»No, da sin wir ja gleich beisammen, Herr -- -- -- Pernath, -- jawohl
Pernath. Ja wohl ja.« -- Der Herr Polizeirat war mit einem Schlag von
erstaunlicher Liebenswürdigkeit, als hätte er die erfreulichste
Nachricht von der Welt bekommen, streckte mir beide Hände entgegen und
bemühte sich in lächerlicher Weise, die Miene eines Biedermannes
aufzusetzen.
»Also, Herr Pernath, erzählen Sie mir einmal, was treiben Sie so den
ganzen Tag?«
»Ich glaube, daß Sie das nichts angeht, Herr Otschin«, antwortete ich
kalt.
Er kniff die Augen zusammen, wartete einen Moment und fuhr dann
blitzschnell los:
»Seit wann hat die Gräfin ihr Verhältnis mit dem Savioli?«
Ich war auf etwas Ähnliches gefaßt gewesen und zuckte nicht mit der
Wimper.
Er suchte mich geschickt durch Kreuz- und Querfragen in Widersprüche zu
verwickeln, aber, so sehr mir auch vor Entsetzen das Herz im Halse
schlug, ich verriet mich nicht und kam immer wieder darauf zurück, daß
ich den Namen Savioli nie gehört hätte, mit Angelina von meinem Vater
her befreundet sei, und daß sie schon öfter Kameen bei mir bestellt
habe.
Ich fühlte trotzdem genau, daß der Polizeirat mir ansah, wie ich ihn
belog, und innerlich schäumte vor Wut, nichts aus mir herausbekommen zu
können.
Er dachte eine Weile nach, dann zog er mich am Rock dicht an sich,
deutete warnend mit dem Daumen auf den linken Schreibtisch und flüsterte
mir ins Ohr:
»Athanasius! Ihr seliger Vater war mein bester Freund. Ich will Sie
retten, Athanasius! Aber Sie müssen mir alles sagen über die Gräfin. --
Hören Sie: alles.«
Ich begriff nicht, was das bedeuten sollte. »Was meinen Sie damit: Sie
wollen mich retten?«, fragte ich laut.
Der Klumpfuß stampfte ärgerlich auf den Boden. Der Polizeirat wurde
aschgrau im Gesicht vor Haß. Zog die Lippe empor. Wartete. -- Ich wußte,
daß er gleich wieder losspringen würde; (sein Verblüffungssystem
erinnerte mich an Wassertrum) und ich wartete ebenfalls, -- sah, daß ein
Bocksgesicht, der Inhaber des Klumpfußes, lauernd hinter dem
Schreibpulte auftauchte -- -- dann schrie mich der Polizeirat plötzlich
gellend an:
»_Mörder_«.
Ich war sprachlos vor Verblüffung.
Mißmutig zog sich das Bocksgesicht wieder hinter sein Pult zurück.
Auch der Herr Polizeirat schien ziemlich betreten über meine Ruhe,
versteckte es aber geschickt, indem er einen Stuhl herbeizog und mich
aufforderte, Platz zu nehmen.
»Sie verweigern also, über die Gräfin die von mir gewünschte Auskunft zu
geben, Herr Pernath?«
»Ich kann sie nicht geben, Herr Polizeirat, wenigstens nicht in dem
Sinne, wie Sie erwarten. Erstens kenne ich niemand namens Savioli, und
dann bin ich felsenfest überzeugt, daß es eine Verleumdung ist, wenn man
der Gräfin nachsagt, sie hintergehe ihren Gatten.«
»Sind Sie bereit, das zu beeiden?«