Holländischen Beamten und Offizieren

daselbst

aus tiefster Erkenntlichkeit

gewidmet von der

Verfasserin.

Widmung und Vorrede.

Ich weiß, daß es das gewöhnliche Schicksal der Widmungen und Vorreden

ist, von Niemandem gelesen zu werden. Ich kann aber unmöglich das

Tagebuch meiner Wanderungen veröffentlichen, ohne der eigentlichen

Urheber derselben zu gedenken, und als solche muß ich die in den

Holländisch-Indischen Colonieen ansässigen Holländer, vorzugsweise die

daselbst angestellten öffentlichen Beamten und Offiziere betrachten.

Ich hatte nämlich, als ich meine Heimath verließ, nichts weniger

im Sinne als eine zweite Reise um die Welt zu machen. Der Betrag

aus meinem kleinen Vermögen, über den ich gebieten konnte, war sehr

unbedeutend; die Oesterreichische Regierung vermehrte ihn zwar mit

einem Zuschuß von 150 Pfund St.; doch würde die ganze Summe dessen

ungeachtet zu einer so großen Reise nicht ausgereicht haben.

Ich ging nach London mit dem Vorhaben, mich nach Australien

einzuschiffen. Diesem Vorhaben mußte ich entsagen, denn meine Reise

wäre gerade in die Zeit gefallen, als man in Australien die reichen

Goldlager entdeckte, als die Auswanderer von allen Seiten dahin

strömten und in Folge dessen Leben und Aufenthalt über alle Maßen

theuer wurden.

Nach einigen Zweifeln, wohin ich nun mich wenden sollte, reiste ich

glücklicher Weise nach Holländisch-Indien. Wider mein Erwarten wurde

ich von den Holländischen Beamten und Offizieren jedes Ranges und jeder

Stellung so zuvorkommend aufgenommen, so thatkräftig unterstützt, daß

ich Reisen ausführen konnte, wie es mir bisher noch in keinem Lande

der Welt möglich gewesen war, und daß ich, wie gesagt, jene Männer als

die Schöpfer dieser meiner zweiten Reise um die Welt betrachten muß.

Aber nicht nur die Beamten und Offiziere der Holländischen Regierung

unterstützten mich, auch viele Privatpersonen und meine Deutschen

Landsleute trugen das ihrige redlich bei. Letztere machten mir eine

Karte zur Reise auf dem Dampfer nach Batavia und zurück zum Geschenke,

und die Direktoren der beiden Dampfschiffahrts-Gesellschaften, die

Herren Cores de Vries und Fraser gaben mir später auf ihren Schiffen

überall hin freie Passage.

Nachdem ich keine andere Gelegenheit habe, allen diesen Herren meine

Dankbarkeit auszudrücken, so ersuche ich sie, die Widmung des

vorliegenden Werkes anzunehmen, nebst der Versicherung, daß ich ihre

Güte und Gefälligkeit in ihrer ganzen Größe gewiß zu schätzen weiß, und

derselben stets mit der wahrsten Erkenntlichkeit gedenken werde.

Endlich darf ich der Nord-Amerikaner nicht vergessen, da ich ihnen

ebenfalls einen großen Theil meiner Reise verdanke. Sie gestatteten mir

viele freie Fahrten auf Segelschiffen sowohl, wie auf ihren großen,

prachtvollen Dampfern, und in keinem Lande der Welt, Holländisch-Indien

ausgenommen, nahm man mich mit mehr Auszeichnung auf, als in den

Vereinigten Staaten. Aus vollen Herzen sage ich daher den Amerikanern

meinen innigsten Dank.

=Die Verfasserin.=

Inhalt des ersten Bandes.

Erstes Kapitel.

Ankunft in London. -- Comfort. -- Die Sonntagsfeier.

-- Lebensweise und Eigenthümlichkeiten der Engländer.

-- Besuch der Kirche. -- Merkwürdigkeiten der

Stadt. -- Umgebungen. -- Die große Industrie-Ausstellung 1

Zweites Kapitel.

Die Kapstadt. -- Gefährliches Zusammentreffen mit zwei

Negerinnen. -- Malaischer Gottesdienst. -- Singapore.

-- Fünf Tage im Jungle. -- Sarawak. -- Rajah

Brooke. -- Malaien und Chinesen. -- Ihre Wohnungen

und kostbare Vasen. -- Ausflug zu den Dayakern

und den Antimonium-Minen 39

Drittes Kapitel.

Abreise von Sarawak. -- Gezwungene Rückkehr. -- Ankunft

in Sacarau. -- Die unabhängigen Dayaker. --

Der Schwert-Tanz. -- Die eroberten Menschenköpfe. --

Fahrt auf dem Luppar. -- Angstvolle Nacht. -- Begegnung

eines kriegführenden Stammes. -- Uebergang

des Gebirges Sekamil. -- Feierlicher Empfang bei dem

Sultan von Sintang 82

Viertes Kapitel.

Pontianak. -- Ausflug nach Landak. -- Ein Chinesischer

Kapthay. -- Ein Bad im Sumpfe. -- Die Bambus-Brücke.

-- Zeichensprache. -- Ankunft in Landak. --

Souper bei dem Banam. -- Rato. -- Die Diamanten-Gruben.

-- Rückkehr nach Pontianak 128

Fünftes Kapitel.

Pontianak. -- Das Pfandrecht. -- Der Opiumpacht. --

Die Opiumraucher. -- Amok. -- Reise nach Sambas. --

Der Pangerong-Rato. -- Zuvorkommenheit der Holländischen

Offiziere. -- Rückkehr nach Pontianak. -- Die

Boa. -- Einiges über die Völker Borneo’s 153

Sechstes Kapitel.

Batavia. -- Sehenswürdigkeiten. -- Chinesisches Schauspiel.

-- Buitenzorg. -- Vorstellung bei dem General-Gouverneur

Typanas. -- Besteigung des Pangerangs. --

Bandong. -- Die Theepflanzung. -- Die Kaffeemühle. --

Der Schwefelkrater. -- Rückkehr nach Batavia. -- Ausflug

nach Tangerang. -- Volksbelustigungen 178

Erstes Kapitel.

Ankunft in London. -- Comfort. -- Die Sonntagsfeier. -- Lebensweise

und Eigenthümlichkeiten der Engländer. -- Besuch der Kirche.

-- Merkwürdigkeiten der Stadt. -- Umgebungen. -- Die große

Industrie-Ausstellung.

Die Reise von Wien nach London ist heutigen Tages eine Spazierfahrt,

die man bequem in vier Tagen machen kann; ich benöthigte jedoch dazu

beinahe einen Monat, da ich bei meinen Freunden und Verwandten in Prag

und Hamburg einige Zeit zu Besuch blieb. Am 18. März 1851 verließ ich

Wien, und erst am 10. April gelangte ich nach London.

Es war früh Morgens, als sich unser Dampfer dem Hafen der Weltstadt

näherte. Der von ferne undurchdringlich scheinende Mastenwald tauchte

vor unsern Blicken auf, und die unzähligen Schiffe, vom großen

Ostindienfahrer bis zur kleinen Jacht, theils vor Anker liegend, theils

die Segel entfaltend oder von brausenden Dampfern in’s Schlepptau

genommen, gewährten ein reiches, wahrhaft großartiges Bild. Weniger zog

mich das Gewühl im Hafen selbst an. Ich dachte hier ein Gemenge aller

Nationen der Welt zu finden, und sah nichts als Europäische Matrosen

und Englische Arbeitsleute. In dieser Hinsicht ist jeder Ostindische

Hafen, und besonders jener von Bombay ungleich interessanter, weil

man dort Menschen von allen Ländern und Farben, und Trachten von den

verschiedenartigsten und seltsamsten Formen sieht.

Wir landeten an dem Zollamte, welches ich mit ziemlicher Angst betrat,

da man mir gesagt hatte, daß sehr strenge untersucht würde, daß jede

Kleinigkeit, sobald sie neu sei, versteuert werden müsse, und daß

selbst die Taschen vor den Händen der gierigen Zollbeamten nicht

geschlossen seien; doch dem war nicht so: sämmtliche Effekten wurden

ziemlich oberflächlich besehen. Man verlangte auch die Pässe, stellte

sie aber, nachdem man die Namen in ein Buch eingetragen, sogleich

wieder zurück. Ich erhielt weder eine Aufenthalts-Karte, noch frug man

in der Folge nach meinem Passe, -- ja, ich schiffte mich nach +Afrika+

ein, ohne daß ich mit der Polizei oder einer andern Behörde das

Geringste mehr zu thun hatte.

Der Eindruck, den das Leben auf den Straßen auf mich machte, war kein

angenehmer. Dieses Pressen und Drängen der Menschen, das Gewirre

der zahllosen Wagen, die das Ueberschreiten einer Straße wahrhaft

lebensgefährlich machen, ließen mich die Minute segnen, in der ich mein

Zimmer erreichte.

Das größte Gewühl herrschte in den Straßen der City; hier sind

die Komptoirs der Kaufleute, die Börse, die Bank, Mansion-house

(Residenz des Lord-Mayor) u. s. w. Die Kaufleute selbst wohnen nicht

in der City; sie kommen selten vor 11 Uhr auf ihre Komptoirs und

verweilen nur bis vier oder fünf Uhr. Die vielen Verbindungsmittel,

Eisenbahnen, Dampfschiffe, Omnibusse machen es ihnen leicht möglich,

in entfernten Orten der Stadt, ja oft acht bis zehn Englische Meilen

weit auf dem Lande zu leben. Die Züge auf den Eisenbahnen verkehren

jede Viertelstunde, die Dampfer fahren von der ersten Brücke London’s

bis zur letzten alle fünf Minuten, und die Omnibusse sind in steter

Bewegung; letztere erscheinen jedoch für den Fremden anfänglich beinahe

unbrauchbar, und er muß erst ein kleines Studium machen, um zu wissen,

in welchen er einzusteigen hat. Die Hauptstationen sind zwar auf der

Aussenseite des Wagens angeschrieben; aber der eine Omnibus nimmt den

Weg durch diesen, der andere durch jenen Theil der Stadt; sich an die

Kondukteurs zu wenden ist eben nicht sehr anzurathen, denn auf die

Frage, ob man hier oder dort vorüberfahre, antworten sie nicht selten

mit vollkommener Ruhe „~Yes~“ -- und setzen dann den armen Fremden an

irgend einem Orte ab, wo er von seinem Ziele vielleicht weiter entfernt

ist als vorher.

Ueberhaupt gehört eine Fahrt in einem Omnibus gerade nicht zu den

Annehmlichkeiten des Londoner Lebens. Die Wagen sind weder sehr breit

noch sehr lang und enthalten 25 Plätze (13 im Innern, 12 außen[1]). Es

kann daher von einem nur einigermaßen bequemen Sitze natürlich keine

Rede sein. Hiezu kommt das ewige Anhalten, Ein- und Aussteigen, alles

in der größten Eile, und nun gar wenn Regenwetter ist -- die triefenden

Schirme, die nassen Kleider, die beschmutzten Schuhe -- wahrlich ein

Comfort ohne Gleichen!

Comfort, Comfort, Comfort -- führt doch jeder Engländer dieß Wort

unaufhörlich im Munde, und gerade in England habe ich weniger Comfort

genossen als irgendwo. So litt ich z. B. von der Zimmerkälte nirgends

so viel wie hier. Die Kaminfeuer erwärmen wohl den, der ganz nahe am

Kamine sitzt, und der nichts anderes zu thun hat als sich zu wärmen,

aber nicht den, der entfernter ist und sich mit Schreiben oder Nähwerk

beschäftigen will, -- Feder, Nadel entfallen alsbald der steif

gewordenen Hand. Das nenne ich Comfort in einem Lande, in welchem man

sechs bis sieben Monate des Jahres mit Kälte zu kämpfen hat! -- Die

Engländer lieben den Anblick des Feuers so über alle Maßen, daß sie

die daraus entspringenden Unannehmlichkeiten übersehen oder gerne

ertragen. Eben so absonderlich sind sie hinsichtlich der Wohnung. Jede

Familie, wenn noch so beschränkt, will ihr eigenes Haus haben, ein Haus

natürlich oft nur mit zwei Fenstern in der Fronte und einem Stockwerke;

haben ja selbst die Häuser der ziemlich Bemittelten selten mehr als

drei Fenster und zwei bis drei Stockwerke. Ist das vielleicht Comfort,

jeden Augenblick von einem Stock zum andern zu steigen? -- Es versteht

sich von selbst, daß ich hier nicht von den Häusern der Reichen und

überhaupt nicht von den Reichen spreche -- diese können sich natürlich

in England alle Bequemlichkeiten verschaffen, sie können es aber auch

in allen andern Ländern, und in den meisten mit ungleich geringeren

Kosten. Meine Bemerkungen betreffen nur die Mittelklasse.

Eine weitere Unbequemlichkeit liegt in der ungemeinen Größe der Stadt.

Jeder Besuch, jedes Geschäft, jede Unterhaltung kostet viel Zeit und

viel Geld, weil man häufig fahren muß. Sind es Geschäfte, so kann man

wohl Omnibus und Eisenbahn benützen; sind es aber Unterhaltungen,

Einladungen zu Tische, zum Thee, bei welchen man im Putz erscheinen

muß, so ist man gezwungen einen +Cab+ (einspännigen Wagen) zu miethen,

welcher pr. englische Meile einen Schilling kostet[2], -- keine kleine

Ausgabe, wenn man, wie es leicht der Fall sein kann, hin und zurück

einen Weg von zehn oder noch mehr Meilen zu machen hat. Ein Besuch der

Italienischen Oper ist schon gar nur reichen Leuten möglich, da die

Loge allein drei bis vier Pfund St. kostet und man darin nicht anders

als in großem Putze erscheinen darf.

Die Kosten und Schwierigkeiten des Zusammenkommens mögen die

Hauptursache sein, daß in den Englischen Häusern das angenehme

gesellige Leben nicht herrscht, an das wir Süddeutsche so sehr gewöhnt

sind. Hier gibt es Gesellschaften und sogenannte Aufwartungen, aber

selten freundliche, gemüthliche Besuche.

