löschte alle Feuer aus. Wir sprangen auf

und flüchteten in das Innere des Hauses, jeden Augenblick gewärtig, daß

ein zweiter das Blätterdach über unsern Häuptern davon tragen würde.

Aber wie alles zu Heftige selten lange anhält, so war es auch mit

diesem Sturme: in einer halben Stunde war er vorüber. Die Leute hatten

angefangen, aus Leibeskräften zu singen und den Gong zu schlagen, wie

ich glaubte, um den Sturm zu übertäuben und zu vertreiben, und sie

fuhren damit bis zum frühen Morgen fort. Ihre Gesänge glichen einem

tollen Geheule. Ich unterschied zwei Melodien, die beide von einem

Vorsänger vorgeschrieen wurden, und an deren Ende die übrigen jedesmal

einfielen. Vier Jünglinge führten auch einen Tanz auf. Sie tappten mit

langsamen, gleichmäßigen Schritten um die Feuerstelle, über welcher

die Todtenschädel hingen. Jeder der Jünglinge hatte einen tüchtigen

Knittel in der Hand, mit dem er bei jedem Schritte heftig auf den Boden

stieß. Zeitweise spuckten sie nach den Schädeln. Wie ich später erfuhr,

galt diese Musik und dieser Gesang nicht dem Sturme; es war ein Fest,

welches einem Kriegszug voranging.

Bei allen Stämmen, die ich auf dieser Reise gesehen hatte, wohnte der

Häuptling in keiner abgesonderten Hütte, sondern gemeinschaftlich mit

den Familien. Die Jünglinge schliefen und wohnten in den Veranden

(Vorplätzen).

+26. Januar.+ Meine Reise unter den wilden Dayakern ging so ohne alle

Gefahr und Schwierigkeiten vor sich, obwohl ich manchmal Ursache hatte,

das Schlimmste zu fürchten, daß ich schon anfing, mich einer gänzlichen

Sorglosigkeit hinzugeben. Heute sollte ich eines andern belehrt werden.

Ich saß ruhig in meinem Prauh, als uns ein kleines Kanoe entgegen

kam, in welchem vier Dayaker saßen, die mit größtmöglichster Eile

stromabwärts ruderten. Sie hielten bei uns nicht an, sondern schrieen

uns blos im Vorüberfahren zu, so schnell als möglich umzukehren, da der

nächste Stamm, mehr aufwärts am Flusse, gerade zum Kriege ausziehe. Sie

selbst seien nur entkommen, weil man sie nicht gesehen habe.

Diese Nachricht machte mich höchst bestürzt. So nahe dem Gebirge --

diesen Abend sollten wir an dessen Fuß gelangen -- und nun umkehren!

Ich hielt Rath mit dem Koche, dem einzigen Mann, mit dem ich einige

Worte sprechen konnte, und suchte ihn für die Weiterfahrt zu stimmen.

Glücklicher Weise war er ein beherzter Mensch; er meinte, daß, obwohl

die Dayaker auf ihren Kriegszügen gewöhnlich alles niedermachen, was

ihnen in die Hände fällt, sie doch vielleicht Rajah Brooke’s Flagge

achten würden. Ich gab ihm Recht, ließ sogleich die Flagge aufziehen,

und die Reise wurde, gegen den Willen der anderen Bootsleute,

fortgesetzt.

Wir fuhren nicht lange, so vernahmen wir schon den Kriegsgesang

mit Begleitung des Gongs und der Trommel. Noch bargen uns die

hochbewaldeten Ufer; aber wenig Ruderschläge weiter, bei einer Krümmung

des Flusses, zeigte sich uns ein Bild, das wohl den beherztesten Mann

mit Furcht erfüllt hätte. Auf einer kleinen Erhöhung am Ufer standen

die Wilden, gewiß Hundert an der Zahl, mit hohen, schmalen Schilden,

und mit Parangs in den Händen. Bei unserem Anblicke stieg ihr Geschrei

auf’s Höchste, und ihre Geberden wurden fürchterlich.

Das Herz erbebte mir im Leibe; doch zur Rückkehr war es zu spät.

Entschlossenheit allein konnte uns retten. Dem Hügel gegenüber,

mitten im Flusse, lag eine Sandbank. Auf diese sprang mein wackerer

Koch und begann eine Unterhandlung mit dem Rajah, von welcher ich

leider kein Wort verstand, da sie in Dayakischer Sprache vor sich

ging. Um so größer war meine Bestürzung, als plötzlich die Wilden die

kleine Anhöhe herabsprangen, sich theils in Kanoe’s, theils ins Wasser

stürzten, rudernd und schwimmend auf mein Prauh zu kamen und es von

allen Seiten umringten und erstiegen. Nun, dachte ich, sei der letzte

Augenblick meines Lebens gekommen. Doch bald vernahm ich die Stimme

des Koches, der sich durch die Leute drängte und mir zuschrie, daß man

uns willkommen hieße. Zu gleicher Zeit wurde auf der Anhöhe ein weißes

Fähnlein als Friedenszeichen aufgesteckt.

Wer je dem Tode wirklich nahe war, der allein kann sich eine

Vorstellung machen von der Angst, die ich ausgestanden, so wie von der

Freude, die mich nun erfüllte, als ich mich gerettet sah! Alle diese

heftigen Gemüthsbewegungen mußte ich unterdrücken und stets die größte

Kaltblütigkeit zeigen, da dies noch das einzige Mittel ist, den Wilden

Achtung einzuflößen. Der Koch hatte Recht, Rajah Brooke’s Flagge war

der Talisman, der uns schützte. Nicht nur daß uns die Leute nichts

zu Leid thaten; im Gegentheile benahmen sie sich sehr freundlich,

und luden mich ein, mit ihnen an’s Land zu gehen, was ich auch that,

um ihnen zu zeigen, daß ich ihre Einladung ehrte und schätzte. Diese

Achtung und Verehrung, welche die Dayaker für Rajah Brooke bewiesen,

rührte mich sehr. Man sieht daraus, wie dankbar die wilden Völker sind,

wenn man es wirklich gut und aufrichtig mit ihnen meint. Hätte ich doch

in diesem Augenblicke die Feinde dieses edlen Mannes um mich gehabt!

Wie tief würde sie nicht diese Scene beschämt haben![21]

Als ich an das Land stieg, fand ich die Weiber und Kinder hinter der

Anhöhe unter Zelten gelagert. Sie empfingen mich so freundlich wie

ihre Männer; ich mußte mich sogleich zu ihnen setzen. Auf dem Boden

lagen viele Eßwaaren ausgebreitet, besonders eine Menge kleiner flacher

Kuchen von allerlei Farben, weiß, gelb, braun und schwarz. Sie sahen so

schmackhaft aus, daß ich mit wahrer Lust darein biß. Aber wie bereute

ich meine Naschhaftigkeit! Die weißen Kuchen bestanden aus Reis-,

die gelben aus Mais-Mehl. Das Mehl war grob gestoßen, und mit weiter

nichts als mit einer reichlichen Portion ranzigen Fettes angemacht, das

aus der Frucht Kawan gewonnen wird. Die braunen und schwarzen Kuchen

erhielten ihre Farbe von der mehr oder minderen Beimischung eines

schwarzen Syrups, der aus Zuckerrohr oder von dem Safte verschiedener

Palmen bereitet wird. Um die guten Leute, die mir mit Gewalt von allem

geben wollten, nicht zu beleidigen, schluckte ich mit Ekel einige

Bissen hinab.

Unter den Männern, welche mich umgaben, hatten viele das Körbchen an

der Seite hängen, welches zum Empfange des eroberten Kopfes bestimmt

ist. Es war höchst zierlich geflochten, mit Muscheln geschmückt und

mit Menschenhaaren behangen. Die letztere Zierde darf jedoch nur der

Dayaker tragen, der bereits einen Kopf erbeutet hat.

Nach eingenommenem Mahle drangen sie in mich, ihren Wohnplatz zu

besuchen, der tiefer im Walde lag. Ich brach sogleich mit ihnen auf

und zwar ohne einen einzigen meiner Leute mitzunehmen, wohl wissend,

daß man bei wilden Völkern um so geachteter und sicherer ist, je mehr

Zutrauen man ihnen zeigt.

Ihre Hütten fand ich wie die der übrigen Stämme. Sie baten mich, den

Rest des Tages und die Nacht bei ihnen zuzubringen; allein ich zog es

vor, noch diesen Tag bis an den Fuß des Gebirges zu fahren, und nach

kurzer Rast nahm ich herzlichen Abschied von meinen neuen Freunden.

Männer und Weiber begleiteten mich bis an mein Prauh, drückten mir die

Hände und luden mich ein, wieder zu kommen. Sie gaben mir Früchte,

Kuchen, Eier, nebst einem Bambusrohre voll gekochten Reises mit auf den

Weg.

Des Abends erreichte ich +Beng-Kalang-Sing-Toegang+, einen Ort mit

einigen Dutzend Hütten, am Fuße des Gebirges Sekamil gelegen, Sitz

eines Malaischen Rajah’s, dem ich durch einen Brief von Kapitän Brooke

angelegentlichst empfohlen war.

Hier verabschiedete ich mein Prauh; die Wasserfahrt, deren Länge von

Sacaran bis an das Gebirge ungefähr 150 Meilen betragen mochte, hatte

vorläufig ein Ende; es handelte sich nun darum, das Gebirge selbst zu

übersteigen. Glücklicherweise erbot sich der Rajah, mich persönlich zu

begleiten, und somit stand dieser gefährlichen Reise nichts mehr im

Wege. Der nächste Tag verging mit den Vorbereitungen. Der Rajah suchte

die Mannschaft aus, die er mitnehmen wollte, ließ die Waffen in Stand

setzen, die Lebensmittel bereiten u. s. w. Ich benützte diese Zeit,

das Leben und Treiben der Leute zu beobachten.

Zu der Gattin des Fürsten hatte ich unbedingten Zutritt, nicht nur

weil ich eine Frau war, sondern auch weil, wie ich schon früher

erwähnt habe, bei den Malaien die Frauen bei weitem nicht so strenge

abgeschlossen sind, wie bei den Türken. Die Frau war noch sehr

jung, gehörte aber nicht zu den schönsten ihres Geschlechtes; im

Gegentheile war ihrem Gesichte ein Stempel ganz besonderer Trägheit

und Theilnahmslosigkeit aufgedrückt. Nicht einmal ihr Kind, das um sie

spielte, konnte ihr ein Lächeln oder eine freundliche Miene abgewinnen.

Das fürstliche Ehepaar zeichnete sich in der Kleidung von seinen

Unterthanen und Sklaven nicht im Geringsten aus; das Kind ging, gleich

den andern Kindern, ganz nackt. Besser beschaffen war die Einrichtung

des Schlafgemaches, das durch hohe Bambus-Wände von der Küche und den

übrigen Räumen abgesondert, zugleich als Empfangssaal diente. Hier gab

es schön gestickte Kissen, eingelegte Holzkästchen, reinliche Klambu’s

und drei jener räthselhaften, kostbaren Vasen.

Die Malaien halten Sklaven. Sie verdammen hiezu die Kriegsgefangenen

sowie auch die Schuldner, die nicht bezahlen können. Letztere

müssen so lange als Sklaven dienen, bis sie von ihren Verwandten

oder Freunden ausgelöst werden, was natürlich selten geschieht, da

das Volk durchschnittlich sehr arm ist. Die Sklaven werden aber

sehr gut behandelt; sie gehören zur Familie und ich würde nie ein

Sklaven-Verhältniß bemerkt haben, hätte man es mir nicht gesagt.

+28. Januar.+ Nun ging es an die Fußreise. Ich hatte dazu eine sehr

zweckmäßige, einfache Kleidung. Ich trug ein kurzes Beinkleid, das mir

bis über die Knie reichte, einen Rock und eine Cabaya. Der Rock ging

mir zwar bis an die Knöchel, ich schürzte ihn aber während des Marsches

auf und ließ ihn erst hinab, wenn die Tagereise vollendet war. Auf

dem Kopfe hatte ich einen herrlichen Bambus-Hut von der Insel Bali,

undurchdringlich für Regen und Sonnenschein. Um gegen den Sonnenstich

gänzlich gesichert zu sein, legte ich noch unmittelbar auf den Kopf

ein Stück von einem Banana-Blatte. Was die Fußbekleidung anbelangte,

so mußte ich den Strümpfen und theilweise auch den Schuhen entsagen,

da der Weg häufig durch Sümpfe und Wasser führte. Wer ähnliche Reisen

unternimmt, muß abgehärtet sein wie der Eingeborne. Ich war es, weil

ich es sein wollte. Ich schlief gar viele Nächte auf der bloßen Erde

in Wäldern und hatte gar manche Tage zu meiner Nahrung nichts als in

Wasser gekochten Reis.

Unser Zug bestand, außer dem Rajah, mir und meinem Diener, noch aus

zwölf Mann Gefolge, theils Dayaker, theils Malaien, von welchen die

Hälfte mit Gewehren bewaffnet war.

Ich machte mich nicht nur auf schlechte Wege, sondern auch auf das

Ersteigen eines hohen Gebirgspasses gefaßt. Letzteres war jedoch

nicht der Fall. Wir wanden uns stets durch schmale Thäler, in wenig

aufsteigender Richtung; ich glaube kaum, daß wir uns mehr als 500 Fuß

erhoben. Die Wege dagegen waren gräßlich -- eine ununterbrochene Kette

von Bächen, Sümpfen und stehenden Gewässern, in die wir oft tief über

die Knie einsanken. Von den Höhen hatten wir überraschende Ansichten.

Dreifache Gebirgsketten thürmten sich hintereinander auf; große Thäler

lagen dazwischen, von schönen Flüssen durchschnitten, aber alles in dem

tiefen Schlummer dichter, undurchdringlicher Waldungen begraben. Selten

kamen wir an kleine Lichtungen, von Dayakern bewohnt, und mit Reis,

Mais, Zuckerrohr und Ubi (eine Gattung süßer Kartoffel) bepflanzt.

Wenn wir uns einer solchen Stelle näherten, wurde Halt gemacht und

ein Theil der Mannschaft vorausgesandt, um den Platz zu untersuchen

und um die Erlaubniß des Durchzuges anzufragen. Zweimal führte uns

der Weg mitten durch die Dayakerhäuser; wir mußten die Leiter auf der

einen Seite hinauf- auf der andern hinabklettern. Die Dayaker lichten

oft vorsätzlich nicht die Waldungen um ihre Wohnplätze, um dem Feinde

den Zugang zu erschweren; sie lassen nur schmale, enge Pfade offen,

die leicht verrammelt werden. Man könnte ein solches Haus mit einem

Blockhause vergleichen.

Nach einem scharfen Marsche von acht Stunden hielten wir in einem

dieser Blockhäuser an, wo man uns ohne Schwierigkeit erlaubte, die

Nacht zuzubringen.

+29. Januar.+ Höhen hatten wir nicht mehr zu übersteigen; dagegen aber

waren die Wege, die durch dichte Wälder führten, voll Wurzeln und

gefallener riesiger Baumstämme, so daß es immerwährend zu klettern

gab. Rechnet man dazu die Pfützen, Moräste und Gewässer, durch die es

durchging, oder die auf dünnen Bambusstämmchen überschritten werden

mußten, so kann man sich einen Begriff von dieser Reise machen. Bei

schönem Wetter anstrengend genug, ist sie bei schlechtem, wie wir es

trafen, eine der beschwerlichsten.

So oft ein verdächtiges Geräusch im Walde vernommen wurde, hielten wir

an; wir mußten auf dem Platze wie eingewurzelt stehen bleiben und die

größte Stille beobachten, während die Mannschaft vorausschlich, gleich

Schlangen über die Baumstämme und Wurzeln sich windend.

Nach einem abermaligen Marsche von acht Stunden erreichten wir

+Beng-Kallang-Boenot+, das Ende der Fußreise. Ich glaube kaum, daß wir

in diesen 16 Stunden mehr als 35 Meilen gemacht haben.

Zu +Beng-Kallang-Boenot+ residirte ebenfalls ein kleiner Malaischer

Fürst, bei welchem wir die Nacht zubrachten.

Daß ich allen diesen Leuten, Dayakern wie Malaien, eine vollkommen

fremde Erscheinung war, versteht sich von selbst. Die wenigsten hatten

je einen weißen Mann, alle gewiß aber nie eine weiße Frau gesehen. Ihre

Verwunderung war um so größer, da nach ihren Begriffen eine Frau allein

sich kaum einige Schritte vom Hause entfernen kann.

+30. Januar.+ Zu Beng-Kallang-Boenot schiffte ich mich auf dem Flusse

+Batang Lupar+ in einem ganz kleinen Boote mit blos einem Fährmanne

ein. Der Fluß schlängelte sich durch Waldungen, war schmal und von

vorstehenden Bäumen oft so eingeengt, daß wir kaum durchkommen konnten.