Das Leben der Frauen aus dem Mittelstande ist höchst einförmig; den

Tag über sind sie an ihr Haus gewiesen, Abends an die Gesellschaft des

Gemahls, der vom Geschäftsleben ermüdet heim kommt, sich nach Ruhe und

Bequemlichkeit sehnt und selten gelaunt ist, seine Frau durch Gespräche

zu unterhalten, oder durch Besuche sich stören zu lassen; gewöhnlich

setzt er sich in den Lehnstuhl nahe am Kamine, nimmt Zeitungsblätter

zur Hand und schlummert mitunter dabei ein.

Die Sonntage, bei andern Völkern ebenfalls Tage der Weihe und des

Gebetes, aber auch der Heiterkeit und Fröhlichkeit, sind in England

so langweilig, daß der aufgeweckteste Südländer davon den Spleen

bekommen könnte. In echten altenglischen Familien geht das so weit,

daß die Kinder an diesem Tage nicht einmal Ball schlagen oder irgend

ein unschuldiges Spiel treiben dürfen; ja man läßt sogar die meisten

Gerichte Tags zuvor bereiten, damit die Köchin hinlänglich Zeit findet,

die Kirchen zu besuchen. Vor- und Nachmittags werden mehrere Stunden in

der Kirche zugebracht, und den ganzen Tag über darf kein anderes Werk

als ein Andachtsbuch zur Hand genommen werden! So lobenswerth ich es

finde, daß man in Familien die ganze Dienerschaft Morgens und Abends

um sich versammelt, um mit ihr vereint ein kurzes Gebet zu halten, so

unpassend finde ich es, einen ganzen Tag mit Gebeten hinzubringen. Ich

zähle mich nicht im entferntesten zu den Freigeistern; aber den ganzen

Tag vermag ich nicht zu beten. Gebete sollen mit dem Geiste gehalten

werden, mit Bewußtsein dessen, was man betet, mit Aufmerksamkeit und

Andacht; durch Uebertreibung arten sie zu Lippengebeten aus, und diese

sind meiner Meinung nach zwecklos und ohne Verdienst.

In keinem Lande der Welt, vielleicht China und Persien ausgenommen,

verstößt man so leicht gegen die sogenannte „feine Lebensart“ als

hier. Wer z. B. die Gabel in die rechte statt in die linke Hand

nimmt, wer das vorgelegte Gericht in kleine Stückchen theilt, anstatt

jedes Stückchen einzeln herabzuschneiden, wer einer Dame vom Geflügel

einen anderen Theil als ein Bruststück vorlegt, wer Jemanden in sein

Schlafzimmer führt (dieß wird gar als ein halbes Verbrechen betrachtet)

und dergleichen mehr, der macht sich lächerlich und wird zu der Klasse

jener gezählt, die auf feine Erziehung keinen Anspruch machen können.

-- Bei den unbedeutendsten Sachen findet man hier Verstöße gegen

die Sittlichkeit, und andere weit größere, die wir Nicht-Engländer

als unsittlich bezeichnen würden, finden die Engländer ganz in der

Ordnung. So die Sitte, daß zwei Schwestern oder zwei Dienstmädchen mit

+einem+ Lager vorlieb nehmen. Ja dieser Gebrauch geht so weit, daß bei

Besuchen, die über Nacht bleiben, sehr häufig zwei Freundinnen oder

überhaupt zwei weibliche Wesen eine und dieselbe Bettstelle theilen[3].

Kann es etwas Unsittlicheres, Ungesünderes geben?! Ich weiß, wenn diese

Bemerkung einer Englischen Dame zu Gesicht kommen sollte, daß sie Zeter

und Wehe über mich schreien wird, -- doch deßhalb ist sie nicht minder

wahr, und ich sehe mich für meine Aufrichtigkeit reich belohnt, wenn

durch diesen Anlaß auch nur eine Familie dahin gebracht würde, jener

abscheulichen Sitte zu entsagen.

Nicht minder anstößig kommt mir der Gebrauch vor, daß ein neuvermähltes

Ehepaar einen Wagen besteigt, dessen Bespannung, Kutscher und Diener

mit Blumensträußen geziert sind; so beginnen sie ihre Hochzeitsreise,

so kehren sie im Gasthof ein ... sonderbares Sittlichkeitsgefühl!

Stolz und Hochmuth der Aristokratie und der Reichen haben in England

unbestreitbar den Kulminationspunkt erreicht. Um in die Gesellschaft

(Rout) eines Englischen Aristokraten zu gelangen, muß man von hoher

Geburt sein, oder ausgezeichnete Verdienste aufweisen, oder durch

irgend ein besonderes Mittel sich eindrängen. Eitelkeit ist natürlich

hier wie überall der Sporn, der die Leute antreibt, nöthigenfalls alle

Minen der Intrigue spielen zu lassen, um sich in hoher Gesellschaft

einige Stunden zu langweilen; denn steif, kalt und trocken sind diese

Routs über alle Beschreibung. Der Hausherr setzt seinen Stolz darein,

die Säle so gefüllt zu sehen, daß Niemand sich bewegen kann; er zwängt

sich mühsam durch die Räume, richtet an diesen und jenen einige

nichtssagende Worte und -- der Spaß hat ein Ende. Am folgenden Morgen

aber füllt die Beschreibung des herrlichen Festes eine Viertelspalte

in der Zeitung, und die Namen der Auserwählten glänzen in dem

beigedruckten Register.

Man sollte meinen, daß in einem so alt-konstitutionellen Lande wie

England, Hof und Adel weniger hoch angesehen wären, als in einem

rein-monarchischen; dem ist nicht so. Es wird hier von dem Hofe mit

weit mehr, ich möchte sagen kleinlicher Ehrfurcht gesprochen, als es

selbst in Deutschen Staaten der Fall ist. Ich mußte oft lächeln über

das Gewicht, das man auf die Frage legte: „Haben Sie die +Königin+

gesehen? und +Prinz Albert+? und den +Prinzen von Wales+?“ -- Viele

der Straßen und Plätze Londons führen die Namen von Regenten, Prinzen,

Fürsten und andern hochgestellten Personen.

Ich kann bei dieser Gelegenheit nicht umhin, der Hamburger zu erwähnen,

die sich gerne Republikaner nennen, eigentlich aber, wenigstens

was Ehrfurcht und Verehrung des Adels und der Titel anbelangt, die

entschiedensten Legitimisten Europa’s sind. Ich will hier nur ein

kleines Beispiel anführen. Während meines Aufenthaltes in Hamburg, im

Winter vom Jahre 1848 auf 1849, kam ein zweit- oder drittgeborner Prinz

+von Leiningen+ in Begleitung seines Hofmeisters dahin auf Besuch;

da hätte man sehen sollen, was diese Republikaner thaten, um den

prinzlichen Jüngling in ihre Gesellschaften zu ziehen. Bälle, Diners,

Soireen wurden ihm zu Ehren gegeben, ja sogar eine Schlittenfahrt, die

aber leider das rücksichtslose Thauwetter zu Wasser machte. In allen

Zirkeln sprach man nur von ihm, jedes Wort, das seinen Lippen entfiel,

fand man geistreich, witzig und verständig, und jede Mutter, mit deren

Töchterchen er tanzte, fühlte sich hochgeehrt und beglückt.

Da die armen Hamburger so unglücklich sind, keinen Adel zu besitzen,

so suchen sie sich mit Titeln zu entschädigen, welche natürlich, wie

in Oesterreich und Preußen, auch den Frauen beigelegt werden; die Frau

eines Senators ist eine Senatorin, eines Konsuls eine Konsulin, eines

Doktors eine Doktorin. Hat aber Jemand das Glück, adelige Verwandte im

Auslande zu haben, so wird er von diesen nie sprechen, ohne den Titel

beizusetzen. Da heißt es: Haben Sie Tante von A. gesehen? Schwager

Baron B. gesprochen? u. s. w. Wie lästig und beschwerlich dieses

Titelwesen den geselligen Umgang macht, vermag nur ein Fremder zu

ermessen. Ich wagte kaum in einer Gesellschaft zu Wien, Berlin oder

Hamburg meine Nachbarin anzusprechen, denn ich hatte vergessen, ob sie

mir als Feldmarschall-Lieutenantin, Vize-Präsidentin, Senatorin oder

Baronin vorgestellt worden war. Ich saß stumm und dachte daß am Ende

die vielverlachten Chinesen vernünftiger seien, die auf der Brust ein

Täfelchen hängen haben, worauf ihre Namen und Titel verzeichnet sind.

-- Bei solchen Gelegenheiten fiel mir stets folgende Anekdote unseres

unvergeßlichen +Kaisers Josef+ ein: „Die Witwe eines Beamten kam einst

mit der Bitte zu +Kaiser Josef+, ihre Pension zu erhöhen, da ihre

heranwachsenden Kinder einer Erziehung bedürften. Der Kaiser frug: „Wie

heißen Sie?“ Sie antwortete: „Ich bin die Hofräthin N. N.“ -- „Wenn Sie

die Hofräthin N. N. sind,“ sagte der Kaiser, „habe ich mit Ihrer Bitte

nichts zu thun, Sie müssen sich an Ihren Monarchen wenden.“ Die Frau,

über diese Antwort verblüfft, konnte stammelnd kaum hervorbringen, daß

sie ja vor ihrem Monarchen stehe. „Da irren Sie sehr,“ erhielt sie zur

Antwort, „ich habe wohl Hofräthe, aber keine Hofräthinnen.“ Und -- er

schlug ihr die Bitte ab.“

Man verzeihe mir diese kurze Reise nach Hamburg, Wien und Berlin, --

ich kehre wieder nach London zurück, zu den Engländern, bei welchen

diese Unsitte nicht stattfindet. Man macht nicht den geringsten

Verstoß, wenn man die Gattin eines Ministers gleich der Frau eines

einfachen Handwerkers mit „Madame“ oder „Mistreß“ so und so anredet.

Einen sehr unangenehmen Eindruck machte mir in London der Besuch der

Kirchen; es kam mir jedesmal vor, als träte ich in ein Theater. Der

ganze Raum, wenige Bänke an den Seitenwänden ausgenommen, ist in Logen

und Sperrsitze getheilt, die Logen sind mit Teppichen, gepolsterten

Bänken und Fußschemeln versehen, und geschmackvoll gebundene Bibeln

und Andachtsbücher liegen vor den durchgehends im Putze erscheinenden

Personen.

Auf meine Frage, woher es käme, daß man in den Kirchen gar keine

dürftig gekleideten Leute sähe, gab man mir die vernünftige Antwort:

„Wer sich nicht anständig kleiden kann, geht nicht in die Kirche[4].“

Also nur die Reichen, die Wohlhabenden sind Gott gefällig? -- Leider

äffen die Katholiken in vielen Ländern diese entwürdigende Sitte nach,

-- Gott und die Vernunft möge sie und die Protestanten von diesem

Hochmuthe heilen.

Eben so unpassend ist es, für den Besuch der St. Pauls-Kirche und

der Westminster-Abtei in den Stunden, in welchen kein Gottesdienst

stattfindet, Eintrittsgeld zu verlangen. Gerade als ich die letztere

besuchte, wollten auch drei Matrosen mit eintreten; sie wurden

zurückgewiesen, weil sie nicht bezahlen wollten oder konnten. Man sagte

mir, daß dieser Mißbrauch abgeschafft werde. Ich erwiderte darauf, daß

ich nicht begreife, wie man ihn je habe einführen können.

Ein anderer Mißbrauch ist auch der, daß der Viehmarkt in der Mitte

von West-End liegt und daher alle Arten Vieh, Ochsen, Kühe, Schafe

u. dgl. m. durch die belebtesten Straßen der Stadt getrieben werden,

was natürlich häufig Unordnungen und nicht selten Unglücksfälle

veranlaßt[5].

* * * * *

Eine ausführliche Beschreibung der Merkwürdigkeiten Londons zu

machen, liegt nicht in meiner Absicht. Es gibt der ausführlichen und

vortrefflichen Werke dieser Art so viele, daß meiner schwachen Feder

nichts anderes übrig bliebe, als oft und gut Gesagtes unvollkommen

wiederzugeben. Ich beschränke mich darauf, mit kurzen Worten des

Gesehenen zu erwähnen.

Um von dem Umfange der Stadt eine gute Ansicht zu haben, besteige

man die Spitze der St. Paulskirche oder jene der Waterloo- oder

Brand-Säule. Ich bestieg die letztere, muß aber aufrichtig gestehen,

daß der Anblick dieser ungeheuren Häusermasse keinen angenehmen

Eindruck auf mich machte. Die einzelnen Schönheiten gehen zu sehr

verloren, die kleineren Squares (Plätze) verschwinden ganz und

gar, und nur die schönen zierlichen Brücken über die Themse ziehen

die Aufmerksamkeit einigermaßen auf sich. Die Umgebung ist eine

weite Ebene, deren Grenzen in der beständig neblichten Atmosphäre

verschwimmen.

Von dem Gewühle in den Straßen Londons, vorzüglich in den

Geschäftsstunden, kann sich nur derjenige einen Begriff machen, der

die Neapolitanischen und Sicilianischen Städte besucht hat, in deren

Straßen zur Abendzeit die ganze Bevölkerung, Kranke und Misanthropen

ausgenommen, auf- und niederwogt. Der Unterschied besteht nur darin,

daß in Italien die Leute fröhlich und heiter lustwandeln und der

schönen Abende sich erfreuen, während in London Alles ernst und

tiefsinnig nur dem Gelde und den Geschäften nachläuft. Als ich mich das

erste Mal allein in dieses Gewühl begab, ward mir ordentlich bange,

und ich wagte kaum einen der vielen, wie mit Dampf an mir vorüber

getriebenen Geschäftsleute anzuhalten und um Auskunft über einen Weg zu

ersuchen; aber zu ihrem Lobe muß ich sagen, daß sie im eiligsten Laufe

einhielten und meine Frage sehr höflich beantworteten, Mancher ging

sogar ein Stückchen Weg mit mir zurück, um mich auf die richtige Bahn

zu weisen.