Die Sonne drang nirgends durch das dichte Blätterdach; die größte

Stille, von Zeit zu Zeit durch das Aufspringen eines Affen oder das

Auffliegen eines Vogels allein unterbrochen, umgab uns. Stiller und

finsterer konnte es auf dem Acheron selbst nicht sein. Die Farbe dieses

Flusses war beinahe tintenschwarz.

Nach einigen Stunden überholten wir ein kleines Kanoe, das mit zwei

Männern, einem Weibe, einem Kinde und vielen Hühnern und anderem

Kram beladen war. Wir hielten an, und nach einer kurzen Unterredung

sah ich zu meinem Erstaunen, daß die ganze Besatzung auf mein Boot

übersiedelte. Das ihrige verbargen sie in dichtem Gebüsche. Ich stritt

vergebens dagegen. Meinem Schlingel von Diener schien die Sache

anzustehen, und deshalb hörte er nicht auf meine Worte. Mein Platz war

durch diesen Zuwachs natürlich sehr beschränkt; was mich aber noch mehr

belästigte, war das Feuer, das die Leute machten, um ihren elenden Reis

zu kochen, und dessen Hitze und Rauch mir in’s Gesicht schlugen.

Der finstere Batang Lupar verlor sich nach ungefähr 30 Meilen in den

See +Boenot+, der an vier Meilen im Durchmesser haben mochte. Dieser

See bot mir eine Merkwürdigkeit dar, wie ich noch keine ähnliche

gesehen hatte. Er war nämlich dicht mit Baumstämmen angefüllt, die

jedoch nicht entwurzelt umherlagen, sondern fest im Grunde standen;

nur waren sie gänzlich erstorben und hatten weder Aeste noch Kronen;

sie glichen von Menschenhand eingesetzten Palissaden. Eine breite

Wasserstraße, ein natürlicher Kanal von höchstens einer halben Meile

Länge führte in einen zweiten See, +Taoman+ genannt, der noch einmal

so groß war als der Boenot-See und im Gegensatze zu diesem einen

vollkommen reinen, schönen Wasserspiegel hatte.

Die Umgebung beider Seen war herrlich: weite bewaldete Thäler, östlich

und westlich von malerischen Gebirgszügen mit hohen Spitzen und Kuppen

begrenzt. Die höchsten der Spitzen mochten wohl an 5000 Fuß messen.

Von dem See Toaman lenkten wir in den schönen Fluß +Kapuas+, nach

dem +Benjermassing+ der bedeutendste Borneo’s. Seine Breite mag gut

eine halbe Meile betragen; doch ist sie sehr ungleich, da es ihm,

wie den meisten Flüssen dieses Landes, an scharf abgrenzenden Ufern

fehlt; seine Gewässer überfließen oft weithin die Waldungen. An diesem

schönen Flusse gab es der bewohnten Stellen viel weniger als an dem

Lupar (jenseits des Gebirges Sekamil); hätte nicht Hundegebell und

Hühnergeschrei von Zeit zu Zeit Leben verkündet, so würde ich die ganze

Gegend für unbewohnt gehalten haben.

Diese und die folgende Nacht brachte ich höchst unbequem auf dem Boote

zu. Die zugewachsene Gesellschaft ließ mir so wenig Raum, daß ich halb

gekrümmt liegen mußte. Ich wäre gerne bei Dayakern eingekehrt; jedoch

der Fährmann wollte nicht, indem er vorgab, daß es zu gefährlich sei.

+31. Januar.+ Heute begegneten wir größeren und kleineren Prauh’s mit

Dayakern und Malaien. Nachmittags überholte uns ein sehr großes. Man

schrie uns höchst gebieterisch zu, heranzusteuern. Wir mußten wohl

gehorchen, denn Ungehorsam war mit unserer Schwäche nicht vereinbar.

Statt gefürchteter Piraten empfing mich aber ein sehr höflicher

Malaischer Rajah, der auf einer Reise begriffen war. Nach einigen

Fragen, „woher ich komme“, „wohin ich gehe“ u. s. w., beschenkte er

mich mit einer großen Schale frischen Kokosöles und einigen süßen

Kuchen.

+1. Februar.+ Gegen Mittag erreichten wir +Sintang+, ein Städtchen von

wenigstens 1500 Einwohnern und Sitz eines Sultans. Hier hatten die

Gefahren ein Ende, denn die Dayaker-Stämme, die ich bis +Pontianak+

noch zu passiren hatte, standen unter Malaischen Fürsten, an welche

ich von dem Sultan von Sintang empfohlen zu werden hoffte. Ich

hatte zu diesem Zwecke für letzteren einen Brief von dem Rajah von

Beng-Kallang-Boenot mitgebracht.

Ich muß gestehen, daß ich gerne noch länger unter den freien Dayakern

gereist wäre. Ich fand sie überaus ehrlich, gutmüthig und bescheiden,

ja ich setze sie in diesen Punkten über alle Völker, die ich bisher

kennen gelernt habe. Ich konnte alles offen liegen lassen und mich

stundenlang entfernen; nie fehlte das geringste. Sie baten mich wohl

zuweilen um manches das sie sahen, gaben sich aber gleich zufrieden,

wenn ich ihnen erklärte, daß ich es selbst benöthigte. Nie waren sie

zudringlich oder belästigend. Man wird mir vielleicht entgegnen,

daß das Köpfen und Aufbewahren der Todtenschädel gerade nicht von

Gutmüthigkeit zeuge; man muß aber berücksichtigen, daß dieser traurige

Gebrauch mehr eine Folge rohen und unwissenden Aberglaubens ist. Ich

bleibe bei meiner Behauptung stehen und führe als weitere Beweise ihre

häusliche, wahrhaft patriarchalische Lebensweise, ihre Sittlichkeit,

die Liebe, die sie für ihre Kinder haben, die Achtung, die diese den

Eltern bezeigen, an.

Die freien Dayaker sind ungleich wohlhabender als jene, die unter

Malaischem Joche stehen. Sie bauen Reis und Mais, etwas Tabak, hie

und da auch Zuckerrohr und Ubi. Sie gewinnen viel Fett aus der Frucht

Kawan, sammeln in den Wäldern Damar-Harz, das sie als Leuchte brennen,

und haben viel Sago, Rotang und Kokosnüsse. Mit einigen dieser Artikel

treiben sie Tauschhandel gegen Messing, Glasperlen, Salz, rothes Tuch

u. s. w., in ihren Augen die werthvollsten Gegenstände, die sie dem

Golde weit vorziehen. Auch an Geflügel und Schweinen sind sie reich,

genießen dergleichen aber nur bei Festen und Hochzeiten.

Manche Reisende behaupten, daß die freien Dayaker schöne Leute sind.

Ich kann höchstens sagen, daß ich sie etwas minder häßlich fand als

die Malaien. Sie sind durchschnittlich von mittlerer Größe, haben

sehr magere Beine und Arme und wenig oder keinen Bart; sie raufen die

Barthaare aus. Sie haben an Schönheit vor den Malaien nichts anders

voraus, als daß die Backenknochen etwas minder breit und vorstehend

sind und daß das Nasenbein ein wenig mehr erhaben ist. Es ist möglich,

daß wenn man jahrelang unter solchen Völkern lebt, man das am Ende

schön findet, was dem neuen Ankömmlinge häßlich erscheint.

Die Dayaker können Weiber nehmen, so viel sie wollen; sie begnügen sich

aber beinahe durchgehends mit einer Frau. Sie behandeln ihre Weiber gut

und überhäufen sie nicht mit Arbeit; den schwereren Theil verrichten

die Männer. Ehescheidungen, Zänkereien sind höchst selten, und ihre

Sitten ungleich reiner und besser als jene der Malaien. Jünglinge und

Mädchen werden ziemlich strenge abgesondert gehalten. Die Mädchen

schlafen in den Kammern, die Jünglinge auf der Veranda oder in der

Hütte des Häuptlings. Sie vermischen sich mit keinen andern Völkern;

die Mädchen, die sich mit Chinesen verheirathen, werden als nicht mehr

zum Stamme gehörig betrachtet.

Die Dayaker haben keine Schrift und, wie es scheint, auch keine

Religion. Ueber letzten Punkt sind jedoch die Meinungen verschieden.

Der Reisende Temmingk sagt, daß sie eine Religion hätten, die dem

Fetischismus gleiche: Der Gott +Djath+ regiere die Oberwelt, der

Gott +Sangjang+ die Unterwelt. Diese Götter stellen sie sich unter

menschlicher Gestalt, aber unsichtbar vor, und rufen sie an, indem sie

Reis auf die Erde streuen oder andere Opfer bringen. In ihren Wohnungen

fände man aus Holz geschnittene Gottheiten.