Der schönste Theil Londons ist das West-End; hier sind die großen

Straßen, Plätze (Squares), Clubs und Privatpaläste, die Parks und

die reichen Gewölbsauslagen. Von den Straßen zeichnen sich Oxford

und Regentstreet (jede mehrere Meilen lang)[6], von den Plätzen der

Regent-Cirkus, Waterloo-Place, Charlestown-Terrace, Longham-, Portland,

Trafalgar-Square u. s. f. besonders aus. Schade ist es, daß alle diese

Plätze belebender Zierden, wie Springbrunnen, gänzlich entbehren; nur

Trafalgar-Square besitzt zwei Kaskaden.

Das hervorragendste öffentliche Gebäude ist Westminster-Hall, ein

im reinsten gothischen Style ausgeführter Palast, unübertrefflich

an Geschmack, Leichtigkeit und Zierlichkeit. Der Krönungs- und

zugleich Sitzungssaal ist leider klein und so sehr mit Vergoldungen

und Verzierungen überladen, daß er schwerfällig und ungeschmackvoll

erscheint.

Somerset-House am Strande, mit der Hauptfronte gegen die Themse,

nimmt sich imposant und großartig aus; es ist aus Quadersteinen

erbaut und mit den geschmackvollsten Façaden und Arkaden versehen.

Der Buckingham-Palast, Residenz des Hofes, ist zwar größer als

Somerset-House, aber nicht so geschmackvoll. Die Theater Drurylane,

Haymarket, das Italienische Opernhaus u. s. w. sind gewöhnliche

Gebäude, die bloß durch ihre Größe auffallen. Das Kolosseum am

Regentpark ist eine von Säulen umgebene Rotunde. Wie dieses kleine

Gebäude zu dem anspruchsvollen Namen „Kolosseum“ kommt, vermag ich

mir nicht zu erklären; -- es mit jenem in Rom vergleichen zu wollen,

kann doch unmöglich Jemanden in den Sinn kommen?! Das Schönste an

diesem Gebäude ist im Innern ein Rundgemälde von London, welches zu

besuchen ich allen Jenen anrathe, die nicht so glücklich sind, einen

nebelfreien Tag zu erhaschen, um die Stadt selbst von einem ihrer hohen

Punkte übersehen zu können. -- Bemerkenswerte Gebäude sind ferner die

Admiralität, der Schatzkammer-Palast, Whitehall, mehrere Clubs und

Privat-Paläste.

Unter den Brücken, die alle schön sind, zeichnet sich besonders die

Waterloobrücke durch ihre ungemeine Zierlichkeit und vollkommen

gerade Richtung ohne alle Steigung, aus. Die Hungerfordbrücke, ein

prachtvolles, kühngespanntes Kettenwerk, ist nur für Fußgänger bestimmt.

Kirchen gibt es in London zwar viele, jedoch sind außer der St.

Paulskirche in der City und der Westminster-Abtei im West-End, wenige

des Besehens werth. Erstere ist ein Tempel im Neu-römischen Style

mit einer hochgewölbten, majestätischen Kuppel und mit zwei Reihen

von Säulen, deren eine den äußeren, die andere den inneren Theil

des Gebäudes trägt. Im Innern stehen an den Wänden schöne Denkmäler

zur Erinnerung an ausgezeichnete Admirale und Seeoffiziere. Die

Westminster-Abtei, ein prächtiges Denkmal Gothischer Baukunst, hat die

Gestalt eines länglichen Kreuzes. Auch hier stehen viele Statuen zur

Erinnerung an berühmte Männer, an große Schriftsteller und Musiker,

wie +Milton+, +Shakespeare+, +Händel+ u. s. w. Man könnte diese

Abtei füglich das Englische Pantheon nennen, hätten sich nicht auch

Denkmäler für Leute eingeschlichen, deren einziges Verdienst war, mit

hochklingendem Namen zur Welt gekommen zu sein.

Das Narrenhospital, +Bedlam+ ist ein großartiges Gebäude mit einfacher,

zweckmäßiger Einrichtung im Innern und von Gärten umgeben. Die

Schlafsäle sind der Länge nach durch Bretterwände in drei Theile

gesondert, deren mittlerer den Kranken zum Auf- und Abgehen und den

Aufsehern zum Aufenthalte dient. Die beiden Seitentheile des Saales

sind in Kämmerchen abgetheilt, gerade groß genug für ein Bett und

ein befestigtes Bänkchen. Die Thürme haben kleine Oeffnungen, durch

welche die Wärter die Kranken beaufsichtigen können. Außerdem

besitzt jede Abtheilung ihre Wasch-, Bade-, Gesellschafts- und

Speise-Zimmer. Der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen

Narren erschien mir ausnehmend grell. Man sah es den Männern beinahe

durchgehends auf der Stirne geschrieben, daß ihre Narrheit Folge des

abscheulichsten Lebenswandels sein mochte. Der Wärter führte mich

durch einen Theil des Gartens, in welchem sich gerade mehrere dieser

Unglücklichen aufhielten; ich kann nur sagen, daß ich froh war, ohne

thätliche Beleidigung hindurch gekommen zu sein, und daß ich diesen

Gang gewiß kein zweites Mal mehr unternehmen würde. Stets flößte mir

der Anblick von Narren Mitleid und Wehmuth, hier -- zwar ebenfalls

Mitleid, doch auch Ekel, Abscheu und Furcht ein. Ganz anders war es

bei dem weiblichen Geschlechte. Manche dieser armen Geschöpfe saßen in

Winkelchen und weinten, andere starrten unbeweglich vor sich hin; eine

trug, hätschelte und küßte eine große Puppe, als wäre sie ein lebendes

Wesen. Was mögen diese Unglücklichen erduldet haben, bis sie hieher

kamen, welch’ traurige Geschichten voll Noth, Kummer und Verzweifelung

mögen da begraben liegen! --

In +Bedlam+ sind nur Leute der armen, unbemittelten Klasse; für Reiche

gibt es der Privatanstalten genug.

Ein herrliches Gebäude ist das Brittische Museum. Es enthält viele

reich ausgestattete Säle und ist gewiß in seiner Art das großartigste

Institut der Welt. Hätte ich nicht kurz zuvor jenes in Berlin mit Muße

und Aufmerksamkeit besehen, so würde es mich noch mehr überrascht

haben. Einzig in ihrer Art dürfte die Sammlung der Alterthümer

+Ninive’s+ sein, deren Ausgrabungen das Museum selbst veranlaßt hat.

Viele von diesen Schätzen sind bereits aufgestellt, und beinahe eben

so viele sollen noch eingepackt liegen, da es an Raum zur Aufstellung

fehlt.

Das College of Surgeons enthält abnorme Skelette von Menschen und

Thieren, Todtenschädel aller Völker der Welt, eine große Sammlung

der seltensten Mißgeburten, nebst vielen andern höchst interessanten

Gegenständen. Herr Professor +Owens+, einer der ausgezeichnetsten

Männer Englands im Fache der Anatomie, ist Direktor dieses Kollegiums,

welches unter seiner Leitung den jetzigen Punkt der Vollkommenheit

erreicht hat. Ich war so glücklich, die nähere Bekanntschaft dieses

gelehrten Mannes zu machen. Er gestattete mir, zu jeder Zeit die Säle

zu besuchen und machte mich auf gar Vieles aufmerksam. Nicht minder

dankbar bin ich dem Professor +Wateshouse+ im Brittischen Museum,

welcher mir ebenfalls viele Stunden schenkte und mich besonders

über die Art des Sammelns belehrte. Bei dieser Gelegenheit rechne

ich es mir zur Ehre und Freude, des ausgezeichneten Geheimrathes

+Lichtenstein+, Direktor des Museums zu Berlin, zu gedenken, der

mir gleichfalls erlaubte, zu jeder Zeit das Museum zu besuchen, und

mich selbst einigemale durch die Säle geleitete. Ihm, wie den beiden

vorerwähnten Herren sage ich meinen innigen Dank für die Güte und

Freundschaft, die sie mir bewiesen.

Außer dem Brittischen Museum, dem College of Surgeons gibt es noch

mehrere Museen, unter welchen East-India-House, das ausschließend

Gegenstände aus Indien enthält, das bedeutendste ist.

Die National-Bildergallerie hat keinen großen Reichthum an

Meisterwerken. Drei Gemälde von +Murillo+ gefielen mir am besten. Viele

ausgezeichnete Gemälde sollen in den Gallerien reicher Privatleute zu

finden sein.

Von den Parks liegen die beiden größten und besuchtesten, der Regent-

und Hydepark in West-End. Hieher muß man kommen, um die reiche,

elegante Welt zu sehen; da gibt es Equipagen in Hülle und Fülle, und

Herren, Damen und Kinder auf Pferden aller Gattungen, von dem edlen

Araber und dem langgestreckten Engländer herab bis zu dem Pony von

der wunderbarsten Kleinheit und Zierlichkeit. Man sieht Frauen das

Wagengespann leiten, ohne daß es Jemanden einfallen würde, darin

irgend einen Anstoß zu finden. Eben so wenig ist es gegen die Sitte,

wenn eine Frau oder ein Mädchen allein in Gesellschaft eines ihr nicht

anverwandten Herrn spazieren reitet.

In Regentpark befindet sich der zoologische Garten, dessen Reichthum

an exotischen Thieren ganz vorzüglich ist. Er enthält Löwen, Tiger,

Leoparden, Giraffen von vollendeter Pracht und Größe. Ein Exemplar

eines herrlichen Hippopotamus war dieser Menagerie erst ganz kürzlich

zugewachsen, -- ausgezeichnet fand ich die Abtheilung der Reptilien,

unter welcher Schlangen und Boa’s der seltensten und größten Arten.

Dem Hydepark schließt sich der ebenfalls ziemlich große, viel besuchte

Kensingtonpark an. Er zeichnet sich besonders durch seine alten,

ehrwürdigen und umfangreichen Bäume aus.

Der St. James- und der Green-Park gehören in dieselbe Kategorie.

Alle diese Parks, und nicht allein die öffentlichen, sondern auch jene

der Privatleute sind ziemlich in derselben Art angelegt, -- weite

Rasenplätze, große prachtvolle Bäume, besonders Eichen- und Ulmbäume,

Alleen und kleine Gruppen von Gesträuchen. Blumenboskette oder

überhaupt Blumen findet man gewöhnlich nur in den Glashäusern.

Interessant ist noch ein Morgenbesuch des Coventgarden an Markttagen,

besonders Sonnabends. Man findet hier zwar keinen Garten, wie der Name

zu versprechen scheint, sondern bloß einen großen Platz mit Hallen und

Gängen; allein der Anblick der in ungeheuerer Menge für den Bedarf von

beinahe ganz London aufgestellten Vorräthe an Gemüsen, Früchten und

Blumen lohnt die Mühe des Ganges.

* * * * *

In der City gibt es zwar weniger zu sehen, als in dem aristokratischen

West-End; doch findet man auch hier höchst interessante Gegenstände.

Vor allem merkwürdig ist der Tower, das älteste Gebäude Londons, ein

großartig einfaches, ehrwürdiges Denkmal Gothischer Baukunst, -- ferner

die Bank, die Börse, Guildhall, letztere durch einen ungeheuren Saal

ausgezeichnet, der zu Festessen u. dgl. benützt wird. Mansion-House,

Residenz des Lord Mayor’s, erscheint etwas schwerfällig. Die Dock’s,

für sich allein eine kleine Welt, bestehen aus sehr tiefen, breiten und

großen durchgehend von Quadersteinen gebauten Kanälen und Becken, in

welchen die größten Ostindienfahrer bis knapp an die Magazine gelangen

und an Ort und Stelle ausladen können. Die Magazine sind vier bis

sechs Stockwerke hoch; ihre Keller bergen die reichhaltigsten Weinlager

der Welt. Die Docks sind von hohen, festen Mauern umgeben und des

Abends geschlossen.

In der Nähe der City liegt das achte Wunder der Welt, der viel

besprochene Tunnel unter der Themse. Dieses staunenswerte Werk machte

auf mich weit geringeren Eindruck, als ich davon erwartet hätte.

Der unansehnliche Eingang schadet dem Ganzen. Ein kleines, beinahe

ärmlich aussehendes Häuschen ist nämlich über eine weite, runde

Oeffnung gebaut, und erst nachdem man über viele Stufen in die etwas

schauerliche Tiefe hinabgestiegen ist, gelangt man in den hochgewölbten

Gang oder Tunnel. Ein ähnliches Stiegenhaus führt auf der andern Seite

wieder in die Höhe. Der Gang selbst ist durch zwei Reihen von Säulen,

welche die Decke unterstützen, in drei Theile getheilt, von welchen

zwei den Fußgängern zur Benützung stehen, während der mittlere zu

Verkaufs-Läden eingerichtet ist. Er ist reich mit Gas erleuchtet und

gewährt einen überraschenden Anblick, der wahrhaft ergreifend wird,

wenn man bedenkt, welch ein Strom darüber rollt, wie die Schiffe

über den Häuptern der Menschen segeln. Unendliche Summen und mehrere

Menschenleben hat dieses Werk gekostet; allein Nutzen bringt es gar

nicht. Die Aktionäre haben ihr Geld gänzlich dabei eingebüßt, denn

die Einnahme für den Durchgang und für die Verkaufs-Gewölbe, deren nur

wenige vermiethet sind, deckt kaum die laufenden Ausgaben, und sollten,

was mit der Zeit unvermeidlich ist, kostspielige Hauptverbesserungen

vorzunehmen sein, so dürfte das Ganze dem Verfalle überlassen werden.

Die Hauptursache der geringen Benützung des Tunnels ist seine

Abgelegenheit und der beschwerliche Zugang über die vielen Treppen.

Den Beschluß meiner Wanderungen in der City machte ein Besuch der

+Barkley+’schen Bierbrauerei, der öffentlichen Wohn-, Wasch- und

Badehäuser für die ärmeren Klassen, und ein Gang nach dem Postoffice.

In der Bierbrauerei der Herren +Barkley+ und Comp. werden täglich 1000

bis 1500 Säcke Malz verarbeitet. Unter den Tonnen, die das fertige

Bier enthalten, gibt es viele die an 3000 Eimer fassen. Die Zahl der

Arbeitsleute beträgt 400, jene der Pferde 160. Bei dieser Gelegenheit

muß ich bemerken, daß ich nirgends so prachtvolle Arbeitspferde gesehen

habe, als in London; sie sind von ungewöhnlicher Größe und Kraft und

durchgehend wohl genährt und gehalten.

In den öffentlichen Wohn-, Wasch- und Badehäusern fand ich sehr

zweckmäßige Einrichtungen, die in allen großen Städten Europa’s

nachgeahmt zu werden verdienten. Die Wohnhäuser für unverheiratete

Männer, bestehen aus großen Sälen, gleich jenen in Bedlam durch

Bretter in kleine Gemächer abgetheilt, wovon jedes hinlänglich Licht,

bei Tag von außen, des Nachts von großen Gasflammen empfängt, die

an der Decke des Saales angebracht sind. Die Beleuchtung währt bis

Mitternacht. Jedes Wohnhaus besitzt außerdem einen Lese- und Speisesaal

und eine geräumige Küche, in welcher stets Feuer und kochendes Wasser

unterhalten wird, so daß sich die Leute selbst ihre Mahlzeiten bereiten

können. Der Preis ist für eine Person für die Woche drei Schillinge.

Demnächst sollen auch für Frauenspersonen ähnliche Häuser errichtet

werden. Für Familien gibt es deren bereits. Die Wohnungen bestehen

aus drei Kämmerchen, nebst Küche und einem Behältnisse für den

Kohlenvorrath. In jede Küche ist Wasser geleitet. Der Preis beträgt für

die Woche fünf bis sechs Schillinge.

In den Waschhäusern hat jede Partei ihr abgesondertes Plätzchen, wo sie

ungesehen von den Nachbarinnen ihre dürftige Wäsche reinigen kann. Der

Wasserbedarf, kalt und warm, wird durch Röhren in die Tröge geleitet.

Das Trocknen der Wäsche geschieht sehr schnell durch unterirdische

Wärme in kleinen abgeschlossenen Räumen, die mit über einander

laufenden Stangen versehen sind; eine Maschine windet das Wasser aus

großen Gegenständen, wie Decken, Bettüchern u. d. gl. Der Preis per

Stunde ist ein Penny. -- Die Badehäuser sind mit den Waschhäusern stets

vereint. Jedes Kämmerchen hat eine große Badewanne entweder von Metall

oder mit weißer Glasur überzogen, sehr rein und nett gehalten. Ein Bad

erster Klasse kostet warm sechs, kalt drei Pence, -- zweiter Klasse

warm zwei Pence, kalt einen Penny.

Das Postoffice besuche man Sonnabends nach fünf ein halb Uhr und

verweile bis zum Schlusse, der mit dem Schlage sechs erfolgt. Um das

Gedränge der Aufgeber, deren Zahl sich mit jeder Minute vermehrt,

recht beobachten zu können, stelle man sich in der großen Halle auf,

jedoch an einem sicheren Platze, denn nicht selten sind Verwundungen

und Quetschungen die Folge des unauflösbar gewordenen Gewirres.

Jedermann will sein Päckchen Briefe vor dem Schlage sechs abgeben.

Die Briefe werden zwar noch bis neun Uhr angenommen; allein mit jeder

Viertelstunde steigt das Porto.

Von den Umgebungen Londons habe ich ziemlich viel gesehen. Theils

machte ich Ausflüge nach den merkwürdigsten Orten, wie Windsor,

Woolwich, Kew, Chiswick, Greenwich, theils führten mich Besuche oft

zehn bis zwölf Meilen weit in das Land hinein. In Hinsicht des einzig

schönen Grün’s der Wiesen, der frühzeitigen, reichen Vegetation

fand ich alles bestätigt, was ich darüber gehört und gelesen hatte.

Es war zu Anfang des Monats April, und schon blühten die Hecken, die

Gebüsche waren belaubt, und die niedlichsten Blumen sproßten auf den

smaragdgrünen, üppigen Wiesen. Die Stecheiche, der Portugiesische

Lorbeer und noch andere Gesträuche bleiben selbst den ganzem Winter

über belaubt und erfreuen das Auge stets durch ihr dunkelglänzendes

Grün. Die Ursache dieses frischen Lebens in der Pflanzenwelt soll die

gemäßigte, salzgeschwängerte und ewig feuchte Temperatur sein. Trotz

der hohen nördlichen Lage[7] und der rauhen Witterung, die häufig schon

Ende September eintritt und bis gegen den Mai anhält, ist England doch

nur selten jener strengen, trockenen Kälte ausgesetzt, die selbst in

bedeutend südlicher gelegenen Ländern Mittel-Europa’s alles Leben

erstarren macht. Der Schnee bleibt beinahe nie über sechs bis acht Tage

liegen. In Folge dieses gemäßigten Winterklimas werden die Schafe, wie

in Spanien und Portugal, stets im Freien gelassen.

Die schönsten von den in der nahen Umgebung Londons gelegenen Gärten

sind jene zu Chiswick und Kew. Im ersteren finden jährlich in den

Monaten Mai, Juni und Juli, drei Blumenausstellungen statt, deren

jede aber nur einen Tag währt. Nie hätte ich gedacht, daß mir zu einem

Ausfluge nach einem Garten Regenwetter nicht nur nicht hinderlich,

sondern sogar erwünscht sein könnte, und doch war es so, und zwar

bei dem Besuche einer derartigen Ausstellung. Bei schönem Wetter

gibt sich hier nämlich die ganze Londoner elegante Welt Rendezvous;

man kommt hieher, weniger der Blumen wegen, als um sich in Glanz und

Putz zu zeigen; Musikbanden spielen an mehreren Orten und das Auf-

und Niederwogen der zahllosen Besucher macht natürlich jedes genauere

Besehen der Blumen unmöglich. Mich aber, wie gesagt, begünstigte das

Wetter, -- der Regen strömte unausgesetzt herab und Niemand störte

mich in der Bewunderung der herrlichen Blumen, die in Glashäusern und

unter Zelten aufgestellt sind. Von der Pracht, besonders des exotischen

Theiles der Ausstellung kann man sich keine Vorstellung machen; ich sah

die Fremdlinge hier wahrlich schöner und üppiger, voller und blühender

als in ihren Heimathländern. Weniger reich war die Ausstellung an

Früchten; die Ananasse allein zogen die Aufmerksamkeit durch ihre

außerordentliche Größe (manche waren 10 bis 12 Pfund schwer) auf sich.

+Kew+ ist theils Garten, theils Park. Hier sieht man prachtvolle

Wiesen, reiche Baumpartien, spiegelhelle Teiche, künstliche Hügel,

Luftgebäude und Blumenparterres. Seine wahre Berühmtheit verdankt

aber dieser Garten den herrlichen exotischen Blumen und Bäumen (unter

letzteren Palmen von 80 Fuß Höhe), die in vielen großen Glashäusern

schön gezogen und geordnet sind. Eines dieser Glashäuser könnte man

füglich einen Glaspalast nennen; es besteht aus zwei Flügeln und einem

prachtvollen Mittelgebäude, das sich kuppelartig über 100 Fuß erhebt;

sein Anblick machte mir leicht begreiflich, wie man auf den Gedanken

gekommen sei, ein derartiges Gebäude für die große Ausstellung in

London aufzuführen. In der Höhe dieses Glaspalastes ist ringsumher

eine Gallerie angebracht, von welcher man einen Ueberblick all’ der

Palmen, Blumen und Gesträuche hat. Mit etwas Fantasie kann man sich

vom Standpunkte der Gallerie aus einen kleinen Begriff von Brasiliens

Urwäldern machen.

Das +Arsenal+ zu +Woolwich+ bot mir des Neuen wenig; ich sah hier, was

ich, in kleinerem Maßstabe, schon in Venedig gesehen hatte. Am meisten

interessirte mich der Wagen, in welchem +Napoleon+ zu St. Helena

bestattet wurde; es ist derselbe, in welchem er spazieren fuhr; man

nahm bloß den Kasten herunter und setzte an seine Stelle ein eisernes

Gerippe, welches mit schwarzem Tuche überhangen wurde. -- Die Fahrt

nach Woolwich ist eines Tunnels von etwa zwei Meilen Länge wegen, nicht

sehr angenehm, um so mehr, da weder der Tunnel, noch das Innere der

Waggons erleuchtet ist. Man sitzt mehrere Minuten lang in wahrhaft

beängstigender Finsterniß. Ich muß abermals bemerken, wie eigenthümlich

hier zu Lande die Begriffe von sittlich und unsittlich sind. So ist es

z. B. auf mancher Eisenbahn den Männern strenge untersagt, sich in den

Wartezimmern der Frauen aufzuhalten. Hier, wo alles erleuchtet, alles

offen ist, findet man ein solches Zusammensein unanständig, -- in der

undurchdringlichen Nacht des Tunnels ist es gestattet. Die Zeitungen

ermangeln auch nicht, häufige Berichte von Diebstählen und andern

Ereignissen zu geben, die eben nicht zu den sittlichen gehören.

+Windsor Castle+ (20 engl. Meilen von London) ist nicht nur eines

der schönsten Gebäude Gothischen Styles in England, sondern in ganz

Europa. Es steht auf einer kleinen Anhöhe, ist aus massiven Steinen

erbaut und stammt aus den Zeiten +Wilhelms des Ersten+. Doch war

der eigentliche Gründer dieses Schlosses, so wie es jetzt ist, und

der niedlichen Kapelle, +Eduard der Dritte+. Einige Verschönerungen

wurden von nachfolgenden Regenten hinzugefügt. Das Ganze besteht aus

zwei Höfen, dem Schlosse und dem runden Thurme. Man bewundert ganz

besonders die Pracht der Gebäude, so wie die kühne, kuppelförmige

Wölbung des Steindaches über dem Thurme. Die Säle im Schlosse sind

alle hoch und groß, wahrhaft königlich; die Einrichtung höchst

einfach. Jeder Saal hat seinen Namen, wie auch seine geschichtlichen

Merkwürdigkeiten. Ein Saal enthält Bildnisse berühmter Regenten älterer

und neuerer Zeit; es scheinen sich aber diese Bildnisse nicht gerade

durch große Aehnlichkeit auszuzeichnen, wenigstens jene der Monarchen,

die ich gesehen habe, wie des Kaisers von Oesterreich, des Kaisers von

Rußland, des Königs von Preußen fand ich herzlich schlecht. -- Die

Kapelle besitzt schöne Glasmalereien. Der Kirchendiener forderte ein

Eintrittsgeld von sechs Pence für die Person, obwohl auf der Karte,

welche die Erlaubniß zur Besichtigung des Schlosses Windsor ertheilte,

ausdrücklich bemerkt war, daß an Niemanden eine Gabe zu verabreichen

sei.

Die Aussicht von dem Thurme ist sehr reizend; der Blick streift über

zwölf Grafschaften und verfolgt den Lauf der Themse bis in weiter

Ferne. Um den Hügel, auf welchem das Kastell liegt, breitet sich das

niedliche Städtchen Windsor aus; südlich daran schließt sich ein

prachtvoller Park, dessen Länge vier, dessen Umfang 15 Meilen betragen

soll. Alte majestätische Bäume bilden prächtige Alleen, welche die

herrlichsten Fuß- und Fahrwege beschatten. Berühmt sind in diesem

Parke noch die ~Virgin waters~.

Das +Hospital+ zu +Greenwich+ ist ein ehemaliger Sommerpalast

der Königin Elisabeth. Jetzt dient derselbe bekanntlich als

Versorgungsanstalt für die Invaliden der königlichen Marine. 2500 Mann

finden hier Platz, und jeder hat sein eigenes kleines Schlafkämmerchen

mit Stuhl und Bett und einem kleinen Wandschranke. Die Speisesäle sind

prachtvoll, hoch und gewölbt. Die Leute saßen an langen Tafeln und aßen

vier zu vier Mann die gemeinschaftliche Mittagsportion, bestehend aus

Suppe, drei Pfund Fleisch (abwechselnd Rind-, Hammel-, Schweine- oder

Salzfleisch) und vier Pfund Kartoffeln, nebst einem großen, schönen

Weißbrote. Sie erhalten außerdem auch Hülsenfrüchte, Gemüse oder

Mehlpuddings und an Getränken alle Tage Bier und Thee. Ich besuchte das

Hospital absichtlich zur Mittagszeit, um bei der Austheilung zugegen

zu sein. Ich fand hier, wie in allen öffentlichen Anstalten Englands,

die ich zu besichtigen Gelegenheit hatte, daß die Leute nicht nur

genügend erhalten, sondern auch daß das, was sie erhalten, vollkommen

gut und unverdorben ist -- nicht wie in manchen Ländern, wo den Armen

nur an jenem Tage eine gesunde Nahrung vorgesetzt wird, an welchem der

zufällige Besuch irgend eines Großen des Reiches oder eines Inspektors

erfolgt, ein Zufall, von welchem sonderbarer Weise die Anstalt stets

schon eine geraume Zeit vorher unterrichtet ist!

Die Austheilung geht auf folgende Weise vor sich. Die Speisen werden in

zwei Kesseln bereitet, das Fleisch ist, bevor es in den Kessel kommt,

in Stücke zu je drei Pfund getheilt, die Kartoffeln sind zu vier Pfund

in kleine Netze gebunden. Das gekochte Fleisch wird in eine Tonne

gelegt, die Suppe läuft mittelst einer Rinne in eine andere Tonne.

Ein Mann legt die Portion Fleisch in eine tiefe Schüssel, ein zweiter

schöpft mit einem Gefäße, das gerade die für vier Mann bestimmte

Quantität enthält, die Suppe heraus und schüttet sie über das Fleisch,

während ein dritter das Netz mit den Kartoffeln aus dem Kessel hebt, in

welchem sie durch Dunst gekocht worden sind. Die Austheilung geht auf

diese Art mit unglaublicher Ordnung und Schnelligkeit vor sich.

Ein kleines Seitengebäude dient als Hospital für Kranke, die von den

Gesunden gänzlich getrennt sind und sogar ihr eigenes Gärtchen haben.