Andere Reisende schreiben ihnen eine Art Pantheismus zu. Da gäbe es

Gottheiten unter und ober der Erde und eine Menge guter und böser

Geister, unter welchen Budjang-Brani der böseste. Alle Krankheiten

seien von bösen Geistern verursacht, die sie durch Geschrei und

Schlagen des Gongs zu vertreiben suchen.

Wieder andere behaupten, daß sie weiter nichts besäßen, als einige

verwirrte Begriffe von einem Gotte und von der Unsterblichkeit.

Ich kann diese verschiedenen Meinungen weder bestätigen noch verneinen;

gewiß ist aber, daß ich bei den Stämmen, mit welchen ich in Berührung

kam, weder Tempel noch Götzenbilder noch Priester oder Opfer wahrnahm.

Bei Hochzeiten, Geburten und Sterbefällen werden zwar von manchen

Stämmen viele Zeremonien beobachtet, die aber in keiner Verbindung

mit Religion zu stehen scheinen. Bei solchen Gelegenheiten köpft und

verspeist man meistens Hühner, auch Schweine; bei Friedensschlüssen

tödtet man wie bereits bemerkt, Schweine, die man aber nicht verzehrt.

Die Verstorbenen werden bei einigen Stämmen verbrannt und die Asche

in hohlen Bäumen bewahrt; andere begraben ihre Todten auf beinah

unzugänglichen Plätzen, am liebsten auf Bergspitzen; wieder andere

binden sie an Baumstämme, mit den Füßen nach oben.

Doch zurück zu meiner Reise.

Die Lage des Städtchen Sintang ist reizend; die Hütten liegen theils an

dem schönen Flusse Kapuas, theils halb verborgen zwischen Kokospalmen

und Pisangbäumen. Im Hintergrunde viel bebautes Land und in weiter

Ferne hohe Berge, von welchen der höchste wohl an 8 bis 9000 Fuß haben

mochte.

Ich konnte nicht gleich an das Land gehen; die Sitte erheischt, so

lange in dem Boote zu verweilen, bis man von dem Sultan eine Wohnung

angewiesen erhält. Ich sandte daher meinen Diener, der sich in vollen

Staat warf, mit dem von dem Rajah von Beng-Kallang-Boenot erhaltenen

Empfehlungsbriefe ab. Er kam jedoch mit dem Briefe zurück, begleitet

von einem Minister des Sultans, der mir die Nachricht brachte, daß der

Sultan abwesend sei und erst des Abends oder des folgenden Morgens

zurückerwartet werde.

Der Minister führte mich in eine der Hütten, in welcher mir ein

Theil des Gemaches eingeräumt wurde; er hatte zu gleicher Zeit schöne

Teppiche, Matten, Polster und einen Klambu mitgebracht.

Spät Abends kam er wieder, um mir zu sagen, daß der Sultan

zurückgekehrt sei und mich am folgenden Morgen im Divan erwarte. Ich

hatte glücklicherweise schon so viel von der Malaischen Sprache inne,

um die Leute verstehen zu können.

Am folgenden Morgen holte man mich in einem schönen, großen Boote

mit 20 Ruderern ab. Mein Diener wickelte den Brief in zwei seidene

Tücher und folgte mir. Vor der hölzernen Residenz des Sultans, die

nahe am Flusse lag, empfing mich Musik und Kanonendonner[22]. Der

Weg vom Ufer bis an den Divan (ungefähr einige hundert Schritte)

war mit Matten belegt. Auf halben Wege kam mir der Sultan entgegen,

um mich gebührender Maßen zu empfangen. Man sah dem guten Manne die

Verlegenheit an; er wußte nicht, wie er sich einer Europäerin gegenüber

benehmen sollte. Mit wahrhaft komischer Grazie reichte er mir die

Fingerspitzen (nach Mohamedanischen Begriffen schon eine sehr große

Kühnheit), auf welche ich die meinigen legte, und so schwebten oder

tanzten wir nach dem Divan, der von der Vorhalle bloß durch ein

zwei Fuß hohes, hölzernes Geländer geschieden war. Hier standen, von

buntem Kammertuche halb überdeckt, ein plumper Tisch, ein Stuhl, und

in Ermanglung eines zweiten Stuhles eine Kiste. Der Sultan und ich

nahmen an dem Tische Platz, während die Minister und Großen des Reiches

längs den Wänden auf dem Boden saßen. Außerhalb drängte sich das Volk,

dem das Erscheinen einer Europäischen Frau natürlich ein ganz neues,

merkwürdiges Schauspiel bot.

Mein Empfehlungsbrief ward auf einer silbernen Tasse gebracht; der

Ueberbringer rutschte auf den Knien, mit niedergeschlagenen Augen zu

dem Sultan, langte nach dessen Hand, küßte sie mit großer Andacht und

hielt die Tasse hin. Der Sultan befahl dem ersten Minister, den Brief

zu nehmen, zu öffnen und zu lesen.

Ein Brief an einen Sultan oder sonst eine vornehme Person muß nach

Mohamedanischer Sitte aus einem ganzen Bogen bestehen, von welchem nur

die erste Seite beschrieben sein darf; reicht diese nicht aus, so muß

ein zweiter, dritter Bogen genommen werden.

Sobald die Vorlesung des Briefes beendet war, wurden Erfrischungen

gereicht. Man hatte zu diesem Zwecke für den Sultan einen Teller,

für mich aber ein vollständiges Gedeck gebracht. Die Erfrischungen

bestanden aus Thee ohne Zucker und Milch, aus Näschereien und Früchten

auf mehr als 20 schön geschliffenen Glasschüsselchen. Die gesammte

Gesellschaft nahm Theil an diesem Mahle.

Nach aufgehobener Tafel führte mich der Sultan in’s Frauengemach. Auch

hier war man so aufmerksam gewesen, einen erhöhten Sitz für mich zu

bereiten. Der Sultan stellte mir seine Frau und seine Töchter vor,

-- häßliche Geschöpfe von echt Malaischem Typus. Obwohl viele Männer

und junge Leute zugegen waren, trugen sie weiter nichts als einfache

Sarongs, die bis zur halben Brust reichten.

Der Sultan von Sintang, wie es scheint in seinem Lande ein vollkommener

Despot, hat seinen Unterthanen verboten, mehr als eine Frau zu nehmen.

Dieses Recht gebührt, seiner Meinung nach, nur den Fürsten. Ob er

selbst mehrere hat, weiß ich nicht; mir stellte er nur eine vor.

Bei dem Abschiede fanden dieselben Feierlichkeiten statt, wie bei der

Ankunft.

Ich erstaunte sehr über diesen festlichen Empfang, um so mehr, da er

einerseits zum Theile nach Europäischer Art vor sich ging, und ich

anderseits wußte, daß der Sultan von Sintang noch keinen Europäer

gesehen hatte. Mein Diener löste mir das Räthsel. Als er nämlich Tages

zuvor den Brief zum Sultan brachte, war dieser nicht abwesend, wie

man mir sagte; er wußte nur nicht, auf welche Weise eine Europäische

Frau zu empfangen sei, und wollte sich erst darüber mit meinem Diener

berathen. Mein Diener beschrieb ihm die Feierlichkeiten die zu Sarawak

stattfinden, wenn Rajah Brooke von einer Reise zurückkommt, und

dieser Beschreibung hatte ich es zu verdanken, daß ich gleich einer

regierenden Fürstin empfangen wurde. Der Stuhl, der Tisch, wurden in

Eile zusammen gezimmert, und das Besteck war mein eigenes, das mein

Diener mitgebracht hatte.

Der Sultan versprach mir beim Abschiede, ein Sampan[23] zu meiner

Verfügung zu stellen, das mich bis +Pontianak+ führen sollte. Ich bat

ihn, selbes morgen mit aufgehender Sonne zu senden.

+3. Februar.+ Gleich nach Sonnenaufgang meldete man mir den Besuch des

Sultans. Nach seinen Begriffen war es nämlich nicht schicklich, meine

Aufwartung denselben Tag zu erwiedern; da ich aber heute so zeitlich

abreisen wollte, war er gezwungen, diese frühe Stunde zu wählen.

Er kam in Begleitung seines Vaters, den ich noch nicht gesehen hatte,

und einiger seiner männlichen Verwandten; die fürstlichen Frauen

erwiedern keine Besuche.

Der Vater des Sultans trug ein goldbrokatenes Käppchen und Leibchen,

die ersten kostbaren Kleidungsstücke, die ich an einem Fürsten Borneo’s

sah. Außer den gewöhnlichen Schönheiten seiner Race war dieser Mann

noch mit einem tüchtigen Kropfe bedacht, der zweite der mir auf dieser

Insel vorkam. Den ersten, in kleinem Formate, hatte die Gemahlin des

Rajah von Beng-Kallang-Boenot.