Ein schattiger, großer Park steht nicht nur den Matrosen, sondern

dem ganzen Publikum zur Benützung offen. In diesem Parke liegt die

Sternwarte, durch welche die Engländer den ersten Meridian oder

Längengrad ziehen.

Das Hospital besitzt auch eine kleine, niedliche Bildergallerie,

berühmte Seegefechte und Bildnisse ausgezeichneter Seehelden

enthaltend. In zwei Glaskästen werden einige Kleidungsstücke des großen

+Nelson+ bewahrt, darunter der Rock und die Weste, durch welche in der

Schlacht bei Trafalgar der tödtliche Schuß in die Brust drang.

Noch bleibt übrig, der, obwohl zufälligen, so doch größten und

bedeutendsten Merkwürdigkeit Londons zu erwähnen, der universellen

+Industrie-Ausstellung+. Nicht genug kann ich Herrn +Buschek+

(Präsident der Österreichischen Abtheilung) danken, der mich mit einem

Billete beglückte, welches mich zu dem Beiwohnen der Eröffnung und zu

fünf Besuchen berechtigte.

Die Eröffnung fand, wie bekannt, mit großer Feierlichkeit statt. Die

Königin erschien mit Prinz Albert und ihren zwei erstgebornen Kindern

in Begleitung der Minister und Großen des Reiches, der auswärtigen

Diplomaten und der Abgesandten all jener Staaten, die an der

Ausstellung Theil genommen hatten. Nach einer kurzen Rede des Prinzen

Albert an die Königin, einem Gebete und einer Hymne, bewegte sich der

ganze Zug langsam durch das Gebäude, hin und wieder bei einigen der

kunstvollsten Gegenstände verweilend. Dem außen harrenden Volke wurden

die Hauptmomente durch Kanonenschüsse verkündet.

Die Feierlichkeit begann um zehn Uhr, um Mittag war sie beendet; jetzt

erst hatten jene Eintritt, welche ~Season Tickets~ (Billets für die

ganze Zeit der Ausstellung) besaßen.

Kurz vorher, ehe die königliche Familie den Krystallpalast verließ,

ging ich hinaus, um den Zug von Außen zu sehen und das Benehmen des

Volkes zu beobachten. Der Equipagen waren sehr viele, alle sehr

reich und glänzend; nur gefiel mir die Maskerade der Kutscher und

Diener nicht: erstere trugen gelockte und gepuderte Perücken, auf

welchen winzig kleine dreieckige Hütchen saßen; manche waren noch

zum Ueberflusse mit großen Blumensträußen auf der Brust geschmückt.

Die Diener, deren gewöhnlich zwei hinter dem Wagen standen, waren

gleich Portiers mit großen Stöcken versehen. -- Den königlichen Wagen

umgab einiges Militär und Garden. Das Englische Militär ist eines

der schönsten, das man sehen kann; es besteht aus lauter kräftigen,

hochgewachsenen Leuten. Die Garde zeichnet sich überdieß durch reiche

Uniformirung und durch schöne Pferde, alle von derselben Farbe, aus[8].

Das Benehmen des Volkes war vollkommen musterhaft, es fiel nicht die

geringste Unordnung vor; nirgends hatte ein ungestümes Hinzudrängen,

Stoßen oder Balgen statt, und nie wurde weniger gestohlen als an diesem

Tage -- man gab bei der Polizei nur drei Diebstähle an. Und -- so

unglaublich dieß auch gewissen Leuten in gewissen Ländern scheinen mag

-- nicht ein Mann Militär war aufgestellt. Einfache Polizeimänner mit

fußlangen Stäbchen in den Händen reichten hin, das Volk in schönster

Ordnung zu erhalten; sie hatten weiter nichts zu thun, als die Leute,

die auf Plätze kamen, wohin sie nicht gehörten, auf die Achsel zu

klopfen und höflich anzusprechen: „~Move, if you please~“ (bewegen

sie sich gefälligst weiter), und Jedermann ging seines Weges.

Meine Leser werden mich entschuldigen, wenn ich ihnen und mir die

Beschreibung der Ausstellung erspare. Zahllose Bücher, Broschüren und

Zeitschriften haben ihren Ruhm der ganzen Welt verkündet, und kaum

dürfte es Jemanden geben, der nicht Vieles darüber gelesen, der nicht

Abbildungen des feenartigen Krystallpalastes und der in ihm enthaltenen

Meisterwerke aus jedem Gebiete der Industrie, aus jedem Lande der

Welt gesehen hat. Ich kann nur sagen, daß der Anblick des Ganzen ein

wunderbarer, unvergeßlicher war, und daß ich kaum glaube, daß je wieder

Aehnliches zu Stande kommen wird.

[1] Während meines Aufenthaltes begann man im Innern einen und außen

drei Plätze abzuschaffen.

[2] Seit einem Jahre auf 6 Pence herabgesetzt.

[3] Einschläfrige Betten hat man in England höchst selten.

[4] In Singapore frug ich eine Dame, die sich gerade zum

Kirchenbesuche schmückte, ob sie denn glaube, daß ihr Gebet im

Putze mehr Werth habe als im einfachen Kleide. Sie antwortete:

„das gerade nicht, allein der Gouverneur befahl, oder gab gleich

einem Befehle zu verstehen, daß die Herren im schwarzen Frack

und die Damen elegant gekleidet beim Gottesdienste erscheinen

möchten.“

[5] Ist jetzt abgestellt.

[6] Ich rechne (nicht nur in England, sondern während der ganzen

Reise) nach „englischen Meilen,“ deren 4¼ auf eine Deutsche Meile

gehen.

[7] London liegt unter dem 50sten Breitengrade.

[8] Man hat in London nicht oft Gelegenheit Militär zu sehen, eine

Sache die um so mehr auffällt, wenn man gerade aus Staaten kommt,

in welchen beinahe ein Viertheil der Männer den Soldatenrock

trägt.

Zweites Kapitel.

Die Kapstadt. -- Gefährliches Zusammentreffen mit zwei Negerinnen.

-- Malaischer Gottesdienst. -- Singapore. -- Fünf Tage im Jungle. --

Sarawak. -- Rajah Brooke. -- Malaien und Chinesen. Ihre Wohnungen und

kostbare Vasen. -- Ausflug zu den Dayakern und den Antimonium-Minen.

Am 24. Mai Abends begab ich mich an Bord des Schiffes Allanadale von

300 Tonnen Gehalt, Kapitän +Brodie+.

Zu meinem Erstaunen fand ich Niemanden an Bord als den Kapitän, der

mir sagte, daß er der ganzen Mannschaft, bis auf den Matrosenjungen

herab, die Erlaubniß gegeben habe, diese Nacht am Lande zuzubringen,

und daß er selbst ebenfalls das Schiff verlasse. Ich hätte dasselbe

thun können; allein da ich einige Meilen entfernt von London wohnte, so

fürchtete ich, mich am folgenden Morgen verspäten zu können. Ich schloß

mich in die Kajüte ein, und war für diese Nacht alleinige Herrin des

Schiffes.

Am nächsten Morgen nahm uns ein Dampfer in’s Schlepptau und bugsirte

uns nach Gravesend (20 Meilen) an die Mündung der Themse, deren

Strömung jedoch noch 58 Meilen weiter bis North-Foreland berechnet

wird. In Gravesend mußten wir diesen und den folgenden Tag liegen

bleiben, weil zwei Matrosen, die der Kapitän angeworben hatte und die

hier an Bord kommen sollten, nicht erschienen. Der Kapitän mußte zurück

nach London und andere Leute anwerben. Erst am 27. gingen wir unter

Segel.

Die Fahrt durch den Kanal war ungünstig; wir hatten wenig Wind und

mußten während der drei ersten Tage beinahe beständig vor Anker liegen.

Am 30. senkte sich ein so dichter Nebel auf die See hernieder, daß wir

kaum eine Umsicht von einigen hundert Fuß hatten. Ringsumher hörten

wir mit Sprachrohren und Schiffsglocken Signale geben, um die Nähe

oder Ferne der Schiffe anzuzeigen und ein Zusammenstoßen zu vermeiden.

Traurig klangen diese Töne durch die Nacht des Nebels und durchaus

nicht geeignet, uns für die lange, gefährliche Reise[9] ein frohes

Vorgefühl einzuflößen. Erst den 2. April Abends gelangten wir in den

Atlantischen Ocean.

Ich hatte in diesen wenigen Tagen leider schon hinlänglich Gelegenheit,

die Sparsamkeit unseres Kapitäns kennen zu lernen; eine ähnlich

schlechte Verpflegung ist mir noch auf keinem Schiffe vorgekommen.

Der Steuermann, der, wie es auf den Segelschiffen gebräuchlich ist,

die Aufsicht über die Küche führte, und dem ich durchaus nicht

nachsagen kann, daß er mit den Vorräthen verschwenderisch umgegangen

wäre, wurde gleich zu Anfange seines Amtes entsetzt, und der Kapitän

übernahm in eigener Person die Oberleitung. Sein Speisezettel war

schnell gemacht: des Morgens leichten, schwarzen Kaffee und ein Stück

Salzfleisch, des Abends Salzfleisch und Thee, des Mittags Erbsensuppe

und Salzfleisch oder Stockfisch, manchmal Hühner und einen Mehlklumpen

mit einigen Rosinen, den er Pudding nannte, -- statt des Brotes echten

Matrosenzwieback. Eier, Schinken oder Käse mochten ihm als überflüssige

Luxusartikel erscheinen, die er wahrscheinlich mitzunehmen vergessen

hatte. Der gute Mann soll, wie er mir sagte, nächstens auf einem

Ostindienfahrer kommandiren, welche Schiffe zum Theile für Reisende

eingerichtet sind. Wehe den Armen, die an seiner Tafel speisen! --

Sonst war er indeß ein umsichtiger und sehr ordentlicher Mann.

War die Kost schlecht, so war es die Reisegesellschaft noch mehr. Zum

Glücke bestand sie nur aus einer Person, einem jungen Engländer,

der seine Erziehung der Himmel weiß wo erhalten haben mag. Sein

liebster Aufenthalt war unter den Matrosen; mit diesen sang, pfiff,

schrie und rauchte er um die Wette, und sein größtes Vergnügen war,

dem Abschlachten des Geflügels beizuwohnen. Wahrlich, ich bewunderte

nie so sehr meine kräftige Natur als auf dieser Reise -- die Kost

verdarb nicht meine Gesundheit, die Gesellschaft nicht meine Laune.

Ich gedachte im voraus des freudigen Augenblickes der Landung, und mit

der schönen Zukunft mich tröstend, ertrug ich mit Geduld die traurige

Gegenwart.

Auf der Reise selbst fiel nichts Merkwürdiges vor. Die schöne

Molluske Phisolide (Portugiesisches Kriegsschiff genannt, siehe meine

„Frauenfahrt um die Welt“, erster Theil, Seite 18) sah ich diesmal

schon auf dem 35. Breitengrade nördlich vom Aequator, fliegende Fische

auf dem 22.

+Am 13. Juni+ kamen wir dem Eiländchen +Ferro+ zu den südlichen

Kanarischen Inseln gehörend, ganz nahe. Wir segelten in einer

Entfernung von kaum zwei Meilen der Westküste entlang, die aber leider

aus unfruchtbaren Felshügeln besteht und nur hie und da mit spärlichem

Grün überkleidet ist. Doch immerhin war es Land, dessen Anblick wir

schon lange entbehrten, und freudig hing mein Auge an der lieblichen

Erscheinung.

+23. Juni.+ So viele und so lange Reisen ich bereits auf dem Ocean

gemacht habe, so habe ich doch diese ungeheure Wasserfläche nie in

einer ähnlichen Ruhe gesehen wie heute; nicht das geringste Lüftchen

kräuselte den weiten Spiegel -- es war dieß ein großartig erhabener

Anblick.

+28. Juni.+ Diesen Morgen bildeten sich in einer Entfernung von etwa

20 Meilen zwei kleine Wasserhosen. Da sie unter dem Winde[10] waren,

hatten wir ihr Nahekommen nicht zu befürchten und konnten ruhig

ihre Bewegungen beobachten. Sie tanzten munter umher und fielen nach

einer Viertelstunde zusammen. In dieser Nacht bekamen wir auch ein

Valentinsfeuer an der Spitze des großen Mastes zu sehen.

+Am 4. Juli+, zwischen 12 und 1 Uhr Mittags, passirten wir den

Aequator. Es fand gar keine Feierlichkeit statt, ja, die Matrosen

erhielten nicht einmal ein Extra-Glas Branntwein.

+Am 11. August+, Morgens sechs Uhr, nach einer Fahrt von 75 Tagen,

fielen endlich die Anker auf der Rhede der Kapstadt. Obwohl ich seit

dem 13. Juni (Insel Ferro) kein Land gesehen hatte, so war doch der

Eindruck, den der Anblick dieser Stadt auf mich machte, nicht sehr

groß. Ich hatte London noch zu frisch im Gedächtnisse, und in Folge

dessen erschien mir die Kapstadt wie ein Dorf. Was ihre Lage betrifft,

so erinnerte sie mich viel an jene von Valparaiso. Wie letzteres, ist

sie von einer baumlosen, mit spärlichem Grün bedeckten Gebirgskette

umgeben, in welcher der Tafel-, Löwen- und Teufelsberg die Hauptpunkte

bilden. Vom Bord des Schiffes aus entdeckte ich ein einziges Bäumchen

und nur wenig grüne Fluren, und dieß war zur Winterszeit, wo Berg und

Thal im schönen Kleide prangen. Wie mag es erst im Sommer sein, wenn

die glühenden, senkrecht niederfallenden Sonnenstrahlen alles versengen

und verbrennen!

Kapitän +Brodie+ verließ nach dem Frühstücke sogleich das Schiff.

Er war nicht so freundlich, mich nur mit an’s Land zu nehmen, er

versagte mir jede Hilfe bei dem ersten Eintritte in die Stadt, eine

Gefälligkeit, die mir bisher noch kein Kapitän abgeschlagen hatte,

nicht einmal der ungebildete Chinesische Bootführer, der mich von

Hong-Kong nach Kanton brachte. Dieser führte mich bis in die Englische

Faktorei (drei Meilen weit) und suchte mit mir das Haus auf, in welches

ich gewiesen war. Hier mußte ich allein an’s Land gehen, mußte allein

meinen Weg suchen und mich durchfragen, bis ich zum Hamburger Konsul,

Herrn +Thalwitzer+, gelangte. Glücklicherweise fand ich an diesem,

so wie an seiner Frau so liebenswürdige, zuvorkommende, gefällige

Leute, daß ich alsbald alle Mühen vergaß und mich in ihrem Hause, das

ich nicht mehr verlassen durfte, so heimisch fühlte, wie im lieben

Vaterlande.

Von der Kapstadt ist nicht viel zu sagen. Die Straßen ziehen sich alle

nach dem Strande und sind sehr breit und luftig, aber wenig mehr mit

Bäumen besetzt. Zur Zeit der Holländischen Herrschaft soll jede Straße

mit einer schönen Allee versehen gewesen sein. Die Häuser, sonst ganz

im Europäischen Style gebaut, haben nur statt der Dächer Terrassen.

Das Fort ist mit vielen Kanonen versehen, die Kaserne ziemlich groß,

die Börse auf dem Paradeplatze ein längliches, unansehnliches Gebäude

nur mit einem Erdgeschoß. Die Privathäuser sind alle einstöckig, haben

gewöhnlich 4 bis 6 Fenster in der Front und enthalten schöne, hohe

Zimmer. Der botanische Garten besitzt bei weitem nicht so vielartige

Blumen, Pflanzen und Bäume, als man unter solch einem Himmelsstriche

erwarten dürfte.

Die Zahl der Einwohner wird auf 32,000 geschätzt, davon ein Drittheil

Weiße, ein Drittheil Farbige und ein Drittheil Schwarze. Die

Verzweigung und Durchkreuzung der Europäer mit den Eingebornen ist

so vielfach, daß man, so zu sagen, alle Farben sieht. Echte, reine

Hottentotten oder Kaffern gehören in der Kapstadt zu den seltenen

Erscheinungen. Schwarze aus +Mozambique+, die wir Neger nennen, gibt es

dagegen viele von reiner Abkunft. Unter den Farbigen gibt es mitunter

hübsche Leute mit schönen Augen und geistreichen Zügen. Alle diese

Völker sind Europäisch gekleidet; nur haben die ungetauften Malaien

farbige Tücher um den Kopf geschlungen, und einige Schwarze und Farbige

tragen runde, hohe, spitz zulaufende Bambushüte.

Außer diesem und den langen Gespannen an den Lastwagen sieht man in

der Kapstadt durchaus nichts Außereuropäisches. An die Lastwagen,

die bei uns von drei oder vier tüchtigen Pferden oder Ochsen gezogen

werden, sind hier acht bis zehn Pferde oder zehn bis zwanzig Ochsen

paarweise gespannt. An der Spitze eines solchen Ochsenzuges geht ein

Mann oder Knabe, der ihn leitet, und auf den Wagen selbst setzt sich

der Fuhrmann, mit einer ungeheuer langen Peitsche bewaffnet. Das

Pferdegespann wird stets vom Wagen aus gelenkt. Bei einem Gespanne

von sechs, acht Pferden sitzen zwei Kutscher auf dem Wagen, der eine

ist mit der Lenkung der Thiere beschäftigt, der andere mit der langen

Peitsche.

Auf dem Hauptmarkte, der jeden Tag, Sonntag ausgenommen, außerhalb der

Stadt am frühen Morgen abgehalten wird, sieht man Lebensmittel jeder

Art, frische und getrocknete Früchte, Gemüse, Geflügel, Kälber, Schafe,

Butter, getrocknetes und geräuchertes Fleisch u. s. w., außerdem auch

Häute, Schaffelle, Straußfedern und andere Gegenstände. Alles wird im

Versteigerungswege losgeschlagen.

Das Leben in der Kapstadt ist ziemlich theuer; so kostet z. B. ein

Pfund Kalb-, Rind- oder Hammelfleisch fünf bis sechs Pence, ein Pfund

Mehl vier Pence, ein Huhn einen Schilling, ein Pfund Butter zwei

Schillinge. Die Miethe eines Hauses von sechs bis acht Zimmern macht 80

bis 90 Liv. Sterl. jährlich.

Der einzige wohlfeile Lebensartikel sind die Fische. Dieß hat man

noch dem Gouverneur Lord +Somerset+ zu verdanken. Im Jahre 1825

reichten nämlich die Metzger eine Bittschrift ein, in welcher sie um

die Besteuerung der Fische ersuchten, durch deren Wohlfeilheit sie

sehr zu Schaden kommen. Der Gouverneur schrieb ganz kurz unter die

Bittschrift: „Sobald man mir einen Fischer nachweisen kann, der gleich

den Schlächtern in Equipagen fährt und Diener in Livree besoldet, wird

die Bitte berücksichtiget werden.“

Ich brachte in der Kapstadt vier Wochen zu, habe aber des Merkwürdigen

nur wenig gesehen. Anfänglich durchstreifte ich häufig die Umgebung,

um Insekten zu suchen; es wurde mir jedoch diese Unterhaltung bald

durch einen höchst unangenehmen Zufall verleidet. Eines Morgens

nämlich, gerade als ich eine kleine Schlange gefangen hatte, kamen

zwei Negerinnen auf mich zu, hielten mich an, überschütteten mich mit

Schimpfworten, spieen vor mir aus und nannten mich eine Zauberin, die

man umbringen sollte. Dieser Auftritt würde für mich wahrscheinlich

nicht gut geendet haben, hätte ich nicht zum Glücke in der Ferne einen

Mann erblickt, den ich zu Hilfe rief und dessen Erscheinen die beiden

Weiber in die Flucht jagte.

Ich erzählte Herrn Thalwitzer diese Begebenheit, die er sogleich bei

Gericht anzeigte. Die Weiber wurden alsbald ausgefunden, und es ergab

sich bei der Untersuchung, daß sie die Absicht gehabt hatten, mich

in ein nahes Gebüsch zu ziehen und meiner Kleidung zu berauben. Ein

zehnjähriges Kind, das zufällig in demselben Busche war und sich aus

Angst vor den Weibern unter dem Laube verkroch, hatte Alles gehört

und gesehen, daß eine der Megären mit einem Messer bewaffnet war,

welches bei der Flucht zu Boden fiel. Das Kind suchte und fand das

Messer und brachte es seinen Eltern, die es dem Gerichte übergaben.

Bei dem Verhöre diente es als Unterstützung des Beweises, und die

beiden Weiber wurden für vier Wochen auf Reiswasser gesetzt -- eine

gewöhnliche Strafe, die darin besteht, daß man dem Verurteilten gar

keine andere Nahrung gibt. Mir kam diese Züchtigung zu hart vor, und

ich bat um einige Linderung, allein vergebens. Man sagte mir, daß die

Personen bereits sehr berüchtigt seien und mehr Zeit in, als außer dem

Gefängnisse zubrächten.

Ich stellte in Folge dieser Begebenheit meine Spaziergänge zwar nicht

ganz ein, beschränkte sie aber auf nähere Orte. Einen schönen Ausflug

danke ich dem Herrn Botaniker +Zeiher+. Wir gingen nach +Greenpointe+,

nach der +Cambs-Bay+ und rund um den Löwenberg, und hatten hübsche

Ueberblicke auf das Meer, die Gebirge und die freundliche Gegend.

Die ganz nahe Umgebung der Kapstadt ist nicht schön. Die Berge sind

zum größeren Theil öde oder mit magerem Gestrüppe bedeckt, und den

Ebenen fehlt es an saftigem Grase oder Getreidefeldern. Ihr einziger

Schmuck ist eine ungewöhnliche Menge der mannigfaltigsten Wiesenblumen.

Zwischen den Steinen, durch Gebüsch und mageres Gras drängen sich diese

lieblich zarten Kinder der Natur. Stundenlang verweilte ich unter

ihnen, und immer fand ich neue Schönheiten, neue, noch nie gesehene

Arten.

Ein beliebter Spaziergang der Städter ist ein Erlenwäldchen, welches

sich rund um den Fuß des Löwenberges zieht, und von einem hübschen

Fahrwege durchschnitten ist.

Des Gouverneurs Garten, so wie der botanische, steht ebenfalls dem

Publikum geöffnet.

Wirklich schön und fruchtbar, einem blühenden Garten ähnlich, ist die

Gegend um Rondebosch, Weinberg und Konstanzia. Der erste Ort liegt

vier, die anderen neun und dreizehn Meilen von der Kapstadt entfernt.

In Rondebosch wohnen viele Kaufleute und Beamte, die in Omnibussen

täglich zur Stadt fahren. Konstanzia ist durch seinen edlen Traubensaft

in der ganzen Welt bekannt. Ich bedauerte sehr, die Stöcke nicht in

ihrem Traubenschmucke gesehen zu haben. Der Wein ist dunkelroth, ölig,

süß und an Ort und Stelle schon sehr theuer.

Den Tafelberg, 3000 Fuß hoch, bestieg ich eines Morgens ganz bequem

in drei Stunden. Ein großartiger Ueberblick über Land und Meer

belohnte mich für die gehabte Mühe. Den Rücken dieses Berges bildet

ein ausgedehntes Plateau, eine „Tafel,“ von welcher er mit Recht den

Namen trägt. Es halten sich hier viele Affen auf, und ich hörte sie

schreien und lärmen, war aber nicht so glücklich einen zu Gesicht zu

bekommen; auch andere vierfüßige Thiere sah ich nicht. -- An einem

Freitage, dem Sonntage der Malaien, besuchte ich deren Moschee, einen

schönen hohen Saal in dem Hause des Oberpriesters. Obwohl Mohamedaner,

sind die Malaien nicht so strenge wie ihre Glaubensbrüder im Orient,

denn sie erlauben den Fremden, ihrem Gottesdienste beizuwohnen. Ich

fand die Weiber, die in dem Zimmer der Priestersfrau ihre Oberkleider

abgelegt hatten, in große weiße Tücher gehüllt und mit einem Schleier

auf dem Kopfe, der jedoch das Gesicht unbedeckt ließ, ganz im

Hintergrunde des Saales auf dem Boden sitzend. Auch die Männer zogen

in dem Vorgemache des Tempels die farbigen Beinkleider aus, unter

welchen sie weiße anhatten, hüllten sich ebenfalls in lange, weiße

Ueberkleider und schlugen ein weißes Kopftuch über das farbige, welches

sie gewöhnlich tragen. Sie warfen sich Anfangs wiederholte Male zur

Erde nieder; hierauf setzten sie sich in Reihen, in deren vorderster

der Oberpriester seinen Platz einnahm und zwei Gebete abhielt. Nach

dem ersten küßten die Männer dem Priester die Hand, nach dem zweiten

drückten sie ihm dieselbe. Ein Vorsänger begann alsdann im Hintergrund

des Tempels aus voller Kehle ein Lied abzuheulen, in welches die Männer

im Chore einstimmten. Nun drängte er sich durch die versammelte Menge

bis an den Fuß einer kleinen Kanzel und heulte ein zweites Lied allein

ab. Der Priester bestieg hierauf die Kanzel und las, gemeinschaftlich

mit dem Vorsänger, halb singend und halb sprechend, während zwei

voller Stunden Gebete aus dem Koran, womit sich die Zeremonie endigte.

Meine ursprüngliche Absicht war gewesen, in der Kapstadt selbst nur

kurze Zeit zu verweilen, wohl aber einen Ausflug in das Innere zu

machen, und, wenn möglich, bis an die Binnenseen vorzudringen. Man

versicherte mich allgemein, daß ich als Frau von den Eingebornen nicht

viel zu befürchten hätte, und daß selbst die Holländischen Weinbauern

und Landbesitzer, -- sonst gerade nicht durch ihre Gefälligkeit

berühmt, -- mich als Deutsche ruhig meines Weges würden ziehen lassen.

Ihre Unfreundlichkeit erstreckt sich blos auf die Engländer, welchen

sie das Eindringen in ihr Land so viel als möglich zu erschweren

suchen. Auch der Krieg zwischen den Engländern und den Kaffern hätte

mir keine Hindernisse in den Weg gelegt, da ich nicht nöthig hatte,

den Kriegsschauplatz zu berühren; allein als ich mich nach den Kosten

dieser Reise erkundigte, fand ich sie meiner Kasse weit überlegen, und

der schöne Plan mußte aufgegeben werden. -- Ich glaube, daß man in

keinem Lande der Welt so kostspielig und zu gleicher Zeit so langsam

reist als hier am Kap.

Man muß sich einen langen, mit Linnen oder Matten gedeckten Wagen

kaufen, nebst fünf bis sechs Paar Ochsen. Der Wagen wird gleich einem

Hause eingerichtet, denn er dient als Wohnung und Nachtquartier.

Zugleich miethet man einen Fuhrmann, Ochsenjungen und Diener, und ist

genöthiget, Lebensmittel, ja nicht selten auch Wasser mitzuführen. Mit

den Ochsen hat man viele Unannehmlichkeiten. Man kommt durch Gegenden,

in welchen es Schwärme kleiner Fliegen gibt, deren Stich den Ochsen

lebensgefährlich ist; in anderen fehlt es an Wasser, und die Thiere

fallen vor Durst, oder werden krank und untauglich vom Genusse des

verdorbenen Wassers, so daß man beständig entweder neue Ochsen kaufen

oder die kranken umtauschen muß. Dies wird stets kostspieliger, je

weiter man sich von der Stadt entfernt, da die Ochsen im Innern des

Landes seltener sind. Am Ende werden die Wege unfahrbar, und man muß

Wagen und Ochsen zurücklassen und Pferde kaufen.

Da ich in Folge der aufgezählten Schwierigkeiten gezwungen war, diese

Reise zu unterlassen, warf ich meine Blicke auf Australien. Doch dahin

fehlt es von der Kapstadt aus an Gelegenheit. -- Eine Bremer Brigg,

„Louise Friederike,“ Kapitän +Nienhaber+, lag im Hafen zur Reise nach

+Singapore+. Ich überlegte nicht lange. Einmal in Singapore findet

man Schiffe nach allen Himmelsgegenden. Durch die Verwendung Herrn

+Haase’s+, eines englischen Beamten, kostete mich die Ueberfahrt

beinahe nichts; der Kapitän rechnete mir nur die Kost, und zwar so

geringe, daß ich für die ganze Reise von 8000 Seemeilen blos drei

Livres Sterl. zu bezahlen hatte.