Diese vornehme Gesellschaft war in ihrem Benehmen nicht halb so

bescheiden als die Dayakischen Kopf-Jäger. Alles wurde aufgerissen und

durchwühlt; über meine kleine Reisetasche, die unglücklicher Weise

noch offen stand, fielen sie gleich wilden Thieren her. Ich hatte

nicht genug Augen, um alles zu bewachen und vor Schaden zu schützen

(besonders die Insekten und Reptilien). Der fürstliche Vater nahm am

Ende gleich die ganze Tasche in Beschlag; auf Kamm, Zahnbürste und

Seife deutend, frug er mich, zu was das diene, und in Folge meiner

Erklärung schien ihm deren Nutzen so einleuchtend, daß er sie ganz

unumwunden behalten wollte. Ich nahm sie ihm jedoch, ehe er fort ging,

ebenso unumwunden wieder ab und gab ihm dafür einige Bildchen und

andere Kleinigkeiten.

Die Unkenntniß, die diese Leute von allem, was ich besaß, hatten,

bewies mir, daß sie mit Europäern noch wenig oder gar nicht in

Berührung gekommen sein mußten. Der Gebrauch der einfachsten

Gegenstände war ihnen unbekannt, alles mußte ich ihnen zeigen und

erklären, und alles wollten sie, wie gesagt, sich zueignen. Ich war

herzlich froh, als diese hohe Gesellschaft sich hinweg begab.

Der Sultan trieb die Höflichkeit so weit, mich eine Strecke von zwei

Meilen zu begleiten.

Die Reise von Sintang nach Pontianak machte ich sehr rasch, in drei und

einem halben Tage und ohne weitere Abenteuer. Ich hatte die Vorsicht

gehabt, die Eingebornen zu fragen, in wie viel Tagen man diese Reise

machen könne (unterläßt man solche Vorsichtsmaßregeln, so ist man

den Leuten ganz Preis gegeben), und da sie mir sagten in sechs, am

schnellsten in vier Tagen, so ersuchte ich den Sultan, seinen Leuten zu

befehlen, mich in vier Tagen nach Pontianak zu bringen. Meinem Diener

kam dieß nicht sehr gelegen: er wäre gerne langsam und bequem gereist;

aber ich kehrte mich nicht mehr an ihn und übernahm selbst den Befehl

über die Bootsleute.

Die Ufer des Flusses waren mehr oder minder bewohnt; wir kamen an

vielen kleinen Ortschaften vorüber, unter andern auch an Sungau, nach

Sintang dem größten Städtchen. Ich besuchte den Rajah im Vorüberfahren,

verweilte aber höchstens eine Stunde.

Eine Meile von Pontianak vereinigt sich der Kapuas mit dem +Landak+;

beide Ströme verlieren ihre Namen, und stürzen sich als „+Pontianak+“

in die 25 Meilen entfernte See.

Am +6. Februar+ kam ich glücklich zu +Pontianak+ an.

[16] Die Dayaker werden von den Engländern „~Head hunters~,

Kopfjäger,“ von den Holländern „~Koppenskneller~“ genannt.

[17] Daß mich die Wilden auslachten, fand ich natürlich; geschah mir

doch späterhin diese Ehre in Europäischen Kolonien, ja selbst

in den Vereinigten Staaten Amerika’s von Leuten, die civilisirt

genannt werden. Manchmal trieb man es so arg, daß ich sie frug,

ob sie je ein Museum gesehen, und wenn sie eines gesehen hätten,

ob sie meinten, daß alle die Thiere selbst dahin geflogen und

gekrochen seien?

[18] Kuri ist eine Brühe von scharfen Ingredienzien, besonders von

rothem Pfeffer. Diese Brühe ist sowohl im Festlande Indien’s,

als auch im ganzen indischen Archipel sehr beliebt.

[19] Ganz anders benimmt sich ein Malaischer Diener gegen einen

Herrn, wie gegen eine Frau, die er von sich abhängig glaubt.

[20] Borneo ist nach Madagaskar die größte Insel der Erde. Ihr

Flächeninhalt beträgt 9373 Quadrat-Meilen; Bevölkerung 950,000

Dayaker, 200,000 Malaien, 54,000 Chinesen. Hauptausfuhrsartikel:

Rotang, Reis, Kokosnüsse. Sago, Färbehölzer.

[21] Rajah Brooke war nämlich kurze Zeit vor meiner Ankunft auf

Borneo nach England berufen worden, um sich gegen die Anklagen

seiner Feinde zu rechtfertigen, die darin bestanden, daß er in

seinen Kriegszügen gegen die Piraten Menschenleben geopfert,

Hütten und Prauh’s verbrannt habe. Als ob man einen ähnlichen

Krieg mit Worten führen könnte! -- Wie viele Menschenleben

opfern nicht die Europäischen Staaten, wie viele Städte und

Dörfer verbrennen sie in ihren Kriegen, die bei weitem keinen

so edlen Zweck haben, ja, die vielmehr selbst nichts weiter als

großartige Piraterien sind.

In der Folge hörte ich, daß Rajah Brooke sich mit glänzendem

Erfolge rechtfertigte.

[22] Die Malaien sind mit Kanonen und andern Europäischen Artikeln

bekannt; ein Stamm bringt sie zum andern.

[23] Ein kürzeres, aber breiteres Fahrzeug als das Prauh.

Viertes Kapitel.

Pontianak. -- Auszug nach Landak. -- Ein Chinesischer Kapthay. -- Ein

Bad im Sumpfe. -- Die Bambusbrücke. -- Zeichensprache. -- Ankunft in

Landak. -- Souper bei dem Banam. -- Rato. -- Die Diamanten-Gruben. --

Rückkehr nach Pontianak.

Pontianak war die erste Holländische Besitzung in Indien, die ich

betrat. Ich gestehe aufrichtig, daß ich mich ihr mit etwas beängstigtem

Gefühle nahte. Die Holländer werden von vielen Reisenden als so

kalt, unzugänglich, und für nichts als ihr eigenes Interesse Sinn

habend, geschildert! Und eine theilnahmslose Aufnahme wäre mir um so

empfindlicher gewesen, als mich die Zuvorkommenheit und Artigkeit der

Engländer nicht nur auf dieser, sondern auch auf meiner ersten „Reise

um die Welt“ sehr verwöhnt hatte.

Ich sandte den Brief, den mir Kapitän Brooke an das Holländische

Gouvernement mitgegeben hatte, in die Kanzlei, und blieb voll banger

Erwartung in dem Sampan sitzen.

Mein Diener überbrachte mir die unangenehme Botschaft, daß der

Resident, Herr +Willer+, in Batavia sei. Sein Stellvertreter, Sekretär

von +Hardenberg+, kam jedoch sofort, um mich zu empfangen und that

dieß in einer so herzlichen Weise, daß ich mich jeder Angst enthoben

fühlte. Er stellte ein leerstehendes Häuschen[24], das vor wenig Jahren

Amerikanischen Missionären zur Wohnung diente, zu meiner Verfügung,

und setzte bei, daß für alle meine Bedürfnisse gesorgt werden würde.

Abends stellte er mich der Gattin des Residenten vor, in der ich eine

sehr liebenswürdige, gebildete Frau kennen lernte. Sie bot mir in ihrem

Hause eine Wohnung an, die ich mit Freuden gegen das einsame Häuschen

vertauschte.

Ich hatte die Reise nach Pontianak hauptsächlich in der Absicht

unternommen, die berühmten Diamanten-Minen in +Landak+ zu besuchen.

Als ich am folgenden Tage diesen Wunsch aussprach, erfuhr ich

zu meinem Leidwesen, daß gerade am Morgen des Tages, an dem ich

ankam, ein katholischer Priester, Herr +Sanders+, in einem bequemen

Regierungsboote dahin abgegangen sei. Ihn einzuholen war nun zu spät;

man sagte mir jedoch, daß die Reise zu Lande vier Tage kürzer sei als

zu Wasser, und ich daher, wollte ich mich zur ersteren entschließen,

vor Herrn Sanders in Landak anlangen könnte. Auf jeden Fall würde

ich ihn da noch treffen, und wenigstens die Rückkehr in seiner

Gesellschaft und in dem bequemen Boote bewerkstelligen können. Ich

entschloß mich dazu ohne Bedenken, obwohl die Entfernung über 200

Meilen betrug, von welchen ich ungefähr die Hälfte zu Fuß zu machen

hatte.