Am +25. September+ gingen wir unter Segel. Günstige Winde brachten

uns in 40 Tagen an die Einfahrt der +Sunda-Straße+; diese rasche

Fahrt erleichterte einigermaßen die Einförmigkeit der See, denn wir

begegneten weder Schiffen, noch bekamen wir Land zu Gesicht. In der

Sunda-Straße war es schon anders. Schiffe und Dampfer segelten an uns

vorüber, und Gebirge und Land stiegen aus dem Meere. Der Java-head, der

zuerst unsere Blicke fesselte, ist ein reich bewaldeter Berg von 4000

Fuß Höhe, an den sich niedrigere Gebirgszüge und lachende Hügelketten

anschließen. Von nun an verloren wir das Land selten mehr aus dem Auge.

Bald erschienen größere oder kleinere Inseln, bald Felskolosse, die aus

der Tiefe des Meeres auftauchten, bald Baumgruppen, deren Aeste so tief

herniederhingen, daß sie im Wasser selbst zu wurzeln schienen.

Wir durchschifften die +Java-See+ längs der Küste von +Sumatra+, und

gelangten in die +Banka+-Straße, die von den Inseln Sumatra und Banka

an manchen Stellen so eingeengt wird, daß sie einem Strome gleicht. Auf

den beiderseitigen Ufern zeigten uns die mit hohem Grase und dichten

Waldungen bedeckten Ebenen und Gebirge die Ueppigkeit der tropischen

Vegetation.

Die Entfernung von dem Eingange der Sundastraße bis Singapore beträgt

acht Grad, mit deren Durchschiffung wir vierzehn Tage zu thun hatten.

Windstillen und Gegenwinde brachen die Kraft der Segel, die Richtung

des Steuerruders; wir gingen wohl ein halb Dutzend Mal über den

Aequator hin und her, und manche Nacht lagen wir sogar vor Anker.

Die Hitze war unerträglich. Sie stieg im Schatten häufig auf 27 Grad

Réaumur. Dessen ungeachtet verging uns die Zeit ziemlich schnell, denn

der Kapitän war ein gebildeter Mann, der nebenbei recht hübsch die

Flöte blies. Auf der einförmigen See ist dies kein Fehler. Außerdem

machten uns die Eingebornen mitunter Besuche, vertauschten Geflügel und

Früchte gegen bunte Tücher, Spiegel oder Gold und sorgten auf solche

Weise für unsere Tafel; dazu kam die Abwechslung der vorüberziehenden

Landschaften; -- wir durften also es uns nicht als Verdienst anrechnen,

die vierzehn Tage mit Geduld ertragen zu haben. Doch gab es auch einige

unangenehme Zufälle. Eines Morgens fiel ein Matrose beim Umstellen der

Segel über Bord und denselben Tag der Obersteuermann beim Lootsen[11].

Glücklicher Weise hatten wir wenig Wind. Beide wurden gerettet. Eine

Nacht ging gleichfalls nicht ohne Abenteuer vorüber. Wir lagen vor

Anker, und da sich in diesen Meeren von Zeit zu Zeit Piraten blicken

lassen, empfahl der Kapitän den Matrosen strenge Aufmerksamkeit. Kaum

waren wir zur Ruhe, so erscholl der Ruf: „zwei Boote in Sicht vom Lande

her.“ Alles sprang vom Lager auf; Gewehre, Kugelbüchsen, Pistolen,

Säbel wurden auf das Deck gebracht, unter die Mannschaft vertheilt,

die beiden sechspfündigen Kanonen geladen, und so gerüstet erwartete

man den Feind. Die gefürchteten Boote nahten sich jedoch nicht unserem

Schiffe, und wir begaben uns wieder zur Ruhe. Später erfuhren wir, daß

die Piraten die Europäischen Schiffe nicht angreifen.

Am +16. November+ erreichten wir Singapore nach einer Fahrt von 54

Tagen.

Die Familie +Behn+ nahm mich so liebevoll auf, wie vor vier Jahren, als

ich das erstemal nach diesem Platze kam.

In +Singapore+ selbst fand ich nichts verändert. Doch ungefähr zwanzig

Meilen von dieser Insel war während der Zeit ein herrlicher Leuchtthurm

entstanden auf einem Felsen mitten im Meere, wo die Brandung so

stark ist, daß der Wächter stets auf sechs Monate mit Wasser und

Lebensmitteln versehen wird. Den Thurm erbaute man in 18 Monaten aus

Granitsteinen, die von der Insel +Urbin+, unweit Singapore, kommen.

Ebenfalls neu für mich war ein kleines Häuschen, das erst ganz kürzlich

von einigen Familien gebaut worden war, damit sie von Zeit zu Zeit

dort ein wenig frische Luft schöpfen könnten. Da das Häuschen bei

meiner Ankunft gerade leer stand und Herr +Behn+ wußte, daß er mir

keine größere Freude machen könne, als mich auf einige Tage mitten in

einen Jungle zu versetzen, wo ich nach Herzenslust der Natur und dem

Insektenfange leben konnte, so wies er mir dieses Häuschen als Wohnort

an. Er stellte auch ein Boot und fünf Männer zu meiner Verfügung,

damit ich die nahe gelegenen kleinen Eilande besuchen könne. Die fünf

Männer (Malaien) kamen jeden Morgen. Wollte ich nicht fahren, so

durchstreiften sie mit mir den Jungle, halfen Insekten fangen, deren es

hier im Ueberflusse gab, und dienten mir zugleich als Schutzwehr gegen

die zahllosen Tiger, die stets von Malakka über den schmalen Meeresarm

geschwommen kommen. Diese Thiere haben in den letzten Jahren sehr

zugenommen; sie scheuen sich nicht, am hellen Tage in die Pflanzungen

einzubrechen und Arbeiter heraus zu holen. Im Jahre 1851 wurden 400

Personen von ihnen auf der kleinen Insel Singapore aufgezehrt.

Trotz der schaudervollen Begebenheiten, die man mir erzählt hatte,

fand ich einen eigenen Reiz, von Morgen bis Abend in diesen schönen

Waldungen umherzustreifen. Meine fünf braunen Begleiter waren mit

Gewehren, Lanzen und langen Messern bewaffnet, stießen von Zeit zu Zeit

ein lautes Geschrei aus und schlugen an Aeste und Bäume, um die bösen

Gäste zu schrecken und zu verscheuchen. Dies alles erweckte nicht die

geringste Furcht in mir. Ich war zu sehr beschäftigt mit den reizenden

Gegenständen, die sich auf jedem Schritte meinem Blicke darboten. Hier

sprangen lustige Affen von Ast zu Ast, dort flogen buntgefiederte Vögel

auf, hier waren es wieder Blumen, die aus den Stämmen der Bäume zu

wurzeln schienen, sich um die Aeste rankten und ihre Blüthen durch die

Zweige und Blätter drängten, dort setzten mich die Bäume selbst durch

ihren Umfang, durch ihre Höhe und Fremdartigkeit in Erstaunen. Nie

werde ich der glücklichen, schönen Tage vergessen, die ich in diesem

Jungle verlebte, und von weiter Ferne sende ich dem Veranlasser jenes

schönen Aufenthaltes, Herrn Behn, meinen innigen Dank.

Spuren der Tiger sahen wir täglich; überall fanden wir Abdrücke ihrer

Krallen im Sande oder in der weichen Erde. Eines Mittags kam ein

solcher Gast ganz nahe an das Häuschen und holte sich einen Hund,

den er in gemütlicher Ruhe, kaum einige hundert Schritte entfernt,

verzehrte. In einer Nacht wurde ich durch einen Lärm in der Gallerie

neben meinem Schlafgemache aufgeschreckt. Ich dachte wohl, daß es keine

vierfüßigen Besucher seien; aber ich fürchtete eben so sehr zweifüßige,

um so mehr, als unweit des Häuschens 20 bis 30 Verbrecher wohnten, die

das Gouvernement hierher versetzt hatte, um Holz zu fällen. Man wußte,

daß meine Wache in einer entfernten Hütte schlief, daß ich allein in

dem Häuschen wohne und daß die Thüren gar nicht geschlossen werden

konnten. Ich hatte zwar stets ein großes Messer bei mir; das würde

mir aber wahrscheinlich nicht viel geholfen haben. Dessenungeachtet

rief ich beherzt. „Wer da?“ -- Ich erhielt zur Antwort, daß ein Tiger

bemerkt worden sei, der um die Hütte kreise und daß man Jagd auf ihn

mache. Das war leicht möglich; doch hörte ich keinen Schuß fallen

und die Stille der Nacht ward nicht weiter getrübt. Am andern Morgen

spielte ein Aeffchen beinahe vor der Thüre; einer meiner Beschützer

legte sein Gewehr an -- der Schuß versagte aber, und zwar wiederholte

Male. Welch ein Glück, daß wir der Waffen nicht in Wirklichkeit

benöthigten!

Die kleine Insel +Urbin+, unweit +Changie+, verdient einen Besuch.

Sie hat außer dem bereits erwähnten Granit eine Merkwürdigkeit

aufzuweisen, die noch kein Naturforscher erklären konnte. Die

Felspartien am Meergestade sind nämlich nicht glatt und rund, wie an

allen Orten, wo sie vom Wasser überspült werden, sondern im Gegentheile

scharfkantig und wie in Fächer getheilt. Die Kanten mögen 1 bis 1½ Fuß

eingeschnitten sein und stehen 1 bis 2 Fuß von einander entfernt.

Ich änderte in Singapore abermals meinen Reiseplan: anstatt nach

+Adelaide+ (Australien) ging ich nach der Westküste Borneo’s, nach

+Sarawak+, dem unabhängigen Besitzthume eines Engländers, Namens

+Brooke+.

Kapitän +Layall+ vom Trident, 320 Tonnen, war so gefällig, mich für

einen mäßigen Preis dahin mitzunehmen.

Man rechnet von Singapore nach der Stadt +Sarawak+ 450 Seemeilen. Wir

benöthigten zwölf Tage bis an das Kap +Datu+ an der Mündung des Flusses

+Sarawak+, der hier über eine Meile breit ist. Einen halben Tag mußten

wir auf der Rhede liegen bleiben, um mit der Fluth in den Strom zu

kommen, auf welchem man noch 25 Meilen aufwärts zu segeln hat.

Bevor ich Sarawak beschreibe, will ich meine Leser in wenigen Worten

mit der Geschichte Herrn +Brooke’s+ bekannt machen, welchen der Sultan

von +Borneo+ zum Rajah (Fürsten) ernannt und mit dem Gebiete von

Sarawak belehnt hat. -- Ich schöpfe diese kurzen Mittheilungen aus

„~+Keppel’s+ Expedition to Borneo.~“

+James Brooke+ stammt aus der Familie des Sir +Robert Vyner+, Baronet,

welcher unter +Karl+ dem ~II.~ Lord-Mayor von London war. +James

Brooke+, im Jahre 1803 geboren, ging als Kadet nach Indien, zeichnete

sich sehr aus und erhielt in einem Gefechte mit den Burmesen einen

Schuß durch den Leib, in Folge dessen er nach England zurückkehrte, um

sich herzustellen. Er nahm späterhin wieder Dienst; seine geschwächte

Gesundheit erlaubte ihm aber nicht, demselben lange vorzustehen, und

er ging im Jahre 1830 von Calcutta nach China, um Luft zu verändern

und sich zu zerstreuen. Auf dieser Reise war es, daß er den +Indischen

Archipel+ kennen lernte, der ihm ausnehmend gefiel. Er las die

vorzüglichsten Werke, die über diesen Theil der Welt existiren, und

gelangte alsbald zur Ueberzeugung, daß die östlichen Inseln und

besonders Borneo ein reiches Feld für Forschungen und Unternehmungen

darböten. Seine Hauptzwecke waren: den Sklavenhandel aufzuheben, den

Seeräubereien zu steuern und die Eingebornen zu Menschen zu bilden. Er

kehrte nach England zurück, hatte aber mit vielen Hindernissen und

Unannehmlichkeiten zu kämpfen, bevor es ihm möglich wurde, seinen Plan

in Ausführung zu bringen. Im Jahre 1838 verließ er endlich England auf

einem kleinen, aber wohl ausgerüsteten Kriegsschooner und mit Leuten,

die er während der letzten Jahre für sein Unternehmen vorbereitet

hatte. „Und wenn je ein Mann“ sagt Keppel, „für solch ein Unternehmen

geeignet war, so war es James Brooke. Ein ausgezeichneter Verstand,

schnelle Fassungsgabe, Großmuth, Entschiedenheit, mit einem Worte alle

guten Eigenschaften des Kopfes und des Herzens zierten ihn, und er

verband damit ein überaus freies und liebenswürdiges Benehmen.“

Als J. Brooke in Sarawak ankam, fand er den Rajah, +Muda Hassim+, in

großen Zwistigkeiten mit seinem Volke. J. Brooke stand ihm bei und

brachte nach zwei Jahren vollkommene Ruhe und Ordnung im ganzen Lande

zu Stande. Er richtete hierauf seine Aufmerksamkeit auf die Piraten

und reinigte die Küste gänzlich von ihnen. Muda Hassim trat ihm aus

Dankbarkeit den Distrikt Sarawak ab und ernannte ihn zum Rajah. Er

nahm das Land im Jahre 1841 in Besitz und wurde sowohl von dem Sultane

von +Bronni+ (Borneo), als auch von den Engländern als Fürst und

Eigenthümer anerkannt.

Die Folgen seiner kräftigen und gerechten Regierung zeigten sich in

seinem Lande bald. Die Bevölkerung der Stadt stieg in zehn Jahren

(1841 bis 1851) von 1500 Seelen auf 10,000, und so wie in der Stadt,

nahm auch die Bevölkerung auf dem Lande durch zahlreiche Einwanderer

aus den umliegenden Staaten zu. Selbst die freien und wilden Dayaker

im Innern des Landes kennen seinen Namen und ehren und achten in ihm

den Befreier ihrer Landsleute, die unter dem Joche der Malaien gleich

Sklaven lebten und die er letzteren in allem gleich gestellt hat.