Herr von Hardenberg wollte mir einen Diener mitgeben: er behauptete,

daß es unmöglich sei, in dem Lande fortzukommen, ohne der Malaischen

und Dayakischen Sprache mächtig zu sein, indem man täglich Führer und

Träger wechseln müsse. Ich hatte aber seit dem Diener, den mir Kapitän

Brooke mitgegeben, einen solchen Abscheu vor dergleichen Leuten, daß

ich erklärte, allein gehen zu wollen; nur bat ich, mich mit guten

Briefen an die verschiedenen Chefs und Rajah’s zu versehen, durch deren

Länder ich kommen würde.

Erst am +10. Februar+ ward es Herrn von Hardenberg möglich, mir ein

kleines Boot zu verschaffen, das mich nach +Kubiang+ (60 Meilen)

bringen sollte. Herr von Hardenberg geleitete mich bis an’s Boot, und

als ich einstieg, rief er aus: „Wenn ich Sie nicht selbst eine so

beschwerliche Reise ohne alle Begleitung antreten sähe, so würde ich es

für unmöglich halten und nicht glauben.“

Ich fuhr den schönen Strom Landak 30 Meilen aufwärts bis +Kubu-trap+,

wo ich die Nacht in einem Chinesischen Hause zubrachte. Hier mündet

das Flüßchen +Mandor+ in den Landak.

Frau +Willer+ hatte mir einen ganzen Korb voll Eßwaaren mitgegeben, die

ich aber alle Abends an die Bootsleute vertheilte, wohl wissend, daß

jene bis zum kommenden Morgen von tausenden Ameisen zerstört gewesen

wären. Man kann Eßwaaren nur in wohlverschlossenen Blechbüchsen vor

diesen Insekten bewahren.

+11. Februar.+ Schon um 3 Uhr Morgens ging es an die Fahrt auf dem

+Mandor+. Dieses schmale Flüßchen ist von Waldungen so eingeengt, daß

wir unter einem steten Laubdache dahin glitten. Mit der aufgehenden

Sonne erwachte auch das Leben in den Wäldern. Ich hörte zwar keinen

Vogelgesang, dagegen von allen Seiten das Gekreische der Affen, des

riesigen Orangutang, des langarmigen Kalampian’s, des schwarzen

Siaman’s, des Bintangan’s (Nasenaffe) und anderer. Letztgenannte vier

Gattungen sind blos auf Borneo einheimisch.

Um 10 Uhr erreichten wir +Kubiang+ (30 Meilen), das Ende der

Wasserfahrt; ich bereitete mich sogleich zur Fußparthie nach +Mandor+

(8 Meilen) vor, wohin mich zwei der Bootsleute begleiteten.

Die ersten sieben Meilen führte der Weg durch finstere Waldungen

über Stock und Stein, dann öffnete sich eine freundliche Lichtung,

mit Pflanzungen bedeckt. Der Boden bestand hier aus Sand, auf Borneo

eine seltene Erscheinung. Gut unterhaltene Pfade, Bretter oder breite

Stämme, über die Bäche und Pfützen gelegt, gaben mir kund, daß ich auf

Chinesischem Grund und Boden wandle, denn weder der Malaie noch der

Dayaker hat den geringsten Sinn für Bequemlichkeit oder Annehmlichkeit.

In Mandor kehrte ich bei dem Chinesischen Oberhaupte (Kapthay) ein, an

welchen mein erster Empfehlungsbrief lautete.

In den Chinesischen Orten oder Kampon’s, die unter Holländischem

Protektorate stehen, wird gewöhnlich ein Chinese als Chef gewählt, der

je nach der Größe des Ortes den Titel Kapthay (Kapitän) oder Major

erhält. Diese Würde bringt keinen Gehalt mit sich, und wird blos auf

ein Jahr ertheilt; doch kann die alte Wahl jährlich bestätigt werden.

Manche Kapthay’s genießen das Ansehen eines Präsidenten oder Fürsten;

sie wohnen in einem Fort, können über die Chinesen Strafen verhängen,

ja sogar Todesurtheile vollziehen. So lange sie sich ruhig verhalten

und dem Holländischen Gouvernement den Opiumpacht richtig zahlen,

greift dieses in ihre innere Regierung nicht ein.

Das Kapthayat von Mandor war eines der bedeutenderen, und der Kapthay

residirte in einem Fort, an dessen Eingange zwei sechspfündige Kanonen

aufgepflanzt waren. Seine Wohnung bestand aus vielen offenen Vorplätzen

und Hallen und aus ein Paar kleinen, niedrigen Schlaf-Kämmerchen, in

welchen sich die Frauen aufhielten. Die größte unter den Vorhallen

diente zu gleicher Zeit als Wohnplatz, Speisesaal und Gottestempel.

Da gab es allerlei Götter, schön gezierte Altäre, angesteckte

Räucherkerzchen; Reis, Früchte und Thee waren den Göttern als Opfer

hingestellt.

Gegen Abend führte mich der Kapthay in das Städtchen, welches an das

Fort grenzt und aus zwei Reihen kleiner Häuser besteht, die eine Straße

bilden. Es zählt ungefähr 700 Einwohner.

Nach dem Spaziergange zeigte er mir seine Schweinställe[25], die groß

und luftig, und was mich bei einem Chinesen noch mehr in Erstaunen

setzte, sehr rein gehalten waren. Die Thiere werden täglich zweimal mit

Wasser übergossen und erhalten zur Nahrung Reis mit Kiang-beng, Kladi-

und Guelang-Blättern vermischt. Die Blätter werden fein geschnitten,

zu einer Art Sulze verkocht und zu je drei Theilen mit einem Theile

gekochten Reises vermischt. Die Thiere waren merkwürdig groß und fett,

manche konnten sich kaum zum Troge schleppen.

Außer den Schweinställen bewunderte ich auch die Küche, die äußerst

rein gehalten war, und die herrliche Kost, die Herren und Dienern

vorgesetzt wurde. Reis bildete natürlich den Hauptbestandtheil; er

muß statt des Brotes dienen; aber außerdem gab es gekochte Hühner

oder Schweinefleisch nebst Gemüsen und anderen kleinen Gerichten.

Dieser Chinesische Chef lebte ungleich besser und reinlicher als

der größte Malaische Rajah. -- Seine Frau (er hatte nur eine) besaß

reiche Kleider, viel Goldgeschmeide und auch hübsche Diamanten. Ihr

Kindchen von 8 Monaten war in Seide gekleidet und trug nebst einigem

Goldgeschmeide ein seidenes goldgesticktes Mützchen auf dem Kopfe.

Der Kapthay frug mich zu wiederholten Malen, ob ich darauf bestünde,

die Reise nach Landak zu Fuß zu machen. Er erzählte mir, daß vor wenig

Tagen Herr +Sanders+ hier angekommen sei und denselben Plan gehabt, ihn

aber aufgegeben habe, als man ihm sagte, daß man große Umwege machen

müsse, um einige unruhige Dayaker-Stämme zu umgehen, und daß die Wege

über alle Maßen schlecht seien. Ich ließ mich nicht abschrecken und bat

ihn nur, mir einen guten Führer zu geben und die Reise einzuteilen, daß

ich so rasch als möglich nach Landak käme.

Die Nacht brachte ich in einem kleinen Kämmerchen in einem reinlichen,

guten Bette zu.

+12. Februar.+ Nach einem trefflichen Frühstücke von gekochten Hühnern,

Reis, Eiern und Früchten begab ich mich auf den Weg, von einem

Chinesischen Führer und einem Dayakischen Träger (+Kully+ genannt)

begleitet. Die beiden Leute gingen so schnell, als wären wir auf einer

Flucht begriffen. An fünf Stunden liefen wir unausgesetzt, dann hielten

wir bei einem Chinesischen Hause, stärkten uns durch ein einfaches

Mahl und setzten den Sturmschritt bis gegen Abend fort. Ich glaube

gewiß, daß wir an 20 Meilen gelaufen sind. Glücklicher Weise ging es

über Chinesischen Grund und Boden, auf größtentheils gebahnten Wegen,

so daß ich zwar ein wenig ermüdet, aber sonst wohlbehalten in +Sompa+

anlangte. Hier übergab mich der Chinese nebst einem Briefe des Kapthay

dem Malaischen Rajah, der nun für meine Weiterreise zu sorgen hatte.

Mit großem Vergnügen verlor ich den Chinesischen Führer, denn seine

Neugierde war im höchsten Grade belästigend. Ehe ich es bemerkte,

hatte er meinen Reisesack geöffnet und alles aufgerissen und

untersucht. Späterhin entdeckte ich, daß er einiges Geld, nebst anderen

Kleinigkeiten gestohlen hatte -- der erste Diebstahl, der mich auf

meinen vielen Reisen traf.