Jeder findet Sicherheit, Frieden und Verdienst. Der Kaufmann kann

ruhig seinem Handel leben, der Bauer erhält unentgeltlich so viel Land

als er besorgen kann und überdies noch einen Vorschuß von Reis zur

Saat und zum Leben bis zur Ernte; der Arbeiter findet Beschäftigung in

den Gold-, Diamanten- und Antimonium-Minen. Die Steuern sind äußerst

geringe: der Kaufmann zahlt eine Kleinigkeit für seinen Laden, der

Bauer einen Pikul (125 Pfund leichtes Gewicht) Reis per Jahr, und der

Arbeiter gar nichts.

Die Haupteinkünfte des Rajah sind die Antimonium-Minen und der

Opium-Pacht, welch letzterer nicht nur hier, sondern in ganz Indien

ungemein hoch ist und das bedeutendste Einkommen der Regierungen

ausmacht. Ich werde im Verlaufe meiner Beschreibung ausführlich von

diesem Monopole sprechen.

Auf Sarawak wie überall wird das Opium von den Chinesen viel, von den

Malaien wenig geraucht.

Ich bedauerte sehr, Herrn J. Brooke nicht kennen gelernt zu haben,

da er sich gerade in London befand. Seine Stelle vertrat sein Neffe,

Kapitän +John Brooke-Brooke+, den er an Sohnesstatt angenommen hat und

der somit der künftige Erbe seines Titels und Landes ist.

Kaum hatte Kapitän Brooke erfahren, daß ich am Bord des +Trident+

sei, als er sein eigenes, bequemes Prauh[12] unter Befehl des

Schiffskapitäns +Grimble+ sandte, um mir die für Segelschiffe oft

langweilige Fahrt stromaufwärts zu verkürzen. Der Trident hatte auch

wirklich drei Tage dazu nöthig, während ich selbst sie in vier Stunden

machte.

Die Flußufer sind äußerst niedrig, so daß das Wasser sie an vielen

Orten überschwemmt und fortgesetzte Reihen von Morästen bildet. Die

ersten 10 bis 12 Meilen vom Flusse an gegen das Innere sind auf beiden

Seiten mit Nipa- und Mangrova-Palmen bedeckt, dann fängt junger Jungle

an. Die Nipa-Palme ist den Eingebornen von unendlichem Werthe. Sie hat

keinen Stamm, die Blätter, 12 bis 15 Fuß lang, schießen gleich aus den

Wurzeln empor. Alle Theile dieser Palme sind nützlich: von den Rippen

der Blätter werden die Wände der Hütten gemacht; die Blätter selbst

dienen als Bedachung, oder werden zu Asche gebrannt, aus der man Salz

gewinnt. Matten und Körbe werden aus den Blättern geflochten und der

ihnen entzogene Saft wird zu Syrup gekocht.

In der Nähe der Stadt erhöhen sich die Ufer, und die Gegend wird

teilweise hügelig. Weiter im Innern zeigen sich Gebirgszüge,

deren höchste Berge Matang, Santabong 3000 Fuß messen. Als eine

Eigenthümlichkeit des Landes erschienen mir mehrere steilaufsteigende,

einige tausend Fuß hohe Berge mit spitzen Kuppeln, die ohne Verbindung

mit andern Bergen oder Hügeln frei in der Mitte von Ebenen standen.

Was die Bevölkerung anbelangt, so ist sie an der Meeresküste und an

den Ufern des Flusses sehr spärlich. Ich sah an der Mündung nur ein

einziges Haus, welches ungefähr hundert Fuß lang ist, auf 20 Fuß hohen

Pfählen ruht und von Dayakern bewohnt wird; dann hört jede Ansiedlung

auf bis ungefähr acht Meilen vor der Stadt. In früheren Zeiten war das

Land bis auf 20 oder 30 Meilen von der Küste unbewohnt. Die Furcht vor

den Piraten war so groß, daß Niemand es wagte, seine Hütte in ihrem

Bereiche zu bauen. Seit der Ankunft Rajah Brooke’s hat, wie gesagt, an

der West- und Nordwest-Küste Borneo’s die Piraterie gänzlich aufgehört.

An dem Landungsplatze empfing mich Kapitän Brooke persönlich und

geleitete mich in das Haus seines Onkels. Als ich ihm meinen

Empfehlungsbrief überreichte, war er so artig, mich zu versichern, daß

mein Name schon hierher gedrungen sei und ich keines Empfehlungsbriefes

bedürfe.

Die Stadt Sarawak hat weder Straßen noch Plätze; sie besteht aus einer

Menge größerer und kleinerer Hütten, die ohne Symmetrie und Ordnung

in Haufen zusammengedrängt liegen. Die Hütten sind aus der Nipa-Palme

gebaut und stehen auf 8 bis 10 Fuß hohen Pfählen, welche Bauart den

Malaien eigen ist und von den Chinesen selten nachgeahmt wird. Die

Aufgänge sind Leitern, deren Sproßen aber so weit von einander stehen,

daß ihr Ersteigen für einen ungeübten Kletterer gefährlich wird. Noch

gefährlicher sind die Vorplätze, deren Boden einem grob geflochtenen

Netze gleicht, das aus dünnen, runden und glatten Bambus-Stämmchen

besteht, von welchen man leicht abgleitet und dann mit dem Fuße in

den Zwischenräumen hängen bleibt. Im Innern der Hütten ist dieses

Bambus-Gitter wenigstens enger und mit Matten überlegt. -- Von

Haus-Einrichtung ist wenig zu sehen: einige Körbe, hölzerne Kisten,

Strohmatten, Polster, irdenes Kochgeschirr, ein Gong, ein Parang[13]

und einige Klambu’s. Letztere bilden eine Art Schlafgemach für die

verheirateten Leute und die erwachsenen Mädchen. Sie bestehen aus einer

Himmeldecke mit Vorhängen von Kammertuch, die bis zur Erde reichen.

Die Klambu’s sind ungefähr fünf Fuß hoch und breit und sechs Fuß lang,

können leicht an jeder Stelle aufgemacht werden und schützen auch gegen

die Moskitos.

Der Raum unter dem Hause ist von Hühnern, Hunden und anderen Thieren,

bei den Chinesen auch von Schweinen bevölkert. Er gleicht einer

wahren Mistpfütze, denn aller Unrath wird durch den gegitterten Boden

hinabgeworfen.

Die Einwohner Sarawak’s sind Malaien und Chinesen; die wenigen Dayaker,

die man sieht, bilden keine Familien; sie stehen entweder in Diensten

oder kommen in Geschäften. Die Chinesen bewohnen einen Theil der Stadt,

die Malaien einen andern; jeder dieser Theile wird Kampon genannt.

Die Chinesen weichen in nichts von ihren vaterländischen Sitten,

Gebräuchen und Trachten ab. Die einzige Aenderung zu der sie gezwungen

sind, ist, daß sie ihre Frauen bei den Malaien oder Dayakern suchen

müssen. Die Chinesische Regierung erlaubt nämlich dem weiblichen

Geschlechte nicht, auszuwandern; eine Frau oder ein Mädchen, die

China verlassen, sind ihres Vermögens verlustig und dürfen nie

wiederkehren. Die Chinesen auf Borneo wählen ihre Frauen gewöhnlich aus

dem Dayakischen Volke; die Dayakerinnen sind viel arbeitsamer als die

Malaiinnen und haben den großen Vortheil, eigentlich keine Religion zu

besitzen und daher leicht die ihrer Männer anzunehmen, oder wenigstens

kein Aergerniß daran zu finden.

Man kann die Chinesen als das Glück und das Unglück des Landes

betrachten, in dem sie sich niederlassen. Einerseits sind sie arbeitsam

und ausdauernd in allem was sie unternehmen, andererseits aber im

höchsten Grade gewinnsüchtig, falsch und listig. In ihren Händen liegt

der ganze Handel, der größte Theil der Gewerbe, die Bearbeitung der

Minen; sie entziehen den trägen Malaien, den ehrlichen Dayakern jeden

Gewinn und übervortheilen und betrügen sie auf alle Art.

Die Malaien sind Mohamedaner, weichen aber in manchen Gebräuchen von

den Mohamedanern im Oriente ab. So genießen z. B. ihre Weiber sehr

viel Freiheit; sie gehen ungehindert aus und haben das Gesicht nicht

verschleiert; sie sind im Gegentheile nur zu leicht gekleidet, denn

die meisten tragen blos den Sarong, ein Stück Zeug, welches über oder

unter der Brust befestiget wird und bis über die Schenkel reicht.

Andere vervollständigen ihren Anzug mit einem kurzen Jäckchen (Kabay)

oder einem längeren Oberkleide (Padju). Die Weiber der Vornehmen gehen

zwar wenig aus; doch ist dieß ihrer Trägheit und nicht einem Verbote

zuzuschreiben, denn im Hause empfangen sie jede Art Besuche.

Die Tracht der Männer weicht von jener der Weiber wenig ab; sie tragen,

wie diese, den Sarong, den Kabay, ja manche auch den Padju. Viele haben

unter dem Sarong kurze Beinkleider an. Auf den ersten Blick würde man

oft die Geschlechter nicht unterscheiden, hätten die Männer nicht

Tücher um den Kopf geschlagen, während die Weiber in ihrem bloßen

Haarschmucke gehen.

Die Ehen werden hier ohne große Zeremonien geschlossen und sehr

leicht gelöst. Jedes der Eheleute hat das Recht sich zu trennen. Man

findet unter jungen Männern oder Frauen viele, die mehr als ein halb

Dutzendmal ihre Ehe-Hälften verändert haben.

Die Malaische Race zeichnet sich nicht durch Schönheit aus. Besser

ist noch der Körper bedacht als das Gesicht. Letzteres ist durch den

breiten, stark hervortretenden Oberkiefer, durch den großen Mund, die

schwarzen, abgefeilten Zähne und die schlappe, ausgedehnte Unterlippe

im höchsten Grade entstellt. Die Zähne werden mit Antimonium, Gambir

und noch andern Ingredienzien glänzend schwarz gefärbt, welche

sonderbare Mode bei den Malaien als Schönheit gilt. Viele feilen sie

auch halb ab oder spitzen sie pyramidenförmig zu. Die Ausdehnung

der Unterlippe rührt von dem Siri her, welches sie kauen und häufig

zwischen den untern Zähnen und der Lippe halten. Ihr Körper ist

durchschnittlich von mittlerer Größe, die Männer sind etwas schlanker

als die Weiber. Ihre Hautfarbe ist licht röthlichbraun bis dunkelbraun;

Haare und Augen schwarz, Nase flach mit breiten Nasenflügeln, Hände und

Füße klein, aber zu mager und knochig.

Sie beginnen schon mit acht oder zehn Jahren Siri zu kauen. Das Siri

besteht aus einem Betelblatte, in welches ein Stückchen Arecanuß, aus

Seemuscheln gebrannter Kalk und etwas Gambir gewickelt wird. Bevor

sie dieses Päckchen in den Mund schieben, reiben sie auf ekelhafte

Weise die Zähne und Lippen mit Tabak ein und nehmen ihn gleichfalls in

den Mund. Durch das Sirikauen wird der Speichel wie der ganze Mund

blutroth gefärbt. Diese schöne Gewohnheit ist so beliebt, daß alte

Leute, welchen die Zähne zum kauen fehlen, stets ein kleines Rohr mit

sich führen, in welchem sie das Siri zerstoßen.

Die Umgebung von Sarawak ist lieblich und wird durch die wenigen

Europäischen Häuser verschönert, die nebst einer artigen Kirche, einem

Missionshause, einem kleinen Fort und einer Gerichtshalle, auf den

umliegenden Hügeln stehen. Alle diese Gebäude sind von Holz, Rajah

Brooke’s Residenz nicht ausgenommen. Bei dem Missionshause befindet

sich eine Schule für die Eingebornen; 24 Kinder, meist Waisen, waren

gänzlich in Kost und Verpflegung aufgenommen. Das unbedeutende Fort

besitzt ein Paar Kanonen und gar keine Besatzung. Rajah Brooke ist

nicht nur von seinen Unterthanen, sondern auch von den benachbarten

Völkern so geachtet und geliebt, daß er der Waffen nicht bedarf.

Ich besuchte die Häuser einiger der vornehmsten Malaien, meist

ehemaliger Piratenhäuptlinge, die sich seitdem in friedliche Bürger, ja

zum Theil in brauchbare Beamte des Rajah’s umgewandelt haben.

Die Wohnung eines reichen Malaien besteht, wie die des armen, aus

einem einzigen, nur größeren Gemache, oft von 50 Fuß Länge und Breite,

welches außer den Klambu’s auch noch einige kleine Abtheilungen

enthält, die durch niedere Blätterwände gebildet werden. Man sieht hier

mitunter Teppiche und hübsche Matten; den Hauptreichthum aber machen

die Gongs, die Waffen und die Balangas aus. Letztere sind irdene,

vasenartige Gefäße von zwei bis vier Fuß Höhe, mit Arabesken verziert

und anscheinend ohne allen Werth. Ich hätte sie gar nicht beachtet

oder für große Wassergefäße gehalten. Aber man machte mich auf sie

aufmerksam, und ich erstaunte sehr, als man mir sagte, daß diese Gefäße

von hundert bis einige tausend Rupien[14] werth seien (wahrscheinlich

eine etwas übertriebene Angabe). Der Besitzer einer solchen Vase soll,

im Falle er Geld nöthig hat, mit Leichtigkeit von Jedermann einen Theil

oder den ganzen Werth darauf vorgestreckt bekommen. Man kennt weder

ihren Ursprung noch ihr Vaterland noch ihren Nutzen oder Gebrauch. Man

vermuthet, daß sie von China kommen. Die Chinesen ahmen in neuerer Zeit

diese Vasen täuschend nach; doch wissen die Kenner auf den ersten Blick

die echten von den falschen zu unterscheiden.

Meine zweite Weltreise(#75638) · 第 5 / 7 题