+13. Februar.+ Die heutige Tagreise war zwar kurz (ich schätze sie kaum

auf 14 Meilen); dagegen waren die Wege um so schrecklicher. Ich weiß

wahrhaftig nicht, was unangenehmer ist: über gefallene Baumstämme und

hohe Wurzeln in den Wäldern zu klettern, oder Pfützen und Moräste zu

durchwaten, oder durch das Alang-Alang zu gehen. Dieses Jungle-Gras

ist 5 bis 6 Fuß hoch, sehr dicht und von sehr schmalen, tiefen Pfaden

gleich Rinnen durchschnitten, auf welchen man gleitet und leicht

jeden Augenblick fällt. Unmittelbar nach einem Regen (und so nahe dem

Aequator gibt es wenig Tage ohne Regen), wenn die Sonne wieder in volle

Kraft tritt, ist es zwischen diesem Grase dunstig und zum Ersticken

heiß.

Wir waren heute und gestern häufig von hohen Gebirgen umschlossen; die

Pfade aber wanden sich stets von einem Thale in’s andere, so daß wir

höchstens 2 bis 300 Fuß hohe Hügel zu übersteigen hatten. Manche dieser

Stellen boten die reizendsten Ansichten. Auch hier, wie bei Sekamil,

thürmten sich in pittoresken Formen zwei- und dreifache Gebirgsketten

auf, mit großen Thälern dazwischen und mit undurchdringlichen Wäldern

bedeckt. Je mehr ich von diesem schönen Lande sah, desto mehr entzückte

es mich, und desto mehr wünschte ich ihm, daß Bevölkerung, Kultur und

eine milde Regierung bald Eingang fänden.

Diesen Nachmittag nahm ich wider Willen ein kaltes Bad: ich fiel

von einer fünf Fuß hohen Bornäischen Brücke (einem Bambusstamme) in

einen Sumpf, in den ich bis über die Schulter sank. Meine beiden

Begleiter hatten Mühe, mich heraus zu ziehen. Glücklicher Weise war

in der Nähe ein klarer Bach, in welchem ich mich mit Wasser so lange

übergießen ließ, bis der Schlamm von den Kleidern abgespühlt war. Von

Wasser triefend mußte ich noch ein paar Stunden fortlaufen bis zum

Nachtquartier, wo ich erst Kleider wechseln konnte. Ich befürchtete,

daß mir der Sturz und das Bad schaden würden, da ich ganz erhitzt war,

als mir dieß Unglück begegnete; doch, Gott sei Dank, ich blieb gesund.

Ich übernachtete in Bo-baher, einem Chinesischen Städtchen von ungefähr

400 Einwohnern. Auch hier bewunderte ich bei meinem Wirthe die große

reinliche Küche und die schönen Schweineställe. Die Chinesen ziehen

das Schweinefleisch jedem andern Fleische vor und verwenden daher

alle Sorgfalt auf diese Thiere. Der ärmste Chinese genießt sicher

ein- oder zweimal die Woche Schweinefleisch. Ueberhaupt lebt man bei

den Chinesen ungleich besser als bei den Malaien und Dayakern. Man

bekömmt gewöhnlich ein eigenes Schlafkämmerchen, eine gute reinliche

Nahrung, und wer den Thee liebt, überall eine Tasse dieses Getränkes.

Der Chinese trinkt nie Wasser; in jeder Hütte steht ein großer Topf mit

Thee, aus welchem Jedermann nach Gefallen seinen Durst stillt. Freilich

ist dieser Thee gewöhnlich sehr schlecht, von bitterem Geschmacke und

für den Europäer nur bei den Reichen genießbar.

+14. Februar.+ Höchst anstrengender Marsch von mehr als neun Stunden

durch dichte Waldungen und hohes Jungle-Gras (20 Meilen). Der Weg

führte meistens durch Gegenden, die von Dayakern bewohnt waren; meine

Begleiter hatten Furcht und liefen so eilig, daß ich ihnen kaum folgen

konnte. In steter Aufmerksamkeit auf jeden Laut, wußten sie bei einem

Geräusche in den Wäldern genau zu unterscheiden, ob es von einem

Thiere oder von Menschen herrühre. War letzteres der Fall, so hielten

sie erschrocken an; dasselbe thaten jene, die wahrscheinlich auch

uns gehört hatten -- und lautlose Stille folgte. Meine beiden Leute

begannen dann zu rufen und zu schreien, daß sie eine weiße Frau mit

einem Schutzbriefe des Rajah von Sompa nach +Darid+ zu geleiten hätten.

Manchmal bekamen wir keine Antwort, einige Male standen aber plötzlich,

wie aus der Erde gezaubert, ein Paar Dayaker vor uns. Sie waren bis

in unsere Nähe gekommen, ohne das geringste Geräusch zu machen, und

tauchten aus dem Walde erst auf, als sie sahen, daß von unserer

kleinen Gesellschaft nichts zu befürchten war. Nachdem sie mich begafft

und einige Worte mit meinen Leuten gewechselt hatten, ließen sie uns

ruhig des Weges ziehen. Einen Dayaker fanden wir im hohen Jungle-Grase

verborgen; vielleicht lag er da auf Beute lauernd!

Im Laufe dieses Tages kamen wir auch an einem Pantah vorüber. Es

sind dieß kleine, viereckige Plätze von großen, hölzernen Figuren

umstellt, welche die Arme ausstrecken, als wenn sie einen Reigen

tanzten. Die Pantah’s werden von den Dayakern errichtet, die nach

den Kriegszügen mit den eroberten Köpfen hierher kommen und hier die

ersten Feierlichkeiten abhalten. Die Dayaker, aber auch die Malaien,

halten diese Plätze sehr in Ehren; sie glauben, daß derjenige, der das

Geringste an einer der Figuren beschädige, vom bösen Geiste befallen

werde und sterben müsse. Man könnte hieraus den Schluß ziehen, daß die

Dayaker wirklich an böse Geister glauben.

Kurz vor dem Oertchen Darid kamen wir an den Fluß +Menjuki+, der, wie

die meisten Flüsse Borneo’s, einen so ruhigen ungestörten Lauf hat,

daß man sein Dasein nicht eher ahnt, als bis man ihn sieht. Da dieser

Fluß vermöge seiner Verbindung mit dem +Suar+ in welchen er mündet, bis

Landak führt, sollte zu Darid die Fußreise ein Ende haben. Ich fand

aber die Leute alle mit der Reisernte beschäftiget und den Rajah nicht

geneigt, ein Boot für mich zu bemannen. In drei Tagen meinte er, sei

die stärkste Arbeit vorüber, dann wolle er mich weiter befördern. Dieß

lag natürlich nicht in meinem Plane, da ich auf diese Art Herrn Sanders

verfehlt hätte. Ich forderte daher einen Führer und Kully, oder auch

nur einen Kully, der den Weg wisse, um die Reise zu Fuß fortzusetzen.

Lange wollten die Leute auf meine Bitten nicht hören; ich quälte sie

aber so unausgesetzt, daß sie am Ende nachgaben. Ich feierte auf dieser

Reise wahre Triumphe -- allein, kaum einiger Worte der Dayakischen

Sprache mächtig, setzte ich meinen Willen überall durch.

+15. Februar.+ Abermals den ganzen Tag gelaufen (20 Meilen) und zwar

auf vielen Umwegen. Nicht nur die Malaien, sondern auch die Dayaker

hatten nämlich viele Wege verhauen und ungangbar gemacht, um sich

gegen die Ueberfälle ihrer Nachbaren zu schützen, mit welchen sie in

Unfrieden lebten.

Wir kamen an mehreren Dayakerplätzen vorüber, hielten aber nur einige

Minuten an, um uns durch einen Trunk Kokoswasser zu erfrischen.

Wenige Meilen von +Jata+, dem heutigen Ziele der Reise, galt es eine

wahrhaft schauerliche, lebensgefährliche Brücke zu übersteigen. Einige

aneinander gebundene Bambusse schwebten in einer Höhe von 30 Fuß

über dem mehr als 100 Fuß breiten +Suar+. Die Eingebornen benützen

zu derlei Uebergängen gewöhnlich Stellen, an welchen sich kräftige

Baumäste weit über das Wasser neigen, oder wo einzelne Stämme im Wasser

selbst stehen, die sie als Pfeiler verwenden können, um die Bambusse

darauf zu stützen. Eine so hohe und lange Brücke ist zwar mit einem

Geländer versehen; aber wehe dem, der es als Stütze gebrauchen wollte:

er würde unfehlbar damit in die Tiefe stürzen. Es besteht aus ganz

dünnen Bambusstäbchen, die von zehn zu zehn Fuß angebracht und durch

ebenso dünne Querstäbchen verbunden sind, und dient nur dazu, das

Gleichgewicht zu erhalten. Bebend ging ich über diese Brücke, das Rohr

tanzte unter meinen Füßen, das Geländer zitterte unter meinen Händen,

und der schwindelnde Blick fiel auf den Strom, der tief unter mir

in geschäftiger Eile dahin rollte. Doch glücklich erreichte ich das

jenseitige Ufer.

Gestern und heute hatte ich wirklich viel zu leiden, ein Drittheil des

Weges ging durch Alang-Alang, die andern zwei Theile durch Waldungen,

über hohe Hügel auf- und abwärts und durch viele Sumpfstellen. Ich war

gezwungen, gleich den Eingebornen, mit bloßen Füßen zu laufen; Schuhe

würden in den Sümpfen stecken geblieben sein, und hohe Stiefel wären

zu schwer gewesen. Eine weitere Unbequemlichkeit war, daß ich jeden

Tag, wenigstens einmal, von dem tropischen Regen durchnäßt wurde und

meine Kleider von der glühenden Sonne am Körper trocknen lassen mußte.

Den einzigen Ersatz boten mir die immer gleich schönen Ansichten der

gebirgigen Gegend.

+16. Februar.+ In +Jata+ fand ich dieselben Schwierigkeiten wie in

Darid, keine Leute zur Führung eines Prauh’s, alles mit der Reisernte

beschäftigt. Ich konnte mich den Leuten nicht hinlänglich verständlich

machen, da sie blos Dayakisch sprachen und mußte daher mein Bischen

Zeichnenkunst zu Hilfe nehmen! Ich zeichnete ein Prauh mit acht

Ruderern, daneben ein kleines Kanoe mit blos einem Mann und mir

selbst am Steuer, deutete auf ersteres und gab ihnen durch Zeichen zu

verstehen, daß ich ein solches Fahrzeug nicht benöthige, sondern nur

das kleine Kanoe mit einem Manne. Sie begriffen mich sogleich, lachten

über diese Art mich verständlich zu machen, nickten mir Beifall zu und

versprachen meinen Wunsch zu erfüllen.

Ich hatte späterhin häufig Gelegenheit zu bemerken, wie wunderbar

richtig und schnell die Wilden die Zeichen verstehen. Ich selbst wurde

so an die Zeichensprache gewöhnt, daß ich, als ich wieder unter die

Weißen kam, sehr Acht geben mußte, meine Worte nicht mit den Händen und

Augen näher zu erörtern.

In keinem Lande fand ich bisher die Leute so gleichgiltig und träge

wie auf Borneo, weniger die Dayaker als die Malaien. Ich konnte sie nur

mit dem Asiatisch-Russischen Postvolke vergleichen. Dort mußte ich auf

jeder Station mehrere Stunden warten bis der Karren geschmiert, die

Pferde gefüttert und alles geordnet war. Hier ist es das Makan (Essen)

welches die Leute so lange aufhält. Dieses Wort spielt die größte

Rolle. Fragt man nach was immer für einer Person und sie will nicht

erscheinen, so heißt es „Makan,“ und damit ist man abgefertiget. Man

sollte Wunder glauben, was die Leute alles essen, und dabei haben sie

nichts als Reis, nebst ein Paar getrockneten Fischen oder sonst einer

Kleinigkeit. Der geduldigste Mensch muß unter diesem Volke seine Geduld

verlieren oder aufhören den Werth der Zeit zu schätzen.

Erst um 10 Uhr kam ich heute mit vieler Mühe fort, und um 4 Uhr schon

machten wir wieder zu +Suwal+ Halt. Der +Suar+ hat nämlich drei kleine

Fälle, von welchen hier der erste und höchste ist. Die Prauh’s werden

ausgeladen, seitwärts des Falles über Felsen gezogen und jenseits

wieder beladen. Gewöhnlich richten es die Leute so ein, daß sie die

Nacht an diesem Falle zubringen, die Prauh’s Abends entladen, Morgens

über die Felsen ziehen und wieder beladen. Wir hätten gut weiter

gekonnt: unser Boot war sehr leicht, mein Gepäck betrug kaum 10 Pfund;

weil es aber gebräuchlich war, die Nacht hier zuzubringen, mußten wir

es auch thun. Wir schliefen auf einem Felsblocke unter Gottes freiem

Himmel.

+17. Februar.+ Morgens half ich das Boot über die Fälle ziehen, und

gegen Mittag trafen wir in Landak ein, und zwar zur höchsten Zeit, denn

Herr Sanders wollte am folgenden Morgen die Rückreise nach Pontianak

antreten.

Herr Sanders war nicht wenig erstaunt, als er mich ohne alle Begleitung

ankommen sah. Noch höher stieg seine Verwunderung, als er hörte,

welche Kreuz- und Quer-Züge ich zu Fuß gemacht hatte, um die Plätze

zu umgehen, die der unruhigen Dayaker-Stämme wegen, vermieden werden

mußten. Er war so gefällig, seine Abreise meinetwegen um einen Tag zu

verschieben; wie es sich später zeigte, hatte er keine Ursache diesen

Aufschub zu bereuen.

Landak, gleich allen Malaischen Städten aus unregelmäßigen Gruppen von

Bambushütten bestehend, liegt an dem Flusse Landak, zählt ungefähr 1000

Einwohner, und ist der Sitz eines Panam-Baham’s[26].

Abends waren wir bei dem Panam-Baham eingeladen. Er empfing uns im

Divan, umgeben von vier Ministern, vielen Dienern und Volk. Der

Prinz, die Minister, Herr Sanders und ich nahmen auf Stühlen an einem

Tische Platz; die Minister zogen aber bald einer nach dem andern die

Füße hinauf und schlugen die Beine übereinander. Der Tisch ward auf

Europäische Art gedeckt, mit Tafeltuch, Eßbestecken und Gläsern, und

mit sehr schmackhaften Gerichten besetzt, darunter gebratene, gedämpfte

und eingemachte Hühner, Enten, Lammfleisch, Fische, Reis u. s. w.

Statt des Weines wurde lauwarmer Scherbet gereicht, der aber nicht so

gut schmeckte wie jener, den ich in Persien und im Oriente trank. In

Ermanglung feiner Früchte wird der Scherbet hier aus Kräutern gemacht,

mit Zucker versüßt und hatte den Geschmack einer Arznei. Wir speisten

alle mit Messer und Gabel; doch handhabten einige aus der Gesellschaft

diese Instrumente so ungeschickt, daß ich mich kaum eines Lächelns

enthalten konnte.

Die Kleidung des Fürsten und der Minister war einfach. Einer der

Minister trug eine feine Tuchjacke mit Gold-gestickten Aufschlägen;

sie mußte aber schon viele Dienste geleistet haben, denn sie ließ

die Ellbogen durchschimmern. Der Reichthum dieser Leute besteht in

Diamanten, die sie aber höchst sorgfältig verbergen, und ganz besonders

vor uns habgierigen Europäern (so viel ich glaube mit gutem Rechte).

Sie trugen nur einige Ringe mit schönen Steinen. Wir schmeichelten

uns, wir würden die Schätze des Prinzen sehen; allein daraus ward

nichts. Man behauptet, daß er der Besitzer des größten, bisher in der

Welt gefundenen Diamanten sei; dieser soll den Kohinore, den großen

Diamanten der Königin von England bei weitem übertreffen. Der Diamant

wird aber Niemandem gezeigt, ja man soll nicht einmal wissen, wo er

verborgen ist, so sehr fürchtet der Fürst, desselben beraubt, oder wohl

gar seinetwegen ermordet zu werden. Ein beneidenswerther Schatz!!

Die Unterhaltung bei Tische spann sich um meine Reisen, vorzüglich um

die letzte auf Borneo. Am meisten wunderte es den Fürsten, daß ich so

glücklich durch die unabhängigen Dayaker gekommen sei; er meinte, ich

müsse eines besondern göttlichen Schutzes genießen, und eine mehr als

gewöhnliche Person sein[27]. Auch über meine Fußreisen erstaunte er

sehr, und gestand mir aufrichtig, daß er, obwohl so jung (21 Jahre),

kaum zwei Stunden würde gehen können. Ich frug ihn, ob er denn gar

nicht begierig sei, etwas außer Landak zu sehen. Er erwiederte mir ganz

naiv, daß ihm die Ruhe lieber sei als alle Merkwürdigkeiten der Welt.

Meine zweite Weltreise(#75638) · 第 6 / 7 题